Gnadenloses Leben

Einen Monat ohne (7): Momente

Wie ist das eigentlich, wenn die individuelle Mobilität zur Selbstverständlichkeit geworden ist, dann aber plötzlich wegfällt? Dank eines Fahrverbots habe ich einen Monat lang die Gelegenheit das auszuprobieren.

Und dann dieser Schockmoment, als ich feststelle, dass ich heute die GUTE Jacke anhabe, aber vergessen habe die Monatskarte umzupacken. Den Autoschlüssel habe ich natürlich eingesteckt. Klar, darauf bin ich über Jahrzehnte konditioniert.

Ich mache einen inneren Facepalm und ziehe mir ein elektronisches Ticket aus der App. Das geht neuerdings ganz gut: Einmal Wischen beim Einsteigen in den Bus, ein Mal Wischen beim aussteigen, Ticketpreis wird über Paypal abgebucht. Einfacher gehts kaum.

Nett am Fahren im Bus sind ja auch die vielen Miniaturen, die man so mitbekommt. Kleine Momente, die im nächsten Augenblick schon wieder vorbei sind.

Au-Shit-Moment: Als der Busfahrer eigentlich schon an der Haltestelle vorbeigdonnert war und DANN erst sah, dass da eine Frau im schwarzen Mantel stand, „Au SHIIIIIT!“ rief und eine Vollbremsung hinlegte.

Stinkender-alter-Ron-Moment: In Pratchetts Scheibenweltbüchern gibt es die Figur des Foul ol´Ron, dessen Körpergeruch ein Eigenleben entwickelt hat. Sowas hatte ich hier neulich auch. Während der zerzauste Mann mit dem Zottelbart auf der Rückbank Platz nahm und lautstark mit seinem Spiegelbild in der Scheibe lamentierte, ging sein Körpergeruch auf Entdeckungsreise und schwebte mal hierhin, mal dorthin, über die ganze Länge des Busses und wieder zurück.

Pizza-Moment: Ich mochte den Typ, der im Bus eine Pizza aus dem Karton fraß, vom ersten Augenblick an nicht. Mit beiden Händen schaufelte er sich die rein, als ob er beim Wettessen wäre. Abgesehen davon roch das Ding fürchterlich. Grinsen musst ich dann trotzdem, als der Typ sich an seinen Nebenmann wandte und es mit vollem Mund aus ihm herausbrach: „Weißte was geil wäre? Wenn jetzt hier noch Zwiebeln und Knoblauch drauf wären!“ – Guter Gott, nein.

Telegramm Moment: Die Tussi in der Lederleggings, die bei aktivierten Tastentönen auf ihr Whatsapp einhämmerte und es genauso klang als ob sie ein Telegramm versendet „düd-düd-düüd-düd-düd-düüd“.

Womanspreading Moment: Manspreading, das Dasitzen mit breiten Beinen als seien die Eier große wie Basketbälle, hatte ich noch nicht. Aber Womanspreading: Die Frau, die unbedingt ihre Beine die Bus Wand hoch und breit auseinanderfalten musste. Bizarr, sah aus wie Yoga im Bus.

Gänselieselmoment: Die Rumfahrerei vor Sonnenaufgang hat nette Momente. Ich habe z.B. mal wieder das Gänseliesel mit Beleuchtung gesehen, siehe oben.

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Einen Monat ohne (5): Geburtstagsblues

Ich kann mich eigentlich überhaupt nicht beklagen, stelle ich fest. Der ÖPNV per Bus ist in Götham noch besser ausgebaut als ich dachte.

In der Stadt kommt man selbst in entlegene Winkel meist mit zwei Mal umsteigen. Es dauert nur ein wenig. Die umliegenden Dörfer sind mit einem Halbstundentakt an die Stadt angebunden, für Orte weiter weg gibt es stündliche Überlandbusse oder Regionalbahnen.

Ziemlich gut, also, und trotzdem bin ich gerade ein wenig geknickt. Der Grund: Meine ganze Familie hat im Januar Geburtstag, und da gestalten sich Besuche nun doch schwierig.

Schwester wohnt in Bayern, ein gut nehmbarer ICE zum Supersparpreis führe um 05:40 Uhr – aber um die Zeit fährt kein Bus zum Bahnhof.

Nicht viel besser ist es für Besuche bei den Eltern, die weiter nördlich auf Dörfern wohnen. Statt ins Auto zu steigen und in 30 Minuten da zu sein, müsste ich allein für den Besuch bei meinem Vater fünf Minuten zum Bus laufen, 20 Minuten Bus fahren, 5 Minuten warten, einen anderen Bus nehmen, 20 Minuten warten, für 20 Minuten den Regionalzug nehmen, 10 Minuten warten und dann nochmal 20 Minuten Bus fahren. Eineinhalb Stunden hin, eineinhalb Stunden zurück. Ist immer noch alles machbar, keine Frage, aber da es die Verbindung Samstags nur vier Mal gibt und Sonntags gar nicht, wird aus einem kurzen Kaffeetrinken eine praktisch tagesfüllende Samstagsbeschäftigung.

Tut mir leid, liebe Familie. Das holen wir wann anders nach.
Vorzugsweise bei besserem Wetter.

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Einen Monat ohne (2): Day Zero

Dezember 2019
Vorbereitung kann manches einfacher machen. Vor meiner lappenlosen Zeit habe ich schwere Dinge, wie Gurkengläser, eingekauft und gebunkert. Discounter und große Supermärkte werden nämlich nur schwer erreichbar sein, und ich muss ja alle Einkäufe quasi auf dem Rücken nach Hause tragen. Jetzt sind die Vorräte gut aufgefüllt. Ich glaube ich hatte noch nie so viel zu essen im Haus.

Kurz vor Weihnachten habe ich mir überlegt, dass ich eine Monatskarte für den Bus kaufen könnte. Aber was kostet sowas und wo bekommt man das her? Für Einzelkarten hat Götham eine App, die ich auch gelegentlich nutze*. Aber Monatskarten?

Ah, hier. Die Website des Verkehrsverbundes sagt, dass es ein gutes Dutzend „Vorverkaufsstellen“ gibt, meist in Tabakläden. Da ist die zwei Euro Karte billiger, als wenn man sie im Bus kauft. Aha, wieder was gelernt.

Ich lasse 53 Euro in einem Tabakladen und bin fortan stolzer Besitzer einer Monatskarte, gültig ab dem 02. Januar 2020.

02. Januar 20
Tag 0 ist gleich eine kleine logistische Herausforderung. Das steht an:

  1. Der Führerschein muss zur Post gebracht und per Einschreiben zu Frau Webermann vom Landkreis Gütersloh geschickt werden, auf das sie ihn einen Monat verwahrt.**
  2. Bei Aldi gibt es ab heute Bodenmatten, da hätte ich gerne welche von.
  3. Ich darf auf keinen Fall zu spät zur Arbeit kommen, Handwerker werden erwartet.

Ich brauche also eine Post, einen Aldi und das bitte so, dass ich rechtzeitig bei der Arbeit bin.

Gar nicht so einfach, die meisten Aldis liegen außerhalb in Gewerbegebieten. Ach ne, hier, der da – der liegt bei einem Rewe, und darin ist eine Postfiliale. Aber wie komme ich da hin?

Die Website des Verkehrsverbundes ist sperrig, um es mal vorsichtig auszudrücken. Zwar spuckt sie mir eine Busverbindung aus, bei der ich nur drei Mal umsteigen und vorher durch alle Stadtteile fahren muss, aber sie zeigt mir z.B. nicht auf einer Karte, wo die Bushaltestellen sind, an denen ich umsteigen muss. Und die meisten tragen Namen, die ich noch nie gehört oder auf dem Stadtplan gelesen habe.

Nach einigem Rumklicken finde ich dann raus, dass bei jeder Buslinie eine Open Street Map mit der Route hinterlegt ist. Nach dem Studium dreier Busrouten und der Lage von verschiedenen Haltstellen finde ich sogar noch eine Direktverbindung zu Post/Aldi und eine zeitnahe Rückfahrt zur Arbeit. Na dann, los geht´s!

In der Einfahrt steht das Kleine Gelbe AutoTM, eingepackt in eine Halbgarage, die extra für diesen Monat gekauft wurde. Die Fenster bei der Kiste sind ja undicht, und nach einem Monat Regen und Schnee und ohne Heizung zwischendurch könnte ich darin im Februar wohl Schimmelpilze ernten. Reicht schon, dass in vier Wochen die Batterie leer sein wird.

Die Nacht über ist es kalt geworden. Minus 6 Grad zeigt das Thermometer. Das Geräusch von Eiskratzern auf Windschutzscheiben in allen Straßen hören. An der Bushaltestelle vor mich hinfrierend sehe ich, wie ein Mann Anfang 70 einen alten Mazda freikratzt, ihn kurz anlässt, dann wieder ausmacht und im warmen Haus verschwindet. In Mumpfelhausen gibt es sie noch, die Gentlemen, die früh aufstehen, rausgehen und das Auto freikratzen, damit die Frau sofort zur Arbeit fahren kann.

Der Bus kommt mit fünf Minuten Verspätung, aber immerhin ist der ÖPNV angenehm leer. Meine Timeline auf Twitter weiß auch, warum.

Eine halbe Stunde gurkt der Bus kreuz und quer durch die Stadt, vom Klinikviertel zur Uni, von da in die Südstadt, dann nach Osten und einen Berg hoch. Den letzten Kilometer muss ich den Berg hoch laufen.

Vor dem Rewe-Markt läuft ein Mann mit einem Laubbläser herum und macht damit einen Heidenlärm. Alles für drei Blätter, zumindest sieht es im ersten Moment so aus. Dann sehe ich den Berg an abgebrannten Silvesterfeuerwerk, dass der Mann schon zusammengeblasen hat.

Als ich der Postfrau den Umschlag mit meinem Führerschein überreiche, der jetzt als Einschreiben nach Gütersloh geht, fühlt sich das seltsam unprätentiös an. Ich hatte gedacht das würde jetzt ein andächtiger Moment werden, so rein gefühlsmäßig, aber stattdessen eile ich weiter. Tagesaufgabe 1 erledigt. Morgen wird der Führerschein in Gütersloh sein, dann beginnt das Fahrverbot zu laufen. Zwar darf ich auch heute schon nicht mehr fahren, aber das zählt nicht. Heute ist Tag Null.

Tagesaufgabe 2: Bodenmatten kaufen. Wenn ich mich beeile schaffe ich den Bus noch, der in sieben Minuten von hier zur Arbeit fährt. Fall das nicht klappt, muss ich eine halbe Stunde in der Kälte stehe.

Im Eingang des Aldi-Markts steht ein Mercedes mit laufendem Motor. Darin lehnt ein weißhaariger Mann Mitte 60 mit dem Kopf an der Scheibe. Es gibt sie noch, die Gentlemen, die dafür sorgen, dass die Frau nicht weit laufen muss und ein warmes Auto vorfindet, wenn sie den Einkauf erledigt hat. Boomer, ey.

So, Bodenmatten gefunden, jetzt bezahlen und weg hier. Fünf Minuten noch. Der Mann vor mir hat einen beachtlichen Einkauf in mehre Abrechnungen gesplittet, aber die Kassiererin ist schnell.

Noch vier Minuten. Der Typ ist abkassiert und dreht sich gerade um zum Gehen, als ihm noch was einfällt. „Wo ist der Bon?“, fragt er. „Habe ich ihnen gegeben“, sagt die Kassiererin. „Ich habe den aber nicht“, sagt der Mann.

„Ich habe ihnen den aber gegeben“, sagt die Kassiererin. „Da ist er doch.“ -„Nein, das ist nur der dritte, wo ist der zweite?“ „Den habe ich ihnen auch gegeben“ Der Mann beginnt in seinem Portemonnaie zu wühlen, die Kassiererin in ihrem Mülleimer.

Eine Kundin mischt sich ein. „Hier liegt auch Geld auf dem Boden!“, sagt sie und klaubt 11 Cent auf. „Es geht nicht um Geld“, sagt die Kassiererin. „Es geht darum, dass sie mir meinen Bon nicht gibt“, braust der Mann. „Ich HABE ihnen den gegeben“, sagt die Kassiererin. „HABEN SIE NICHT!“, wird der Mann laut.

„Hat sie, ich habe es gesehen“, sage ich. „Sehen sie! Er hat’s gesehen!“, ruft die Kassiererin und der Mann guckt verwirrt. Ich habe nichts gesehen, ich habe geträumt, aber mich nervt, wie der Mann die Kassiererin angeht. „Was mache ich nun mit dem Geld??“, sagt die andere Kundin und hält die 11 Cent hoch.

Noch zwei Minuten. „Entschuldigen sie, ich muss zum Bus“, sage ich. Die Kassiererin guckt mich genervt an, und ich schiebe ein „Sorry“ hinterher.

Zwei Minuten und einen kurzen Sprint später sitze ich in Linie 73. Wer hätte gedacht, das Busfahren so spannend ist – und man erlebt definitiv mehr als mit dem Auto.


*) um ehrlich zu sein: Nur, wenn ich ein Motorrad aus der Werkstatt holen muss.
**) Theoretisch geht auch die Abgabe an einer Polizeidienststelle, die den Führerschein dann versendet. Aber die Dienststelle in der Göthamer Innenstadt macht das nicht.

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Einen Monat ohne (1): Lappenlos

Das neue Jahr ist da, und ich mache jetzt mal ernst mit einem Monat Enthaltsamkeit. Ich werde einen Monat lang statt des Autos oder eines Motorrads nur Füße, Fahrrad, Busse und Bahn nutzen.

Kann man ja mal machen. Für den Klimaschutz?

Äh, ja…. ganz genau. Ich möchte mehr für den, äh, Klimaschutz machen. Sicher. Diese Erkenntnis kam quasi blitzartig über mich.
Blitzartig, kurz vor Halle in Westfalen.

Ich war auf der Landstraße unterwegs und gerade aus einem Ort rausgefahren. Etwas in Gedanken hatte ich nicht darauf geachtet, wie schnell man da eigentlich fahren durfte, und über einen längeren Abschnitt kam dann auch kein Geschwindigkeitsschild mehr. „100“, zeigte das Navi des Mietwagens an. Na dann.

Aber irgendwas fühlte sich komisch an, und deshalb fuhr ich langsamer. Deutlich langsamer zuerst. Ich hatte ja Zeit, Arbeitstag war vorbei. Im Laufe der Strecke – breit, gut ausgebaut, übersichtlich – ließ ich den Audi wieder schneller rollen.

BLITZ.

Ok, das war jetzt doof. Da war ein Blitzanhänger hinter einem Baum auf der linken Fahrbahnseite. Aber wie schnell durfte man denn jetzt hier eigentlich fahren?

Das erfuhr ich zwei Wochen später, als ich ein Schreiben vom Landkreis Gütersloh im Briefkasten hatte. Weil weiter vorne eine Baustelle war, hatte man offensichtlich auf der Strecke temporär ein Limit von 50 km/h eingerichtet. Ich lag exakt 41 km/h drüber. Das ist ziemlich unglücklich, denn bis 40 Stundenkilometern drüber gibt es nur eine Geldstrafe, ab dem 41. Kilometer ist aber der Lappen einen Monat weg.

Ob ich zum Sachverhalt eine Aussage machen wollte, fragte Frau Webermann vom Landkreis Gütersloh. Ich schrieb ihr einen netten Brief, in dem ich ihr darlegte, dass ich das wohl war, aber nur unglücklich vor mich hin geträumt hatte. Hätte ich rasen wollen, wäre ich schneller gewesen. Ob wohl dieser nicht vorhandene Vorsatz ein Grund wäre, vielleicht noch mal einen Stundenkilometer abzuziehen und auf 40 km/h drüber zu kommen?

Der Brief sorgte offensichtlich für Erheiterung bei Frau Webermann. Sie bedankte sich für die „längliche Darstellung des Sachverhalts“ und wies darauf hin, das, sollte ich ein Härtefall sein und den Führerschein un-un-unbedingt brauchen, das ja darlegen könne. Dann könnte sie vielleicht das Fahrverbot in eine höhere Geldstrafe umwandeln. Ich bräuchte dafür aber ein Schreiben meines Arbeitgebers, dass ich ohne Lappen quasi meinen Job los wäre.

Ansonsten könnte ich mir aber in einem Viermonatsfenster aussuchen, wann ich zu Fuß gehen wollte, und ich sollte ich doch zusehen, dass ich die führerscheinlose Zeit doch vielleicht in den Urlaub legen sollte. Haha. Ausgerechnet. Wo mein Urlaubskonzept doch gerade von Individualbmobilität geprägt ist. Klar, 3 Wochen Japan, das hätte schon gepasst. Leider wollte ich da auch gerne Auto fahren, wenn auch nur zwei, drei Mal, aber genau für den Zweck hatte ich schon eine Übersetzung meines Führerscheins ins Japanische anfertigen lassen, und war nicht bereit die einfach so abzuschreiben.

Bin ich ein Härtefall, der den Führerschein unbedingt braucht? Ich bin recht häufig auf Dienstreisen, aber meist mit der Bahn. Mietwagen sind da die Ausnahme. Also eher nicht.

Ich hätte natürlich so tun können und dann vor Frau Webermann rumflennen, dass ich armer Mensch ohne Führerschein praktisch nicht mehr lebensfähig bin, aber wer hier schon länger mitliest weiß, dass ich die Einstellung vertrete, dass man nicht lang jammern soll, wenn man Mist gebaut hat, sondern die Strafe gefälligst ertragen soll. Aus einem Vergehen rauswieseln, das ist nicht mein Ding.

So kommt es, dass ich jetzt zum ersten Mal seit meinem 16. Lebensjahr einen Monat ohne motorisiertes Fahrzeug unterwegs sein werde und hier begleitend aufschreibe, wie das so ist.

Bitte nicht falsch verstehen: Ich schreibe das hier nicht um rumzujammern, sondern weil ich selbst gespannt bin, wie das wird. Vermutlich unspektakulär, aber man weiß ja nie – ich wohne auf dem Dorf. Nicht weit auf dem Land, aber immerhin. Mobilität war als Ressource für mich die letzten 28 Jahre, mit einer kurzen Ausnahme, praktisch rund um die Uhr verfügbar und selbstverständlich, da wird es vielleicht schon spannend mal zu gucken, wie das ist, wenn etwas selbstverständliches einfach weg ist.

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Das war das Jahr, das war (2019)

Am Jahresende traditionell die Rückschau.

2019 war zermürbend.
Ich habe viel gearbeitet und hatte zu wenig Bewegung. Eine Zahl von 390 auf dem Überstundenkonto allein für dieses Jahr spricht da eine deutlich Sprache. Wenn ich nicht am Schreibtisch saß, war ich unterwegs. Für bloggen oder was anderes blieb meist keine Zeit. Immerhin konnte ich mich politisch ein wenig engagieren: Gegen Uploadfilter, für Klimaschutz. Das war gut.

Lage der Nation: Politisch same Procedure as every year seit 2014, nur schlimmer: Die ehemaligen Volksparteien reiben sich weiterhin in der Groko auf und beten die schwarze Null an – mehr Demokratiefeindlichkeit war selten. Die AFD schneidet auf Länderebene, insb. bei Landtagswahlen im Osten, stark ab, und die Erkenntnis wächst: Die wird nicht trotz, sondern wegen ihrer Rechtsradikalität gewählt.

Überall im Land wittern Rechtsextreme und Neo-Nazis nun Morgenluft und werden immer dreister. So müssen sich Fernsehsender gleich mehrfach entschuldigen, weil in Serien und Nachrichten Aufkleber mit Slogans wie „Gegen Rassismus“ und „FCK AFD“ zu sehen sind, und die AFD klagt sogar gegen eine Plakette mit der Aufschrift „gegen Rassismus“ am Frankfurter Rathaus. Das sind die Auswüchse der kontinuierlichen Verschiebung der Grenzen des sag- und machbaren nach Rechts.

Weiterhin versucht der Vermögensverwalter Black Rock ihren Friedrich Merz als Kanzlerkandidat der CDU zu installieren, während die Kandidatin von Merkels Gnaden, Annegret Kramp-Karrenbauer, auf ungeschickteste Art durch die Gegend eiert und nur dadurch auffällt, dass sie groben Unfug von sich gibt und sogar im Affekt Zensur fordert. Schlimm, diese Unfähigkeit und Instinktlosigkeit.

Merkel selbst ist das egal, sie sitzt stoisch ihre Restzeit ab und macht nix mehr, weder Innenpolitisch noch für Europa oder gar die Welt. Das ärgert die Jugend, die in Millionenzahl für Klimaschutz auf die Straße geht – und weitgehend ignoriert und verhöhnt wird. Darauf macht ein junger Mann ein Video mit dem schönen Titel „Die Zerstörung der CDU“, in dem er schlicht Fakten über die Partei und ihr Verhalten in Klimafragen zusammenträgt. Das Video wird Millionenfach geklickt und hat Einfluss auf Wahlen, bei denen die CDU in der Gruppe der jungen Wähler von 27 auf 12 Prozent fällt die Grünen erstaunlich stark abschneiden. Bei den Unionsparteien ist die einzige Konsequenz, dass sie jetzt Youtube-Kanäle hat. Seufz.

Das Thema Klimakatastrophe bewegt – Jugend und vernünftige Menschen fordern die Politik auf zu handeln, und deutlicher als zuvor wird klar, dass es Gesamtgesellschaftlich nicht so weiter gehen kann mit endlosem Verkehrswachstum und Verheizen von fossilen Brennstoffen. Das weiß man eigentlich seit den 80ern, aber jetzt rückt es wieder ins Bewusstsein. Erstaunlicherweise provoziert das eine erstaunlich große Bevölkerungsgruppe, die denkt man wolle ihr was wegnehmen, und darauf mit unfassbarem Hass reagiert, klimaschützenden Kindern übelste Morddrohungen entgegenschleudert und sich dazu bekennt „stolze CO2-Produzenten zu sein“. In Sachsen kann man sogar Silvesterböller mit der Aufschrift „FUCK YOU, GRETA!“ kaufen.

Das hat aber Methode. Gerade Umweltthemen werden von rechten Gruppen genutzt, um sich daran ab zu arbeiten und Empörung zu produzieren. Einen traurigen Höhepunkt erleben wir kurz nach Weihnachten, als ein nicht mal lustiges Satirelied aus dem WDR-Progamm, das auf Klimaschutz anspielt, von rechten Personen und Gruppen genutzt wird, um einen Shitstorm hochzuziehen.

Die klassischen Medien sind damit überfordert und halten das rechte Trolling für echte Meinungen. In der Folge knickt der WDR-Intendant ein, was wiederum Nazis ermuntert, vor das Funkhaus des WDRs zu ziehen und dort die Nationalhymne zu gröhlen, das Privathaus des verantwortlichen WDR-Mitarbeiters zu belagern und Listen über WDR-Personal zu erstellen. Deutschland hat ein massives Problem mit Rechtradikalität. Die hat sich jahrelang auf Fecebook und Twitter und in Talkshows ausgebreitet, jetzt sehen die Rechten das Feld bereitet um ihren Hass auf die Straße zu tragen.

Lage der Welt: Die Demokratien sterben.
Nicht durch Kriege, sondern durch demokratisch gewählte, rechte Parteien, die die demokratischen Systeme rasant und von innen heraus demontieren.

In Polen wird die Justiz per Gesetz der Politik unterstellt. In Ungarn kaufen Kumpels von Orban alle Medienhäuser auf, die fortan nur noch Propaganda senden. Die Türkei überfällt Nachbarländer. Brasilien lockert Waffengesetze und brennt den Regenwald ab, um Soja an China zu liefern, das Dank Trumps Strafzöllen kein Soja mehr aus den USA bekommt.

Legt man Umberto Ecos 14-Punkte-Checkliste an, kommt man schnell darauf, dass wir es in all diesen Ländern inkl. der USA mit erstarkendem Faschismus zu tun haben. Fußnote: Deutschland liefert an all diese Länder Waffen.

Trump nimmt die USA weiterhin aus wie eine Weihnachtsgans und macht sich und seinen reichen Freunden die Taschen voll. Umwelt- und Arbeitsschutzauflagen, Verbraucherschutz, sogar Energiesparlampen, alles wird zurückgerollt. Gleichzeitig erpresst er andere Länder: Die Ukraine, um politische Gegner zu diskreditieren, Deutschland, um Amerikas Frackinggas zu kaufen. Die USA, ein Schurkenstaat aus der dritten Welt.

Ein Impeachment läuft, aber irgendwie hat der Geisteskranke es geschafft, die Republikaner geschlossen hinter sich zu versammeln. Die verkünden dann auch im Vorfeld des Verfahrens einen Freispruch. In 5 Jahren, wenn Trump abtritt, wird diese Partei mit ihm untergehen. Generell stellt sich aber die Frage, wie mit dem politischen System der USA umzugehen ist, wenn das Zweiparteienprinzip aufgrund von Tribalism offensichtlich nicht mehr funktioniert und die Legislative sich weigert, die Exekutive zu kontrollieren.

England verschiebt mehrfach den Brexit, dann wählt es Boris Johnson. Der verkündet darauf, den Brexit jetzt aber wirklich machen zu wollen, und außerdem Gesetze einzubringen um die Rechte des Parlaments zu beschneiden und es jederzeit auflösen zu können. Ein Faschist, schlimmer als Trump.

Zumindest in Italien formt sich Protest gegen den Faschisten Salvini, der früher im Jahr aus der Regierung geflogen ist und nun im Hintergrund Strippen zieht, um möglichst bald wiedergewählt zu werden.

Und sonst noch? Hier die immer weiter mutierende Form des Bloggerdorf-Fragebogens.

Wort des Jahres: Motorradtourette

Zugenommen oder abgenommen? Achgottjazugenommen.

Mehr ausgegeben oder weniger? Gleich.

Am meisten ausgegeben für… die Wartung und Anpassung der Fahrzeuge.

Die teuerste Anschaffung? Eine Mavic Air.

Mehr bewegt oder weniger? Weniger. Seufz. Zu viel Arbeit um noch Lust an Sport zu haben. Ich weiß, verkehrte Einstellung.

Die hirnrissigste Unternehmung? Einen Tag nach Fieber kilometerweit auf einen heiligen Berg stiefeln.

Ort des Jahres? Tokyo.

Das leckerste Essen? Frühstück im Il Pino Marittimo.

2019 zum ersten Mal getan? Einen Langstreckenflug.

2019 endlich getan? Eine 3D-Brille getragen und eine Drohne geflogen.

Gesundheit? Zystendings am Auge entfernt, Blutdruck noch leicht zu hoch, sonst gut.

Ein Ding, auf das ich gut hätte verzichten mögen? Hemden eine Größe größer kaufen zu müssen

Gereist? Oh ja. Im Februar nach London, im Sommer mit dem Motorrad durch Südeuropa und im Herbst nach Japan.

Film des Jahres: I am Mother, The Happytime Murders

Theaterstück des Jahres: Harry Potter and the cursed Child

Musical des Jahres: Tina

Spiel des Jahres: Der aktuelle Konsolenzyklus ist am Ausklingen, was sich bemerkbar macht. Es wird noch eine handvoll Triple-A-Games geben, aber die haben sich alle verschoben. Das wichtigste Release des Jahres war „Red Dead Redemption 2“. Das war toll, Spiel des Jahres ist für mich aber ein anderes: „Yakuza Kiwami 2“ hat eine tolle, lineare Geschichte und ist launig. Ebenfalls nicht schlecht ist „Innocence: A Plague Tale“, eine Double-A-Produktion aus Frankreich.

Serie des Jahres: Chernobyl.

Buch des Jahres: Edward Snowden: Permanent Record.

Ding des Jahres: Eine Tischdecke und Bettzeug, nach meinen Vorstellungen angefertigt.

Spielzeug des Jahres: Die Prism-Tube Wifi Kamera.

Enttäuschungen des Jahres: „Assassins Creed III Remastered“. Immer noch kein gutes Spiel. „X-Men: Dark Phoenix“ ist purer Müll. Und „Wolfenstein: Youngblood“ ist so schlecht und unfair, dass es verdient getankt ist.

Die schönste Zeit verbracht damit…? Mit dem Reisemotorrad eine Motorradreise zu machen.

Vorherrschendes Gefühl 2019? Anspannung und Stress.

Erkenntnis(se) des Jahres: Die AFD wird nicht gewählt obwohl, sondern weil sie rechtsradikal ist.

In diesem Sinne: Ich wünschen einen guten Start in ein tolles 2020! Ihr seid eine tolle Leserschaft und ich bin immer wieder sehr froh und stolz darauf, wer sich hier so tummelt. Ich lerne viel von Euch, und das ist super.

Nekrolog:

Weiterlesen

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Momentaufnahme: Dezember 2019

Herr Silencer im Dezember 2019

Wie, warum ist dieses Weihnachten nicht schon lange rum?“

Wetter: Anfang des Monats bei -5 Grad nachts knackig kalt, in Kombination mit hoher Luftfeuchtigkeit fühlt sich das wie Minus 20 an. Dann wird es so mittelkalt bei 5 Grad und regnet praktisch ständig, am Monatsende rutschen die Temperaturen dann auch tagsüber ins Minus, dafür scheint dann die Sonne.


Lesen:

Alita: Battle Angel – Vol.1 & 2.
Eine Cyberpunk-Zukunft: Auf dem Müll liegt ein Cyborgkopf rum, in dem das Gehirn eines Teenagers steckt. Auf einen Kampfkörper gesteckt, wir der Teen zu einem Battle Angel.

Die Geschichte der diesjährigen Verfilmung von „Battle Angel“ endete genau in dem Moment, als es gerade richtig spannend wurde. Ich wollte wissen wie es weiter geht, und habe mir daher die Buchreihe gekauft.

Die gibt es in einem 5 kg(!) schweren Schuber als Gesamtausgabe. Band 1 erzählt im Wesentlichen die Story des Filmes, tut das aber angenehm knapp und nicht so emotional und Ausufernd wie dieser. Band 2 dreht sich ausschließlich um das Rollerball-Rennen, das im Film eher kurz dazwischen geschoben wird.

Man merkt, dass die Geschichte schon dreißig Jahre alt ist. Storytechnisch geht es mit einer oberflächlichen Naivität voran, die typisch für die beginnenden 90er ist: Dinge passieren, weil sie cool sind, und nicht, weil sie sinnvoll in ein erzählerisches Gerüst eingebettet sind. Zeichnerisch ist das Alita leider auch keine Offenbarung. Viele Panels sind unverständlich krude angelegt, die Zeichnungen mal naturalistisch, mal seltsam abstrakt. Das ist nur zum Teil dem Zeitgeist geschuldet – den Autoren fehlt hier schlicht der Blick für eine nachvollziehbare und cinematische Erzählung, den der späte Leser durch eine andere, popkulturell intensivere Sozalisierung erwarten würde.

Mit anderen Worten: „Alita“ ist über weite Strecken langweiliges Gekrickel, weil die Macher es nicht besser konnten. Das ist schade, denn die überbordende Aktion und die coolen Ideen kommen durch die schlechte Umsetzung nie rüber. Oder mir fehlt die Fantasie. Ich verstehe, was hier gemacht werden sollte und sehe durchaus Idee A und Idee B, aber wie die Macher von A nach B kommen ist unbeholfen erzählt und schlecht gezeichnet.


Hören:


Sehen:

Anna [Prime Video]
Ein blondes Model wird von verschiedenen Geheimdiensten angeworben und veranstaltet Blutbäder.

Alte Männer neigen dazu sich zu wiederholen, und Luc Besson bildet hier keine Ausnahme. In „Anna“ erzählt er SCHON WIEDER die eine Geschichte, die er seit seit 30 Jahren immer wieder durchnudelt: Die der schönen, aber armen Frau, die in clandestine Dinge verwickelt wird und dann ordentlich in Ärsche tritt. Klar, „Lucy“ mit Scarlett Johanson ist ja auch schon 5 Jahre her, da kann man ja mal wieder eine Neuauflage drehen. Nach „Nikita“ von 1990, „La Femme Nikita“ (1997), „Nikita“ (2010) und „Lucy“ (2014) ist das hier jetzt die fünfte Verwurstung (von der ich weiß).

Nun heißt Nikita also Anna, und die ist zeitgemäß langbeiniger, blonder und brutaler als ihre Vorgängerinnen, hat aber noch weniger Charakter.

Die eigentlich simple Story versucht durch verwirrende Flashbacks Komplexität zu simulieren, zerbricht damit aber jegliche Struktur im Film und reitet das Pacing in Grund und Boden. Durch diese wirre Struktur stolpern durchgehend unsympathische Figuren, für die man in keinem Moment Empathie oder auch nur Verständnis aufbringt. Highlight könnte Helen Mirren sein, aber die wusste in was für Trash sie hier mitspielt, und gibt ihren Charakter so comichaft überzogen, dass auch sie in Egalität versinkt. Was bleibt, sind blutige Metzelszenen und knochige Körper in Reizwäsche.

„Anna“ ist belangloser Euro-Trash eines alten Mannes, der Filmförderungen nur noch dafür abgreift, junge Frauen in Unterwäsche filmen zu können – und dafür seine eine Geschichte von vor 30 Jahren wieder und wieder recycelt.

6 Underground [Netflix]
Ryan Reynolds (gespielt von Ryan Reynolds) ist Milliardär und nicht ganz dicht. Anders kann man es kaum erklären, wieso er auf die Idee kommt, erst seinen eigenen Tod vorzutäuschen und dann auch noch den von 5 anderen, um mit denen fortan als namenlose „Geister“ jagt auf fremde Staatsoberhäupter zu machen.

Der Film ist die teuerste Eigenproduktion, die Netflix sich bisher geleistet hat. Rund 150 Millionen wurden hier, haha, verballert. Für hanebüchenen Michael-Bay-Blödsinn. Das ist schön fotografiert und enthält Action-Pieces, die man so noch nicht gesehen hat – wie einen auslaufenden Dachpool,der das Hochhaus darunter flutet, oder die Verfolgungsjagd durch Florenz, bei der ich die ganze Zeit dachte: „WIESO zum Teufel durften die da drehen?!“(selbst Michael Bay war erstaunt, das er das durfte), die zugleich aber auch haarsträubend doof sind, denn weder Pacing noch die seltsamen-blöden Charaktere noch die teenagerhaften Dialoge halten den ganzen Kram zusammen.

An manchen Stellen ist die Naivität so cringeworthy, das man sich vor Scham im Fernsehsessel zusammenrollen möchte – etwa, wenn in einem arabischen Regime die USA einen TV-Sender kapern und durchsagen, dass jetzt mal alle frei sind – und zwei Sekunden später Menschen auf den Straßen tanzen und Blumenblüten regnen. Da frage ich mich dann schon: Ist das wirklich das Weltbild des Michael Bay? Oder passt er sich einfach dem IQ seines amerikanischen Publikums an? Man weiß es nicht.

Manche Dinge lassen mich ob ihrer Albernheit schmunzeln – etwa, wenn ein Auto bei einer Verfolgungsjagd am Dom von Florenz in eine Gasse abbiegt, die sich offensichtlich in Rom befindet, um am Ende am Campo von Siena rauszukommen, neben dem der Ponte Vecchio von Florenz liegt. Geschenkt, auch trotz dieser Insiderfehler ist „6 Underground“ ein richtig schlechter Film, der es immerhin ordentlich krachen lässt.

Star Wars Ep.9 – Rise of Skywalker [Kino]

Während Rey zur Jedi ausgebildet wird, stolpert Kylo Ren in einen Keller, in dem der Imperator seit 30 Jahren im Flackerlicht hockt. Andere Leute da sind auf der Suche nach irgendwas und treffen dabei das verlorene Mitglied von Daft Punk.
SumthingSumthingSumthing DARK SIDE.

„Rise of Skywalker“ macht zuvorderst eines: Er wirft Episode 8 in die Tonne und erzählt trotzig die Geschichte weiter, die in Episode 7 begonnen wurde. Im Fließtext am Anfang wird in knappen Sätzen erzählt, was seit „Force Awakens“ wirklich Spannendes passiert ist – und ich muss sagen, DEN Film hätte ich gerne gesehen, anstatt den Rebellen dabei zuzugucken, wie ihnen das Benzin ausgeht.

Was dann folgt ist eine Art Roadmovie, bei der jeder auf der Suche nach einem Macguffin ist. Sowas kann gut funktionieren, siehe „Pirates of the Caribbean – Dead Mens Chest“, der vor allem deshalb so gut ist, weil alle nur Davy Jones Kiste wollen und damit jederzeit die Motivation der Charaktere klar ist.

Episode 9 verstolpert es aber, weil das Pacing hinten und vorne nicht stimmt. Völlig atemlos wird hier zwischen Actonpieces hin und her gesprungen, ruhige Momente gibt es kaum. Das mag davon ablenken, dass die Story wenig Sinn ergibt und so voller Zufälle und Logiklöcher ist, dass selbst meine superstarke Suspension of Disbelief die Fühler streckte. Wenn ich im Kino sitze, Star Wars gucke und ich plötzlich denke „Wie soll DAS denn gehen? Das ist doch Quatsch“, dann stimmt wirklich etwas ganz heftig nicht.

Schon faszinierend: Weder Episode 7, 8 oder 9 sind objektiv gute Filme. Es fehlt 7 und 9 an originellen Ideen, dafür sind sie vollgehängt mit Fanservice und überladen mit JJ-Abrams-Mystery-Geschwurbel. Warum Rian Johnson in Episode 8 einfach IRGENDWAS machen durfte, was überhaupt nicht zum Rest passt und Charaktere nachhaltig beschädigt, wird sich mir nie erschließen.

Und dennoch packen mich diese Filme emotional. Bei Episode 8 kam ich aus dem Kino und fühlte mich ganz großartig unterhalten, bei Episode 9 habe ich die halbe Zeit geweint, und zwar nicht, weil der Film so schlecht war.

Die JJ-Abrams-Episoden liefern viel Fanservice, der bei mir – als jemand der Star Wars als Kind geliebt hat – genau die Resonanzfrequenz trifft und mich emotional zerschüttelt. Dazu kommt, dass ich total auf Daisy Ridley abfahre. So sehr Alan Driver als Kylo Ren eine Fehlbesetzung ist, der die Hälfte der Zeit so wirkt als wisse er nicht, wo er eigentlich gerade ist, so unfassbar gut ist Ridley in ihrer Rolle als Rey. Sie ist es, die für mich über ganz weite Teile die neuen Filme trägt und auch wiederholt anschaubar macht.

Nach allen Regeln der Filmkritik ist „Rise of Skywalker“ kein guter Film, sondern einer mit vielen Fehlern, der aber für Star Wars Fans einiges richtig macht und die emotionale Geige so spielt, dass er gut unterhält
Nostalgie und Daisy Ridley.
Gibt Schlimmeres.


Spielen:

Jedi Fallen Order [PS4]
Irgendwann zwischen Episode III und IV: Der junge Cal Kestis war ein Jedischüler und ist der Order 66 und dem Massenmord an den Jedi nur knapp entkommen. Nun versteckt er sich vor dem Imperium und dessen Spionen auf einem abgelegenen Schrottplaneten. Durch einen dummen Zufall wird er dort von der imperialen Inquisition entdeckt und gejagt. Auf der Flucht findet er neue Verbündete und wird unvermittelt in eine weitaus größere Rolle hineingeschubst: Er könnte derjenige sein, der den Orden der Jedi wiederbelebt.

„Fallen Order“ stammt vom Studio Respawn Entertainment. Das habe ich seit dem grandiosen Einzelspielermodus von „Titanfall 2“ auf dem Schirm. Der hatte eine tolle Story, strotzte vor coolen Ideen und war technisch auf der Höhe.

„Fallen Order“ ist leider nicht ganz so gut, weder technisch noch erzählerisch. Auf einer Standard-PS4 ruckelt das Spiel andauernd, die Story hat im Mittelteil lange Hänger und das ständige Backtracking in bereits besuchte Gebiete ist höllennervig. Ich persönlich kann mit dem Dark-Souls-mäßigen Kampfsystem nichts anfangen, das zudem unpräzise zu steuern ist und bei dem man im Falle eines Bildschirmtods Erfahrungspunkte verliert.

Das ist besonders frustrierend, weil schon der normale Schwierigkeitsgrad sehr, sehr schwer ist. Ohne intensives Studium der gegnerischen Angriffsmuster und das Sterben von Hunderten von Toden (auf die laaaaange Ladezeiten folgen) geht hier gar nichts. Niemand, der älter als 14 ist, wird so viel Lebenszeit investieren wollen. Der leichtere Schwierigkeitsgrad bietet dafür überhaupt keine Herausforderung mehr, simples Buttonmashing reicht, um selbst die härtesten Gegner zu bezwingen – das macht dann nun gar keinen Spaß mehr.

Ähnlich unbefriedigend ist auch das Speichersystem: Selbstheilung gibt es nicht, nur durch Speichern erhält die Figur Energie zurück. Speichern geht aber nur an bestimmten Punkten und sorgt dafür, dass sofort alle bereits besiegten Gegner auf dem ganzen Planeten wieder da sind. Sollen ditte?

Dadurch kämpft man sich teils ein halbes Dutzend mal durch die immer gleichen Gegnergruppen, die einfach ständig wieder auferstehen. Diese Art von Spielmechaniken hätte es nicht gebraucht. Ja, es ist schön, dass EA endlich wieder ein Einzelspieler-Star-Wars-Spiel ohne Mikrotransaktionen und Multiplayergehampel gemacht hat – aber es fehlt leider an Richtung und Polishing.

Das ich aus „Fallen Order“ dann doch zufrieden rausging, liegt an dem grandiosen Ende der Geschichte. Nach einem laaaaangen Hänger in der Mitte dreht das Spiel auf die letzten Stunden storytechnisch so auf, dass man aus dem Staunen kaum raus kommt. Zumindest, wenn man keine Werbung gesehen hat. In den USA hat Electronic Arts es nämlich geschafft, in einem 10 sekündigen Werbespot das Ende zu spoilern.

In der Summe: Souls-like mag ich nicht, und auch davon abgesehen ist „Fallen Order“ kein Spitzenspiel. Die Dark-Souls- und Castlevania-Elemente hätte es nicht gebraucht, eine linearere Story wäre hier keine Schande gewesen. Aber es ist gut und unterhaltsam, und das ist ja mehr als es gefühlt seit „Force Unleashed“ (2008) gab .

Control [PS4]

Jessie hat rote Haare und geht in ein Gebäude. Mehr weiß man anfangs nicht. In dem Betonhochhaus liegt ein toter Mann rum. Als sie die Waffe nimmt, mit der der Mann sich erschossen hat, ist Jessie plötzlich Direktorin des FBC, des Federal Bureau of Control. Diese Behörde kümmert sich eigentlich im Stil der „Men in Black“ um übersinnliche Phänomene, ist aber leider gerade selbst von einem überrannt worden. Jessie beginnt die leeren Korridore des FBC zu erkunden. Das sich das Gebäude über mehrere Dimensionen erstreckt und ständig seine Form ändert, macht die Sache nicht einfacher.

Ok, die Story löst erst einmal „Hä?!“ aus, aber sowas erwartet man von Remedy schon fast. Das Studio hat sich nach den simplen Geschichten um „Max Payne“ deutlich emanzipiert, mit Werken wie „Alan Wake“ und zuletzt „Quantum Brake“ erzählen die Finnen komplizierte und interessante Geschichten im Medium Spiel. Feste Bestandteile sind ganz viel Atmosphäre, übersinnliche Elemente und Gameplayelemente, die über reines Shootern hinausgingen.

„Control“ ist ein weiterer Evolutionsschritt dieser Formel und pfeift mit der Wahl eines Schauplatzes gleich mal auf die Regeln von Physik und Realität. Das ist ebenso originell wie anders, fällt aber über seine eigenen Füße: Viel zu lange weiß man von der Hauptfigur nicht mehr, als das sie rote Haare hat. Zwar wird die Geschichte irgendwann hinreichend befriedigend aufgelöst, bis dahin aber über Dutzende (gefühlt: Hunderte) Textdokumente angereichert, die zu lesen sehr sinnvoll ist um zu verstehen was passiert. In den Textwüsten gibt es grandiose Ideen, wie die, dass Jessies „Dienstwaffe“, die sie zur Direktorin auserwählt hat, in früheren Zeiten andere Formen hatte – das Schwert Excalibur, oder davor eine heilige Wikingeraxt.

Das Gameplay ist mäßig originell, spielt sich aber ganz OK – zumindest so lange, wie auf dem Bildschirm nicht zu viel los ist. Nahezu jedes Umgebungsobjekt lässt sich zerstören oder als Waffe benutzen, Gegner und Jessie selbst können irgendwann fliegen und jeder Waffeneinsatz löst Partikeleffekte aus. Für so ein Physik-Inferno braucht es massive Rechenpower, und die hat die PS4 nicht, zumindest nicht in der Standardversion. Darum bricht in Massenkämpfen die Framerate gelegentlich bis auf 10 Bilder pro Sekunde ein. Zum Glück ist das nach mittlerweile sieben Patches schon besser geworden, kurz nach Release war Control kaum spielbar.

Zu den Performanceproblemen kommen der nicht einstellbare und nicht dynamische Schwierigkeitsgrad, der stellenweise unangenehm und bei Nebenquest sogar überfordernd ist, endlose Ladezeiten, respawnende Gegner und Rücksetzpunkte, die oft Minuten vor dem letzten Ableben liegen. Keine Ahnung was sowas soll. Die Kombination aus bockschweren Gegnern, bei denen man quasi nach wenigen Sekunden ins Gras beißt, um dann minutenlang auf den (ruckelnden!) Ladebildschirm zu starren um danach wiederum minutenlang zum Gegner zurückzulaufen um DANN wieder nach Sekunden zu sterben – das ist kein Spiel, das mir persönlich Freude macht. Das ist unfair uns sperrig. Weniger offener Ansatz und mehr Linearität wäre auch hier schön gewesen.

Zusammengefasst: „Control“ ist ein faszinierendes und sperriges Werk. Man merkt, dass sich Remedy von Microsoft getrennt hat: Es fehlt das Polish einer Triple-A-Produktion, wie „Quantum Break“ eine war. Das interessante Setting und die komplexe Geschichte, die sich erst nach und nach entfaltet, gleichen die permanent ärgerlichen Schnitzer im Spieldesign zum Teil wieder aus, Geduld sollte man allerdings mitbringen.


Machen:
Die letzten Wochen des Jahres sind bis Monatsmitte traditionell etwas hektisch bei der Arbeit. Danach: Vorbereitung auf ein, äh, interessantes Projekt im Januar.


Neues Spielzeug:

Eine Mavic Air von DJI, Codename „Pica“. Ja, ich gehe jetzt auch unter die Drohnenpiloten. Also, sobald das Wetter besser ist.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

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Die dicke Agathe 2019

Elf Monate im Jahr steht der große Blumentopf im Weg. Den hat der Vormieter hier zurückgelassen. Was über seinen Rand hängt (des Blumentopfes, nicht des Vormieters), sieht unansehnlich aus: Knotige, fleischige Auswüchse hängen wie rheumatöse Finger schlapp herunter. Farblich erinnert dieses Gekröse an einen Smoothie aus Erbsen und Blattspinat, den jemand drei Wochen im Kühlschrank vergessen hat. Kein schöner Anblick also.

Ich habe das augenbeleidigende Grünzeug Agathe getauft und weil sie so groß ist, ist es eben die dicke Agathe. Ich habe sie bislang nicht entsorgt, denn ein Mal im Jahr sieht das hässliche Gewächs plötzlich so aus: Wie ein wunderschöner, knallbunter Wasserfall aus exotischen Blüten!

Die Haustiere lieben Agathe in dem Zustand.

Bleibt die Frage: Woher weiß so ein Weihnachtskaktus wann Weihnachten ist?

Die dicke Agathe 2018
Die dicke Agathe 2017

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Momentaufnahme: November 2019

Herr Silencer im November 2019

Arigatooo-Gosaimaaaas

Wetter: Kein Plan, war den Monat nicht hier. Ende November ist es so mittelkalt, zwischen 2 und 10 Grad. Die Bäume sind kahl, das Wetter misselig.


Lesen:

Edward Snowden: Permanent Record
„Früher war die Frage: Stehe ich auf der Überwachungsliste? Heute stehen wir alle auf der Liste. Die Frage ist nun: Wie hoch oben?“

Faszinierende Lebensgeschichte eines Mannes, der bewusst alles geopfert hat, um die Wahrheit ans Licht zu bringen. Das Buch bietet Einblicke in Snowdens Motivationen, seine Arbeit für NSA und CIA und die Funktionsweise der Intelligence Community nach 9/11. Als Bonusmaterial gibt es die Tagebücher von Lindsey Mills, Snowdens großer Liebe, die er für das Whistleblowing aufgibt. Sehr Lesenswert, zumal im Buch deutlich wird, das Snowdens Opfer mehr gebracht hat, als wir im Alltag wahrnehmen.


Hören:


Sehen:
Zwei Mal 11 Stunden Flug und ein gut gefülltes Entertainment-System, da konnte ich endlich all den drittklassigen Ranz weggucken, für den ich immer zu geizig war Geld auszugeben.

One Upon a time in Hollywood [JAL Onboard]
Leonardo die Caprio ist ein drittklassiker Schauspieler im Hollywood der 70er Jahre. Ihm zur Seite steht stets sein ergebener Stuntman Brad Pitt. Zusammen und getrennt wird gefeiert, Fernsehantennen repariert, die Manson-Familie besucht und mit Nachbarin Sharon Tate geflirtet.

Der neunte Film von Quentin Tarantino. Anscheinend dreht der mittlerweile nur noch Szenen auf die er Bock hat, dass diese Miniaturen dann in eine konsistente oder sogar fesselnde Handlung eingebettet sind ist wohl eher Nebensache. So plätschert der Film vor sich hin, verlässt sich dabei ganz auf seine Darsteller und die Ausstattung, um dann unvermittelt in einem absurden Gewaltexess zu enden. Das ist alles sehr seltsam, allerdings funktioniert das Werk für mich – es ist ein Märchen über Hollywood vor langer Zeit, und nichts anderes verkündet ja der Titel.

Toy Story 4 [JAL Onboard]
Woody, Buzz und Andys andere Spielzeuge werden an ein kleines Mädchen vererbt. Das nutzt seine Fantasie, um aus Müll neue Spielzeuge zu basteln. Irritiert von einem suizidgefährdeten Frankenstein-Löffel macht sich Woody auf zu seiner letzten Reise als Spielzeug.

Braucht es einen vierten Toy Story-Film? Natürlich nicht. Aber trotzdem lässt er sich gut anschauen. Die Charaktere sind liebenswert wie immer, nerven aber nicht. Die Handlung bringt die „Toy Story“ zu einem sehr befriedigendem Ende.

I am Mother [JAL Onboard]
Die Menschheit ist ausgerottet, die Erde unbewohnbar. In einem Bunker unter der Oberfläche sind tausende von menschlichen Embryonen eingelagert. In dieser menschlichen Arche tut ein Roboter namens Mutter Dienst.

Mutter wählt einen der weiblichen Embryos aus und lässt ihn sich entwickeln, dann zieht sie „Tochter“ auf, bildet und trainiert sie. So vergehen Jahre. Mit 16 ist Tochter eine hochintelligente Frau, die in Philosophie genauso gebildet ist wie in Elektrotechnik. Nur außerhalb des Bunkers und Mutters Reichweite war sie noch nie, denn Mutter behauptet, die Erde sei toxisch und Leben wäre auf der Oberfläche nicht möglich. Umso irritierter ist Tochter, als plötzlich eine verletzte Frau in der Luftschleuse liegt, die behauptet, Droiden wie Mutter hätten die Menschheit getötet. Anscheinend hat Mutter etwas zu verbergen, und ist bereit ihr Geheimnis auch mit Gewalt zu verteidigen. Oder ist es am Ende die Fremde, die nicht die Wahrheit sagt?

Endlich mal wieder ein SciFi-Film, der mich sofort mitgerissen hat. Das liegt sowohl am tollen Design von Mutter (alles praktische Effekte, kein CGI!) und der faszinierenden Kameraarbeit, vor allem aber an der verwickelten Handlung. Ist Mutter wirklich böse? Oder ist es die Fremde, die etwas zu verbergen hat? Wer ist am Ende eine echte Mutter, und was ist wirklich auf der Erde passiert? Bis zum Ende sehr spannend, tonal zwischen Sci-Fi und Thriller, ganz klare Guckempfehlung!

X-Men: Dark Phoenix [JAL Onboard]
Ein außerirdisches Dings ergreift Besitz von dieser Rothaarigen aus Game of Thrones. Die wird dadurch sofort böse und schmeißt mit Sachen. Professor Glatze und seine Konsorten versuchen sich als Exorzisten.

Ich kenne die Comics nicht, weiß aber, dass die „Dark Phoenix“-Reihe unter Fans als eine ganz tolle Geschichte gelobt wird. Deren Verfilmung wurde schon mal versucht (damals mit Famke Janssen) und enttäuschte Fans und normale Kinogänger. Der neue Film ist leider nicht besser. Ich hatte von einer gebeutelten Produktion gelesen, aber das Endergebnis ist wirklich grauenvoll. „Dark Phoenix“ ergibt über weite Strecken keinen Sinn, die guten Schauspieler wie Jennifer Lawrence und James McAvoy haben erkennbar keinen Bock auf den Quatsch in dem sie da mitspielen und Sophie Turner kann leider immer noch nicht mehr als „Sansa Stark“-mäßig betroffen gucken. Dummerweise spielt sie die Hautprolle, schafft es aber nicht auch nur eine Sekunde glaubwürdig zu sein. Da macht es dann auch nichts mehr, dass alles in einem CGI-Effektsturm untergeht, der so hektisch geschnitten ist, dass er bei sensiblen Naturen epileptische Anfälle auslöst. Dieser Film ist Dreck.

Godzilla: King of Monsters [JAL Onboard]
Rund um die Welt werden riesige Viecher entdeckt: Eine Hausgroße Motte, ein dreiköpfiger Drache usw.
Die kloppen sich alle mit einem radioaktiven Knubbelsaurier namens Godzilla.

Achgottja Godzilla. Habe nie verstanden was der Reiz an riesigen Viechern ist, die sich die Fresse polieren. Im Japan der 60er Jahre mag das lustig gewesen sein, aber heute? Nee.

Shazam! [JAL Onboard]
Billy ist 14 und ein Arschlochkind. Trotzdem schenkt ihm ein alter Mann mit Bart eine Fähigkeit: Wenn Billy „Shazam“ ruft, wird er zu einem Muskelmann Mitte 30, der superstark und superschnell und ein Superarschloch ist. Das ist doof, weil er gegen die sieben Todsünden zu Felde ziehen soll.

Unerwartet unterhaltsam und handwerklich gut gemacht. Die Zielgruppe dieses DC-Films ist klar umrissen: 12- bis 14-jährige Jungen, und für die wird er funktionieren.

Maleficient 2: Mistress of Evil [Kino]
Der erste Film hat uns gelehrt: Maleficient, die dunkle Fee aus dem „Dornröschen“-Märchen, ist eigentlich eine Gute, sie hat nur ein schlechtes Image und kommt mit sozialen Konventionen nicht gut klar. Dummerweise haben das zum Beginn von „Mistress of Evil“ aber alle vergessen, die Menschen betrachten die Fee als böse Hexe. Kurz vor der Hochzeit von Maleficients Ziehtochter mit einem Menschenprinzen liegen die Nerven so blank, dass Michelle Pfeiffer gegen das Feenreich in den Krieg zieht.

Angelina Jolie gegen Michelle Pfeiffer – auf dem Papier eine interessante Idee. In der Praxis bleibt für den Konflikt aber kaum Zeit, stattdessen ist man damit beschäftigt CGI-Gemetzel zu zeigen, inkl. Märchenfiguren, die in einer Kirche eingesperrt und dort vergast werden. Ist aber egal, 5 Minuten später wird geheiratet und alle haben sich Lieb. WTF, Disney? Einen zweiten Maleficient-Film hätte es nicht gebraucht, und schon gar keinen, der das Thema Genozid aufmacht um es dann wegzuschweigen. Ganz, ganz übles Machwerk. Den ersten Film mag ich bis heute, der war überraschend toll und interessant. Diese Fortsetzung hier ist seelenloser Müll aus der CGI-Retorte.

Gnadentod [Theater im OP]
Deutschland, 1933. Eugen Bitter ist Sozialdemokrat und Veteran des ersten Weltkriegs. Entsetzt verfolgt der Familienvater, wie die NSDAP langsam aufsteigt und den Staat aushöhlt. Einige Jahre später wird Familie Bittner während einer Progromnacht selbst Opfer von Nazigewalt. Dabei hat Eugen schon genug Probleme: Seit dem Krieg verursacht ein Granatsplitter in seiner Stirn starke Schmerzen. 1940 begibt er sich in eine Klinik für Psychiatrie, um den Splitter in einer Operation entfernen zu lassen. Wenige Tage später erreicht seine Familie ein Schreiben: Eugen Bittner sei an Herzproblemen in einer Klinik am anderen Ende des Landes verstorben.

Das Stück thematisiert die Aktion T4 der Nazis, Psychiatriepatienten mit geistigen oder psychischen Problemen als „lebensunwert“ systematisch zu ermorden. Mehr als 70.000 Menschen wurden in den Jahren 1940/41 umgebracht. Eugen Bittner, der Protagnoist des Stücks, war zur falschen Zeit am falschen Ort – ein „Fehler“ der Klinik, der aber nie aufgedeckt wird. Neben der Aktion T4 thematisiert das Stück den langsamen Aufstieg der Nazis und die Veränderungen, die das in der Familie Bittner mit sich bringt. Der Sohn tritt begeistert in die Hitlerjugend ein, die Tochter lehnt Nazis ab, verliebt sich aber dennoch in den netten Herrn Sturmbannführer, der seinerseits nicht glauben kann, dass seine Partei Menschen ermordet. Das Stück ist gut inszeniert, lässt sich aber zu viel Zeit mit Mischszenen und ist in der Summe zu lang. Hart nerven tun auch minutenlange, schrammelige Geigenstücke, die zwischen die Szenen eingestreut sind – das verursacht Zahnschmerzen.


Spielen:

Nichts. Dafür war nun wirklich keine Zeit.


Machen:

Eine Reise kreuz und quer durch Japans Hauptinsel Honshu.


Neues Spielzeug:

Boltune in Ears. Bluetooth-Kopfhörer mit Verbindungskabel, ganz ähnlich wie meine alten von Anker. Leider reichte deren Batteriekapazität nach 5 Jahren nur noch für 4 Stunden, und die Nachfolgemodelle sind aktuell nicht mit dem iPhone 11 kompatibel. Die Boltunes sind nach IPX7 wasserdicht, haben ordentlich Wumms, dichten nahezu alle Umgebungsgeräusche ab und halten 14 Stunden mit einer Akkuladung. Nimmt man sie aus den Ohren, klippen sie magnetisch zusammen und man kann sie um den Hals tragen ohne sie zu verlieren. Dafür schätze ich das Verbindungskabel. Sehr gute Dinger für meine Zwecke, und mit 25 Euro auch noch günstig.

iPhone 11 pro
Spacegrau, 512 GB Speicher. Diensthandy und Firmengerät, trotzdem: Beeindruckendes Teil. Als letztes hatte ich das 8er, was auch schon schön war, aber das 11er bläst mich völlig weg. Der OLED-Bildschirm ist knackscharf, der Akku hält mehrere Tage und diese markanten, aber etwas albern aussehenden drei Kameras auf der Rückseite machen Bilder, die meine normale Panasonic-Reisekamera völlig alt aussehen lassen. Selbst Nachtaufnahmen sind beeindruckend scharf.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

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Momentaufnahme: Oktober 2019

Herr Silencer im Oktober 2019

keine Zeit keine Zeit keine Zeit

Wetter: Anfangs des Monates kühl, ab Beginn der zweiten Woche mit Nachts null Grad schon eisekalt. Am 07. Winterreifen aufgezogen. Am zweiten Wochenende wird´s mit tagsüber 23 und nachts 17 Grad nochmal spätsommerlich warm. In der dritten Woche wird das Wetter wieder normaler. Starkregen mit Temperaturen um die 10 Grad fühlt sich halt doch eher nach Herbst an. Die zweite Oktoberhälfte startet warm mit Temperaturen zwischen 8 und 16 Gad und relativ trocken. In den letzten Tagen kippt die Temperatur bis zum Gefrierpunkt.


Lesen:

Edward Snowden: Permanent Record
„Früher war die Frage: Stehe ich auf der Überwachungsliste? Heute stehen wir alle auf der Liste. Die Frage ist nun: Wie hoch oben?“
Starker Einstieg in die Geschichte des Mannes, dem eines Tages klar wird, dass er dabei geholfen hat, nach 9/11 eine Überwachungsmaschine hoch zu ziehen, die alle Daten aller Menschen für immer speichert. Ein Permanent Record, der beständig aus den Social Media-Plattformen gespeist wird. Die, so Snowden, das Internet kaputt gemacht haben.

Habe das Buch gerade erst angefangen, deshalb noch keine Meinung, aber Begeisterung beim Lesen.


Hören:


Sehen:

Vice [Amazon Prime Video]
Dick Cheney ist in den 50ern ein versoffener Tunichtgut. Erst als seine Frau ihm ins Gewissen redet und mit Trennung droht, rafft Cheney sich auf und macht ein Praktikum bei Donald Rumsfeld, einem jungen Politiker in Washington. Der stille Cheney hat endlich seine Berfung gefunden. Während er sich im Hintergrund hält, knüpft er Netzwerke und zieht Strippen. Als klar wird, dass er keine Chance hat Präsident der USA zu werden, steigt er aus der Politik aus und wird Chef der Ölfirma Halliburton.

Erst als der unerfahrene George W. Bush ihn darum bittet, kehrt Cheney in die in die Politik zurück. Als Vizepräsident neben einem schwachen Präsidenten baut er sein Amt zu nie gekannter Machtfülle aus. Bald kontrolliert Cheney Außenpolitik und Geheimdienste der USA, Bush ist kaum mehr als ein Frühstückspräsident.

Dann passieren die Anschläge vom 11. September, und Cheney wittert Chancen. Er lässt die USA in den Irak einmarschieren und gibt seiner Firma die Rechte an den dortigen Ölquellen, lässt sich weitere Vollmachten geben und unterläuft internationale Gesetze mit Erfindungen wie „Enemy Combatants“ und Guantanamo Bay.

Faszinierendes Portrait eines eiskalten und skrupellosen Machtmenschen. Cheney hat mindestens 600.000 Menschen auf dem Gewissen, aber als Mann im Hintergrund darf man ihn nicht mal Massenmörder nennen.

Der Film steht sich gelegentlich selbst auf den Füßen, wenn er versucht witzig zu sein – etwa durch einen falschen Abspann in der Filmmitte oder einen surrealen Restaurantbesuch, bei dem Cheney Gesetzesverstöße serviert bekommt. Das ist Quatsch und schlägt den völlig falschen Ton an.

Props dagegen an die Maske, die Sam Rockwell wirklich perfekt auf George W. Bush zurechtgemacht hat und natürlich an Christian Bale, der hier mal wieder in fett zu sehen ist.

Chernobyl [Bluray]

„Da muss ein Druckwasserbehälter explodiert sein. Ist der Kern gekühlt?“ „Der Kern existiert nicht mehr! Der Kern ist weg!“

In der Nacht zum 26. April 1986 gibt es eine Explosion in dem ukrainischen Kernkraftwerk. Was dort passiert ist, weiß zunächst niemand. Als deutlich wird, was da passiert ist, kann es kann es niemand fassen, dann versuchen die Verantwortlichen es zu vertuschen, dann wird klar: es ist nicht vorbei. Hat die initiale Explosion schon die halbe Ukraine verseucht, drohen nun durch verschiedene Faktoren noch viel schlimmere Folgen.

Ich bin ja etwas spät auf der Party, aber: Meine Fresse, was für eine Serie. Und das ausgerechnet von dem Typen, der bislang nur die klamaukigen „Hangover“-Filme geschrieben hat. Dem fiel 2014 ein, dass er mal was über lügende Staaten und die globale Wahrheit machen könnte. Dabei stieß er auf Tschernobyl – und war kurz darauf besessen davon. Ergebnis diese Besessenheit ist eine fünfteilige Miniserie von HBO. Die beginnt mit der Explosion und den anschließenden Versuchen der Vertuschung – erst von lokalen Beamten, die lange nicht wahr haben wollen, dass ihr Kraftwerk wirklich explodiert ist, dann von der Führung der Sowjetunion, die sich auf der Weltbühne keine Schwäche erlauben will.

Stück für Stück, teilweise Stunde für Stunde, werden die Vorgänge nachgezeichnet. Dabei wird die Lage der Handelnden Personen und ihre Hilflosigkeit immer wieder in Kleinigkeiten deutlich: Etwa, wenn die Leitstelle zunächst weitergibt, dass nur ein Strahlunganstieg um 3,6 Röntgen zu vermelden ist und alle beruhigt sind – bis jemandem auffällt, das 3,6 Röntgen genau der Höchstwert der ausgegebenen Dosimeter ist. „Aber das gute Dosimeter liegt im Schrank, und wir haben den Schlüssel nicht!“.

Solche Momente der Hilflosigkeit gibt es immer wieder, und sie machen die Katastrophe greifbar. Es sind aber auch diese Momente, die die Serie besonders erschütternd machen. Etwa, wenn die Bergleute, die einen Gang unter den Reaktor graben müssen, nackt arbeiten, weil die Hitze so groß sind. Oder wenn die Aufräumtrupps, die Reaktormaterial vom Dach räumen müssen, nur 90 Sekunden dort arbeiten dürfen. Oder Autos und Hubschrauber nach wenigen Tagen ausgemustert und vergraben werden müssen. Oder wie alle Haustiere im Umkreis von 200 Kilometern getötet werden müssen. Es ist faszinierend und beängstigend, unter welchen Opfern damals weitere Katastrophen verhindert wurden. Kernaussage der Serie, laut Macher: „Es geht nicht darum, dass Kernenergie gefährlich ist. Unsere Botschaft ist, dass lügen, Arroganz und die Unterdrückung von Kritikern gefährlich ist.“

„Chernobyl“ ist eine erschütternde Serie und eine der stärksten geschriebenen die ich je gesehen habe. Die Hälfte der Zeit war mir flau im Magen, denn 1986, da war ich 11 und habe die Reaktionen im Westen genau mitbekommen. Das die Serie manche Dinge in der letzten Episode überdramatisiert ist mir dabei egal. Der eigentliche Hergang ist unverfälscht wiedergegeben, und aus heutiger Sicht einen Blick auf die damaligen Vorgänge zu werfen ist gruselig.

Men in Black International [Amazon Video]
Tessa Thompson hat als Kind mal einen Einsatz der Men in Black mitbekommen. Seitdem ist sie besessen davon die Geheimorganisation, die sich um Außerirdische auf der Erde kümmert, aufzuspüren. Das gelingt ihr eines Tages, und sie wird sogar ins Ausbildungsprogramm aufgenommen. Schnell merkt sie aber: Irgendwas stimmt nicht. Der Eindruck trügt nicht, die Erde ist in Gefahr und die Men in Black unterwandert.

Ach, was habe ich den ersten „MIB“ geliebt, vor allem wegen Tommy Lee Jones wortkargem Agent K. Aber das ist auch schon 22 Jahre her, und die völlig unvermutet aufgetauchte vierte Filmfortsetzung kommt ohne den mittlerweile greisen Jones und den nervtötenden Will Smith aus. Stattdessen gibt es nun mit Thompson und Hemsworth eine neue Besetzung. Deren Chemie stimmt nachweislich (zu besichtigen in Thor: Ragnarök), und letztlich ist es das sympathische Spiel der beiden und die starken Frauenrollen, die den Film zusammenhalten. Neben der sympatisch-cleveren Tessa Thompson sind das vor allem Emma Thompson als Chefin O oder Rebecca Ferguson als Bösewichtin Riza. Die Damen haben richtig Spaß an dem Trash, in dem sie hier spielen.

Chris Hemsworth wirkt daneben dullig, und der müde Liam Neeson telefoniert seine Rolle auch nur nebenbei durch. Ansonsten bleibt von dem Film auch ohne Blitzdings nicht viel im Gedächtnis. Der Plot ist nämlich leider ziemlich egal. Das war er bei MIB-Filmen schon immer, aber heute kommt man damit nicht mehr so leicht durch wie Ende der 90er. „MIB International“ ist eine lose Aneinanderreihung von Actionpieces, die rund um den Globus stattfinden. Ein krachender Sommerblockbuster aus der zweiten oder dritten Liga, der über die Laufzeit unterhält, den man aber sofort wieder vergessen hat. Das ist nicht schlimm, aber eine verpasste Chance die MIB zeitgemäß zu rebooten.

Schattenseiten [Theater im OP]
New York in den 50ern: Andrew verliebt sich in Marusa und heiratet die Modezeichnerin, die vor Kurzem aus Osteuropa eingewandert ist. Doch die Ehe verläuft nicht gut, denn Marusa verweigert jegliche Körperlichkeiten. Grund: Sie glaubt, Erbin eines Fluchs zu sein der Männer tötet. Zusammen mit einem Eheberater und einer Freundin versucht Andrew seine Frau vom Glauben an den Fluch abzubringen.

Alter Schwede. Selten so ein spannendes Stück gesehen, trotz einiger sich ziehender Szenen. Die Faszination kommt vor allem durch das Bühnenbild. Im Hintergrund der Bühne, von der eigentlichen Handlung durch eine Gazewand abgetrennt, räkeln sich im Halbdunkeln Raubkatzen. Die stellen sowohl die Zookulisse dar als auch, das versteht man nach kurzer Zeit, das Seelenleben der Protagonistin. Ist die aufgeregt oder irritiert, sind die Raubkatzen das auch. Fühlt sich die Hauptdarstellerin bedroht, dann… sagen wir es so: An dem Fluch ist mehr dran, als Andrew glaubt.
Sehr schön und vor allem überraschend inszeniert von Klaus-Ingo Pißowotzki ist „Schattenseiten“ ein wirklich gelungenes und kurzweiliges Stück.

Check-Check. [Joyn]
Klaas Heufer-Umlauf ist vor Jahren vom Dorf weg und nach Berlin gezogen. Dort plant er ein Start-Up nach dem nächsten, so recht klappen will es mit Burgern aus Algen (Algen sind das Grüne Gold! Wir machen Gold zu Geld!“) aber doch nicht. Als sein Vater an Demenz erkrankt, findet sich der Großstadtentrepreneur unvermittelt in der Provinz wieder. In seinem Heimtort trifft er auf alte Klassenkameraden, deren Lebensrealität so ganz anders ist als seine. Das Schlimmste aber: Er muss einen Job im örtlichen Provinzflughafen annehmen, an dem pro Tag nur ca. 3 Maschinen ankommen.

Die Serie wurde bei mir um die Ecke gedreht, im Provinzflughafen Kassel-Calden – der tatsächlich genauso leer steht, wie es in der Serie gezeigt wird. Die Geschichte ist mehr als ein simples „Großstadtmensch muss auf´s Dorf“-Trope. Klar, es gibt auch Slapstick und Fremdschämhumor, besonders bei den Szenen mit der Flughafencrew. Besonders wird das Ganze aber, wenn der Fokus auf Klaas Verhältnis zu seinem Vater gelenkt wird. Das ist geradezu herzerwärmend und gleichzeitig tief traurig mit anzusehen wie die Demenz den einst so selbstständigen Mann immer weiter demontiert – und er das auch merkt und trauert, weil ihm etwas abhanden gekommen ist, von dem er nicht mehr weiß was es ist.
Tolle Serie, gute Schauspieler, und alles von den Stromberg-Autoren auf Klaas Heufer-Umlauf maßgeschneidert. Sowas zu sehen ist ein Vergnügen und eine wohltuende Abwechselung zum Netflix-Einheitsbrei.


Spielen:

Yakuza Kiwami 2 [PS4]
2006: Die Welt der Yakuza von Tokio ist nach den Ereignissen des Vorjahres, die in Yakuza 1 erzählt werden, durcheinander. Das wird nicht dadurch besser, dass der Vorsitzende des Tojo-Clans von einer rivalisierenden Gang aus Osaka ermordet wird. Kazuma Kiryu wird gebeten, einen Frieden zwischen seinem Ex-Clan und Osaka auszuhandeln, und das ist der Punkt, wo alles südwärts rutscht. Nun muss Kiryu, der eigentlich gar kein Yakuza mehr ist, überlegen, wie er seinen alten Clan retten kann ohne das die Hälfte von Tokio in Flammen aufgeht. Dass er sich in Schutzhaft durch die Polizistin Sayama befindet, macht die Sache nicht einfacher. Und irgendwie beschleicht ihn der Verdacht, dass sowohl Yakuza als auch die Polizei nur Bauern in einem weitaus größeren Spiel sind.

Nach „Yakuza Zero“ und „Yakuza Kiwami“ nun der faktisch dritte Teil der Reihe. Im Original erschien das Spiel 2006 für die Playstation 2. Für die Neuauflage auf der PS4 kommt nun die allerneueste Engine aus Yakuza 6 zum Einsatz, mit einem umwerfenden Ergebnis: Tokio und Osaka sind nahezu fotorealistisch nachgebildet. Neonreklamen spiegeln sich in Wasserpfützen auf rauem Asphalt, in Geschäften stehen perfekte Nachbildungen von Waren und Personen und Gesichter sehen nahezu echt aus. Hier hat der Hersteller das Game komplett in neuer Technik nachgebaut, und das ist völlig großartig.

Das gilt nicht nur für die Grafik, auch das Gameplay ist auf neuestem Stand. Im Kern ist Yakuza Kiwami 2 nach wie vor ein Prügelspiel. Kiryu verhaut im Laufe der Geschichte rund 1.000 Gangster, und jeder Encounter macht Spaß. Wirklich bei der Stange hält dabei aber die Geschichte, die noch größer und verwickelter ist als im Vorgänger und die in langen Zwischensequenzen erzählt wird. Das Spiel ist wie ein 30 Stunden langer, spannender Gangsterfilm, der einen emotional mitnimmt und bei dem man selbst zwischendurch die Geschicke bestimmt. Yakuza Kiwami 2 zeigt, was das Medium Spiel zu leisten vermag.

Ghostbusters – The Video Game, remastered [PS4]
1991, vier Jahre nach den Ereignissen des zweiten Kinofilms: Die Geisterjäger werden an Orte ihrer ersten Einsätze gerufen. In der Stadtbibliothek und im Sedgewick-Hotel spukt es wieder, und zwar heftiger als vorher. Die Geisterjäger finden heraus, dass diese Invasion der Geister kein Zufall ist. Tatsächlich ist sie das Werk des irren Architekten Ivan Shandor, der 1920 weit mehr getan hat als nur das Hochhaus von Dana Barett in eine Geisterantenne zu verwandeln. Shandor und seine Mitverschwörer haben tief unter New York Kanäle angelegt, die nun Geisterenergie aufsaugen und verstärken, bis die ganze Stadt langsam in die Geisterdimension driftet.

Ach, das Ghostbusters Game. Im Original ist es 2009 für XBOX und PS3 rausgekommen, nun läuft es „Remastered“ auf der PS4. Was genau daran überarbeitet sein soll, bleibt aber das Geheimnis des Publishers.

Außer der höheren Auflösung (Full HD) konnte ich keine Unterschiede zu früher feststellen. Leider, denn das Spiel, das aus Kostengründen zum Teil in Russland programmiert wurde, war schon 2009 technisch veraltet und sah aus wie 2003 entstanden. Matschige Texturen, künstlich aussehende Charaktere, hölzerne Animationen, schlechtes Leveldesign, schlechte Tonabmischung, Soundfehler, übertriebener Schwierigkeitsgrad auf „normal“, der sich nach Spielstart nicht mehr umstellen lässt … das war genauso schon auf der XBOX 360 und findet leider auch in der 2019er Fassung. Sehr schade, hier wurde die Chance verpasst, das ganze nochmal ordentlich zu machen.

Das ist insbesondere deshalb schade, weil das Spiel durchaus seine Stärken hat. Die Spielmechanik ist z.B. äußerst gelungen. Es macht einen Heidenspaß, mit dem störrischen Protonenstrahl oder dem Schleimspritzer Geister erst zu schwächen, dann zu fangen und schließlich in eine Falle zu bugsieren.

Womit das Spiel aber vor allem glänzt ist die tolle Vertonung (mit den Originalschauspielern) und vor allem der von Harold Ramis und Dan Akroyd geschriebenen Geschichte. „Ghostbusters – The Video Game“ ist die direkte und werkgetreue Fortsetzung der Filme, praktisch wie ein dritter und abschließender Film, den es nie gab. Der Besuch bekannter Schauplätze als Einstieg weckt nostalgische Erinnerungen, und wenn die Geschichte erstmal Fahrt aufnimmt, ist sie spannend, lustig, überraschend und sogar ein wenig gruselig. Der perfekte Abschluss der Ghostbusters-Trilogie.

Trotz der altbackenen Präsentation: Wer die Ghostbusters-Filme mochte, macht hier nichts verkehrt, zumal das nur rund 8 Stunden lange Spiel schon zum Start zum Billigpreis verjubelt wird.


Machen:

Dinge winterfest machen. Immerhin ist das Jahr so gut wie rum.


Neues Spielzeug:

Ein Schutzgitter für den Kühler der V-Strom sowie Barkbusters Storm-Handprotektoren.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Kategorien: Momentaufnahme | 3 Kommentare

Momentaufnahme: September 2019

Herr Silencer im September 2019

Etwas weniger Druck wäre auch mal ganz schön.

Wetter: Es wird Herbst, das lässt sich nicht mehr leugnen. Anfang des Monats ist es nebelkühl, dann kalt – Nachts sinken die Temperaturen bis auf drei Grad, tagsüber kommen sie kaum noch über 15. Der Himmel ist oft bedeckt, regnen tut es aber so gut wie nicht. Das vorletzte Wochenende ist mit 26 Grad und Sonnenschein nochmal hochsommerlich warm und sonnig.Die letzte Woche bleibt nachts und tags mit 13-19 Grad warm, dafür regnet es häufig. Die Blätter werden jetzt schlagartig bunt und fallen. An den letzten Septembertagen ziehen die Herbststürme übers Land.


Lesen:

Edward Snowden: Permanent Record
„Früher war die Frage: Stehe ich auf der Überwachungsliste? Heute stehen wir alle auf der Liste. Die Frage ist nun: Auf welcher Position?“
Starker Einstieg in die Geschichte des Mannes, dem eines Tages klar wird, dass er dabei geholfen hat, nach 9/11 eine Überwachungsmaschine hoch zu ziehen, die alle Daten aller Menschen für immer speichert. Ein Permanent Record, der beständig aus den Social Media-Plattformen gespeist wird. Die, so Snowden, das Internet kaputt gemacht haben.

Habe das Buch gerade erst angefangen, deshalb noch keine Meinung, aber Begeisterung beim Lesen.


Hören:


Sehen:

Green Book [Amazon Video]
1962 ist die Rassentrennung in den Südstaaten der USA allgegenwärtig. Farbige dürfen nur bestimmte Restaurants betreten, müssen im Bus in einem gesonderten Abteil stehen, können nicht alle Toiletten benutzen und dürfen nur in wenigen Hotels übernachten. Orte, die für Farbige zugelassen sind, sind in einem speziellen Reiseführer aufgelistet. Das „Green Book“ ist benannt nach seinem Autor, dem schwarzen Postboten Victor H. Green. Mit diesem „Negro Motorist Guide“ auf dem Beifahrersitz lässt sich der fabrige Klaviervirtuose Dr. Don Shirley von dem pöbeligen Italiener Tony Vallelonga von Konzert zu Konzert kutschieren. Mit dem derben Tony und dem feingeistigen Don treffen Welten aufeinander. Die beide müssen sich aber zusammenraufen, gegen die Anfeindungen und den allgegenwärtigen Rassismus.

Viele komische Situationen, dabei aber mehr Drama als Komödie. Hervorragende Darsteller, insb. Viggo „Aragorn“ Mortensen als übergewichtiger und ungebildeter Tony. Es gibt so Filme, denen sieht man an, dass sie mit dem Blick auf die Oscars gemacht wurden. „Green Book“ gehört dazu, nervt aber selten und ist trotzdem sehenswert.

Bohemian Rapsody [Amazon Video]
Freddy Mercury schließt sich einer Band an, der Rest sind Geschichten.

Schön gefilmt, sehr tolle Darsteller. Leider kann sich der Film nicht entscheiden, was er sein will: Biopic? Oder doch Fiktion? Auch wenn die Geschichte der Band erzählt wird und das alles nach Dokumentation aussieht: Der Großteil ist einfah gelogen. Das Zusammentreffen der späteren Bandkollegen hat in der gezeigten Form genauso wenig stattgefunden wie das Zusammentreffen mit Freddys Freundin, die Auseinandersetzungen mit einem Plattenproduzenten, die Trennung der Band oder den dramatischen Ereignissen vor dem Life-Aid-Konzert. Alles erfunden. Ich verstehe das nicht. Warum werden hier Ereignisse nicht durchgehend korrekt wiedergegeben, sondern eine Legende aus Märchen gestrickt?

So weiß ich nie, was ich überhaupt glauben kann. Das macht mir keinen Spaß, und für einen Film, der keinen Spaß macht, ist „Bohemian“ deutlich zu lang. Bestenfalls kann man ihn als ein JukeBox-Musical mit einer Best-Of-Auswahl von Queen-Songs nett finden, aber dafür ist der Anteil an Spielszenen wiederum zu hoch. Nee, nix für mich.

Glass [Amazon Video]
Drei Personen werden eingefangen und weggesperrt in eine „Therapie“. Eine Psychologin will sie von der Vorstellung heilen, sie seien Superhelden. Während Samuel L. Jackson katatonisch tut und Bruce Willis böse guckt, grimassiert sich James McAvoy mit seinen multiplen Persönlichkeiten die Seele aus dem Schauspielleib.

Achgott ja, M. Night Shyamalan-Filme. Der einstige Regiestar hat eigentlich seit „Sixth Sense“ nichts Gutes mehr zustandegebracht. Umso erstaunter war ich, als 2016 ein Sequel zu „Unbreakable“ erschien, dem mediokren, aber im Feuilleton abgefeierten „Superhelden-oder-doch-nicht“-Wischiwaschi-Film aus dem Jahr 2000. Dieses Sequel wollte und brauchte niemand. Nun also die Fortsetzung zu dem Sequel, das niemand braucht und wollte, und diesen dritten Teil wollte tatsächlich nicht mal mehr ein Studio produzieren, weshalb Shyamalan das aus eigener Tasche bezahlte.

Herausgekommen ist wieder erwartbar traniger Quatsch, der hinten und vorne keinen Sinn ergibt und über weite Strecken einfach nervt. Das beginnt schon bei den Opening Titles, die einfach Müll aus der After-Effects-Restekiste sind, und endet noch lange nicht beim „Twist“ am Ende. Der allerdings keiner ist. Niemand wird die „Enthüllung“ am Ende als Überraschung sehen und sagen „uiuiui, der Film hat mich überrascht“. Im Gegenteil, die meisten werden mit den Achseln zucken, kein Stück überrascht sein, aber denken: „DAFÜR habe ich hier zwei Stunden rumgesessen?!“ Alles Murks, und ich sage mal so: Der Film lahmt so sehr, wäre er ein Pferd, er wäre schon lange von seinem Leid erlöst worden. Von Herrn Shyamalalalamanamanadingdong möchte ich bitte nichts mehr sehen.

Holmes und Watson [Amazon Prime Video]
Holmes und Watson jagen Professor Moriarty.

Manchmal kann ich Will-Farrell-Schmarrn wie „Anchorman“ was abgewinnen, aber „Holmes und Watson“ ist unerträglich. Die Geschichte ergibt vermutlich nur dann Sinn, wenn man völlig bedröhnt ist. Die improvisierten Dialoge bewegen sich allesamt auf dem Niveau von Geschlechtsverkehranbahnungsgesprächen in deutschen Pornofilmen, nur dass bei Pornos im Anschluss meist was Interessantes passiert. Hier nicht. Holmes und Watson ist unkomischer, langweiliger Müll.

Andorra [Theater im OP]
Aus latenter Judendiskriminierung in der Bevölkerung Andorras wird mit Ausbruch des zweiten Weltkriegs und deutscher Besatzung offener Hass auf einen „Judenjungen“ im Ort, der am Ende tote fordert. Die Schuld dafür findet jeder der Beteiligten beim Opfer selbst oder bei anderen, aber nicht bei sich.

Vielschichtiges Stück um Vorurteile, Diskriminierung und den Weg, der dadurch bis zum Mord geebnet wird. Stark von Barbara Korte inszeniert und super gespielt.


Spielen:

„Control“, das neue Werk von Remedy, ist zwar schon installiert, nervt mich mit seinem uncoolem Gameplay, herben technischen Problemen und Story-Unfug aber hart an. Also beiseite gelegt, stattdessen gab es diesen Monat ein wenig leichte Genrekost aus Japan.

Yakuza 0 [PS4]
1985: Die Wirtschaft Japans boomt, jeder hat Geld oder will zumindest auf großem Fuß leben. Der junge Kazuma Kiryu hat seinen Traum wahr gemacht und ist den Yakuza der Dojima-Familie beigetreten. Als Frischling muss er Geld von säumigen Schuldnern eintreiben. Als einer von Kiryus „Kunden“ nach seinem Besuch tot aufgefunden wird, gerät er in Schwierigkeiten. Nicht nur, dass „die Familie“ keine Aufmerksamkeit wünscht, der Tote liegt auch ausgerechnet auf einem winzigen, unbebauten Grundstück mitten in Tokios Vergnügungsviertel Kamurocho, und dieses Grundstück spielt in den Plänen der Mafia eine wichtige Rolle.

In Japan sind die Abenteuer rund um den wortkargen Kazuma Kiryu eine Legende, und ich weiß jetzt auch warum. Zwar ist das Coregameplay ein simpler Brawler, bei dem Kiryu Leute verhaut, aber das Drumherum ist der Hammer. Da wäre als erstes die Kulisse: Die Vergnügungsviertel in Tokio und Osaka, nur wenige Straßenzüge groß, sind toll und lebendig in Szene gesetzt. Man hat förmlich das Gefühl durch eine nächtliche Stadt zu laufen.

Dann ist da die Story: Verwickelt, kompliziert, wendungsreich, filmisch inszeniert. Manche Zwischensequenzen sind 10 Minuten lang. Man sieht also einen 20 Stunden langen, guten und spannenden Mafiafilm, bei dem man sich gelegentlich mal haut. Bei den 20 Stunden bliebt es freilich nur, wenn man ausschließlich der Hauptstory folgt. Dann entgehen einem aber alle möglichen Sideaktivitäten, wie Spielhallenbesuche, Rennen mit ferngesteuerten Autos oder eine von 99 wirklich coolen und interessanten Sidequests. Wer will, kann sogar in absurden Metagames Nachtclubs Mikromanagen oder Immobilienspekulationen machen und so Stück für Stück Kamurocho übernehmen. Laut howlongtobeat.com kann man dann locker über 100 Stunden in Tokio und Osaka verbringen.

Abgefahrenes, riesiges Game. Viel Spaß gehabt, trotz eines nervigen Speichersystems. Als spät erschienenes Prequel zu Yakuza 1-6 ist es für den Einstieg in die „Yakuza“-Serie geeignet, auch wenn Kenner der Nachfolger sicher mehr rausziehen können. Gibt es übrigens nur in japanisch mit englischen Untertiteln, was bei der schieren Textmenge nicht überrascht.

Yakuza Kiwami [PS4]
1995: 10 Jahre nach den Ereignissen von „Yakuza 0“ übernimmt Kazuma Kiryu die Verantwortung für ein Verbrechen, das er nicht begangen hat. Dafür wandert er in den Bau und wird von den Yakuza verstoßen. Als er 2005 wieder rauskommt, hat sich die Welt verändert. Der Ex-Knacki/-Yakuza versucht sich einzufinden, aber schon diese neumodischen „Mobiltelefone“, mit denen plötzlich jeder rumläuft, sind eine Herausforderung. Auf der Suche nach seiner alten Liebe gerät Kiryu in seltsame Machenschaften, bei denen er nicht nur den Polizisten Date kennenlernt, sondern plötzlich auch noch ein Kind am Bein hat. Aber auch das steht der wortkarge Anzugträger durch, während er Dutzende von Gangstern verprügelt oder Kamurochos Nachtleben genießt.

Ein Remake des ersten „Yakuza“, das 2005 für die PS2 erschien. Grafiken und Engine sind alle neu, Dialoge für die Untertitel wurden neu ins Englische übersetzt. Sehr schön: Die Story von Yakuza 0 bildet die Grundlage für viele Personen und Ereignisse in „Kiwami“ und wertet den Nachfolger dadurch auf. Wieder ist die Story das treibende Element, auch wenn die nicht so over-the-top ist wie in „Zero“. Leider hat sich Kamurocho über die Jahrzehnte wenig verändert: „Yakuza Kiwami“ recycelt nicht nur alle Systeme von „Yakuza 0“, sondern auch viele von dessen Assets. Schade, ich hätte gerne gesehen, wie sich Tokio zwischen 1985 und 2005 verändert hat.


Machen:
Einige Tagesausflüge, ansonsten sehr viel Arbeiten. Also, SEHR viel.
(Deshalb leider auch auf absehbare Zeit kein Reisetagebuch. Ja, ich vermisse das auch.)


Neues Spielzeug:

Ein Schutzgitter für den Kühler der V-Strom sowie Barkbuster Storm-Handprotektoren.

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Momentaufnahme: August 2019

Herr Silencer im August 2019

Ok, ich bräuchte jetzt bitte noch drei Wochen Zeit.

Wetter: Anfang des Monats regnerisch und warm bei 23 Grad, dann kommt der Herbst. Es wird nass und sehr kühl, morgens nur noch 8 Grad, Nachmittags um die 20. Fühlt sich herbstlich an, zumal die Blätter wg. der Trockenheit bereits fallen. Erst in der letzten Augustwoche geht es wieder aufwärts mit den Temperaturen, der Hochsommer kommt mit über 30 Grad zurück.


Lesen:

Mark Galeotti: We Need to Talk About Putin: Why the West gets him wrong, and how to get him right [Kindle]
Er regiert seit zwei Jahrzehnten Russland, aber wer ist dieser Putin überhaupt? Ist er wirklich der geniale Stratege, der mit Sabotageaktionen den Brexit ausgelöst und Trump an die Macht gebracht hat? Ist er ein Kleptokrat, der sich die Taschen vollgemacht hat? Von allem ein Bißchen? Oder doch ganz anders?

Mark Galeotti hat sich für seine Recherchen nach eigenen Angaben mit Politikern aus Putins Umwelt besoffen, sich mit Oligarchen getroffen und mit Hausmeistern unterhalten. Dabei herausgekommen ist wenig mehr als eine Anekdotensammlung („Putin schläft gerne lange“) durch die Galeotti selbst einen roten Faden legt und sich damit seine eigene Putin-Theorie zusammenbaut. Das ist unterhaltsam und kurzweilig zu lesen (das Buch umfasst auch nur 150 Seiten), trägt zur Klärung der Kernfrage „Wer ist eigentlich Putin?“ wenig bei.


Hören:


Sehen:
Abends nach Hause gekommen und so kaputt gewesen, dass gerade noch ein wenig Glotzen ging. Dementsprechend viel Guck-Konsum in diesem Monat. Außerdem: Gandersheimer Domfestspiele!

The Happytime Murders [Amazon Video]
Los Angeles in einer Welt, in der Muppets tatsächlich leben und mit Menschen koexistieren: Ein Mörder geht um und zerstückelt Puppen, die früher in der Kinderserie „Happytime Gang“ mitgespielt haben. Melissa McCarthy ist eine knallharte Polizistin, die im Puppenmilieu ermittelt. Dabei muss sie gegen ihren Willen mit Phil zusammenarbeiten. Der ist selbst eine Puppe, Melissas Ex-Partner und knallharter Privatdetektiv. Bald kämpft das ungleiche Ermittlerduo in erster Linie mit den Altlasten und Traumata ihrer Vergangenheit.

Ha, ich habe einen neuen Lieblingsfilm! Kaputte und lüsterne Puppen fand ich in Peter Jacksons „Meet the Feebles“ schon super. Der Film ist mittlerweile schon alt, und es hat 30 Jahre gedauert bis sich wieder jemand (aka Jom Hensons Sohn!) getraut hat, drogenabhängige und rumhurende Muppets auf die Leinwand zu spielen. Melissa McCarthy nimmt man die Cop-Rolle in keiner Sekunde ab, aber die skurrilen Puppencharaktere machen das wieder wett. Allein der Osterhase, der sich in der Pornoabteilung rumtreibt und vor Angst farbige Eier legt! Die Sado-Maso Kuh, die gleichzeitig eine Verbeugung vor „Meet the Feebles“ ist! Die Zuckerabhängigen Niedlichpuppen! Und so ganz nebenbei ist der Kriminalfall noch schön kompliziert und spannend. Für Freunde des abseitigen Humors: Guckempfehlung!

25 km/h [Amazon Video]
Zwei entfremdete Brüder beschließen vom Schwarzwald bis zur Ostsee per Mofa zu fahren. Das sieht so bescheuert aus wie es klingt.

„Wir haben Bjarne Mädel! Und Lars Eidinger! Die lassen wir quer durch Deutschland fahren, da können wir von 8 Bundesländern Filmförderung abgreifen!!! Kann gar nix mehr schiefgehen!“

So oder so ähnlich muss es gelaufen sein. Gewisse deutsche Produzenten haben anscheinend keinerlei Probleme mehr, selbst für den größten Dreck Förderungen abzugreifen und damit ihren Müll zu finanzieren. Die Auswertung vor Publikum ist dann nur noch Formsache, muss halt am Startwochenende in so und so vielen Kinos laufe, Rest egal. Anders kann man sich hingekotzten Dreck wie Till Schweigers Hodenklemmpeinlichkeit „Reise der Silberrücken“ nicht erklären, und ohne einen solchen Erlärungsansatz wüsste ich auch nicht, wie „25 km/h“ zustande gekommen sein soll.

Allein die Prämisse ist schon gurkig: Zwei Brüder, die sich Jahren nicht mehr gesehen haben und so einen Groll hegen, dass sie sich bei der Beerdigung des Vaters am offenen Grab prügeln, beschließen zwei Schnäpse später einen Kindheitstraum wahrzumachen und per Mofa durchs Land zu gurken. Ohne Helm, ohne gültiges Versicherungskennzeichen, ohne Beleuchtung und oft hackedicht. Durch Deutschland! Ein Wunder, das die nicht an der nächsten Ecke in Villingen-Schwenningen verhaftet werden!

Dazwischen sieht man nette und erwartbare Aufnahmen: Bjarne Mädel und Lars Eidinger voll crazy am Jubeln und tanzen, dazwischen Stock-Photo-Augnahmen aus Deutschland mit Weinbergen, niedersächsischen Feldern und Weinfest. Die Story ist völlig Empathie – und Sinnbefreit, einzig das Spiel der Protagonisten ist ansehnlich. Auch, wenn hier Charakterentwicklung nur behauptet wird und die Figuren eklig handeln: Der Yuppiebruder darf mittendrin ne Träne verdrücken, weil er vor Jahren seine schwangere Freundin hat sitzen lassen. Wohl aus Reue beginnt er die und ihre Sohn dann zu stalken. Soll wohl romantisch sein, ist aber so unwitzig wie es sich anhört.

Lichtblick dieses Filmfördertrashs sind Bjarne „Tatortreiniger“ Mädel, Lars Eidinger und Franka Potente, in der Summe ist das hier aber mal wieder ein deutscher Film, von dem man sich gramgebeugt abwenden möchte und der ohne Filmförderung wohl nie gemacht worden wäre.

Mary Poppins Rückkehr [Amazon Video]
Die Banks-Kinder sind erwachsen geworden und haben damit auch erwachsene Probleme. Besonders Michael hat es hart erwischt. Seine Frau ist verstorben und die Bank will sein Haus pfänden. Geplagt von Trauer und Sorgen vernachlässigt er seine drei Kinder. Genau die richtige Zeit für die Rückkehr des berühmtesten Kindermädchens der Welt.

Eine Fortsetzung zu Mary Poppins? Braucht das jemand? Natürlich nicht, aber Spaß macht der Film absolut. Er behält den Charme des Originals, ist dabei aber spannender und bietet mehr Handlung. Quasi eine zeitgemäße Interpretation des Mary-Poppins-Themas. Dazu viel Fantasie, hervorragende Schauspieler (Emily Blunt! Ben Whishaw! Colin Firth!) und PINGUINE! – mir hat dieser freundliche Film viel Spaß gemacht.

The Boys [Netflix]
Jede Stadt hat ihren eigenen Superhelden. Die kann man nämlich einstellen, von der Firma Vought. Doch das Heldentum ist eine Fassade. Die vermeintlichen Helden nutzen ihre Kräfte, um heimlich jede Art von Perversion auszuleben und hinterlassen dabei eine Spur von menschlichen Kollateralschäden. Das geht Carl Urban mächtig auf den Sack, der sich mit einer Gruppe Normalos, den Boys, die Superhelden vorknöpft.

Die Serie ist ab 18, und das ist auch gut so. Gleich in der ersten Folge zerplatzen Menschen in Blutwolken, werden Hände abgerissen und Sprengstoff in Körperöffnungen gesteckt. „The Boys“ ist Garth Ennis („Preacher“) Abrechnung mit dem Superheldengenre. Eine geniale wie blutige Dekonstruktion mit extrem guten Schauspielern. Der strahlendste Held ist Homelander, eine Mischung aus Superman und Captain America. Wie dem die Gesichtszüge in unbeobachten Momenten von Zahnpastalächeln zu psychotischer Maske entgleisen ist sehenswert.

Hair [Bad Gandersheimer Domfestspiele]
Der junge Bukowski wird 1968 zum Militär einberufen, versackt aber auf dem Weg dahin in einer Hippiekommune. Die Leben in den Tag hinein, vertreiben sich die Zeit mit Sex und Drogen und sind auch ansonsten gut drauf.Zwischendurch hadert Bukowski kurz mit sich: Nach Vietnam gehen oder weiter ficken und kiffen? Ach, egal.

Ich kann mit dem Stück nichts anfangen. Vielleicht ist es zu sehr ein Kind seiner Zeit, mit der ich einfach nicht connecten kann. An der Inszenierung und den Schauspielern lag es jedenfalls nicht, dass ich das ziemlich emotionslos abgesessen habe.

Der Glöckner von Notre Dame [Bad Gandersheimer Domfestspiele]
Paris begehrt die schöne Zigeunerin Esmeralda. Zu ihren Verehrern gehört auch der Kirchenmann Frollo, der Esmeralda für die Glut in seinen Lenden hasst. Als sie sich einem anderen zuwendet, schiebt Frollo ihr einen Mord in die Schuhe. Vom Mob gehetzt, wird Esmeralda vom buckeligen Glöckner gerettet und in den Dachstuhl von Notre Dame gebracht.

Für dieses Stück bieten sich die Gandersheimer Domfestspiele natürlich an, finden sie doch direkt vor dem Portal der Stiftskirche statt. Die Inszenierung bindet die Kirche perfekt ein, und spätestens, wenn sich Quasimodos Freunde, die lebendigen Glocken, am Kirchenportal entlanghangeln und an der Fassade schwerelose Kunststücke vollführen, bleibt einem der Mund offenstehen. De Inszeinierung hat in der Mitte einige Längen, aber die werden mit Kreativität und den tollen Schauspielern wieder wett gemacht. Ganz, ganz groß.

Spatz und Engel [Bad Gandersheimer Domfestspiele]
Zwei Diven, wie sie gegensätzlicher nicht sein könnten. Hier die elegante und beherrschte Dame Marlene Dietrich, dort die fluchende, männermordende, drogensüchtige Edith Piaf. Im New York der 40er Jahre haben die beiden Exileuropäerinnen eine leidenschaftliche und kurze Affäre, danach sind die beiden noch bis zum Lebensende befreundet. Piafs Affären und ihre Drogensucht stellen die Freundschaft auf eine harte Probe.

War mir gar nicht bewusst, dass die beiden befreundet waren. Aber andererseits: Was weiß ich schon generell über Marlene Dietrich und Edith Piaf? Die eine hatte die Augenlider immer auf Halbmast und spielte im Blauen Engel, die andere war bloß ein laufender Meter und knödelte Chansons.

Das tut sie auch hier: „La vie en Rose“, „Je ne regrette rien“ und viele andere Lieder werden in diesem kleinen sieben-Personen-Stück zum Besten gegeben. Nicht meine Musik. Trotzdem hat mich das Stück gefesselt. Das lag vor allen an der enormen Gegensätzlichkeit dieser beiden Charaktere, die sich gleichzeitig aber ganz stark gegenseitig anziehen. Das sehr gute Spiel von Miriam Schwan und Sylvia Heckendorn und die wirklich grandiosen Gesangsperformances taten ihr übriges: „Spatz & Engel“ ist mein Highlight der Domfestspielsaison 2019.

Generell sind die Gandersheimer Domfestspiele mittlerweile auf einem Niveau angekommen, das ich noch vor 10 Jahren für nicht möglich gehalten hätte. Wirklich ausgezeichnete, hauptberufliche Schauspieler aus ganz Europa, topprofessionelle Produktion, innovative Ideen – einfach nur toll, dass sowas Großes in der Provinz stattfindet.

Suburban Motel II [Theater im OP]
Ein Motelzimmer, mitten in der Nacht. Eine Anwältin, ein Cop, verschwitzte Körper, feuchte Laken. Die Stimmung kippt, als der Partner des Cops auftaucht. Wie so oft stockbesoffen und mit einen Drogendealer im Auto vor dem Motel.

Spannendes vier Personen Stück, straff inszeniert und teils gut gespielt. Einige Schauspieler treffen es auf den Punkt und beeindrucken, andere sagen einfach nur ihren Text auf.


Spielen:

Wolfenstein: Youngblood
Sophie und Jess vermissen ihren Vater. Der ist nicht irgendwer, sondern B.J. Blaszkowicz, der Mann, der 1968 Hitler tötete. Moment was? Die beiden Schwestern machen sich auf nach Paris, Daddys letztem bekannten Aufenthaltsort. Die Stadt an der Seine ist auch in den 1980er Jahren fest in der Hand der Nazis, was die Sache nicht einfacher macht. Gemeinsam befreien die Schwester Stadtviertel und rücken langsam, aber aufhaltsam (SIC) gegen den Stadthalter vor.

Nicht mein Spiel. Koop, Unfair, kaum Story – bleibt mir weg damit. Ausführliches Review hier. Ich hoffe auf ein echtes „Wolfenstein 3“. Die Chancen dafür stehen nicht gut. Zum einen hat sich der Vorgänger recht schlecht verkauft, zum anderen – man glaubt es kaum – protestieren in Amerika die Nazis („Identitäre“) gegen die ihrer Meinung nach unfaire Darstellung von Nazis in den Spielen.


Machen:

Aufenthalt im Kloster. Mudder aller Inspektionen an der V-Strom. Für 400 Euro Bahnfahrkarten kaufen. Ein Besuch bei Dora.

Neues Spielzeug:

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Momentaufnahme: Juli 2019

Herr Silencer im Juli 2019

Urlaub schon wieder einen Monat vorbei?!

Wetter: Anfang des Monats warm, dann regnet es zum Glück und kühlt sich ab. Zur Monatsmitte sind es morgens nur noch knapp zweistellige Temperaturen, Höchstwerte kommen nicht über 20. Ich überlege ernsthaft die Heizung anzumachen, als der Sommer zurückkommt und allen mit über 40 Grad was in die Fresse haut. Selbst in Südeuropa ist es kühler als hier.


Lesen:

William Gibson: Neuromancer [Kindle]
Cage ist am Ende. Früher war er ein sehr guter Hacker im Cyberspace, aber bei seinem letzten Job hat er versucht seinen Auftraggeber zu bestehlen. Als Abschiedsgruß liess der ihm die Nerven veröden. Unfähig, sich ins Netz einzuloggen, lebt Cage von kleinen Diebstählen und ist schwer Drogenabhängig.

Dann sucht ihn die Killerin Molly auf und macht Cage ein Angebot, dass er nicht ablehnen kann. Wenig später wacht Cage mit reparierten Nerven und einer neuen Bauchspeicheldrüse auf. Für diese Generalüberholung soll er eine Reihe von Jobs ausführen. Der erste ist noch ziemlich geradeaus, der Diebstahl eines gespeicherten menschlichen Bewusstseins. Doch dann wird die Gemengelage unübersichtlich, und Cage vermutet, dass er gemeinsam mit dem toten Mann im Speicher seines Computers eine Künstliche Intelligenz von ihren gesetzlichen Beschränkungen befreien soll – was die Turing-Polizei nicht freut.

Wow. Neuromancer ist vor 35 Jahren geschrieben worden. Da gab es noch kein Internet, und ethische Fragen um KI wurden auch noch nicht diskutiert. Umso erstaunter bin ich, wie visionär „Neuromancer“ ist.

William Gibson schafft es, in einem hardboiled Noir-Schreibstil eine Welt zu erschaffen, die düster und schmutzig ist und quasi nebenbei so visionär, dass es mir beim Lesen immer wieder den Atem verschlagen hat.

Als ich das Buch das erste Mal las, irgendwann in den Neunzigern, war die Geschichte pure Science Fiction. Heute, mit dem Internet, KI-Fortschritten und globalen Konzernen, wirkt es, als haben würde unsere Welt schrittweise zu der von Neuromancer. Klar, manches wirkt aktuell überholt, wie etwa die Vorstellung von Mainframes, aber das sind austauschbare, sprachliche Artefakte. Tausche „Mainframe“ gegen „Firmennetzwerk“, und „Cyberspace“ gegen „Internet“ und schon passt es wieder. Von der Grundidee bleibt Neuromancer eine Geschichte, das seit seiner Veröffentlichung immer gruseliger, weil realer wird.


Hören:


Sehen:

Stranger Things 3 [Netflix]
Wieder passieren schräge Dinge in dem kleinen Ort Hawkins: Magnete fallen von den Wänden, Ratten verhalten sich merkwürdig und Eleven knutscht ganze Nachmittage mit ihrem Freund – sehr zum Missfallen von Hopper, der sie adoptiert hat. Unterdessen halten die 80er volle Kanne Einzug in den verschlafenen Ort: Eine Shopping Mall hat eröffnet!

Ach, herrlich. Völlig 80er, von den Klamotten bis zu den Verhaltensweisen. Das war in den vorherigen Staffeln ähnlich, aber hier sind die Regler auf 11 gedreht und zupfen an den Saiten meiner Nostalgiegeige. Alle Vibes stehen auf Goonies, wenn die Kids langsam erwachsen werden und trotzdem wieder Dinge aus der Monsterdimsension „Upside Down“ in den Alltag einsickern, bis der zu waschechtem Bodyhorror umschlägt. Dazu kommt, dass Stranger Things nun sein Equilibrium gefunden hat. Budget und Story passen jetzt exakt zueinander, und die geschickte Erzählstuktur macht die dritte zur bislang besten Staffel.

Familie (Im August in Osage County) [Theater im OP]
Beverly hatte ein Abkommen mit seiner Frau: Er sagt nichts zu ihrer Tablettensucht, dafür ließ sie ihn in Ruhe saufen. Aber nun ist der Vater von drei Töchtern, gefeierter Autor und professioneller Alkoholiker verschwunden. Die Töchter kommen aus dem ganzen Land zurück ins abgelegene Osage County in Oklahoma, denn die Familie muss ja zusammenhalten. Leider kommen bei dem Familientreffen ziemlich finstere Geheimnisse ans Tageslicht, und gleich mehrere Abgründe tun sich auf.

Ich mag Werke von Tracy Letts nicht besonders. Mag ja sein, dass er die amerikanische Seele besonders kitzelt (anders ist der Pulitzer Preis für „Osage County“ nicht zu erklären), aber bei mir verfing schon „Killer Joe“ nicht, und auch „Familie“ zieht sich endlos und pointenarm dahin.

Das mag auch an der Inszenierung liegen. Alle Darstellerinnen bekommen den Raum, den sie brauchen, um sich zu entfalten und nutzen den auch, um sich die Seele aus dem Leib zu spielen. Das ist meist sehr gelungen, im Mittelteil nervte mich dann aber die langsame Sprechweise mancher Charaktere. Leuten dabei zuzugucken, die betrunken tun und vor sich hinlallen ist halt keine abendfüllende Unterhaltung, und definitiv nichts um drei Stunden zu füllen. Für meinen Geschmack war das zu lange für die etwas blutleere Geschichte, die erst auf die letzen zwanzig Minuten nochmal aufdreht. Ich stehe mit der Meinung allerdings ziemlich alleine da, die allermeisten Besucherinnen fanden das Stück toll und gaben stehende Ovationen.

Spider-Man: Far from Home [Traumpalast Nürtingen]
Die Welt kämpft noch mit den Nachwehen des „Infinity Wars“. Das die Hälfte der Menschheit 5 Jahre verschwunden war, hat doch Spuren hinterlassen. Peter Parker braucht u.a. deswegen mal Urlaub und geht mit seinen Mitschülern auf Klassenfahrt nach Europa. Dort trifft er auf fiese Elementargeister und den neuen Helden Mysterio.

Der Titel könnte auch sein „Spider-Man: Deception“, denn hier ist nichts, was es scheint. Ich ziehe meinen Hut vor den Schreibern des Films. Was die hier an spannender Story, sehr gutem Pacing und gleichzeitig irgendwie Jugend- und Coming-of-Age-Film zusammengebaut haben, ist handwerklich ganz hohes Niveau. Locker-Leichtes und sehr spannendes Sommerfilmvergnügen, mit schönen Aufnahmen aus Venedig, Prag und London.

Das Ende [Theater im OP]
Fünf Personen leben multiple Lebensgeschichten. Da sind die beiden liebenden Männer, deren Tochter in der Schule gemobbt wird. Agnes, die ihrem Leben gerne einen Neustart verpassen würde, aber irgendwie nicht von der Vergangenheit loskommt. Tanja, Agnes Freundin, die die Idee mit dem Neustart so toll findet, dass sie das einfach macht. Allen gemein: Ihre Zeit läuft ab. Denn der Klimawandel hat einen neuen Effekt hervorgebracht: Der Sauerstoff in der Atmosphäre schwindet. Anfangs wird das als Hysterie abgetan, dann Gegenmaßnahmen ergriffen. Aber auch umfangreiche Aufforstungen helfen nicht mehr. Die Menschheit wird ersticken.

Starke Geschichten, stark gespielt. Die Idee mit dem Klimaeffekt ist aus Modnerds demnächst erscheinenden Kurzfilm „LO2S“ entlehnt, die Geschichten der verschiedenen Charaktere sind frei improvisiert.
Ich mag Improtheater nicht besonders, weil es meist albern ist. Das war todernst, und es war gut.


Spielen:

Assassins Creed Odyssey: Das Schicksal von Atlantis – Die Qualen des Hades/Das Urteil von Atlantis
Kassandras Reise durch die griechische Sagenwelt geht weiter. Nachdem die Söldnerin und Vorfahrin der Assassinen aus dem Paradies Elysium vertrieben wird, muss sie sich Zerberus stellen. Sie besiegt den mythischen Höllenhund, verursacht damit aber enorme Probleme, denn die ganze Hölle kommt durcheinander.

Charon kann keine Seelen mehr über den Styx fahren, die Toten finden keine Ruhe und durch die nun unbewachten Tore der Hölle diffundieren unliebsame Subjekte. Höllenfürst Hades beauftragt Kassandra damit, ihr Schlamassel wieder in Ordnung zu bringen – sonst droht ewige Folter im Tartaros.

Nach der Unterwelt reist Kassandra weiter nach Atlantis, einer Stadt der ISU. Sie lebt unter „Denen, die vor uns waren“, lernt deren Kultur und ihr Verhältnis zu den Menschen kennen, die sie nach ihrem Vorbild formten. Am Ende muss Kassandra eine schwerwiegende Entscheidung fällen: Verdient Atlantis eine Zukunft, oder soll die Stadt untergehen?

Ach Gott ja, halt der fünfte und sechste DLC für „Odyssey“. Die Entwickler geben sich Mühe, führen einige neue Elemente ein und legen den Schwerpunkt auf Systeme, die bislang zu wenig beachtet wurden. Aber letztlich ist es spielerisch doch wieder nur more of the same.

Die Unterwelt ist mit ihren weiten Wüsten und den matschigen Farben kein spannender Ort. Auch die Geschehnisse sind lame. Kassandra trifft im Verlauf der Quests auf alle möglichen ehemaligen Feinde, für deren Ableben sie gesorgt hat. Nun darf sie sich Figuren wie dem Zyklopen oder dem Monger noch einmal stellen. Das bedeutet auch: Wir treffen nervigen Arschgeigen wieder und müssen sie schon wieder umbringen.

Atlantis wiederum ist spektakulär anzuschauen, nervt aber durch schwer zu erkletternde Architektur und schiere Größe. Die Wege sind lang und pure Zeitverschwendung, die Quests sind unlogisch und beschränken sich die meiste Zeit auf dumme Festungseroberung. Die Story ist eigentlich nett, da hier die ganze Grausamkeit der Precursors und vor allem Junos gezeigt wird und auch die Gegenwartsgeschichte um Layla Hassan weitergeht. Leider passt sie in einen Fingerhut und wird am Ende so absurd, dass selbst ich die Motive nicht mehr nachvollziehen konnte.

Es ist ja nett, dass das Hauptspiel auch 9 Monate nach Release noch mit Content versorgt wird, aber „es wurd´s a bissl fad“, wwÖ sagen. Der DLC hat das gleiche Problem wie das Hauptspiel: Zu groß die Welt, zu aufeplustert die unwichtigen Nebenquests, zu wenig die Geschichte. Die ist eigentlich cool, krankt aber an unlogischen Holperern. Für nächste Assassins Creed möchte ich bitte die Gegenwartsstory spannend geschrieben im Hauptspiel sehen, und nicht verklappt in einen DLC.


Machen:

Frieren, Spessartausfahrt, Schwitzen, Dienstreisemarathon, in der Reihenfolge.


Neues Spielzeug:

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

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Momentaufnahme: Juni 2019

Herr Silencer im Juni 2019

Urlaub!!

Wetter: Heiß.


Lesen:

Matt Ruff: The Mirage [Kindle]
Weitergelesen: Die Welt in einer alternativen Zeitlinie: Die USA sind eine zerstrittene Ansammlung christlich-fundamentalistischer Staaten, während die Aarabische Welt geeint und modern ist. Am 09. November 2001 steuern christliche Fanatiker Flugzeuge in zwei Wolkenkratzer in Baghdad. Diese Anschläge an 11/9 verändern die Welt für immer. Die Araber gehen mit aller Härte gegen die christlichen Terroristen vor. Eine Antiterror-Spezialeinheit nimmt in Baghdad christliche Terroristen fest, die steif und fest behaupten, dass die ganze Welt ein Trugbild, eine Mirage, sei – in Wirklichkeit wären an 9/11 Flugzeuge von Muslimen in amerikanische Wolkenkratzer geflogen worden. Als Beweis dafür zeigen die Verhafteten Ausschnitte von seltsamen Zeitungen vor. Wer hätte schon je von der „New York Times“ gelesen?

Ich hatte ja schon im Vormonat darüber geklagt, dass das Buch VIEL zu lang ist. Das Worldbuilding ist genial, aber Matt Ruff verliert sich in Nebenschauplätzen und den Seitengeschichten von unbedeutenden Nebenfiguren, die allesamt keinen Charakter haben. Im Ernst, KEINE der handelnden Figuren ist mir mit Namen und Eigenschaften im Gedächtnis geblieben. Am Ende kippt die Story dann auch noch ins Übersinnliche und hantiert mit Geistern und Dschinns herum.

Das ergibt im Kern dann durchaus einen Sinn, aber das Buch trägt so dermaßen viel Speck mit sich herum, dass man den kaum findet. Obwohl das Taschenbuch die Silencer´sche 450-Seiten Regel einhält („Jeder Roman über 450 Seiten ist schlecht lektoriert und zu lang“), hätte ein gutes Lektorat eigentlich zwei Drittel des Werks streichen müssen, weil: Unfug. Matt Ruff ist immer dann richtig gut, wenn er nicht mehr als 150 Seiten schreibt (Wie in der Multiple-Persönlichkeiten-Story „Set this House in Order“ oder der Novelle „Bad Monkeys“.

Was bleibt: Die Erinnerung an eine tolle, auf links gedrehte Alternativrealität, in der Figuren wie Saddam Hussein, Osama Bin Laden, Timothy Veigh, Donald Rumsfield und andere ganz andere Rollen einnehmen als in unserer Welt, dabei aber im Kern die bleiben, die sie sind. Das ist Gänsehauterzeugend unangenehm.

Herr Sonneborn geht nach Brüssel

Im Jahr 2014 tritt der Satiriker Martin Sonneborn mit seiner Partei „Die PARTEI“ bei der Europawahl an. Zu seiner eigenen Überraschung bekommt er genug Stimmen und geht als Abgeordneter nach Brüssel. Ihm zu Seite steht sein treuer Büroleiter Hoffmann, Vorname: Dustin. Gemeinsam finden sie sich in den Politbetrieb der EU ein.

Ich habe das Buch verschlungen. Was Sonneborn hier vorlegt, ist kein plumper Versuch, sich über die EU lustig zu machen. Im Gegenteil, mit großem Ernst wird hier beschrieben, wie Prozesse in der EU ablaufen, welche Rituale und Traditionen dort gepflegt werden, und welche Charaktere die tatsächlich Macht in Europa haben und auf wessen Geheiß sie handeln. In chronologischer Reihenfolge lässt Sonneborn die Leser an seiner ersten Legislaturperiode teilhaben. Während der macht er sich schnell Feinde, u.a. den cholerischen Cheflobbyisten von Bertelsmann, Elmar Brok (der Nebenbei einer der mächtigsten CDU-Politiker ist, darin aber keinen Interessenkonflikt erkennen kann) oder den SPD-Politker Jo Leinen, dem Sonneborn einen Empfang wegkapert und der wegen der PARTEI eine Änderung des Wahlrechts herbeiführen will, oder auch die AFD-Abgeordnete, die Sonneborn nur „Beatrix von Strolch“ nennt.

Während der 5 Jahre,. die das Buch umfasst, erlebt man bei Sonneborn eine Veränderung. Stimmte er Anfangs gaga-mäßig immer abwechselnd mit Ja und Nein für alles mögliche, begreift er im Laufe der Zeit, das selbst seine fraktionslose Stimme manchmal das Zünglein an der Waage sein kann. Gemeinsam mit Ska Keller von den Grünen und Julia Reda von den Piraten fängt Sonneborn an, die alten weißen Lobby-Männer wie Oettinger und Brok aufzumischen und mit seinen Mitteln auf Demokratiedefizite und ungerechte Auslegungen aufmerksam zu machen, bis am Ende sogar Merkel der Deckel wegfliegt und die Bundesregierung gegen Sonneborn intrigiert.

„Herr Sonneborn geht nach Brüssel“ ist ein politisches Buch, dass lehrreich ist, weil es abstrakte Prozesse in verständlicher und anekdotischer Form darstellt. Sehr vergnüglich, sehr unterhaltsam. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung: Sonneborn wurde gerade wiedergewählt und darf eine zweite Amtszeit in Brüssel verbringen.


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A private War [Prime Video]
Marie Colvin ist eine begnadete Kriegsreporterin. Für die Sunday Times berichtet sie aus Krisengebieten wir Ost-Timor, dem Libanon oder dem Kosovo. Dabei mäandert sie zwischen der Sucht nach dem Thrill, der selbstauferlegten Verantwortung über die Grausamkeit der unbeachteten Kriege berichten zu müssen, wenn es sonst niemand tut, und einer ständigen Traumatisierung ob des Gesehenen, die sie mit Sex und Alkohol zu kompensieren versucht. 2012 wird Colvin in Homs getötet.

Ich weiß schon, was der Film leisten möchte. Klappt aber nicht. Das liegt zum einen daran, dass sich die Produzenten nicht wirklich auf eine Richtung festgelegt haben. Für eine Dokumentation ist zu viel Drama drin, für ein gutes Biopic ist aber die Strukturierung zu unklar.

Außerdem hätte es echt eine andere Hauptdarstellerin sein dürfen. Rosamund Pike müsste eigentlich den Film tragen, kriegt das aber nicht hin. Immer wieder sehen wir sie in unglaubwürdigen Trainingsmontagen schreiben, saufen und ficken, unverständliche Dinge murmeln und dann wieder durch Kriegsgebiete taumeln. Aber statt hier eine besessene Journalistin zu sehen, sehen wir nur Rosmund Pike, wie die sich eine besessene und verbitterte Journalistin vorstellt. Dabei kriegt sie es aber nicht mal hin eine Zigarette richtig zu halten. Meine Güte, was hätte eine Schauspielerin wie Sigourney Weaver aus dieser Rolle gemacht!

Wichtiges Thema, aber der Film taugt leider nicht – trotz der guten Kritiken allerorten.

Venom [Prime Video]
Tom Hardy kommt mit schwarzem Glibber in Berührung, der erst ihn auffrisst, dann anderen den Kopp abbeißen will.

Belangloser Actionreißer mit langen Durchhängern. Tonal kann sich der Film nicht entscheiden, was er eigentlich sein möchte. So oszilliert er zwischen Buddymovie, Thriller, Superheldenstreifen und Horrorfilm. Tom Hardy overacted dabei so dermaßen, dass er die Grenze zur Comedy mehr als einmal überschreitet.

Entscheiden konnte man sich wohl auch nicht, für welches Publikum „Venom“ eigentlich sein soll. Die Comicvorlage ist krass gewalttätig. Aber anstatt hier im ab 18-Fahrwasser von „Deadpool“ oder „Logan“ eine Gewaltorgie aufzumachen, in der links und rechts die appen Köppe rumfliegen, zielt der Film auf ein PG13-Rating. Dementsprechend wird immer brav weggeblendet, wenn Venom zum Massaker ansetzt. Das ist brav und… langweilig. Für eine ordentliche Umsetzung hätte einen Paul Verhoevens gebraucht, bekommen wir hier eine weichgespülte Version a la W.S. Anderson.

Stellenweise unterhaltsam und definitiv nicht so schlimm, wie es ein Nicht-Marvel-Film abseits des MCU befürchten ließ, aber weit davon entfernt das Geld für eine Kinokarte wert zu sein.

Der Kissenmann [Theater im OP]
Der Schriftsteller Katrurian K. Katurian wird verhaftet und verhört. Der Vorwurf: Er soll Kinder auf grauenvolle Arten getötet haben – genau, wie er es zuvor in seinen Geschichten beschrieben hat. Die Polizisten, die Katurian verhören, ist jedes Mittel recht um ein Geständnis aus Katurian zu pressen. Selbst Folter und die Gefangennahme von Katurians zurückgebliebenem Bruder schreckt die Beamten nicht. Bald verschwimmen Realität und Geschichten. Sind Katurian und sein Bruder das Produkt eines schrecklichen Experiments? Am Ende läuft es auf eine letzte, fürchterliche Geschichte hinaus: Die des Kissenmanns. Ein freundliches Wesen, das nur aus Kissen besteht und das Leiden von Menschen nicht ertragen kann. Deshalb reist der Kissenmann in der Zeit zurück, um besonders leidende Menschen noch in ihrer Kindheit zum Selbstmord zu überreden.

Grotesk, fürchterlich, aber auch hoch spannend und sehr, sehr faszinierend. „Der Kissenmann“ überrascht praktisch alle zwei Minuten und ist auf eine ähnliche Weise fesselnd wie einst das Schweigen der Lämmer: Es ist fürchterlich, aber man kann nicht wegsehen. Das hat natürlich System, der Autor Martin McDonagh ist ein Meister in der Verbindung von Gewalt und schwarzem Humor. Aus seiner Feder stammen u.a. „Brügge sehen und sterben“ und „Three Billboards outside Ebbing, Missouri“.


Spielen:

Machen:

Motorradreise!


Neues Spielzeug:

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Momentaufnahme: Mai 2019

Herr Silencer im Mai 2019

Zeit rast

Wetter: Anfang des Monats bitterkalt: Nachts 0, tagsüber 5 Grad, dazu Schneeregen und Hagel im Wechsel mit Sonnenschein. Mitte des Monats ergiebiger Regen und immer noch kalt. In der dritten Woche vereinzelt Sonnenschein und ein wenig wärmer, mit 6 bis 15 Grad aber immer noch kühl.


Lesen:

Matt Ruff: The Mirage [Kindle]
Die Welt in einer alternativen Zeitlinie: Die Abkürzung USA steht für die United States of Arab, während der nordamerikanische Kontinent aus zerstrittenen, religiös geführten Einzelstaaten besteht. Radikale Splittergruppen von christlichen Fundamentalisten verstecken sich in den Rocky Mountains und planen von dort aus Terroranschläge gegen die muslimische Welt. Einer davon gelingt: Am 11. September 2001 steuern christliche Fanatiker Flugzeuge in zwei Wolkenkratzer in Baghdad. Diese Anschläge verändern die Welt für immer. Die Araber gehen mit aller Härte gegen die christlichen Terroristen vor, und jagen sie bis in den schwäbischen Teil von Israel, dem früheren Deutschland. Eine Antiterror-Spezialeinheit nimmt in Baghdad christliche Terroristen fest, die steif und fest behaupten, dass die ganze Welt ein Trugbild, eine Mirage, sei – in Wirklichkeit wären an 9/11 Flugzeuge von Muslimen in amerikanische Wolkenkratzer geflogen worden. Als Beweis dafür zeigen die Verhafteten Ausschnitte von seltsamen Zeitungen vor. Wer hätte schon je von der „New York Times“ gelesen?

WTF, was für eine coole Idee. Leider wird aus der Ausgangslage wenig mehr gemacht als die Handlung einer üblichen Staffel „24“. Das die Terroristenjäger dieses mal muslimischen Glaubens sind, macht kaum einen Unterschied. Im Gegenteil, Matt Ruff nervt gelegentlich mit seinen Übertragungen, und an einigen Stellen überspannt er den Bogen völlig. Das z.B. die Miranda-Belehrung („Sie haben das Recht zu Schweigen, alles, was Sie sagen, kann und wird vor Gericht gegen Sie verwendet werden“) im arabischen genauso existiert, nur vor jedem Satz Allah als Gott der Allmächtige gepriesen werden muss, ist nicht nur unfreiwillig komisch, es bricht auch meine Suspension of Disbelief und lässt mich aus der Geschichte fallen.

Noch keine abschließende Meinung, außer: Das Buch ist VIEL zu lang. Hätte mal eine TV-Serie werden sollen, für den Raum zwischen zwei Buchdeckeln mäandert Ruff zu sehr rum und macht auf jeder zweiten Seite eine Nebenhandlung auf. Laaaaangweilig.


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Hidden Figures [Homekino]
Wahre Geschichte: Katherine Goble, Dorothy Vaughan und Mary Jackson arbeiten bei der NASA. Goble ist eine brilliante Mathematikerin, Vaughan eine Führungsopersönlichkeit, und Jackson eine begabte Ingenieurin. Das Problem dabei: Alle drei sind farbig, und das Jahr ist 1961. Es herrscht nach wie vor Rassentrennung, und Diskriminierung ist völlig normal. So muss Katherine Goble jeden Tag ihre Arbeit fast 40 Minuten unterbrechen und bei Wind und Wetter über den Campus in Langley laufen, weil das nächste Klo für Farbige kilometerweit weg ist. Die drei Damen sind Teil der „Computers“, wie zu der Zeit Menschen genannt wurden, die Flugbahnberechnungen per Hand durchführten. Als Teil des NASA-Teams haben die drei maßgeblichen Anteil am Erfolg der Missionen von Friendship 7 und Apollo 11.

Der Film wurde mir von mehreren Seiten empfohlen, und das zu recht. Toll ausgestattet erzählt er ruhig die Geschichte der drei Heldinnen, die immer wieder die absurdesten Hindernisse überwinden müssen. Der Film basiert auf einem Sachbuch und ist sicherlich in Details etwas überdramatisiert (etwa, wenn Kevin Kostner als NASA-Chef persönlich mit einer Brechstange die Kloschilder abschlägt), aber das mindert das Vergnügen nicht. Die überaus tollen Protagonistinnen tun das Übrige dazu, dass man „Hidden Figures“ nicht so schnell vergisst.

Fahrenheit 11/9 [Prime Video]
Es war so sicher, dass Hillary Clinton Präsidentin werden würde. Noch in der Wahlnacht standen die Umfragen bei 85 zu 15 für sie. Und dann wurde es Trump. Warum? Michael Moore geht dieser Frage nach und zeigt auf, wie Jahrzehnte verfehlter Politik die Menschen so wütend machten, dass sie entweder nicht wählten oder für Trump stimmten. Natürlich steht auch Flint, Moores Heimatstadt und sozialer Brennpunkt, dabei immer wieder im Fokus.

Kaum eine Stadt demonstriert besser, was in den USA passiert ist: Ein geldgieriger Gouverneur setzt per Notstandsgesetz Kumpel von sich auf wichtige Posten. Die bereichern sich, in dem sie die Wasserversorgung von Flint ändern, so dass Kinder und Erwachsene mit dreckigem, verbleiten Trinkwasser vergiftet werden und bleibende Schäden davontragen. Erst als das giftige Wasser Metallteile in einem Autowerk angreift, gibt es wieder sauberes Wasser – aber NUR für das Werk, nicht für die Menschen. Schließlich kommt Präsident Obama, der Hoffnungsträger der leidenden Bevölkerung. Er trinkt vor laufender Kamera Wasser aus Flint, dann unternimmt er – nichts.

Später ist Wahlkampf, und der einzige Kandidat, der sich in Flint blicken lässt, ist Donald Trump. Damit sammelt er selbst die Stimmen der schwarzen Bevölkerung ein. Wenig später bombardiert die Air Force Flint – die Stadt ist mittlerweile so abgewrackt, dass sie als Truppenübungsplatz herhält.

Moore verzichtet über weite Strecken auf seine üblichen, fremdschäm-peinlichen Provokationsaktionen. Nicht ganz, natürlich, auch hier finden sich wieder Szenen wo er den Vorgarten des Gouverneurs mit Wasser aus Flint flutet. Aber das ist die Ausnahme, meist ist „Fahrenheit 11-9“ ruhig erzählt. Das schockiert fast noch mehr, aber es gibt auch immer wieder Hoffnung. Die Frage nach „Wo ist das andere Amerika“ wird mit Hoffnung machenden Beispielen von Jugend- und Frauenbewegungen oder Alexandria Ocasio-Cortez (die ich für eine kommende Präsidentin der USA halte) belegt.

Der Film endet aber auf einer düsteren und unversöhnlichen Note, wenn er aufzeigt, wie Donald Trump sich der Methoden der Faschisten bedient, um seine Macht auszuweiten. „Fahrenheit“ kommt dem Phänomen Trump etwas näher und zeigt seinen Werdegang auf interessante Weise, wirklich neu ist daran aber kaum etwas. Moore-typisch ist die Zusammenstellung wie immer effektiv und schockierend.


Spielen:

Innocence: A Plague Tale [PS4]
1342, im finstersten Mittelalter: Die Pest geht um und verschont auch Frankreich nicht. Schlimmer noch als der Schwarze Tod ist für die Adelsfamilie de Rune die kirchliche Inquisition, die ohne Vorwarnung den Familiensitz überfällt und alle Bewohner abschlachtet. Nur das Mädchen Amicia kann mit ihrem kleinen Bruder Hugo entkommen. Gemeinsam schlagen sie sich hinter die Linien des Kriegs mit den Engländern und versuchen den Häschern der Inquisition zu entkommen. Aber Hugo ist schwer krank, und die allgegenwärtigen Ratten setzen den beiden schwer zu.

Ui, was ist DAS denn? „Innocence“ kam aus dem Nichts und hat die Welt verzaubert. Die Geschichte von Hugo und Amicia ist ein sehr schön erzähltes Soloabenteuer, das ganz auf seine Gameplaymechaniken zugeschnitten ist. Es gibt einige simple Regeln: Ratten mögen kein Licht, Wächter gucken immer in eine Richtung, die Spielfigur stirbt nach einem einzigen Treffer oder wenn sie das Licht verlässt. Daraus baut „Innocence“ aber erstaunlich vielfältige Schleich- und Rätselszenarien. Ob Amicia mit Hugo an der Hand in einem Lager der Engländer herumschleicht oder allein rattenverseuchte Katakomben erkundet, das Spiel bleibt über seine gesamte Laufzeit von 12 Stunden abwechselungsreich und interessant. Dabei ist es nicht mal besonders schwer, was gut ist: So machen selbst die Schleichsequenzen Spaß.

Zum Spielerlebnis trägt maßgeblich auch die Geschichte bei, die stark geschrieben und gut inszeniert ist. Eine dermaßene Bindung und Mitgefühl wie für Amicia und Hugo hatte ich zuletzt für Joel und Ellie in „The Last of Us“. Das es sich bei Innocence „nur“ um eine französische Doppel-A-Produktion handelt, ist gelegentlich an den Gesichtsanimationen zu merken, aber das wird durch den Schnitt der Zwischensequenzen gut kaschiert. Nicht gespart wurde an der Welt, die wunderschön und beängstigend Detailreich in Szene gesetzt ist.

Tolle Welt, tolle Geschichte, tolles Gameplay, tolle Charaktere – für die schlappen 40 Euro, die das Spiel aktuell neu kostet, definitiv eine Kaufempfehlung.


Machen:


Neues Spielzeug:

Neues Dienstfahrzeug: Ein e-Bike, ein Giant Explore E+2 GTS.

Bild: Giant Bicycles

Ich war ja sehr skeptisch, als der Arbeitgeber damit um die Ecke kam. Aber: Das ist schon cool!

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Momentaufnahme: April 2019

Herr Silencer im April 2019

Zeit rast

Wetter: Anfang des Monats sonnig, die Temperaturen wechseln je nach Tagesform. Mal tagsüber über 20 Grad, mal nachts 2 Grad. Mitte des Monats schneit es noch einmal und ist eine Woche lang richtig kalt, dann wird es wieder frühsommerlich, mit Temperaturen über 20 Grad und Sonne. Es regnet den ganzen Monat über fast gar nicht, was schon zu Waldbränden führt. die letzten paar Tage wird es mit 4 bis 15 Grad wieder kalt, und zumindest am letzten Wochenende regnet es mal zwei Tage.


Lesen:

Lea Rieck: Sag dem Abenteuer, ich komme: Wie ich mit dem Motorrad die Welt umrundete und was ich von ihr lernte [Kindle]

Typische Ausgangssituation: Frau hat Nase voll von Job in „Irgendwas-mit-Medien“ und will weg. Also auf eine Tiger 800 gesetzt und los geht´s, von München nach Istanbul, dann über Asien und Australien nach Südamerika und in die USA.

Untypisch ist die Art dieses Reiseberichts. Das Buch folgt zwar grob der Chronologie der Reise, die einzelnen Abschnitte machen sich aber nicht an der Geografie fest, sondern haben Oberthemen wie „Mut“, „Leidenschaft“, „Glaube“ oder „Loslassen“, unter die sich einzelne Kapitel ordnen. Rieck beschreibt darin hauptsächlich ihre Begegnungen mit anderen Menschen und was sie von diesen lernte und mitnahm.

Was in dem Buch praktisch nicht vorkommt sind die üblichen Ärgernisse einer Motorradreise – Werkstattbesuche, Schwierigkeiten an Grenzen, Ersatzteil-Fuckup – das wird alles nur in Nebensätzen erwähnt und kommt höchsten am Rande vor.

Das ist introspektiv und eine wunderbare und erfrischende Abwechselung zu den sonst üblichen „Blut, Schweiß und Tränen“- Büchern von Kradvagabunden und Co, die oft einen geradezu verbissenen Fokus auf Landschaft und Maschinen legen, dabei aber kaum reflektieren und im Zweifel anderen Menschen und Kulturen mit Distanz oder sogar genervt begegnen. Und natürlich ist es ein superkrasser Gegensatz zu der geradezu ärgerlichen Reisedoku „Egal was kommt“, die in der Motorradszene heftig beworben wurde, sich aber letztlich in Mimimi und Warterei auf Ersatzteile erschöpfte. Lea Rieck hingegen merkt man an, wie sie während und an ihrer Reise lernt und wächst und sich der Blick auf die Welt und sich selbst ändert.

Anders ist auch ein explizit weiblicher Blickwinkel, wenn es um Liebe und Sex geht. Auch davor scheut das Buch nicht zurück, etwa, wenn Rieck wochenlang scharf auf den gutaussehenden, aber wortkargen Russen ist, dessen muskulösen Körper und Segelohren sie anhimmelt. Sowas würde sich heute kein männlicher Autor zu schreiben trauen.

Etwas unschön ist, dass nahezu alle Gespräche in wörtlicher Rede stattfinden. Sowas kann man als Stilmittel zwischendurch mal einstreuen, aber es Seitenweise und dauernd zu verwenden gehört sich eigentlich nicht – weil man als Reiseautorin ja kein Tonband mitlaufen lässt, sondern die Dialoge (oder das, was einem davon wichtig war und was man behalten hat) aus dem Gedächtnis und nur sinngemäß wiedergibt. Durch die überbordende Verwendung der wörtlichen Rede und gleichzeitiger Reduktion mancher Figuren auf Kerneigenschaften wirkt manches wie aus einem Roman, und damit übertriebener oder auch platter, als es vermutlich wirklich war.

Aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Lea Rieck legt hier ein Buch vor, das sich wohltuend vom Rest der Motorradreiseberichte abhebt. Das gilt für den Text und auch auch für die Bilder: Wo man bei anderen Autoren nur Landschaften und verschlammte Motorräder sieht, sind Rieck fantastische Aufnahmen gelungen, auf denen sie selbst immer wieder in einem roten Kleid zu sehen ist.

Wie sie das verliert und in der Folge nackt durch den Dschungel fährt, muss jeder selbst lesen. Aber auch solche Mißgeschicke unterscheiden sich angenehm von den üblichen Reifenpannen. Das erste Buch seit sehr langer Zeit, das ich bis zum Ende nicht mehr aus der Hand legen konnte. Klare Leseemepfehlung, zumal es nicht umfangreich ist.


Hören:


Sehen:

Mortal Engines [Prime]
Die Erde in ferner Zukunft: Aus irgendeinem Grund leben die meisten Menschen in Städten auf Rädern. So kurvt auch ein Mädchen mit einem roten Schal in einem kleinen Fünf-Häuser-Dorf über die Erdoberfläche. Damit ist es vorbei, als die Großstadt London über die Landbrücke nach Europa fährt und dort alles platt macht. An Bord ist Agent Smith aus Matrix, der böse Pläne hat. Das rotschalige Mädchen will das verhindern, hat aber einen Terminator am Arsch.

„Mortal Engines“ ist an den Kinokassen grandios untergegangen, und ich muss sagen: Zu recht. Ich mag ja absurde Prämissen, und Städte auf Rädern gehören mit Sicherheit dazu. Aber dieser Film ist ein wirres Konvolut aus seelenlosen CGI-Actionszenen und einer zu hohen Anzahl hohler Charaktere. Das Pacing stimmt hinten und vorne nicht, und weil schon die Einführung der Personen schief geht, weiß man nie, welcher Charakter jetzt eigentlich wichtig ist.

Am Ende sind die ohnehin alle egal: Wenn ich nach 2 Stunden Film schon beim Abspann nicht mehr weiß, wie die Protagonistin hieß, dann stimmt was nicht. Am meisten im Gedächtnis bleibt noch der Cyborg-Terminator, der ist das gruseligste, was ich seit „Das schwarze Loch“ gesehen habe.

Star Trek: Discovery, Season II [Netflix]
Sieben rote Lichter erscheinen im All, und die Discovery guckt nach, was es damit auf sich hat. Egal, wo das Experimentalschiff hinkommt: Es geschehen merkwürdige Dinge, und ein roter Engel rettet immer wieder den Tag. Ist der Gottgesandt? Oder ein Alien aus der Zukunft? Oder beides?

Wow. Einfach nur: Wow. Die zweite Staffel von Discovery hat mich einfach nur weggeblasen. Hier stimmt fast alles: Lücken im Star Trek-Kanon werden geschlossen, die Schauspieler legen Glanzleitungen hin und die Story ist anspruchsvoll und wendungsreich. Gegen Ende werden die Plotholes zwar so groß, dass die Enterprise durchfliegen könnte, aber das macht die Discovery mit einem wirklich unfassbar großen Twist wieder wett. Sehr, sehr cool. Das hier ist nicht verschnarchtes 80er-Jahre Star Trek a la Next Generation, das hier ist top notch 2020er-Erzählweise mit hohem Production Value. Quasi ein guter Kinofilm, der aber 14 Folgen lang ist.


Spielen:

Assassins Creed III Remastered [PS4]
Connor Kenway ist halb Mohawk, halb Engländer. Er geht beim letzten Assassinen des nordamerikanischen Kontinents in die Lehre, um sich danach den Orden der Templer in den Kolonien vorzunehmen. Nebenbei wirft er in Boston Tee über Bord, reitet mit Paul Revere durch die Nacht und macht einem jungen George Washington Mut.

2012 kam Assassins Creed III raus. Meinem Review von damals habe ich kaum was hinzuzufügen – AC3 ist einfach von der Grundidee und der Machweise kein gutes Spiel und in allen Belangen schlechter als sein Vorgänger. Es ist mit komplexen Systemen überladen, der Protagonist ist ein Unsympath, der Regisseur hat grundlegend die Idee der Assassinen nicht verstanden, die Gegenwartsstory spielt kaum noch eine Rolle und killt am Ende den Hauptcharakter. Außerdem sind Setting und Landschaft langweilig. Kletterte man im Vorgänger am Dom von Florenz zur Zeit der Renaissance herum, kraxelt man in AC3 auf Bäume und Holzhäuschen. Super.
Das die Story immer noch besser ist als alles, was Ubisoft danach fabrizierte, macht die Sache retrospektiv auch nicht wirklich besser.

Nun also das Remaster für PC, XBONE und PS4 und um es klar zu sagen: Dieses Remaster ist das mieseste, was ich in den letzten Jahren gesehen habe. Zwar läuft das Spiel nun in Full HD und die Texturen sind geringfügig besser. Dafür ist das neue Beleuchtungsmodell direkt aus der Hölle. Es lässt die Landschaft zwar ein klein wenig hübscher aussehen, macht aber alles andere durch übertriebene Helligkeit viel hässlicher als im Original aus Zeiten der XBOX 360.

Die ohnehin leblosen NPCs wirken nun in Cutscenes endgültig wie gruselige Gummipuppen, denen nun auch noch Licht aus dem Mund scheint(!). Außerdem ist das Remaster Buggy as Hell. Schneetexturen flimmern beim Darüberlaufen, Timings in Kämpfen stimmen nicht mehr, und oft sind Personen und Gegenstände unsichtbar – auch viele der Almanachblätter, die man eigentlich einfangen soll, oder Sniper, die es unter Zeitdruck abzufangen gilt. „Fangen Sie diesen Unsichtbaren“ – Haha.

Das kommt alles noch oben drauf auf die bekannten Bugs von ACIII, die allesamt nicht behoben wurden. Beispiele: Ist man ein Mal „berüchtigt“, wird man diesen Zustand in Hauptmissionen nicht mehr los – was dazu führt, dass man diese nicht mehr erfolgreich abschließen kann, denn Feinde sehen einen nun aus 15 Kilometern Entfernung und durch Deckungen hindurch und gehen sofort zum Angriff über. Erspäht einen ein Feind, wissen sofort ALLE NPCs eines Levels wo man steckt und machen Jagd – was den berüchtigten Benny-Hill-Effekt auslöst: Der Spielercharakter flitzt durch die Straßen, ALLE Feinde in einem Klumpen hinterher. Auch ohne einen Grund drehen damals wie heute gerne sämtliche NPC in einem Level durch, rennen schreiend davon oder werden plötzlich völlig aggro und greifen unvermittelt an. Das gilt selbst für handlungsrelevante Personen, die man geheim belauschen soll – plötzlich drehen die sich um, erspähen die eigene Spielfigur durch drei Hauswände hindurch und drehen am Rad. Das ist frustrierend und ist eigentlich ein bekanntes Problem.

AC III Remastered bringt immerhin alle DLCs des Originals mit, auch das abgedrehte „The Tyranny of King Washington“, in dem George Washington zum Despoten wird und der eigene Charakter plötzlich fliegen kann. Ebenfalls dabei: PS Vita-Ableger „Assassins Creed: Liberation“ mit der weiblichen Assassine Aveline du Grandpré – und DIE ist cool und kann sich sogar verkleiden.
Besitzer des „Assassins Creed Odyssey“-Season Pass erhalten AC3, DLC und Liberation kostenlos, für alle anderen ruft Ubisoft 40 Euro auf. Muss jeder selbst wissen, ob ihm das die Verschwendung der eigenen Lebenszeit mit einem schlechten, fehlerhaften und mit Nebenaktionen aufgeblasenen Spiel wert ist.


Machen:
Fahrsicherheitstraining (Intensiv) in Gründau.


Neues Spielzeug:

Ach man, das war einer teurer Monat. Das hier war geplant:

Eine Sena PT10 Prism Tube Wifi, eine kleine Helmkamera. Nicht so hässlich wie eine GoPro, und sehr puristisch, leider tierische Fischaugenverzerrung.

Nicht geplant war, dass ich Ersatz für den kleinen Datenlogger brauchte, weil den das GPS-Rollover zerrissen hat. Nach Tests einiger Apps zur GPS-Aufzeichnung muss ich sagen: Für den Einsatz auf langen Reisen und abseits der Zivilisation fressen die immer noch zu viel Strom oder zeichnen zu wenige Punkte auf. Deshalb ist es nochmal ein separater Travelrecorder geworden. Ein altes Modell, denn mit dem funktioniert das Open-Source-Steuerprogramm und der Nokia-Akku hält über 40 Stunden. Das Gehäuse ist ähnlich dem alten i-Blue 747 Pro, nur das der neue ein QStarz BT-Q1000 XT ist.

Ebenfalls nicht geplant: Die Anschaffung neuer Stiefel (Daytona Road Star). Schon wieder, weil sich anscheinend meine Füße verändert haben. Und letztlich: Eine neue Wasserpumpe und ein neuer Zahnriemen für das Kleine Gelbe AutoTM. Fuck, jetzt gibt es den nächsten Monat durch nur Nudeln mit Maggi.

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