Gnadenloses Leben

Jahresanfangsirrsinn

  • 2019 geht genauso irre weiter wie 2018 aufgehört hat. Viel zu tun, keine Zeit für irgendwas. Das ist nur so mittelgut. Ich wache morgens schon mit einem Puls von 120 auf, die Verspannung in der Schulter lässt mich ständig aufstöhnen und ab der Mitte des Tages bin ich totmüde. Für das Blog bedeutet das: Freude, wenn ich es wenigstens schaffe, das Reisetagebuch ein Mal in der Woche weiter zu führen. Einige andere Beiträge, die mir echt wichtig sind, werden wohl noch länger im Entwurfsordner bleiben.
  • Immerhin habe ich es geschafft eine Langzeitblutdruckmessung zu machen. Die Ergebnisse sind unschön, gelinde gesagt. Das Messgerät warf teilweise Fehlermeldung E12. Die Arzthelferin musste den Fehlercode nachschlagen. Er bedeutet: Messung nicht möglich, Blutdruck zu hoch. WTF?
  • Tee. Grüner Tee soll ja den Blutdruck senken. Aber den ganzen Tag Tee trinken ist seltsam.
  • Ich habe zum ersten Mal mit meinem Telefon bezahlt, in dem ich es an einen Parkautomaten gehalten habe. Androidnutzern mag das nur ein müdes Lächeln entlocken, für Apple-Nutzer ist das aber spektakulär. Knapp vier Jahre nach dem Rollout in Kasachstan(!) kommt Apple Pay nun auch nach Deutschland. Auch wenn die Sparkassen hier noch rummaulen und lieber wieder was eigenes basteln würden.
  • Ich habe etwas beim Otto-Versand bestellt. Zum ersten Mal in meinem Leben.
  • Heute das erste Mal seit dem 18. Dezember wieder eingekauft.
  • Das Kleine Gelbe AutoTM sieht immer noch aus wie ein Lowrider. Vorne steht der Wagen hoch, hinten hängt er tief. Die Reaktion der Werkstatt, auf meine Aussage: „Das sind nicht die richtigen Federn, die sie da vorne eingebaut haben“: „Wer sagt das?“. Meine Rechtsanwältin feilt sich schon die Eckzähne nach.
Kategorien: Ganz Kurz, Gnadenloses Leben | 12 Kommentare

Das war das Jahr, das war (2018)

2018 war anstrengend.

Lage der Nation: Politisch ist das erste Halbjahr Stillstand, bis sich endlich eine Regierung gebildet hat. Am Ende kommt ausgerechnet eine große Koalition dabei heraus, dieses demokratiefeindliche Konstrukt, in dem sich die beiden Volksparteien CDU und SPD aufreiben. Die Mitte bricht weg, der die Ränder werden breiter. Insbesondere der Rechtspopulismus verschiebt die Grenzen des Sagbaren, mittlerweile hetzen AfD-, ehemalige CDU- und aktive CSU-Politiker offen gegen Minderheiten.

Im Netz sprießen Seiten für „Alternative Nachrichten“, über die sich die Menschen selbst radikalisieren, meist ohne es zu merken. Insbesondere Medienunerfahrene und vor allem alte Menschen rutschen in die rechten Echokammern hinein, die ihnen über „Nachrichten“ und „Fakten“ einreden, das Horden von messerschwingenden Migranten durch Deutschland ziehen, ständig Leute umbringen und an ALLEM Schuld sind, insbesondere der hohen Mieten in München – aber diese Informationen werden vom Staat und den „Mainstreammedien“ ja totgeschwiegen. Problem dabei: Solche Verschwörungstheorien lassen sich nie widerlegen. Gibt es keine Beweise, hat die halt jemand vertuscht. Im Zweifelsfall Merkel, die sich in diesem Jahr vom CDU-Vorsitz zurückzieht.

Daraufhin taucht Friedrich Merz wieder auf, eine Figur, bei der ich froh war, als sie Anfang der 2000er von der Bildfläche verschwand. Merz arbeitet für Black Rock, den weltgrößten Vermögensverwalter, der dafür bekannt ist, eigene Schattenfinanzmärkte hochzuziehen und Politik ganzer Länder zu beeinflussen. Und nun versucht Black Rock, einen der ihren als potentiellen Kanzler eines der mächtigsten Länder der Welt zu installieren. Geht im ersten Anlauf schief, obwohl man für die Kampagne Profis engagiert und sogar die BILD in Stellung gebracht hat.

Lage der Welt: Während Deutschland nach rechts ruckt und sich ansonsten mit sich selbst beschäftigt (Dieselskandal), dreht der Rest der Welt frei. Die Russen testen Hyperschallwaffen, die Japaner fangen wieder Wale, Trump nimmt die USA aus wie eine Weihnachtsgans, Italien wird von einem rechtsradikalen Pöbler regiert und England versucht sich am Brexit, was auf den Rest der Welt so aussieht, als würden sie sich selbst unter großem Jubel versenken. Daneben finden immer mehr Länder, dass man es mit dem Klimaschutz mal nicht so übertreiben solle, Wirtschaft sei doch viel wichtiger. Alles seltsam, alles erschreckend, gefühlt macht die Welt gerade eine Rolle 50 Jahre rückwärts. Schlimm, wie einige radikale Personen das Rad der Zeit zurückdrehen können.

Und sonst noch? Hier die immer weiter mutierende Form des Bloggerdorf-Fragebogens.

Wort des Jahres: Omaschaf.

Einschneidendstes Erlebnis:
Der Moment beim Arzt, als ich begriff, dass mich mein Blutdruck umbringen wird wenn ich nichts unternehme.

Zugenommen oder abgenommen? Zugenommen.

Bestes Ereignis: Gleich mehrere, hängen immer damit zusammen Leute getroffen zu haben. Meist waren Motorräder involviert.

Mehr ausgegeben oder weniger? Gleich.

Mehr bewegt oder weniger? Weniger. Seufz. Zu viel Arbeit um noch Lust an Sport zu haben. Ich weiß, verkehrte Einstellung.

Die hirnrissigste Unternehmung?Diese unfassbar teure Tech Air-Jacke zu kaufen, bzw. die Umstände: Mehrfach 150 km zum Händler und zurück zu fahren, Jacken in mehreren Größen zu kaufen und wochenlang anzuprobieren, darüber bald irre werden.

Ort des Jahres? Genua. Im Februar. Mit Marta. Großartig.

Die teuerste Anschaffung? Die Tech Air-Jacke mit Chassis.

Das leckerste Essen? Dieses komische Fleischirgendwasgericht in Pomarico. Ich werde nie erfahren was das war, aber war gut.

2018 zum ersten Mal getan? Mit dem Motorrad zusammen übers Meer gefahren und eine thermische Erregungsprüfung mitgemacht.

2018 endlich getan? Mich zu einer Frenulotomie (Penisverkleinerung) durchgerungen. Das macht nun vieles einfacher. Trotzdem noch nicht den Drang verspürt, einen Porsche zu kaufen.

Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen? Die Nachricht, dass ein guter Freund an Krebs im Endstadium erkrankt ist. Ein schmerzhaftes Erysipel. Noch 5 Kilo mehr auf den Hüften.

Gereist? Oh ja.

2018 war in einem Wort…? Kräftezehrend.

Film des Jahres: „Mission Impossible: Fallout“, knapp vor „Red Sparrow“ und „Bladrunner 2049“

Theaterstück des Jahres: „Gelbe Wüste, Rosa Raum“ im Theater im OP.

Musical des Jahres: „Mary Poppins“ im Stage Theatre in Hamburg

Hörbuch des Jahres: „Die Känguru-Apokryphen“ von Marc-Uwe kling

Spiel des Jahres: War ein ausgezeichnetes Jahr für erstklassige Games. „Spider-Man“, „Red Dead Redemption 2“, „Assassins Creed: Odyssey“ um nur ein paar zu nennen. Mein persönliches Game of the Year war aber das toll geschriebene, sehr gut designte und zum Verlieben schöne „God of War“ (allerdings habe ich zum Zeitpunkt dieses Posts „RDR2″“ noch nicht gespielt).

Serie des Jahres: Ich habe Rick and Morty endlich gesehen und fand das super, da kam auch „Westworld Season 2“ und „A Series of Unfortunate Events Season 2“ nicht dran, und ganz viel mehr habe ich auch nicht gesehen. Ich bin kein Seriengucker, soviel Zeit opfere ich dem nicht.

Buch des Jahres: „Born a Crime“, die Geschichte von Trevor Noah.

Ding des Jahres: Die superleichte elektrische Reisezahnbürste von NewGen Medicals

Spielzeug des Jahres: Eine Fenix LD15R-Taschenlampe.

Enttäuschungen des Jahres: „Shadow of the Tomb Raider“ hält hier unangefochten den ersten Platz. Das Ende einer Trilogie nach zwei starken Vorgängern so zu vergurken, das muss man erstmal hinkriegen. Außerdem schlimm: „Dark“, eine verbissenen-ungelenke Netflix-Serie, deren Alleinstellungsmerkmal Regen in Niedersachsen ist, und „What happenend to Monday“, eine unsympathischer Film, der sich an Gewalt gegen Frauen ergötzt.

Die schönste Zeit verbracht damit…? Mit dem Reisemotorrad eine Motorradreise zu machen.

Vorherrschendes Gefühl 2018? Müdigkeit.

Erkenntnis(se) des Jahres: Die 68er waren nur eine Gegenreaktion auf eine kälter und gewalttätig werdenere Welt.

In diesem Sinne: Ich wünschen einen guten Start in ein tolles 2019!

Nekrolog:
War dieses Jahr nicht so schlimm wie im vorvergangenen, was den Kahlschlag der Helden angeht. Im Gegenteil, waren auch einige dabei, wo ich sagen würde: Ach, die gab es noch?
Weiterlesen

Kategorien: Momentaufnahme | 13 Kommentare

Momentaufnahme: Dezember 2018

Herr Silencer im Dezember 2018

Auf die letzten Meter wird das Jahr nochmal richtig zum Arschloch.

Wetter: Für die Jahreszeit zu warm, mit 5 bis 10 Grad. Weihnachten viel Regen.


Lesen:

Jasper Fforde: Early Riser [Kindle]
Sechs Monate lang fressen die Menschen, um ordentlich Gewicht auf die Hüften zu bekommen. Denn: Die anderen sechs Monate verbringen sie im Winterschlaf. So war es schon immer, so ist es auch heute. Heute hilft allerdings das Schlafmittel Morphenox beim Winterschlaf. Das Medikament ist knapp und heiß begehrt, denn es unterdrückt Träume. Während die Menschheit in atomar beheizten Schlaftürmen schlummert, peitschen draußen Schneestrürme bei Temperaturen von Minus 80 Grad über Wales. Die einzigen Menschen, die wach sind, sind Schlaflose, Verbrecher und die Winterkonsule, eine paramilitärische Polizei, die die Schlafenden schützt. Ein solcher Konsul, der neu in seinem Job ist, rutscht in eine seltsame Verschwörung hinein, in der es um Zombies geht und die Frage, warum alle von einem blauen Buick träumen.

Ach, Jasper Fforde. Es ist immer das gleiche: Fforde denkt sich irre tolle Welten aus – eine Literaturpolizei innerhalb von Büchern („Thursday Next“), farbbasierte Gesellschaften(„Shades of Grey“), magische Altersheime („The Last Dragonslayer“) oder eben eine, in der der Winter das Leben der Menschen bestimmt. Bis in die kleinsten Details konstruiert Fforde das alles, jedes Ding hat seine Hintergrundgeschichte.

Und dann? Dann lässt er skurrile, aber eigenschaftslose Figuren in diesen verstörenden Welten herumtappen, die praktisch nicht nachvollziehbare Dinge erleben. Seine Geschichten sind eine endlose Abfolge von Deus Ex Machina-Momenten, denen man kaum folgen kann.

Bei den Thursday Next-Büchern fand ich das noch nicht so schlimm, mittlerweile gehen mir aber Ffordes wiederkehrende Marotten auf den Sacque. Auch in Early Riser gibt es schon wieder einen jugendlichen Protagonisten, der alles weiß und alles kann. Schon wieder wird aus der Ich-Perspektive erzählt, und schon wieder wirkt das Buch wie ein Prolog, das genau da endet, wo die Geschichte gerade interessant wird und durchstarten sollte. Aber nein, stattdessen gibt es einen Cliffhanger.

Das ist deshalb so schlimm, weil Fforde mittlerweile keine Fortsetzungen mehr hinbekommt. Es langweilt ihn, seine Geschichten weiter zu erzählen, stattdessen bastelt er lieber an einer neuen Welt für das nächste Buch – anders ist es kaum zu erklären, das die Story von „Shades of Grey“ seit 10 Jahren in der Luft hängt und „Last Dragonslayer“ seit 8 Jahren keinen Abschluss findet.


Hören:

Assassins Creed Odyssey OST
Schön gemachter, griechisch angehauchter Soundtrack, mit Stücken von The Fight und Fanny Perrier-Rochas.

Shirley Bassey: Get the Party Started
Shirley Bassey singt ALLES wie den Vorspann eines Bondfilms. Auf dieser Scheibe Songs anderer Künstler, wie Grace Jones „Slave to the Rythm“ oder Gloria Gaynors „I will survive“. Besonderes Highlight und völlig cool ist ihre Interpretation von P!nks „Get the Party started“.


Sehen:

Winchester – Das Haus der verdammten [Kino]
San Francisco, 1844: Der Psychologe Dr. Dingsbums wird vom Vorstand der Winchester Werke engagiert. Er soll Bescheinigen, dass die alte Witwe Winchester nicht mehr alle Latten am Zaun hat, um sie so aus ihrem Unternehmen rauszuklagen. Dr. Dings macht sich auf zum Gefälligkeitsgutachten und findet Helen Mirren vor, die Tag und Nacht an ihrem Wohnhaus bauen lässt. 168 Zimmer hat das Gebäude bereits, und es werden ständig mehr. Dazwischen gibt es Geheimgänge, ins Nichts führende Treppen und allerlei krudes Zeug. Witwe Winchester glaubt sich nämlich von Geistern verfolgt, den Geistern derjenigen, die mit Winchester-Gewehren getötet wurden. Diese Geister sollen sich in dem vertrackten Gebäude verlaufen.

Das seltsame Haus und die schrullige Winchester-Witwe mit dem Geisterspleen gab es wirklich. Wer hier aber eine Doku erwartet, oder Verfilmung auf Basis einer wahren Geschichte, liegt leider total daneben.

„Winchester“ ist nur ein ganz blöder, kleiner Horrorfilm, der schon in der Exposition unfassbar dumm daher kommt und im Hauptteil alle 2 Minuten mit Jumpscares nervt. Der Protagonist dreht sich um, ZACK, Geistergesicht. Der Protagonist dreht sich wieder um, PLÖTZLICH steht da der Kammerdiener. Echt, mehr hat der Streifen nicht drauf. Ein ganzer Film inszeniert als Jumpscare. JumpScare, Jumpscare, Jumpscare. Alle zwei Minuten zuckt man zusammen. Un-er-träglich, deshalb nicht bis zum Ende geguckt.

Charles Dickens Weihnachtsgeschichte [Theater im OP]
Das Märchen von Ebenezer Scrooge, mit Gebärdensprache. Originell: Teils sind die Rollen doppelt besetzt. Ein Ebenezer Scrooge spricht, der andere macht Gebärden. Sehr cool, überraschend trickreich inszeniert, stellenweise aber viel zu langatmig – etwas mehr Tempo wäre wünschenswert gewesen.

Egal was kommt [Video on Demand]
Christian Vogel hat einen Traum: Einmal mit dem Motorrad um die Welt fahren und die Reise ordentlich vermarkten. Mit 34 kündigt er seinen Job und macht sich mit seinem Motorrad auf die Socken. Ein Jahr lang will er allein unterwegs sein.

Der Film ist in zahlreichen Motorradblogs vermarktet worden. Solches „Influencermarketing“ finde ich immer erstmal verdächtig, und auch der Film selbst beginnt unsympathisch. Über Christian Vogel erfährt man erstmal gar nichts, stattdessen werden die Aufkleber der über 20 Sponsoren (die üblichen Verdächtigen von GoPro bis Wunderlich) und die Marken der Klamotten ins Bild gehalten. Die Reisevorbereitungen werden in nicht mehr als einer Trainingsmontage abgehandelt und sind größtenteils seltsam (bei einem Arzt das Nähen von Wunden an einem toten Huhn lernen? Srsly?) und dann darf Mutti noch in Interviewsequenzen erzählen, dass sie sich ganz doll Sorgen macht.

Das schwitzt aus jeder Pore den bitteren Gestank nach Vermarktung. Finde ich grenzwertig, wenn solche Reisen von Privatpersonen von vornherein auf Verkaufbarkeit gebürstet werden. Das Vogel sich im waren Leben als Fernsehautor und mit Onlineprojekten durchschlägt, nährt die Vermutung, dass hier so einiges inszeniert bzw. von vornherein auf Filmtauglichkeit hin organisiert wurde. Fast hätte ich den Film nach der Hälfte ausgemacht, aber dann hat er mich doch gepackt.

Das liegt an der geschickten Dramaturgie: Vogel erleidet in Indien einen Unfall, der ihn körperlich außer Gefecht setzt und sein Bike schwer beschädigt. Das ist natürlich genau das Motiv der Heldenreise, in der in Akt zwei immer der Held leiden muss, damit er am Ende triumphieren kann.

Tatsächlich ist das Leiden des Christian V. auch das zentrale Motiv, denn alles andere, was solche Motorradreisefilme normalerweise ausmacht – Vorbereitung, Dokumentation der Probleme mit Visa und Einfuhrbestimmungen, oder einfach nur tolle Landschaftsaufnahmen – findet hier nicht oder nur im Schnelldurchlauf statt. Ob die Dramaturgie der Unfallfolgenbewältigung inszeniert ist oder nicht – sie macht den Film anschauenswert, auch wenn einem ausgerechnet der Darsteller fremd bleibt.

Your Name [VoD]
Ein Junge in Tokio und ein Mädchen auf dem Dorf tauschen plötzlich die Körper. Das passiert zwei bis dreimal die Woche, immer sobald sie einschlafen. Was als verwirrtes Chaos beginnt („Wo ist mein Penis?! Wo sind meine Brüste?! Wo bin ich? Wer sind diese Leute?“) wird bald zum seltsamen Alltag, in dem die beiden jeweils zwei Leben leben und sich Nachrichten füreinander hinterlassen. Das ist auch nötig, denn nach dem Aufwachen erscheint das andere Leben stets wie ein Traum. Selbst die Namen der anderen vergessen die beiden immer wieder. Eines Tages hört der nächtliche Tausch auf, und der Junge macht sich auf die Suche nach dem Mädchen, dessen Namen er nicht kennt.

„Your Name“ hat mich ziemlich von den Socken gehauen. Es ist ein Zeichentrickfilm, aber definitiv keiner für Kinder. Die Problematik, zwei Leben auf die Reihe zu bekommen, wird sehr erwachsen dargestellt. Außerdem entspinnen sich gleich mehrere, zarte und sehr geerdete Liebesgeschichten – und dann hat der Film ab der Mitte einen Twist, der einem den Boden unter den Füßen wegzieht. Ab diesem Moment wird es mysteriös und so spannend, dass ich Nägelkauend auf der Sofakante saß. Ein sehr sinnlicher und fantastischer Film, der sehr erwachsen ist und große Emotinen weckt. In Japan ist der schon vor zwei Jahren quasi durch die Decke gegangen, jetzt ist er erst zu uns gekommen. Unbedingt angucken, gibt´s bei Amazon für 1,99 Euro zu Leihen.

Hotel Artemis [VoD] In Los Angeles betreibt Krankenschwester Jodie Foster das Hotel Artemis. Der Hotelbetrieb ist nur Fassade, tatsächlich handelt es sich beim „Artemis“ um ein Krankenhaus für Kriminelle, die von Foster schnell wieder zusammengeflickt werden. Das Artemis hat strenge Regeln: Aufgenommen werden nur Mitglieder eines exklusiven Clubs, es werden ausschließlich Codenamen verwendet und das Töten anderer Gäste ist Tabu.

Sieht eingangs ein wenig nach Style over Substance aus, wenn eine auf alt geschminkte Jodie Foster durch das dark & gritty Hotel trippelt oder eine langbeinige Killerin tagelang in einem Cocktailkleid mit Hüftschnitt mondän in der Lobby rumhängt. Doch dann setzt sich eine erstaunlich komplexe Geschichte in Gang, die wie in einem Kammerspiel inszeniert wird und bei der alle Figuren nachvollziehbare interessen haben. Oh, und dann ist da noch Sofia Boutella als langbeinige Killerin. Die Tänzerin stellt mal wieder völlig irre Dinge an. Sehenswert!


Spielen:

Assassins Creed: Odyssey [PS4]
Kassandra ist eine Misthios, eine Söldnerin im Griechenland des Jahres 430 v.Chr. Sie lebt ohne Familie und von Job zu Job. Das war nicht immer so: Sie kann sich noch an eine behütete Kindheit in Sparta erinnern. Bis zu dem Zeitpunkt da ihr Vater, ein hochdekorierter Soldat, ihren Babybruder vom Berg Tygetos warf – und sie gleich hinterher.

Das Mädchen überlebte den Sturz und wurde zu einer muskulösen Kämpferin, die nun gegen Geld säumige Zahler auf der Insel Kefalonia zusammenschlägt oder für den Meistbietenden in die Schlacht zieht. Das ändert sich, als sich ihr die Chance bietet, Kefalonia zu verlassen. Kassandra reist durch Griechenland und begegnet Zeitgenossen wie dem Geschichtsschreiber Herodot, dem Philosophen Sokrates oder dem Heiler Hipokrates. Allerdings ist die Reise nicht immer friedlich: Zwischen Athen und Sparta tobt der peloponnesische Krieg. In dessen Wirren findet Kassandra Spuren ihrer eigenen Familiengeschichte und Hinweise auf einen geheimnisvollen Kult, der im Hintergrund die Fäden zieht.

„Mehr Rollenspiel“ sollte Odyssey sein, das „größte Assassins Creed überhaupt“ usw. usf.
Lässt man das jährlich wiederkehrende Marketingsprech mal weg, bleibt ein Prügelspiel im historischen Gewand übrig, quasi der Film „300“ zum Spielen. Der Unterbau ist der gleiche wie im Vorgänger „Origins“ vom vergangenen Jahr, allerdings ist „Odyssey“ weit davon entfernt, nur ein anderer Skin für das gleiche Game zu sein. Im Gegenteil, hier wurde an der zugrundeliegenden Engine gefeilt und vieles anderes gemacht, manches sogar besser.

Am Vorgänger hatte ich moniert, dass das Deckungssystem unnütz und das Kampfsystem broken war. Das ist bei „Odyssey“ nun besser, es gibt kein Rummfummeln mit dem Schild mehr, und Zuschlagen funktioniert agiler. Das macht durchaus Laune, wird aber von zwei Problemen etwas versäuert. Zum einen passieren Kämpfe ständig, ohne das es besonderer Anstrengung bedarf. Einmal übers falsche Grundstück gelatscht, schon hat man ein halbes Dutzend Wachen am Hintern.

Zum anderen: Die Kämpfe sind deutlich zu lang. Meist hat man ein oder zwei „Captains“ mit dabei, und deren Lebensbalken sinkt nur in homöopathischen Dosen. Das ändert sich im Spielverlauf auch nicht oder nur wenig, denn die GEGNER LEVELN MIT. Das ist in meinen Augen eine Todsünde, denn man steckt viele, VIELE Stunden in den Aufbau der eigenen Spielfigur, ohne das die wirklich spürbar stärker wird.

Progression erfolgt stattdessen in erster Linie über Loot, was extrem unbefriedigend ist. Ich weiß natürlich, woher das kommt: Odyssey soll ein Game-as-a-Service sein und die Spieler mit Contentnachlieferungen möglichst lange binden, und Loot mit anderen Punktwerten ist halt billig zu erstellen.

Gefallen muss mir das aber nicht, denn durch den GAAS-Ansatz passieren Dinge, die ich ungesund finde. So schrammt „Odyssey“ durch seine Levelgrenzen, zu viel Nebenmission und Fetchquests am Grind und damit an Lebenszeitverschwendung entlang, kriegt aber meist noch die Kurve. Für Leute, die aber irgendwann auch mal mit einem Spiel fertig werden wollen, gibt es im Store gegen Echtgeld XP-Booster, die das Durchspielen beschleunigen. Das muss man sich mal reinziehen: Man kauft ein Spiel um unterhalten zu werden, und muss DANN noch Geld ausgeben, damit es kürzer und wieder spielbar wird. Das ist in meinen Augen ein spielkulturelles Problem.

Was besser geworden ist: Während in Vorgänger „Origins“ alle NPCs aussahen, als hätten sie wirklich, WIRKLICH schlimme Autounfälle gehabt, sind die Figuren in „Odyssey“ zum Verlieben schön. Mimik, Körperhaltung, Animation – alles hier sieht fantastisch aus und passt gut zu der toll modellierten Landschaft. Klippen, Wälder, Städte – ja, das Griechenland, und es ist wunderschön.

Alle neuen Systeme sind dafür in „Odyssey“ unnütz. Dazu zählen Dialogsystem, Söldnerränge und Eroberungsschlachten. Im Dialogsystem, was als Feigenblättchen für den angeblichen RPG-Charakter von „Odyssey“ herhalten muss, haben die Antwortoptionen nur an insgesamt 6 Stellen im Spiel einen Effekt, ansonsten sind sie Kosmetik – es ist schlicht völlig egal, was man auswählt, der Outcome ist stets gleich.

Das Söldnersystem funktioniert in der Theorie ähnlich wie eine Kombination aus dem Wanted-Level in „Grand Theft Auto“ und das Nemesissystem in „Shadow of Mordor“: Lässt man sich bei Verbrechen erwischen, wird ein Kopfgeld ausgesetzt, und Söldner machen Jagd auf Kassandra. Die kann sich den Söldnern stellen und sich durch ihre Ränge kämpfen, um dafür dafür Loot einheimsen und Vergünstigungen bei Händlern zu bekommen.

Hört sich gut an, nervt in der Praxis aber konstant. So passiert es ständig, dass Söldner innerhalb von Missionen auftauchen und diese verhageln. Mehr als einmal bin ich heimlich in Anwesen rumgeschlichen, habe mich ungesehen meinem Ziel genähert – und dann tauchte plötzlich mitten im Zimmer ein Söldner auf und wollte kämpfen. Zum Glück lässt sich nach einiger Zeit das Kopfgeld im Menü des Spiels begleichen und so die Söldner loswerden. Geld ist, zumindest nach den ersten Spielstunden, aufgrund von schlechtem Balancing sowieso im Überfluss vorhanden.

Ähnlich unsinnig ist auch das neue Element der Schlachten. Kassandra kann sich entscheiden, ob sie in Gebieten die Machthaber schwächt oder stärkt, um dann Spartanern oder Athenern in einer großen Schlacht zum Sieg über eine Region zu verhelfen. Nur: Das hat NULL Effekt auf die Umwelt. Es spielt keine Rolle, ob Spartaner oder Athener die Mehrzahl der griechischen Regionen besetzen, ist also reiner Selbstzweck. Zum Glück lässt sich dieser Unfug weitgehend ignorieren, genau wie ein Gutteil der Missionen. Die sind spielmechanisch größtenteils repetitiv, aber wesentlich besser geschrieben als im Vorgänger und oft ganz unterhaltsam. Manchmal enthalten sie auch Infos, die für die Hauptstory wichtig ist. Diese Perlen des Writings muss man aber erstmal finden, denn sie sind unter viel zu viel Gerümpel vergraben.

Damit kommen wir zu den beiden Punkten, die ich zuerste als Probleme von „Odyssey“ ausgemacht hatte:

  1. Es ist zu groß. Das Ägypten in „Origins“ war schon zu groß, und Griechenland in „Odyssey“ ist nochmal deutlich größer. Von allem gibt es zu viel: Zu viel Landschaft, zu viel Charaktere, zu viele Missionen, zu viel Loot. Für normale Spieler ist das Game unspielbar, denn wer hat schon die Zeit, mehr als 100 Stunden in so etwas zu versenken? Zum vergleich: Assassins Creed II, bis heute das beste Spiel der Reihe, erzählte eine tighte und spannende Story in 20 Stunden

  2. Es ist lange Zeit kein „Assassins Creed“ mehr. Von der Lore her nicht, denn der Creed entsteht erst 400 Jahre später, die Assassinen treten gar erst 1.500 Jahre später auf. Spielerisch aber auch nicht. Ja, man kann schleichen, aber lautlose Morde gibt es hier nur selten, die Zielpersonen lassen sich meist nicht lautlos meucheln.

…und dann merkte ich, so ab Stunde 80, das mit die große, offene Welt mit ihren unterschiedlichen Landschaften und ihren vielen Geschichten doch unheimlich Spaß macht. Plötzlich war es fast ein trauriger Gedanke, dass die Odyssee irgendwann enden sollte. Als sie das nach 105 Stunden wirklich tat, war das Ende aber tief befriedigend.

Denn bei aller Kritik: Das Ende ist es dann auch, was die drei Haupthandlungsstränge um Kassandras Familie, die Artefakte der ersten Zivilisation und den geheimen Kult zusammenführt und „Odyssey“ doch zu einem Assassins Creed-Spiel macht. Es bringt nämlich einen WTF-Moment mit, der einen allen Grind vergessen lässt. Schade, dass die allerwenigsten Spieler dieses Ende sehen werden und schade, dass die Handlung bis dahin nicht deutlicher macht, wohin die Reise geht – zusammen mit einer besseren Gegenwartsstory (die mal wieder durch Abwesenheit glänzt) hätte Odyssey wirklich stark werden können.

So bleibt eine nette, historische Open World, die zum Eintauchen und sich Verlieren einlädt. Grafisch ist alles wunderschön anzusehen, spielerisch ist alles zum Großteil OK. Für mich funktioniert Kassandras Odyssee durchaus. Es macht mir Spaß, die Welt zu erkunden, und zum Background der sinnsuchenden Söldnerin passt die fragmentierte Erzählung und die vielen Seitenmissionen besser als die plumpe Rachegeschichte aus dem Vorgänger.

Im vergangenen Jahr hatte ich gemeckert, weil „AC: Origins“ die Kim Kardashian unter den „Assassins Creeds“ war: Hübsch anzusehen, aber rotzedoof und unter der Oberfläche ziemlicher Trash. Das ist „Odyssey nicht. Es ist nochmal hübscher, aber gleichzeitig intelligent aufgebaut und in Teilen auch gut geschrieben. Quasi die Emma Watson unter den AC-Spielen.

In der Summe bleibt ein gutes Spiel, das aber deutlich zu lang ist. Durchschnittsspieler werden es im Sale kaufen, anspielen, aber nie das Ende sehen. Ich verabschiede ich mich derweil endgültig von dem Gedanken, jemals wieder ein „Assassins Creed“ zu sehen, das die spielübergreifende Narration voranbringt und der Ur-Vision folgt, aber hey, 105 Stunden gute Unterhaltung sind auch nicht schlecht.

Spider-Man DLC: The City that never Sleeps [PS4]
New York erholt sich langsam von den Ereignissen des Hauptspiels, als Spiderman auf eine Einbruchserie aufmerksam gemacht wird. Anscheinend stiehlt Black Cat Kunstwerke, lässt diese aber zerstört in der Nähe der Tatorte zurück. Die Spinne stellt die Diebin, nur um festzustellen, das weitaus Schlimmeres passiert. Eine alte Mafiafamilie liegt im Krieg, und ein Aufsteiger aus ihren Reihen nutzt Technologie der Söldnergruppe Sable, um erst einen Krieg anzuzetteln, und sich dann in ein Cyborg-Monster umbauen zu lassen.

WTF? Was ist DAS denn? Das ist kein DLC, das ist ein zweites Spiel! Eine neue Story, die in drei Episoden erzählt wird. Das Ding ist fantastisch – und frustrierend.

Fantastisch, weil es all das Gute aus dem Hauptspiel nimmt und eine neue Geschichte erzählt, die wirklich gut geschrieben ist. Allein Peters Krise, weil er plötzlich Vater werden könnte, ist ausgezeichnet in Szene gesetzt. Je nach Episode gibt es unterschiedliche spielmechanische Schwerpunkte, zusätzlich gibt es „More of the Same“-Nebenaufgaben wie das ausräuchern gegenerischer Basen.

Frustrierend ist es, weil es verdammt schwer ist. „The City that never sleeps“ richtet sich klar an diejenigen, die das Hauptspiel mindestens ein Mal durchgespielt haben, mit einem Level 50+-Charakter spielen und den zur Perfektion beherrschen. Ich hatte nach drei Monaten die Steuerung vergessen und bin innerhalb der ersten Minuten schon drei Mal gestorben. Deshalb habe ich notgedrungen den Schwierigkeitsgrad auf „Einfach“ runtergestellt, aber selbst damit war es schwer. Teilweise wirft einem das Spiel so viele Gegener auf den Bildschirm, dass die Steuerung träge wird. Der Schwierigkeitgrad ändert aber nichts an den Zeilimits, und die sind bei den neuen Challenges von Screwball, der nervigen Social-Media-Villain, wieder entscheidend. Also: Verdammt schwer, für Spidey-Fans aber sehr gut.


Machen:
Leiden, an einem extrem schmerzhaften Erisypel.


Neues Spielzeug:
Kein Spielzeug, aber auf die letzten Meter des Jahres nochmal eine teure Anschaffung: Beim Kleinen Gelben AutoTM ist vorne eine Feder gebrochen. Das ist nicht nur teuer, das zieht auch noch Ärger nach sich – denn die Werkstatt hat verkehrten Federn eingebaut und den Wagen dadurch höher gelegt, besteht aber darauf, dass das die richtigen seien. So endet das alte Jahr mit Ärger und Sorgen.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Kategorien: Momentaufnahme | 4 Kommentare

Momentaufnahme: November 2018

Herr Silencer im November 2018

Drei Kreuze wenn der Monat endlich rum ist.

Wetter: Erste Monatswoche mit 6-20 Grad viel zu warm und sonnig. In der zweiten und dritten Woche wird es kühler, unter 10 Grad, aber die Sonne scheint immer noch aus allen Knopflöchern. Ab der vierten dann Novemberwetter: Dunkel, grau, feucht, kalt. So muss November!


Lesen:


Bob Woodward Fear [Kindle]

Das weiße Haus unter Trump. Einsichten und Hintergrundinfos zu den Geschehnissen der ersten 18 Monate.

Watergate-Urgestein Bob Woodward präsentiert Fakten von Augenzeugen, die Hintergründe zu Geschehnissen wie dem Rausschmiss von FBI-Chef Comey liefern. Mit seinem trockenen, nüchternen Stil wirkt Woodward wie aus der Zeit gefallen. Aufmerksame Leser erfahren wenig mehr, als sie aus den Medien nicht ohnehin schon wissen. Dabei liest sich das Buch weniger interessant als vergleichbare Werke („A higher Loyalty“, „Fire and Fury“), die allerdings auch deutlich auf reisserische Effekt abzielen. Woodward größte Leistung ist es, Trumps White House akkurat zu dokumentieren und seinen Herrschaftsstil auf ein Wort einzukochen, das es genau trifft: Angst. Ein Fest für zukünftige Generationen von Historikern, aktuell aber nicht herausragend.


Hören:


Sehen:

Fantastic Beasts: Grindelwalds Verbrechen [Kino]
Nude Sacaramanga, der introvertierte Magie-Zoologe, wird von Zauberlehrer Dummelbart nach Frankreich geschickt um einen faschistischen Albino-Johnny-Depp auzuhalten.

Ich mochte den ersten „Fantastic Beasts“ von 2016 sehr gerne. Das war eine erwachsene Geschichte in den 1920er Jahren, tolle Charaktere, und das alles in der „Harry Potter“-Zauberwelt von J.K. Rowlings. Leider hat nun „Grindelwalds Verbrechen“ mit dem ersten Film nicht mehr viel zu tun. Er ignoriert praktisch alles, was im Vorgänger geschehen ist, drückt bei einigen Charakteren den Reset-Knopf, belebt Tote wieder und verbiegt Figuren entgegen ihrer eingeführten Wesenszüge (Queenie in der unglaubwürdigsten Szene seit Anakin Skywalker).

Die Story von Fantastic Beasts 2 benötigt den ersten Film schlicht nicht, auch hier wird alles auf Null gesetzt – und kommt dann nicht mehr von der Stelle. Die Gesamthandlung von „Fantastic Beasts“ ist auf 5 Filme ausgelegt, und „Grindelwalds Verbrechen“ ist größtenteils Füllmaterial. Eigentlich geht es hier nur darum, dass alle was suchen, dann große Enthüllung am Ende.

Allerdings eine Enthüllung, die weniger schockierend ist, als vielmehr eine von der Sorte, bei der man sich an den Kopf fast und sagt „oh, bitte, nicht DAS auch noch!“.

Ab und zu schleicht Johnny Depp durch die Kulissen, bleibt aber dabei so blass wie die Hautfarbe seines Charakters. Toll sind dagegen die Ausstattung (Paris der 20er Jahre!), einige Tierwesen (ein Seepferdchen aus Algen!) und die Schauspielerische Leistung von Eddie Redmayne (Scamander), Allison Sudol (Queenie) und Zoe Kravitz (Letha Lestrange). Das gerade letztere am Ende völlig unmotiviert verheizt wird, wo sie vorher als der interessante Charakter aufgebaut wurde, versinnbildlicht das Problem: „Grindelwalds Verbrechen“ nimmt viel Anlauf, rennt dann aber mit voller Wucht gegen die Wand.
So kommt er nirgendwo hin.

Mary Poppins [Stage Theater an der Elbe]
Kindermädchen gibt Schützlingen halluzinogene Drogen und macht mit einem Obdachlosen rum.

Tolles Musical, das weniger durch große Emotionen oder mitreissende Musikstücke beeindruckt, als vielmehr durch die fantastische Inszenierung und Besetzung. Elisabeth Hübert IST Mary Poppins, und auch der Rest des Casts macht einen guten Job. Nicht mal die Kinder nerven, sondern spielen wirklich gut. Heimlicher Star der Show ist das Bühnenbild, das durch abgefahrene Tricks beeindruckt. Sei es ein ein Haus, das sich wie ein Pop-Up entfaltet, ein Park, der aus den Wolken herabfährt oder die Dächer von London, die sich langsam zusammensetzen – die Besucher staunen, und das ist es ja, was Mary Poppins letztlich schaffen will.

Der Gott des Gemetzels [Theater im OP]
Ein Junge hat einem anderen zwei Schneidezähne ausgeschlagen. Die Eltern der Kinder setzen sich zusammen. Was als Austausch einer Entschuldigung und milder Worte beginnt, driftet schnell ab in Situationen, die den Kern der Personen und so einige Nerven freilegt. Das endet nicht in einem Gemetzel – aber ist dicht dran.

Die wechselnden Allianzen eines Nachmittags, der langsame Zusammenbruch von Lebenslügen, das wird schön gespielt und ist stellenweise wirklich sehr intensiv. Nur die Verwendung von echten Parfüm auf der Bühne, das hätte nicht sein müssen.


Spielen:

Assassins Creed: Odyssey [PS4]
Kassandra ist eine Mithios, eine Söldnerin im Griechenland des Jahres 430 v.Chr. Sie lebt ohne Familie und von Job zu Job. Das war nicht immer so: Sie kann sich noch an eine behütete Kindheit in Sparta erinnern. Bis zu dem Zeitpunkt, da ihr Vater, ein hochdekorierter Soldat, ihren Babybruder vom Berg Tygetos warf – und sie gleich hinterher.

Das Mädchen überlebte den Sturz und wurde zu einer muskulösen Kämpferin, die nun gegen Geld säumige Zahler auf der Insel Kefalonia zusammenschlägt oder für die Meistbietenden in deren Schlachten zieht. Das ändert sich, als sich ihr die Chance bietet, Kefalonia zu verlassen. Kassandra reist fortan durch Griechenland und begegnet Zeitgenossen wie dem Geschichtsschreiber Herodot oder dem Philosophen Sokrates. Allerdings ist die Reise nicht immer friedlich: Zwischen Athen und Sparta tobt der peloponnesische Krieg. In dessen Wirren findet Kassandra Spuren ihrer eigenen Familiengeschichte und Hinweise auf einen geheimnisvollen Kult, der im Hintergrund die Fäden zieht.

Eigentlich sollte hier eine längliche Rezension stehen, aber die muss nochmal verschoben werden. AC:O ist groß. ZU groß. Es gibt von allem zu viel: Zu viel zu erkunden, zu viel Quests, zu viele Charaktere. Ich spiele das jetzt seit Oktober und habe allen anderen Medienkonsum auf Null zurückgefahren, und dennoch bin ich vom Ende noch weit entfernt. Das bei Spielstunde 80 ein gamebreaking Bug auftauchte, wegen dem ich 20 Stunden zurückgeworfen wurde, macht die Sache natürlich auch nicht besser.

Es gibt es viele Gründe, das Spiel nicht zu mögen: Mal wieder zu wenig Handlung. Mitlevelnde Gegner (Todsünde! Dadurch wird jegliches Progessionsgefühl negiert!). Neue Systeme, die völlig unnütz sind (Schlachten, Söldner). Echtgeld XP-Booster, die das Durchspielen beschleunigen. (Das muss man sich mal reinziehen: Man kauft ein Spiel um unterhalten zu werden, und muss DANN noch Geld ausgeben, damit es kürzer wird!).

Aber: Griechenland inkl. der wichtigsten Inseln ist wunderschön modelliert, die Charaktermodelle sind eine Augenweide, und irgendwie macht es dann doch großen Spaß. Schade, dass aufgrund der zu langen Spielzeit nur wenige Menschen das Ende dieser Odyssee sehen werden. Kann man im Sale auf jeden Fall kaufen, mehr dazu dann in Kürze.


Machen:
Mal wieder das MKG besuchen.


Neues Spielzeug:

Ein neuer Kindle Paperwhite. Meinen alten habe ich 2012 gekauft, der hat also schon satte 6 Jahre auf dem Buckel. Und er war immer noch gut: Der Akku hält immerhin noch zwei Wochen (Hälfte von dem, als er neu war), das Display hat keine Kratzer, und obwohl ich ihn überall mit hinschleppe und sogar am Strand benutze, hat er keinerlei Verschleisserscheinungen.

Trotzdem nun der neue, der mich durch saftige Preisreduktion in der Cyberwoche verführt hat. Der neue ist nun wasserfest, bringt Bluetooth für Hörbücher mit und ist (spürbare) 30 Gramm leichter. Damit hat der Paperwhite jetzt alles, wegen dem ich mit dem Kindle „Voyage“, den es nun nicht mehr gibt, geliebäugelt hatte.

Der eInk-Bildschirm ist in der 4. Generation wesentlich besser ausgeleuchtet als bei meinem alten Modell, zum direkten Vorgängermodell von 2016 sieht man aber keine Änderung. Enttäuschend: Das Display hat immer noch keinen Nachtmodus mit wärmeren Farben. Das Gerät strahlt so weiß-blau, wie der interne Modellname („Moonshine“) es vermuten lässt.

Unschön: Der Kontrast ist nicht mehr so hoch – statt gestochen scharf und schwarz wirkt die Schrift bei niedriger Beleuchtungseinstellung und Standardschriftart nun grau und etwas verwaschen, und das trotz einer Retinaauflösung von 300 Bildpunkten. Das sei normal so, sagt der Amazon-Kundendienst. Ebefalls unschön: Das Display schließt jetzt plan mit der Vorderseite ab. Das sieht hübsch aus, bedeutet aber auch: Legt man das Gerät mit dem Display nach unten ab (damit es nicht einstaubt), gibt es Kratzer. Schön ist dagegen die Geschwindigkeit – der neue Paperwhite lässt sich flüssig bedienen, mein alter brauchte bei jedem Tipp außerhalb eines Buches 5 bis 10 Sekunden, bis er die Aktion ausführte.

Insgesamt ist die 4. Generation ein nettes Update, das aber zu kurz gesprungen ist und mich etwas enttäuscht zurücklässt. Besitzer des direkten Vorgängers bleiben besser bei ihrem Gerät, wenn sie nicht dauernd in der Badewanne lesen oder Hörbücher hören wollen. Ansonsten wartet man besser auf die nächste Generation, die dann sicher einen Warmlicht-Modus für Nachts mitbringt.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Kategorien: Momentaufnahme | Ein Kommentar

Momentaufnahme: Oktober 2018

Herr Silencer im Oktober 2018

Oktoberliebe

Wetter: Monatsanfang bis Monatsmitte gemischt von kühl bis hochsommerlich, Nachttemperaturen 2-4, tagsüber 12-25 Grad, dabei trocken und sonnig. Als ich am Monatsende zurückkomme, sind es nur noch 3 bis 5 Grad.


Lesen:

Anja Rützel Lieber allein als gar keine Freunde [Kindle]
Anja Rützel ist gerne allein. Sie kann sich gut mit sich selbst beschäftigen, braucht keine anderen Menschen um Bestätigung zu finden und ist auch nicht auf der Suche nach Zweisamkeit. Darüber hat sie nun ein Buch geschrieben.

„La Rützel“ ist schon seit Jahren eine meiner Lieblingsautorinnen. Ihre Beobachtungen zu „Dschungelcamp“ und anderen Trash-TV-Formaten sind hoch amüsant, sprachlich faszinierend und so ziemlich die letzten Artikel, die man auf Spiegel Online noch lesen kann. „Lieber Allein“ hat mein Herz höher schlagen lassen, zum einen, weil ich eben schon lange Rützel-Fan bin, zum anderen, weil endlich mal jemand über das Thema „Alleinsein“ schreibt, ohne das als hartes Los, Ungerechtigkeit oder generell als Zustand zu empfinden, der schnellstmöglich geändert werden muss.

Anja Rützel geht das Thema dabei nicht abstrakt, sondern am Beispiel Rützel an – das sind sehr intime und oft auch lustige Einblicke in ihr Leben. Das liest sich hinreissend, und auf beinahe jeder Seite habe ich mich wieder- oder zumindest verstanden gefunden. Endlich schreibt mal jemand darüber, dass Einsamkeit auch etwas sehr Tolles sein kann und es Menschen gibt, die dafür gemacht sind, und die allein nicht unglücklich sind. Anja Rützel sehnt sich nicht insgeheim nach einer Prinzenbrust zum Ankuscheln, sondern ist mit tiefster Zufriedenheit erfüllt, wenn sie im Stillen und nur für sich Gürteltiere aus Ton kneten kann.

Leider ergaben die Einblicke in die Rützel-Seele wohl noch keine Buchlänge, also wurden vorne noch endlose Passagen über Liedtexte zum Thema Einsamkeit und hinten Kapitel über Klon-Hunde angeflanscht. Das ergibt nur begrenzt Sinn, aber selbst wenn man diese Teile des Buchs ausblendet, bleibt noch genügend Interessantes übrig. Vor allem, weil endlich ausgesprochen wird, was nur für wenige Menschen eine Wahrheit ist: Allein sein muss nichts schlechtes oder gar bedauernswertes sein.


Hören:


Heinz Strunk: Jürgen [Hörbuch itunes]
Jürgen Dose ist etwas naiv, aber immer gut drauf. Und: Er weiß alles über Frauen. Zumindest in der Theorie, in der Praxis will es mit dem anderen Geschlecht nicht so richtig klappen. Da kommt sein Freund Bernd auf eine Idee: Warum nicht die Liebe bei einer Partnervermittlung in Polen suchen?

Ich mochte den Film nicht, und das Hörbuch ist auch nicht besser. Heinz Strunk pappt hier Versatzstücke aus seiner eigenen Biographie aneinander und dichtet die einem unglaubwürdigen Charakter an. Wirklich, über weite Passagen finden sich Beschreibungen und Ereignisse genau so bei den Vorgängerbüchern „Fleich ist mein Gemüse“, „Fleckenteufel“ und „Junge rettet Freund aus Teich“ wieder. Diese Wiederholungen mixt Strunk mit endlosen Einlassungen aus der Populärpsychologie und schickt dann unglaubwürdige Charaktere in einen seltsam blutleeren Plot. Was dabei rauskommt ist über lange Phasen schlicht langweilig. Selbst Strunks Stimme nervt bei diesem Hörbuch, denn er versucht Jürgen so zu sprechen, als hätte er immer ein Lachen auf den Lippen. Schlimm. Bitte dieses Buch weiträumig umfahren und eines seiner anderen Werke ansteuern.

Heinz Strunk: In Afrika [Hörbuch itunes]
Heinz Strunk macht mit einem Freund über Weihnachten in Afrika Urlaub. So der Plan. Leider kommt ihm dann zuerst sein Koffer, dann besagter Freund abhanden. Allein und ohne Rasierzeug findet er sich aber auch ganz gut zurecht.

Ein unsicherer Neurotiker auf Reisen. Was als Fish-out-of-the-Water-Geschichte beginnt, wandelt sich schnell in eine Story darüber, wie man sich selbst gutes tun sollte. Strunk-typisch steht diese Geschichte dabei aber nicht im Vordergrund, sondern scheint zwischen vielen feinen Beobachtungen und Miniaturen immer wieder durch. Sehr lustig, sehr hörenswert, zumal Strunk das Hörbuch wieder selbst liest, mit seinem typisch Harbuger Akzent.

Marc-Uwe Kling: Die Känguru Apokryphen [Hörbuch itunes]
Kleinkünstler Marc-Uwe lebt mit einem Känguru zusammen, das behauptet Kommunist zu sein, am Liebsten Schnapsparlinen futtert und Schnick-Schnack-Schnuck mit der Sonderregel „Meteoriten sind erlaubt“ spielt.

Alles, was in der Bibel keinen Platz hatte, wurde in die Apokryphen verklappt. So ähnlich auch hier: Die Trilogie aus „Känguru Chroniken“, „Känguru Manifest“ und „Känguru Offenbarung“ bleibt in sich geschlossen und findet hier keine Fortsetzung. Die Apokryphen enthalten kurze Stories, die vor, nach oder während der Trilogie spielen. Wer die letzten beiden Bücher nicht mochte, weil der große Handlungsbogen gegen Ende etwas überdreht war (Ja, es gibt Menschen, die kommunistische Kängurus akzeptieren, aber Pinguine mit Weltherrschaftsplänen als absurd abtun), der wird hier wieder glücklich. Die Apokryphen lesen sich exakt so wie die „Chroniken“ und haben mich laut lachen lassen. Wie immer gilt auch hier: Unbedingt die Hörbuchfassung nehmen. Klings Intonation des Kängurus ist einfach großartig.


Sehen:

Zukunft für immer [Theater im OP]
Unzusammenhängende Erinnerungen dreier Schauspielerinnen des Dresdner Schauspielhauses an die DDR. Toll vorgetragen, aber leider zusammenhanglos, verwirrend und langweilig. Gut, dass das Elend nicht länger als eine Stunde ging.


Spielen:

In Mittelamerika macht Lara Croft Jagd auf Trinity, die geheimnisvolle Organisation, die mutmaßlich für den Tod ihres Vaters verantwortlich ist. Tatsächlich schafft sie es, den Chef der Dunkelmänner aus der Reserve zu locken und ihm ein Artefakt vor der Nase wegzuschnappen. All zu clever war diese Aktion aber nicht, denn mit dem Diebstahl löst Croft versehentlich die Apokalypse der Inkas aus. Während die Welt von Erdbeben und Tsunamis geschüttelt wird, sucht sie verzweifelt nach einem Weg die Katastrophe zu stoppen.

Das ist nun der dritte Teil der Reboot-Reihe, die den Aufstieg von Lara Croft zum Tomb Raider zeigen soll. Die ersten beiden Spiele von 2013 und 2015 sind echte Highlights, die ich immer wieder gerne spiele. Sie haben eine tolle Geschichte, in der man sich gerne verliert.

Um es mal kurz zu machen: Anstatt die Trilogie mit einem Höhepunkt abzuschließen, ist „Shadow of the Tomb Raider“ einfach liebloser Müll, der an vielen Stellen einfach hingerotzt wirkt und dem alles egal ist. Das gilt für die Story und die Figuren genauso wie für das Gameplay. Nichts wird hier besser gemacht als in den Vorgängern, stattdessen demontiert man sich selbst.

Das Gameplay, eigentlich aus den Vorgängern bekannt und erprobt, wurde dieses Mal völlig lieblos umgesetzt. So lieblos, das manche der wichtigen Systeme erstaunlicherweise nicht mehr funktionieren: Das Craftingsystem ist nun völlig egal, die Händler verkaufen nur noch unnützen Blödsinn, und auch das Skillsystem enthält nur noch unbrauchbaren Müll. Man kann das Spiel durchspielen, ohne sich ein einziges Mal mit diesen Mechaniken zu befassen.

Selbst im Kerngameplay gibt es Probleme: Dank engerer Zeitfenster sind Counter im Nahkampf kaum noch möglich, und Kletterpassagen enden manchmal in Abstürzen, weil Mountpoints nicht vernünftig sitzen. Das sieht nach fehlendem Polishing aus, und das, obwohl „Shadow“ ein sattes Jahr länger in der Entwicklung war als sein Vorgänger. Die Probleme können auch daran liegen, das hier erstmals das Entwicklerstudio Eidos Montreal ein Tomb Raider vorlegt, die Vorgänger waren allesamt von Crystal Dynamics.

Der Wechsel des Entwicklungsstudios erklärt vielleicht auch die narrativen Schwächen und einen Plot, der nach 5 Minuten in sich zusammenklappt. Die Geschichte fängt zwar stark an, spielt aber nach der ersten halben Stunde keine Rolle mehr. So wird Begleiter Jonah anfangs als wichtige Bezugsperson eingeführt, der als eine Art gutes Gewissen versucht Lara klar zu machen, dass sie in krankhafte Besessenheit abzugleitenden droht und ihre unüberlegten Handlungen schlimme Konsequenzen für anderen Menschen haben.

Da denkt man als Spieler: „Hu, Obsession, schlimme Konsequenzen, das ist ja interessant“ – nur wird aus diesem Thema in der Folge nichts mehr gemacht. Im weiteren Verlauf wird Jonah zum Hanswurst degradiert, der nur noch nervt, während Croft mit allem, was sie tut, stets richtig liegt. Krassestes Beispiel: Zu Anfang macht Jonah die deutliche Ansage, das sich nicht immer alles nur um Lara dreht, und sie nicht immer versuchen soll die Welt zu retten – und am Ende dreht sich eben doch alles um Lara, die als Auserwählte die Welt im Alleingang rettet. Bleh.

Der Weg bis zum Finale ist dabei völlig uninteressant. Wo in den Vorgängern eine halbwegs spannende Geschichte inszeniert wurde, schert sich „Shadow“ nicht um eine Story. Man latscht halt durch den Dschungel, WEIL. Weltuntergang. McGuffins. Egal.

Trinity? Auch egal, am Ende stirbt dessen gesamte Führung des Kults Offscreen(!). Das wird aber nur in EINEM SATZ erwähnt, vermutlich bekommen das 90 Prozent der Spieler gar nicht mit. Der Oberbösewicht? Wird stark eingeführt, verschwindet dann aber komplett aus dem Spiel und meldet sich erst am Ende als halbgarer Bosskampf zurück. Laras Heldenreise? Egal, Charakterentwicklung findet nicht statt. Im Gegenteil: Lara Croft ist hier die personifizierte ludonarrative Dissonanz, die verkörperte Differenz zwischen Geschichte und Gameplay. Sie guckt permanent waidwund, bringt dabei aber dutzende Menschen auf brutalste Weise um. Damit schafft „Shadow of the Tomb Raider“ es erstaunlicherweise, seinen Hauptcharakter zu einer Person zu degradieren, die zutiefst unsympathisch ist und die man nicht gerne spielt.

Auch die Handlungsorte sind uninteressant bis grob ärgerlich. Wo die Vorgänger mit Schauwerten protzten, wie einer sturmumtobten Insel oder versteckten Städten im sibirischen Eis, bietet der dritte Teil nur – Grünzeug. Ja, toll modelliertes und animiertes Grünzeug, aber ein Dschungel ist nun mal ein Dschungel und sehr schnell sehr langweilig.

In Sibirien gab es so spektakuläre Szenen wie die hundert Meter hohe Eiswand, in der ein altes Segelschiff steckte. Das sah irre aus und machte neugierig, wie es da wohl hingekommen ist. Im peruanischen Urwald von „Shadow“ lösen die Ruinen der Tempel nur ein „ach, nicht NOCH ein verstecktes Grab“ aus. Alles ist unspektakulär, und der Schauplatz der Versteckten Stadt ist nachgerade ärgerlich. Schon architektonisch macht die Stadt überhaupt keinen Sinn und wirkt deswegen nur wie eine dumme Kulisse. Noch schlimmer sind aber ihre Bewohner. Die nerven, alle. Die meisten NPCs stehen dumm im Weg rum, einige geben Kalendersprüche von sich, einige sind auch Questgeber. Leider sind alle Nebenmissionen dummer Murks. Die Indios beauftragen Lara mit allem, was Ihnen einfällt: Fetchquests, dem Lösen von Nachbarschaftsstreitigkeiten und der Aufklärung von Morden. Und die Kinder! Verlorene Kinder, verlaufene Kinder, und jeder zweite Questgeber ist selbst ein Kind. Wer hat DAS denn für eine gute Idee gehalten? Kinder nerven in Spielen, IMMER!

Nicht besser wird es übrigens, wenn man die „Originalsprache“ einschaltet. Dann reden im Spiel Spanier wirklich spanisch und Indios wirklich eine indigene Sprache. Das ist eine nette Idee, nervt aber nach zwei Minuten kolossal. Grund: Gerade die indigenen Texte werden von unmotivierten Sprechern vom Blatt abgelesen. Das hört sich, pardon, schlicht scheiße an. Mal ganz abgesehen davon, dass die Grundaussage der Missionen – die doofen Eingeborenen sind zu dumm ihr Kram selbst zu regeln, dass muss die weiße Frau für sie machen – sehr zweifelhaft ist, macht das alles auch null Spaß.

Damit fügen sich die Nebenmissionen in den Rest ein, denn der macht auch keinen Spaß. Story nicht vorhanden, Charaktere egal – da spielt es schon fast keine Rolle, dass Immersion durch riesige, nicht abschaltbare Hints und im Sekundentakt tickernde XP-Einblendungen verhindert wird. Ist halt alles egal. „Shadow of the Tomb Raider“ schert sich um nichts, außer um hübsch animierten Dschungel. Aber um so ein Spiel, das sich um nichts schert, muss man sich umgekehrt auch nicht scheren. Im Gegenteil. Das ist das erste Tomb Raider, das ich vor Enttäuschung schon von der Platte gelöscht habe, bevor der Vorspann ganz abgelaufen war.

Wer starke Frauenfiguren in einem Urwaldabenteuer möchte, greift besser zu „Uncharted: The Lost Legacy“. Das ist toll geschrieben, spannend und sieht auch noch besser aus. Da kann man sich ansehen, was „Shadow“ hätte werden können und müssen.


Machen:
10 Tage in einem Fiat 500 auf Sardinien rumkurven.


Neues Spielzeug:
Eine Fenix LD15R, eine Taschenlampe aus deutscher Produktion. Ersatz für die verloren geglaubte Angel Light. Die Fenix ist winzig, mit 500 Lumen gefühlt so hell wie ein Autoscheinwerfer und so toll gearbeitet, dass selbst das Anfassen Freude bereitet.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Kategorien: Momentaufnahme | 4 Kommentare

Impressionen eines Wochenendes (23): Oktoberliebe mit Eule, Strunk, Weserbergland, Engelke & Berben

Mein linkes Auge zuckt. Der Rücken so verspannt, das ich mich kaum rühren kann. Lange Arbeitstage, nachts wirre Träume. Ich wusste gar nicht, dass man eine Knirschschiene kaputtbeißen kann, aber das habe ich gerade geschafft.

Ich muss mal raus. Eigentlich stand jetzt am Wochenende Haus- und Blogarbeit an, aber dann kam der Sommer zurück. Sonne, 14 bis 25 Grad, wer kann da widerstehen. Raus, auf´s Motorrad, an Orte, die mir gut tun.

Nach dem ersten Kaffee runter in die Garage. Die ZZR schläft schon den Winterschlaf, aber die V-Strom steht frisch gewartet und vollgetankt da und ist bereit für einen Ausflug.


Weiterlesen

Kategorien: Gnadenloses Leben, Impressionen | 7 Kommentare

Momentaufnahme: September 2018

Herr Silencer im September 2018

Wetter: Monatsanfang bedeckt, selten Regen und mit Temperaturen zwischen 15 und 20 Grad noch warm, aber die Bäume werden schon bunt. In der dritten Woche noch mal ein kurzes Aufbäumen des Sommers, mit Sonnenschein satt und Temperaturen an die 30 Grad. In der vierten Woche dann aber der Absturz: 3 bis 12 Grad, bedeckt und Regen, stürmisch, überall Blätter. Es ist über Nacht Herbst geworden!


Lesen:

Terry Pratchett: The monstrous Regiment [Kindle]
Pollys Bruder ist verschwunden. Der etwas simple junge Mann ist dem Militär von Borogravia beigetreten, dann hat man nichts mehr von ihm gehört. Als alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind, greift Polly zum letzten Mittel – einer Socke. Mit der in der Hose und einem Kurzhaarschnitt geht sie als Junge durch und mustert ebenfalls im Militär an. Schnell stellt sie fest, dass ihr Regiment als letztes Kanonenfutter in einem bereits endlos dauernden Krieg verheizt werden soll. Auf der einen Seite Borogravia, wegen dümmster religiöser Gründe, auf der anderen Seite Zlobenien, das sich zwar progressiv und weltoffen gibt, dem es aber nur um Landgewinn geht.

Tolles Buch über religiöse Intoleranz, Geschlechterrollen und Krieg. Als ich es bei Erscheinung vor 15 Jahren las, fand ich es einigermaßen doof. Zum einen ist der Kunstgriff, dass ALLE Mitglieder in Pollys Regiment am Ende Frauen sind, eine ziemliche Verrenkung, zum anderen geht der eigentliche Storystrang in Sockenepisoden ein wenig unter. Jetzt bin ich älter und kann mit den verhandelten Themen mehr anfangen.


Hören:

Nix.


Sehen:

Barry Seal [Heimkino]
USA in den 70ern: Barry Seal ist Linienpilot einer großen Fluggesellschaft. Er ist wenig zu Hause, das knappe Gehalt reicht kaum um die Hypothek für das Haus zu bezahlen, seine Frau ist frustriert. Das ändert sich, als ein CIA-Mitarbeiter Barry rekrutiert. Fortan bessert der seine Kasse mit dem Fertigen von Luftaufnahmen von Rebellencamps in Mittelamerika auf. Weil das gut klappt, setzt der Geheimdienst Barry bald für Waffenlieferungen an einen gewissen Major Noriega in Nicaragua ein. Und damit er nicht leer zurückfliegt, beginnt Barry irgendwann Koks für drei junge Geschäftsleute mitzunehmen, die später als das Medellin-Kartell in die Geschichte eingehen werden. Barry ist so erfolgreich, dass das CIA im einen eigenen Transportservice finanziert. Das Ergebnis: Bald weiß Barry nicht mehr, wohin er mit dem ganzen reinkommenden Geld eigentlich soll, er kauft praktisch einen ganzen Ort und geniesst das pralle Leben. Aber das Paradies währt nicht ewig – die Drogenfahndung ist Barry auf den Fersen, und die CIA agiert in Sachen Iran-Kontra zunehmend unfähig.

Was für ein spaßiger Film! Schon die Logos der Produktionsfirmen sind im 70er-Look gehalten, und die immer wieder eingestreuten Originalaufnahmen haben ein Flair von Doku bzw. Forrest Gump. Das kommt natürlich nicht von ungefähr, denn „Barry Seal“ schmückt sich mit dem Satz „Nach einer wahren Begebenheit“. Bei dem muss man immer ganz genau hingucken, und wenn man das tut, dann wird man merken: Mit dem echten Barry Seal hat der Film nur den Namen gemein, nahezu alles andere ist hinzuimaginiert auf Basis von Vermutungen. Mit diesem Wissen ist der Film immer noch unterhaltsam, ein Großteil des Reizes aber verflogen. Natürlich muss man auch Tom Cruise ertragen können, der wie immer Tom Cruise spielt und sich durch den Film grinst. Dennoch ist er spannend anzuschauen, und viele Momente sind gleichzeitig plausibel UND lustig, auch wenn einem das Lachen im Halse stecken bleibt. Beispiel: Barry fliegt Rebellen aus Nicaragua zur Ausbildung in die USA. Kaum sind die in Amerika, desertieren sie in Massen. Das ist glaubwürdig, hat mich laut lachen lassen, und erst im nächsten Moment ist mir aufgefallen, dass das diskriminierend ist.

Problemkind [Theater im OP]
In einem Motelzimmer sitzen Denise und RJ und warten auf einen Anruf. Der Anruf soll Gewissheit bringen, ob die beiden ihr Baby wiederbekommen, das ihnen das Jugendamt nach einem Absturz in Kriminalität und Prostitution weggenommen hat. Die Chancen stehen nicht gut, die Sachbearbeiterin hat mehr als deutlich gemacht, dass sie das Paar für White Trash hält. Denise verzweifelt daran, immerhin hat sie sich nur prostituiert, um das Kind ernähren zu können. Als sie gar nicht mehr ein noch aus weiß, besorgt sie eine Waffe.

Schwerer Stoff. Sehr gut gespielt, aber nur schwer zu ertragen.


Spielen:


Spider Man [PS4]
Peter Parker, New York, Blabla.

Man muss es dem Spiel zugute halten, dass hier keine Origin-Geschichte erzählt wird. Hier wird, ähnlich wie bei den „Arkham“-Games um Batman, ein neues Universum aufgemacht, in dem bekannte Themen neu variiert werden. Der Spinnenbiss ist schon ein paar Jahre her, Peter Parker hat bereits eine gemeinsame Geschichte mit Schurken und gescheiterte Beziehungen mit MJ hinter sich. Das ist angenehm und fühlt sich unverbraucht an, genau wie ein Teil der Spielmechaniken: Das Herumschwingen zwischen Wolkenkratzern in New York ist toll und frisch und ich habe mich immer wieder gefragt, wie die Macher von Insomniac diese Mechanik so gut hinbekommen haben. Auch nach dem Dutzendsten Mal macht das noch Spaß, zumal die Lichtstimmungen im fotorealistischen Neew York toll gesetzt sind.

Nur so Mittel ist das Kampf- und Stealthsystem, was deutlich bei Arkham abgeschaut wurde, aber in Details nicht so gut ist. Insbesondere den Kampf muss man lernen: Spiderman ist schnell, aber er kann nicht viel einstecken. Die ersten Kämpfe sind hektisches Knöpschedrücke und unerwartete Tode, bis man den Rythmus und die Spielweise gelernt hat. Es gibt Bosskämpfe, die aber ziemlich unspektakulär sind. Bis auf den letzten, der völlig aus dem Takt geratener, Over-The-Top-Hektik „Oh man was mache ich hier eigentlich“-Müll ist.

Alle Mechaniken sind gut integriert in eine Story, die zwischen „ach komm, nerv nicht rum“ und „hu, spannend“ changiert. Spannend wird es immer, wenn die Hauptstory weiter eskaliert. Nervig wird es immer, wenn man als Peter Parker oder ohne Superkräfte unterwegs ist. Ich kann mir vorstellen, warum das gemacht wurde: Es ging um Pacing. Funktioniert aber nur so mittel, denn immer wenn die Story richtig rund läuft, steckt Insomniac wieder einen Stock zwischen die Speichen. Das der große Twist am Ende schon in den ersten Spielminuten durchtelegrafiert wird, trägt auch nicht zum Spannungsaufbau bei.

Gänzlich altbacken ist dagegen die Open World, die vollgerümpelt ist mit repetitiven Aufgaben. Man muss allen Ernstes Türme erklimmen, Fetchquests, Stealth und Brawl-Einlagen spielen. Die kommen zwar nicht alle auf einmal, sondern stufenweise, aber am Ende sieht die Karte schlimmer aus als die von Assassins Creed: Unity. Echt, es wirkt, als habe Insomniac das Open-World-Hnadbuch von Ubisoft aus dem Jahr 2010 kopiert. Erstaunlicherweise fühlte ich mich gar nicht so sehr im Hamsterrad, denn die Aufgaben sind zwar repetitiv und schwer, aber durch das gelungene Gameplay und die gute Integration auch sehr spaßig. Lediglich die Challenge-Aufgaben unter Zeitdruck sind Pain-in-the-Asse, und die muss man erledigen um an neue Ausrüstung dran zu kommen – und zwar nicht nur einmal, sondern man muss sie zig mal wiederholen – das ist dumm und ärgerlich. In der Summe reicht das aber für ein spaßiges Spiel, in dessen Welt man gerne nach Feierabend ein paar Stündchen eintaucht. Kein Meilenstein, aber ein sehr gutes – und schweres – Spiel.


Machen:

ZZR-Treffen


Neues Spielzeug:

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Kategorien: Momentaufnahme | 4 Kommentare

Momentaufnahme: August 2018

Herr Silencer im August 2018

Von Hochsommer auf Herbst in zwei Tagen? Ist das überhaupt erlaubt?

Wetter: Der Monatsanfang ist heiß, selbst um Mitternacht sind es noch um die 30 Grad. In der zweiten Woche sinken die Temperaturen zumindest nachts auf ein erträgliches Maß, aber tagsüber brüllt die Sonne und die Dürre geht weiter. In der dritten Woche kommt leichter Regen, und die Temperaturen sinken tagsüber auf irnswat um die 20 Grad, bei bedecktem Himmel. Am letzten Augustwochenende hat der Sommer keine Lust mehr. Plötzlich fallen die Blätter von den Bäumen, und bei 15 Grad und bedecktem Himmel kommt eine Ahnung von Herbst auf.


Lesen:

Terry Pratchett: Thief of Time [Kindle]
Die kleinste, denkbare Zeiteinheit ist der Moment zwischen Zukunft und Vergangenheit, das „Jetzt“. Dieses Jetzt wird permanent zerstört und neu geschaffen. Würde nun jemand eine Uhr bauen, die diese kleinste Zeiteinheit erfassen kann, würde die Zeit selbst in dieser Uhr gefangen. Das wissen die Geschichtsmönche. Die heißen so, weil sie die Geschichte der Welt wieder zusammengeflickt haben, nachdem die Zeit durch eine solche Uhr schon einmal in tausend Stücke zersprungen ist. Nun baut irgendwo jemand eine neue Uhr, was sowohl die Mönche als auch Miss Susan, die Enkeltochter von Tod, verhindern wollen. Leider kommen sie alle zu spät, was die Reiter der Apokalypse dazu zwingt auszureiten. Alle 5. Inklusive dem, der zu früh ausgestiegen ist.

„Thief of Time“ ist 2002 erschienen. Das 26. Buch der Scheibenweltreihe gehört zu denen aus Pratchetts bester Schaffensphase. Hier findet sich kein Slapstik oder Billigwitze wie in den frühen Werken, aber auch noch keine mäandernde Unkonzentriertheit wie in den späteren Büchern. Nein, der „Zeitdieb“ ist eine faszinierende und spannende Geschichte, die auf jeder zweiten Seite mit einer fantastischen Idee oder einer menschlichen Erkenntnis aufwartet. Charakterisierungen gelingen hier mit wenigen Sätzen, die Motivationen nachvollziehbar und das Bild der Zeit als Frau, die durch eine endlose Abfolge von gläsernen Zimmern schreitet, die hinter ihr zersplittern, ein wunderschönes.


Hören:

Nix.


Sehen:

Rick & Morty [Netflix]
Man stelle sich vor, Doc Brown wäre ein misantrophischer Alkoholiker und würde in die Garage von Marty McFly einziehen und dort am laufenden Meter verrückte Dinge erfinden. Damit gehen die beiden dann auf Abenteuerreise. Das ist ungefähr die Ausgangslage von „Rick & Morty“: „Doc & Marty“ auf Drogen.

Völlig absurd, definitiv für erwachsene und ein Riesenspaß.

Mission Impossible: Fallout [Kino]
Tom Cruise macht sein Tom Cruise-Ding inkl. viel Rumrennerei.

Tom Cruise-Filme sind Tom-Cruise-Vehikel. Basta. Macht der Typ irgendwo mit, stellt er sich in den Mittelpunkt und kontrolliert jeden Aspekt der Produktion. Das funktioniert mal besser („Live. Die. Repeat.“) und mal gar nicht („The Mummy“). Bei den „Mission Impossible“-Filmen funktioniert es seit Teil 3 hervorragend. Das sind Actionfilme der alten Schule, die mit unglaublichen Actionpieces aufwarten, die Cruise auch noch fast alle selbst macht. Rumklettern am höchsten Gebäude der Welt, Halo-Sprünge – alles kein Problem für einen „Operierenden Titan der Stufe 7“, wie der Rang lautet, den Cruise bei Scientology bekleidet. „Fall Out“ ist nun der beste der bisherigen „Mission“-Filme. Spannenden und komplizierte Story, gute Charaktere, irre Action. Das Pacing ist gelungen, auch wenn der Film in der Summe 30 Minuten zu lang ist. Macht aber nix, kann man sich trotzdem angucken.

Ant-Man and the Wasp [Kino]
Scott Lang durfte vor drei Jahren für kurze Zeit den Anzug des „Ant-Man“ tragen, der es seinem Träger erlaubt sehr klein oder sehr groß zu sein. Dann stand er in „Civil War“ auf der Verliererseite und steht nun dafür unter Hausarrest. Aber in drei Tagen ist die Bewährungsstrafe rum, dann kann er wieder vor die Tür und mit seiner kleinen Tochter Eis essen. Klar, dass es in diesen drei Tagen zu Komplikationen kommt.

Mal wieder ein „kleiner“ Marvel Film, der sich nicht um die Rettung des Universums oder Magie dreht, sondern um die Probleme einiger weniger Menschen. Scott möchte seine Strafe absitzen, Sidekick Louis möchte eine Sicherheitsfirma gründen, Kirk Douglas möchte seine Frau retten, Laurence Fishburn möchte helfen. Das alles ist nachvollziehbar, gut erzählt und dabei witzig gemacht. In der Summe ein guter Marvel-Film, ABER: Im Kino muss man den nicht gucken. Warum? WEIL JEDE, wirklich ausnahmslos JEDE COOLE ODER WITZIGE ACTIONSZENE IN DEN TRAILERN VORKAM. Echt, wer zwei Trailer von Ant-Man gesehen hat, der hat alle WTF-Staun-Momente gesehen. Der Rest ist immer noch witzig, aber das Kinoticket nicht mehr wert.

Anchorman 1 & 2 [Netflix]
San Diego in den 70ern – Ron Burgundy ist Chauvi, Polyesteranzugträger und Anchorman eines TV-Senders. In Teil 1 wird er damit konfrontiert, dass auch Frauen in Fernsehen kommen, in Teil 2 mit schwarzen Frauen.

Ich musste das jetzt mal gucken, allein schon, weil die beiden Filme popkulturell so oft referenziert werden (man denke an das „That escalated quickly“-Meme). Tatsächlich sind die Filme haarsträubender Nonsense, fast in Monty Python-Tradition. Wenn verfeindete Newsteam mit Keulen und Äxten aufeinander losgehen, Burgundy einen Aussetzer bekommt, weil sein neuer Chef eine farbige Frau ist oder eine ganze Sequenz in völliger Schwerelosigkeite´abläuft, weil ein Wohnmobil sich überschlägt – dann ist das so überzogender Schwachsinn, dass man den kaum noch vergessen kann. Dazu noch Christina „Dumpfbacke“ Applegate und eine umwerfende Linda Jackson, die Machos zeigt, wo die Glocken hängen – macht in Summe sehr viel Spaß.

Alibi [Theater im OP]
Mordgeschichte nach Agatha Christie. Auf einem Landsitz kommt ein Lord ums Leben. Gut, das ins Nachbarhaus gerade Hercule Poirot eingezogen ist! Der rüstige Rentner wollte eigentlich nicht mehr ermitteln und sich der Kürbiszucht widmen, kann es dann aber doch nicht lassen, den gewachsten Schnurrbart in den Kriminalfall zu stecken.

Schön gespielt und stellenweise überraschend. Am meisten überrascht hat mich, wie düster der Stoff ist. Ausnahmslos jeder hat hier Dreck am Stecken, und der Ich-Erzähler der Geschichte entpuppt sich am Ende als Lügner, der über seine Erzählung an das Publikum ein Alibi bauen wollte. Clever!


Spielen:

Gears of War [XBOX One]
In der Zukunft. Insekten wollen den Planeten von Innen heraus erobern, schwer bewaffnete Hightech-Soldaten, die „Gears“, haben was dagegen.

Deckungsshooter mit knackigem Gameplay und guten Mechaniken. Anspruchsvoll, aber ohne taktische Tiefe.

GTA IV [XBOX One]
Niko Bellic hat im Serbienkrieg unvorstellbare Dinge gesehen und getan. Nun kommt er nach New York, in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Leider ist in den USA alles genauso wie daheim: Leute mit Geld haben das sagen, alle anderen müssen springen. Langsam arbeitet sich Niko durch die Hierarchie verschiedener, osteuropäischer Gangstersyndikate.

Fast 10 Jahre ist es her, das ich zuletzt in New York, pardon, „Liberty City“ unterwegs war. Eigentlich hatte ich versucht „Red Dead Redemption“ nochmal zu spielen, aber das war mir nach kurzer Zeit zu langweilig. GTA IV hingegen ist das beste, weil am dichtesten geschriebene, Spiel das Rockstar je gemacht hat. Nikos Story ist dicht erzählt, alles passt zusammen, und dazu diese Stadt: Ein glaubhaft simuliertes New York im Herbst, so schön, das man auch einfach so gerne mal spazieren geht. Die XBOX-One-Version löst lediglich höher auf, was die Texturen leider vermatscht. Und: Jetzt, nach 10 Jahren, laufen Lizenzen für die Musikstücke der Radiosender im Spiel aus. Rockstar patcht die darum Stück für Stück raus. Wer also das Game bei sich installiert hat: KEIN Update machen, dadurch wird Content entfernt!


Machen:

Vorbereitung: Tagung, Projekte, Werkstatt, Urlaub.


Neues Spielzeug:
Ein Nolan N100-5 Classic in Platinsilber mit einem N-Com 901 RL. Nolans neuer Flagship-Helm. Leider alles nicht toll, ausführliches Review dazu demnächst.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Kategorien: Momentaufnahme | 3 Kommentare

Momentaufnahme: Juli 2018

Herr Silencer im Juli 2018

Oh, guck mal, da schmelzen die Steine!

Wetter: Der Monatsanfang ist warm. In Norddeutschland ist bereits seit Mai kein Regen mehr gefallen, in Süddeutschland toben sich nochmal Unwetter aus, dann wird es auch dort trocken. Danach wird es immer wärmer, und zum Monatsende rollt eine Hitzewelle über´s Land. Tagsüber über 30 Grad, die Nächte bringen kaum Abkühlung. Plötzlich verstehen die Deutschen, warum in Südeuropa zwischen Mittags und Abends nicht viel passiert.


Lesen:

Lemony Snicket: A Series of Unfortunate Events 10: The Slippery Slope [Kindle]
Die Baudelaire-Waisen Violet, Klaus und Sunny folgen dem finsteren Grafen Olaf in die Berge, wo das Hauptquartier der geheimnisvollen Organisation FF zu finden sein soll. Es ist tatsächlich dort, und die Kinder müssen sich entscheiden, ob sie ihr Ziel erreichen wollen, indem sie ähnliche Methoden wie Olaf anwenden, oder lieber doch nicht.

Endlich geht es voran! 9 Bücher lang wiederholte Snicket immer den gleichen Ranz: Die Waisen bekommen einen neuen Vormund, der von Graf Olaf reingelegt wird, und alle Erwachsenen sind zu dumm das zu kapieren. Jetzt geht es zumindest etwas voran, und nicht jeder handelt wie der letzte Volldepp. Langatmig ist es natürlich trotzdem.

Lemony Snicket: A Series of Unfortunate Events 11: The Grim Grotto [Kindle]
Die Baudelaire-Waisen finden neue Verbündete. Vielleicht. Denn sie lernen, was „volatil“ bedeutet: Menschen stehen nicht immer nur auf der einen oder der anderen Seite. Und auch FF ist nicht unbedingt nur gut, sondern hat sogar mit tödlichen Biowaffen experimentiert. Eine davon fällt Graf Olaf in die Hände, der damit Sunny infiziert. Die jüngste Baudelaire hat nur noch eine Stunde zu leben.

Auf die letzten Meter werden die Stories immer düsterer. Waren Gut und Böse in den vorherigen Bände klar verortbar, verschwimmen hier Grenzen und Fragen nach Moral und dem inneren Kompass werden aufgemacht. Stellenweise wieder langatmig, aber spannender als die ersten 10 Bücher.

Lemony Snicket: A Series of Unfortunate Events 12: The Penultimate Peril [Kindle]
Snicket hilft den Kindern, Undercover in einem Hotel zu ermitteln. Das ist ein kafkaesker Albtraum voller Personen aus der Vergangenheit der Kinder. Schließlich erfahren sie den Grund ihres Anwesenheit: Sie werden zusammmen mit Graf Olaf vor Gericht gestellt. Am Ende wird Violet zur Verräterin, Sunny zur Brandstifterin, und gemeinsam schließen sie sich Graf Olaf an.

WTF did I just read? Endlich werden Geheimnisse gelüftet, Geschehnisse erklärt und es geht mit großen Schritten Richtung Finale. Das vielleicht nicht so wird, wie man es sich wünschen würde.

Lemony Snicket: A Series of Unfortunate Events 13: The End. [Kindle]
Die Baudelaires stranden mit Graf Olaf auf einer Insel, die voller seltsam bedröhnter FF-Aussteiger ist. Am Ende sterben alle. Also, fast.

Hm. Tja. Ein „und sie lebten Glücklich und zufrieden bis an ihr Ende“ konnte man wohl auch nicht erwarten, bei dieser Buchreihe. Aber der letzte Band ist nochmal würdig absurd und bringt zumindest einige Dinge zu Ende. Natürlich längst nicht alles, Snicket lässt ganze Elefantenhorden unerklärt im Raum stehen. Das mag unbefriedigend sein, erhält aber den mysteriösen Charme seiner Welt.


Hören:

Ramin Djawadi Westworld, Season II

Großes Kino, dieser Soundtrack. Klassiker wie „Paint it black“ und „Seven Nation Army“ in einem so verspielten indischen bzw. Western-Stil, dass man sie erst nicht erkennt. Könnte ich gerade stundenlang hören.


Sehen:

Westworld Season 2
Im Vergnügungspark „Westworld“ können Menschen den wilden Westen nacherleben und Abenteuer mit und gegen lebensechte Roboter bestehen. In Staffel 1 erwachte in diesen „Hosts“ ein Bewusstsein, was in einem Massaker an Parkbesuchern endete. Staffel 2 beginnt unmittelbar danach. Ein Rettungsteam der Betreiberfirma Delos landet im Park, um überlebenden Menschen zu helfen und die Geheimnisse von Delos zu schützen. Die kommen aber Stück für Stück ans Tageslicht und enthüllen, wozu der Park und die Hosts wirklich da sind.

Wow, was für eine Staffel. Wieder wird mit unterschiedlichen Zeitebenen und cleveren Twists gespielt. „Westworld“ ist vom Twistniveau her quasi „Sixth Sense“ im Serienformat: Sobald ein Twist kommt, ergibt alles vorher einen (anderen) Sinn. Dann kann man die alten Episoden nochmal schauen und stellt fest: Es gab jede Menge Anzeichen und Hinweise, man hat sie bloß nicht gesehen. Ich ziehe meinen Hut vor den Autoren. Das hier erstklassige Schauspieler am Werk sind (Anthony Hopkins! Thandie Newton!) macht die Sache noch besser. Die 10 Episoden gehören zum Besten, was man sich dieses Jahr angucken kann.

Deadpool 2 [Kino]
Wilson Wade erleidet ein Trauma, das den ohnehin leicht irren Söldner mit dem hohen Regenerationsfaktor komplett aus der Bahn wirft. Er versucht sich den X-Men anzuschließen, mit erwartbarem Ausgang: Deadpools Lösungen sind zu blutig für die jugendfreien Kuschelmutanten. Also stellt Deadpool sein eigenes Team zusammen: Die X-Force!

Alter, was für eine Achterbahn. Anders als Teil 1, der zwar lustig war, der aber nach einer Stunde IMMER NOCH AUF EINER VERDAMMTEN AUTOBAHNBRÜCKE FESTSTECKTE, hat Teil zwei die Handbremse gelöst. Hier geht es ständig auf und ab, Over-the-Top-Actionsequenzen und blutige Gewalteinlagen wechseln sich im Minutentakt mit Gag-und Slapstickeinlagen ab. Das funktioniert nicht immer, aber bei der schieren Masse an Gags oft genug um gut zu unterhalten.

Auch einige „WTF-Das-nachen-die-doch-nicht-wirklich-Momente“ sind dabei. Allein wenn die X-Force ihren ersten Auftrag angeht und dann binnen Sekunden alle Charaktere… aber das wäre jetzt ein Spoiler. Das sich Deadpool bewusst ist, das er in einem Film mitspielt, und deshalb auch gelegentlich die vierte Wand durchbricht, macht die Sache noch abgedrehter. Am irrwitzigsten sind die Post Credits, in der Deadpool in der Zeit zurückreist um… Dinge zu korrigieren, die im X-Men-Universum oder in der Karriere von Ryan Reynolds schiefgelaufen sind. Da hing ich japsend im Kinosessel.

Ready Player One
In der Zukunft: Dank Klimawandel und Handelskriegen ist die Welt am Arsch. Interessiert aber keinen, denn alle Menschen sind ständig in der „Oasis“ unterwegs, einer virtuellen Welt, in der jeder alles sein kann. Die hat ein lange verstorbener Nerd gebaut, der sie demjenigen verspricht, der drei Rätsel löst, die irgendwie mit der Pop- und Gameskultur der 80er zusammenhängen. Problem dabei: Die Rätsel sind als Eastereggs in der Oasis versteckt. Ein junger Schatzjäger stolpert schließlich über ein Easteregg und hat prompt einen Megakonzern am Hacken, der zu gerne selbst die Kontrolle über die Oasis hätte.

Tja, nun. „Ready Player One“ fand ich schon als Buch nicht toll, weil es keine auch nur halbwegs gute Geschichte erzählte, aber dafür ständig auf der Nostalgietastatur rumklimpert. Der Film folgt der Story lose und macht in der Erzählung einiges besser, es bleibt aber alles platt und vorhersehbar. Wie das Buch ist auch der Film mit Eastereggs überfrachtet. Anfangs ist das noch cool, wenn der Protagonist im DeLorean mit Knight-Rider-Lauflicht durch die Gegend flitzt. Nach einiger Zeit nervt es aber, das wirklich in jeder Szene irgendein lizensierter Charakter oder ein Ding aus einem Film/Spiel/Serie für ein paar Frames durch Bild hampelt. Das wirkt beliebig, hohl und viel zu lieblos. Mit Cameos geliebter Charaktere muss man vorsichtig umgehen, hier werden sie ständig für eine Sekunde gezeigt und sind wieder weg.

Damit hat der Film exakt gar keine Zielgruppe: Die Jüngeren kennen die popkuturellen Anspielungen aus den 80ern und 90ern nicht, wir Älteren können mit der ADHS-Machart nichts anfangen. Angucken ist Lebenszeitverschwendung.

Pacific Rim Uprising
Der Sohn von dem Chef aus dem ersten Teil und eine bratzige Göre treffen nervige Leute und dann hauen sich Riesenroboter in Tokio.

Ach, den ersten „Pacific Rim“ von 2013 gucke ich heute noch gerne. Ein seltsamer Guilliermo del Torro-Film mit Riesenrobotern und Riesenmonstern, die sich gegenseitig prügeln. Das war seltsam und spannend und beeindruckend und litt nur unter dem Protagonisten, der schauspielerisch ein Totalausfall war.

In der 2018er Fortsetzung gibt es einen guten Schauspieler (John Boyega aus Star Wars), aber leider ist nun alles andere bestenfalls medioker. Ausstattung und Effekte sind nach wie vor OK, aber es gibt kein ordentliches Drehbuch, die Geschichte ist schlecht erzählt und wieso unbedingt eine Kinderdarstellerin eingebaut werden musste, weiß keiner so genau. Del Toro hat sich übrigens vor Projektstart zurückgezogen – seine Vision für einen zweiten Teil wurde abgelehnt, und er wiederum fand die Richtung von „Uprising“ nicht gut. Recht hat er.

Logan Lucky
Hinterwäldler planen NASCAR-Arena auszurauben.

Der Trailer sah interessant aus: Adam Kylo Ren“ Driver als einarmiger Barkeeper und Daniel „James Bond“ Craig als Knacki ziehen einen Heist durch, den sich Landei und Bauarbeiter Channing „Möter“ Tatum ausgedacht hat. Das sah in der Vorschau nett und witzig aus, ist es aber nicht. Tatums Vorstellung von Leuten vom Land ist, dass sie stur geradeaus gucken und verwaschen reden, und weil Adam Driver das gleich mal nach macht, läuft die Hälfte des Casts rum, als hätten sie gerade einen Schlaganfall gehabt. Die Story tut irre clever, täuscht aber mit reichlich Deus Ex Machina-Elementen nur vor, das sie auf einem Level wie „Die üblichen Verdächtigen“ und „Layer Cake“ spielt. Am Ende ist eh alles egal, zumindest den Hauptfiguren, warum sollte also der Zuschauer einen Shit geben?

Mal ganz abgesehen von den inhaltlichen Problemen kann ich persönlich Filme über amerikanische Hintlerwäldler gerade schlecht ertragen. Immer, wenn ich einen USA-Cap-tragenden Hillbilly sehe, der an seinem Truck rumschraubt, denke ich „und DU hast also Trump gewählt. Danke, Arschloch.“


Spielen:

L.A. Noire [PS4]
Die USA, 1947. Cole Phelbs kommt aus dem Krieg zurück in ein boomendes Los Angeles: Im Akkord werden hier Häuschen gezimmert und Firmen eröffnet, vor den Hollywoodstudios stehen junge Frauen Schlange und hoffen, die nächste Lauren Bacall zu werden. In der Stadt der Engel kann es jeder schaffen, so die Botschaft. Phelbs geht zur Polizei und wird schnell vom Streifenpolizist zum Detective befördert. Bei der Mordkommission und im Drogendezernat lernt er die dunkle Seite der Stadt kennen: Einen Abgrund aus Gewalt und Verrat, der Phelbs langsam, aber unaufhaltsam hinabzieht und ihn nicht nur korrumpiert, sondern ihm am Ende alles nimmt.

L.A. Noire ist kein neues Spiel. Es kam schon 2011 für PS3 und XBOX360 raus, das hier ist das Remaster mit allem DLC für die PS4. Außer einer höheren Auflösung und sehr gutem Anti-Aliasing hat sich nichts getan. Mir reicht das, denn gerade das Kantenflimmern ist es, wegen dem ich alte Spiele schlecht ertrage.

Ansonsten hat sich kaum etwas geändert: Das Los Angeles des Jahres 1947 ist in der GTA 4-Engine gebaut und nach wie vor groß und mit bemerkenswerten Details versehen, aber auch seltsam leblos und aus matschigen, grauen Texturen gebaut.

Die Untersuchung der Kriminalfälle läuft meistens nach dem gleichen Muster ab: Tatort untersuchen, Beweise sammeln, Verdächtige verhören. Letzteres ist die Core-Gamemechanik, und genau die funktioniert schlecht. Man soll nämlich an den (sehr gut gecaptureten) Gesichtszügen der Personen erkenne, ob sie lügen oder die Wahrheit sagen. Leider sehen meist alle nur aus, als hätten sie schlimme Verstopfung.

Was L.A. Noire aber dennoch besonders und damit auch gut spielbar macht: Es ist was ganz eigenes. Detektivspiele gibt es praktisch sonst nicht, alles fokussiert auf die sehr gut geschriebenen Fälle und die übergreifende Geschichte von Phelbs Abstieg, kein Open-World-Krempel stört die Erzählung. Dafür entlehnt das Spiel nahezu jedes ästethische Element, jedes Stilmittel und jeden dramaturgischen Kniff aus den Filmen der Noir-Bewegung. Harte Kerle, durchtriebene Femme Fatale, verrauchte Bars – alles da.

Das Spiel IST ein spielbarer Film Noir, und das ist sehr toll. Manchmal werden ganze Filmhandlungen 1:1 als Fall präsentiert, so spielt man sich mit Phelbs durch „The naked City“, einem Film-Noir-Archetypen. Außerdem ist das Spiel lang: 21 Fälle gilt es zu lösen, jeder teils mehr als eine Stunde lang, dazu 40 Zufallsevents auf den Straßen, die je ca. 5 Minuten dauern.

Auch aus heutiger Sicht erstaunt immer wieder der Aufwand, mit dem das Spiel produziert wurde. Selbst die kleinsten Nebenfiguren wurden mit guten Schauspielern besetzt, die man auch heute noch in Film und Fernsehen sieht, und die damals noch unbekannt oder fast ausgemustert waren. „L.A. Noire“ ist damit auch ein vergnügliches „Spot the Actor“. Die damals brandneue Facial-Caputuring-Technik beeindruckt auch jetzt noch. In dem Spiel steckt so viel Aufwand, das es nicht nur 7 Jahre in der Entwicklung hing und das australische „Team Bondi“ fast an seinen eigenen Ansprüchen zerbrach – nach dem Release ging das Studio auch pleite, trotz ordentlicher Verkäufe. Die Remaster-Version ist daher auch ein Testament einer großen Vision, für deren Umsetzung viele Menschen Jahre ihres Lebens geopfert haben.


Machen:

Eine Kurztour durch den Spessart. Mit anderen Motorradfahrern!


Neues Spielzeug:

Daytona Touringstar GTX. Die Alpine Starst Web Goretx aht die Sommerreise dahingerafft.

Bild: Louis.de

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Kategorien: Momentaufnahme | Ein Kommentar

Momentaufnahme: Juni 2018

Herr Silencer im Juni 2018

Vorherrschendes Gefühl: Ich brauch mal Urlaub. Oh, da isser ja!

Wetter: Monatsanfang weiterhin sehr warm, um die 20 Grad und drüber und wenig Regen. Zur Monatsmitte etwas kühler, um die 15 Grad und bedeckt, mit schweren Unwettern in Süddeutschland. ab Monatsmitte bin ich unterwegs, immer be 26-35 Grad.


Lesen:

Trevor Noah: Born a Crime
Der kleine Trevor wächst in den Townships von Kapstadt auf, in den schlimmsten Jahren des Apartheitregimes. Seine Mutter wollte ein Kind, aber keinen Mann. Ihre Wahl des Samenspenders fiel ausgerechnet auf einen Weißen, und da in der Zeit des stattlichen Rassismus auf gemischtrassigen Sex eine Freiheitsstrafe von 5 Jahren stand, ist schon Trevors Geburt ein Verbrechen gegen den Staat.

Das Buch erzählt zwei Geschichten: die von Trevor selbst, wie er durch Schulen stolpert, Häuser anzündet, in den Townships raubkopierte CDs vertickt und letztlich im Knast landet. Und die seiner Mutter, einer Frau, sie so einen starken Willen hat, das man sie schon als verrückt ansehen kann.

Trevor Noah schätze ich als Host der Daily Show sehr. Seitdem ich weiß, dass er aus Südafrika kommt, wollte ich mehr über seine Geschichte wissen. Das die so krass ist, konnte ich nicht ahnen. Ich habe bei der Lektüre viel gelernt – über Staaten, die Rassismus als Konstruktionsprinzip haben und ihn an allen Ecken und Enden als Werkzeug einsetzen. Über Südafrika. Und natürlich über die Realität in de Townships.

Die Geschichte der Familie Noah ist noch nicht vorbei, aber schon jetzt so interessant, dass sie eine Buch rechtfertigt. Dem hätte ein besserer Lektor gut getan. Die Kapitel sind nicht unverständlicherweise nicht chronologisch, und die Zeitsprünge sind beim nachträglichen editieren entstanden, das merkt man. Das stört beim Lesen – manchmal werden Menschen erst vorgestellt, nachdem sie in einem der vorherigen Kapitel schon tragende Rollen hatten. Macht aber nix, das Buch bleibt trotzdem gut. Es ist spannend, es gibt Drama, es gibt Fremdscham – nur lustig will das Buch nie sein. Ist es aber trotzdem, denn wenn Trevor einen Tänzer Namens Hitler in eine jüdische Schule schickt, dann ist das brüllend komisch – aber das Buch erklärt dann gleich, warum Hitler für Afrikaner kein schlimmer Mensch ist. Aus all diesen Erlebnissen und kulturellen Clashes leiten sich viele Weisheiten ab – allein darum sollte man dieses Buch lesen.


Hören:

Leonard Cohen: You want it Darker

Seltsames Ding.

Sehen:

Gelbe Wüste, rosa Raum [Theater im OP]
Vor 20 Jahren war der Vater in der gelben Wüste im Kriegseinsatz. Nun ist er mit seinen beiden erwachsenen Söhnen hier her zurückgekehrt, um für die Länge seines Jahresurlaubs Selbstjustiz zu verüben. Schwer bewaffnet streifen die drei durchs Land und suchen Terroristen, die sie umbringen können. Nur: Die lassen sich gar nicht so leicht finden, und je länger die Suche dauert, desto mehr driften alle Beteiligte ab: Einer der Söhne in Paranoia und Mordlust, der andere in Krankheit und Erschöpfung, und der Vater in Erinnerungen an Geschehnisse, die es nie gab. Schicht für Schicht schmirgelt der allgegenwärtige Wüstensand Fassaden weg, bis blanker Irrsinn in Form eines rosa Raumes übrig bleibt.

Eine verstörende und erschreckende Inszenierung von Barbara Korte. Kaum zu glauben, dass dieses krasse Stück eine Studentin geschrieben hat, die damit beim Nachwuchswettbewerb gewann. Faszinierend ist allein schon die Idee, 12 Personen als „Du“ permanent auf der Bühne präsent zu haben. Die Personen erzählen das Innenleben der Protagonisten, verkörpern ihre Sehnsüchte und Erinnerungen. Das funktioniert genial, und wenn gegen Ende „Du“ eine neue Perspektive auf alle Handelnden eröffnet, ist das ein wirklich schockierender Twist.


Spielen:

Detroit: Become Human [PS4]
Die USA, 20 Jahre in der Zukunft. Arbeiten wie Altenpflege, Hausputz und Bauarbeiten werden von Androiden übernommen. Die lebensechten Roboter verändern die Gesellschaft: Die Arbeitslosigkeit steigt rasant, viele Menschen ziehen die Beziehung zu einem Sexandroiden einer echten Beziehung vor. In dieser Umbruchsituation häufen sich Berichte über Androiden, die sich seltsam verhalten – gerade so, als hätten sie Gefühle.

Das Spiel läuft episodisch ab und wechselt dabei zwischen drei Protagonisten: Haushaltshilfe Kara, die urplötzlich gegen ihre Programmierung verstößt und ein kleines Mädchen vor häuslicher Gewalt schützt; Altenpflegerdroid Markus, dem sein Schützling immer wieder sagt, er sei mehr als die Summe seiner Teile; Connor, ein Prototoyp, der in Sachen Androidenzwischenfälle ermitteln soll.

Alle drei haben unterschiedliche Wege, die der Spieler durch seine Handlungen bestimmt. Je nach Entscheidung verlaufen die Stories krass unterschiedlich – Protagonisten können sterben, es kann zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen Menschen und Maschinen kommen, oder es kann am Ende Hoffung geben. Wie schon die Vorgänger „Beyond Two Souls“, „Heavy Rain“ und „Fahrenheit“ ist auch „Detroit“ eine, stets bis ins Detail durchinszenierte, Aneinanderreihung von Szenen, deren spielerischer Wert gering ist, die aber eine Geschichte erzählen wollen.

Dem steht leider im Weg, dass der Macher, David Cage, kein guter Autor ist. Der Franzose mit dem amerkanischen Künstlernamen hält sich für eine Art Autorenfilmer der Videospiele. Leider hat er kein Händchen für Dialoge, die allermeisten seiner Ideen sind geklaut und gegen Ende driften seine Stories meist in ärgerlichen Unfug ab.

Zumindest war das in den Vorgängerspielen so, in „Detroit“ passt aber alles. Die Figuren handeln nachvollziehbar, die Handlung bleibt spannend und alle Entscheidungen haben ernste Konsequenzen. „Detroit“ bewegt sich zwar auf Terrain, was schon durch Werke wie „Blade Runner“, „AI“, „I, Robot“, „Humans“ und viele andere beackert wurde, gewinnt dem Thema aber noch neue Aspekte ab.

Sicher, David Cage ist völlig schmerzbefreit und wenig subtil bei der Vermittlung seiner Gesellschaftskritik: In diesem Spiel tragen Androiden quasi Judensterne und kommen am Ende ins KZ! Das hätte leicht schiefgehen und respektlos werden können, aber hier funktioniert es. Das unverschämte Spiel auf der emotionalen Klaviatur verfehlt nicht seine Wirkung, am Ende meines ersten Spieldurchgangs habe ich geweint, weil mich das Schicksal der Charaktere so berührt hat. Das kommt auch durch die Technik: Die Grafik ist lebensecht und jenseits des Uncanny Valleys, und das Performance Capturing solch toller Schauspieler wie Lance Henriksen oder Clancy Brown funktioniert perfekt. Wer eine PS4 hat und Telltale-ähnliche Spiele mag, wird mit „Detroit“ sehr glücklich. Wer weniger auf Story und mehr auf Gameplay steht, sollte die Finger davon lassen.


Machen:


Neues Spielzeug:

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Kategorien: Momentaufnahme | Ein Kommentar

Momentaufnahme: Mai 2018

Herr Silencer im Mai 2018

Vorherrschendes Gefühl: Das ist kein Mai. Das ist Hochsommer.

Wetter: Warm. Sehr warm, mit Temperaturen um die 25 Grad und sehr wenig Regen. Am Monatsende dreht der Frühsommer auf 11, plötzlich hat´s tagelang über 30 Grad. In Spanien ist es kälter als hier. WTF?


Lesen:

James Comey: A higher Loyalty: Truth, Lies and Leadership
Die Geschichte des Mannes, der Trump zum Präsidenten der USA machte: James Comey hatte viele Jobs und ein abwechselungsreiches Leben: Aushilfe in einem Supermarkt, Student, Lehrjahre als Anwalt bei Versicherungen, dann Strafverfolger unter Rudy Giuliani, Staatsanwalt und Mafiajäger in New York und stellvertetender Generealstaatsanwalt nach 9/11. Unter der Bush-Regierung fällt er über Dispute mit Dick Cheney zu Folter und Überwachung in Ungnade, verlässt den Öffentlichen Dienst und wird letztlich -unerwarteterweise- von Obama zum Chef des FBI gemacht.

Anhand der Stationen seiner Biografie verdeutlicht Comey seine Vorstellung von guten Führungskräften. Seine eigenen Fähigkeiten werden auf eine harte Probe gestellt, als die Ermittlungen wegen Hillary Clintosn E-Mails beginnen und er unter politischen Druck gerät. Dann kommt die Wahl, und plötzlich steht Comey einem Präsidenten gegenüber, der ihn politisch vereinnahmen will – als „einen von ihnen“. Im Italienischen hat dieses Verhalten einen Namen: Cosa Nostra.

Das Buch ist überaus clever strukturiert. Nie wird es langweilig: Spannende Kapitel über die Mafia ziehen einen gleich zu Beginn in den Bann, man erfährt viel Privates – aber immer ist deutlich, dass man hier nur das liest, was Comey einen wissen lassen will. Und das, was man erfährt, lässt ihn als Heiligen scheinen: Er allein hat gegen die ersten Überwachungsprogramme der NSA gekämpft, er allein hat sich mit der Bush-Administration angelegt, um zu verhindern, dass die CIA die Erlaubnis zur Folter bekommt. Und natürlich hat er seine Jobs immer verlassen, wenn die gegen seine Prinzipien gingen.

Das Comey sich selbst hier als Heiligen im Auftrag von Recht und Gerechtigkeit stilisiert – Wurst. Das Buch ist deswegen so gut, weil es sehr tiefe Einblicke in das Funktionieren der Politik in Washington erlaubt. Es geht nicht primär um Trump, bis ca. zur Hälfte geht es um 09/11 und die verwerflichen Handlungen der Bush-Administration und deren Versuche, sich die irgendwie als rechtskonform hin zu lügen. Dann kommt die Mailaffäre, und hier lesen wir endlich, was Comey zu dem Handeln veranlasst hat, das mutmaßlich Trump zum Präsidenten machte. Der taucht dann als gleichermaßen clandestin wie verwirrt agierende Person auf, die von Comey Loyalität fordert, die der letztlich nicht leisten will – und darüber gefeuert wird.

Das Buch endet auf einer düsteren Note. Trump, so Comeys Fazit, wird sehr viel Schaden anrichten – weltweit. Aber, so befindet er auf die letzten Zeilen, jeder Waldbrand bietet auch die Chance zum Wachsen für neues. An diesen Gedanken klammere er sich, um nicht irre zu werden.


Hören:


Sehen:

Solo [Kino]
Der junge Han hat einen Traum: Er möchte Feuerwehrmann werden! Auf dem Weg dahin stolpert er immer wieder in erfrischende Abenteuer. Was für ein kecker Draufgänger!

Niemand braucht „Solo“. Die Figur des sarkastischen Schmugglers, der eigentlich ein unheilbarer Romantiker ist, braucht keine Vorgeschichte. Und schon gar keine, deren Verfilmung durch eine Produktionshölle aus Regiewechsel, Skriptänderungen, umfangreichen Nachdrehs u.ä. gegangen ist. Das dann am Ende ein Film dabei rausgekommen ist, der keine Frankensteinige Superkatastrophe wie „Suicide Squad“ ist, grenzt an ein Wunder. Anders als die vergurkte Antiheldenverfilmung wirkt „Solo“ wenigstens aus einem Guss. Man muss sich beim Anschauen nicht mal schämen.

Der mit 140 Minuten rund eine halbe Stunde zu lange Film liefert solide Unterhaltung mit einigen netten Schauwerten, aber ohne echte oder emotionale Highlights. Ein typischer Ron-Howard-Film halt, besetzt mit Schauspielern, die nicht viel können. Solo-Darsteller Alden Ehreich ist ein Totalausfall, hat aber zum Glück auch nicht viel zu tun. Emilia „Khaleese“ Clarke spielt eine eigentlich toughe Frau als kulleräugige Trulla, wie sie eigentlich alles immer als kulleräugige Trulla spielt – warum die Tante überall gecastet wird, ist mir ein Rätsel. Die coolsten Charaktere des Films sind Chewbacca und die um Gleichberechtigung kämpfende Droidin L3-37. Nebenbei beseitigt der Film einige von George Lucas´gröbsten Schnitzern, u.a. wird geklärt, warum der Korsalflug in 12 Parsecs machbar war und ob Han zuerst geschossen hat. Immerhin.

In der Summe: Nett und unterhaltsam, aber schnell vergessen.

Their finest hour [Prime Video]
Im zweiten Weltkrieg in London: Gemma Arterton wird Autorin für einen Propaganadafilm über Dünkirchen. Dabei muss sie sich mit der Bürokratie des Kriegsministeriums und staatlichen Vorgaben genauso auseinandersetzen wie mit einem alternden Star, der hartnäckig die Realtität verweigert. Auch privat läuft´s nur so mittel, aber immerhin hält der Fake-Hochzeitsring von Woolworth mögliche Verehrer ab.

Die Story ist eher dünn, eine „wir ziehen das Projekt gegen alle Widerstände durch“-Geschichte mit ein wenig Selbstfindung hat man schon oft gesehen. Die Stärken des Films liegen woanders: In den hervorragenden Schauspielern und den fragilen Miniaturen, in die sie immer wieder verwickelt werden. Wenn der aufgeblasene Altstar von seiner neuen Agentin beigebogen bekommt, dass er ein alter Sack ist, der wirtschaftlich unrentabel ist und in harten Zeiten jeder selbst sehen muss wo er bleibt, dann ist das eine Szene, in der in jeder Sekunde im Gesicht von Bill Nighys zu sehen ist, wie mit jeder der exzellenten Dialogzeilen sein Weltbild ein Stück mehr in sich zusammenfällt. Umso schöner, das später alle Charaktere ihren Platz finden. Ein schöner, kleiner Film, der aufgrund der eleganten Dialoge und vor allem wegen der Leistungen von Arterton und Nighy im Gedächtnis bleibt.

Avengers: Infinity War [Kino]
Thanos kommt, mit einer Mission: Er will auf seiner Veranda sitzen.

Hier wird nix erklärt. Es geht sofort zur Sache und hört über zwei Stunden nicht mehr auf. Klar, die Exposition geschah ja in den vergangenen 10 Jahren und über 18 Filme. Nur: Wer die nicht mitbekommen hat, für den ist Avengers 4 ein Flickenteppich unverständlicher Szenen, in denen sich komische Leute mit anderen Leuten kloppen. Hat man aber sein MCU auf dem Schirm, ist der Film eine große Show. Die größte Leistung: Es werden gefühlt 30 Charaktere jongliert, und jeder hat einen Platz. Dabei wird die Tonalität der untschiedlichen Ecken des Marvel-Universum gut zusammengeführt: In einer Szene fühlt sich der Film nach „Spiderman: Homecoming“ an, in der nächsten nach „Guardians of the Galaxy“. Großer Spaß, aber: Nur der halbe Film. Alles endet mit einem Cliffhanger von „Empire“-Ausmaßen, die Fortsetzung folgt erst in einem Jahr.


Spielen:

God of War [PS4]
Spartaner Kratos macht einen Deal mit einem griechischen Gott und wird -natürlich- über den Tisch gezogen. Aus Rache zieht er los und killt die gesamte griechische Götterriege einschließlich Zeus, dann setzt er sich zur Ruhe. Soweit die Handlung in den diversen God of War-Teilen bis 2010. Der neue Teil setzt Jahre später an: Wir sehen Kratos als gealterten Mann mit Kind in einer nordischen Sagenwelt. Seine Frau ist gerade verstorben. Ihr letzter Wunsch: Ihr Asche soll vom höchsten Berg in allen neun Welten verstreut werden. Kratos und das Kind, mit dem er nicht viel anfangen kann, machen sich auf den Weg durch Midgard. Dummerweise hat ein Mann ohne Gefühle was dagegen.

Alles anders als früher: Das neue „God of War“ unterscheidet sich komplett von früheren Serienteilen. Hier steht die Erzählung im Vordergrund, und man, ist die gut gelungen. Ist Anfangs die Entfremdung zwischen Vater und Sohn mit Händen zu greifen, wandelt sich die Geschichte im Lauf der (erstaunlich langen) Handlung zu einer Reise, bei der alle Charaktere wachsen und in einer Dualität zu den Antagonisten zeigen wie leicht es im Elternjob ist, falsch abzubiegen und den Kindern die Zukunft zu versauen statt sie zu ermöglichen.

Technisch ist das Game irre, so poliertes Gameplay und Grafik bekommt man wohl nur mit 8 Jahren Entwicklungszeit hin. Das ganze Spiel wird ohne Schnitt erzählt, der Übergang von Gameplay zu Cutscenes verläuft ohne Bruch, die Kamera schwenkt permanent um die Protagonisten herum. Damit ist „GoW“ das „Birdman“ der Spiele, nur in gut. Das ist besonders in den offenen Teilen der Welt gut zu sehen, die nicht nur toll designt ist, sondern auch interessante Nebenquests enthält. Die Geschichte wird irgendwann sogar Dialoglastig, und es ist ein Wahnsinn, wie gut diese Dialoge geschrieben sind. Sie sind logisch, natürlich, snappy, auf den Punkt – diese Leistung von Autoren und den Darstellern (vor allem: Christopher „T´Ealc-aus-Stargate“ Judge als Kratos) ist beeindruckend.

Nicht gut ist leider das Levelingsystem. Es gibt gefühlt 2.000 Rüstungen, Waffenteile, Skills, Buffs, Perks, Kristalle, Talismane, Zauber, usw., deren Nutzung sich schlecht erschließt und deren Bedienung fummelig ist. Zudem ist die Steuerung extrem überladen. Auf 6 Tasten liegen 200 Bewegungskombinationen, da vergisst man stets sieben Achtel im Kampf gegen die (recht wenigen) Gegnertypen. Das ist doof, denn das macht die Lernkurve ordentlich steil, und God Of War ist kein leichtes Spiel – zwar nie auf dem Schwierigkeitsgrad eines „Blood Souls“, aber schon nicht ohne. Man muss Hack & Slays schon mögen, um das Spiel gut zu finden. God Of War in der 2018er Auflage macht es einem leicht: Die toll erzählte Geschichte, die fantastischen Orte, die Dialoge und Charaktere wie der multiphobische Zwergenschmied muss man einfach gut finden.


Machen:


Neues Spielzeug:

Ein Alpine Stars Tech Air.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Kategorien: Momentaufnahme | 2 Kommentare

Momentaufnahme: April 2018

Herr Silencer im April 2018
„Einfach so durchgerauscht, der Monat“

Wort des Monats: „Fiorum“

Wetter: Am Monatsanfang kreislaufstressend: Nachts -1 Grad, tagsüber Sonnenschein und über 20 Grad. In der zweiten Woche kontinuierlich zwischen 15 und 25 Grad und nur gelegentliche Schauer, was die Natur schlagartig explodieren lässt und Allergiker in den Pollenwahn treibt. Die Dritte Woche nimmt sich etwas zurück, nachts landen wir wieder im einstelligen Temperaturbereich, Frost gibt es aber nicht. Tagsüber pendelt es zwischen 13 und 17 Grad und zwischen bewölkt und heiter. Am Monatsende kommt der Sommer zurück, mit Sonnenschein und über 20 Grad.


Lesen:

Heidi Benneckenstein: Ein deutsches Mädchen
Die kleine Heidi wächst wohlbehütet in einem Dorf bei München auf. Sie hat zwei Schwestern, die Mutter ist Hausfrau, der Vater Beamter. Bei den Benneckensteins scheint ein wenig die Zeit stehengeblieben zu sein. Es ist Mitte der 90er, aber die Kinder tragen ausschließlich Dirndl und geflochtene Zöpfe. Wie sehr die Zeit stehen geblieben ist, erfährt außerhalb der Familie niemand.

Tatsächlich ist Heidis Vater ein glühender Verehrer des Nationalsozialismus, der seine Kinder zu zivilem Ungehorsam erzieht, auf den kommenden Systemumsturz und den Krieg vorbereitet. Dazu werden die Kinder in den Ferien in Trainingscamps verfrachtet, die als katholische Wandergruppen auftreten, in Wahrheit aber Nazi-Organisationen angehören.

Als Heidi erwachsen wird, spielen rechte Kameradschaften weiterhin eine tragende Rolle in ihrem Leben. Über die kommt sie zur NPD, in der sie aktives Mitglied wird. Eines Tages beschließt sie auszusteigen, doch der braune Sumpf ist klebrig.

Ein mutiges Buch, das Heidi Benneckenstein hier vorlegt. Sie erzählt ihre Lebensgeschichte ganz undramatisch, so dass sie an vielen Stellen fast trivial scheint, aber in der Summe deutlich macht, was sie zu erleiden hatte. Darüber hinaus, und das ist der größere Verdienst des Buches, erhält man als Außenstehender Einblicke in das Funktionieren der rechten Szene: Die straffe Organisation und enge Vernetzung der lokalen „Kameradschaften“ in ganz Deutschland; der Erwerb von Liegenschaften im Osten, getarnt als Biobauern oder Freizeitzentren; die Verliererpersönlichkeiten, aus denen die Szene besteht, die aber oft sofort aussteigen, wenn sie etwas haben, auf das sie stolz sein können; wie Sprache („völkisch“) und Musik zur Identifikation benutzt wird; wie unter dem Anstrich von Bürgerlichkeit mit Konsensthemen („gegen Kinderschänder“) Propaganda gemacht wird.

Von der Organisation über die Denkweise bis hin zu den Charakteren werden die Mechanismen deutlich und welche Gefahr diese wenigen, aber lauten und unnachgiebigen Stimmen für die Demokratie bedeuten. Nach der Lektüre kann man als Leser nur einen Schluss ziehen: Diese Neonazi-Szene hat sich nun unter dem Dach der AfD versammelt, die mit genau diesen Mechanismen nun sehr laut Propaganda macht. Das ist die eigentliche Erkenntnis: Lies die Lebensgeschichte von Heidi Benneckenstein, ziehe Deine Schlüsse und komme zu der Erkenntnis, dass die AfD eine rechtsradikale Partei ist.

Petra Reski: Bei aller Liebe
Ein deutscher Staatsanwalt wird in Palermo von einem Transgenderprostituierten ermordet. Er hat im neuesten Geschäftsfeld der Mafia ermittelt: Flüchtlinge. Von der Unterbringung in Heimen über die Sicherheit bis hin zur Verpflegung oder der Einschleusung in andere EU-Länder, überall verdient die Mafia mit. Gesteuert wird das ganze aus Deutschland, von ausgewanderten Mafiosi. Die haben nur zwei Dinge unterschätzt: 1. Den Fremdenhass der Deutschen und 2. die palermitanische Staatsanwältin Serena Vitale, die nun zu ermitteln beginnt.

Petra Reski ist eine deutsche Journalistin und lebt und arbeitet seit den 80ern in Italien. Sie schrieb regelmäßig und sehr gut über Enthüllungsstories über das Wirken der Mafia, auch in Deutschland. Dafür verklagten sie die hier ansässige „erfolgreiche Geschäftsleute mit italienischen Wurzeln“ und gewannen vor Gericht. Reskis Verlag ließ sie im Regen stehen, sie verlor bis auf den letzten Cent alles. Sie kann aber nicht vom Thema lassen, und deshalb verpackt sie die Ergebnisse ihrer Recherchen nun in Romanform, denn im Fall einer Klage kann sie sich mit „Ist alles Fiktion“ rausreden. Ich halte Petra Reski für eine absolut brilliante Journalistin und bewundere sehr, dass sie immer weiter kämpft und sich nicht unterkriegen lässt. Ihre Zeitungs- und Blogartikel sind spitze recherchiert und spannend zu lesen, wirklich großartig. Aber dieser Roman, der ist zum Gruseln.

Das beginnt bei den Charakteren die ins comichafte überzeichnet sind und endet bei Erzählpassagen, die dumm und irrelevant sind und so verbittert klingen, als wären sie mitten in der Nacht nach einer Flasche Rotwein entstanden. Wenn ich lese, wie die Ökofreundin eines Reporters mit dem Namen „Wolfgang Widukind Wienecke“ eine Blumenkohlbar aufmacht, oder die wunderschöne, blonde, hochbeinige Staatsanwältin ständig Lippenstift nachzieht… dann möchte ich das Buch direkt wieder weglegen.

Habe ich aber nicht, denn die Machenschaften der Mafia im Flüchtlingsgeschäft sind erschreckend und detailliert beschrieben. Flüchtlinge als Geschäft, an denen jeder verdient: Mafia, Kommunen, Politiker nehmen gemeinsam die EU aus. Das ist spannend und eröffnet neue Perspektiven. Der Nachteil: Für einen Roman braucht es nicht nur Fakten, es brauch eine ordentliche Geschichte. Die verheddert sich auf halbem Weg, und am Ende franst sie einfach aus und verpufft.

Ich bin extrem zwiegespalten. Die Erkenntnisse aus dem Buch sind interessant. Für die muss man sich aber durch dumme Charaktere, ständige Übertreibungen und uninteressante Erzählpassagen kämpfen. Es gibt noch zwei weitere Romane von Reski, aber bis ich mir die antue, brauche ich eine Pause.


Hören:


Sehen:

A Series of Unfortunate Events (Season 2) [Netflix]
Violet, Sunny und Klaus Baudelaire haben es nicht leicht: Erst kamen bei einem Feuer ihre Eltern ums Leben, nun werden sie vom bösen Grafen Olaf gejagt. Dem Bösewicht ist jedes Mittel recht um an das Vermögen der Waisen zu kommen. Er nutzt die seltsamsten Verkleidungen, um die Kinder durch eine von In&Out-Listen verdrehte High Society, ein bizarres Internat, ein komisches Krankenhaus und einen grausamen Zirkus zu jagen.

Ach, herrlich! Schon die erste Staffel glänzte durch hervorragende Ausstattung und tolle Schauspieler, und die vorliegende Staffel 2 setzt hier nochmal einen drauf: Die Schauplätze sind größer, die Stammschauspieler absolut in ihren Rollen und die Gäste (wie Nathan Fillion als Jaques Snicket!) hervorragend besetzt. Wieder wurden 4 Bücher verfilmt, jeweils in zwei Teilen. Dabei sind die Produzenten mutiger geworden, was dem Ganzen gut tut: Ein neuer Handlungsstrang zeigt nun die Bemühungen der geheimnisvollen Organisation „FF“ den Waisen zu helfen. Das bringt wohltuende Abwechselung und verhindert, dass die Serienepisoden ähnlich holzschnittartig ablaufen wie die Bücher. Sehr gelungene Fortsetzung, bei der allein schon jede Sekunde Screentime von Neil Patrick Harris („How I met your Mother“) als Graf Olaf ein böse kicherndes Vergnügen ist.

A Couch in New York [Theater im OP]
Psychanalytiker Harriston ist genervt. Das Leben des New Yorker Psychologen könnte so akkurat geordnet sein, wenn nicht seine durchgeknallten Patienten wären. Kurzentschlossen gibt er eine Anzeige auf, um sein Appartment am Central Park für einige Wochen gegen eines in Paris zu tauschen. Auf die Anzeige meldet sich Mademoiselle Sauniere, eine chaotische Tänzerin, die ihre ganz eigenen Gründe hat aus Paris zu fliehen.

Angekommen in der jeweils anderen Stadt übernehmen die beiden nicht nur die Wohnung des jeweils anderen, sondern hinterlassen auch Spuren in den Fußstapfen des anderen Lebens.

Schön gespielt, funktionales Bühnenbild. Leider fehlt der Punch, den ein solch komödiantischer Stoff erfordert. Die Inszenierung ist zu träge, zu langatmig. Das man nach 10 Minuten weiß, wie die Story ausgehen wird – geschenkt. Aber das viele Gags wird aus drei Kilometern Entfernung angekündigt und dann in zäher Langsamkeit ausgewalzt werde, bis sie nicht mehr lustig sind, das ist bitter. Die Laufzeit beträgt zweieinhalb Stunden, und ist damit rund eine Stunde zu lang. Hätte man hier und da etwas gerafft, wäre die „Couch“ das lustigste Stück seit langem im ThOP gewesen. So wird es leider in Erinnerung bleiben als die Vorstellung, die dank langer Laufzeit, zuspäten Beginns und überzogener Pause insgesamt dreieinhalb Stunden Sitzfleisch verlangte.

Im Nachgang zum Stück habe ich mir übrigens die Verfilmung des Stoffs von 1996 mit Juliette Binoche und William Hurt angesehen. Die ist erstaunlicherweise unerträglich lahmarschig und einfallslos inszeniert, die Dialoge grenzen an Schwachsinn und manche Szenen sind so absurd umgesetzt, dass es zur Qual für die Darsteller wird. Am ThOP hat man den Film Szene für Szene nachgespielt, allerdings all dessen Schwächen mitgenommen UND das Tempo weiter gedrosselt – das tut dem Stoff nicht gut. Nach „irreversibel“ ist „Eine Couch in New York“ übrigens der 2. Film in meinem Leben,. den ich nicht zu Ende geguckt habe, weil ich es nicht ertragen konnte. Wenn auch aus krass unterschiedlichen Gründen.

So lange ich lebe (Jab Tak Hai Jaan) [DVD]

Shah Rukh Khan ist Bombenentschärfer, und zwar der beste in ganz Indien. Ohne Schutzanzug fordert der verschlossene Mann bei jedem Einsatz Gott und das Schicksal heraus, nur um sich danach wieder in die Einsamkeit zurück zu ziehen. Als eine junge Journalistin eine Reportage über „Den Mann, der nicht sterben kann“ dreht, entdeckt sie versehentlich sein Geheimnis. Dessen Spur führt nach London und in eine Zeit, in der Khan ein anderer Mensch war.

Ich mag diese dreistündigen Bollywood-Filme ja, zumindest, wenn sie angemessen episch und gut erzählt sind. Das ist hier der Fall: London ist eine großartige Kulisse, die Geschichte umspannt mehrere Jahrzehnte, die Tanznummern sind großartig und die Geschichte rührt zu Tränen. Ganz großes Kino, bester klassischer Khan-Film nach „Om Shanti Om“ und den Dons („Meine Name ich Khan“ läuft außer Konkurrenz).


Spielen:

Assassins Creed Origins: Curse of the Pharaohs [PS4]
In Ägypten erheben sich die Pharaonen aus ihren Gräbern und versetzen die Bevölkerung in Angst und Schrecken. Bayek geht dem nach und versucht herauszufinden, was die Ruhe der Gottkönige stört. Dabei muss er auch den Duat, das Jenseits der Ägypter, besuchen.

Nach dem langweiligen, ersten DLC „The Hidden Ones“ folgt nun die zweite und letzte Erweiterung für „Assassins Creed Origins“. Die hat es in sich und dreht alle Regler auf 11: Mit Theben, Luxor und dem Tal der Könige kommt ein großes Gebiet hinzu, in dem es wieder viel zu erkunden und zu tun gibt. Leider ist das meiste davon wieder trivialer Mist. Die üblichen, hässlichen und schlecht gesprochenen NPCs, die mehr nach Verkehrsunfall als nach Personen aussehen, geben einem doofe Fetchquests oder jammerlappige Suchmissionen. Das nervt, und um es mal ganz klar zu sagen: Wenn ich noch ein Mal ein verschwundenes Kind finden und aus einer Höhle tragen soll, werde ich Balg von der nächsten Klippe werfen.

Zum Glück belässt es der DLC dabei nicht. Er erzählt eine stimmige Hauptgeschichte und eröffnet mit dem Jenseits ganz neue und abstrakte Szenarien. Leider ist die Story wieder nicht besonders gut erzählerisch in Szene gesetzt, dennoch macht es Spaß ihr zu folgen. Herausfordernd ist es allemal, das Levelcap wurde auf 55 angehoben, was im Kampf gegen Nofretete oder Ramses auch nötig ist. „Curse of the Pharaohs“ ist daher empfehlenswert für alle, die das Hauptspiel mochten, die aber nicht einfach nur more of the same wollen.

Assassins Creed: Rogue [PS4]
Die amerikanischen Kolonien im 18. Jahrhundert: Der Assassine Shay Cormac wird von der Bruderschaft auf geheime Missionen geschickt, in denen er Tempel der Vorfahren aufspürt. Diese speziellen Tempel enthalten Artefakte, die seismische Beben auslösen können. Durch Shays Mission wird ein Erdbeben ausgelöst, das 1755 Lissabon vernichtet und tausende Menschen das Leben kostet. Daraufhin fleht Shay die Assassinen an, diese Artefakte in Ruhe zu lassen – ohne Erfolg. Um zukünftige Katastrophen zu verhindern, flieht Cormac aus der Bruderschaft und macht Jagd auf seine alten Freunde und Kollegen.

„Rogue“ erschient 2014 zeitgleich mit „Unity“. Während letzteres auf der neuen Konsolengeneration grandios floppte, weil es neue Dinge wagte, aber buggy veröffentlicht wurde, setzte „Rogue“ auf PS3 und XBOX 360 auf Bewährtes: Die Engine von „Assassins Creed III“ mit den Seefahrtsmechaniken aus „Black Flag“, neue Texturen drüber, fertig. Damit war es nicht das bessere Spiel, wie viele Kritiker irrtümlicherweise annehmen. Es war nur runder.

Die jetzt veröffentlichte „Remastered“-Version für PS4 und XBOX One unterscheidet sich nicht groß von der vier Jahre alten Fassung. Die Grafik ist etwas höher aufgelöst, aber nicht schöner. Spaß macht es dennoch, mit der „Morrigan“ den Hudson enthochzusegeln und im Nordatlantik das Polarlicht anzugucken. Die Story trägt dabei gerade mal für 6 Stunden, bis man das Schiff entsprechend aufgelevelt und die Karte aufgedeckt hat, braucht es rund 20 Stunden. Kompletionisten werden irre ob der Vielzahl an Sammelaufgaben, bis man alles Gedöns beieinander hat, vergehen rund 50 Stunden. Wert ist es das freilich nicht, als Belohnung gibt es nur ein paar pottenhässliche Skins.


Machen:
Eine Frenulotomie.


Neues Spielzeug:

Eine neue Schreibtischplatte. Yay! hat ja nur 7 Jahre gebraucht bis ich mich dazu aufgerafft habe.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Kategorien: Momentaufnahme | Ein Kommentar

Momentaufnahme: März 2018

Herr Silencer im März 2018

Herr Silencer hatte mangels Frühling in diesem Monat viel Zeit um Filme zu schauen, was die monatliche „Sehen“-Liste etwas länger macht. Zu viel Text, aber immerhin sind die Kurzkritiken (verdientermaßen) krawallig.

Wort des Monats: „Omaschaf“

Wetter: Zu Monatsbeginn klirrend kalt, nachts -14, tagsüber -8 Grad. Dazu ist es windig, was die Sache nicht besser macht. In der zweiten Woche wird es wärmer und riecht ein wenig nach Frühling. Am zweiten Märzwärzwochenende hat es dann plötzlich 20 Grad und Sonnenschein, aber nur einen Tag lang. Es folgen: einstellige Temperaturen und Regen, dann kommt der Winter mit -8 Grad und Schnee zurück. In der letzten Märzwoche arbeitet sich das Wetter wieder auf das Niveau eines kalten Novembers hoch, mit 3 Grad und Regen. Schön ist das alles nicht.

——————————————————————————————————————————————————-

Lesen:

Haznain Kazim: Krisenstaat Türkei
Was ist nur mit der Türkei los? In der deutschen Wahrnehmung war das Land bis vor einiger Zeit verlässlicher Nato-Partner, vielleicht nicht für den Beitritt zur EU geeignet, aber auf jeden Fall für Urlaubsreisen. Seit zwei Jahren dreht Staatschef Erdoğan scheinbar unvermittelt im Roten und stößt jeden Tag neue Drohungen in Richtung Westen aus. Was ist da los?

Dieser Frage geht Hasnain Kazim nach. Der Korrespondent des SPIEGEL zeichnet die Entwicklung der Türkei historisch und politisch nach und fokussiert sich dann sich auf die Geschehnisse der vergangenen 30 Jahre. Das Schicksal des Landes ist dabei eng verbunden mit der Person des Recep Tayyip Erdoğan. Der kam aus einfachen Verhältnissen, wurde Bürgermeister von Istanbul und schaffte einen erstaunlichen Spagat: Er demokratisierte er das Land und nährte es an den westlichen Wertekanon an, und zwar während er gleichzeitig der Religion einen höheren Stellenwert einräumte. Vor einigen Jahren aber schwenkte das um, Erdoğan und seine Partei begannen das Land in eine Autokratie umzubauen, Opposition zu dezimieren, freie Presse zu vernichten, Brücken zum Westen abzubrechen und Krieg gegen die Nachbarländer zu führen.

Sehr lesbare Geschichts- und Politikstunde, die erklärt, dass Erdoğans Wandel gar nicht unvermittelt kam, sondern eine lange Vorgeschichte hat. Es ist auch ein sehr persönliches Buch, denn Kazim geriet selbst in den Fokus Erdoğans und wurde wegen seiner Pressearbeit zum Verräter und Feind der Türkei erklärt. Kazim und seine Familie wurden vom langen Arm der AKP und Erdoğan bis nach Deutschland verfolgt. Ich bin mir nicht sicher, wie ein einzelner Mensch so viel Hass aushalten kann, allein dafür schon: Hochachtung!

Die entscheidende Frage nach Erdoğans Motiven kann auch Kazim nicht final beantworten, die belegbaren Vermutungen aber machen Angst: Die Erdoğan träumt anscheinend von einem neuen osmanischen Reich, einer tiefreligiösen, sunnitischen Türkei in den Grenzen von 1920. Auch die Frage nach der Zukunft beantwortet der Autor pessimistisch: Erdoğans Kunststück ist es, ein „die ganze Welt ist gegen die Türkei“-Gefühl zu schaffen, weshalb bei vielen Fragen selbst die Reste der Opposition an seiner Seite stehen.

——————————————————————————————————————————————————–

Hören:

———————————————————————————————————————————————————

Sehen:

Red Sparrow [Kino]
„Ihr müsst herausfinden, was die andere Person am meisten auf der Welt begehrt und dann zu diesem Puzzleteil werden“. Das ist der Auftrag der „Spatzen“, jungen und schönen Männern und Frauen, die in Russland zu Agenten ausgebildet werden. Denn: „Der kalte Krieg hat nie geendet, er ist nur in viele Teile zerbrochen“. Die Worte der Ausbilderin begleiten die Arbeit einer Neurekrutin. Deren Träume von einer Laufbahn als Ballerina sind gerade geplatzt, ihr Onkel bietet ihr einen Platz im „Sparrow“-Programm. Tatsächlich erweist sich die junge Frau als Naturtalent in der Manipulation von Menschen. Sie erkennt allerdings nicht nur deren Begierden, sondern auch ihre Schwachstellen, was sie zu einer gefährlichen Waffe macht. Da ihre eigenen Motive im Dunkeln liegen, weiß niemand wohin diese Waffe zielt.

Die ersten Trailer ließen vermuten, dass „Red Sparrow“ eine actionalastige „Black Widow“-Story ist, sehr ähnlich zum brutal-blöden Prügelfilm „Atomic Blonde“. Dem ist zum Glück nicht so. „Red Sparrow“ ist ein ruhiger, langer und dennoch hoch spannender Film mit Elementen die man nicht oft im Kino sieht. So erschreckt er bspw. immer wieder mit beiläufiger, aber extremer Gewalt. Jennifer Lawrence spielt mit Deppenpony, völlig ausdruckslosem Gesicht und toten Augen ihre Rolle bewusst unempathisch und verleiht ihr damit und durch ihre Körperhaltung eine faszinierende und spröde Tiefe.

Das die Story sich windet und twistet bis das Hirn der Zuschauer eine Brezel ist und bis zur letzten Minute unklar bleibt, welche Motivation Lawrence hegt, ist überaus spannend.

Ein seltsamer Nachgeschmack bleibt aber, wie immer, wenn es um Filme mit militärischem und ideologischen Inhalten geht. Zum einen wird die Ideologie hier wirklich stark gebuttert – auf der einen Seite der unmenschliche, russische Militärapparat, auf der anderen Seite der knuddelige, verliebte Amerikaner – zum anderen hat man die Rolle des bösen, russischen Onkels ausgerechnet mit einem Putin-Lookalike besetzt. Tatsächlich bekommt man den Eindruck über die Laufzeit nicht aus dem Kopf, dass hier Putin charakterisiert und dämonisiert wird. Das ist unnötig, dumm und lässt die Vermutung offen, dass „Red Sparrow“ der erste einer neuen Generation von Propagandafilmen ist. Der Film hat mich sehr beeindruckt, er ist handwerklich spitze, aber solche Propaganda will ich nicht.

What happened to Monday [PSN]
Zwanzig Minuten in der Zukunft: Die Erde ächzt unter Überbevölkerung, Regierungen beschließen rigide Ein-Kind-Policies. Zweit- und Drittgeborene werden gnadenlos von einer Spezialeinheit der Polizei aufgespürt und in Cryokammern eingeforen, um in einem späteren Jahrhundert -wenn die Bevölkerung auf ein erträgliches Maß geschrumpft ist- wieder aufgetaut zu werden.

In dieser Welt bekommt eine junge Frau heimlich eineiige Siebenlinge und stirbt während der Geburt. Ihr Vater versteckt die Kinder vor den Behörden, benennt sie nach den Wochentagen und erzieht sie streng: Nur innerhalb ihre Verstecks dürfen sie sie selbst sein, nach Außen hin teilen sie sich alle eine Identität, die sie jeweils an ihrem Namenstag verkörpern. Doch eines Montags kommt Monday nicht nach Hause, und ihre Geschwister machen sich Sorgen. Sollte Monday etwas passiert sein, wäre die Identität der anderen sechs Frauen auch verloren.

Oh Mann. Das gibt es doch nicht.

Da wird ein Film gedreht, der eine superdüstere Prämisse als Ausgangspunkt nimmt um eine sehr interessante Situation zu entwickeln. Die Exposition ist auf Niveau einer guten Phillip K. Dick-Story, und dann auch noch Powerfrau Noomi Rapace in sieben unterschiedlichen Rollen – das kann doch nur intelligente Unterhaltung werden, oder?

Leider nein, ganz im Gegenteil. Um es mal kurz zusammen zu fassen: Nach der gelungenen ersten halben Stunde wird der Film zutiefst unsympathisch. Er will keine Geschichte erzählen, keine Spannung aufbauen, er bringt keine philosophische Botschaft rüber. Nach der Einführung, die die Erwartung an einen intelligenten SciFi-Thriller weckt, hat der Film urplötzlich keinen Bock mehr clever zu sein und will winzig und allein Krachbummaction zeigen und Noomi Rapace leiden lassen. Das es die Protagonistin sieben Mal gibt, wird lediglich als Gelegenheit genutzt um sie als ihr eigenes Kanonenfutter zu inszenieren. Ihr werden die Arme gebrochen, Augen ausgerissen, sie wird erstochen, erschossen und von Gebäuden geworfen.

Der Film geht so dermaßen unsympathisch mit seinen Protagonistinnen um, dass man die Filmemacher schütteln und anschreien möchte. Warum? Was soll das? Warum all das Worldbuilding und der tolle Auftakt, wenn es am Ende nur darum geht, möglichst viele Rapaces einfach so umzubringen? Die eigentliche Story kommt dann als völlig unglaubwürdiger Plottwist daher und negiert im Nachgang auch noch die Exposition, denn die nimmt sich ausgerechnet für die Rechtfertigung des Endes nicht genug Zeit.

Obwohl er überall gute Kritiken eingefahren hat: „What happened to Monday“ ist ein kleiner, mieser, unsympathischer Krawallfilm, der so wirkt, als ob die (allesamt männlichen) Macher ihren Hass auf starke Frauen ausleben würden. Wi-der-lich.

Ein Dorf sieht schwarz [Amazon Video]
Frankreich 1975: Seyolo Zantoko hat gerade sein Medizinstudium in Lille abgeschlossen, als er einen Job auf einem Kuhdorf nördlich von Paris angeboten bekommt. Um der französischen Staatsbürgerschaft Willen zieht der Kongolese samt Familie auf´s Land und eröffnet eine Praxis. Jetzt prallen Welten aufeinander: Die gebildeten Städter sehen sich mit Dörflern konfrontiert, die zum ersten Mal in ihrem Leben farbige Menschen sehen. Und egal wie sehr sich die Zantokos auch bemühen, sie bleiben Außenseiter und die Praxis leer.

Die Geschichte ist wahr, vor zwei Jahren machte der Sohn Zantokos mit einem Rap auf sein Heimatdorf in der französischen Provinz aufmerksam. 1975 sagte hier sagt keiner der ´Schtis „Willkommen“. Obwohl der Film eine Komödie ist, liegt über allem die Bitterkeit und Frustration, die die Lebensjahre der Familie prägten. Tatsächlich funktioniert hier gar keine der Integrationsbemühungen der Familie, die in ähnlichen Filmen innerhalb einer Trainingsmontage zu Erfolgen führen. Hier nicht: Zantoko nimmt am Dorfleben teil, er geht in die Kneipe, er erweist sich als lieber Kerl – aber niemand vertraut ihm als Arzt.

In der Summe ein grundsympathischer, kleiner Film, der nette und leichte Unterhaltung bietet und den man sich schon wegen der umwerfend schönen Aïssa Maïga oder dem 70er-Nostalgieflair angucken kann.

Tomb Raider (2018) [Kino]
Lara Croft ist chronisch Pleite. Dabei könnte sie sofort in Geld baden, wenn sie endlich ihren seit Jahren verschwundenen Vater für Tod zu erklären und sein Erbe annehmen würde. Stattdessen schlägt sie sich als Fahrradkurierin in London durch. Zumindest so lange, bis irgendein Plotdevice dafür sorgt, dass sie auf einer japanischen Insel landet und sich dort mit Söldnern keilt.

Reich, sexy, unbesiegbar, gebildet. Mörderoberweite, zwei Pistolen, tötet am Fließband. Das war Lara Croft vor 22 Jahren.
Das Bild stimmt schon seit dem 2013er Reboot der Spielerserie nicht mehr. Darin ist Lara ist eine normal gebaute, junge und verletzliche Frau, die über die Geschichte des Spiels eine Wandlung durchmacht. Ziemlich genau diese Geschichte erzählt der Film nun auch noch mal. Gut daran ist, dass er sich Zeit nimmt, um die neue Lara zu charakterisieren. Nach hinten raus fällt das Ganze aber ziemlich auseinander, weil statt der Story des Spiels einfach Versatzstücke verschiedener Games und Filme aneinander geklebt wurden. Als popkulturell gebildeter Zuschauer nimmt man die letzte Stunde des Films als Flickenteppich aus „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ und „Uncharted“ wahr, der nachgeschobene „Twist“ ist hingegen nur für Leute überraschend, die die Spiele nicht kennen.

Dass das Ganze trotzdem funktioniert liegt an zwei Dingen: 1. Den hohen Production Values. Was hier gezeigt wird, sieht alles nicht billig oder digital aus, das sind echte Kulissen und echter Dreck. 2. Alicia Vikander, ausgerechnet. Die 29jährige Schwedin kennt man als Roboterfrau aus „Ex Machina“, aus dem Reboot von „Codename UNCLE“ und dem 2016er Jason Bourne Film, falls den noch jemand gesehen hat. Für die Rolle der Lara Croft hielt ich sie für eine Fehlbesetzung, denn Vikander ist Tänzerin und sieht auch so aus. Eine Ballerina mit einer Stirn so hoch wie ein Haus sieht auf Fotos nicht glaubhaft nach einer Actionheldin aus, ich hätte mir Camilla Luddington (die Lara in den neuen Games spielt) gewünscht.

Oh, wie sehr ich daneben lag. Vikander ist keine Fehlbesetzung, sie ist der Grund, warum der Film nicht auseinanderfällt. Man muss sie in Action erleben, denn sie ist nicht nur eine hervorragende Schauspielerin, die mit einem Blick mehr sagt als andere in 5 Zeilen Dialog, sie hat sich für die Rolle auch ordentlich Muskeln antrainiert. Ihr nimmt man die durchtrainierte, zähe -aber ungebildete- Fahrradkurierin und Kickboxerin ab. Genau wie die Entwicklung, die sie durchmacht: Wie im Game wächst Lara auch im Film an ihren Herausforderungen, und das ist glaubhaft, schmutzig und schmerzhaft, man leidet wirklich mit ihr mit.

Der 2018er „Tomb Raider“ bietet eine mäßige Story, eine schöne Ausstattung und eine herausragende Protagonistin. Dabei heraus kommt mittelgute Unterhaltung. Das ist aber schon mehr, als viele andere Gameverfilmungen schaffen, siehe zuletzt das „Assassins Creed“-Debakel von Michael Fassbender, mit dem Alicia Vikander übrigens verheiratet ist. Was man dem Film auch zugute halten muss: Er erzählt eine Originstory, da kann man Holprigkeit noch Durchgehen lassen. Im nächsten Teil dann aber bitte ein wenig mehr Eloquenz und Mut zur eigenen Story, der Grundstein dafür ist gelegt.

Dark [Netflix]
In einem Dorf in Niedersachsen verschwinden seit 30 Jahren Kinder. Leute stehen im Regen und gucken betroffen.

„Dark“ kam vor einigen Wochen raus und wurde als erste deutsche Netflix-Serie von der Kritik total abgefeiert. Warum eigentlich? Das ist mir unklar, denn viel mehr als diesen USP bietet die Serie nicht. Dabei fängt es zunächst ganz OK an: Die Story scheint interessant zu sein. Leider wird dann das große Mysterium (wer in eine Höhle klettert reist durch die Zeit) für die Zuschauer schon in Folge 1 gelüftet, die handelnden Figuren bekommen das aber erst in Folge 7 heraus. Das bedeutet: Bis endlich die Charaktere zum Wissensstand der Zuschauer aufgeschlossen haben, tritt die Serie geschlagene sechs Folgen auf der Stelle. Die Zeit wird damit überbrückt, dass unsympathische Charaktere irrsinnig miese Texte aufsagen, während sie verbissen in die Kamera gucken. Echt, mehr passiert nicht.

Im letzten Drittel nimmt die Serie dann mal ein wenig Fahrt auf und erzählt ihre Story auf drei Zeitebenen, an der behäbigen Erzählweise ändert das aber nichts. Die, an sich banale, Geschichte wird weiterhin quälend langsam erzählt. Komplexität wird hier nur simuliert, über ein bizarres „Wenn die Tante meines Schwippschagers meine Nichte ist, wer ist dann mein Onkel, wenn der 1986 durch die Zeit gereist ist?“-Verwandtschaftsspiel. Das ist verwirrend, aber nicht spannend. Und während die Protagonisten noch damit beschäftigt sind im niedersächsischen Regen zu stehen, verbissen zu gucken und schlechte Texte aufzusagen, langweilen sich die Zuschauer vollends zu Tode. Das am Ende, nach all der Zeitverschwendung, auch noch sämtliche Handlungsbögen mitten in der Luft hängen bleiben, ist dann nochmal eine besondere Qualität von Unverschämtheit.

Neben den Story- und Pacing-Problemen sind weitere Nervfaktoren auf Anschlag gedreht: Die Musik ist VIEL zu dramatisch und VIEL zu laut abgemischt. In nahezu jeder Szene kreischt eine Horror-Geige oder es droht ein unheimlicher Bass, selbst wenn nur triviale Dinge passieren. Man stelle sich in dem Zusammenhang eine Supermarktkasse vor, an der eine Oma gerade in Centstücken zahlt. Nun stelle man sich vor, wie diese Szene unterlegt ist mit der Musik aus der Duschszene von „Psycho“, und zwar drei Stufen lauter als der Rest des Tons. Dann schwillt die Musik immer weiter an – aber es passiert halt nichts weiter, als das die Oma im Portemonnaie stochert. Passt nicht, oder? Aber genau das macht „Dark“ permanent!

Zum Teil überdeckt die Musik sogar die Dialoge. Nicht, das es darum schade wäre, denn die sind wirklich, wirklich absurd mies, und sie werden zudem von einigen der schlechtesten Laienschauspieler vorgetragen, die ich je gesehen habe. Das auch die Rollen größtenteils ärgerlich dumm geschrieben sind, macht die Sache nicht besser. Die meisten Figuren sind wandelnde Klischees, manche absurd übersteigert. Höhepunkt: Der Uhrmacher, der nebenbei Experte für interdimensionale Quantenraumfaltung ist, WEIL MAN JA ALS UHRMACHER AUCH IRGENDWIE MIT ZEIT UND SO ZU TUN HAT UND SOWAS HALT WEIß. Geht´s noch? Das ist lazy writing, aber auf die Spitze getrieben.

„Dark“ hat genau eine interessante Idee, deren Lösung es aber gleich zu Anfang verplempert und den Rest schlecht inszeniert. Am ehesten kann man noch die dunkle Bildästhetik mögen, die mal an Lynch, mal an Fincher angelehnt ist. Wer aber allein deswegen die Serie mag, hat beim Schauen Ohren und Hirn ausgeschaltet. Nein, ein 120minütiger Film hätte hier vermutlich besser funktioniert. Für Staffel 2 (die schon beschlossen ist) möge wenigstens jemand den Verantwortlichen für den Ton im Schrank einsperren.

Boat People Projekt: Dorf [Theater im Schloß Gieboldehausen]
Eine Gruppe von potentiellen Investoren kommt in das Dorf Hausen. Dort erhalten sie Einblicke in Familienleben, Dorfgemeinschaft, aber auch die Probleme, die das Leben auf dem Land so mit sich bringt.

Die „Investoren“, das sind die Zuschauer, die in Gruppen in fünf Spielräume innerhalb des alten Schlosses in Gieboldehausen geführt werden. Dort erlebt man unterschiedliche Kammerspiele, vom René Pollesch´ken Dialog im Dunkeln bis hin zum Musical am Küchentisch. Der Cast ist riesig, fast 30 Personen aus den Dörfern des Landkreises haben das Stück gemeinsam geschrieben und führen es hier auf.

Ich war erst sehr skeptisch, weil sich das ganze Projekt der Gruppe „Boat People Projekt“ sehr nach einer verkopften High-Concept-Idee anhörte, der ich keine große Chance zum Funktionieren einräumte. Ich lag zum Glück falsch und hatte ich aber sehr großen Spaß an dem ungewöhnlichen Stück, denn peinliche Zuschaueraktionen werden hier weitgehend vermieden, dafür legen sich alle Laiendarsteller gut gelaunt ins Zeug. In der Summe ist „Dorf“ eine spielgewordene Liebeserklärung an das Leben auf dem Land und die Auswirkungen auf das eigene Leben, wenn man die Entscheidung dafür trifft. Toll, lustig und stimmig gemacht.

———————————————————————————————————————————————————

Spielen:

Assassins Creed Origins: The Hidden Ones [PS4]
Zehn Jahre nach den Ereignissen des Hauptspiels: Der Orden der „Hidden Ones“ steht auf der Halbinsel Sinai schon wieder vor der Auslöschung. Bayek muss dort mal selbst nach dem Rechten sehen.

Kurzer DLC zu „Origins“, hebt das Levelcap auf 50, bringt null Neues: Wieder assassiniert man sich durch eine Hierarchie, diesmal von Römern. More of the Same, braucht niemand. Nicht mal hübsch ist die neue Location, die Halbinsel besteht nur aus Felsen und Steinbrüchen.

———————————————————————————————————————————————————

Machen:

———————————————————————————————————————————————————

Neues Spielzeug:

Ein Trackimo!

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Kategorien: Momentaufnahme | 2 Kommentare

Momentaufnahme: Februar 2018

Herr Silencer im Februar 2018
„Nicht noch mehr Brillenmädchen!“

Wetter: Am Monatsanfang kühl, mit vereinzeltem, heftigen Schneefall. Um den 19. herum wird es eiskalt, mehr als eine Woche wird es tagsüber kaum wärmer als -2 Grad, nachts geht es bis -8 Grad. In der letzten Woche, zum meteorologischen Frühling hin, legt der Winter richtig los: -14 Grad nachts, tagsüber -6.

——————————————————————————————————————————————————-

Lesen:

Stadtpläne und Kunstführer, aber das zählt nicht.

——————————————————————————————————————————————————–

Hören:

———————————————————————————————————————————————————

Sehen:

Bladerunner 2049 [PSN]
Das Jahr 2049: Sämtliche Ökosysteme der Erde sind zusammengebrochen, es gibt keine Tiere oder Pflanzen mehr. Die Menschheit sucht ihr Heil in der Kolonisierung fremder Planeten. Damit das gelingt, werden für schwierige Aufgaben und Kampfeinsätze künstliche Menschen, die Replikanten, eingesetzt. Die werden mittlerweile nicht mehr von der Tyrell Corporation gebaut, die vor 30 Jahren nach den Skandalen um geflohene Replikanten dicht gemacht wurde. Polizisten die Replikanten jagen, die sog. „Blade Runner“, gibt es aber immer noch. Einer von ihnen, selbst ein Replikant neuerer Bauart, entdeckt etwas, was eigentlich nicht sein kann: Die Überreste eines Kunstmenschen, der anscheinend schwanger war. Diese Entdeckung hat die Macht, die Gesellschaft umzuwälzen – denn die Fortpflanzung ist es, die Menschen und Replikanten bislang eindeutig voneinander unterscheidet.

Ich hatte im Vorfeld davon gelesen, dass der Film mit seinen 165 Minuten zu lang sei, zu langsam inszeniert, insgesamt langweilig. Hielt ich alles für glaubhaft, weil schon die Standbilder zeigen, dass „2049“ dem ersten Teil treu bleibt. Warum sollte das nicht auch auf´s Erzähltempo zutreffen? Zur Erinnerung: Der erste „Blade Runner“ ist von 1982 und er galt schon vor 35 Jahren, in einer Zeit als Filme generell langsamer waren, als lahmarschig.

Umso größer war meine Überraschung als ich merkte, dass in der 2018er Auflage nun nicht nur nicht der mediokre Roman „Blade Runner II“ von K.W. Jeter verfilmt wurde, sondern eine wesentlich bessere Geschichte, und dass 2. der zweite Teil seine Laufzeit wirklich jede Sekunde nutzt – wenn auch nicht für Dialoge. In entsetzlich schönen Bildern betreibt der Film World-Building, in jeder Szene. Er erzählt uns nicht, wie schlimm verwüstet die Erde ist und wie runter die Gesellschaft – er zeigt es uns. Und das in einer kohärenten Version, die -anders als das Original- in jeder Szene einen Sinn ergibt.

Wie überhaupt jetzt alles in ein einheitliches Bild passt. Angefangen bei den komischen Geräten bis hin zu den Blade Runnern an sich ist „2049“ ist sehr sorgfältig inszeniert. Dabei beschädigt er das Original nicht, sondern macht es durch seine visuellen Erläuterungen sogar noch besser. Das die eigentliche Handlung komplex und verwoben ist und durch seine Rückbezüge deutlich macht, WIE speziell die Beziehung des Blade Runners Deckard zur Replikantin Rachel war, macht „2049“ zu einem herausragenden Film, der nahtlos in die Visionen von Philip K. Dick passt. Aber er spinnt sie noch weiter: Die Frage nach Menschlichkeit wird von einer DNA aus vier Buchstaben auf eine mit zwei Ziffern erweitert – was in der kompliziertesten Sexszene mündet, die je für einen Film gemacht wurde und zeigt, wie erfinderisch künstliche Intelligenzen sein können. Ich ziehe meinen Hut und sage leise: Wow. Dieser Film ist ein Ereignis.

Black Panther [Kino]
Irgendwo in Afrika: Im kleinen Drittweltland Wakaluba gibt es nur Schafhirten und Korbflechter. Denkt zumindest der Rest der Welt. Tatsächlich ist das nur eine sorgfältig gepflegte Fassade, hinter der sich das fortschrittlichste und reichste Land der Erde verbirgt. Hier herrscht seit neuestem König Fallera, nach alter Tradition auch „Black Panther“ genannt. Als ihn eines Tages ein Fremder herausfordert, sieht Fallera erst alt aus und sich dann mit der Frage konfrontiert, was für ein Herrscher er eigentlich sein will.

Schon sehr cool, dieser Marvel-Film. In den USA wird er megamäßig dafür abgefeiert, dass der Cast fast ausschließlich farbig ist, und es thematisch um Afrika, seine Traditionen und die Ausbeutung des Kontingents geht. Das ist auch für europäische Augen und Ohren erfrischend, und dass der Main Cast zum überwiegenden Teil aus wunderschönen und starken Frauen besteht, stört dabei auch nicht.

Das ausgerechnet der Black Panther Pläne stoppt, die eine Befreiung schwarzer Minderheiten vorsehen, mag seltsam klingen, ist aber innerhalb der Geschichte gut hergeleitet. Die ist zwar stellenweise etwas langatmig, bringt aber so nebenbei einen der besten Antagonisten des Marvel-Universums mit: Killmongers Motive sind nachvollziehbar und in Teilen sogar ehrenwert, was ihn zu mehr macht als der üblichen Schablone des Evil Overlords. Da zudem die Austattung sorgfältig, Landschaftsaufnahmen toll und die Stunts auf einem irren Niveau sind, kann ich nur sagen: Ins Kino gehen, es lohnt sich.

Taschenspieler [ThoP]
Drei Personen treffen sich an einem Strand. Sie scheinen sich zu kennen, sind sich dessen aber nicht bewusst. Charakterlich sind sie grundverschieden. Während Ida sich vor dem Inhalt ihrere eigenen Handtasche fürchtet, kann man es der aggressiven Dia nie recht machen. Adi spielt derweil lieber Kegeln oder beobachtet ein Huhn.

Ein Stück, bei dem man am Ende immer noch nicht weiß, ob der Autor eine Vision und eine echte Deutung hat, oder ob das Ganze in einem Fiebertraum oder durch assoziatives Schreiben zustande gekommen ist. Spielt aber auch keine Rolle, ich mag sowas.

„Taschenspieler“ steht in der Tradition der besseren Stücke von René Polleschs. Bei denen ist auch der affektive Dialog der Weg und das Ziel, und der unterhält in diesem Stück sehr. Das liegt daran, dass die Gespräche gut geschrieben sind, vor allem aber an den sehr guten Schauspielerinnen: Anja Kütemeyer, Anja Kramer und Martin Liebetruth sind auf den Punkt besetzt und machen Ihre Sache ausgezeichnet.
Trailer https://vimeo.com/246705025

———————————————————————————————————————————————————

Spielen:

Assassins Creed Syndicate [PS4]
London, 1860: Zwillingspaar mischt Unterwelt auf. Vor zwei Jahren zuletzt gespielt. Arbeitet man zuerst den ganzen Open-World-Kram weg und macht dann die Story am Stück, ist sie zwar immer noch meh, aber etwas dichter. Aber mei, was ist das viktorianische London schön. Ausführliche Besprechung hier.

———————————————————————————————————————————————————

Machen:
Eine Städetreise: Verona, Genua, Turin und Venedig an 9 Tagen. Dabei rund 150 Kilometer gelaufen.
Wieder Zuhause: Bei den kalten Temperaturen im Wohnzimmer übernachten, das schlecht isolierte Schlafzimmer lässt sich nicht mehr wirtschaftlich auf zweistellige Temperaturen bringen.
———————————————————————————————————————————————————

Neues Spielzeug:
Eine elektrische Schall-Reisezahnbürste. Sehr cooles Teil. Ach ja, und zwei gebrauchte VIRB XEs.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Kategorien: Momentaufnahme | 11 Kommentare

Momentaufnahme: Januar 2018

Herr Silencer im Januar 2018
„…“

Wetter: Anfang des Monats irrsinnig warm, in der ersten Woche pendeln die Temperaturen zwischen 6 und 16 Grad. Dazu Regen, Regen, Regen. Dann kommt am 18. Orkan Friederike und legt Norddeutschland lahm, kurz drauf pendelt das Thermometer um Null Grad, dazu Schnee, Schnee, Schnee, der aber immer gleich wieder taut. Ab der dritten Woche klettern die Temperaturen wieder auf plus 5 bis 10 Grad.

——————————————————————————————————————————————————-

Lesen:

Michael Wolff: Fire and Fury – Inside the Trump White House
Dieses Buch ist vermutlich bald das auflagenstärkste nach der Bibel, und das ist verständlich – jeder würde gerne bei Trump Fliege an der Wand spielen, und nach eigenem Bekunden hat der Autor genau das getan: Er lungerte im Weißen Haus rum, wurde größtenteils ignoriert und hat zugehört. Dazu noch ein paar Interviews mit Staffern und Bannon, ordentlich atmosphärische Beschreibungen dazu und fertig ist das Erfolgsbuch.

Ich bin mir sehr sicher, das Wolff auch eine Prise Fantasie in den Details hat einfließen lassen – und warum auch nicht, wenn es der Lesbarkeit dient und die wichtigen Dinge stimmen.

Ob das so ist, kann niemand außerhalb des Weißen Hauses prüfen, aber fest steht: Wolffs Schilderungen erklären eine Menge Phänomene, die man von Außen beobachten kann. Damit meine ich nicht die Cheeseburger-im-Bett-Stories, auf die das Buch in den Medien reduziert wird, sondern die Schilderung der Machtzirkel um Trump herum.

Das Ziehen und Zerren von Jared Kushner und Ivanka Trump auf der einen Seite, Bannon auf der anderen und Reince Priebus irgendwo dazwischen. Die Schilderungen der Aktionen dieser Gruppen sind der Kern des Buchs. Beim Lesen insbesondere der Schilderungen von Bannons Doktrin bin ich doppelt dankbar, das der Kerl bei Trump in Ungnade gefallen ist – der hätte sonst noch richtig gefährlich werden können. Empfehlenswerte Lektüre, spannend zu lesen!

——————————————————————————————————————————————————–

Hören:

———————————————————————————————————————————————————

Sehen:

The Good Place (Season 2) [Amazon Video]
Eleanor (Kristen Bell, „Veronica Mars“, „Assassins Creed II“) stirbt bei einem Unfall und wacht im „Good Place“ auf. So erklärt es ihr zumindest Michael (Ted Danson, „Cheers“, „CSI“), aber am Ende von Staffel 1 erfahren wir: Alles gelogen, in Wirklichkeit ist die Dauergrinsende-Glücklich-Nachbarschaft ein Versuch des Bad Place. Die Dämonen wollen mehr Freizeit und versuchen deshalb eine Konstellation schaffen, in der Menschen sich gegenseitig die Hölle bereiten. Nur: Das funktioniert nicht so wie geplant, und nach 816 Neustarts des „Good“ Place muss Michael sich auf einen Deal mit Eleanor einlassen.

Bright [Netflix]
Los Angeles in der Gegenwart, aber einer alternativen Welt: Menschen sind nicht die einzigen Humanoiden, und schon gar nicht die herrschende Spezies. Die Welt wird beherrscht von den schönen und reichen Elfen, die Menschen stehen gesellschaftlich knapp über den in Gangs organisierten Orks. Um deren Inklusionsfähigkeit zu testen, wird ein Ork versuchsweise zum Polizeioffizier gemacht und geht mit Will Smith auf Streife. Das klappt überhaupt nicht und eskaliert, als die beiden Cops in ein magisches Drogenhaus gerufen werden.

Fängt langsam und leicht langweilig an, entfaltet dann einen unheimlichen Sog und lässt einen nicht mehr los: Bright ist ein Film, der voller netter Ideen steckt. Problem dabei ist, dass er sich nicht so ganz entscheiden kann wo er hinwill. Actionthriller? Copmovie? Sozialkritische Dystopie? Am Ende macht er von allem etwas. Die dabei entstehende Mischung ist etwas unfokussiert, aber nett anzuschauen. Dazu tragen auch die wirklich guten Schauspieler bei. Und das Noomi Rapace hier als Ivank-Trump-Lookalike so richtig böse sein darf, ist eine sehr charmante Idee.

Birdman [BluRay]
Riggan Thomas war in den 90ern mal ein Star. In Superheldenfilmen spielte er den „Birdman“, dann ging es mit seiner Karriere bergab. Heute versucht er sich an einer Off-Broadwayinszenierung eines selbstverfassten Theaterstücks. Kurz vor der Premiere geht alles drunter und drüber: Der Hauptdarsteller wird von einem Scheinwerfer erschlagen, der Ersatz ist offensichtlich verrückt, Riggan geht das Geld aus und eine Kritikerin schwört, ihn zu vernichten – weil Leute die Figuren wie „Birdman“ spielen keine Schauspieler seien, sondern lediglich unbegabte Promis. Während Riggan unter dem Druck anfängt zu bröckeln, wird Birdman immer stärker.

Der Film wirkt, als wäre er komplett in einer Einstellung gedreht. Das ist aber schon der eine Trick des Ponys, der Rest ist so Artsy-Fartsy (inkl. Jazzuntermalung!!) das es nervt.

A Kurdish Movie [Vimeo]
Claudio von Planta ist der Kameramann, dem wir „A long Way Round“ und „A long way South“ zu verdanken haben. Dank einer Corwodfundingaktion fährt er jetzt mit einem knorrigen Iren auf Moppeds durch Nordsyrien. Die Reise hat durchaus bewegende Momente, etwa wenn die beiden von einem Polizeipräfekten alte Hondas geschenkt bekommen, oder wenn sie in Frontnähe durch verlassene Geisterorte fahren, an denen man noch sieht, wie viel die syrischen Flüchtlinge zuückgelassen haben.

Was mir nicht gefällt ist der Mangel an Narration. Von Planta hält einfach drauf und schneidet einzelne Szenen zusammenhanglos aneinander. Es gibt kein Voiceover, keine Erklärungen, nicht mal eine Übersichtkarte. Und nach 45 Minuten ist der Film einfach abrupt vorbei. Daran sieht man, dass ein Kameramann noch keinen guten Film macht. Für die 2,95 Euro Leihgebühr, die Vimeo dafür haben möchte, kann man sich das aber durchaus angucken.

Foto: Britta Korkowsky (http://www.thop.uni-goettingen.de)

Shirley Valentine [Theater im OP]
Shirley Bradshaw leert eine Flasche Wein und redet mit der Wand, während sie das Abendessen zubereitet. Donnerstags muss es immer Hackbraten geben, und der muss genau in dem Moment auf dem Tisch stehen, wenn ihr Mann nach Hause kommt. Das ist eigentlich schon alles, was man über das Leben der englischen Unterschichtenhausfrau wissen muss, alles andere kann man sich vorstellen.

Mit Mitte 40 ist sie zu alt für Neues, die Kinder sind aus dem Haus – Shirley Bradshaw wird nur noch für den Hackbraten gebraucht. Da bietet sich plötzlich eine Gelegenheit, dem Stumpfsinn für zwei Wochen zu entfliehen. Eine Freundin bietet Shirley an, sie 14 Tage nach Griechenland zu begleiten. Sie zaudert, aber dann erinnert sie sich an eine Zeit vor der Ehe, als sie noch Shirley Valentine hieß. Am Ende findet sie nicht nur die Kraft, ohne ihren Mann zu verreisen – sie kehrt auch nie in ihr Hackbratenleben zurück.

Das ThoP startet mit einer kleinen, aber sehr feinen Produktion ins neue Jahr. „Shirley Valentine“ ist ein tragkomisches Einpersonenstück, das die Darstellerin Birthe Schulz-Kolling tatsächlich ganz allein stemmt und zwei Stunden lang trägt. Der Stoff überrascht – denkt man nach dem ersten Akt man wüsste, wie alles weitergehen wird, ist die Freude um so größer, wenn Shirley den Ausbruch aus ihrem selbstgemachten Käfigleben schafft.

———————————————————————————————————————————————————

Spielen:

Dishonored: Death of the Outsider [PS4]
Billie Lurk, die Kapitänin der „Dreadful Whale“ aus Dishonored II, bekommt von ihrem alten Mentor Daud einen letzten Auftrag: Sie soll für ihn den Outsider töten, jenes allmächtige Wesen, das den „Dishonored“-Protagonisten stets ihre Kräfte gibt. Nur: Wie tötet man einen Gott?

Schön: Dieser Stand-Alone DLC beantwortet Kernfragen der beiden „Dishonored“-Spiele und erklärt, was der Outsider ist und woher er kommt. Serientypisch geschieht das über eine locker in Zwischensequenzen erzählte Geschichte, zwischen der Level voller Schleichen und Erkunden eingeschoben sind. Was zunächst nach billiger McGuffin-Jagd aussieht, entpuppt sich als Stealth-Adventure mit vielen Details und Nebenmissionen.

Unschön: Auch im DLC ist man mehr mit Quicksave und Quickload beschäftigt als mit Spielen. Immersion gibt´s nicht, hier läuft alles auf Trial& Error hinaus, was Geduld erfordert. Dazu kommen Glitches und Designschwächen: NPCs können teilweise durch Wände gucken, was zumindest teilweise mit einer absurden Über-powerung des Spielercharakters ausgeglichen wird.

Netter letzter Teil, reicht jetzt aber auch. Mehr muss nicht.

Außerdem als Wiederholung: Horizon: Zero Dawn Hauptspiel, Assassins Creed Syndicate

———————————————————————————————————————————————————

Machen:
Müde sein. Ich freue mich morgens beim Aufstehen schon darauf, abends wieder früh ins Bett zu gehen. Da passt es eigentlich nicht, dass das Dschungelcamp so spät kommt.
———————————————————————————————————————————————————

Neues Spielzeug:
Ein weiterer Sensor für Anna. Gebraucht gekauft, ist aber leider in der Post verschütt gegangen.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Kategorien: Momentaufnahme | 2 Kommentare

Bloggen auf WordPress.com.