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Kategorie: Das Leben

Momentaufnahme: Juli 2026

Momentaufnahme: Juli 2026

Herr Silencer im Juli 2026

Warum gibt es keine ruhigen Zeiten mehr im Jahr?

Wetter: Monatsanfang wie der Juni, mit 9 bis 13 Grad und Regen. Tagelang ist es bedeckt, Blätter fallen von den Bäumen – das fühlt sich nach Herbst an. Monatsmitte nochmal kühler, mit grauen Tagen von 8 bis 14 Grad. Regnen tut es so gut wie nicht, nirgens. In Deutschland trocknen Flüsse und Seen aus, in Italien läuft Meerwasser in die Po-Ebene und in Frankreich und Spanien brennen ganze Landstriche. In den letzten Julitagen kommt die neue Hitzewelle auch in Deutschland an, wieder sind es 36 Grad im Schatten.


Lesen:

Terry Pratchett: Lords and Ladies [1992, Kindle]
Unmittelbar nach “Witches abroad”: Nanny Ogg, Magrat Knoblauch und Esmé Wetterwachs sind wieder zu Hause in den Spitzhornbergen. Auf Magrat wartet ein Jobwechsel, von der Hexe zur Königin von Lancre. Esmé Wetterwachs wird von rebellischen Junghexen herausgefordert. Nanny Ogg bereitet ein Bad vor.

Während jede der Hexen mit ihren eigenen Problemen beschäftigt ist, formiert sich über Lancre eine lebensbedrohliche Gefahr: Nach Jahrhunderten machen Elfen Anstalten, durch die dünner werdenden Mauern der Realität zu brechen. Und anders, als alle denken, sind Elfen nicht schön und nett, sondern bezaubernd schön – und grausame Massenmörder.

Man merkt an der Sprache, dass das Buch in den 90ern entstanden ist. Aber anders als in den ganz frühen Pratchett-Werken gibt es hier schon keinen Slapstick mehr, sondern eine ordentliche Geschichte und gut ausgeformte Figuren mit ordentlich Tiefe und einer Entwicklung.

In Vielerlei Hinsicht legt “Lords and Ladies” die Grundsteine für die Weiterentwicklung der Scheibenwelt, und sogar für deren Abschluss. “The Shepherds Crown”, das 23 Jahre später erschienene, letzte Buch von Pratchett, greift Handlungsstränge, Figuren und Begebenheiten von “Lords and Ladies” wieder auf und führt sie zu einem Ende.

Interessant, heute diese Zirkelschlüsse zu sehen.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Wie Esmé Weatherwax ein blutrünstiges und halb wahnsinniges Einhorn bändigt.


Hören:


Sehen:

Shogun [2024, Disney+]
Im Jahre 1600 strandet nach wochenlanger Irrfahrt ein englisches Schiff an der Küste Japans, nur wenige Seeleute überleben. Navigator Blackthorne wird in die Machtkämpfe der Fürstenhäuser hineingezogen. Der neue Kaiser ist noch ein Kind, und mehre Fürsten wären gerne Shogun, des Kaisers Stellvertreter und damit Herrscher über Japan.

Eine Neuauflage der 80er-Jahre-Serie. Damals fokussierte alles auf Richard Chamberlain, der als Blackthorne ziemlich spicy Affären mit japanischen Hofdamen hatte und später zum Samurai unter Fürst Toranaga wurde. Das war damals schon erstaunlich aufwendig produziert, aber nichts gegen den Aufwand, den FX hier betrieben hat.

“Shogun 2024” erweckt Japan bildgewaltig und sehr atmosphärisch zum Leben.

Anders als beim Chamberlain-Vehikel fokussiert die Neuauflage nicht die ganze Zeit auf die Figur des Blackthorne, sondern gibt den japanischen Charakteren Raum und zeigt viel von japanischer Kultur und Gepflogenheiten. Das fühlt sich wundervoll und fremdartig an, was noch dadruch gesteigert wird, dass hier fast ausschließlich japanisch gesprochen wird – manchmal ohne Untertitel, so dass die Zuschauer, genau wie Blackthorne, nicht genau verstehen, was hier passiert. Sehr cooler Kniff, der das ganze authentisch macht.

Das Blackthorne nicht ständig im Mittelpunkt steht ist auch gut so, denn der Schauspieler, der den englischen Navigator verkörpert, ist ein fürchterlicher Lappen. Cosmo Jarvis ist eigentlich Musiker, und das merkt man deutlich. Seine schauspielerischen Fähigkeiten beschränken sich auf zwei Gesichtsausdrücke: Wehleidig und traurig. Im Ernst, der guckt immer so, als sei gerade sein Lieblingshund gestorben. Oder als hätte er ganz doll Zahnschmerzen. Oder als sei ihm etwas auf den Fuß gefallen. Auf jeden Fall, als würde er gleich in Tränen ausbrechen.

Null Charisma, keine Präsenz – keine Ahnung, warum der gecastet wurde. Zumal der von Schauspiellegenden wie dem Amerikaner Hiroyuki Sanada als Toranaga oder Anna Sawai als Mariko in jeder Szene völlig an die Wand gespielt wird.

Neben dem Lappen gibt es nur einen Grund zur Klage: Manche Szenen sind wieder dunkel wie ein Bärenrarsch, auf nicht-HDR-Geräten zweifelt man über weite Strecken am eigenen Augenlicht.

Sei´s drum, die Serie ist eine Wucht.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Wie der Rat im Kaiserpalast in Kyoto tagt. Da bin ich selbst schon gewesen!

Quantum Leap [2022, Joyn]
Nachdem er die Theorie aufgestellt hatte, dass man innerhalb seiner eigenen Lebenszeit Zeitreisen könne, stieg Dr. Ben Song in den Quantensprungzeitbeschleuniger und… verschwand.

Wait, what? War das nicht Dr. Sam Beckett, der Zurück in die Vergangenheit sprang und mit Hologramm Al Dinge im Leben von Personen zum Guten wenden musste?

Ja, war es. Leider wurde die Serie 1993 überraschend abgesetzt, und den Produzenten fiel nichts Besseres ein, als in der letzten Szene eine Texttafel in die Kamera zu halten, auf der der Name des Helden auch noch verkehrt geschrieben war: “Dr. Sam Becket (SIC!) kehrte nie nach Hause zurück”.

“Quantum Leap” von 2022 ist nun ein, als Fortsetzung getarntes, Remake dieser Geschichte.

Ein neues Team nimmt sich vor, Sam Beckett in der Vergangenheit zu finden, staubt dafür den alten Quantensprungzeitbeschleuniger ab und reaktiviert die etwas eigensinnige KI Ziggy. Beim Rumtüfteln macht es plötzlich ZAPP, und der Wissenschaftler Ben Song ist weg. Er findet sich nun seinerseits in der Vergangenheit wieder und muss mit Hilfe Des Quantum Leap-Teams Dinge richten.

“Quantum Leap” greift das alte Motiv von “Zurück in die Vergangenheit” auf: Einzelkämpfer springt jede Woche in eine neue Figur und an verschiedene Zeiten und Orte und wird dabei von einem Hologramm begleitet.

Die Suche nach Sam Beckett tritt dabei leider schnell in den Hintergrund, stattdessen konzentriert man sich auf den Versuch, den neuen Zeitreisenden Ben Song wieder nach Hause zu holen. Das macht die Serie dann faktisch doch weniger zu einer Fortsetzung, als vielmehr zu einem Remake von “Zurück in die Vergangenheit”. Dabei versucht die neue Serie weniger Campy zu sein als das Original und mehr Dramatik reinzubringen, was mir sehr gut gefällt.

Zugleich wird das Bild weiter aufgezogen. Es gibt nun handlungsübergreifende Erzählstränge und Zeitreise-Mysterien, die wirklich spannend sind. So gibt es z.B. Sprünge, die zusammen zu hängen scheinen, und die auf ein bestimmtes Ziel in der Zeit ausgerichtet sind, dem sich Ben Song immer weiter nähert. Ab Staffel zwei kreuzen sich diese Zielsprünge immer wieder mit dem Leben einer bestimmten Person, und führen teils 300 Jahre in die Vergangenheit oder in ganz andere Länder.

Das neue “Quantum Leap” nimmt mehr Freiheiten, was die eignen Zeitreiseregeln angeht. Sam Beckett konnte nur innerhalb seiner eigenen Lebenszeit reisen, Ben Song verschlägt es auch mal ins Jahr 1692 oder nach 2050.

Das alte “Zurück in die Vergangenheit” war zudem stets knausrig damit, uns die Gegenwart zu zeigen. Über den ganzen Serienlauf von fünf Jahren spielten gerade mal fünf Minuten in den Laboren der Zeitmaschine in der Gegenwart. Die neue Serie geht da anders ran und bietet parallel zur Vergangenheit immer auch eine Gegenwartshandlung, wobei das ganze Team hinter Projekt Quantensprung eine wichtige Rolle spielt.

Dieses Team ist eine Wucht, sowohl von den Figuren als auch von den Schauspielern. Es ist sehr divers aufgestellt: Jason Alexander Park (“Desire” aus “Sandman”) spielt den genderfluiden Quantenspezialisten Ian Wright, die Newcomerinnen Nanrisa Lee und Caitlin Bassett sind als toughe Sicherheitschefin und als Projektbegleiterin unterwegs. Der größte Besetzungscoup ist allerdings Ernie Hudson (Winston Zeddemore aus “Ghostbusters”), der den Projektleiter Herbert “Magic” Johnson mimt.

Jede dieser Figuren ist toll gespielt und gut geschrieben, jede bringt eigene Hintergrundgeschichten mit, die immer wieder geschickt in die Zeitreiseabenteuer eingewoben sind. In der Vergangenheit steht dann der Zeitreisende Ben Song im Vordergrund, nur leider ist ausgerechnet Raymond Lee in dieser Rolle nicht unbedingt brillant, um nicht zu sagen: Fehlbesetzt.

Aber nun, irgendwas ist immer, und ich freue mich, dass hier eine meiner Lieblingsserien aus den 90ern sehr liebevoll remaked wurde. Figuren, Stories, Setting – hier passt sehr viel. Für mich zumindest, für Produzent NBC leider nicht – die Serie wurde 2024 nach nur zwei Staffeln und 31 Episoden wieder eingestellt. Wie das Original mit einer sehr guten Doppelfolge… und einem Cliffhanger, der nie aufgelöst werden wird.
Schade drum.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Wie das Team herausfindet, was und wer hinter den Zielsprüngen steckt.


Spielen:

South of Midnight [2026, PS5]
In den Südstaaten der USA reisst ein Hurricane ein Haus weg. Dummerweise war darin die Mama der Teenagerin Hazel.

Hazel macht sich auf die Suche nach Haus und Mutter. Dabei wird die Realität immer dünner, und sie gerät in zunehmend verwirrendere Situationen. Bald verfolgen sie berggroße Alligatoren, sie findet baumgewordene Menschen und trifft einen sprechenden Wels. Der Wels ist es auch, der Hazel erklärt, dass sie eine Weberin sei. Ihr Erbe ist es, dass sie das Gewebe von Raum und Zeit beeinflussen kann.

“Southern Gothic” nennt man Gruselgeschichten aus den Südstaaten, und in “Sout of Midnight” werden sie allesamt wahr.

Umgesetzt wird die Alice-im-Wunderland-Story mit viel Liebe zur Story, vor allem aber einem wundervollen Artstyle. Die Grafik wirkt wie Stop-Motion, und das Intro ist sogar mit echten Figuren und in Stop Motion erstellt und wirklich herzallerliebst:

Die absolute Bombe ist aber der Sound. Ambientsounds wurden direkt in den Sümpfen Louisianas aufgenommen, und so platscht, zirpt und knarrt es wunderbar räumlich aus den Boxen.

Dazu kommt die Musik: Durch jeden neuen Level schweben zu Beginn nur lose zusammenhängende Noten oder Akkorde und einzelne Textzeilen. Im Verlauf des Levels werden die immer dichter werden und verweben sich ineinander, bis daraus zum Ende ein kraftvoller Song wird, der die Figuren oder die Geschichte beschreibt. Eingespielt sind diese Stücke von einem echten Orchester, Gospelchören und wirklich guten Sängerinnen und Sängern.

Im krassen Gegensatz zu der wunderschönen Präsentation steht das fade Gameplay. Die Erkundungs- und Puzzlesequenzen sind interessant und okay, werden aber durch Arena-Kämpfe unterbrochen. Die brechen den Spielfluss, sind repetitiv, und da es nur wenige Gegnertypen gibt, sind sie auch nicht besonders interessant. Leicht sind sie dennoch nicht, die Fließbandgegner können im Verlauf immer mehr ab und werden immer zahlreicher, was an sich schon ein billiger Kniff ist. Das Kampfsystem ist aber auch einfach nicht gut, weil es animationsbasiert ist. Holt ein Gegner zum Schlag aus, gibt es keinen richtigen Konter – selbst wenn man ihn während seiner Schlaganimation kaputtboxt, führt er den noch zu Ende.

Anders dagegen die Bosskämpfe. Die sind alle interessant, aber letztlich auch nach Schema F und zudem so schwer, das der fein einstellbare Schwierigkeitsgrad ein Segen ist.

Trotz der spielerischen Schwächen: “South of Midnight” ist ein echtes Kleinod, ein wunderschönes und einzigartiges Märchen. Leider wird es das einzige seiner Art bleiben. Das kleine Studio “Compulsion Games”, das dahintersteckt, wurde von Microsoft gekauft, “South of Midnight” XBOX-exklusiv im Gamepass an Abonnenten verschenkt und das Studio im Anschluss wegen zu geringer Verkaufszahlen(!) geschlossen.
Bastarde.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Wie Hazel erkennt, was es mit der Riesenspinne auf sich hat. Ein berührender Twist.

Nachtrag: Compulsion Games wurde jetzt doch erlaubt sich zu überlegen, ob sie mitsamt der Marke einen neuen Investor finden möchten.


Machen:

  • Urlaubsvertretung
  • Erste-Hilfe-Kurs, endlich mal wieder
  • Gewisse Dinge ziemlich beschissen finden
  • Mich mit dem Gedanken anfreunden, Anna in Rente schicken zu müssen

Neues Spielzeug:

Sidi Adventure 2 GTX
Feste Stiefel von Sidi, eine Mischung aus Touren- und Endurostiefel.
Mehr dazu hier.


Ding des Monats:

Besteck.
Endlich mal vernünftiges Besteck.

Bislang hatte ich, neben einem Sammelsurium von Einzelstücken aus diversen WGs, ein recht okayes “Auenthaler”-Besteck in kleiner Zahl. Ich hatte keine Ahnung mehr woher ich das hatte -ich dachte, das wäre recht gutes. Stellt sich aber raus: “Auenthaler” war mal eine Eigenmarke von Aldi.

Es hat 20 Jahre gute Dienste geleistet, wird aber nun abgelöst von WMF Verona. Sehr klassische Form, ein wenig Art Deco-Style. Angenehm schwer, aber nicht zu schwer. Eignet sich für den Alltag genauso wie für die festliche Tafel. Nur die Dessertlöffel sind für meinen Geschmack zu kurz.


Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Das Sterben der Motorradwerkstätten (2026)

Das Sterben der Motorradwerkstätten (2026)

Ich bin traurig, schrieb ich vor ziemlich genau einem Jahr, denn der geniale Suzukihändler schließt, weil es keine Nachfolge gibt.

Der Händler selbst war 72 und so langsam bereit für den Ruhestand. Trotz jahrelanger Suche wollte niemand den schmucken Laden und die Werkstatt übernehmen. Eigentlich war geplant, das der junge Werkstattmeister das Geschäft weiterführt. Aber Selbstständigkeit ist Risiko, und am Ende war der Sirenengesang eines Rüstungskonzerns, der mit dick Geld und 9-17-Job lockte, attraktiver.

Sehr schade. Nichts mehr mit kleiner Werkstatt, Kaffee und nettem Klönschnack. Um meine Suzuki warten zu lassen, muss ich jetzt über eine Stunde bis nach Hessen fahren und bin da dann Kundennummer 35.824 in einem großen Autohaus mit angeschlossener Motorradwerkstatt.

Lichtblick war die Werkstatt hier vor Ort. Die letzte Motorradwerkstatt in der ganzen Stadt, die immerhin 125.000 Einwohner zählt. Ich kenne diese Werkstatt seit mindestens 20 Jahren. Preislich nicht billig, aber exzellente Arbeit, Kaffee und Klönschnack inklusive.

Der beruhigende Gedanke war immer: Klar, um die Suzuki-Herstellergarantie zu halten und für Computerkram, muss ich mit der V-Strom in die weit entfernte Markenwerkstatt. Aber Reifen, Kettensatz und andere mechanische Sachen – das kann auch meine Werkstatt hier vor Ort erledigen.

Zumal dort ordentlich in die nächste Generation investiert wurde. Der Inhaber hat die Siebzig auch schon überschritten. Seit rund 10 Jahren hat er sich um eine Nachfolge gekümmert. Einen jungen Mann ausgebildet, ihm seinen Meister ermöglicht und ihm dann noch die Weiterbildung zum Betriebswirt finanziert. Das Ziel war klar: Der junge Mann sollte das Unternehmen übernehmen.

Dazu kommt es jetzt nicht mehr.
Die Werkstatt wird zum Jahresende schließen.

Stellt sich nämlich raus: Wenn man erst Mitte zwanzig ist und wenig Eigenmittel mitbringt, dann wollen einem Banken nicht unbedingt Geld geben. Auch, wenn das für ein gut laufendes Unternehmen gedacht ist – der Neumaschinenverkauf lief in den letzten zwei Jahren schneller als der Hersteller liefern konnte, und die Kundschaft war so zahlreich, das Fremdfabrikate nicht mehr angenommen werden konnten. Zudem wurden die Kunden im Ansatz wieder jünger. Aber: Man weiß ja auch gar nicht, wie das mit diesen Motorrädern generell so weitergeht.

Dazu kommt: Für ordentlich Umsatz braucht es Werkstattstunden, und die muss jemand machen. In der Branche gibt es wenig Nachwuchs. Auszubildene springen häufig nach kurzer Zeit ab – der letzte in der Werkstatt kam nach Tag 3 nicht mehr, weil: “Burnout”. Dabei macht dort niemand mehr eine Überstunde – work-life-balance hat auch bei Schraubern einen Stellenwert. Als der alte Händler seinen Laden aufgebaut hat oder wenn Zeiten kritisch waren, dann hat der auch 16 Stunden am Tag gearbeitet, aber diese Zeiten sind vorbei. Trotzdem: Der Markt der Moppedschrauber ist leergefegt, und ohne jemanden in der Werkstatt gibt´s halt keinen Umsatz.

Dazu kommt die Wirtschaftslage, gerade hier vor Ort. Südniedersachsen ist pleite, gerade hat die Stadt wieder die Gewerbesteuer erhöht. Da bleibt immer weniger in der Kasse, Selbstständigkeit wird immer unattraktiver.

Was machen eigentlich die Hersteller, wenn es keine Werkstätten mehr gibt? Müssten die nicht jungen Leuten auch Starthilfe geben, um ihr Händlernetz zu halten? Klingt logisch, aber daran scheint kein Interesse zu bestehen. Im Gegenteil, die Motorradhersteller machen es den Händlern nicht leicht. Ab diesem Jahr sind bei dieser Marke neue Fliesen und bestimmte Möbel für den Showroom vorgeschrieben, Investitionskosten: Mindestens dick fünfstellig.

Das alles hat den designierten Nachfolger so frustriert und verunsichert, dass er nun etwas ganz anderes machen möchte. Mit 76 Jahren und allein kann der bisherige Inhaber das Ganze natürlich nicht weiterführen, und so wird Ende des Jahres die letzte und beste Motorradwerkstatt im Umkreis von 50 Kilometern schließen.

Wie schrieb ich vor einem Jahr? “Händler, die in den 80ern angefangen haben und damit zur Boomer-Generation gehören, brechen nun weg und werden nicht ersetzt bzw. die Nachfolge völlig unattraktiv gemacht.”

Ich bin traurig.

Momentaufnahme: Juni 2026

Momentaufnahme: Juni 2026

Herr Silencer im Juni 2026

Wetter: Monatsanfang bei 9 bis 13 Grad und Regen. Dann kommt die (erste) Hitzewelle, Temperaturrekorde fallen wie die Fliegen, draußen sind es durchgehend über 30 Grad im Schatten, nachts kühlt es sich kaum ab. Erst am Monatsende kriegt sich das Wetter wieder ein.


Lesen:


Hören:

Spider Noir OST [iTunes]
Ausnahmeserie, Ausnahmsoundtrack: Neben orchestrale Gedöns finden sich hier verrauchte Jazz-Nachtclubversionen von “Saving Grace”, “Dream a little Dream (of me)” und “The Devil you Know”. Sehr toll, ich mag das.


Sehen:

Ladies First [2026, Netflix]
Sasha Cohen Baron (“Hugo”, “Borat”) ist Manager der Werbeabteilung der Brauerei Guinness. Er sieht sich bereits als neuer CEO des Konzerns, denn Dank seiner Seilschaften zum (rein männlichen) Vorstand hat er den Job so gut wie sicher. Frauen kommen in seiner Welt nur als Lustobjekte vor, die er zwar gut behandelt, aber nicht wirklich ernst nimmt.

Das ändert sich, als er plötzlich in einer Welt aufwacht, in der alle Geschlechterverhältnisse umgekehrt sind. Plötzlich wird er von der (rein weiblichen) Führungsriege nicht mehr ernst genommen und bekommt Dinge gesagt wie “Lächele doch mal” und muss sich gegen sexuelle Avancen von Rentnerinnen wehren. Der CEO-Job ist natürlich völlig außer Reichweite – eine langjährige, bestens mit dem (rein weiblichen) Vorstand vernetzte Managerin hat den bereits so gut wie in der Tasche, und überhaupt: Einen Mann als CEO hat es noch nie gegeben, das ist un-vor-stellbar.

Das Thema “Geschlechterumkehr” und “Mann versteht plötzlich Frauen” ist natürlich nicht neu, aber schon lange nicht mehr in Filmen behandelt worden, und schon gar nicht so. “Ladies First” zeigt uns erst ein typisches Werbagentur-Szenario a la “Mad Man in der Gegenwart”, bei dem wenig Würdigung für Frauen völlig normal ist. Das ist nicht mal dramatisch übertrieben, sondern zeigt einfach den aktuellen Stand der Gesellschaft und die alltägliche Realität von Frauen heutzutage.

DANN wird alles auf Links gedreht, und mit dem Genderswapping beginnt die Kunst dieses Films: Statt plakativ zu übertreiben, strotzen die Szenen vor kleinen, feinen Beobachtungen. Zum Beispiel, wenn sich Werbung nackter Männer bedient, wenn der Titel des Buch-Beststellers “Harriet Potter” ist, wenn sich in der U-Bahn Rentnerinnen “zufällig” an jungen Männern reiben oder wenn Frauen Vulva-Scherze reißen. Oder wenn Männer über Penisfiller und Nippelvergrößerungen nachdenken, um bessere Aufstiegschancen zu haben.

Solche Dinge passieren en passant oder im Hintergrund, provokativ im Vordergrund stehen wirklich bezeichnende Szenen. Kern ist die, in der eine reine Frauenrunde sich Gedanken darüber macht, was Männer in der Werbung wohl ansprechen wird, und die Diskussion (für jeden Mann) erkennbar in die völlig falsche Richtung abbiegt, aber der einzige Mann am Tisch nicht gehört wird. Die aufsteigende Panik von Cohen, der nicht gehört wird und trotz eindeutig besserer Qualifikation ignoriert und übergangen wird, verdeutlicht ohne jegliche strukturtheoretische Gesellschaftskritik und ohne misandrischen (das ist das Gegenstück zu “misogyn”, also frauenfeindlich) Feminismus die Probleme, mit der Frauen heute zu kämpfen haben.

Ich hatte ENORM viel Spaß mit diesem Film, der genauso gut funktioniert wie “Was Frauen wollen” aus dem Jahr 2000, und den ich auch nach wie vor sehr mag. Das liegt an den extrem gut spielenden Hauptdarstellern Sacha Baron Cohen und Rosamund Pike, vor allem aber an den mit viel Geschick geschriebenen und inszenierten Szenen.

Das einzig befremdliche: Wo “Was Frauen wollen” von Nike gesponsored und mit Product Placement vollgekleistert war, ist es hier Guiness. Das unpassend und maximal seltsam.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Cohen: “Dafür braucht man EIER!” Pike: “Hä? Eier? Diese kleinen Dinger in diesem Säckchen, das so empfindlich ist, das ihr beim geringsten Druck wimmernd zu Boden geht?” Cohen: “Hrmpf”

Spider Noir [2026 Prime]
New York, 1947: Nicolas Cage ist der knallharte, aber völlig abgebrannt Privatschnüffler. Da tritt eine Femme Fatale durch seine Bürotür und gibt ihm einen ungewöhnlichen Auftrag. So weit, so Film Noir. Was aber niemand weiß: Cage ist auch Spider Man, in dieser Eigenschaft allerdings außer Dienst.

Dafuq, was ist das denn? Kommt aus dem nichts, diese Serie, und macht ALLES richtig: Das Casting – großartig. Kostüme und Sets – fantastisch. Die Story – so Noir wir nur denkbar.
Ich bin baff.

Was man dazu sagen muss: Ich LIEBE die Filme der Noir-Bewegung, habe an der Uni Seminare dazu besucht und wissenschaftliche Arbeiten darüber verfasst. In meinem Regal steht alles Mögliche, von “The Maltese Falcon” über “Die Rechnung ging nicht auf” bis “Späte Sühne”. Film Noir war stilistisch geprägt vom deutschen Expressionismus a la “Nosferatu” und dauerte in Hollywood nur wenige Jahre, von 1941 bis 1944. Tatsächlich hat die Bewegung weitaus weniger Filme hervorgebracht, als man angesichts ihres kulturellen Impacts denken könnte – Film Noir hat mit seinen Tropes und seinem Stilrepertoire das Filmschaffen nachhaltig geprägt. Film Noir sind dunkler und roher, blicken in menschliche Abgründe und transportieren das auch visuell, z.B. durch das Spiel von Licht und Schatten.

Alle Stilmittel des Film Noir setzt “Spider Noir” meisterhaft ein und treibt den Stil auf die Spitze. Folgerichtig gibt es die Serie in Schwarz-Weiß (Zur Auswahl steht auch eine Farboption, aber… nee). Diese meisterhafte Filmkunst stellt und drapiert sie um einen Nicholas Cage herum, der in seinen besten Momenten tatsächlich an Bogart erinnert. Die Story ist spannend.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Nick Cages bizarres overacting, wenn er sich vorstellt, er sei eine Spinne.

Clarksons Farm Season 5 [Amazon Prime]
Clarkson ist zurück, und dieses Mal holt er sich… Roboter zur Verstärkung. Farmhand Kaleb ist natürlich not amused über Dinge wie den “Agbot”, aber es gibt größere Probleme: Die britische Regierung treibt Gesetze voran, die es Farmern in Zukunft unmöglich machen, ihre Ländereien an die nächste Generation weiterzugeben. Und dann sind da noch sehr persönliche Sachen…

Ich halte “Clarksons Farm” ja für das beste Stück TV-Unterhaltung seit “Top Gear”, und auch Staffel 5 enttäuscht nicht. Wunderschön fotografiert sind wieder einzigartige Momente, etwa wenn Clarkson ein Kalb zur Welt bringt, eine Vogelexpertin zu Gast ist oder Aufmärsche in London dokumentiert werden. (Wie der Zufall so will, bekam ich 2025 die Proteste sogar live mit, verstand aber damals nicht, worum es ging).

Dabei ist nicht alles eitel Sonnenschein: Die Staffel endet so düster, dass sogar die Titelcards nur in Schwarz-Weiß und nicht mit Musik unterlegt sind.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Den ultimativen Cliffhanger.


Spielen:

First Light [2026, PS5]
Über Island werden Helikopter der britischen Streitkräfte abgeschossen. Einziger Überlebender: Ein frischgebackener Junior-Airman der Royal Air Force, ein gewisser James Bond. Das ist nun in mehr als einer Hinsicht ein Problem, denn was niemand aus der Flug-Crew wusste: Das Ganze war eigentlich als Aktion des MI6 gedacht.

Bond schlägt sich durch und wird im Anschluss vom Auslandsgeheimdienst rekrutiert und ausgebildet. Dabei eckt er mehrfach mit seiner schnoddrigen und unkonventionellen Art an, deckt aber durch Zufall eine Intrige an der Schnittstelle zwischen KI und MI6 auf.

Hossa, was für ein feines Game. IO Interaktive hat ja bisher die “Hitman”-Spiele gemacht, bei denen man als heimlicher Attentäter in stundenlanger Kleinarbeit wieder und wieder verschachtelte Levels auswendig lernen muss, um Attentatsziele möglichst elegant zu beseitigen. Dazu hatte ich nie die Geduld und bedauerte mich deswegen sehr, denn die Hitman-Games sehen einfach wunderschön aus, und meine bevorzugte Charakterrolle ist der Rogue oder der Infiltrator – ich bin nur nicht geduldig und clever genug für “Hitman”.

“First Light” ist nun im Prinzip “Hitman” für Leute, die kein “Hitman” mögen oder zu doof dafür sind. Auch Bond muss viel schleichen und Gegenstände manipulieren und Wachen heimlich ausschalten. Wird er dabei aber erwischt, bedeutet das aber nicht automatisch Game Over – Bond kann sich auch mit einer geschmeidigen Ausrede aus der Affäre ziehen oder Gegner im Faustkampf niederboxen und damit Situationen wieder unter Kontrolle bekommen. Bond scheitert also beharrlich vorwärts.

Ich war einer Origin-Story gegenüber skeptisch, hatte dann aber unerwartet sehr viel Spaß. “First Light” ist wirklich toll geschrieben, hat hervorragende Schauspieler, ist abwechslungsreich und sieht wundervoll aus. Es gibt sogar eine Titlesequence mit einem eigens von Lana del Rey komponierten und eingesungenen Song:

Lediglich die (wenigen) Baller-Abschnitte waren echt frustrierend, die musste ich in der Schwierigkeit runterstellen. In diesen Sequenzen stürmen bis zu 30 Gegner mit Schusswaffen einen verschachtelten Raum, und Bond muss es mit allen gleichzeitig aufnehmen, stirbt aber selbst nach zwei Treffern.

VIELLEICHT wäre das auf normalem Schwierigkeitsgrad machbar, wenn nicht die Gegner unendlich Munition hätten, aber in jeder Waffe, die man ihnen klaut, nur noch 7 bis 15 Schuss sind. Auf normalem Schwierigkeitsgrad ist das völlig frustrierend, im einfachen bewegt man sich wie John Wick durch die Gegnerhorden und wechselt nahtlos zwischen Faustkampf und Schusswaffen. Das ist dann schon wieder cool – uncool ist, dass man den Schwierigkeitsgrad danach nicht wieder einfach hochstellen kann. Es geht, ist aber megakompliziert.

Anyhow, das ist Jammern auf hohem Niveau. “First Light” ist ein sehr tolles, abwechselungsreiches und nicht zu langes Single Player Game UND ein guter Bond. Im Ernst, das könnte man einfach so verfilmen.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Wenn enthüllt wird, was der Titel bedeutet. Das war sehr rührend.

Remember Me [2013, XBOX 360]
Ähnlich wie die Bevölkerung heute süchtig nach Smartphones ist, ist sie es im Jahr 2084 in Paris nach “Sensens”. Das sind Schnittstellen, die direkt in den Körper implantiert sind, und über die Erinnerungen ausgetauscht, gelöscht oder verändert werden können. Das hat die komplette Gesellschaft verändert: Unangenehme oder traumatische Erinnerungen werden einfach gelöscht, schöne Erinnerungen gegen Geld gehandelt. Besonders arme Menschen verkaufen ihre wertvollen Erinnerungen, vom ersten Kuss bis zu gutem Sex, bis ihre Erinnerungen quasi weg sind.

In dieser Cyberpunk-Welt findet sich Nilin in einem Gefängnis wieder, in dem ihre Erinnerung komplett ausgelöscht werden soll. Der jungen Frau gelingt die Flucht , nachdem sie einen Teil ihres Gedächtnisses verloren hat. Nun muss sie nach und nach herausfinden, wer sie eigentlich ist und was sie getan hat. Schnell stellt sie fest, das sie besondere Fähigkeiten hat: Sie kann Erinnerungen anderer Menschen stehlen oder so manipulieren, dass sie die Persönlichkeit der Menschen ändert.

“Remember Me” war das erste Werk des französischen Studios Dontnod, das später mit “Life is Strange” bekannt wurden. Der Erstling ist aber ganz anders als das bekanntere, dialoglastige Coming-of-Age Spiel. “Remember Me” ist ein reinrassiges Actionadventure, das Elemente aus den damaligen Top-Titeln “Assassins Creed”, “Uncharted” und “Arkham Asylum” geschickt verbindet und mit eigenständigen Ideen und einem fantastischen World-Building bereichert.

So turnt und klettert Nilin im Parcours über die Dächer von Neo-Paris und verprügelt Gegner in FreeflowKämpfen. Die Kampfcombos dafür lassen sich selbst konfigurieren, in einem “Kombo-Lab” lässt sich festlegen, ob und wieviele Treffer welche Effekte auslösen. So können gezielte Fausthiebe nicht nur Schaden verursachen, sondern auch Lebensenergie zurückgewinnen oder den Cool-Down für Spezialangriffe reduzieren.

Dazu kommen die Sequenzen, in denen Nilin Erinnerungen manipuliert. Zuerst sieht man eine Erinnerung als ganzes, dann kann man darin vor und zurückspulen und an bestimmten Stellen Kleinigkeiten manipulieren und den Verlauf erneut beobachten. Tut man das erfolgreich, wacht die Zielperson mit einer anderen Erinnerung auf und verhält sich anders. So wird aus dem überheblichen Banker, der eben einen harmlosen Streit mit seiner Frau hatte, ein zitterndes Wrack, weil er sich daran erinnert, sie im Streit getötet zu haben.

Auch wenn die Erinnerungsschnittstelle so aussieht, als würden alle Figuren ein Spiegelei am Hinterkopf tragen (weiß und orange sind halt nicht die besten Farben für sowas): Diese Abschnitte sind faszinierend, auch wenn sie selten sind das Potential der extrem guten Ideen darin nicht voll ausgeschöpft wird. Das ist sicherlich dem Budget und der Größe des damals noch neuen Studios geschuldet. Dennoch: ich kann mich nicht daran erinnern, das ein anderes Spiel so etwas oder diese Combo-Lab-Sache vor oder nach “Remember me” gemacht hat.

Überhaupt ist das Game eine verkannte Perle – es erschien 2013 im Fahrwasser von “The Last of US” und ging schon deswegen total unter. Ebenfalls nicht vorteilhaft: Es kam noch ausschließlich für die alten Konsolen XBOX 360 und PS3 raus, und das in einer Phase, wo PS4 und XBONE schon in den Startlöchern standen. Außerdem versumpfte das Marketing (für das ein gewisser Paul Kautz, heute Retro-Podcaster und -Redakteur, zuständig war!), denn fast zum selben Zeitpunkt war ein Film mit Robert Pattinson und dem gleichen Namen erschienen, was das Game un-googlebar machte.

Das “Remember Me” so versackt ist, ist schade, denn das Game ist clever, toll inszeniert, grafisch eine Wucht, für die Kürze seiner Spielzeit von ca. 10 Stunden sehr abwechslungsreich, macht Spaß und hätte der Start für ein spannendes Franchise sein können.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Das Versteckspiel mit einem Helikopter auf den regennassen Dächern von Neo-Paris, vor der Kulisse des futuristisch beleuchteten Eiffelturms. Das ist Blade Runner Galore!


Machen:

  • Schwitzen
  • V-Strom durch die Inspektion schieben
  • Yaris durch die Inspektion schieben
  • Den Dorfflohmarkt genießen. Dorfflohmärkte sind so toll!
  • ENDLICH Mr. Transalp treffen und in kurzer Zeit viel lernen.
  • Daraufhin Schuhe kaufen. Ich HASSE Schuhe kaufen.

Neues Spielzeug:
Nix, war auch so ein teurer Monat.


Ding des Monats:


Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Hundstage

Hundstage

Eigentlich sind die Hundstage, die heißesten Tage es Jahres, erst im August. Klimawandel und Super El Nino sei Dank, springen dieses Jahr bereits Ende Juni die Temperaturen in Höhen nah an der Grenze des Erträglichen.

Am 26.06.26 waren es in meinem Büro (Dachgeschoß, Glasflächen) bereits morgens um Acht schon mehr als 30 Grad, und das wurde im Verlauf des Tages nur noch mehr. Beim Feierabend hatte sich schon wieder ein wenig abgekühlt – auf 35 Grad.

Ich kann trockene Hitze gut ab, aber das hier war schon wieder Hitze mit Schuss: Ordentlich Luftfeuchtigkeit, und das macht mich mürbe.

Zu Hause war es besser. Würde ich in einem eigenen Haus wohnen, wäre das schon lange isoliert und begrünt und hätte Rolläden oder Fensterläden gegen die Hitze. Dooferweise wohne ich in einer Mietwohnung, da gibt es naturgemäß weniger Möglichkeiten.

Die Hütte hier ist ausnehmend schlecht isoliert, und die Fenster sind aus den 70ern. Heißt: Im Winter ist es frisch, im Sommer heizt es sich ordentlich auf. In beiden Jahreszeiten helfen Thermovorhänge vor Fenstern und Balkontür. Die halten zumindest einen Teil der Wärme draußen bzw. im Winter drinen.

Schon im letzten Herbst für solche Fälle wie jetzt angeschafft: Sonnensegel. Die sind über den Balkon gespannt und halten die direkte Sonne von Wohn- und Schlafzimmerfenstern ab. Und sie schützen jetzt die Pflanzen. An weniger heißen Tagen spenden Jasmin, Rotahorn und Blauregen Schatten, aber selbst die ließen jetzt schon die Fittiche hängen.

Was auch gut funktioniert, zumindest so lange wie es Nachts draußen noch ein klein wenig abkühlt (auf 23 Grad, aber immerhin), ist das Aufreißen von Fenstern und Türen. Dafür haben die großen Fenster allesamt Fliegengitter bekommen, und vor die Balkontür wurde eine Tür mit Insektenschutz gesetzt. Diese Dinger kommen als Bausatz, den man selbst zurechtsägen muss. Ziemlich abenteuerlich, aber wenn es fertig ist, ist es geil.

Damit bin ich jetzt ganz gut durch diese (ersten) Hundestage gekommen, die Wohnung hat immer noch erträgliche 24 Grad, während draußen 34 Grad im Schatten sind. Aber das ist alles was für den hohlen Zahn, insgesamt ist die Lage wirklich bedrohlich.

Temperaturen wie diesen hatten Klimawissenschaftler Anfang des Jahrhunderts erst für die 2080er vorhergesagt. Vor zehn Jahren sah man sie dann im Jahr 2050. Es passiert viel schneller, als selbst die pessimistischsten Modelle prognostizierten.

Kommende Woche sollen die Temperaturen hier dann auf Morgens 10 Gad abstürzen.

“Wir haben Klimaschutz zu hoch priorisiert”, sagt Katharina Reiche.
“Klimaschutz wird überbewertet. Es ist eben nicht so, dass morgen die Welt untergeht“,sagt Friedrich Merz.

“Vergesst nicht, bei den hohen Temperaturen ein Schälchen Lack für die Klimawandelleugner rauszustellen”, sagt jemand auf Mastodon.

Vorbeugende Instandhaltung (Tip gegen Hitze!)

Vorbeugende Instandhaltung (Tip gegen Hitze!)

“Wenn ich eines im Leben bereue, dann, dass ich mir diese Impfung nicht geholt habe”, stöhnt Tom.

Ja, mein Freundeskreis kommt jetzt langsam in das Alter, wo wir anfangen zu stöhnen und von unseren Zipperlein zu erzählen, wenn wir nicht genau aufpassen. Immer wieder erinnern wir uns gegenseitig daran, dass nur alte Leute ihre Abende mit Wehklagen und Arztgeschichten füllen, und WIR sind ja noch nicht alt.
Nur ein Bißchen.
Vielleicht.
Aber dann rutschen wir doch immer mal wieder in diese Themen ab.

Tom erzählt gerade von einer Neuralgie, das sind extrem schmerzhafte Nervenschmerzen. Ist bei ihm jetzt chronisch geworden und beeinträchtigt seinen Alltag ganz erheblich. Der Auslöser war eine Gürtelrose. Was klingt wie ein lustig geblümter Hosenhalter ist eine, teils sehr schmerzhafte, Virusinfektion, mit der man unbedingt zum Arzt sollte.

Sven nickt und berichtet, das er Gürtelrose im Gesicht bekommen hat. Tatütata, Krankenhaus, eine Woche lang war nicht klar, ob sein linkes Auge zu retten war. War es, aber das war eine knappe Nummer.

Gürtelrose ist ein Herpes-Virus.
Und dagegen kann man sich impfen lassen?

Stellt sich raus: Ja, kann man, zahlt sogar die Kasse, wenn man über 50 ist. Na, das ist doch was für mich! Ich bin ja sehr für Prävention und vorbeugende Instandhaltung. Also Termin gemacht und los geht´s. Zwei Injektionen, im Abstand von zwei bis sechs Monaten.

“Der Impfstoff gegen Herpes Zoster wird aber schlecht vertragen”, warnte die Arzthelferin noch, als sie den Impfstoff anrührte und eine dicke Spritze aufzog.
Pöh, was soll schon passieren, dachte ich. Immerhin haben Grippe- und Covid-Impfungen bei mir auch nahezu null Nebeneffekte.

Tja.

Zwei Tage mit Kopf- und Gliederschmerzen, Schmerzen und Ausschlag an der Einstichstelle, Fieber und Schüttelfrost belehrten mich eines Besseren. Die Impfung IST heftig, aber immer noch besser als eine chronische Neuralgie. Protip: Wer unter der aktuellen Hitzewelle leidet, sollte sich die Impfung holen. Der Schüttelfrost bringt eine willkommene Abkühlung!

Naja, Scherz beiseite. Prävention ist einfach eine gute Sache.
Das ist auch der Grund, weshalb ich…

…schon eine Magenspiegelung hinter mir habe (war anlassbezogen)

…schon eine Darmspiegelung hinter mir habe (auch anlassbezogen)

…jährlich beim Augenarzt die Netzhaut kontrollieren lasse (hab´da ein Spezialrisiko)

…mindestens ein Mal jährlich Individualprophylaxe bei der Zahnärztin machen lasse (sollte jeder, das ist halt echt Standard)

…jährlich ein Hautkrebsscreening habe (auch Spezialrisiko)

…jährlich eine Covid-Impfung mitnehme

…jährlich eine Grippe-Impfung durchrauche

In diesem Jahr kamen dann noch dazu
– Impfung gegen Herpes Zoster
– Impfung gegen FSME
– Prostata-Vorsorge

Es gibt halt Dinge, die sollte man vermeiden, wenn sie sich vermeiden lassen.
Und wenn sie unvermeidbar sind, hilft es vielleicht, wenn sie früh erkannt werden.

Vertragswerkstätten

Vertragswerkstätten

“9.000 Euro!”

Der Arbeitskollege war nachvollziehbar fassungslos. Neuntausend Euro, das ist die Summe, die die VW-Vertragswerkstatt für die Reparatur seines T5 haben möchte. Der Bus geht bergauf in den Notlaufbetrieb, keiner weiß warum. Die Vertragswerkstatt schlägt vor, ein paar Teile zu tauschen. Den Turbolader (2.500 Euro), Sensoren und noch ein wenig Kleinkram, Summasumarum 9.000 Euro.

Mit auf dem Kostenvoranschlag: Dinge wie “Batterie aufladen” (27 Euro) oder Ölwechsel (500 Euro).

“Meine Fresse, bin ich froh, dass ich nicht bei VW bin”, dachte ich da noch.
Tja.

Heute den Yaris aus der Jahresinspektion geholt. Die Inspektion lasse ich noch in der Vertragswerkstatt machen, weil der Wagen noch Garantie hat, und die verlängert sich auf bis zu 15 Jahre, wenn man eben die Inspektion jedes Jahr fein bei Toyota machen lässt.

Sollte eine kleine Inspektion sein, inkl. Pollenfilter- und Ölwechsel. Wieviel kann sowas kosten? 300 Euro?

Nun: Fast 700, stellt sich bei Abholung raus.

Dafür bekommen habe ich: Einen Pollenfilter und einen Ölwechsel, “Desinfektion um Pollenfilter”, “Auslesen des Fehlerspeichers (54,54 Euro, offensichtlich nicht Bestandteil der Jahresinspektion), “kostenlose Autowäsche und Innenraumreinigung” (beides nicht erfolgt) und Wischwasser für 4,50 Euro PLUS einen Fachberater, der mir fünf Minuten erklärt hat, dass er sehr beschäftigt ist und deshalb trotz Termins keine Zeit für die Fahrzeugannahme hat, eine unfreundliche Angestellte, die zwar die Annahme gemacht hat, mir aber schon bei der Begrüßung über den Mund fuhr und mich beim Sprechen nicht einmal angesehen hat und dabei eine Fresse zog, als wäre sie gerade in etwas sehr Ekliges getreten. Was ich nicht bekommen habe: Einen Werkstattersatzwagen. Also in Summe eineinhalb Stunden Jökelei mit dem Bus für Abgabe und Abholung.

Das war es dann mit der Toyota-Werkstatt.

Dieser Garantie-Kram ist vermutlich eh ein Scam, weil Toyota jedes Jahr mehr Dinge ausschließt, die da nicht mehr drunterfallen. Ab nächstem Jahr geht es dann auch für die Jahresinspektion in die freie Werkstatt, die jetzt schon die Reifen macht.

Die hat auch dafür gesorgt, dass ich das Legendäre Gelbe AutoTM noch länger fahren konnte, denn im Gegensatz zur SEAT Vertragswerkstatt, bei der jedes Mal mehr Dinge kaputt waren als vorher, hat die “freie” echt gute Arbeit geleistet UND nur die Hälfte gekostet.

Apropos: Das Gelbe Auto gibt es noch. Die SEAT-Werkstatt ist mittlerweile geschlossen, aber der Chef wohnt dort noch, und in seinem Hof steht Eleonore.
Wenige Meter von der Toyota-Werkstatt entfernt. Das hier ist ein Bild von Heute.

BTW der Kollege mit dem T5 ist jetzt auch bei einer freien Werkstatt. Statt 9.000 nun 2.800 Euro.
Immerhin.

Momentaufnahme: Mai 2026

Momentaufnahme: Mai 2026

Herr Silencer im Mai 2026

Das Wetter will mich doch verarschen!

Wetter: Regen. Bei 2 bis 10 Grad. Dann Sonne. Bei 33 Grad. WTF?


Lesen:

Terry Pratchett: Witches Abroad [1991, Kindle]
Magrat Knoblauch, eine nah am Wasser gebaute Junghexe mit Hang zur Esoterik, erbt einen Zauberstab – und ist damit von jetzt auf gleich eine gute Fee. Teil des Erbes ist auch, dass sie eine arme Magd auf dem Weg zur Prinzessin begleiten muss. In der fernen Stadt Genua. Und Granny Wetterwachs und Nanny Ogg, die verschrobendsten Hexen der Spitzhornberge, dürfen auf keinen Fall mitkommen. Klar, dass sie wenig später zu Dritt auf Reisen gehen – und dabei entdecken, dass irgendjemand Geschichten manipuliert.

“Witches Abroad” ist eines der ersten Bücher über die Hexen der Scheibenwelt. Das ist deutlich zu merken – der große, wegen seiner Klugheit und Hintergründigkeit beeindruckende Stil der späteren Jahre von Pratchetts Schaffen findet sich hier noch nicht.

Hier gibt´s die billigen Lacher a la “Per Anhalter durch die Galaxis”, wenn die Hexen in Fish-out-of-Water-Manier durch bekannte Sagen und Märchen stolpern und die in Ordnung bringen, was bis hin zu durch Feminismus verhinderten Märchenhochzeiten reicht. Das ist lustig und immer noch toll lesbar – und ein kurzlebige Aufheiterung ist ja nichts Falsches.

Anette Dittert: Dear Britain [2026, Kindle]
Annette Dittert ist nicht mehr für die ARD tätig (leider), aber arbeitet weiterhin. Eines der Ergebnisse ist “Dear Britain”, quasi der Nachfolger des von mir sehr gemochten “London Calling”.

An dessen Qualität kommt das neue Buch für mich leider nicht ran. In “London Calling” schätzte ich sehr die vielen, kleinen Einsichten aus Gesprächssituationen, die dabei halfen, Großbritannien und seine Insassen besser zu verstehen. Solche kleinen “Aha”-Momente fand ich in “Dear Britain” wenig. Das Buch versucht sich an größeren Zusammenhängen – Fremdenfeindlichkeit, die Rolle des Haus of Lords, das Verhältnis der vier Länder zueinander usw. Zwischen diesen Kapiteln finden sich immer wieder welche, die sich mit kleineren Dingen wie Gartengestaltung befassen. Das liest sich alles nicht so interessant weg wie im Vorgänger, den ich in wenigen Tagen verschlungen habe – und das liegt nicht daran, dass die Themen in “Dear Britain” zu schwer sind.

Ich bin nicht sicher, was mich am Ende genau an dem Buch gestört hat. Vielleicht ist es die Vermengung zu vieler Ebenen – Themen werden anhand von Gesprächssituationen behandelt, die viel Atmo mitbringen, und über allem liegt die Suche nach der Identität Großbritanniens und dem Platz der Autorin darin. Vielleicht geht da ein wenig zu viel durcheinander für meinen Geschmack.

Zur Ordnung trägt auch nicht bei, dass das Buch merkwürdig aufgebaut ist – immer wieder werden gewisse Dinge wiederholt, wie z.B, die Erklärung, wer oder was Emilia eigentlich ist. Gerade so, als wäre das Buch darauf angelegt, dass man es Kapitelweise, aber ohne Reihenfolge liest. Oder als würde es aus einer Sammlung von Kolumnen bestehen. Ein wenig besseres Lektorat hätte vielleicht geholfen, aus einem netten ein hervorragendes Buch zu machen.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Ditterts Erkenntnis, dass das House of Lords wichtige Expertenarbeit leistet. Das hat mir vor Jahren ein Guide dort erzählt und ich dachte, der flunkert.


Hören:


Sehen:

Australia [2008, BluRay]
Australien, in den 1930ern: Die britische Adlige Nicole Kidman reist ihrem Mann nach Australien hinterher. Dort angekommen entdeckt sie, dass ihr Mann ermordet wurde – vermutlich, weil jemand die 30.000 Quadratkilometer große Rinderfarm haben will. Kurzentschlossen übernimmt Kidman selbst das Anwesen und versucht sich mit Hugh Jackman am Viehtrieb. Dann passieren Dinge. VIELE Dinge.

“Australia” ist ein Baz Luhrmann-Film. Das muss man wissen um zu begreifen, mit was man es hier zu tun hat und warum der Film wirkt, als sei er das uneheliche Kind von “Moulin Rouge” und “Vom Winde verweht”. Denn exakt das ist der Fall!

Von “Moulin Rouge” stammt die überdrehte Optik, die visuelle Wundertüte an Bildern und die skurrilen Kameraeinstellungen, wie in “Vom Winde verweht” wird hier eine epische Geschichte erzählt, die einfach nicht aufhören will. Damit tut der Film sich keinen Gefallen, weder mit der Optik noch mit der Länge der Geschichte.
Wenn Kidman und Jackman endlich die Rinder durch Wüsten und Unwetter bis zum Hafen gebracht haben, sich in de Armen liegen und das kleine Aborigines-Kind glücklich grinst, dann könnte der Film eigentlich gefühlt vorbei sein – aber zu diesem Zeitpunkt hat man die Hälfte der fast drei Stunden Laufzeit noch vor sich!

Ähnlich wie einst Tara muss auch “Faraway Down”, so der Name der Farm, erst noch brennen, die Japaner Australien angreifen und das Kind erschossen werden und und und… Das ist alles in einer Sekunde hoch dramatisch und in der nächsten Sekunde wieder total cheesy gefilmt und wirkt deshalb tonal all over the place. Schade, denn der Film möchte gerne eine ernsthafte Message rüberbringen. Schon im Titeltext verweist er auf die “gestohlenen Generationen” von Aborigines, aber dann kann Lurhmann nicht anders als Luhrmann-Sachen zu machen und dadurch ständig neue Dinge auzuhäufen, ohne die Kernstory wirklich aus zu erzählen.

Kunterbunt, entgleist tonal dauernd, viel zu lang.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Die bizarre Anreise von Kidman inklusive Känguruballerei.


Spielen:


Machen:

  • Im Regen bei 3 Grad Mopped fahren
  • In glühender Hitze Mopped fahren
  • Mopped fahren!

Neues Spielzeug:


Ding des Monats:


Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Momentaufnahme: April 2026

Momentaufnahme: April 2026

Herr Silencer im April 2026

Wetter: Monatsanfang oszillieren die Temperaturen zwischen 0 Grad in der Nacht und 17 am Tag, dabei wechselhaft, überwiegend sonnig. Am 03.04. trage ich die Pflanzen raus, eine Woche später explodiert die Natur in sattes Grün. Bis Monatsende dann zwischen nachts 3 und tagsüber 17 Grad, wenig Regen, viel Sonne.


Lesen:

Terry Pratchett: The Shepherds Crown [2015, Kindle]
Esmé Wetterwachs geht mit IHM, und hinterlässt die Welt in einem besseren Zustand als sie sie vorgefunden hat – das können nicht viele von sich behaupten. Mit ihrem Tod verliert die Scheibenwelt ihre mächtigste Hexe und die Schwesternschaft der Hexen, die ja keine Anführerinnen kennt, ihre Anführerin. Als Nachfolgerin hatte Wetterwachs Tiffany Aching auserkoren.

Ohne Esmé Wetterwachs Schutz brechen auch die Elfen wieder durch die Barriere zwischen den Welten, rauben Kinder aus der Wiege, machen das Bier sauer und schlachten Menschen ab. Eine fordernde Situation für Tiffany Aching, die sich ohnehin zwischen ihrer Heimat im Kreideland und Wetterwachs´ altem Einzugsbereich aufreibt.

Das hier war Pratchetts letztes Buch, bevor er 2015 verstarb. Man kann es als Analogie lesen: Esmé Wetterwachs und Pratchett gehen gleichzeitig von der Welt. Zurück bleibt eine neue Generation, die die Welt verändert und nach vorne blickt, ohne zu vergessen vorher sie kommt und wer vor ihr da war. Das macht ihre Stärke aus, und letztlich besiegt der Wandel der Welt die alten Schrecken.

Das ist schön und bittersüß, auch wenn der Part der Elfen hingehuddelt wird. Aber, wie Rob Wilkins im Nachwort schreibt: Das Buch war nicht fertig poliert, als Pratchett starb. Vierzig Bücher beschreiben die Scheibenwelt, und “The Shephards Crown” bietet einen wundervollen Abschluss.


Hören:


Sehen:

The Quiet Earth [1985, BluRay]
Als Zac Hobson aufwacht, ist niemand mehr da.
Nicht in seinem Haus, nicht in der Straße, nicht in der Stadt.
Alle Menschen und Tiere sind verschwunden.
Zac ist alleine auf der, nun sehr stillen, Welt.

Nach einer Weile stellt sich raus: Es gab ein Ereignis, das alles Leben in einem Sekundenbruchteil hat verschwinden lassen. Zurückgeblieben sind nur Lebewesen, die exakt im Moment des Ereignisses gestorben sind.

Seitdem ich diesen Film Ende der 80er, im Alter von so 12, 13 Jahren im Fernsehen gesehen habe, ließ er mich nicht mehr los.
Schon damals hat er mich tief beindruckt.

Zac ist ganz allein auf der Welt.
Er ist der letzte Mensch.

WIE TOLL IST DAS DENN BITTE?!?

Er kann tun und lassen, was er will! Eine Welt ohne Menschen, aber mit intakter Infrastruktur, das ist ja quasi Idealzustand!
Seit Jahrzehnten denke ich immer wieder an diesen Film und darüber nach, was ICH wohl in Zacs Situation tun würde.

Was macht man als letzter Mensch auf der Welt? Genau dieses Gedankenspiel ist die Stärke des Films. In der ersten Hälft ergeht er sich in Darstellungen von Dingen, die jemand tut, der wirklich völlig allein auf der Welt ist: Erst die Versuche andere Menschen zu finden, dann Einkaufscenter und Baumärkte plündern, dann Luxusgüter in Beschlag nehmen, dann absurde Reden vor leeren Rängen halten und am Ende in Damenunterwäsche mit einer Schrotflinte auf Jesus schießen. Großartig! Parallel dazu über allem das Mysterium: Was genau ist passiert, dass alles Leben verschwunden ist?

Im letzten Drittel kippt das alles ein wenig, als tatsächlich zwei andere Menschen auftauchen. Die Darsteller sind keine guten Schauspieler, die Gruppendynamik fühlt sich Cringe an und die entstehenden Verwicklungen sind bestenfalls seltsam. Etwas hohl lässt einen das offene Ende zurück. Das ist zwar SciFi-technisch super, fühlt sich aber unbefriedigend an.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Wenn Zac am Ende des Films am Strand aufwacht und über dem Meer der Saturn aufgeht.

La Riffa [1991, BluRay]
Das süditalienische Bari, Anfang der 90er: Monica Bellucci ist hauptberuflich schön und reich. Letzteres denkt sie zumindest, bis ihr Mann überraschend stirbt und klar wird: Sie war nie reich, und jetzt sitzt sie auf einem gigantischen Berg aus Schulden.

Nun muss die junge Frau, deren Leben bislang aus Shopping und dem Austausch von Klatsch mit anderen Damen der High-Society von Bari bestand, zusehen, wie sie sich einen Lebensunterhalt für sich und ihre kleine Tochter verdient. Zunächst versucht sie es mit dem Verkauf von Yacht und Autos, dann Schmuck und Kleidern, schließlich sogar mit – gasp!- ehrlicher Arbeit.

Bringt aber alles zu wenig Geld ein, und so kommt sie auf eine Idee: Eine Tombola, italienisch “Una Riffa”, soll es richten. Hauptgewinn: Sie selbst. Zwanzig Personen sollen teilnehmen können, gegen eine Zahlung von jeweils 100 Millionen Lire (ca. 50.000 heutige Euro). Dem Gewinner will sie für vier Jahre für alles zur Verfügung stehen, egal was.

Sofort machen Männer (und Frauen) aus ihrem Bekanntenkreis mit.

Monica Bellucci ist zwar auf Fotos eine der schönsten Frauen der Welt, mit Schauspielerei hatte sie es aber noch nie so. Später in ihrer Karriere erhob sie das zum Stilmittel und reduzierte ihre Mimik auf seltsam-gucken-mit-halb-geöffneten-Lippen und wurde damit zur erfolgreichsten Schauspielerin Italiens.

“La Riffa” von 1991 ist einer der ersten Filme von Bellucci, und hier versucht die damals 27jährige zumindest noch zu schauspielern. Mit mäßigem Erfolg, wobei das bei der wirren Erzählweise und dem sprunghaften Schnitt des Films kaum auffällt.

Das ist schaden, denn die Grundidee ist zwar mild absurd, böte aber von Sozialkritik bis zur Objektivierung von Frauen große Spielflächen. Die nutzt “La Riffa” leider gar nicht. Stattdessen wirkt der Film wie eine lose Aneinanderreihung von Szenen, die dem Regisseur gerade eingefallen sind. Sinn ergibt das kaum, spannend ist es auch nicht – es gibt keinen Grund, sich diesen Streifen anzutun.
Außer natürlich, man guckt gerne Monica Bellucci an oder mag die Stadt Bari.

Keine Ahnung, warum der 35 Jahre alte Film jetzt nochmal auf einer (sehr gut gemasterten) BluRay erschien.
Vielleicht sind die Produzenten Fans von Bari.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Als eine Frau auf einer Party Monica Belluccis Cocktailkleid bewundert, und sie es daraufhin vor allen Leuten auszieht und der Frau verkauft.

The Others [2001, DVD]
1945, auf der Kanalinsel Jersey: Nicole Kidman hockt mit zwei kleinen Kinder in einem alten Herrenhaus. Abgeschnitten vom Rest der Welt leben die drei im Schein von Ölfunzeln, denn die Blagen sind allergisch gegen Sonnenlicht. Zu allem Ungemach wabert seit Wochen ein dichter Nebel ums Haus, die Dienstboten sind über Nacht abgehauen und eines der Kinder behauptet immer wieder, das ein Geisterjunge in ihrem Zimmer spukt.

Da klopft es an der Tür und ein alter Gärtner, eine Kinderfrau und eine Magd stehen davor. Alle drei haben schon vor Jahren auf dem Anwesen gearbeitet, und so stellt Kidman sie ein. Ab diesem Zeitpunkt häufen sich die seltsamen Vorfälle.

Aktuell kommt gerade die 4K-Restauration von “The Others” raus, und anlässlich dessen hatte ich die Szene mit dem Twist auf FilmTok gesehen und dann gedacht: Moment, Du hast doch die DVD, warum kennst Du den Film nicht?

Tja, keine Ahnung. Vermutlich fand ich den langweilig und habe ihn nach der Hälfte ausgemacht. Denn “The Others” ist kein Horror, sondern ganz klassischer und subtiler Grusel, der die Laufzeit braucht, um Spannung aufzubauen. Guckt man nicht richtig hin oder schaltet auf Durchzug, wirkt es so, als ob da lange Zeit nichts passiert, außer das die Kinder seltsam sind. So bekommt man den eigentlichen Reiz des Films nicht mit.

Was schade ist, denn hier passiert in jeder Szene etwas, und sei es in den Gesichtern der Schauspieler. Selbst Nicole Kidman schauspielert hier ganz großartig und stellenweise herzergreifend.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Wenn die große Enthüllung stattfindet und der Twist alles auf den Kopf stellt. Das ist stark gespielt und für den Zuschauer extremes Schuppen-von-den-Augen-falling, so dass man den Film gleich nochmal gucken möchte. Nicht ganz auf “Sixth Sense”-Niveau, aber nah dran.

The Flowers of War [2011, BluRay]
Zweiter Weltkrieg: 1937 überfällt Japan China und besetzt die Stadt Nanking. Eine Gruppe Schülerinnen sucht Zuflucht in einer christlichen Kathedrale, deren Pfarrer gerade verstorben ist. In dieselbe Kirche stolpert kurz darauf Christian Bale hinein, der den Priester bestatten soll, sowie eine Gruppe Prostituierte, die ebenfalls Zuflucht suchen.

Draußen fliegen die Kugeln, im Inneren der Kirche beäugen sich die drei Fraktionen misstrauisch (Schülerinnen gegenüber Bale/Prostituierte), lüstern (Bale/Prostituierte) und amüsiert (Prostituierte gegenüber Bale/Schülerinnen). Dann erobern die Japaner das Gebiet und begehen Massaker und Massenvergewaltigungen an der Zivilbevölkerung.

Den Besatzern gegenüber gibt sich Bale als Pfarrer aus, versteckt die Prostituierten und versucht die Schülerinnen zu schützen, aber ein japanischer Kommandant fordert die Mädchen. An ihrer Stelle gehen die Prostituierten.

“Treffen sich ein Bestatter, Prostitierte und ein Mädchenchor in einer Kirche” – was klingt wie der Beginn eines schlechtes Witzes, entwickelt sich nach kurzer Zeit zum handfesten Drama, das aber an vielen Stellen stark überzeichnet ist.

Schon die skurrile Ausgangssituation und die Handlungsbeschreibung macht deutlich, dass man es hier mit einer Romanhandlung zu tun hat. Und zwar mir einem Roman, der das Wohlwollen der Staatspartei Chinas hatte. Das ist auch sehr deutlich zu merken, wenn es um Nebenfiguren geht wie den feigen Kollaborateur, den irgendwann sein “Verrat” einholt und er seine gerechte Strafe erhält. Man kann den Film als Propagandalastig lesen.

Nicht desto trotz hat er einen wahren Hintergrund, die Massaker von Nanking sind wirklich geschehen, aber außerhalb Chinas wenig bekannt. Vor dieser Kulisse ist das Spiel der seltsamen und gegen ihren Willen verbundenen Fraktionen unterhaltsam und spannend bis zum Schluss, denn die Frage bleibt: Schafft es jemand aus dieser Hölle heraus? Die Ausstattung des Films ist opulent, die Schauspieler allesamt hervorragend und der Streifen insgesamt ein Anschautip.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Wie das Rosenfenster der Kirche unter Beschuss in Zeitlupe zersplittert und eine der Prostituierten in Panik gerät und wegrennt, genau in die Bahn von Scharfschützen.

Adèle und das Geheimnis des Pharaos [2010, BluRay]
Im Jahre 1912 ist die junge Adèle de Blanc-Sec Journalistin in Paris. Dummerweise hat sie versehentlich ihre Schwester lobotomisiert, die seitdem einen Nagel im Kopf hat und im Wachkoma vor sich hinsiecht. Adèle fasst einen naheliegenden und absolut logischen Plan: Sie will die Mumie des Leibarztes von Pharao Ramses II. wiederbeleben, damit der ihrer Schwester helfen kann.

Am Ende des Films bricht Adèle in den wohlverdienten Urlaub auf – an Bord der Titanic.

Frauen mit Nagel im Hirn, wiederbelebte Mumien, eine Journalistin, die auf einem Pterodaktylus reitet, Monty-Pythoneske Ausbruchsversuche aus einem Gefängnis, ein Großwildjäger, der in Montmartre einen Saurier jagt, dazu Polizisten direkt aus einem Louis-De-Funes-Film… was zum Geier habe ich da gerade gesehen?

Nun, einen Luc-Besson Film! Der hatte ja immer schon ein Fable für starke und seltsame Heldinnen (vergl. “Nikita”, “Anna”, “Lucy”, usw.), und Adèle macht da keine Ausnahme. Dass sich der Film an ein jüngeres Publikum richtet, ist schon an den übertriebenen Masken und den absurden Situationen zu merken. Dass es sich um einen europäischen Film handelt, ist an dem wohltuend normalen Umgang mit nackten Nippeln erkennbar, aber auch an den Schockelementen. Besson mutet seinem jungen Publikum lustige Szenen in Abwechselung zu Grusel zu, so wie er früher in Filmen wie “Goonies” oder “Gremlins” vorkam.

Der Film ist für das Budget erstaunlich. Sieht man von den wirklich schlechten Masken ab, gibt es hier viele Schauwerte. Das Paris des frühen 20. Jahrhunderts ist detailverliebt zum Leben erweckt, inkl. Gebäude, die es heute so nicht mehr gibt. Und Louise Bourgoin als Hauptdarstellerin spielt tough und gleichzeitig anrührend.

In Summe: Sehr unterhaltsam! Stellenweise arg vorhersehbar, dann aber wieder überraschend und letztlich auch spannend und rührend. Ich hatte viel Spaß mit diesem seltsamen, kleinen Film, und das nicht (nur) wegen der nackten Brüste.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Wie Adèle ihre katatonische Schwester schminkt, der ein Nagel aus der Stirn ragt.

Clerks III [2022, BluRay]
Im Jahr 2022 hängen Danten und Randal immer noch und schon wieder im Quickstop in New Jersey ab. Hockeyspiele auf dem Dach und absurde Konversationen mit Jay und Silent Bob lassen es wirken, als habe sich seit 1994 nichts geändert.

Aber das täuscht: Alle sind älter geworden, und dass die Protagonisten keine 23 mehr sind, sondern auf die sechzig zugehen, wird ihnen in dem Moment schmerzhaft bewusst, als Randal mit einem Herzinfarkt aus den Latschen kippt.

Er überlebt das, und hat eine Idee: Er will die Geschichte des Quickstops verfilmen.

“Clerks” war 1994 für mich eine Offenbarung, wie später nur noch ganz wenige Filme. Die 2006er-Fortsetzung “Clerks II” hätte es für mich schon nicht gebraucht. Nun also mit “Clerks III” das Ende der Inconvenience-Store Triologie. Das ist arg selbstreferentiell und meta geraten.

Herzinfarkte, in Regisseur Kevin Smith eigenem Leben eine einschneidende Erfahrung, spielen eine große Rolle. Daneben ist der ganze Film vollgestopft mit Memberberries aus dem ViewAskew-Universum, hat aber abseits des Mühens um ein Ende aber wenig zu erzählen. Es gibt noch nette Dialoge, Generationsdefinierend ist das hier aber nicht mehr.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Als beim Casting für die Rollen von Dante, Veronica und Randal plötzlich Promis vorsprechen wie Sarah Michelle Gellar, Freddie Prinze Jr., Bobby Moynihan, Melissa Benoist, Chris Wood, Anthony Michael Hall, Danny Trejo und Ben Affleck.


Spielen:

The Saboteur [2009, XBOX360]
Shawn Devlin ist Ire und eigentlich Mechaniker in einem Rennteam. Wider Willen springt er beim großen Preis von Saarbrücken 1940 als Fahrer ein und legt sich dabei prompt mit dem deutschen Champion Klaus Dierker an.

Als der Devlin dem unsympathischen Dierker einen Streich spielen will, erschießt der Nationalsozialist kurzerhand Shawns besten Freund. Das ist aber bald das kleinste Problem, denn in der selben Nacht überfällt die Wehrmacht Frankreich. Devlin flüchtet nach Paris, versteckt sich in einem Nachtclub im Montmartre und schließt sich, ebenfalls wider Willen, der Resistance an.

Fortan legt er heimlich Bomben, befreit Widerstandskämpfer, verübt Attentate auf die Besatzer, schmuggelt Waren und Menschen, besorgt gefälschte Papiere, rettet Kunstschätze und rückt mit diesen Aktionen bald in den Fokus des Gauleiters – eben jenen Dierkers, mit dem Shawn ohnehin noch eine Rechnung offen hat.

Warum ich noch eine XBOX 360 habe? Weil die 20 Jahre alten Konsole als einzige noch die ganzen “Guitar Heroes” und “Rock Bands” abspielt, und weil es nur hier das grandiose “The Saboteur” gibt. Das gehört zu den ganz wenigen Spielen, die nie updatefähig gemacht oder für neuere Konsolen veröffentlicht wurden, denn das Entwicklungsstudio Pandemic wurde kurz vor dem Release im Jahr 2009 von EA geschlossen.

Das ist schade, denn “Saboteur” ist ein großartiges Game. Es stammt aus der Zeit, in der Double-A-Produktionen mit Mut zum Risiko boomten, und sich gleich mehrere Studios an der GTA-Formel versuchten, ohne das aufgeblasene Budget eines GTA zu haben. Das war auch die Zeit, in der ein gutes Spiel 8 bis 15 Stunden dauerte und nicht mit Mikrotransaktionen, DLCs oder Liveservices nervte.

“Saboteur” ist quasi ein kleines und gradliniges “GTA” im Frankreich der Vierziger Jahre, inklusive passendem Soundtrack. Paris samt Umland und das Küstenstädtchen Le Havre bieten eine wunderbar unverbrauchte Kulisse, wenn auch für eine leider recht generische Story. Neben der gibt es weitere Schwachpunkte: Faustkampf ist ein Glücksspiel, Stealth mit Verkleidungen funktioniert so gut wie nie und das Klettern an Gebäuden ist behäbig und nicht mal im Ansatz so geschmeidig wie in “Assassins Creed”, das schon zwei Jahre zuvor erschien. Auch das Perk-System ist kaum der Rede wert.

Warum “Saboteur” mir auch heute noch viel Spaß macht: Es hat spannende und extrem abwechslungsreiche Missionen, die man heimlich oder offensiv oder beides angehen kann. Im Free Roaming ist die Open World eine großartige Sandbox. Durch die Stadt (und die umliegenden Landstriche) zu wandern, Nazi-Posten in die Luft zu sprengen oder SS-Offizieren die Autos zu klauen, und zu gucken, wie die Systeme des Spiels darauf reagieren, das macht einfach einen Heidenspaß.
Ab einer gewissen Alarmstufe suchen die Nazis sogar mit Zeppelinen nach Shawn – wenn der dann aber eine Flugabwehrstellung infiltriert, ist der Himmel über Paris mehr als nur rot erleuchtet.

Der zweite Grund ist das Artwork. In dem Moment, in dem Shawns Kumpel stirbt, verliert die Welt die Farbe, sie wird düster und ist in einem dunklen schwarz-weiß gehalten, aus dem nur vereinzelt Primärfarben hervorstechen – blutrote Nazi-Banner, gelbe Straßenlichter oder gelegentlich ein Tupfer blau, bei Mitgliedern des Widerstands.

Hat Shawn genügend Anschläge und Missionen durchgeführt, kehrt die Farbe in einzelne Stadtviertel zurück, der Himmel klart auf und Menschen flanieren durch die Straßen. Das ist eine ganz wunderbare Art, die Hoffnungslosigkeit und Schwere unter der Besatzung und die Hoffnung und das Aufblühen durch den Widerstand zu symbolisieren.

“The Saboteur” sieht auch heute noch schick aus, bringt ein unverbrauchtes Szenario mit, ist ein toller Spielkasten und bietet kurzweiligen Spaß – schade, dass daraus nie, wie eigentlich geplant, ein Franchise geworden ist.

Die deutsche Fassung ist übrigens besser als die englische. Zwar durfte es in der hierzulande veröffentlichten Fassung keine Hakenkreuze auf Bannern und Fahnen geben, aber dafür ist die Synchro der NPCs und Nebenfiguren auf deutsch VIEL besser. In der englischen Fassung lesen Amerikaner deutsche Texte vor, die sie nicht verstehen – man kann sich denken, wie das klingt.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Bei Nacht von Montmartre aus auf die dunkle Stadt zu blicken und zu denken “Das ist mal ein Spielplatz”.

Sleeping Dogs [2012, XBOX360, Definitive Edition 2014 PS4/PS5]
Hongkong, 2012: Ein chinesischstämmiger Cop ermittelt undercover gegen die Triaden. Im Zuge dessen wandelt er nicht nur auf der Grenze zwischen Gesetz und Verbrechen, er muss sie auch ständig übertreten – und sich irgendwann fragen, auf welcher Seite er steht.

Schon vor zwölf Jahren hat mir ein Arbeitskollege dieses Game in den überschwänglichsten Tönen als GTA IV-Alternative empfohlen. Ich hatte es dann 2014 für die XBOX 360 gekauft, und seitdem legte ich es alle paar Jahre wieder ein, spielte eine Stunde und legte es dann wieder weg, wie die Savegames aus 2014, 2017, 2021 und 2022 beweisen. Keine Ahnung warum, irgendwie zündete das Open World-Krimidrama in Hongkong nie so richtig bei mir.

Das mag an der blockigen Steuerung gelegen haben, oder auch daran, dass Spiele aus der Zeit halt generell noch recht pixelig sind und nur in 720P und mit kräftigem Kantenflimmern laufen. Auf der XBOX Series läuft die 360er Version nämlich nicht, und eine angepasste Version gab es nie.

Was es aber gab war eine “Definitive Edition” für die PS4, und die habe ich nun auf dem Flohmarkt gefunden. Ich finde, damit sieht das Game durchaus besser aus, wenngleich auch Grafikfans von einem Downgrade bei Assets, Beleuchtung und Texturdetails sprechen. Die Definitive Edition verändert das Beleuchtungsmodell und fügt Jiggle-Physics und Nebeleffekte hinzu, zudem wurden alle DLCs integriert und Schwierigkeitsgrad und Missionsdesign anhand von Feedback angepasst.

Allein schon wegen des geringeren Kantenflimmerns (das ertrage ich gar nicht!) war ich motiviert, mir das mal länger als 15 Minuten anzusehen. Und dann war es um mich geschehen: Die Geschichte hat mich reingezogen.

“Sleeping Dogs” entfaltet sich langsam und stellt sich als wirklich ernsthafte Konkurrenz zu GTA dar, mit dem Unterschied das dieses Game in nur vier Jahren entstand. Genau wie GTA IV von 2008, das die Geschichte eines serbischen Kriegsflüchtlings in New York erzählt und ganz anders und viel ernster war als das überdrehte und nur noch quatschige GTA V, erzählt Sleeping Dogs eine Geschichte voller Dramatik und mit Charakteren, die zwar dünn bleiben, aber keine Karikaturen sind.

Man erahnt auch, wo die Geschichte hin will: Die anfangs noch lupenreinen Gesetzeshüter der Polizei entpuppen sich im Verlauf als ehrlose Gesellen, während die Mitglieder der Triaden durchaus Ehre haben. So wird die moralische Orientierung immer schwerer. Leider fühlt sich die Geschichte im letzten Akt so an, als seit Zeit und Budget ausgegangen. Da wurde dann ziemlich gehuddelt, was der vollen Entfaltung im Weg steht.

Neben der düsteren Story tut der hohe Gewaltgrad das seinige, damit dieses Game nichts für Kinder oder schwache Gemüter ist. Die USK18-Einstufung verdient es sich mit Drama, Intrigen, menschlichen Abgründe und nicht überragenden, aber gut geschriebenen Milieustudien.

Der Schwierigkeitsgrad ist im Vergleich zur XBOX360-Version gleich geblieben, und nach wie vor nicht ohne. Spiele vor 15 Jahren erforderten eine deutlich höhere Frustresistenz als heute, und es ist möglich, in einer Storymission hängen zu bleiben – und dann geht es einfach nicht weiter. Dann heißt es üben, üben, üben, bis man irgendwann im 10. Anlauf doch durchkommt.

In der Definitive Edition ist das deutlich fairer. Auf der XBOX 360 bin ich ums Verrecken nicht über den ersten, größeren Faustkampf hinausgekommen, einfach weil die Steuerung Arsch ist. Auf der PS4 ist der Kampf immer noch knackig, aber machbar. Zumindest im Hauptspiel, in den DLCs komme ich dann schon wieder nicht mehr weiter.

“Sleeping Dogs” ist kein Meisterwerk, aber ein sehr gutes und kompetent gemachtes Spiel. Wer die düstere Geschichte um Niko Bellic in GTA IV mochte, hat auch hier echt seinen Spaß.

Szene, die ich nicht vergessen werde: Den lauten “Alter! WTF!”-Ausruf, als ich das erste mal einen Move ausgelöst habe, bei dem die Spielfigur im Kampf die Umgebung als Waffe einsetzt – und einfach mal einen Gegner mit dem Kopf in einen Ventilator drückt.


Machen:

  • In einem Hochseilgarten abhängen, 10 Meter über dem Boden, und da nicht mehr alleine wegkommen

Neues Spielzeug:


Ding des Monats:


Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Momentaufnahme: März 2026

Momentaufnahme: März 2026

Herr Silencer im März 2026

Wetter: Ab Monatsanfang bis Woche vier stets 0 bis 16 Grad, strahlender Sonnenschein, kein Regen. Am 18.03. wacht die Natur auf und zeigt erstes Grün. In meinem Arbeitszimmer blüht der Jasmin, aber das Wetter hat dann doch keine Lust auf richtigen Frühling – in der letzten Woche gibt es wieder Temperaturen um den Gefrierpunkt und Schneeregen.


Lesen:

Terry Pratchett: I shall wear Midnight [2010, Kindle]
Der Baron des Kreidelands stirbt, im hohen Alter und an natürlichen Ursachen. Tiffany Aching hat ihn bis zum Ende gepflegt und muss nun dessen Sohn die traurige Nachricht überbringen. Das wird nicht dadurch einfacher, dass sie erst seit Kurzem von ihm getrennt ist, und mit seiner neuen Flamme die Großstadt unsicher macht. Die Neue ist eine echte Prinzessin, inklusive blonder Locken und mädchenhaftem Auftreten – alles Attribute, die auf Tiffany nicht zutreffen, und auf die sie etwas neidisch ist.

Zeit, darüber nachzusinnen hat Tiffany aber nicht, denn es gibt weiteren Fallout der Wintersmith-Episode: Der Geist eines lange verstorbenen Hexenjägers ist hinter ihr her, und dessen böses Gedankengut hetzt Menschen auf. Plötzlich muss sich Tiffany für den Tod des Barons verantworten und findet sich im Kerker wieder. Dabei sollte der doch nur noch als Ziegenstall genutzt werden!

Unterdessen treffen die Nac Mac Feegle in Ankh-Morpork auf etwas, das es gar nicht geben sollte und das die unbesiegbaren Krieger mit links erledigt: Einen Feegle-Polizisten!

Die Tiffany-Aching-Bände sind Pratchetts Spätwerk, und hier ist alles zu bestaunen, was der Meister in seiner langen Karriere an Können erworben hat: Auf den Punkt geschrieben Charaktere, tolle Entfaltung der Ereignisse und vor allem immer wieder tiefe, philosophische Erkenntnisse gepaart mit nachdenklich machender Metaphorik. Leider ist die Auflösung der großen Bedrohung am Ende wieder etwas viel “Deus Ex Machina”, aber der Weg dahin wirklich große Kunst. Schön und überraschend: Es wird ein Rückbezug geschlagen zum allerersten Discworld-Roman “Color of Magic” von 1983 inkl. eines spannenden Cameos.


Hören:


Sehen:

Verleugnung [2016, BluRay]
“Ich habe hier 1.000 Dollar, und ich bin bereit sie demjenigen auszuhändigen, der mir einen Beweis für den Holocaust vorlegt!”

Ein wahrer Fall: Was im Herbst 1994 als völlig absurder Zwischenruf während einer Holocaust-Vorlesung beginnt, wächst sich bald zu einem handfesten Problem für eine amerikanische Professorin aus. Der Rufer ist nämlich selbst Historiker und hat zahlreiche Bücher veröffentlicht, in denen er darlegt, dass Hitler eigentlich ein Freund aller Juden war, in Auschwitz lediglich Menschen an Gelbfieber gestorben sind und der Holocaust die Erfindung einer jüdischer Propagandamaschinerie ist.

Dieser Geschichtsleugner verklagt nun die Holocaustforscherin vor dem britischen High Court. Die begreift: Hier geht es um viel mehr als nur um Verleumdung eines eitlen Professors. Verliert sie den Prozess, wird es gesellschaftlich akzeptabel werden, den Holocaust nur als “Meinung” anzutun.

Tatsächlich ist der Beweis der Tötung von 6 Millionen Menschen 60 Jahre nach Kriegsende erstaunlich schwierig, und der Geschichtsrevisionist beherrscht die britische Presse mit druckfähigen Zitaten wie “auf der Rückbank von Edward Kennedys Auto in Chappaquiddick sind mehr Menschen gestorben als in Auschwitz“”. Der Prozess verläuft so absurd, dass die jüdische Gemeinde Großbritanniens auf einen Vergleich drängt, weil ein Sieg vor Gericht aussichtslos scheint.

“Verleugnung” – der Titel klingt wie ein weiteres Buch von Stieg Larsson (Verblendung/Verdammnis/Vergebung/Verschwörung/Verfolgung/Vernichtung, wissen schon…). “Denial”, so der englische Titel, ist kein Kriminalfall, aber genauso spannend wie ein Thriller. Ich hatte noch nie vom Fall Lipstädt vs. Irving gehört, denn die Geschichte ist tatsächlich so passiert.

Satte 32 Tage dauerte die Verhandlung in London, und lange war nicht klar, ob der Holocaustleugner und Geschichtsrevisionist Irving als Sieger dort rausgeht. Letztlich brauchte es ein großes Team aus Experten und Anwälten, um dem Richter überzeugend darzulegen, dass es den Holocaust wirklich gegeben hat. Am Ende gewannen Fakten gegen Lügen, aber das ist 30 Jahre her.

Der Film ist eine Wucht. In meinen Augen die gelegentliche Dramatisierung der Geschehnisse nicht gebraucht, ich hätte das auch als Doku geguckt. Gelungen ist er trotzdem. Atmosphärisch dicht und sehr stimmungsvoll wird hier das Gefühl der Verzweiflung der Protagonisten transportiert, als sie eine unumstößlich geglaubte Wahrheit plötzlich hart verteidigen müssen, und Betroffenheit dafür nicht mehr ausreicht.

Das der Film so gut funktioniert, ist den Darstellern zu verdanken. Bis in die Nebenrollen hinein ist er exzellent besetzt: Rachel Weisz (“Die Mumie”) als Professorin und Andrew Scott (Moriarty aus dem Cumberbatch-Sherlock) sowie Tom Wilkinson (der Secretary aus “Mission Impossible: Ghost Protocol”) als Anwälte sind schon wirklich richtig gut. Eine absolute Glanzleitung liefert aber Timothy Spall (Wurmschwanz aus “Harry Potter”) als eitler, cholerischer und dennoch durchtriebener Holocaustleugner. Sehr sehenswert.

Ein wichtiges und relevantes Thema. Ich gehe mal gucken, ob es auch eine Doku von dem Fall gibt.

Erik Peters: Africa Calling [2025, Bluray]
Der Motorradreisende Erik Peters macht sich zusammen mit Kumpel Alain auf eine Tour von Köln nach Südafrika. Nach einer Fahrt durch halb Europa machen die beiden einen kleinen Umweg von 10.000 Kilometern um Kriegsgebiete herum, bis sie dann in Africa durch Länder wie Uganda und Kenia kreuzen. Von Tiefsanddurchfahrten in Wüstengebieten bis hin zu Gorillabeobachtung in dichten Regenwaldgebieten ist alles mit dabei. Die Fahrt endet jäh, als Alain kurz vor dem Ziel stürzt und sich dabei die Knochen bricht.

“Africa Calling” ist Erik Peters bislang bester Film. Wunderschöne Landschaftsaufnahmen, extrem coole Drohnenperspektiven, dazwischen Establishingshots und Interviewsequenzen – das ist alles wirklich gut geschnitten, und mehr als einmal habe ich mich gefragt, wie man das alles ohne Filmteam hinbekommt. Im Ernst, “Africa Calling” ist sehr viel besser gefilmt und besser erzählt als die letzten beiden Staffeln von “A long Way”, und DIE haben ein ganzes Produktionsteam dabei.

Was man immer noch nicht mögen muss: Das Rumgekumpele und das ständige Abklatschen mit dem stets gudjelaunten kölsche Jung. Im Vorgängerfilm “Himalaya Calling” passierte das so häufig, dass es mich an den Flossen-Doc aus “Scrubs” erinnerte, aber hier ist es zumindest in den ersten 160 der insgesamt 190 Minuten Laufzeit erträglich, die letzten 30 Minuten sind dann sehr emotional.

Erik ist gerade in Südamerika unterwegs, und ich hoffe er bringt auch davon einen Film mit. Muss kein “Calling” mit Alain sein, ein Solo-“Let´s Ride” würde mir völlig reichen. (Nachtrag: Hab gerade gesehen, dass er mit Alain auf Tour ist. Klingt nach “Südamerika Calling”).

Churchill [2017, BluRay]
1944, kurz vor dem D-Day: Winston Churchill versucht die Alliierten zusammenzuhalten, wird geplagt von Selbstzweifeln und cholerischen Ausfällen.

Fun Fact: Schon in dieser Verfilmung sollte Gary Oldman den Churchill geben, lehnte die Rolle aber ab. Das ist gut so, denn Brian Cox ist auch ohne eine nahezu karikaturenhafte Maske, wie Oldman sie dann in “The Darkest Hour” trug, optisch viel näher am britischen Premier. Seine Performance ist echt ein absolutes Highlight. Körperhaltung, Blicke, Gesten – Beim flüchtigen Blick glaubt man, man habe wirklich Winston Chuchill vor sich.

Das hilft aber leider nicht. Die Story mäandert und ist inkonsistent erzählt, die Musik düdelig, die Kamera einfallslos und die Dialoge zum Augenrollen. Damit wird der Film der Dramatik der damaligen Ereignisse leider nicht gerecht.


Spielen:

Yakuza Kiwami 3: Dark Ties [2025, PS5]
Yoshitaka Mine ist gerade als Geschäftsführer seiner eigenen Firma geschasst worden, als er in den Straßen von Kamurocho einen Anschlag auf einen Yakuza-Clanboss miterlebt. Ohne zu Zögern gehen dessen Leibwächter für ihn in den Tod. Mine ist fasziniert davon und versucht herauszufinden, was diese Art von Loyalität ausgelöst hat. Dazu schließt er sich selbst den Yakuza an und arbeitet sich in den Rängen nach oben.

Interessante Idee, dem Bösewicht aus “Yakuza 3” mehr Hintergrund zu geben und damit sein mild erratisches Verhalten im Hauptspiel zu erklären. Tatsächlich erfährt man einiges über Mine, und seine Entwicklung ist nicht gänzlich unglaubwürdig.

So okay die Story aber auch ist: Spieltechnisch hat man sich hier keinen Gefallen getan. Einen Großteil der Zeit erledigt man nämlich Fleißaufgaben, um die Reputation von Yakuza-Perversling Kanda zu steigern oder die eigene Kampfkraft in einem Roguelike-Dungeon zu trainieren.

Innerhalb dieses Rahmens gibt es auch einige okaye Story-Missionen, der Großteil sind aber entweder Brawler-Events oder Fetchquests und fühlen sich damit nach Füllmaterial an. Lässt man den optionalen Kram weg, ist man in rund 5 Stunden durch.

Als kostenlose Dreingabe ist “Dark Ties” in “Yakuza Kiwami 3” enthalten und geht damit absolut in Ordnung, trotz dieser Probleme.

Resident Evil Requiem [2026, PS5]
Verhuschte FBI Analytikerin wird entführt und muss sich aus einem alten Sanatorium herausschleichen. Doof: An jeder Ecke stehen Zombies rum. Gut: Superduperagent Leon S. Kennedy eilt zu ihrer Rettung. Wiederum Doof: Er verläuft sich dauernd, hat schlimme Männergrippe und schimmelt an den Rändern.

“Wie SPIELT man dieses Spiel??”, war meine Reaktion nach der ersten Stunde. Es ist wirklich mehr als gewöhnungsbedürftig, wie sehr sich die beiden Spielfiguren in “Requiem” unterscheiden.

Mit Leon ist es eine 3rd-Person Ballerbude, die farblose FBI-Analytikerin Grace spielt man dagegen aus der Egoperspektive und sie kann zunächst gar nichts. Zwar hat sie eine Waffe, aber stets zu wenig Munition, und viel Schaden macht sie auch nicht. Bleibt nur das Schleichen um die Gegner herum, aber das geht in engen Gängen nicht immer. Gegner weglocken funktioniert zu Anfang ebenfalls praktisch nicht. Selbst das Inventar ist so winzig, das es mit einer Topfpflanze schon voll ist.

Warum ist das so unterschiedlich? In den vergangenen Jahren erschienen zahlreiche Resi-Spiele. Neben den Hauptteilen sieben und acht von 2017 und 2021 kamen Remakes der Teile zwei bis vier. Problem dabei: Die Remakes sind actionlastige Ballerorgien, die neuen Hauptteile sind quasi Walking-Simulatoren mit Schleichsequenzen und Survivalhorror. Wie bekommt man nun die Fans beider Spielprinzipien unter einen Hut, ohne eine Gruppe völlig zu vergrätzen?

Die Antwort von Resident Evil 9 : Man klebt einfach zwei Spiele – Survivalhorror und Shooter – Rücken an Rücken aneinander, und in Kombination ergibt das ein rund 13 Stunden langes Horror/Actionerlebnis der wertigen Luxusklasse.

Die Grafik der RE-Engine, mit Ausnahme der weiblichen Figuren, ist nahezu fotorealistisch und der 3D-Sound geradezu beängstigend real. Der Standard-Schwierigkeitsgrad ist perfekt balanciert – man muss schon aufpassen und beißt gelegentlich in Gras, nervige Blockaden oder Sackgassen gibt es aber nicht.

Nach dem wirren Start, der mich echt desorientiert hat, kriegt sich das Spiel zum Glück nach den ersten Stunden ein und spielerisch die Kurve, fliegt aber noch manchmal aus dieser heraus. Im Mittelteil bekommt man es mit der faktisch wehrlosen Grace recht lang mit der Resident-Evil-typischen Verfolgerkreatur zu tun, die einen unablässig verfolgt und nicht zu verletzen ist – allerdings mit dem Twist, dass diese hier urplötzlich und gescripted in einem Jumpscare auch in Sackgassen oder im absoluten Dunkel auftauchen kann. Das ist genauso zäh und nervig wie eine stundenlange Suche mit Leon nach irgendwelchen McGuffins.

Am Ende ergibt allerdings nicht nur alles einen Sinn, es gibt auch ein cooles Finale und “Requiem” stellt sich in der Gesamtschau als sehr befriedigende Spielerfahrung mit einem tollen Ende heraus.

Tolles Game, hatte ich viel Spaß mit.


Machen:

  • V-Strom durch die HU schieben
  • ZZR durch die 100.000er Inspektion

Neues Spielzeug:

Ich sag´s nicht gerne, aber: Ein iPad.
Basismodell, 128GB.

Über Jahre hatte ich für diese Gerätegattung keinen Anwendungsfall, meine Werkzeuge waren immer ein echtes Notebook und das Smartphone. Aber ein iPad ist nun auch gar kein Ding zum echten Arbeiten, auch wenn Apple gerne etwas anderes behauptet.
Es ist ein Gerät für Medienkonsum – nicht umsonst hat Steve Jobs die erste Präsentation davon auf einem Sofa gehalten.

Warum habe ich nun plötzlich doch eines?
Aus zwei Gründen: Ich lese ja ab und an ganz gerne Graphic Novels, auch ältere. Früher habe ich die gebraucht gekauft, aber das Angebot in bestimmten Nischen wird immer rarer. Kostete so ein Buch vor zehn Jahren im Handel neu 10 Euro und später gebraucht die Hälfte, werden manche Ausgaben heute für 35 oder 50 gehandelt, wenn sie überhaupt noch zu finden sind – man merkt halt, dass die Print-Auflagen bis heute signifikant immer kleiner werden. Als eBook gibt aber selbst längst vergriffene Ausgaben sofort, meist für schlappe 6,99. Nun macht es keinen Spaß, großformatige und bunte Bilderbücher auf dem Telefon oder einem kleinen eInk-Reader zu lesen.

Auf einem iPad geht das, und man kann sogar Zeitschriften und Zeitungen supergut darauf lesen! Sogar kostenlos, zum Beispiel mit der Kradblatt-App.

Grund Nummer zwei: Ab jetzt wird ALLES nur noch sehr viel teurer. Trump und seine Tech-Bros zerstören mit ihren Kriegen und dem Bau größenwahnsinniger KI-Architekturen ganze Lieferketten, Infrastrukturen und die Halbleiter-Märkte. Die Erkenntnis: Ob Autoreifen, ein Sofa oder ein technisches Gerät – wenn man mit irgendwas liebäugelt oder absehbar braucht, sollte man es JETZT kaufen, denn ALLES wird in Kürze sehr viel mehr kosten.

Darum kam der iPad-Kauf jetzt so plötzlich, zumal iPad-Preise gerade auf einem sechs-Monats-Tief sind.
Ich habe beim Lesen darauf viel Freude.

Und guckt mal, wie hybsch das Blau ist:


Ding des Monats:


Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Momentaufnahme: Februar 2026

Momentaufnahme: Februar 2026

Herr Silencer im Februar 2026

Wetter:
Der Februar beginnt, wie der Januar geendet hat: Viel Schnee und frostig kalt, bei -2 Grad tagsüber und teils zweistelligen Minuswerten in den Nächten. Nur kurz drehen die Temperaturen auch mal über den Gefrierpunkt und der Schnee taut, aber in der dritten Woche geht es lustig weiter mit dem weißen Zeug und Minustemperaturen. Dabei ist es die ganze Zeit düster, als ob es nie mehr Tag werden wollte. Erst in der letzten Woche springen die Temperaturen auf zweistellige Werte und man sieht mal kurz die Sonne.


Lesen:

Terry Pratchett: Wintersmith [2006, Kindle]
Tiffany Aching ist immer noch Hexe-in-Ausbildung, jetzt aber bei der unheimlichen und über 100 Jahre alten Ms. Treason. Versehentlich tanzt Tiffany mit dem Wintersmith, der Verkörperung des Winters. Mit schlimmen Folgen: Der Winter verliebt sich in sie, überschüttet die Welt mit eisigen Liebesgeschenken und will nie wieder dem Sommer weichen. Die Nac MacFeegle bekommen das mit, können aber nicht viel tun.

Endloser Winter? Genau das richtige Buch für diesen Monat. Wunderschöne Parabel auf Verantwortung, die Konsequenzen des Fehlens davon und dem Gleichgewicht der Dinge. Sehr poetische Bilder und sehr schön und spannend zu lesen, denn auf jeder Seite ist zu spüren, was hier auf dem Spiel steht.


Hören:


Sehen:

Die dunkelste Stunde [2017, BluRay]
Mai 1940: Winston Churchill ist unbeliebt, und das vor allem in seiner eigenen Partei. Seit einer fehlgeschlagenen Militäroperation unter seiner Führung trauen ihm andere Politiker nicht und unterstützen seine harte Haltung gegen Hitlerdeutschland nicht. Die Parlamentarier im Unterhaus wollen lieber mit Deutschland, das bereits ein Land nach dem nächsten überfällt, verhandeln. Auf mögliche Aliierte ist auch kein Verlass. Die Amerikaner wollen sich nicht in den Krieg einmischen und bieten als Unterstützung sechs alte Flugzeuge, die allerdings mit Pferden über die Grenze nach Kanada geschleppt werden müssten um nicht geltende Verträge zu verletzen, und die Franzosen haben keinen Abwehrplan, als die Wehrmacht das Land überrollt.

Dann wird nahezu die gesamt britische Armee am Strand von Dünkirchen eingekesselt und der Druck, mit Hitler einen Frieden auf Kosten Westeuropas zu schließen, wird immer größer. Wahrhaft eine dunkle Stunde, die in Churchills Rede „We Shall Fight on the Beaches“ mündet.

Ich kenne die Räume des Kriegskabinetts unter London, ich war im Unterhaus und viel von dem, was hier im Film gezeigt wird, hatte ich mir bereits selbst schon erarbeitet. Aber WIE es hier gezeigt wird, so verdichtet und toll gespielt, das ist wirklich bewegend. Die Maske von Gary Oldman ist etwas befremdlich, aber sein Schauspiel extrem gut – die Einsamkeit von Churchill und seinen Entscheidungen ist hier mit Händen greifbar.

Schöner aber: Jetzt verstehe ich endlich “Dunkirk”. Dem Film von Christopher Nolan fehlt ja jeglicher Kontext – den liefert “Die dunkelste Stunde”. Wirklich bewegend.

Das Geheimnis meines Erfolge$ [1987, Bluray]
Collegeabsolvent Michael J. Fox kommt aus der Provinz kommt nach New York, um dort einen Job zu suchen. Er findet keinen und fängt deshalb in der Poststelle eines multinationalen Konzerns an. Von dort aus steckt er seine Nase in Dinge, die ihn nichts angehen, hat Sex mit seiner Tante und rutscht in die Welt der “Schlipsträger”.

“Uninspiriert, als wäre das Skript in den 50ern geschrieben worden und als hätte es niemand vor der Verfilmung aktualisiert” – so urteilten bei Veröffentlichung bekannte Kritiker über den Film.

Dieses Urteil mag im Kontext seiner Zeit verständlich sein, denn im Umfeld von “Geheimnis meines Erfolges” erschienen “Good Morning, Vietnam”, “Drei Männer und ein Baby”, “Robocop”, “Beverly Hills Cop II”, “Lethal Weapon”, “Mondsüchtig”, “Platoon”, “Die Reise ins Ich”, “Der letzte Kaiser”, “Crocodile Dundee”, “Der Hauch des Todes” und “Dirty Dancing” – ja, 1987 war ein tolles Kinojahr.

Aus der Rück-Sicht ist der Film ein Kind seiner (Cashgeilen-)Zeit und weist sogar Parallelen zu “Wall Street” (auch 1987!) auf. Hier wie dort geht es um Yuppietypen, die im Raubtierkapitalismus der Achtziger nach oben kommen wollen, und dafür in schäbigen Mietwohnungen Hausen, kein Privatleben haben und seltsame Methoden anwenden, um nach oben zu kommen.

Auf der erzählerischen Ebene funktionieren beide aber ganz anders, und “DGmE” ist eine Screwballkomödie mit schnellen Dialogen und cleveren Comedyeinlagen. Allein die Montage der Vorstellungsgespräche zu Beginn (“Sie kommen gerade vom College, sie haben keinerlei Erfahrung” vs. “Am meisten beeindruckt mich, wieviel Erfahrung sie auf dem Collge sammeln konnten”) verrät auch heute noch so viel über die Arbeitswelt. So geht es weiter, allein die viele Wahrheiten über “Die Schlipsträger” möchte man nur feiern.

Ich mochte “DGmE” schon immer. In unserem Haushalt gab es ab 1988 die VHS-Fassung, und offensichtlich habe ich den Film in meinen jungen Jahren so oft gesehen, dass ich auch fast 40 Jahre später noch jeden Satz mitsprechen kann. Fremdschämig ist er heute nur an den Stellen, die das auch damals und mit Absicht schon waren – Stichwort “Tante Vera”. Deren lüsterne Jagd im Pool des Landhauses mit der Originalmusik aus “der weiße Hai” zu unterlegen ist aber schon wieder ein mittlerer Geniestreich.

Ein Concierge zum Verlieben [1993, BluRay]
Michael J. Fox ist Concierge eines New Yorker Nobelhotels kassiert üppige Schmiergelder für klandestine Nebentätigkeiten mit dem Ziel sich selbstständig zu machen.

“For Love or Money”, so der Originaltitel des Films, wirkte vermutlich schon 1993 aus der Zeit gefallen. Hier wird eine typische 80er-Jahre-Geschichte erzählt und anscheinend ist “Das Geheimnis meines Erfolges” die Vorlage, aber ohne sich wirklich darauf festzulegen, dass man eine Komödie sein möchte. Klar macht es Spaß, Michael J. Fox zu zusehen, aber wirklich lustig ist das nicht und der Mut zu schrägen Figuren wie “Tante Vera” fehlt völlig. Der Film ist nett, aber leider völlig egal.

Johnny English (I-III) [2003, 2011, 2018, BluRay]
Mr. Bean arbeitet beim britischen Geheimdienst und ist aus Gründen immer der einzige, der noch den Tag retten kann.

Kannte ich noch gar nicht, aber die Reihe hat mir SEHR viel Spaß gemacht, vom leichten Schmunzeln bis zum rausplatzenden Lachen. Die “Johnny English”-Filme sind deutliche Parodien auf das Bond-Franchise, allerdings ohne in Pipikacka-Witzen abzusaufen wie “Austin Powers”.

Stattdessen gibt es hier Slapstick – mit dem grandiosen Timing und Gespür für Komik, dass man von Rowan Atkinson gewohnt ist. Über die Filme hinweg macht die Figur sogar eine Charakterentwicklung durch, vom völlig unfähigen Trottel hin zum durchaus kompetenten Agenten, der aber immer wieder an den Umständen scheitert.

Dazu kommen die tollen Nebenfiguren, z.B. John Malkovich als rachsüchtiger Franzose (Teil I), Gillian Anderson als Geheimdienstleiterin zwischen Job und Familie (Teil II) oder Emma Thompson als versoffene Premierministerin mit Elon-Musk-Fetisch (Teil III), das ist schon cool geschrieben und gespielt.

Sehr, sehr gut gemacht und wirklich nice, wenn man Bondfilme oder “Die Nackte Kanone” mag und Aufheiterung nötig hat.

Dschungelcamp 2026
Einmal im Jahr kurbele ich den TV-Receiver an, und zwar um “Ich bin ein Star, holt mich hier raus” zu gucken. Aber meine Güte, war das in diesem Jahr unangenehm.

Das Teilnehmerfeld bestand aus allerlei egalen Nasen, erzählt wurde nur die Geschichte von irgendeiner dauerkreischenden Ariel und von Gil Ofarim.

Letzterer hat diese brettbescheuerte und saugefährliche Aktion gebracht, falsche Antisemitimusanschuldigungen zu erfinden und das auch bis vor Gericht durchzuziehen. Dort kam es dann zu einem Vergleich, aber anstatt das als Güte der Justizia und des Anklägers gegen ihn zu sehen, wurde Ofarim im Dschungel so richtig unangenehm und raunte am Lagerfeuer davon, dass er “Antworten vom Justizsystem” wolle und impliziert mit Andeutungen, dass “die Zuschauer ja nicht alles wissen” und er zu unrecht angezeigt wurde.

Das ist absolut schmierlappiges Verhalten und bespielt die Klaviatur, die das AFD-Lied vom Zweifel an den Institutionen in die Welt trägt. Und das alles gestützt von RTL, die Ofarims Halb- oder Unwahrheiten weder einordneten noch Sendezeit kürzten.

Aus dem Innern des Dschungels wurde damit am Rechtsstaat gesägt und Demokratie ausgehöhlt. Das ist keine Einbildung oder Übersensibilisierung meinerseits. Der Jubel über Ofarims Verschwörungsgeraune war so laut, dass er in Telefonvotings weit vorne lag und am Ende sogar das Camp gewonnen hat.

Ich hätte brechen können und habe folgerichtig die Staffel nicht mal mehr zu Ende gesehen. Toll gemacht, RTL. Große Leistung, Wurstnase.


Spielen:


Metaphor: ReFantazio [2024, PS5]

Der König wurde ermordet, der Thronerbe liegt im Koma. Nun soll der Gewinner eines Wettkampfs der nächste Herrscher werden. Es treten an: Ein fanatischer Kampfpriester, ein eloquenter Kriegsprinz, diverse NPCs und ein seltsamer Underdog.

Ich hatte mit “Metaphor” vor einem Jahr begonnen und schon 60 Stunden auf der Uhr. Damals fand ich den Mix aus “Persona”-Gamemechanik und Fantasy-Setting erfrischend, mittendrin zog es sich aber ein wenig und ich legte es zur Seite. Nun also wieder angefangen und zu Ende gespielt, und leider: Das Spiel reisst nach hinten raus alles ein, was mich vorne so begeistert hat. Und zwar einfach deshalb, weil es urplötzlich sauschwer und überkomplex wird.

Das “Persona”-System mit seinen. vielen Permutationsmöglichkeiten bei der Magiekombination ist schon echt komplex, aber bei “Metaphor” ist alles auf Eleven gedreht. Hier hat jede der 8 Spielfiguren gleich 25 Personas zur Auswahl, mit jeweils 20 Stufen, die aber nur durch Kreuzabhängigkeiten und dem Vorleigen von zig Voraussetzungen erreichbar sind.

Das ist leider viel zu viel und funktioniert auch nicht gut, denn es es gibt keine wirkliche Freiheit zur Kombination, sondern einen ziemlich schmalen Critical Path von “richtigen” Entscheidungen ud Kombinationen. Verlässt man diesen Pfad, baut seine Charaktere nach eigenem Gusto und entscheidet sich, aus Sicht der Spielentwickler, für die “verkehrten” Personas und Skills, dann kann man das Spiel nicht schaffen. Wie dieser Pfad verläuft, das sagt einem aber niemand.

So fehlten mir um Stunde 70 rum plötzlich gut 15 Level bei jedem Charakter, was dazu führte, das selbst meine gut gerüstete Heldentruppe plötzlich wieder extreme Probleme bei Feld-, Wald- und Wiesengegnern hatte. In der Folge dauern selbst Nebenkämpfe ewig, Bosse waren gar nicht mehr zu machen und selbst auf Schwierigkeitsgrad “Leicht” war alles eine Herausforderung.

Gleichzeitig lief die Zeit weg, weil meine schwachen Charaktere dauernd Pausen brauchten. Denn leider kann man nicht beliebig Level grinden, durch das “Persona”-Spielgerüst ist die Anzahl der möglichen Aktionen ist begrenzt, ein Kalender läuft mit und bei einem Enddatum kommt es zu einem Bosskampf. Bei “Persona” war das Okay, weil jeder Spielcharakter genau eine Persona zum Aufleveln hatte. Aber 25?!

Dazu kam, das ich erst spät verstanden habe, dass ich die wirklich alle Figuren mit sehr speziellen Personas leveln muss, auch bei Figuren, die ich gar nicht aktiv in der Party habe. Tut man das nicht, hat man im letzten Viertel keine Chance mehr, die Voraussetzungen zu erfüllen die Figuren so stark zu machen, dass sie den Endboss überstehen.

Fledermauskumpel Heismay bspw. kann sehr mächtig werden – aber NUR, wenn er zuvor in Summe 9 Personas bis Maximum aufgelevelt UND dick mit diversen Charakteren befreundet ist. Was man aufleveln muss, sagt einem das Spiel nicht – bzw. erst, wenn man es ohnehin schon getan hat. Ohne seine mächtige Form ist Heismay nutzlos.

Dazu kommen weitere unfaire Elemente, wie Bossgegner, die sich über die bis dahin etablierten Regeln der Spielwelt hinwegsetzen. Kurz vor Ende gibt es Gegner, die sich bis zu 16 Aktionen herbeizaubern – sobald die am Zug sind, kann man erstmal Kaffee trinken gehen, und wenn man wiederkommt, ist die eigene Heldentruppe tot.

Oder der Drache, der ab Kampfminute drei alle Spielfiguren so verzaubert, dass sie nie zum Zug kommen, und sie dann einfach mit einem Atomschlag von 10.000 Schadenspunkten verbrennt (zum Vergleich wie heftig so ein Treffer ist: Eine Figur hat ungefähr 400 Lebenspunkte). Manchmal gibt es auch hier supersimple Taktiken. So kann man dem Drachen mit einer bestimmten Figuren auf einem bestimmten Level und einem bestimmten Spruch eine Schwäche gegen Feuer anhexen, und wenn man dann noch Items oder Zaubersprüche hat, die sein Feuer reflektieren, verbrennt er sich instantan selbst. Nette Idee, aber woher zum Geier soll man das wissen??

Oder das Viech, das einfach mit einer allmächtigen Smartbombe alle Figuren des Spielers schlicht wegsprengt. Keine Verteidigung möglich. Das tut der Gegner aber nicht gleich, sondern nachdem man sich EINE FUCKING STUNDE an ihm abgearbeitet hat. Sein letzter Move vor seinem Exitus ist dann, einfach alles wegzuhauen – aber NUR, wenn eine der Spielfiguren ein bestimmtes Kleidungsstück trägt. WTF??

Vom Endgegner will ich gar nicht erst anfangen. Der Kampf gegen den Typen ist elegant, fair und sinnvoll – IN DER ERSTEN RUNDE. Leider steht der Penner immer wieder auf, wird jedesmal mächtiger und setzt man Ende Techniken ein, zu denen mir nicht mehr einfällt.
Zu dem Zeitpunkt war ich schon auf der allereinfachsten Schwierigkeitsstufe “Storyteller”, die ist noch unter “Leicht”, und ich hatte sehr gut aufgelevelte Figuren. Und trotzdem hat der Typ meine gesamte Party mit zwei Zügen plattgemacht.

Nun können auf “Storyteller” alle Figuren sofort wieder mit vollem Lebensbalken aufstehen, sobald die gesamte Heldentruppe gefallen ist, aber dieser Typ ist so mächtig, dass er bereits wieder alle gekillt hatte noch bevor sie einen Zug ausführen konnten. Nein, sowas macht keinen Spaß – und wenn man den Kampf mangels Items oder wegen “falscher” Skills gar nicht bestanden werden kann, dann ist das schlechtes Spieldesign.

Solche Dinge und diese fragwürdigen Designentscheidungen mit den möglichen Sackgassen, in die man nach 80, 90 Stunden hineinlaufen kann, sind einfach nur ärgerlich. Was soll sowas? Haben sich die Designer gesagt “Na, beim zweiten oder dritten Durchlauf weiß der Spieler es dann?”

Danke, da verzichte ich. Ich hatte mit “Metaphor” viel Spaß, bis es urplötzlich komisch wurde, kippte und sich alles nach Arbeit anfühlte. Am Ende war es mir dann auch völlig egal, was da passiert. Ich wollte nur noch, das es vorbei ist.

Ich spiele ein Spiel weil ich Spaß möchte, ich will es weder studieren müssen, noch Arbeit damit haben.

TL, DR; “Metaphor” sieht toll aus, hat ein feines Artdesign und sehr besondere Musik, nices Gameplay und eine gut geschriebene Geschichte. Da steckt viel Liebe und Können drin. Das bewährte “Persona”-System wurde aber leider extrem verkompliziert und mit weiteren Systemen überladen, und, wie gesagt: Die Sackgassen! Wenn Spielerinnen nach 90 Stunden Spielzeit das Ende aber nur auf Youtube erleben können (ist einer Freundin von mir so ergangen), dann stimmt da grundlegend was nicht.

Yakuza 3 Kiwami [2026, PS5]
Ein verurteilter Ex-Yakuza macht auf Okinawa ein Kinderheim auf, nennt es “Morning Glory”, hält da sechs Kinder zwischen 4 und 8 Jahren und überlässt deren Pflege und alle anderen Arbeiten einer Neunjährigen.

Warum ist sowas erlaubt? Wieso macht der angebliche Ex-Yakuza das? Und wieso sollte irgend jemand sowas spielen wollen?
Nun, das weiß niemand, aber Yakuza 3 existiert nun mal.

Das Originalspiel erschien 2008 und war schon damals schräg, ich hatte 2020 das Remaster gespielt und keine Minute Spaß damit. Die Grafik war igitt, das Kampfsystem nervig und langsam, Auseinandersetzungen dauerten Minuten, weil Gegner dauernd blockten, die Steuerung war unter aller Sau, das Pacing völliger Müll, vor allem aber war die Prämisse creepy:
Warum hat ein erwachsener und sehr gestörter Mann mit supergewalttätiger Vorgeschichte so ein Interesse an wildfremden und kleinen Kindern? Warum DARF der die als Vorbestrafter überhaupt betreuen? Warum heißt das Waisenhaus ausgerechnet “Morgenlatte”? (Das bedeutet Morning Glory nämlich im englischen Slang).

Diese fürchterliche Ausgangslage hat sich auch im Remake nicht geändert. Ansonsten wurde aber alles modernisiert und spielbarer gemacht.

Im Kämpfen kommt das Brawler-System der neuen Yakuza-Teile wie “The Man who erased his Name” zum Einsatz, allerdings mit einem schlanken Fertigkeitsbaum. Die Nebenmissionen wurden von 100 auf 31 eingedampft, wobei vor allem der repetitive Quatsch und die dummen Fetchquests entfallen ist. Dafür wurden Fotosafaris, Kontaktsammlung, E-Scooter und blöde Sammelaufgaben aus “Infinite Wealth” hineingestopft, bis es wieder an jeder Ecke zu viel wird.

Das Squad-System hat nach “Pirate Yakuza in Hawaii” seinen zweiten Auftritt hat. Hier managed man keine Schiffsbesatzung, sondern eine Frauen-Motorradgang. Das ist nicht so motivierend wie die Seeschlachten, aber immer noch ganz launig.

Größter Vorteil aber: Die Einzelstories der Waisenkinder sind komplett optional. Im Original gab es Zeitdruck durch die Hauptstory, aber die kam nicht von der Stelle, weil man erst geschlagene zehn Spielstunden lang einhundertundeine Fetchquest für die jammernden Arschlochkinder im Waisenhaus absolvieren musste.

Das ist in der Kiwami-Fassung nun zum Glück anders: Die nervigen Blagen werden kurz eingeführt, aber dann muss man sich nicht mehr mit ihnen beschäftigen. Falls das doch jemand tun möchte besteht natürlich die Möglichkeit dazu, jetzt sogar mit mehr Abwechslung. In zahllosen Minispielchen kann man den Waisenkindern Taschen nähen, mit ihnen Fische oder Schmetterlinge fangen, einen Kuhstall bewirtschaften, Gemüse pflanzen und damit kochen und einen Hundewelpen groß ziehen.
Zum Kotzen.
Aber wie gesagt: Alles optional.

Wer lieber der Story folgen will, lässt den ganzen Cosy-Mumpitz links liegen und reist einfach sofort wieder von Okinawa nach Tokyo, um in den nächtlichen Gassen des Rotlichtviertels Punks zu verhauen und Geheimnissen um korrupte Politiker auf die Schliche zu kommen. Durch diese Möglichkeiten der Abkürzung ändert sich das gesamte Pacing des Spiels, und zwar zum deutlich Besseren.

Besser sind auch die neuen Figuren, die jetzt halbwegs realistisch aussehen und deren Performances teils echt creepy sind. Was Wunder, ist doch zumindest einer der neuen Schauspieler auch im echten leben ein creepy Frauenschläger.

Kurz gesagt: Yakuza 3 Kiwami ist ein besseres Spiel als das Original und das gewalttätigste Cosy-Game, was es bislang gibt. Das ändert nichts an der absurden und fragwürdigen Prämisse, die beim Spielen dauerndes Unbehagen erzeugt.


Machen:

  • Früh ins Bett gehen

Neues Spielzeug:

Eine Insta360 X4 Air im Starterbundle. Leicht und klein, nicht so gute Dämmerungsaufnahmen wie das aktuelle Flagschiff X5, dafür eine Akkulaufzeit von rund 90 Minuten und 8K. Für erste Schritte in Sachen 360-Grad Aufnahmen wird´s reichen. Ausschlaggebend war gerade ein sehr niedriger Preis für das Bundle und, im Vergleich zur Konkurrenz DJI Osmo 360, eine ausgefeilte Editing-Software.


Ding des Monats:

Schneeketten! Für die Füße!


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