Momentaufnahme: Juli 2026
Herr Silencer im Juli 2026
Warum gibt es keine ruhigen Zeiten mehr im Jahr?
Wetter: Monatsanfang wie der Juni, mit 9 bis 13 Grad und Regen. Tagelang ist es bedeckt, Blätter fallen von den Bäumen – das fühlt sich nach Herbst an. Monatsmitte nochmal kühler, mit grauen Tagen von 8 bis 14 Grad. Regnen tut es so gut wie nicht, nirgens. In Deutschland trocknen Flüsse und Seen aus, in Italien läuft Meerwasser in die Po-Ebene und in Frankreich und Spanien brennen ganze Landstriche. In den letzten Julitagen kommt die neue Hitzewelle auch in Deutschland an, wieder sind es 36 Grad im Schatten.
Lesen:

Terry Pratchett: Lords and Ladies [1992, Kindle]
Unmittelbar nach “Witches abroad”: Nanny Ogg, Magrat Knoblauch und Esmé Wetterwachs sind wieder zu Hause in den Spitzhornbergen. Auf Magrat wartet ein Jobwechsel, von der Hexe zur Königin von Lancre. Esmé Wetterwachs wird von rebellischen Junghexen herausgefordert. Nanny Ogg bereitet ein Bad vor.
Während jede der Hexen mit ihren eigenen Problemen beschäftigt ist, formiert sich über Lancre eine lebensbedrohliche Gefahr: Nach Jahrhunderten machen Elfen Anstalten, durch die dünner werdenden Mauern der Realität zu brechen. Und anders, als alle denken, sind Elfen nicht schön und nett, sondern bezaubernd schön – und grausame Massenmörder.
Man merkt an der Sprache, dass das Buch in den 90ern entstanden ist. Aber anders als in den ganz frühen Pratchett-Werken gibt es hier schon keinen Slapstick mehr, sondern eine ordentliche Geschichte und gut ausgeformte Figuren mit ordentlich Tiefe und einer Entwicklung.
In Vielerlei Hinsicht legt “Lords and Ladies” die Grundsteine für die Weiterentwicklung der Scheibenwelt, und sogar für deren Abschluss. “The Shepherds Crown”, das 23 Jahre später erschienene, letzte Buch von Pratchett, greift Handlungsstränge, Figuren und Begebenheiten von “Lords and Ladies” wieder auf und führt sie zu einem Ende.
Interessant, heute diese Zirkelschlüsse zu sehen.
Szene, die ich nicht vergessen werde: Wie Esmé Weatherwax ein blutrünstiges und halb wahnsinniges Einhorn bändigt.
Hören:
Sehen:
Shogun [2024, Disney+]
Im Jahre 1600 strandet nach wochenlanger Irrfahrt ein englisches Schiff an der Küste Japans, nur wenige Seeleute überleben. Navigator Blackthorne wird in die Machtkämpfe der Fürstenhäuser hineingezogen. Der neue Kaiser ist noch ein Kind, und mehre Fürsten wären gerne Shogun, des Kaisers Stellvertreter und damit Herrscher über Japan.
Eine Neuauflage der 80er-Jahre-Serie. Damals fokussierte alles auf Richard Chamberlain, der als Blackthorne ziemlich spicy Affären mit japanischen Hofdamen hatte und später zum Samurai unter Fürst Toranaga wurde. Das war damals schon erstaunlich aufwendig produziert, aber nichts gegen den Aufwand, den FX hier betrieben hat.
“Shogun 2024” erweckt Japan bildgewaltig und sehr atmosphärisch zum Leben.
Anders als beim Chamberlain-Vehikel fokussiert die Neuauflage nicht die ganze Zeit auf die Figur des Blackthorne, sondern gibt den japanischen Charakteren Raum und zeigt viel von japanischer Kultur und Gepflogenheiten. Das fühlt sich wundervoll und fremdartig an, was noch dadruch gesteigert wird, dass hier fast ausschließlich japanisch gesprochen wird – manchmal ohne Untertitel, so dass die Zuschauer, genau wie Blackthorne, nicht genau verstehen, was hier passiert. Sehr cooler Kniff, der das ganze authentisch macht.
Das Blackthorne nicht ständig im Mittelpunkt steht ist auch gut so, denn der Schauspieler, der den englischen Navigator verkörpert, ist ein fürchterlicher Lappen. Cosmo Jarvis ist eigentlich Musiker, und das merkt man deutlich. Seine schauspielerischen Fähigkeiten beschränken sich auf zwei Gesichtsausdrücke: Wehleidig und traurig. Im Ernst, der guckt immer so, als sei gerade sein Lieblingshund gestorben. Oder als hätte er ganz doll Zahnschmerzen. Oder als sei ihm etwas auf den Fuß gefallen. Auf jeden Fall, als würde er gleich in Tränen ausbrechen.
Null Charisma, keine Präsenz – keine Ahnung, warum der gecastet wurde. Zumal der von Schauspiellegenden wie dem Amerikaner Hiroyuki Sanada als Toranaga oder Anna Sawai als Mariko in jeder Szene völlig an die Wand gespielt wird.
Neben dem Lappen gibt es nur einen Grund zur Klage: Manche Szenen sind wieder dunkel wie ein Bärenrarsch, auf nicht-HDR-Geräten zweifelt man über weite Strecken am eigenen Augenlicht.
Sei´s drum, die Serie ist eine Wucht.
Szene, die ich nicht vergessen werde: Wie der Rat im Kaiserpalast in Kyoto tagt. Da bin ich selbst schon gewesen!
Quantum Leap [2022, Joyn]
Nachdem er die Theorie aufgestellt hatte, dass man innerhalb seiner eigenen Lebenszeit Zeitreisen könne, stieg Dr. Ben Song in den Quantensprungzeitbeschleuniger und… verschwand.
Wait, what? War das nicht Dr. Sam Beckett, der Zurück in die Vergangenheit sprang und mit Hologramm Al Dinge im Leben von Personen zum Guten wenden musste?
Ja, war es. Leider wurde die Serie 1993 überraschend abgesetzt, und den Produzenten fiel nichts Besseres ein, als in der letzten Szene eine Texttafel in die Kamera zu halten, auf der der Name des Helden auch noch verkehrt geschrieben war: “Dr. Sam Becket (SIC!) kehrte nie nach Hause zurück”.
“Quantum Leap” von 2022 ist nun ein, als Fortsetzung getarntes, Remake dieser Geschichte.
Ein neues Team nimmt sich vor, Sam Beckett in der Vergangenheit zu finden, staubt dafür den alten Quantensprungzeitbeschleuniger ab und reaktiviert die etwas eigensinnige KI Ziggy. Beim Rumtüfteln macht es plötzlich ZAPP, und der Wissenschaftler Ben Song ist weg. Er findet sich nun seinerseits in der Vergangenheit wieder und muss mit Hilfe Des Quantum Leap-Teams Dinge richten.
“Quantum Leap” greift das alte Motiv von “Zurück in die Vergangenheit” auf: Einzelkämpfer springt jede Woche in eine neue Figur und an verschiedene Zeiten und Orte und wird dabei von einem Hologramm begleitet.
Die Suche nach Sam Beckett tritt dabei leider schnell in den Hintergrund, stattdessen konzentriert man sich auf den Versuch, den neuen Zeitreisenden Ben Song wieder nach Hause zu holen. Das macht die Serie dann faktisch doch weniger zu einer Fortsetzung, als vielmehr zu einem Remake von “Zurück in die Vergangenheit”. Dabei versucht die neue Serie weniger Campy zu sein als das Original und mehr Dramatik reinzubringen, was mir sehr gut gefällt.
Zugleich wird das Bild weiter aufgezogen. Es gibt nun handlungsübergreifende Erzählstränge und Zeitreise-Mysterien, die wirklich spannend sind. So gibt es z.B. Sprünge, die zusammen zu hängen scheinen, und die auf ein bestimmtes Ziel in der Zeit ausgerichtet sind, dem sich Ben Song immer weiter nähert. Ab Staffel zwei kreuzen sich diese Zielsprünge immer wieder mit dem Leben einer bestimmten Person, und führen teils 300 Jahre in die Vergangenheit oder in ganz andere Länder.
Das neue “Quantum Leap” nimmt mehr Freiheiten, was die eignen Zeitreiseregeln angeht. Sam Beckett konnte nur innerhalb seiner eigenen Lebenszeit reisen, Ben Song verschlägt es auch mal ins Jahr 1692 oder nach 2050.
Das alte “Zurück in die Vergangenheit” war zudem stets knausrig damit, uns die Gegenwart zu zeigen. Über den ganzen Serienlauf von fünf Jahren spielten gerade mal fünf Minuten in den Laboren der Zeitmaschine in der Gegenwart. Die neue Serie geht da anders ran und bietet parallel zur Vergangenheit immer auch eine Gegenwartshandlung, wobei das ganze Team hinter Projekt Quantensprung eine wichtige Rolle spielt.
Dieses Team ist eine Wucht, sowohl von den Figuren als auch von den Schauspielern. Es ist sehr divers aufgestellt: Jason Alexander Park (“Desire” aus “Sandman”) spielt den genderfluiden Quantenspezialisten Ian Wright, die Newcomerinnen Nanrisa Lee und Caitlin Bassett sind als toughe Sicherheitschefin und als Projektbegleiterin unterwegs. Der größte Besetzungscoup ist allerdings Ernie Hudson (Winston Zeddemore aus “Ghostbusters”), der den Projektleiter Herbert “Magic” Johnson mimt.
Jede dieser Figuren ist toll gespielt und gut geschrieben, jede bringt eigene Hintergrundgeschichten mit, die immer wieder geschickt in die Zeitreiseabenteuer eingewoben sind. In der Vergangenheit steht dann der Zeitreisende Ben Song im Vordergrund, nur leider ist ausgerechnet Raymond Lee in dieser Rolle nicht unbedingt brillant, um nicht zu sagen: Fehlbesetzt.
Aber nun, irgendwas ist immer, und ich freue mich, dass hier eine meiner Lieblingsserien aus den 90ern sehr liebevoll remaked wurde. Figuren, Stories, Setting – hier passt sehr viel. Für mich zumindest, für Produzent NBC leider nicht – die Serie wurde 2024 nach nur zwei Staffeln und 31 Episoden wieder eingestellt. Wie das Original mit einer sehr guten Doppelfolge… und einem Cliffhanger, der nie aufgelöst werden wird.
Schade drum.
Szene, die ich nicht vergessen werde: Wie das Team herausfindet, was und wer hinter den Zielsprüngen steckt.
Spielen:

South of Midnight [2026, PS5]
In den Südstaaten der USA reisst ein Hurricane ein Haus weg. Dummerweise war darin die Mama der Teenagerin Hazel.
Hazel macht sich auf die Suche nach Haus und Mutter. Dabei wird die Realität immer dünner, und sie gerät in zunehmend verwirrendere Situationen. Bald verfolgen sie berggroße Alligatoren, sie findet baumgewordene Menschen und trifft einen sprechenden Wels. Der Wels ist es auch, der Hazel erklärt, dass sie eine Weberin sei. Ihr Erbe ist es, dass sie das Gewebe von Raum und Zeit beeinflussen kann.
“Southern Gothic” nennt man Gruselgeschichten aus den Südstaaten, und in “Sout of Midnight” werden sie allesamt wahr.
Umgesetzt wird die Alice-im-Wunderland-Story mit viel Liebe zur Story, vor allem aber einem wundervollen Artstyle. Die Grafik wirkt wie Stop-Motion, und das Intro ist sogar mit echten Figuren und in Stop Motion erstellt und wirklich herzallerliebst:
Die absolute Bombe ist aber der Sound. Ambientsounds wurden direkt in den Sümpfen Louisianas aufgenommen, und so platscht, zirpt und knarrt es wunderbar räumlich aus den Boxen.
Dazu kommt die Musik: Durch jeden neuen Level schweben zu Beginn nur lose zusammenhängende Noten oder Akkorde und einzelne Textzeilen. Im Verlauf des Levels werden die immer dichter werden und verweben sich ineinander, bis daraus zum Ende ein kraftvoller Song wird, der die Figuren oder die Geschichte beschreibt. Eingespielt sind diese Stücke von einem echten Orchester, Gospelchören und wirklich guten Sängerinnen und Sängern.
Im krassen Gegensatz zu der wunderschönen Präsentation steht das fade Gameplay. Die Erkundungs- und Puzzlesequenzen sind interessant und okay, werden aber durch Arena-Kämpfe unterbrochen. Die brechen den Spielfluss, sind repetitiv, und da es nur wenige Gegnertypen gibt, sind sie auch nicht besonders interessant. Leicht sind sie dennoch nicht, die Fließbandgegner können im Verlauf immer mehr ab und werden immer zahlreicher, was an sich schon ein billiger Kniff ist. Das Kampfsystem ist aber auch einfach nicht gut, weil es animationsbasiert ist. Holt ein Gegner zum Schlag aus, gibt es keinen richtigen Konter – selbst wenn man ihn während seiner Schlaganimation kaputtboxt, führt er den noch zu Ende.
Anders dagegen die Bosskämpfe. Die sind alle interessant, aber letztlich auch nach Schema F und zudem so schwer, das der fein einstellbare Schwierigkeitsgrad ein Segen ist.
Trotz der spielerischen Schwächen: “South of Midnight” ist ein echtes Kleinod, ein wunderschönes und einzigartiges Märchen. Leider wird es das einzige seiner Art bleiben. Das kleine Studio “Compulsion Games”, das dahintersteckt, wurde von Microsoft gekauft, “South of Midnight” XBOX-exklusiv im Gamepass an Abonnenten verschenkt und das Studio im Anschluss wegen zu geringer Verkaufszahlen(!) geschlossen.
Bastarde.
Szene, die ich nicht vergessen werde: Wie Hazel erkennt, was es mit der Riesenspinne auf sich hat. Ein berührender Twist.
Nachtrag: Compulsion Games wurde jetzt doch erlaubt sich zu überlegen, ob sie mitsamt der Marke einen neuen Investor finden möchten.
Machen:
- Urlaubsvertretung
- Erste-Hilfe-Kurs, endlich mal wieder
- Gewisse Dinge ziemlich beschissen finden
- Mich mit dem Gedanken anfreunden, Anna in Rente schicken zu müssen
Neues Spielzeug:
Sidi Adventure 2 GTX
Feste Stiefel von Sidi, eine Mischung aus Touren- und Endurostiefel.
Mehr dazu hier.
Ding des Monats:
Besteck.
Endlich mal vernünftiges Besteck.
Bislang hatte ich, neben einem Sammelsurium von Einzelstücken aus diversen WGs, ein recht okayes “Auenthaler”-Besteck in kleiner Zahl. Ich hatte keine Ahnung mehr woher ich das hatte -ich dachte, das wäre recht gutes. Stellt sich aber raus: “Auenthaler” war mal eine Eigenmarke von Aldi.
Es hat 20 Jahre gute Dienste geleistet, wird aber nun abgelöst von WMF Verona. Sehr klassische Form, ein wenig Art Deco-Style. Angenehm schwer, aber nicht zu schwer. Eignet sich für den Alltag genauso wie für die festliche Tafel. Nur die Dessertlöffel sind für meinen Geschmack zu kurz.

















































