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Renaissance 2016

23 Mai

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She may not look like much, but she’s got it where it counts. I’ve made a lot of special modifications myself.“
– Han Solo, Tourenfahrer, über seine ZZR 600

Mein Motorrad, die Renaissance. Eine ZZR 600, eine der letzten echten Tourensportlerinnen die gebaut wurden. Kennt man heute gar nicht mehr, so leichte und wendige Motorräder mit der Leistung eines Supersportlers, dabei aber gleichzeitig so bequem und zuladungsfähig, dass man damit lange Touren fahren kann. Der hochgezüchtete Motor der ZZR holt aus 600 ccm satte 100 PS raus. Wenn man will, beschleunigt die Kiste abartig und hört erst bei 240 km/h damit auf. Dabei ist sie mit ihren kompakten Maßen und den 220 kg Leergewicht leichtfüßig genug, um durch enge Kurven zu tanzen.

Seit 2012 bin ich jedes Jahr mit der kleinen Kawasaki auf Tour durch Europa. Das fordert seinen Tribut, mittlerweile ist kaum noch ein Teil original, nicht mal der Motor. Das hört sich nach Schrottkiste an, dabei ist das genaue Gegenteil richtig: Verschlissene Teile werden kontinuierlich durch BESSERE ersetzt.

Das alte Fahrwerk ist schon vor 5 Jahren gegen Wilbers-Federbeine ausgetauscht worden, die das Motorrad viel sicherer auf der Straße liegen lassen als die Originaldämpfer. Und in diesem Jahr wurden rundrum alle Bremsscheiben und -beläge gegen das Neueste von Lucas ausgetauscht.

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Selbstverständlich gab es auch wieder neue Reifen, zum 4. Mal Pirelli Angel GT, die besten Tourenreifen überhaupt. Kleben selbst bei Nässe am Asphalt, fahren sich aber durch lange Autobahnstrecken nicht eckig.

Jedes Jahr hat die ZZR kleine Verbesserungen erfahren, um die Herausforderungen von bis zu vier Wochen „on the road“ noch besser zu bedienen. Mal kam ein Motoschutz aus Carbon dazu, mal ein versteckter Diebstahlsschutzschalter für die Elektrik, mal Trinkwasserbehälter, damit der Fahrer nicht irgendwann dehydriert vom Bock fällt.

Viel gab es nun nicht mehr zu verbessern. Folgerichtig unterscheidet sich die 2016er Version nur in Details von der Vorjahresausgabe. Das neue Modelljahr ist allerdings auf den ersten Blick am schwarzen Windschild zu erkennen. Das stammt aus der Plexiglasmanufaktur MRA in Tenningen und ist in der Form identisch mit der Originalscheibe.

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Mit Koffern ist die ZZR so breit, dass sie einen Autoparkplatz einnimmt. Auf Reisen ist die Zeit knapp, weshalb ich oft einen kostenpflichtigen Parkplatz wähle. Die alte, transparente Scheibe hatte, versteckt in der Verkleidung, eine Klemme auf der Innenseite, mit der sich Parkscheine befestigen ließen.

Mit einer opaken Scheibe geht das natürlich nicht. Daher hat die auf der Innenseite Neodymmagnete, die einen Parkschein auf der Außenseite festhalten. Parkschein in die Plastikhülle stecken und SCHNAPP klebt die am Mopped.

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Aufgeklebt auf die Scheibe ist eine Rollei-Halterung, die eine neue Kamera trägt: Eine Garmin VIRB XE, die die alte Rollei 5s ablöst. Die Garmin macht Full-HD-Aufnahmen. Im wasserdichten Gehäuse sitzen Gyros zur Stabilisierung, außerdem eine ganze Reihe Sensoren die Position, Geschwindigkeit, Beschleunigung, Neigungs- und Rollwinkel mittracken wenn die Kamera aktiv ist. Die VIRB XE ist damit nicht nur Actioncam, sondern auch Blackbox.

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Die VIRB ist vernetzt mit dem Navi, über das sie sich auch fernbedienen lässt und außerdem mit einer echten Fernbedienung im Cockpit. Damit kann ich auf Knopfdruck Fotos machen oder Bewegtbildaufnahmen starten und stoppen. Das Tolle: Anders als die Fernbedinung der alten Rollei funktioniert die der Garmin sogar! Einself!!

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Außerdem ist die Kamera noch mit einem kleinen Sensor unter der Rückbank vernetzt. Das kaum Eurostückgroße Teil liefert Temperaturdaten zu.

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Die Temperatur interessiert mich immer. Dooferweise gibt es kein vernünftiges Motorradthermometer mit Batteriebetrieb zu kaufen. Darum hatte ich mir aus einem Aquariumthermometer selber was gebastelt. Das war aber nun, nach 3 Jahren, total hinüber. Winterabende sind lang, da hatte ich mehr als genug Zeit was neues zu bauen. In einem handgeschliffenen Gehäuse sitzt ein Thermomodul aus dem Elektronikhandel, als Fuß dienen Teile eines Kamerastativs. Das Ganze ist mit Klettplatten auf den Bremsflüssigkeitbehälter befestigt und daher jederzeit abnehmbar.

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Das ganze Gesumms im Überblick:

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1. Navigationsgerät und RDKS
– Das Garmin ZUMO 590LM ist nicht nur Navi, sondern quasi der Bordcomputer des Motorrads. Es kommuniziert per Bluetooth mit den Sensoren an den Reifen um den Luftdruck zu überwachen, ist mit dem Helm vernetzt und holt sich aus dem Smartphone Verkehrs- und Wetterdaten. Das alles natürlich drahtlos. Sollte der Helmfunk aber ausfallen, gibt es zur Not noch einen Audioausgang versteckt in einem Luftauslass der Seitenverkleidung.

Das Navi zeigt direkt die Informationen von den Reifen an und warnt bei niedrigem Reifendruck oder plötzlichem Druckverlust.

Das Navi zeigt direkt die Informationen von den Reifen an und warnt bei niedrigem Reifendruck oder plötzlichem Druckverlust.

Die Reifensensoren, die den Luftdruck messen, sitzen in 10 Gramm leichten und trotzdem wuchtig aussehenden Ventilkappen. Dafür wurden extra Metallventile in die Felgen eingebaut und die Reifen mit den Kappen drauf gewuchtet. Normale Gummiventile würden kaputtreissen.

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2. Heizgriffe
– Schwachbrüstig im Vergleich zu heutigen BMW-Heizungen (die einem die Finger durch die Handschuhe verbrennen), schützt aber dennoch vor Erfrierungen.

3. Fernbedienung
– Für die Garmin Kamera.

4. Thermometer
– Nicht schön, aber wasserdicht und mit Hitze- und Fahrtwindschutz aus Styropor.

5. Motorprotektoren
– Aus Carbon mit Metall-Inlays, schützen die empfindlichen Seitendeckel (die bei diesem Motorrad schon mal platzen können wenn die Maschine nur umfällt).

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5. Custom Sitzbank mit Gelsitzfläche
– Speziell für mich angefertig bei der Sattlerei Schmidt-Design in Hameln. Darin: alle wichtigen Papiere in Kopie, Ersatzkreditkarte, Unfallbericht, Bargeldreserven.

6. Kofferhalterung mit Gepäckbrücke
– Bestückt mit Givi Monokey 45 Liter Koffern und einem selbstgebauten, umlaufenden Passivlichtsystem. Givis sind unzerstörbare Klassiker und werden in der Form seit 30 Jahren gebaut. Im rechten Koffer befindet sich ein kleines Ersatzteilager, inkl. aller Bowdenzüge, Fußrasten, einem Lichtmaschinenregler sowie Kupplungs- und Bremshebel. Alles Teile, die bei einem Sturz gerne mal kaputt gehen.

Kompakt: Ersatzteillager. Zusammengepackt mit Folie, um Gewicht zu sparen. Die schwarzen Gurte sind Klettmaterial und haken sich in die Kofferwand ein.

Kompakt: Ersatzteillager. Zusammengepackt mit Folie, um Gewicht zu sparen. Die schwarzen Gurte sind Klettmaterial und haken sich in die Kofferwand ein.

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Im linken Koffer steckt ein Netbook und eine 2 Terabyte-Platte, die die Aufzeichnungen der Bordkamera speichert.

7. Crashpads
– GTM-Crashpads mit zusätzlichen Aufschlagkappen, schützen den Motor.

8. Kamera
– Für eine Garmin VIRB XE.

9. Scottoiler
– Automatisches Kettenschmiersystem

10. Zusätzliche Anschlüsse
– verborgen in den Luftauslässen an den Seiten. Auf der Linken Seite ist ein Ladeanschluss verborgen, rechts liegen Leitungen zum Navigationsgerät. Dazu gehört sowas unnützes wie Audio-In, Audio-Out, USB und Mic-In. Braucht kein Mensch (solange die Bluetooth-Verbindung zum Helm funktioniert).

11. Tourenreifen
– Pirelli Angel GT

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12. Zündunterbrecher (2014)
– Schaltet die gesamte Elektrik ab. Ein kleines Quentchen mehr an Beruhigung, wenn die Maschine nachts in zwielichtigen Hafengegenden steht.

13. Verbandskasten
– Erweitert um den, in Frankreich nötigen, Alkoholtester. Außerdem steckt darin der Temperatursensor für die Bordaufzeichnung.

14. Bordwerkzeug
– enthält Maul- und Imbusschlüsselsätze und das Bordwerkzeug
(allerdings ausgetauscht gegen vernünftige Versionen)

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15. Zweite Bordtasche
Enthält:
– Reifenpannenset
– Ersatzsicherungen
– Ölnachschub für den Scottoiler
– Pressluft
– Ersatzschlüsselset
– Ersatzdüsen für den Scottoiler

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16. Givi-Topcase
Enthält:
– Wasser in zwei 1-Liter Flaschen
– Warnweste
– WiFi-Accesspoint
– GPS
– Kleinkram, Besteck und Becher
– Leuchtsignal zur Sicherung von Unfallstellen
– Bremsscheibenschloss

Blick ins Topcase. Hier hat auch der Integralhelm Platz, wenn er nicht gebraucht wird.

Blick ins Topcase. Hier hat auch der Integralhelm Platz, wenn er nicht gebraucht wird.

17. Seitenfach
enthält
– Warndreieck (das man über den Helm ziehen und an die Straße stellen kann)
– Ankerplatte zum Parken auf Schotter
– Gashilfe

So. Das Motorrad wäre dann soweit und steht reisefertig vor dem Haus. Und ich? Ich bin fernwehleidig. Ein neues, selbst erfundenes Wort. Es beschreibt perfekt das Gefühl zu wissen, dass das Motorrad mich jetzt, sofort, überall hinbringen kann – aber es noch nicht an der Zeit dafür ist.

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3 Kommentare

Verfasst von - 23. Mai 2016 in Motorrad

 

3 Antworten zu “Renaissance 2016

  1. kalesco

    25. Mai 2016 at 22:45

    Ich liebe deine Renaissance! Ich möchte sie nicht haben, aber ich finde den Weg zum perfekten Motorrad so toll! Das schwarze Schild ist schick!

    Gefällt 1 Person

     
  2. Silencer

    26. Mai 2016 at 08:53

    Ich weiß, Du magst basteln 🙂

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  3. Zauberer

    4. August 2016 at 12:05

    das erste mal den Weg zur Beschreibung deiner ZZR gefunden. Perfekt; wie alle deine Berichte.

    Gefällt mir

     

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