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9 – Davongelaufen

13 Mrz

2014death

Death by Neil Gaiman

Da ist dieser Tag, an den ich mich in jeder fürchterlichen Einzelheit erinnere. An den Moment als die Welt implodierte. An das Gefühl des Fallens, als die Vermutung Gewissheit wurde. Ich erinnere mich daran geglaubt zu haben immer noch zu funktionieren, ich fühlte mich nur ein wenig schwach, zu schwach für schnelle Bewegungen, dafür schien die Welt um mich herum zu zucken und zu zittern. In Wahrheit muss es umgekehrt gewesen sein.

Ich erinnere mich wie still später alles war, und wie die Trauer aus jedem Stein tropfte, dick und zäh wie Teer. Ich erinnere mich an das lange Warten und den Schmerz und wie absurd alles war und wie traurig und wie betäubt, als hätte sich ein Kokon aus Watte um mich herum gebildet. Daran erinnere ich mich. Ich erinnere mich an jede Einzelheit von dem, was ich gefühlt habe.

Woran ich mich nicht mehr erinnere sind die simplen Dinge. Das Datum des Tages, zum Beispiel. Aber das ist auch nicht wichtig. Es spielt keine Rolle. Wichtig ist was passiert ist und es sich anfühlte und was es mit mir und aus mir gemacht hat. Ich begann zu Laufen. In meinem Inneren begann ich davonzulaufen.

Ich lief und lief und lief davon, aber es spielte nie eine Rolle wie schnell und wohin, denn der Gedanke, vor dem ich davonlief, holte mich immer wieder ein, immer wieder und überall, und wenn er mich eingeholt hatte dann dröhnte laut und obszön die Frage wie wohl mein Leben aussähe wenn alles anders verlaufen wären.

Der Gedanke brach mir das Herz, jedes mal wenn er mich einholte, immer und immer wieder. Ich fühlte mich klein und betrogen und voller Sehnsucht und hilflos und wütend. Alles auf einmal, jedes Mal wieder. Und ich lief und lief und lief und der Gedanke erwischte mich immer wenn ich dachte ich wäre ihm entkommen. Das Laufen war ein Kampf und ich lief bis ich vor Erschöpfung und Aufrieb nicht mehr wollte und nicht mehr konnte. Da stellte ich mich ihm, diesem Verfolger der so viel Trauer in mein Leben brachte. Ich stellte mich ihm und schloß ihn in die Arme.

Ich hielt ihn fest und wisperte leise „Mein Leben sähe jetzt anders aus“.
Seit diesem Tag lief ich nie wieder vor irgend etwas davon.

8 – Hinfortgerissen
7 – Hinter dem Spiegel
6 – Im Limbus
5 – Erinnerungen an andere Welten
4 – Heute Nacht, und jeden verdammten Tag

 
2 Kommentare

Verfasst von - 13. März 2014 in Ganz Kurz

 

2 Antworten zu “9 – Davongelaufen

  1. Die Wunderbare Welt des Wissens

    15. März 2014 at 18:47

    (((Silencer)))

    Gefällt mir

     
  2. Katja

    25. Juli 2014 at 22:38

    .

    Gefällt mir

     

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