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Archiv der Kategorie: Gnadenloses Leben

Momentaufnahme: August 2018

Herr Silencer im August 2018

Von Hochsommer auf Herbst in zwei Tagen? Ist das überhaupt erlaubt?

Wetter: Der Monatsanfang ist heiß, selbst um Mitternacht sind es noch um die 30 Grad. In der zweiten Woche sinken die Temperaturen zumindest nachts auf ein erträgliches Maß, aber tagsüber brüllt die Sonne und die Dürre geht weiter. In der dritten Woche kommt leichter Regen, und die Temperaturen sinken tagsüber auf irnswat um die 20 Grad, bei bedecktem Himmel. Am letzten Augustwochenende hat der Sommer keine Lust mehr. Plötzlich fallen die Blätter von den Bäumen, und bei 15 Grad und bedecktem Himmel kommt eine Ahnung von Herbst auf.


Lesen:

Terry Pratchett: Thief of Time [Kindle]
Die kleinste, denkbare Zeiteinheit ist der Moment zwischen Zukunft und Vergangenheit, das „Jetzt“. Dieses Jetzt wird permanent zerstört und neu geschaffen. Würde nun jemand eine Uhr bauen, die diese kleinste Zeiteinheit erfassen kann, würde die Zeit selbst in dieser Uhr gefangen. Das wissen die Geschichtsmönche. Die heißen so, weil sie die Geschichte der Welt wieder zusammengeflickt haben, nachdem die Zeit durch eine solche Uhr schon einmal in tausend Stücke zersprungen ist. Nun baut irgendwo jemand eine neue Uhr, was sowohl die Mönche als auch Miss Susan, die Enkeltochter von Tod, verhindern wollen. Leider kommen sie alle zu spät, was die Reiter der Apokalypse dazu zwingt auszureiten. Alle 5. Inklusive dem, der zu früh ausgestiegen ist.

„Thief of Time“ ist 2002 erschienen. Das 26. Buch der Scheibenweltreihe gehört zu denen aus Pratchetts bester Schaffensphase. Hier findet sich kein Slapstik oder Billigwitze wie in den frühen Werken, aber auch noch keine mäandernde Unkonzentriertheit wie in den späteren Büchern. Nein, der „Zeitdieb“ ist eine faszinierende und spannende Geschichte, die auf jeder zweiten Seite mit einer fantastischen Idee oder einer menschlichen Erkenntnis aufwartet. Charakterisierungen gelingen hier mit wenigen Sätzen, die Motivationen nachvollziehbar und das Bild der Zeit als Frau, die durch eine endlose Abfolge von gläsernen Zimmern schreitet, die hinter ihr zersplittern, ein wunderschönes.


Hören:

Nix.


Sehen:

Rick & Morty [Netflix]
Man stelle sich vor, Doc Brown wäre ein misantrophischer Alkoholiker und würde in die Garage von Marty McFly einziehen und dort am laufenden Meter verrückte Dinge erfinden. Damit gehen die beiden dann auf Abenteuerreise. Das ist ungefähr die Ausgangslage von „Rick & Morty“: „Doc & Marty“ auf Drogen.

Völlig absurd, definitiv für erwachsene und ein Riesenspaß.

Mission Impossible: Fallout [Kino]
Tom Cruise macht sein Tom Cruise-Ding inkl. viel Rumrennerei.

Tom Cruise-Filme sind Tom-Cruise-Vehikel. Basta. Macht der Typ irgendwo mit, stellt er sich in den Mittelpunkt und kontrolliert jeden Aspekt der Produktion. Das funktioniert mal besser („Live. Die. Repeat.“) und mal gar nicht („The Mummy“). Bei den „Mission Impossible“-Filmen funktioniert es seit Teil 3 hervorragend. Das sind Actionfilme der alten Schule, die mit unglaublichen Actionpieces aufwarten, die Cruise auch noch fast alle selbst macht. Rumklettern am höchsten Gebäude der Welt, Halo-Sprünge – alles kein Problem für einen „Operierenden Titan der Stufe 7“, wie der Rang lautet, den Cruise bei Scientology bekleidet. „Fall Out“ ist nun der beste der bisherigen „Mission“-Filme. Spannenden und komplizierte Story, gute Charaktere, irre Action. Das Pacing ist gelungen, auch wenn der Film in der Summe 30 Minuten zu lang ist. Macht aber nix, kann man sich trotzdem angucken.

Ant-Man and the Wasp [Kino]
Scott Lang durfte vor drei Jahren für kurze Zeit den Anzug des „Ant-Man“ tragen, der es seinem Träger erlaubt sehr klein oder sehr groß zu sein. Dann stand er in „Civil War“ auf der Verliererseite und steht nun dafür unter Hausarrest. Aber in drei Tagen ist die Bewährungsstrafe rum, dann kann er wieder vor die Tür und mit seiner kleinen Tochter Eis essen. Klar, dass es in diesen drei Tagen zu Komplikationen kommt.

Mal wieder ein „kleiner“ Marvel Film, der sich nicht um die Rettung des Universums oder Magie dreht, sondern um die Probleme einiger weniger Menschen. Scott möchte seine Strafe absitzen, Sidekick Louis möchte eine Sicherheitsfirma gründen, Kirk Douglas möchte seine Frau retten, Laurence Fishburn möchte helfen. Das alles ist nachvollziehbar, gut erzählt und dabei witzig gemacht. In der Summe ein guter Marvel-Film, ABER: Im Kino muss man den nicht gucken. Warum? WEIL JEDE, wirklich ausnahmslos JEDE COOLE ODER WITZIGE ACTIONSZENE IN DEN TRAILERN VORKAM. Echt, wer zwei Trailer von Ant-Man gesehen hat, der hat alle WTF-Staun-Momente gesehen. Der Rest ist immer noch witzig, aber das Kinoticket nicht mehr wert.

Anchorman 1 & 2 [Netflix]
San Diego in den 70ern – Ron Burgundy ist Chauvi, Polyesteranzugträger und Anchorman eines TV-Senders. In Teil 1 wird er damit konfrontiert, dass auch Frauen in Fernsehen kommen, in Teil 2 mit schwarzen Frauen.

Ich musste das jetzt mal gucken, allein schon, weil die beiden Filme popkulturell so oft referenziert werden (man denke an das „That escalated quickly“-Meme). Tatsächlich sind die Filme haarsträubender Nonsense, fast in Monty Python-Tradition. Wenn verfeindete Newsteam mit Keulen und Äxten aufeinander losgehen, Burgundy einen Aussetzer bekommt, weil sein neuer Chef eine farbige Frau ist oder eine ganze Sequenz in völliger Schwerelosigkeite´abläuft, weil ein Wohnmobil sich überschlägt – dann ist das so überzogender Schwachsinn, dass man den kaum noch vergessen kann. Dazu noch Christina „Dumpfbacke“ Applegate und eine umwerfende Linda Jackson, die Machos zeigt, wo die Glocken hängen – macht in Summe sehr viel Spaß.

Alibi [Theater im OP]
Mordgeschichte nach Agatha Christie. Auf einem Landsitz kommt ein Lord ums Leben. Gut, das ins Nachbarhaus gerade Hercule Poirot eingezogen ist! Der rüstige Rentner wollte eigentlich nicht mehr ermitteln und sich der Kürbiszucht widmen, kann es dann aber doch nicht lassen, den gewachsten Schnurrbart in den Kriminalfall zu stecken.

Schön gespielt und stellenweise überraschend. Am meisten überrascht hat mich, wie düster der Stoff ist. Ausnahmslos jeder hat hier Dreck am Stecken, und der Ich-Erzähler der Geschichte entpuppt sich am Ende als Lügner, der über seine Erzählung an das Publikum ein Alibi bauen wollte. Clever!


Spielen:

Gears of War [XBOX One]
In der Zukunft. Insekten wollen den Planeten von Innen heraus erobern, schwer bewaffnete Hightech-Soldaten, die „Gears“, haben was dagegen.

Deckungsshooter mit knackigem Gameplay und guten Mechaniken. Anspruchsvoll, aber ohne taktische Tiefe.

GTA IV [XBOX One]
Niko Bellic hat im Serbienkrieg unvorstellbare Dinge gesehen und getan. Nun kommt er nach New York, in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Leider ist in den USA alles genauso wie daheim: Leute mit Geld haben das sagen, alle anderen müssen springen. Langsam arbeitet sich Niko durch die Hierarchie verschiedener, osteuropäischer Gangstersyndikate.

Fast 10 Jahre ist es her, das ich zuletzt in New York, pardon, „Liberty City“ unterwegs war. Eigentlich hatte ich versucht „Red Dead Redemption“ nochmal zu spielen, aber das war mir nach kurzer Zeit zu langweilig. GTA IV hingegen ist das beste, weil am dichtesten geschriebene, Spiel das Rockstar je gemacht hat. Nikos Story ist dicht erzählt, alles passt zusammen, und dazu diese Stadt: Ein glaubhaft simuliertes New York im Herbst, so schön, das man auch einfach so gerne mal spazieren geht. Die XBOX-One-Version löst lediglich höher auf, was die Texturen leider vermatscht. Und: Jetzt, nach 10 Jahren, laufen Lizenzen für die Musikstücke der Radiosender im Spiel aus. Rockstar patcht die darum Stück für Stück raus. Wer also das Game bei sich installiert hat: KEIN Update machen, dadurch wird Content entfernt!


Machen:

Vorbereitung: Tagung, Projekte, Werkstatt, Urlaub.


Neues Spielzeug:
Ein Nolan N100-5 Classic in Platinsilber mit einem N-Com 901 RL. Nolans neuer Flagship-Helm. Leider alles nicht toll, ausführliches Review dazu demnächst.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
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Verfasst von - 30. August 2018 in Momentaufnahme

 

Momentaufnahme: Juli 2018

Herr Silencer im Juli 2018

Oh, guck mal, da schmelzen die Steine!

Wetter: Der Monatsanfang ist warm. In Norddeutschland ist bereits seit Mai kein Regen mehr gefallen, in Süddeutschland toben sich nochmal Unwetter aus, dann wird es auch dort trocken. Danach wird es immer wärmer, und zum Monatsende rollt eine Hitzewelle über´s Land. Tagsüber über 30 Grad, die Nächte bringen kaum Abkühlung. Plötzlich verstehen die Deutschen, warum in Südeuropa zwischen Mittags und Abends nicht viel passiert.


Lesen:

Lemony Snicket: A Series of Unfortunate Events 10: The Slippery Slope [Kindle]
Die Baudelaire-Waisen Violet, Klaus und Sunny folgen dem finsteren Grafen Olaf in die Berge, wo das Hauptquartier der geheimnisvollen Organisation FF zu finden sein soll. Es ist tatsächlich dort, und die Kinder müssen sich entscheiden, ob sie ihr Ziel erreichen wollen, indem sie ähnliche Methoden wie Olaf anwenden, oder lieber doch nicht.

Endlich geht es voran! 9 Bücher lang wiederholte Snicket immer den gleichen Ranz: Die Waisen bekommen einen neuen Vormund, der von Graf Olaf reingelegt wird, und alle Erwachsenen sind zu dumm das zu kapieren. Jetzt geht es zumindest etwas voran, und nicht jeder handelt wie der letzte Volldepp. Langatmig ist es natürlich trotzdem.

Lemony Snicket: A Series of Unfortunate Events 11: The Grim Grotto [Kindle]
Die Baudelaire-Waisen finden neue Verbündete. Vielleicht. Denn sie lernen, was „volatil“ bedeutet: Menschen stehen nicht immer nur auf der einen oder der anderen Seite. Und auch FF ist nicht unbedingt nur gut, sondern hat sogar mit tödlichen Biowaffen experimentiert. Eine davon fällt Graf Olaf in die Hände, der damit Sunny infiziert. Die jüngste Baudelaire hat nur noch eine Stunde zu leben.

Auf die letzten Meter werden die Stories immer düsterer. Waren Gut und Böse in den vorherigen Bände klar verortbar, verschwimmen hier Grenzen und Fragen nach Moral und dem inneren Kompass werden aufgemacht. Stellenweise wieder langatmig, aber spannender als die ersten 10 Bücher.

Lemony Snicket: A Series of Unfortunate Events 12: The Penultimate Peril [Kindle]
Snicket hilft den Kindern, Undercover in einem Hotel zu ermitteln. Das ist ein kafkaesker Albtraum voller Personen aus der Vergangenheit der Kinder. Schließlich erfahren sie den Grund ihres Anwesenheit: Sie werden zusammmen mit Graf Olaf vor Gericht gestellt. Am Ende wird Violet zur Verräterin, Sunny zur Brandstifterin, und gemeinsam schließen sie sich Graf Olaf an.

WTF did I just read? Endlich werden Geheimnisse gelüftet, Geschehnisse erklärt und es geht mit großen Schritten Richtung Finale. Das vielleicht nicht so wird, wie man es sich wünschen würde.

Lemony Snicket: A Series of Unfortunate Events 13: The End. [Kindle]
Die Baudelaires stranden mit Graf Olaf auf einer Insel, die voller seltsam bedröhnter FF-Aussteiger ist. Am Ende sterben alle. Also, fast.

Hm. Tja. Ein „und sie lebten Glücklich und zufrieden bis an ihr Ende“ konnte man wohl auch nicht erwarten, bei dieser Buchreihe. Aber der letzte Band ist nochmal würdig absurd und bringt zumindest einige Dinge zu Ende. Natürlich längst nicht alles, Snicket lässt ganze Elefantenhorden unerklärt im Raum stehen. Das mag unbefriedigend sein, erhält aber den mysteriösen Charme seiner Welt.


Hören:

Ramin Djawadi Westworld, Season II

Großes Kino, dieser Soundtrack. Klassiker wie „Paint it black“ und „Seven Nation Army“ in einem so verspielten indischen bzw. Western-Stil, dass man sie erst nicht erkennt. Könnte ich gerade stundenlang hören.


Sehen:

Westworld Season 2
Im Vergnügungspark „Westworld“ können Menschen den wilden Westen nacherleben und Abenteuer mit und gegen lebensechte Roboter bestehen. In Staffel 1 erwachte in diesen „Hosts“ ein Bewusstsein, was in einem Massaker an Parkbesuchern endete. Staffel 2 beginnt unmittelbar danach. Ein Rettungsteam der Betreiberfirma Delos landet im Park, um überlebenden Menschen zu helfen und die Geheimnisse von Delos zu schützen. Die kommen aber Stück für Stück ans Tageslicht und enthüllen, wozu der Park und die Hosts wirklich da sind.

Wow, was für eine Staffel. Wieder wird mit unterschiedlichen Zeitebenen und cleveren Twists gespielt. „Westworld“ ist vom Twistniveau her quasi „Sixth Sense“ im Serienformat: Sobald ein Twist kommt, ergibt alles vorher einen (anderen) Sinn. Dann kann man die alten Episoden nochmal schauen und stellt fest: Es gab jede Menge Anzeichen und Hinweise, man hat sie bloß nicht gesehen. Ich ziehe meinen Hut vor den Autoren. Das hier erstklassige Schauspieler am Werk sind (Anthony Hopkins! Thandie Newton!) macht die Sache noch besser. Die 10 Episoden gehören zum Besten, was man sich dieses Jahr angucken kann.

Deadpool 2 [Kino]
Wilson Wade erleidet ein Trauma, das den ohnehin leicht irren Söldner mit dem hohen Regenerationsfaktor komplett aus der Bahn wirft. Er versucht sich den X-Men anzuschließen, mit erwartbarem Ausgang: Deadpools Lösungen sind zu blutig für die jugendfreien Kuschelmutanten. Also stellt Deadpool sein eigenes Team zusammen: Die X-Force!

Alter, was für eine Achterbahn. Anders als Teil 1, der zwar lustig war, der aber nach einer Stunde IMMER NOCH AUF EINER VERDAMMTEN AUTOBAHNBRÜCKE FESTSTECKTE, hat Teil zwei die Handbremse gelöst. Hier geht es ständig auf und ab, Over-the-Top-Actionsequenzen und blutige Gewalteinlagen wechseln sich im Minutentakt mit Gag-und Slapstickeinlagen ab. Das funktioniert nicht immer, aber bei der schieren Masse an Gags oft genug um gut zu unterhalten.

Auch einige „WTF-Das-nachen-die-doch-nicht-wirklich-Momente“ sind dabei. Allein wenn die X-Force ihren ersten Auftrag angeht und dann binnen Sekunden alle Charaktere… aber das wäre jetzt ein Spoiler. Das sich Deadpool bewusst ist, das er in einem Film mitspielt, und deshalb auch gelegentlich die vierte Wand durchbricht, macht die Sache noch abgedrehter. Am irrwitzigsten sind die Post Credits, in der Deadpool in der Zeit zurückreist um… Dinge zu korrigieren, die im X-Men-Universum oder in der Karriere von Ryan Reynolds schiefgelaufen sind. Da hing ich japsend im Kinosessel.

Ready Player One
In der Zukunft: Dank Klimawandel und Handelskriegen ist die Welt am Arsch. Interessiert aber keinen, denn alle Menschen sind ständig in der „Oasis“ unterwegs, einer virtuellen Welt, in der jeder alles sein kann. Die hat ein lange verstorbener Nerd gebaut, der sie demjenigen verspricht, der drei Rätsel löst, die irgendwie mit der Pop- und Gameskultur der 80er zusammenhängen. Problem dabei: Die Rätsel sind als Eastereggs in der Oasis versteckt. Ein junger Schatzjäger stolpert schließlich über ein Easteregg und hat prompt einen Megakonzern am Hacken, der zu gerne selbst die Kontrolle über die Oasis hätte.

Tja, nun. „Ready Player One“ fand ich schon als Buch nicht toll, weil es keine auch nur halbwegs gute Geschichte erzählte, aber dafür ständig auf der Nostalgietastatur rumklimpert. Der Film folgt der Story lose und macht in der Erzählung einiges besser, es bleibt aber alles platt und vorhersehbar. Wie das Buch ist auch der Film mit Eastereggs überfrachtet. Anfangs ist das noch cool, wenn der Protagonist im DeLorean mit Knight-Rider-Lauflicht durch die Gegend flitzt. Nach einiger Zeit nervt es aber, das wirklich in jeder Szene irgendein lizensierter Charakter oder ein Ding aus einem Film/Spiel/Serie für ein paar Frames durch Bild hampelt. Das wirkt beliebig, hohl und viel zu lieblos. Mit Cameos geliebter Charaktere muss man vorsichtig umgehen, hier werden sie ständig für eine Sekunde gezeigt und sind wieder weg.

Damit hat der Film exakt gar keine Zielgruppe: Die Jüngeren kennen die popkuturellen Anspielungen aus den 80ern und 90ern nicht, wir Älteren können mit der ADHS-Machart nichts anfangen. Angucken ist Lebenszeitverschwendung.

Pacific Rim Uprising
Der Sohn von dem Chef aus dem ersten Teil und eine bratzige Göre treffen nervige Leute und dann hauen sich Riesenroboter in Tokio.

Ach, den ersten „Pacific Rim“ von 2013 gucke ich heute noch gerne. Ein seltsamer Guilliermo del Torro-Film mit Riesenrobotern und Riesenmonstern, die sich gegenseitig prügeln. Das war seltsam und spannend und beeindruckend und litt nur unter dem Protagonisten, der schauspielerisch ein Totalausfall war.

In der 2018er Fortsetzung gibt es einen guten Schauspieler (John Boyega aus Star Wars), aber leider ist nun alles andere bestenfalls medioker. Ausstattung und Effekte sind nach wie vor OK, aber es gibt kein ordentliches Drehbuch, die Geschichte ist schlecht erzählt und wieso unbedingt eine Kinderdarstellerin eingebaut werden musste, weiß keiner so genau. Del Toro hat sich übrigens vor Projektstart zurückgezogen – seine Vision für einen zweiten Teil wurde abgelehnt, und er wiederum fand die Richtung von „Uprising“ nicht gut. Recht hat er.

Logan Lucky
Hinterwäldler planen NASCAR-Arena auszurauben.

Der Trailer sah interessant aus: Adam Kylo Ren“ Driver als einarmiger Barkeeper und Daniel „James Bond“ Craig als Knacki ziehen einen Heist durch, den sich Landei und Bauarbeiter Channing „Möter“ Tatum ausgedacht hat. Das sah in der Vorschau nett und witzig aus, ist es aber nicht. Tatums Vorstellung von Leuten vom Land ist, dass sie stur geradeaus gucken und verwaschen reden, und weil Adam Driver das gleich mal nach macht, läuft die Hälfte des Casts rum, als hätten sie gerade einen Schlaganfall gehabt. Die Story tut irre clever, täuscht aber mit reichlich Deus Ex Machina-Elementen nur vor, das sie auf einem Level wie „Die üblichen Verdächtigen“ und „Layer Cake“ spielt. Am Ende ist eh alles egal, zumindest den Hauptfiguren, warum sollte also der Zuschauer einen Shit geben?

Mal ganz abgesehen von den inhaltlichen Problemen kann ich persönlich Filme über amerikanische Hintlerwäldler gerade schlecht ertragen. Immer, wenn ich einen USA-Cap-tragenden Hillbilly sehe, der an seinem Truck rumschraubt, denke ich „und DU hast also Trump gewählt. Danke, Arschloch.“


Spielen:

L.A. Noire [PS4]
Die USA, 1947. Cole Phelbs kommt aus dem Krieg zurück in ein boomendes Los Angeles: Im Akkord werden hier Häuschen gezimmert und Firmen eröffnet, vor den Hollywoodstudios stehen junge Frauen Schlange und hoffen, die nächste Lauren Bacall zu werden. In der Stadt der Engel kann es jeder schaffen, so die Botschaft. Phelbs geht zur Polizei und wird schnell vom Streifenpolizist zum Detective befördert. Bei der Mordkommission und im Drogendezernat lernt er die dunkle Seite der Stadt kennen: Einen Abgrund aus Gewalt und Verrat, der Phelbs langsam, aber unaufhaltsam hinabzieht und ihn nicht nur korrumpiert, sondern ihm am Ende alles nimmt.

L.A. Noire ist kein neues Spiel. Es kam schon 2011 für PS3 und XBOX360 raus, das hier ist das Remaster mit allem DLC für die PS4. Außer einer höheren Auflösung und sehr gutem Anti-Aliasing hat sich nichts getan. Mir reicht das, denn gerade das Kantenflimmern ist es, wegen dem ich alte Spiele schlecht ertrage.

Ansonsten hat sich kaum etwas geändert: Das Los Angeles des Jahres 1947 ist in der GTA 4-Engine gebaut und nach wie vor groß und mit bemerkenswerten Details versehen, aber auch seltsam leblos und aus matschigen, grauen Texturen gebaut.

Die Untersuchung der Kriminalfälle läuft meistens nach dem gleichen Muster ab: Tatort untersuchen, Beweise sammeln, Verdächtige verhören. Letzteres ist die Core-Gamemechanik, und genau die funktioniert schlecht. Man soll nämlich an den (sehr gut gecaptureten) Gesichtszügen der Personen erkenne, ob sie lügen oder die Wahrheit sagen. Leider sehen meist alle nur aus, als hätten sie schlimme Verstopfung.

Was L.A. Noire aber dennoch besonders und damit auch gut spielbar macht: Es ist was ganz eigenes. Detektivspiele gibt es praktisch sonst nicht, alles fokussiert auf die sehr gut geschriebenen Fälle und die übergreifende Geschichte von Phelbs Abstieg, kein Open-World-Krempel stört die Erzählung. Dafür entlehnt das Spiel nahezu jedes ästethische Element, jedes Stilmittel und jeden dramaturgischen Kniff aus den Filmen der Noir-Bewegung. Harte Kerle, durchtriebene Femme Fatale, verrauchte Bars – alles da.

Das Spiel IST ein spielbarer Film Noir, und das ist sehr toll. Manchmal werden ganze Filmhandlungen 1:1 als Fall präsentiert, so spielt man sich mit Phelbs durch „The naked City“, einem Film-Noir-Archetypen. Außerdem ist das Spiel lang: 21 Fälle gilt es zu lösen, jeder teils mehr als eine Stunde lang, dazu 40 Zufallsevents auf den Straßen, die je ca. 5 Minuten dauern.

Auch aus heutiger Sicht erstaunt immer wieder der Aufwand, mit dem das Spiel produziert wurde. Selbst die kleinsten Nebenfiguren wurden mit guten Schauspielern besetzt, die man auch heute noch in Film und Fernsehen sieht, und die damals noch unbekannt oder fast ausgemustert waren. „L.A. Noire“ ist damit auch ein vergnügliches „Spot the Actor“. Die damals brandneue Facial-Caputuring-Technik beeindruckt auch jetzt noch. In dem Spiel steckt so viel Aufwand, das es nicht nur 7 Jahre in der Entwicklung hing und das australische „Team Bondi“ fast an seinen eigenen Ansprüchen zerbrach – nach dem Release ging das Studio auch pleite, trotz ordentlicher Verkäufe. Die Remaster-Version ist daher auch ein Testament einer großen Vision, für deren Umsetzung viele Menschen Jahre ihres Lebens geopfert haben.


Machen:

Eine Kurztour durch den Spessart. Mit anderen Motorradfahrern!


Neues Spielzeug:

Daytona Touringstar GTX. Die Alpine Starst Web Goretx aht die Sommerreise dahingerafft.

Bild: Louis.de

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 29. Juli 2018 in Momentaufnahme

 

Momentaufnahme: Juni 2018

Herr Silencer im Juni 2018

Vorherrschendes Gefühl: Ich brauch mal Urlaub. Oh, da isser ja!

Wetter: Monatsanfang weiterhin sehr warm, um die 20 Grad und drüber und wenig Regen. Zur Monatsmitte etwas kühler, um die 15 Grad und bedeckt, mit schweren Unwettern in Süddeutschland. ab Monatsmitte bin ich unterwegs, immer be 26-35 Grad.


Lesen:

Trevor Noah: Born a Crime
Der kleine Trevor wächst in den Townships von Kapstadt auf, in den schlimmsten Jahren des Apartheitregimes. Seine Mutter wollte ein Kind, aber keinen Mann. Ihre Wahl des Samenspenders fiel ausgerechnet auf einen Weißen, und da in der Zeit des stattlichen Rassismus auf gemischtrassigen Sex eine Freiheitsstrafe von 5 Jahren stand, ist schon Trevors Geburt ein Verbrechen gegen den Staat.

Das Buch erzählt zwei Geschichten: die von Trevor selbst, wie er durch Schulen stolpert, Häuser anzündet, in den Townships raubkopierte CDs vertickt und letztlich im Knast landet. Und die seiner Mutter, einer Frau, sie so einen starken Willen hat, das man sie schon als verrückt ansehen kann.

Trevor Noah schätze ich als Host der Daily Show sehr. Seitdem ich weiß, dass er aus Südafrika kommt, wollte ich mehr über seine Geschichte wissen. Das die so krass ist, konnte ich nicht ahnen. Ich habe bei der Lektüre viel gelernt – über Staaten, die Rassismus als Konstruktionsprinzip haben und ihn an allen Ecken und Enden als Werkzeug einsetzen. Über Südafrika. Und natürlich über die Realität in de Townships.

Die Geschichte der Familie Noah ist noch nicht vorbei, aber schon jetzt so interessant, dass sie eine Buch rechtfertigt. Dem hätte ein besserer Lektor gut getan. Die Kapitel sind nicht unverständlicherweise nicht chronologisch, und die Zeitsprünge sind beim nachträglichen editieren entstanden, das merkt man. Das stört beim Lesen – manchmal werden Menschen erst vorgestellt, nachdem sie in einem der vorherigen Kapitel schon tragende Rollen hatten. Macht aber nix, das Buch bleibt trotzdem gut. Es ist spannend, es gibt Drama, es gibt Fremdscham – nur lustig will das Buch nie sein. Ist es aber trotzdem, denn wenn Trevor einen Tänzer Namens Hitler in eine jüdische Schule schickt, dann ist das brüllend komisch – aber das Buch erklärt dann gleich, warum Hitler für Afrikaner kein schlimmer Mensch ist. Aus all diesen Erlebnissen und kulturellen Clashes leiten sich viele Weisheiten ab – allein darum sollte man dieses Buch lesen.


Hören:

Leonard Cohen: You want it Darker

Seltsames Ding.

Sehen:

Gelbe Wüste, rosa Raum [Theater im OP]
Vor 20 Jahren war der Vater in der gelben Wüste im Kriegseinsatz. Nun ist er mit seinen beiden erwachsenen Söhnen hier her zurückgekehrt, um für die Länge seines Jahresurlaubs Selbstjustiz zu verüben. Schwer bewaffnet streifen die drei durchs Land und suchen Terroristen, die sie umbringen können. Nur: Die lassen sich gar nicht so leicht finden, und je länger die Suche dauert, desto mehr driften alle Beteiligte ab: Einer der Söhne in Paranoia und Mordlust, der andere in Krankheit und Erschöpfung, und der Vater in Erinnerungen an Geschehnisse, die es nie gab. Schicht für Schicht schmirgelt der allgegenwärtige Wüstensand Fassaden weg, bis blanker Irrsinn in Form eines rosa Raumes übrig bleibt.

Eine verstörende und erschreckende Inszenierung von Barbara Korte. Kaum zu glauben, dass dieses krasse Stück eine Studentin geschrieben hat, die damit beim Nachwuchswettbewerb gewann. Faszinierend ist allein schon die Idee, 12 Personen als „Du“ permanent auf der Bühne präsent zu haben. Die Personen erzählen das Innenleben der Protagonisten, verkörpern ihre Sehnsüchte und Erinnerungen. Das funktioniert genial, und wenn gegen Ende „Du“ eine neue Perspektive auf alle Handelnden eröffnet, ist das ein wirklich schockierender Twist.


Spielen:

Detroit: Become Human [PS4]
Die USA, 20 Jahre in der Zukunft. Arbeiten wie Altenpflege, Hausputz und Bauarbeiten werden von Androiden übernommen. Die lebensechten Roboter verändern die Gesellschaft: Die Arbeitslosigkeit steigt rasant, viele Menschen ziehen die Beziehung zu einem Sexandroiden einer echten Beziehung vor. In dieser Umbruchsituation häufen sich Berichte über Androiden, die sich seltsam verhalten – gerade so, als hätten sie Gefühle.

Das Spiel läuft episodisch ab und wechselt dabei zwischen drei Protagonisten: Haushaltshilfe Kara, die urplötzlich gegen ihre Programmierung verstößt und ein kleines Mädchen vor häuslicher Gewalt schützt; Altenpflegerdroid Markus, dem sein Schützling immer wieder sagt, er sei mehr als die Summe seiner Teile; Connor, ein Prototoyp, der in Sachen Androidenzwischenfälle ermitteln soll.

Alle drei haben unterschiedliche Wege, die der Spieler durch seine Handlungen bestimmt. Je nach Entscheidung verlaufen die Stories krass unterschiedlich – Protagonisten können sterben, es kann zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen Menschen und Maschinen kommen, oder es kann am Ende Hoffung geben. Wie schon die Vorgänger „Beyond Two Souls“, „Heavy Rain“ und „Fahrenheit“ ist auch „Detroit“ eine, stets bis ins Detail durchinszenierte, Aneinanderreihung von Szenen, deren spielerischer Wert gering ist, die aber eine Geschichte erzählen wollen.

Dem steht leider im Weg, dass der Macher, David Cage, kein guter Autor ist. Der Franzose mit dem amerkanischen Künstlernamen hält sich für eine Art Autorenfilmer der Videospiele. Leider hat er kein Händchen für Dialoge, die allermeisten seiner Ideen sind geklaut und gegen Ende driften seine Stories meist in ärgerlichen Unfug ab.

Zumindest war das in den Vorgängerspielen so, in „Detroit“ passt aber alles. Die Figuren handeln nachvollziehbar, die Handlung bleibt spannend und alle Entscheidungen haben ernste Konsequenzen. „Detroit“ bewegt sich zwar auf Terrain, was schon durch Werke wie „Blade Runner“, „AI“, „I, Robot“, „Humans“ und viele andere beackert wurde, gewinnt dem Thema aber noch neue Aspekte ab.

Sicher, David Cage ist völlig schmerzbefreit und wenig subtil bei der Vermittlung seiner Gesellschaftskritik: In diesem Spiel tragen Androiden quasi Judensterne und kommen am Ende ins KZ! Das hätte leicht schiefgehen und respektlos werden können, aber hier funktioniert es. Das unverschämte Spiel auf der emotionalen Klaviatur verfehlt nicht seine Wirkung, am Ende meines ersten Spieldurchgangs habe ich geweint, weil mich das Schicksal der Charaktere so berührt hat. Das kommt auch durch die Technik: Die Grafik ist lebensecht und jenseits des Uncanny Valleys, und das Performance Capturing solch toller Schauspieler wie Lance Henriksen oder Clancy Brown funktioniert perfekt. Wer eine PS4 hat und Telltale-ähnliche Spiele mag, wird mit „Detroit“ sehr glücklich. Wer weniger auf Story und mehr auf Gameplay steht, sollte die Finger davon lassen.


Machen:


Neues Spielzeug:

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 30. Juni 2018 in Momentaufnahme

 

Momentaufnahme: Mai 2018

Herr Silencer im Mai 2018

Vorherrschendes Gefühl: Das ist kein Mai. Das ist Hochsommer.

Wetter: Warm. Sehr warm, mit Temperaturen um die 25 Grad und sehr wenig Regen. Am Monatsende dreht der Frühsommer auf 11, plötzlich hat´s tagelang über 30 Grad. In Spanien ist es kälter als hier. WTF?


Lesen:

James Comey: A higher Loyalty: Truth, Lies and Leadership
Die Geschichte des Mannes, der Trump zum Präsidenten der USA machte: James Comey hatte viele Jobs und ein abwechselungsreiches Leben: Aushilfe in einem Supermarkt, Student, Lehrjahre als Anwalt bei Versicherungen, dann Strafverfolger unter Rudy Giuliani, Staatsanwalt und Mafiajäger in New York und stellvertetender Generealstaatsanwalt nach 9/11. Unter der Bush-Regierung fällt er über Dispute mit Dick Cheney zu Folter und Überwachung in Ungnade, verlässt den Öffentlichen Dienst und wird letztlich -unerwarteterweise- von Obama zum Chef des FBI gemacht.

Anhand der Stationen seiner Biografie verdeutlicht Comey seine Vorstellung von guten Führungskräften. Seine eigenen Fähigkeiten werden auf eine harte Probe gestellt, als die Ermittlungen wegen Hillary Clintosn E-Mails beginnen und er unter politischen Druck gerät. Dann kommt die Wahl, und plötzlich steht Comey einem Präsidenten gegenüber, der ihn politisch vereinnahmen will – als „einen von ihnen“. Im Italienischen hat dieses Verhalten einen Namen: Cosa Nostra.

Das Buch ist überaus clever strukturiert. Nie wird es langweilig: Spannende Kapitel über die Mafia ziehen einen gleich zu Beginn in den Bann, man erfährt viel Privates – aber immer ist deutlich, dass man hier nur das liest, was Comey einen wissen lassen will. Und das, was man erfährt, lässt ihn als Heiligen scheinen: Er allein hat gegen die ersten Überwachungsprogramme der NSA gekämpft, er allein hat sich mit der Bush-Administration angelegt, um zu verhindern, dass die CIA die Erlaubnis zur Folter bekommt. Und natürlich hat er seine Jobs immer verlassen, wenn die gegen seine Prinzipien gingen.

Das Comey sich selbst hier als Heiligen im Auftrag von Recht und Gerechtigkeit stilisiert – Wurst. Das Buch ist deswegen so gut, weil es sehr tiefe Einblicke in das Funktionieren der Politik in Washington erlaubt. Es geht nicht primär um Trump, bis ca. zur Hälfte geht es um 09/11 und die verwerflichen Handlungen der Bush-Administration und deren Versuche, sich die irgendwie als rechtskonform hin zu lügen. Dann kommt die Mailaffäre, und hier lesen wir endlich, was Comey zu dem Handeln veranlasst hat, das mutmaßlich Trump zum Präsidenten machte. Der taucht dann als gleichermaßen clandestin wie verwirrt agierende Person auf, die von Comey Loyalität fordert, die der letztlich nicht leisten will – und darüber gefeuert wird.

Das Buch endet auf einer düsteren Note. Trump, so Comeys Fazit, wird sehr viel Schaden anrichten – weltweit. Aber, so befindet er auf die letzten Zeilen, jeder Waldbrand bietet auch die Chance zum Wachsen für neues. An diesen Gedanken klammere er sich, um nicht irre zu werden.


Hören:


Sehen:

Solo [Kino]
Der junge Han hat einen Traum: Er möchte Feuerwehrmann werden! Auf dem Weg dahin stolpert er immer wieder in erfrischende Abenteuer. Was für ein kecker Draufgänger!

Niemand braucht „Solo“. Die Figur des sarkastischen Schmugglers, der eigentlich ein unheilbarer Romantiker ist, braucht keine Vorgeschichte. Und schon gar keine, deren Verfilmung durch eine Produktionshölle aus Regiewechsel, Skriptänderungen, umfangreichen Nachdrehs u.ä. gegangen ist. Das dann am Ende ein Film dabei rausgekommen ist, der keine Frankensteinige Superkatastrophe wie „Suicide Squad“ ist, grenzt an ein Wunder. Anders als die vergurkte Antiheldenverfilmung wirkt „Solo“ wenigstens aus einem Guss. Man muss sich beim Anschauen nicht mal schämen.

Der mit 140 Minuten rund eine halbe Stunde zu lange Film liefert solide Unterhaltung mit einigen netten Schauwerten, aber ohne echte oder emotionale Highlights. Ein typischer Ron-Howard-Film halt, besetzt mit Schauspielern, die nicht viel können. Solo-Darsteller Alden Ehreich ist ein Totalausfall, hat aber zum Glück auch nicht viel zu tun. Emilia „Khaleese“ Clarke spielt eine eigentlich toughe Frau als kulleräugige Trulla, wie sie eigentlich alles immer als kulleräugige Trulla spielt – warum die Tante überall gecastet wird, ist mir ein Rätsel. Die coolsten Charaktere des Films sind Chewbacca und die um Gleichberechtigung kämpfende Droidin L3-37. Nebenbei beseitigt der Film einige von George Lucas´gröbsten Schnitzern, u.a. wird geklärt, warum der Korsalflug in 12 Parsecs machbar war und ob Han zuerst geschossen hat. Immerhin.

In der Summe: Nett und unterhaltsam, aber schnell vergessen.

Their finest hour [Prime Video]
Im zweiten Weltkrieg in London: Gemma Arterton wird Autorin für einen Propaganadafilm über Dünkirchen. Dabei muss sie sich mit der Bürokratie des Kriegsministeriums und staatlichen Vorgaben genauso auseinandersetzen wie mit einem alternden Star, der hartnäckig die Realtität verweigert. Auch privat läuft´s nur so mittel, aber immerhin hält der Fake-Hochzeitsring von Woolworth mögliche Verehrer ab.

Die Story ist eher dünn, eine „wir ziehen das Projekt gegen alle Widerstände durch“-Geschichte mit ein wenig Selbstfindung hat man schon oft gesehen. Die Stärken des Films liegen woanders: In den hervorragenden Schauspielern und den fragilen Miniaturen, in die sie immer wieder verwickelt werden. Wenn der aufgeblasene Altstar von seiner neuen Agentin beigebogen bekommt, dass er ein alter Sack ist, der wirtschaftlich unrentabel ist und in harten Zeiten jeder selbst sehen muss wo er bleibt, dann ist das eine Szene, in der in jeder Sekunde im Gesicht von Bill Nighys zu sehen ist, wie mit jeder der exzellenten Dialogzeilen sein Weltbild ein Stück mehr in sich zusammenfällt. Umso schöner, das später alle Charaktere ihren Platz finden. Ein schöner, kleiner Film, der aufgrund der eleganten Dialoge und vor allem wegen der Leistungen von Arterton und Nighy im Gedächtnis bleibt.

Avengers: Infinity War [Kino]
Thanos kommt, mit einer Mission: Er will auf seiner Veranda sitzen.

Hier wird nix erklärt. Es geht sofort zur Sache und hört über zwei Stunden nicht mehr auf. Klar, die Exposition geschah ja in den vergangenen 10 Jahren und über 18 Filme. Nur: Wer die nicht mitbekommen hat, für den ist Avengers 4 ein Flickenteppich unverständlicher Szenen, in denen sich komische Leute mit anderen Leuten kloppen. Hat man aber sein MCU auf dem Schirm, ist der Film eine große Show. Die größte Leistung: Es werden gefühlt 30 Charaktere jongliert, und jeder hat einen Platz. Dabei wird die Tonalität der untschiedlichen Ecken des Marvel-Universum gut zusammengeführt: In einer Szene fühlt sich der Film nach „Spiderman: Homecoming“ an, in der nächsten nach „Guardians of the Galaxy“. Großer Spaß, aber: Nur der halbe Film. Alles endet mit einem Cliffhanger von „Empire“-Ausmaßen, die Fortsetzung folgt erst in einem Jahr.


Spielen:

God of War [PS4]
Spartaner Kratos macht einen Deal mit einem griechischen Gott und wird -natürlich- über den Tisch gezogen. Aus Rache zieht er los und killt die gesamte griechische Götterriege einschließlich Zeus, dann setzt er sich zur Ruhe. Soweit die Handlung in den diversen God of War-Teilen bis 2010. Der neue Teil setzt Jahre später an: Wir sehen Kratos als gealterten Mann mit Kind in einer nordischen Sagenwelt. Seine Frau ist gerade verstorben. Ihr letzter Wunsch: Ihr Asche soll vom höchsten Berg in allen neun Welten verstreut werden. Kratos und das Kind, mit dem er nicht viel anfangen kann, machen sich auf den Weg durch Midgard. Dummerweise hat ein Mann ohne Gefühle was dagegen.

Alles anders als früher: Das neue „God of War“ unterscheidet sich komplett von früheren Serienteilen. Hier steht die Erzählung im Vordergrund, und man, ist die gut gelungen. Ist Anfangs die Entfremdung zwischen Vater und Sohn mit Händen zu greifen, wandelt sich die Geschichte im Lauf der (erstaunlich langen) Handlung zu einer Reise, bei der alle Charaktere wachsen und in einer Dualität zu den Antagonisten zeigen wie leicht es im Elternjob ist, falsch abzubiegen und den Kindern die Zukunft zu versauen statt sie zu ermöglichen.

Technisch ist das Game irre, so poliertes Gameplay und Grafik bekommt man wohl nur mit 8 Jahren Entwicklungszeit hin. Das ganze Spiel wird ohne Schnitt erzählt, der Übergang von Gameplay zu Cutscenes verläuft ohne Bruch, die Kamera schwenkt permanent um die Protagonisten herum. Damit ist „GoW“ das „Birdman“ der Spiele, nur in gut. Das ist besonders in den offenen Teilen der Welt gut zu sehen, die nicht nur toll designt ist, sondern auch interessante Nebenquests enthält. Die Geschichte wird irgendwann sogar Dialoglastig, und es ist ein Wahnsinn, wie gut diese Dialoge geschrieben sind. Sie sind logisch, natürlich, snappy, auf den Punkt – diese Leistung von Autoren und den Darstellern (vor allem: Christopher „T´Ealc-aus-Stargate“ Judge als Kratos) ist beeindruckend.

Nicht gut ist leider das Levelingsystem. Es gibt gefühlt 2.000 Rüstungen, Waffenteile, Skills, Buffs, Perks, Kristalle, Talismane, Zauber, usw., deren Nutzung sich schlecht erschließt und deren Bedienung fummelig ist. Zudem ist die Steuerung extrem überladen. Auf 6 Tasten liegen 200 Bewegungskombinationen, da vergisst man stets sieben Achtel im Kampf gegen die (recht wenigen) Gegnertypen. Das ist doof, denn das macht die Lernkurve ordentlich steil, und God Of War ist kein leichtes Spiel – zwar nie auf dem Schwierigkeitsgrad eines „Blood Souls“, aber schon nicht ohne. Man muss Hack & Slays schon mögen, um das Spiel gut zu finden. God Of War in der 2018er Auflage macht es einem leicht: Die toll erzählte Geschichte, die fantastischen Orte, die Dialoge und Charaktere wie der multiphobische Zwergenschmied muss man einfach gut finden.


Machen:


Neues Spielzeug:

Ein Alpine Stars Tech Air.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
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Verfasst von - 31. Mai 2018 in Momentaufnahme

 

Momentaufnahme: April 2018

Herr Silencer im April 2018
„Einfach so durchgerauscht, der Monat“

Wort des Monats: „Fiorum“

Wetter: Am Monatsanfang kreislaufstressend: Nachts -1 Grad, tagsüber Sonnenschein und über 20 Grad. In der zweiten Woche kontinuierlich zwischen 15 und 25 Grad und nur gelegentliche Schauer, was die Natur schlagartig explodieren lässt und Allergiker in den Pollenwahn treibt. Die Dritte Woche nimmt sich etwas zurück, nachts landen wir wieder im einstelligen Temperaturbereich, Frost gibt es aber nicht. Tagsüber pendelt es zwischen 13 und 17 Grad und zwischen bewölkt und heiter. Am Monatsende kommt der Sommer zurück, mit Sonnenschein und über 20 Grad.


Lesen:

Heidi Benneckenstein: Ein deutsches Mädchen
Die kleine Heidi wächst wohlbehütet in einem Dorf bei München auf. Sie hat zwei Schwestern, die Mutter ist Hausfrau, der Vater Beamter. Bei den Benneckensteins scheint ein wenig die Zeit stehengeblieben zu sein. Es ist Mitte der 90er, aber die Kinder tragen ausschließlich Dirndl und geflochtene Zöpfe. Wie sehr die Zeit stehen geblieben ist, erfährt außerhalb der Familie niemand.

Tatsächlich ist Heidis Vater ein glühender Verehrer des Nationalsozialismus, der seine Kinder zu zivilem Ungehorsam erzieht, auf den kommenden Systemumsturz und den Krieg vorbereitet. Dazu werden die Kinder in den Ferien in Trainingscamps verfrachtet, die als katholische Wandergruppen auftreten, in Wahrheit aber Nazi-Organisationen angehören.

Als Heidi erwachsen wird, spielen rechte Kameradschaften weiterhin eine tragende Rolle in ihrem Leben. Über die kommt sie zur NPD, in der sie aktives Mitglied wird. Eines Tages beschließt sie auszusteigen, doch der braune Sumpf ist klebrig.

Ein mutiges Buch, das Heidi Benneckenstein hier vorlegt. Sie erzählt ihre Lebensgeschichte ganz undramatisch, so dass sie an vielen Stellen fast trivial scheint, aber in der Summe deutlich macht, was sie zu erleiden hatte. Darüber hinaus, und das ist der größere Verdienst des Buches, erhält man als Außenstehender Einblicke in das Funktionieren der rechten Szene: Die straffe Organisation und enge Vernetzung der lokalen „Kameradschaften“ in ganz Deutschland; der Erwerb von Liegenschaften im Osten, getarnt als Biobauern oder Freizeitzentren; die Verliererpersönlichkeiten, aus denen die Szene besteht, die aber oft sofort aussteigen, wenn sie etwas haben, auf das sie stolz sein können; wie Sprache („völkisch“) und Musik zur Identifikation benutzt wird; wie unter dem Anstrich von Bürgerlichkeit mit Konsensthemen („gegen Kinderschänder“) Propaganda gemacht wird.

Von der Organisation über die Denkweise bis hin zu den Charakteren werden die Mechanismen deutlich und welche Gefahr diese wenigen, aber lauten und unnachgiebigen Stimmen für die Demokratie bedeuten. Nach der Lektüre kann man als Leser nur einen Schluss ziehen: Diese Neonazi-Szene hat sich nun unter dem Dach der AfD versammelt, die mit genau diesen Mechanismen nun sehr laut Propaganda macht. Das ist die eigentliche Erkenntnis: Lies die Lebensgeschichte von Heidi Benneckenstein, ziehe Deine Schlüsse und komme zu der Erkenntnis, dass die AfD eine rechtsradikale Partei ist.

Petra Reski: Bei aller Liebe
Ein deutscher Staatsanwalt wird in Palermo von einem Transgenderprostituierten ermordet. Er hat im neuesten Geschäftsfeld der Mafia ermittelt: Flüchtlinge. Von der Unterbringung in Heimen über die Sicherheit bis hin zur Verpflegung oder der Einschleusung in andere EU-Länder, überall verdient die Mafia mit. Gesteuert wird das ganze aus Deutschland, von ausgewanderten Mafiosi. Die haben nur zwei Dinge unterschätzt: 1. Den Fremdenhass der Deutschen und 2. die palermitanische Staatsanwältin Serena Vitale, die nun zu ermitteln beginnt.

Petra Reski ist eine deutsche Journalistin und lebt und arbeitet seit den 80ern in Italien. Sie schrieb regelmäßig und sehr gut über Enthüllungsstories über das Wirken der Mafia, auch in Deutschland. Dafür verklagten sie die hier ansässige „erfolgreiche Geschäftsleute mit italienischen Wurzeln“ und gewannen vor Gericht. Reskis Verlag ließ sie im Regen stehen, sie verlor bis auf den letzten Cent alles. Sie kann aber nicht vom Thema lassen, und deshalb verpackt sie die Ergebnisse ihrer Recherchen nun in Romanform, denn im Fall einer Klage kann sie sich mit „Ist alles Fiktion“ rausreden. Ich halte Petra Reski für eine absolut brilliante Journalistin und bewundere sehr, dass sie immer weiter kämpft und sich nicht unterkriegen lässt. Ihre Zeitungs- und Blogartikel sind spitze recherchiert und spannend zu lesen, wirklich großartig. Aber dieser Roman, der ist zum Gruseln.

Das beginnt bei den Charakteren die ins comichafte überzeichnet sind und endet bei Erzählpassagen, die dumm und irrelevant sind und so verbittert klingen, als wären sie mitten in der Nacht nach einer Flasche Rotwein entstanden. Wenn ich lese, wie die Ökofreundin eines Reporters mit dem Namen „Wolfgang Widukind Wienecke“ eine Blumenkohlbar aufmacht, oder die wunderschöne, blonde, hochbeinige Staatsanwältin ständig Lippenstift nachzieht… dann möchte ich das Buch direkt wieder weglegen.

Habe ich aber nicht, denn die Machenschaften der Mafia im Flüchtlingsgeschäft sind erschreckend und detailliert beschrieben. Flüchtlinge als Geschäft, an denen jeder verdient: Mafia, Kommunen, Politiker nehmen gemeinsam die EU aus. Das ist spannend und eröffnet neue Perspektiven. Der Nachteil: Für einen Roman braucht es nicht nur Fakten, es brauch eine ordentliche Geschichte. Die verheddert sich auf halbem Weg, und am Ende franst sie einfach aus und verpufft.

Ich bin extrem zwiegespalten. Die Erkenntnisse aus dem Buch sind interessant. Für die muss man sich aber durch dumme Charaktere, ständige Übertreibungen und uninteressante Erzählpassagen kämpfen. Es gibt noch zwei weitere Romane von Reski, aber bis ich mir die antue, brauche ich eine Pause.


Hören:


Sehen:

A Series of Unfortunate Events (Season 2) [Netflix]
Violet, Sunny und Klaus Baudelaire haben es nicht leicht: Erst kamen bei einem Feuer ihre Eltern ums Leben, nun werden sie vom bösen Grafen Olaf gejagt. Dem Bösewicht ist jedes Mittel recht um an das Vermögen der Waisen zu kommen. Er nutzt die seltsamsten Verkleidungen, um die Kinder durch eine von In&Out-Listen verdrehte High Society, ein bizarres Internat, ein komisches Krankenhaus und einen grausamen Zirkus zu jagen.

Ach, herrlich! Schon die erste Staffel glänzte durch hervorragende Ausstattung und tolle Schauspieler, und die vorliegende Staffel 2 setzt hier nochmal einen drauf: Die Schauplätze sind größer, die Stammschauspieler absolut in ihren Rollen und die Gäste (wie Nathan Fillion als Jaques Snicket!) hervorragend besetzt. Wieder wurden 4 Bücher verfilmt, jeweils in zwei Teilen. Dabei sind die Produzenten mutiger geworden, was dem Ganzen gut tut: Ein neuer Handlungsstrang zeigt nun die Bemühungen der geheimnisvollen Organisation „FF“ den Waisen zu helfen. Das bringt wohltuende Abwechselung und verhindert, dass die Serienepisoden ähnlich holzschnittartig ablaufen wie die Bücher. Sehr gelungene Fortsetzung, bei der allein schon jede Sekunde Screentime von Neil Patrick Harris („How I met your Mother“) als Graf Olaf ein böse kicherndes Vergnügen ist.

A Couch in New York [Theater im OP]
Psychanalytiker Harriston ist genervt. Das Leben des New Yorker Psychologen könnte so akkurat geordnet sein, wenn nicht seine durchgeknallten Patienten wären. Kurzentschlossen gibt er eine Anzeige auf, um sein Appartment am Central Park für einige Wochen gegen eines in Paris zu tauschen. Auf die Anzeige meldet sich Mademoiselle Sauniere, eine chaotische Tänzerin, die ihre ganz eigenen Gründe hat aus Paris zu fliehen.

Angekommen in der jeweils anderen Stadt übernehmen die beiden nicht nur die Wohnung des jeweils anderen, sondern hinterlassen auch Spuren in den Fußstapfen des anderen Lebens.

Schön gespielt, funktionales Bühnenbild. Leider fehlt der Punch, den ein solch komödiantischer Stoff erfordert. Die Inszenierung ist zu träge, zu langatmig. Das man nach 10 Minuten weiß, wie die Story ausgehen wird – geschenkt. Aber das viele Gags wird aus drei Kilometern Entfernung angekündigt und dann in zäher Langsamkeit ausgewalzt werde, bis sie nicht mehr lustig sind, das ist bitter. Die Laufzeit beträgt zweieinhalb Stunden, und ist damit rund eine Stunde zu lang. Hätte man hier und da etwas gerafft, wäre die „Couch“ das lustigste Stück seit langem im ThOP gewesen. So wird es leider in Erinnerung bleiben als die Vorstellung, die dank langer Laufzeit, zuspäten Beginns und überzogener Pause insgesamt dreieinhalb Stunden Sitzfleisch verlangte.

Im Nachgang zum Stück habe ich mir übrigens die Verfilmung des Stoffs von 1996 mit Juliette Binoche und William Hurt angesehen. Die ist erstaunlicherweise unerträglich lahmarschig und einfallslos inszeniert, die Dialoge grenzen an Schwachsinn und manche Szenen sind so absurd umgesetzt, dass es zur Qual für die Darsteller wird. Am ThOP hat man den Film Szene für Szene nachgespielt, allerdings all dessen Schwächen mitgenommen UND das Tempo weiter gedrosselt – das tut dem Stoff nicht gut. Nach „irreversibel“ ist „Eine Couch in New York“ übrigens der 2. Film in meinem Leben,. den ich nicht zu Ende geguckt habe, weil ich es nicht ertragen konnte. Wenn auch aus krass unterschiedlichen Gründen.

So lange ich lebe (Jab Tak Hai Jaan) [DVD]

Shah Rukh Khan ist Bombenentschärfer, und zwar der beste in ganz Indien. Ohne Schutzanzug fordert der verschlossene Mann bei jedem Einsatz Gott und das Schicksal heraus, nur um sich danach wieder in die Einsamkeit zurück zu ziehen. Als eine junge Journalistin eine Reportage über „Den Mann, der nicht sterben kann“ dreht, entdeckt sie versehentlich sein Geheimnis. Dessen Spur führt nach London und in eine Zeit, in der Khan ein anderer Mensch war.

Ich mag diese dreistündigen Bollywood-Filme ja, zumindest, wenn sie angemessen episch und gut erzählt sind. Das ist hier der Fall: London ist eine großartige Kulisse, die Geschichte umspannt mehrere Jahrzehnte, die Tanznummern sind großartig und die Geschichte rührt zu Tränen. Ganz großes Kino, bester klassischer Khan-Film nach „Om Shanti Om“ und den Dons („Meine Name ich Khan“ läuft außer Konkurrenz).


Spielen:

Assassins Creed Origins: Curse of the Pharaohs [PS4]
In Ägypten erheben sich die Pharaonen aus ihren Gräbern und versetzen die Bevölkerung in Angst und Schrecken. Bayek geht dem nach und versucht herauszufinden, was die Ruhe der Gottkönige stört. Dabei muss er auch den Duat, das Jenseits der Ägypter, besuchen.

Nach dem langweiligen, ersten DLC „The Hidden Ones“ folgt nun die zweite und letzte Erweiterung für „Assassins Creed Origins“. Die hat es in sich und dreht alle Regler auf 11: Mit Theben, Luxor und dem Tal der Könige kommt ein großes Gebiet hinzu, in dem es wieder viel zu erkunden und zu tun gibt. Leider ist das meiste davon wieder trivialer Mist. Die üblichen, hässlichen und schlecht gesprochenen NPCs, die mehr nach Verkehrsunfall als nach Personen aussehen, geben einem doofe Fetchquests oder jammerlappige Suchmissionen. Das nervt, und um es mal ganz klar zu sagen: Wenn ich noch ein Mal ein verschwundenes Kind finden und aus einer Höhle tragen soll, werde ich Balg von der nächsten Klippe werfen.

Zum Glück belässt es der DLC dabei nicht. Er erzählt eine stimmige Hauptgeschichte und eröffnet mit dem Jenseits ganz neue und abstrakte Szenarien. Leider ist die Story wieder nicht besonders gut erzählerisch in Szene gesetzt, dennoch macht es Spaß ihr zu folgen. Herausfordernd ist es allemal, das Levelcap wurde auf 55 angehoben, was im Kampf gegen Nofretete oder Ramses auch nötig ist. „Curse of the Pharaohs“ ist daher empfehlenswert für alle, die das Hauptspiel mochten, die aber nicht einfach nur more of the same wollen.

Assassins Creed: Rogue [PS4]
Die amerikanischen Kolonien im 18. Jahrhundert: Der Assassine Shay Cormac wird von der Bruderschaft auf geheime Missionen geschickt, in denen er Tempel der Vorfahren aufspürt. Diese speziellen Tempel enthalten Artefakte, die seismische Beben auslösen können. Durch Shays Mission wird ein Erdbeben ausgelöst, das 1755 Lissabon vernichtet und tausende Menschen das Leben kostet. Daraufhin fleht Shay die Assassinen an, diese Artefakte in Ruhe zu lassen – ohne Erfolg. Um zukünftige Katastrophen zu verhindern, flieht Cormac aus der Bruderschaft und macht Jagd auf seine alten Freunde und Kollegen.

„Rogue“ erschient 2014 zeitgleich mit „Unity“. Während letzteres auf der neuen Konsolengeneration grandios floppte, weil es neue Dinge wagte, aber buggy veröffentlicht wurde, setzte „Rogue“ auf PS3 und XBOX 360 auf Bewährtes: Die Engine von „Assassins Creed III“ mit den Seefahrtsmechaniken aus „Black Flag“, neue Texturen drüber, fertig. Damit war es nicht das bessere Spiel, wie viele Kritiker irrtümlicherweise annehmen. Es war nur runder.

Die jetzt veröffentlichte „Remastered“-Version für PS4 und XBOX One unterscheidet sich nicht groß von der vier Jahre alten Fassung. Die Grafik ist etwas höher aufgelöst, aber nicht schöner. Spaß macht es dennoch, mit der „Morrigan“ den Hudson enthochzusegeln und im Nordatlantik das Polarlicht anzugucken. Die Story trägt dabei gerade mal für 6 Stunden, bis man das Schiff entsprechend aufgelevelt und die Karte aufgedeckt hat, braucht es rund 20 Stunden. Kompletionisten werden irre ob der Vielzahl an Sammelaufgaben, bis man alles Gedöns beieinander hat, vergehen rund 50 Stunden. Wert ist es das freilich nicht, als Belohnung gibt es nur ein paar pottenhässliche Skins.


Machen:

Eine kleine OP.

Neues Spielzeug:

Eine neue Schreibtischplatte. Yay! hat ja nur 7 Jahre gebraucht bis ich mich dazu aufgerafft habe.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 30. April 2018 in Momentaufnahme

 

Momentaufnahme: März 2018

Herr Silencer im März 2018

Herr Silencer hatte mangels Frühling in diesem Monat viel Zeit um Filme zu schauen, was die monatliche „Sehen“-Liste etwas länger macht. Zu viel Text, aber immerhin sind die Kurzkritiken (verdientermaßen) krawallig.

Wort des Monats: „Omaschaf“

Wetter: Zu Monatsbeginn klirrend kalt, nachts -14, tagsüber -8 Grad. Dazu ist es windig, was die Sache nicht besser macht. In der zweiten Woche wird es wärmer und riecht ein wenig nach Frühling. Am zweiten Märzwärzwochenende hat es dann plötzlich 20 Grad und Sonnenschein, aber nur einen Tag lang. Es folgen: einstellige Temperaturen und Regen, dann kommt der Winter mit -8 Grad und Schnee zurück. In der letzten Märzwoche arbeitet sich das Wetter wieder auf das Niveau eines kalten Novembers hoch, mit 3 Grad und Regen. Schön ist das alles nicht.

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Lesen:

Haznain Kazim: Krisenstaat Türkei
Was ist nur mit der Türkei los? In der deutschen Wahrnehmung war das Land bis vor einiger Zeit verlässlicher Nato-Partner, vielleicht nicht für den Beitritt zur EU geeignet, aber auf jeden Fall für Urlaubsreisen. Seit zwei Jahren dreht Staatschef Erdoğan scheinbar unvermittelt im Roten und stößt jeden Tag neue Drohungen in Richtung Westen aus. Was ist da los?

Dieser Frage geht Hasnain Kazim nach. Der Korrespondent des SPIEGEL zeichnet die Entwicklung der Türkei historisch und politisch nach und fokussiert sich dann sich auf die Geschehnisse der vergangenen 30 Jahre. Das Schicksal des Landes ist dabei eng verbunden mit der Person des Recep Tayyip Erdoğan. Der kam aus einfachen Verhältnissen, wurde Bürgermeister von Istanbul und schaffte einen erstaunlichen Spagat: Er demokratisierte er das Land und nährte es an den westlichen Wertekanon an, und zwar während er gleichzeitig der Religion einen höheren Stellenwert einräumte. Vor einigen Jahren aber schwenkte das um, Erdoğan und seine Partei begannen das Land in eine Autokratie umzubauen, Opposition zu dezimieren, freie Presse zu vernichten, Brücken zum Westen abzubrechen und Krieg gegen die Nachbarländer zu führen.

Sehr lesbare Geschichts- und Politikstunde, die erklärt, dass Erdoğans Wandel gar nicht unvermittelt kam, sondern eine lange Vorgeschichte hat. Es ist auch ein sehr persönliches Buch, denn Kazim geriet selbst in den Fokus Erdoğans und wurde wegen seiner Pressearbeit zum Verräter und Feind der Türkei erklärt. Kazim und seine Familie wurden vom langen Arm der AKP und Erdoğan bis nach Deutschland verfolgt. Ich bin mir nicht sicher, wie ein einzelner Mensch so viel Hass aushalten kann, allein dafür schon: Hochachtung!

Die entscheidende Frage nach Erdoğans Motiven kann auch Kazim nicht final beantworten, die belegbaren Vermutungen aber machen Angst: Die Erdoğan träumt anscheinend von einem neuen osmanischen Reich, einer tiefreligiösen, sunnitischen Türkei in den Grenzen von 1920. Auch die Frage nach der Zukunft beantwortet der Autor pessimistisch: Erdoğans Kunststück ist es, ein „die ganze Welt ist gegen die Türkei“-Gefühl zu schaffen, weshalb bei vielen Fragen selbst die Reste der Opposition an seiner Seite stehen.

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Hören:

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Sehen:

Red Sparrow [Kino]
„Ihr müsst herausfinden, was die andere Person am meisten auf der Welt begehrt und dann zu diesem Puzzleteil werden“. Das ist der Auftrag der „Spatzen“, jungen und schönen Männern und Frauen, die in Russland zu Agenten ausgebildet werden. Denn: „Der kalte Krieg hat nie geendet, er ist nur in viele Teile zerbrochen“. Die Worte der Ausbilderin begleiten die Arbeit einer Neurekrutin. Deren Träume von einer Laufbahn als Ballerina sind gerade geplatzt, ihr Onkel bietet ihr einen Platz im „Sparrow“-Programm. Tatsächlich erweist sich die junge Frau als Naturtalent in der Manipulation von Menschen. Sie erkennt allerdings nicht nur deren Begierden, sondern auch ihre Schwachstellen, was sie zu einer gefährlichen Waffe macht. Da ihre eigenen Motive im Dunkeln liegen, weiß niemand wohin diese Waffe zielt.

Die ersten Trailer ließen vermuten, dass „Red Sparrow“ eine actionalastige „Black Widow“-Story ist, sehr ähnlich zum brutal-blöden Prügelfilm „Atomic Blonde“. Dem ist zum Glück nicht so. „Red Sparrow“ ist ein ruhiger, langer und dennoch hoch spannender Film mit Elementen die man nicht oft im Kino sieht. So erschreckt er bspw. immer wieder mit beiläufiger, aber extremer Gewalt. Jennifer Lawrence spielt mit Deppenpony, völlig ausdruckslosem Gesicht und toten Augen ihre Rolle bewusst unempathisch und verleiht ihr damit und durch ihre Körperhaltung eine faszinierende und spröde Tiefe.

Das die Story sich windet und twistet bis das Hirn der Zuschauer eine Brezel ist und bis zur letzten Minute unklar bleibt, welche Motivation Lawrence hegt, ist überaus spannend.

Ein seltsamer Nachgeschmack bleibt aber, wie immer, wenn es um Filme mit militärischem und ideologischen Inhalten geht. Zum einen wird die Ideologie hier wirklich stark gebuttert – auf der einen Seite der unmenschliche, russische Militärapparat, auf der anderen Seite der knuddelige, verliebte Amerikaner – zum anderen hat man die Rolle des bösen, russischen Onkels ausgerechnet mit einem Putin-Lookalike besetzt. Tatsächlich bekommt man den Eindruck über die Laufzeit nicht aus dem Kopf, dass hier Putin charakterisiert und dämonisiert wird. Das ist unnötig, dumm und lässt die Vermutung offen, dass „Red Sparrow“ der erste einer neuen Generation von Propagandafilmen ist. Der Film hat mich sehr beeindruckt, er ist handwerklich spitze, aber solche Propaganda will ich nicht.

What happened to Monday [PSN]
Zwanzig Minuten in der Zukunft: Die Erde ächzt unter Überbevölkerung, Regierungen beschließen rigide Ein-Kind-Policies. Zweit- und Drittgeborene werden gnadenlos von einer Spezialeinheit der Polizei aufgespürt und in Cryokammern eingeforen, um in einem späteren Jahrhundert -wenn die Bevölkerung auf ein erträgliches Maß geschrumpft ist- wieder aufgetaut zu werden.

In dieser Welt bekommt eine junge Frau heimlich eineiige Siebenlinge und stirbt während der Geburt. Ihr Vater versteckt die Kinder vor den Behörden, benennt sie nach den Wochentagen und erzieht sie streng: Nur innerhalb ihre Verstecks dürfen sie sie selbst sein, nach Außen hin teilen sie sich alle eine Identität, die sie jeweils an ihrem Namenstag verkörpern. Doch eines Montags kommt Monday nicht nach Hause, und ihre Geschwister machen sich Sorgen. Sollte Monday etwas passiert sein, wäre die Identität der anderen sechs Frauen auch verloren.

Oh Mann. Das gibt es doch nicht.

Da wird ein Film gedreht, der eine superdüstere Prämisse als Ausgangspunkt nimmt um eine sehr interessante Situation zu entwickeln. Die Exposition ist auf Niveau einer guten Phillip K. Dick-Story, und dann auch noch Powerfrau Noomi Rapace in sieben unterschiedlichen Rollen – das kann doch nur intelligente Unterhaltung werden, oder?

Leider nein, ganz im Gegenteil. Um es mal kurz zusammen zu fassen: Nach der gelungenen ersten halben Stunde wird der Film zutiefst unsympathisch. Er will keine Geschichte erzählen, keine Spannung aufbauen, er bringt keine philosophische Botschaft rüber. Nach der Einführung, die die Erwartung an einen intelligenten SciFi-Thriller weckt, hat der Film urplötzlich keinen Bock mehr clever zu sein und will winzig und allein Krachbummaction zeigen und Noomi Rapace leiden lassen. Das es die Protagonistin sieben Mal gibt, wird lediglich als Gelegenheit genutzt um sie als ihr eigenes Kanonenfutter zu inszenieren. Ihr werden die Arme gebrochen, Augen ausgerissen, sie wird erstochen, erschossen und von Gebäuden geworfen.

Der Film geht so dermaßen unsympathisch mit seinen Protagonistinnen um, dass man die Filmemacher schütteln und anschreien möchte. Warum? Was soll das? Warum all das Worldbuilding und der tolle Auftakt, wenn es am Ende nur darum geht, möglichst viele Rapaces einfach so umzubringen? Die eigentliche Story kommt dann als völlig unglaubwürdiger Plottwist daher und negiert im Nachgang auch noch die Exposition, denn die nimmt sich ausgerechnet für die Rechtfertigung des Endes nicht genug Zeit.

Obwohl er überall gute Kritiken eingefahren hat: „What happened to Monday“ ist ein kleiner, mieser, unsympathischer Krawallfilm, der so wirkt, als ob die (allesamt männlichen) Macher ihren Hass auf starke Frauen ausleben würden. Wi-der-lich.

Ein Dorf sieht schwarz [Amazon Video]
Frankreich 1975: Seyolo Zantoko hat gerade sein Medizinstudium in Lille abgeschlossen, als er einen Job auf einem Kuhdorf nördlich von Paris angeboten bekommt. Um der französischen Staatsbürgerschaft Willen zieht der Kongolese samt Familie auf´s Land und eröffnet eine Praxis. Jetzt prallen Welten aufeinander: Die gebildeten Städter sehen sich mit Dörflern konfrontiert, die zum ersten Mal in ihrem Leben farbige Menschen sehen. Und egal wie sehr sich die Zantokos auch bemühen, sie bleiben Außenseiter und die Praxis leer.

Die Geschichte ist wahr, vor zwei Jahren machte der Sohn Zantokos mit einem Rap auf sein Heimatdorf in der französischen Provinz aufmerksam. 1975 sagte hier sagt keiner der ´Schtis „Willkommen“. Obwohl der Film eine Komödie ist, liegt über allem die Bitterkeit und Frustration, die die Lebensjahre der Familie prägten. Tatsächlich funktioniert hier gar keine der Integrationsbemühungen der Familie, die in ähnlichen Filmen innerhalb einer Trainingsmontage zu Erfolgen führen. Hier nicht: Zantoko nimmt am Dorfleben teil, er geht in die Kneipe, er erweist sich als lieber Kerl – aber niemand vertraut ihm als Arzt.

In der Summe ein grundsympathischer, kleiner Film, der nette und leichte Unterhaltung bietet und den man sich schon wegen der umwerfend schönen Aïssa Maïga oder dem 70er-Nostalgieflair angucken kann.

Tomb Raider (2018) [Kino]
Lara Croft ist chronisch Pleite. Dabei könnte sie sofort in Geld baden, wenn sie endlich ihren seit Jahren verschwundenen Vater für Tod zu erklären und sein Erbe annehmen würde. Stattdessen schlägt sie sich als Fahrradkurierin in London durch. Zumindest so lange, bis irgendein Plotdevice dafür sorgt, dass sie auf einer japanischen Insel landet und sich dort mit Söldnern keilt.

Reich, sexy, unbesiegbar, gebildet. Mörderoberweite, zwei Pistolen, tötet am Fließband. Das war Lara Croft vor 22 Jahren.
Das Bild stimmt schon seit dem 2013er Reboot der Spielerserie nicht mehr. Darin ist Lara ist eine normal gebaute, junge und verletzliche Frau, die über die Geschichte des Spiels eine Wandlung durchmacht. Ziemlich genau diese Geschichte erzählt der Film nun auch noch mal. Gut daran ist, dass er sich Zeit nimmt, um die neue Lara zu charakterisieren. Nach hinten raus fällt das Ganze aber ziemlich auseinander, weil statt der Story des Spiels einfach Versatzstücke verschiedener Games und Filme aneinander geklebt wurden. Als popkulturell gebildeter Zuschauer nimmt man die letzte Stunde des Films als Flickenteppich aus „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ und „Uncharted“ wahr, der nachgeschobene „Twist“ ist hingegen nur für Leute überraschend, die die Spiele nicht kennen.

Dass das Ganze trotzdem funktioniert liegt an zwei Dingen: 1. Den hohen Production Values. Was hier gezeigt wird, sieht alles nicht billig oder digital aus, das sind echte Kulissen und echter Dreck. 2. Alicia Vikander, ausgerechnet. Die 29jährige Schwedin kennt man als Roboterfrau aus „Ex Machina“, aus dem Reboot von „Codename UNCLE“ und dem 2016er Jason Bourne Film, falls den noch jemand gesehen hat. Für die Rolle der Lara Croft hielt ich sie für eine Fehlbesetzung, denn Vikander ist Tänzerin und sieht auch so aus. Eine Ballerina mit einer Stirn so hoch wie ein Haus sieht auf Fotos nicht glaubhaft nach einer Actionheldin aus, ich hätte mir Camilla Luddington (die Lara in den neuen Games spielt) gewünscht.

Oh, wie sehr ich daneben lag. Vikander ist keine Fehlbesetzung, sie ist der Grund, warum der Film nicht auseinanderfällt. Man muss sie in Action erleben, denn sie ist nicht nur eine hervorragende Schauspielerin, die mit einem Blick mehr sagt als andere in 5 Zeilen Dialog, sie hat sich für die Rolle auch ordentlich Muskeln antrainiert. Ihr nimmt man die durchtrainierte, zähe -aber ungebildete- Fahrradkurierin und Kickboxerin ab. Genau wie die Entwicklung, die sie durchmacht: Wie im Game wächst Lara auch im Film an ihren Herausforderungen, und das ist glaubhaft, schmutzig und schmerzhaft, man leidet wirklich mit ihr mit.

Der 2018er „Tomb Raider“ bietet eine mäßige Story, eine schöne Ausstattung und eine herausragende Protagonistin. Dabei heraus kommt mittelgute Unterhaltung. Das ist aber schon mehr, als viele andere Gameverfilmungen schaffen, siehe zuletzt das „Assassins Creed“-Debakel von Michael Fassbender, mit dem Alicia Vikander übrigens verheiratet ist. Was man dem Film auch zugute halten muss: Er erzählt eine Originstory, da kann man Holprigkeit noch Durchgehen lassen. Im nächsten Teil dann aber bitte ein wenig mehr Eloquenz und Mut zur eigenen Story, der Grundstein dafür ist gelegt.

Dark [Netflix]
In einem Dorf in Niedersachsen verschwinden seit 30 Jahren Kinder. Leute stehen im Regen und gucken betroffen.

„Dark“ kam vor einigen Wochen raus und wurde als erste deutsche Netflix-Serie von der Kritik total abgefeiert. Warum eigentlich? Das ist mir unklar, denn viel mehr als diesen USP bietet die Serie nicht. Dabei fängt es zunächst ganz OK an: Die Story scheint interessant zu sein. Leider wird dann das große Mysterium (wer in eine Höhle klettert reist durch die Zeit) für die Zuschauer schon in Folge 1 gelüftet, die handelnden Figuren bekommen das aber erst in Folge 7 heraus. Das bedeutet: Bis endlich die Charaktere zum Wissensstand der Zuschauer aufgeschlossen haben, tritt die Serie geschlagene sechs Folgen auf der Stelle. Die Zeit wird damit überbrückt, dass unsympathische Charaktere irrsinnig miese Texte aufsagen, während sie verbissen in die Kamera gucken. Echt, mehr passiert nicht.

Im letzten Drittel nimmt die Serie dann mal ein wenig Fahrt auf und erzählt ihre Story auf drei Zeitebenen, an der behäbigen Erzählweise ändert das aber nichts. Die, an sich banale, Geschichte wird weiterhin quälend langsam erzählt. Komplexität wird hier nur simuliert, über ein bizarres „Wenn die Tante meines Schwippschagers meine Nichte ist, wer ist dann mein Onkel, wenn der 1986 durch die Zeit gereist ist?“-Verwandtschaftsspiel. Das ist verwirrend, aber nicht spannend. Und während die Protagonisten noch damit beschäftigt sind im niedersächsischen Regen zu stehen, verbissen zu gucken und schlechte Texte aufzusagen, langweilen sich die Zuschauer vollends zu Tode. Das am Ende, nach all der Zeitverschwendung, auch noch sämtliche Handlungsbögen mitten in der Luft hängen bleiben, ist dann nochmal eine besondere Qualität von Unverschämtheit.

Neben den Story- und Pacing-Problemen sind weitere Nervfaktoren auf Anschlag gedreht: Die Musik ist VIEL zu dramatisch und VIEL zu laut abgemischt. In nahezu jeder Szene kreischt eine Horror-Geige oder es droht ein unheimlicher Bass, selbst wenn nur triviale Dinge passieren. Man stelle sich in dem Zusammenhang eine Supermarktkasse vor, an der eine Oma gerade in Centstücken zahlt. Nun stelle man sich vor, wie diese Szene unterlegt ist mit der Musik aus der Duschszene von „Psycho“, und zwar drei Stufen lauter als der Rest des Tons. Dann schwillt die Musik immer weiter an – aber es passiert halt nichts weiter, als das die Oma im Portemonnaie stochert. Passt nicht, oder? Aber genau das macht „Dark“ permanent!

Zum Teil überdeckt die Musik sogar die Dialoge. Nicht, das es darum schade wäre, denn die sind wirklich, wirklich absurd mies, und sie werden zudem von einigen der schlechtesten Laienschauspieler vorgetragen, die ich je gesehen habe. Das auch die Rollen größtenteils ärgerlich dumm geschrieben sind, macht die Sache nicht besser. Die meisten Figuren sind wandelnde Klischees, manche absurd übersteigert. Höhepunkt: Der Uhrmacher, der nebenbei Experte für interdimensionale Quantenraumfaltung ist, WEIL MAN JA ALS UHRMACHER AUCH IRGENDWIE MIT ZEIT UND SO ZU TUN HAT UND SOWAS HALT WEIß. Geht´s noch? Das ist lazy writing, aber auf die Spitze getrieben.

„Dark“ hat genau eine interessante Idee, deren Lösung es aber gleich zu Anfang verplempert und den Rest schlecht inszeniert. Am ehesten kann man noch die dunkle Bildästhetik mögen, die mal an Lynch, mal an Fincher angelehnt ist. Wer aber allein deswegen die Serie mag, hat beim Schauen Ohren und Hirn ausgeschaltet. Nein, ein 120minütiger Film hätte hier vermutlich besser funktioniert. Für Staffel 2 (die schon beschlossen ist) möge wenigstens jemand den Verantwortlichen für den Ton im Schrank einsperren.

Boat People Projekt: Dorf [Theater im Schloß Gieboldehausen]
Eine Gruppe von potentiellen Investoren kommt in das Dorf Hausen. Dort erhalten sie Einblicke in Familienleben, Dorfgemeinschaft, aber auch die Probleme, die das Leben auf dem Land so mit sich bringt.

Die „Investoren“, das sind die Zuschauer, die in Gruppen in fünf Spielräume innerhalb des alten Schlosses in Gieboldehausen geführt werden. Dort erlebt man unterschiedliche Kammerspiele, vom René Pollesch´ken Dialog im Dunkeln bis hin zum Musical am Küchentisch. Der Cast ist riesig, fast 30 Personen aus den Dörfern des Landkreises haben das Stück gemeinsam geschrieben und führen es hier auf.

Ich war erst sehr skeptisch, weil sich das ganze Projekt der Gruppe „Boat People Projekt“ sehr nach einer verkopften High-Concept-Idee anhörte, der ich keine große Chance zum Funktionieren einräumte. Ich lag zum Glück falsch und hatte ich aber sehr großen Spaß an dem ungewöhnlichen Stück, denn peinliche Zuschaueraktionen werden hier weitgehend vermieden, dafür legen sich alle Laiendarsteller gut gelaunt ins Zeug. In der Summe ist „Dorf“ eine spielgewordene Liebeserklärung an das Leben auf dem Land und die Auswirkungen auf das eigene Leben, wenn man die Entscheidung dafür trifft. Toll, lustig und stimmig gemacht.

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Spielen:

Assassins Creed Origins: The Hidden Ones [PS4]
Zehn Jahre nach den Ereignissen des Hauptspiels: Der Orden der „Hidden Ones“ steht auf der Halbinsel Sinai schon wieder vor der Auslöschung. Bayek muss dort mal selbst nach dem Rechten sehen.

Kurzer DLC zu „Origins“, hebt das Levelcap auf 50, bringt null Neues: Wieder assassiniert man sich durch eine Hierarchie, diesmal von Römern. More of the Same, braucht niemand. Nicht mal hübsch ist die neue Location, die Halbinsel besteht nur aus Felsen und Steinbrüchen.

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Machen:

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Neues Spielzeug:

Ein Trackimo!

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
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Verfasst von - 29. März 2018 in Momentaufnahme

 

Momentaufnahme: Februar 2018

Herr Silencer im Februar 2018
„Nicht noch mehr Brillenmädchen!“

Wetter: Am Monatsanfang kühl, mit vereinzeltem, heftigen Schneefall. Um den 19. herum wird es eiskalt, mehr als eine Woche wird es tagsüber kaum wärmer als -2 Grad, nachts geht es bis -8 Grad. In der letzten Woche, zum meteorologischen Frühling hin, legt der Winter richtig los: -14 Grad nachts, tagsüber -6.

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Lesen:

Stadtpläne und Kunstführer, aber das zählt nicht.

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Hören:

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Sehen:

Bladerunner 2049 [PSN]
Das Jahr 2049: Sämtliche Ökosysteme der Erde sind zusammengebrochen, es gibt keine Tiere oder Pflanzen mehr. Die Menschheit sucht ihr Heil in der Kolonisierung fremder Planeten. Damit das gelingt, werden für schwierige Aufgaben und Kampfeinsätze künstliche Menschen, die Replikanten, eingesetzt. Die werden mittlerweile nicht mehr von der Tyrell Corporation gebaut, die vor 30 Jahren nach den Skandalen um geflohene Replikanten dicht gemacht wurde. Polizisten die Replikanten jagen, die sog. „Blade Runner“, gibt es aber immer noch. Einer von ihnen, selbst ein Replikant neuerer Bauart, entdeckt etwas, was eigentlich nicht sein kann: Die Überreste eines Kunstmenschen, der anscheinend schwanger war. Diese Entdeckung hat die Macht, die Gesellschaft umzuwälzen – denn die Fortpflanzung ist es, die Menschen und Replikanten bislang eindeutig voneinander unterscheidet.

Ich hatte im Vorfeld davon gelesen, dass der Film mit seinen 165 Minuten zu lang sei, zu langsam inszeniert, insgesamt langweilig. Hielt ich alles für glaubhaft, weil schon die Standbilder zeigen, dass „2049“ dem ersten Teil treu bleibt. Warum sollte das nicht auch auf´s Erzähltempo zutreffen? Zur Erinnerung: Der erste „Blade Runner“ ist von 1982 und er galt schon vor 35 Jahren, in einer Zeit als Filme generell langsamer waren, als lahmarschig.

Umso größer war meine Überraschung als ich merkte, dass in der 2018er Auflage nun nicht nur nicht der mediokre Roman „Blade Runner II“ von K.W. Jeter verfilmt wurde, sondern eine wesentlich bessere Geschichte, und dass 2. der zweite Teil seine Laufzeit wirklich jede Sekunde nutzt – wenn auch nicht für Dialoge. In entsetzlich schönen Bildern betreibt der Film World-Building, in jeder Szene. Er erzählt uns nicht, wie schlimm verwüstet die Erde ist und wie runter die Gesellschaft – er zeigt es uns. Und das in einer kohärenten Version, die -anders als das Original- in jeder Szene einen Sinn ergibt.

Wie überhaupt jetzt alles in ein einheitliches Bild passt. Angefangen bei den komischen Geräten bis hin zu den Blade Runnern an sich ist „2049“ ist sehr sorgfältig inszeniert. Dabei beschädigt er das Original nicht, sondern macht es durch seine visuellen Erläuterungen sogar noch besser. Das die eigentliche Handlung komplex und verwoben ist und durch seine Rückbezüge deutlich macht, WIE speziell die Beziehung des Blade Runners Deckard zur Replikantin Rachel war, macht „2049“ zu einem herausragenden Film, der nahtlos in die Visionen von Philip K. Dick passt. Aber er spinnt sie noch weiter: Die Frage nach Menschlichkeit wird von einer DNA aus vier Buchstaben auf eine mit zwei Ziffern erweitert – was in der kompliziertesten Sexszene mündet, die je für einen Film gemacht wurde und zeigt, wie erfinderisch künstliche Intelligenzen sein können. Ich ziehe meinen Hut und sage leise: Wow. Dieser Film ist ein Ereignis.

Black Panther [Kino]
Irgendwo in Afrika: Im kleinen Drittweltland Wakaluba gibt es nur Schafhirten und Korbflechter. Denkt zumindest der Rest der Welt. Tatsächlich ist das nur eine sorgfältig gepflegte Fassade, hinter der sich das fortschrittlichste und reichste Land der Erde verbirgt. Hier herrscht seit neuestem König Fallera, nach alter Tradition auch „Black Panther“ genannt. Als ihn eines Tages ein Fremder herausfordert, sieht Fallera erst alt aus und sich dann mit der Frage konfrontiert, was für ein Herrscher er eigentlich sein will.

Schon sehr cool, dieser Marvel-Film. In den USA wird er megamäßig dafür abgefeiert, dass der Cast fast ausschließlich farbig ist, und es thematisch um Afrika, seine Traditionen und die Ausbeutung des Kontingents geht. Das ist auch für europäische Augen und Ohren erfrischend, und dass der Main Cast zum überwiegenden Teil aus wunderschönen und starken Frauen besteht, stört dabei auch nicht.

Das ausgerechnet der Black Panther Pläne stoppt, die eine Befreiung schwarzer Minderheiten vorsehen, mag seltsam klingen, ist aber innerhalb der Geschichte gut hergeleitet. Die ist zwar stellenweise etwas langatmig, bringt aber so nebenbei einen der besten Antagonisten des Marvel-Universums mit: Killmongers Motive sind nachvollziehbar und in Teilen sogar ehrenwert, was ihn zu mehr macht als der üblichen Schablone des Evil Overlords. Da zudem die Austattung sorgfältig, Landschaftsaufnahmen toll und die Stunts auf einem irren Niveau sind, kann ich nur sagen: Ins Kino gehen, es lohnt sich.

Taschenspieler [ThoP]
Drei Personen treffen sich an einem Strand. Sie scheinen sich zu kennen, sind sich dessen aber nicht bewusst. Charakterlich sind sie grundverschieden. Während Ida sich vor dem Inhalt ihrere eigenen Handtasche fürchtet, kann man es der aggressiven Dia nie recht machen. Adi spielt derweil lieber Kegeln oder beobachtet ein Huhn.

Ein Stück, bei dem man am Ende immer noch nicht weiß, ob der Autor eine Vision und eine echte Deutung hat, oder ob das Ganze in einem Fiebertraum oder durch assoziatives Schreiben zustande gekommen ist. Spielt aber auch keine Rolle, ich mag sowas.

„Taschenspieler“ steht in der Tradition der besseren Stücke von René Polleschs. Bei denen ist auch der affektive Dialog der Weg und das Ziel, und der unterhält in diesem Stück sehr. Das liegt daran, dass die Gespräche gut geschrieben sind, vor allem aber an den sehr guten Schauspielerinnen: Anja Kütemeyer, Anja Kramer und Martin Liebetruth sind auf den Punkt besetzt und machen Ihre Sache ausgezeichnet.
Trailer https://vimeo.com/246705025

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Spielen:

Assassins Creed Syndicate [PS4]
London, 1860: Zwillingspaar mischt Unterwelt auf. Vor zwei Jahren zuletzt gespielt. Arbeitet man zuerst den ganzen Open-World-Kram weg und macht dann die Story am Stück, ist sie zwar immer noch meh, aber etwas dichter. Aber mei, was ist das viktorianische London schön. Ausführliche Besprechung hier.

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Machen:
Eine Städetreise: Verona, Genua, Turin und Venedig an 9 Tagen. Dabei rund 150 Kilometer gelaufen.
Wieder Zuhause: Bei den kalten Temperaturen im Wohnzimmer übernachten, das schlecht isolierte Schlafzimmer lässt sich nicht mehr wirtschaftlich auf zweistellige Temperaturen bringen.
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Neues Spielzeug:
Eine elektrische Schall-Reisezahnbürste. Sehr cooles Teil. Ach ja, und zwei gebrauchte VIRB XEs.

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Verfasst von - 28. Februar 2018 in Momentaufnahme

 

Momentaufnahme: Januar 2018

Herr Silencer im Januar 2018
„…“

Wetter: Anfang des Monats irrsinnig warm, in der ersten Woche pendeln die Temperaturen zwischen 6 und 16 Grad. Dazu Regen, Regen, Regen. Dann kommt am 18. Orkan Friederike und legt Norddeutschland lahm, kurz drauf pendelt das Thermometer um Null Grad, dazu Schnee, Schnee, Schnee, der aber immer gleich wieder taut. Ab der dritten Woche klettern die Temperaturen wieder auf plus 5 bis 10 Grad.

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Lesen:

Michael Wolff: Fire and Fury – Inside the Trump White House
Dieses Buch ist vermutlich bald das auflagenstärkste nach der Bibel, und das ist verständlich – jeder würde gerne bei Trump Fliege an der Wand spielen, und nach eigenem Bekunden hat der Autor genau das getan: Er lungerte im Weißen Haus rum, wurde größtenteils ignoriert und hat zugehört. Dazu noch ein paar Interviews mit Staffern und Bannon, ordentlich atmosphärische Beschreibungen dazu und fertig ist das Erfolgsbuch.

Ich bin mir sehr sicher, das Wolff auch eine Prise Fantasie in den Details hat einfließen lassen – und warum auch nicht, wenn es der Lesbarkeit dient und die wichtigen Dinge stimmen.

Ob das so ist, kann niemand außerhalb des Weißen Hauses prüfen, aber fest steht: Wolffs Schilderungen erklären eine Menge Phänomene, die man von Außen beobachten kann. Damit meine ich nicht die Cheeseburger-im-Bett-Stories, auf die das Buch in den Medien reduziert wird, sondern die Schilderung der Machtzirkel um Trump herum.

Das Ziehen und Zerren von Jared Kushner und Ivanka Trump auf der einen Seite, Bannon auf der anderen und Reince Priebus irgendwo dazwischen. Die Schilderungen der Aktionen dieser Gruppen sind der Kern des Buchs. Beim Lesen insbesondere der Schilderungen von Bannons Doktrin bin ich doppelt dankbar, das der Kerl bei Trump in Ungnade gefallen ist – der hätte sonst noch richtig gefährlich werden können. Empfehlenswerte Lektüre, spannend zu lesen!

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Hören:

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Sehen:

The Good Place (Season 2) [Amazon Video]
Eleanor (Kristen Bell, „Veronica Mars“, „Assassins Creed II“) stirbt bei einem Unfall und wacht im „Good Place“ auf. So erklärt es ihr zumindest Michael (Ted Danson, „Cheers“, „CSI“), aber am Ende von Staffel 1 erfahren wir: Alles gelogen, in Wirklichkeit ist die Dauergrinsende-Glücklich-Nachbarschaft ein Versuch des Bad Place. Die Dämonen wollen mehr Freizeit und versuchen deshalb eine Konstellation schaffen, in der Menschen sich gegenseitig die Hölle bereiten. Nur: Das funktioniert nicht so wie geplant, und nach 816 Neustarts des „Good“ Place muss Michael sich auf einen Deal mit Eleanor einlassen.

Bright [Netflix]
Los Angeles in der Gegenwart, aber einer alternativen Welt: Menschen sind nicht die einzigen Humanoiden, und schon gar nicht die herrschende Spezies. Die Welt wird beherrscht von den schönen und reichen Elfen, die Menschen stehen gesellschaftlich knapp über den in Gangs organisierten Orks. Um deren Inklusionsfähigkeit zu testen, wird ein Ork versuchsweise zum Polizeioffizier gemacht und geht mit Will Smith auf Streife. Das klappt überhaupt nicht und eskaliert, als die beiden Cops in ein magisches Drogenhaus gerufen werden.

Fängt langsam und leicht langweilig an, entfaltet dann einen unheimlichen Sog und lässt einen nicht mehr los: Bright ist ein Film, der voller netter Ideen steckt. Problem dabei ist, dass er sich nicht so ganz entscheiden kann wo er hinwill. Actionthriller? Copmovie? Sozialkritische Dystopie? Am Ende macht er von allem etwas. Die dabei entstehende Mischung ist etwas unfokussiert, aber nett anzuschauen. Dazu tragen auch die wirklich guten Schauspieler bei. Und das Noomi Rapace hier als Ivank-Trump-Lookalike so richtig böse sein darf, ist eine sehr charmante Idee.

Birdman [BluRay]
Riggan Thomas war in den 90ern mal ein Star. In Superheldenfilmen spielte er den „Birdman“, dann ging es mit seiner Karriere bergab. Heute versucht er sich an einer Off-Broadwayinszenierung eines selbstverfassten Theaterstücks. Kurz vor der Premiere geht alles drunter und drüber: Der Hauptdarsteller wird von einem Scheinwerfer erschlagen, der Ersatz ist offensichtlich verrückt, Riggan geht das Geld aus und eine Kritikerin schwört, ihn zu vernichten – weil Leute die Figuren wie „Birdman“ spielen keine Schauspieler seien, sondern lediglich unbegabte Promis. Während Riggan unter dem Druck anfängt zu bröckeln, wird Birdman immer stärker.

Der Film wirkt, als wäre er komplett in einer Einstellung gedreht. Das ist aber schon der eine Trick des Ponys, der Rest ist so Artsy-Fartsy (inkl. Jazzuntermalung!!) das es nervt.

A Kurdish Movie [Vimeo]
Claudio von Planta ist der Kameramann, dem wir „A long Way Round“ und „A long way South“ zu verdanken haben. Dank einer Corwodfundingaktion fährt er jetzt mit einem knorrigen Iren auf Moppeds durch Nordsyrien. Die Reise hat durchaus bewegende Momente, etwa wenn die beiden von einem Polizeipräfekten alte Hondas geschenkt bekommen, oder wenn sie in Frontnähe durch verlassene Geisterorte fahren, an denen man noch sieht, wie viel die syrischen Flüchtlinge zuückgelassen haben.

Was mir nicht gefällt ist der Mangel an Narration. Von Planta hält einfach drauf und schneidet einzelne Szenen zusammenhanglos aneinander. Es gibt kein Voiceover, keine Erklärungen, nicht mal eine Übersichtkarte. Und nach 45 Minuten ist der Film einfach abrupt vorbei. Daran sieht man, dass ein Kameramann noch keinen guten Film macht. Für die 2,95 Euro Leihgebühr, die Vimeo dafür haben möchte, kann man sich das aber durchaus angucken.

Foto: Britta Korkowsky (http://www.thop.uni-goettingen.de)

Shirley Valentine [Theater im OP]
Shirley Bradshaw leert eine Flasche Wein und redet mit der Wand, während sie das Abendessen zubereitet. Donnerstags muss es immer Hackbraten geben, und der muss genau in dem Moment auf dem Tisch stehen, wenn ihr Mann nach Hause kommt. Das ist eigentlich schon alles, was man über das Leben der englischen Unterschichtenhausfrau wissen muss, alles andere kann man sich vorstellen.

Mit Mitte 40 ist sie zu alt für Neues, die Kinder sind aus dem Haus – Shirley Bradshaw wird nur noch für den Hackbraten gebraucht. Da bietet sich plötzlich eine Gelegenheit, dem Stumpfsinn für zwei Wochen zu entfliehen. Eine Freundin bietet Shirley an, sie 14 Tage nach Griechenland zu begleiten. Sie zaudert, aber dann erinnert sie sich an eine Zeit vor der Ehe, als sie noch Shirley Valentine hieß. Am Ende findet sie nicht nur die Kraft, ohne ihren Mann zu verreisen – sie kehrt auch nie in ihr Hackbratenleben zurück.

Das ThoP startet mit einer kleinen, aber sehr feinen Produktion ins neue Jahr. „Shirley Valentine“ ist ein tragkomisches Einpersonenstück, das die Darstellerin Birthe Schulz-Kolling tatsächlich ganz allein stemmt und zwei Stunden lang trägt. Der Stoff überrascht – denkt man nach dem ersten Akt man wüsste, wie alles weitergehen wird, ist die Freude um so größer, wenn Shirley den Ausbruch aus ihrem selbstgemachten Käfigleben schafft.

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Spielen:

Dishonored: Death of the Outsider [PS4]
Billie Lurk, die Kapitänin der „Dreadful Whale“ aus Dishonored II, bekommt von ihrem alten Mentor Daud einen letzten Auftrag: Sie soll für ihn den Outsider töten, jenes allmächtige Wesen, das den „Dishonored“-Protagonisten stets ihre Kräfte gibt. Nur: Wie tötet man einen Gott?

Schön: Dieser Stand-Alone DLC beantwortet Kernfragen der beiden „Dishonored“-Spiele und erklärt, was der Outsider ist und woher er kommt. Serientypisch geschieht das über eine locker in Zwischensequenzen erzählte Geschichte, zwischen der Level voller Schleichen und Erkunden eingeschoben sind. Was zunächst nach billiger McGuffin-Jagd aussieht, entpuppt sich als Stealth-Adventure mit vielen Details und Nebenmissionen.

Unschön: Auch im DLC ist man mehr mit Quicksave und Quickload beschäftigt als mit Spielen. Immersion gibt´s nicht, hier läuft alles auf Trial& Error hinaus, was Geduld erfordert. Dazu kommen Glitches und Designschwächen: NPCs können teilweise durch Wände gucken, was zumindest teilweise mit einer absurden Über-powerung des Spielercharakters ausgeglichen wird.

Netter letzter Teil, reicht jetzt aber auch. Mehr muss nicht.

Außerdem als Wiederholung: Horizon: Zero Dawn Hauptspiel, Assassins Creed Syndicate

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Machen:
Müde sein. Ich freue mich morgens beim Aufstehen schon darauf, abends wieder früh ins Bett zu gehen. Da passt es eigentlich nicht, dass das Dschungelcamp so spät kommt.
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Neues Spielzeug:
Ein weiterer Sensor für Anna. Gebraucht gekauft, ist aber leider in der Post verschütt gegangen.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
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Verfasst von - 31. Januar 2018 in Momentaufnahme

 

Das war das Jahr, das war (2017)

Lange hat es sich angekündigt, nun passierte es: 2017 fühlte sich an wie der Anfang vom Ende

Wenn man morgens die Nachrichtenseiten aufmacht um zu checken, ob der US-Präsident schon den dritten Weltkrieg ausgerufen hat oder ob Nazis durch Berlin marschieren, dann stimmt etwas ernsthaft nicht.

Schon mehrere Jahre fragte ich mich wie lange es noch gut geht, dass die aktuelle politische Generation auf Grundwerten und Solidarität rumtrampelt und daraus Kapital schlägt. 2017 gab es die Quittung dafür: In den USA bereichern Trump und Konsorten ungehemmt und drehen die Uhr zurück in die 50er. In Europa spalten Brexit und fehlende Visionen die Gemeinschaft, Rechtspopulismus wurde salonfähig und gewählt, Länder wie Polen, Ungarn oder auch die Türkei werden in Autokratien umgebaut.

„Die Medien“ machen dabei ziemlich ungehemmt mit. In der Türkei zogen eine Zeitung über die andere her, so lange bis alle im Knast saßen. In den USA gießt FOX Öl in die Leere von Trumps Hirn und stachelt ihn damit weiter an. Jüngst wurden sie dafür zum einflussreichsten Medium gekürt, wozu Trump ihnen umgehend gratulierte. Ob er gerafft hat, dass die den Preis bekommen haben, weil sie IHN beeinflussen? Vermutlich nicht.

In Deutschland sieht es nicht besser aus, hier wird in Kommentarspalten gerade vehement eine Neuauflage der Großen Koalition gefordert, und die Weigerung der SPD als Taktieren und schlimmstenfalls Flucht vor der Verantwortung gewertet. Die meisten Kommentatoren ignorieren dabei völlig die Tatsache, dass eine GroKo in Deutschland keinen Platz mehr für Opposition lässt, damit Demokratie nachhaltig schädigt und am Ende zu solcher Unzufriedenheit führt, dass die Leute bei der nächsten Wahl den Extremen ihre Stimme geben. Ach, alle den Beruf verfehlt, Politiker wie Journalisten, aber ich kann halt nicht alles machen.

Mein persönliches Jahr war geprägt von viel Licht und viel Schatten. Irgendwie Dauermüde, dennoch beruflich erfolgreich, zu gleichen Teilen Freude und Leid an einem neuen Motorrad, dann Leid in der Familie. Ich bin froh, dass das Jahr vorbei ist und freue mich auf das nächste. Fühlt sich gerade an wie „Level durchgespielt, ihr habt größtenteils überlebt, Get Ready for Round 2“.

Und sonst noch?

Worte des Jahres: Menschen sterben, andere werden geboren. Das ist der Kreis des Lebens.

Einschneidendstes Erlebnis:
Der Tod eines Vertrauten.

Zugenommen oder abgenommen? Zugenommen.

Verstörendstes Ereignis:
Der doofe Unfall und seine lange Nachgeschichte.

Bestes Ereignisse: Übernahme der Garage. In Orten weit weg wie ein alter Bekannter begrüßt werden. Neue Freundschaften.

Mehr ausgegeben oder weniger? Mehr.

Mehr bewegt oder weniger? Weniger. Seufz.

Die hirnrissigste Unternehmung? Einen 40PS-Kleinwagen nach Frankreich überführen.

Ort des Jahres? Die Forellenfarm „Trout Lodge“ in den apuanischen Alpen.

Die teuerste Anschaffung? Die V-Strom, ganz klar.

Das leckerste Essen? „Wilddieb“

2017 zum ersten Mal getan? Ein NAS eingerichtet.

2017 nach langer Zeit wieder getan? An einem PC rumgebaut.

Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen? Erstarkender Rechtsradikalismus, dumme Nachbarn, Beerdigungen

Gereist? Oh ja.

2017 war in einem Wort…? Urgh (Geräusch das man macht wenn man die Zähne zusammenbeißt und die Luft anhält)

Film des Jahres: Dunkirk

Theaterstück des Jahres: „The Play that goes wrong“ im Duchess Theatre

Musical des Jahres: „Kinky Boots“ im Adelphi Theatre

Podcast des Jahres: GamesPodcast

Spiel des Jahres: War ein ausgezeichnetes Jahr für erstklassige Games. „Uncharted: Lost Legacy“, „Wolfenstein 2“, „Senuas Sacrifice“, „What Remains of Ediths Finch“, um nur ein paar zu nennen. Mein persönliches Game of the Year war aber das unfassbar gut geschrieben, toll designte und zum Verliebenen schöne „Horizon: Zero Dawn“.

Serie des Jahres: American Gods

Buch des Jahres: Ich habe wenige Bücher gelesen, das beste war definitiv Blood, Sweat & Pixels

Ding des Jahres: V-Strom DL 650

Spielzeug des Jahres: Synology DS218+

Enttäuschungen des Jahres: Mass Effect Andromeda

Die schönste Zeit verbracht damit…? In einer Wohnung in Siena zu kochen.

Vorherrschendes Gefühl 2017? Da müssen wir jetzt durch.

Erkenntnis(se) des Jahres: 1. Sowas wie das Dritte Reich kann auch heute noch passieren, überall. 2. Ich bin grau geworden.

In diesem Sinne: Ich wünschen einen guten Start in ein tolles 2018!

Nekrolog:
War dieses Jahr nicht so schlimm wie im vergangenen, was den Kahlschlag der Helden angeht. Im Gegenteil, waren auch einige dabei, wo ich sagen würde: Wurde auch Zeit.
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Verfasst von - 31. Dezember 2017 in Momentaufnahme

 

Momentaufnahme: Dezember 2017

Herr Silencer im Dezember 2017
„Noch 6 Monate bis Sommersonnenwende.“

Wetter: Pünktlich am 01. Advent fallen 20 Zentimeter Schnee – sehr gemütlich! Dann wird es erst kalt und regnerisch, dann warm und regnerisch. Pünktlich zu Weihnachten ist es mit 10 Grad frühlingshaft und windig.

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Lesen:

Jean-Yves Ferri und Didier Conrad: Asterix in Italien
Obelix hat sich in den Kopf gesetzt Rennfahrer werden zu wollen. Da trifft es sich gut, dass das römische Reich just ein Rennen ausgelobt hat um die Qualität seiner Straßen zu beweisen. Zusammen mit Kumpel Asterix startet der Hinkelsteinhersteller zu einer Wettfahrt quer durch Italien und muss dabei gegen Briten, Römer, Goten, Russen und Kuschiterinnen antreten.

Urvater Uderzo (der gerade 90 geworden ist) hatte die Asterix-Reihe in den letzten Jahren an den Baum gefahren. Spätestens als er außerirdische Mickeymäuse mit Twitterfeeds angreifen ließ war klar, dass der alte Mann nicht mehr wirklich weiß worüber er schreibt, aber generell mal gegen die Welt von heute ist.

Mit den neuen Autoren hat sich das zum Glück geändert. Der Zeichenstil ist eine 1:1 Kopie des klassischen Asterix-Stils, wie er seit den 70ern gepflegt wird, aber die Story ist wieder liebenswert, naiv und lustig. „Asterix in Italien“ ist so, wie ich ihn aus meiner Kindheit kenne: Mit lustigen Wimmelbildern und Karikaturen und leicht zu folgender Handlung. Letztlich zwar belanglos, aber ganz witzig. Mehr erwarte ich gar nicht.

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Hören:

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Sehen:

The Good Place (Season 1) [Amazon Video]
Eleanor (Kristen Bell, „Veronica Mars“, „Assassins Creed II“) stirbt bei einem Unfall und wacht im „Good Place“ auf. So erklärt es ihr zumindest Michael (Ted Danson, „Cheers“, „CSI“) als er sie voller Stolz durch den von ihm geplanten Ort im Jenseits führt. Die Vorortnachbarschaft wird nur von den besten und reinsten Seelen bevölkert, die allesamt ihren Seelenpartner gefunden haben, den ganzen Tag lächelnd durch die Gegend laufen und sich voll lieb haben.

Das Problem dabei: Der Neuzugang ist weder eine gute Seele noch war sie ein guter Mensch, ganz im Gegenteil. Eleanor war eine stinkstiefelige white Trash Bitch, die nur durch ein dummes Versehen im „Good Place“ gelandet ist. Nun ist sie von den ganzen guten Menschen im Himmel tödlich angenervt. Die Anwesenheit einer zynischen Seele führt zu Problemen: Der gute Ort bekommt Fehlfunktionen, gigantische Shrimps fallen vom Himmel, Höllenschlunde öffnen sich unvermittelt und die ortseigene Siri spackt ab. Während Michael nach dem Grund für die Katastrophen sucht, muss sich Eleanor anstrengen zu verbergen, das sie hier eigentlich nicht hin gehört.

„Höher schneller weiter“ scheint bei Serien ja aktuell zu gelten. Immer monströser die Budgets, immer größer die Casts und die Namen der Stars. „The Good Place“ ist das genaue Gegenteil: In nur einem Set gedreht, ein Kern-Cast aus nur 6 Personen. Die Schauspieler sind großartig: Ted Danson als leicht trotteliger Engel ist super, Kristen Bell kann endlich noch zynischer als in „Veronica Mars“ ihre böse Seite ausleben und die Nebencharaktere sind allesamt gut besetzt.

Die mit 13 Folgen recht kurze Staffel, die Episodenlänge von nur 20 Minuten und die fantastischen Drehbücher sorgen dafür, dass überhaupt keine Durchhänger entstehen. Im Gegenteil: Immer, wenn man denkt man habe verstanden, worum es eigentlich geht, dreht die Serie alles um 90 Grad, spätestens ab Folge 5 ist das oben geschilderte Szenario nicht mehr Grundlage der Serie. Scheint es anfangs, als würde sich die gesamte Story um Eleanor drehen, rücken plötzlich andere Charaktere in den Vordergrund um andere Fragen abzuhandeln und die Serie weiterzutragen.

Kern von Staffel 1 ist am ehesten die Erforschung der Frage „Wann ist man eigentlich „gut“?“. Ist die Charitylady eine gute Person, weil sie ihr ganzes Leben Spenden für Arme gesammelt hat? Oder zählt das nicht, weil sie das nur getan hat um ihre Schwester auszustechen? Dieser Kernfrage wird mit großem Witz zuleibe gerückt. Allein als die Leitung des „Bad Place“ auftaucht und „Böse Politikerreden-Karaoke spielt, musste ich mehrfach lauthals loslachen. Die große, größte Überraschung kommt dann am Ende von Staffel 1 und lässt einen mit offenem Mund zurück. Da Staffel 2 schon verfügbar ist, ist es zumindest kein totaler Cliffhanger.

In der Summe würde ich sagen: Innovativste Serien seit Jahren, aber nicht für jeden geeignet. Unter den Jensseitsserien ist „Good Place“ nicht so stylisch oder überdreht wie „Pushing Daisies“ und nicht so muffelig langweilig wie „Dead Like me“. Fans der beiden Serien (oder Verehrer von Kristen Bell) werden „Good Place“ lieben, alle anderen können zumindest mal einen Blick drauf werfen.

Baby Driver [BluRay]
Der junge Baby steht in der Schuld von Kevin Spacey, deshalb muss er Fluchtwagen für dessen Banküberfälle fahren. Als seine Kollegen immer bösartiger und durchgeknallter werden, bringt das Baby dazu sein Leben zu überdenken. Da er darin nicht der schnellste ist, geht das ganze südwärts.

OK, die Story passt auf einen Bierdeckel, das besondere ist hier was anderes: Nahezu alle Actionszenen sind passgenau auf die Musik geschnitten. Storyvehikel dafür ist, dass Baby einen Tinnitus hat, den er dadurch überspielt, dass er ständig Musik hört. Daher läuft, ballert und fährt hier alles im Takt der Musik. Dafür gibt es ein Fleißsternchen, der Rest ist nett – aber warum der Film so dermaßen von der Kritik gehyped wurde, erschliesst sich mir nicht ganz, denn letztlich ist das ganze recht dumm.

Star Wars: The Last Jedi [Kino]
Ausführliche Besprechung hier.

Hexenschuss [Theater im OP]
England, in den prüden 50ern: Gelangweilte Hausfrau holt sich Lover ins Haus, der verrenkt sich den Rücken, fällt in die Badewanne und kann sich nicht mehr bewegen. Dummerweise kommt der Ehemann nach Hause, mit ganz anderen Sorgen im Gepäck, in Form einer zugedröhnten und liebestollen Stewardess. Und dann ist da noch der ständig mampfende Klavierstimmer.

Uuuuund noch eine Screwball-Komödie am ThOP, damit haben die es dieses Jahr echt. „Hexenschuss“ folgt zwar klassischen Mustern und lässt kein Klischee aus, ist aber dennoch eine der lustigeren. Das liegt an den netten Ideen der Regie, aber auch an der durchgehend guten Leistung der Darsteller. Mit zweieinhalb Stunden ist es lediglich mindestens 30 Minuten zu lang, aber hey, für eine lustigen Abend ist das OK.

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Spielen:

Horizon: Zero Dawn. The Frozen Wilds.
Die Zivilisation ist zerfallen, Städte sind nur noch Ruinen, die primitive Menschen ziehen durch die verheerte Landschaft. Aber genug von Sachsen, jetzt zum DLC von „Horizon: Zero Dawn“.

Seltsame Geschichten erzählt man sich ein Tal im Norden. Die Maschinentiere dort seien bösartig geworden und Berge würden Feuer spucken. Jägerin Aloy macht sich auf und wandert über die schneebedeckten Pässe der Gebirge, um auf die Stämme der Banuk zu treffen. Die berichten von einem Dämon, der die Tiere des Nordens stark und aggressiv macht und von ganz neue Tierarten, die Jagd auf die Jäger machen.

Eine bessere Sci-Fi-Geschichte als in dem, im Februar erschienenen, „Horizon: Zero Dawn“ ist in den letzten 10 Jahren nicht erzählt worden, weder in Büchern noch in Filmen oder Spielen. „Frozen Wilds“ knüpft nicht an das Ende von Aloys Geschichte an, sondern spielt kurz davor und passt sich perfekt in das Hauptspiel ein. Am Ende der Suche hat Aloy eine neue Verbündete.

Bis es soweit ist, verbringt man rund 30 Stunden mit „More of the same“ aus jagen, handeln und spannenden Missionen. Auch die Dualität funktioniert noch, selbst wenn man den Twist des Hauptspiels schon kennt. Wenn Aloy „Metallvögel“ in einem unterirdischen Bunker findet und damit nichts anfangen kann, oder gar nicht begreift, was Vulkane und Yellowstone miteinander zu tun haben weiß man als Spieler, was Reaperdrohnen sind und warum der Yellowstone stabilisiert werden musste. Die Kluft zwischen dem Wissen des Spielcharakters und des Spielers hat immer noch seinen Reiz.

Unter Level 40 und ohne die Shieldweaver-Rüstung sollte man sich allerdings nicht in den Norden trauen, dazu ist er zu rau. Wer sich dorthin wagt, wird schon optisch belohnt. Die gefrorene Wildnis ist wunderschön in Szene gesetzt: Verharschte Schneefelder glitzern im Sonnenlicht, Pulverschnee wird über Bergkämme gewirbelt und Geysire dampfen am Rand von farbigen Seen. Die Landschaft ist so schön, dass man oft einfach stehenbleiben und sich in Ruhe umschauen möchte. Dafür bleibt aber nicht viel Zeit, denn neue Maschinentypen und urige Menschencharaktere beschäftigen einen ständig. „Frozen Wilds“ ist viel DLC für´s Geld und gibt Hoffnung, dass Hersteller Guerilla Games den Zauber des Hauptspiels in einem echten Sequel wiederholen kann.

Ausserdem gespielt: Horizon: Zero Dawn Hauptspiel

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Machen:
Erst viel Arbeit, dann über Weihnachten: Nüscht.

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Neues Spielzeug:
FritzBox 7580, noch eine Folge des Derangements.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
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Verfasst von - 28. Dezember 2017 in Momentaufnahme

 

Google weiß, was ich letzten Sommer getan habe

Es begab sich irgendwann im Spätsommer: Der Akku des Telefons schien sich schneller zu leeren als sonst. Das passiert manchmal, meist ist irgendeine App schuld, die nach einem Update buggy ist und im Hintergrund Amok läuft. Meist gibt sich das nach einiger Zeit und einem Update.

Diesmal nicht. Der Akkuverbrauch blieb über Wochen konstant hoch. Im Oktober ging mir das Ganze so auf den Sacque, dass ich mal nachforschte. Tatsächlich war es Google Maps, was im Hintergrund ständig den Standort abfragte. Ich griff zur Brachialmaßnahme und entzog der App die Rechte für Standortzugriff, dann war der Spuk vorbei.

Bis heute glaubte ich an einen Fehler im Zusammenspiel mit Apples iOS. Bis ich gerade in der Desktopversion von Google Maps den Eintrag „Meine Zeitachse“ fand. Kannte ich nicht, also mal angeklickt und – Boom: Bewegungsprofile für jeden Tag, von April bis Oktober. Für jeden Tag ist fein säuberlich gespeichert, wann ich wo war und wie lange ich mich dort aufgehalten habe, inkl präziser Adresse oder Bezeichnung des Standorts. Der Mitfahrerparkplatz in Wiesloch-Rauenberg am 02. Juni? Jetzt kann ich nachschlagen, wie lange ich dort nach dem Unfall auf den Abschleppdienst gewartet habe.

Das die Profile überhaupt gespeichert werden ist wohl ein wenig bekannter Nebeneffekt der Funktion „Standort teilen“ in Google Maps. Ähnlich wie „Freunde“ in iOS teilt man darüber den eigenen Standort mit ausgewählten Personen. Anders als in „Freunde“ wird der Standort aber nicht nur abgefragt und übertragen wenn die ausgewählten Personen die App nutzen, sondern permanent. Und die permanente Übertragung wird von Google mitgeschnitten und gespeichert. Vermutlich steht das sogar irgendwo im Kleingedruckten, dass man abgenickt hat, aber ernsthaft, Google: WTF?

Die Suchmaschine ist mittlerweile ja für vieles gut, aber das man googlen kann, wo man wann was gemacht hat – nein.
Einfach nur: Nein.

 
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Verfasst von - 18. Dezember 2017 in Ganz Kurz, Gnadenloses Leben

 

Momentaufnahme: November 2017

Herr Silencer im November 2017
„…und gleich ist wieder Weihnachten!“

Wetter: Grau, Regen, kalt – der Monat startet mit nachts 4, tagsüber 6 Grad Celsius. Dann wird es kälter und dunkler, zur Monatsmitte nähern wir uns zum ersten Mal dem Gefrierpunkt. Unerwartet kommen um den 20. noch einmal Sonnenschein und 15 Grad um die Ecke, aber nicht lange – am Ende des Monats kommen wir bei 2 Grad und SChneefall an.

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Lesen:

Dan Brown: Origin
Ein unermesslich reicher, unglaublich cooler, so schöner, unfassbar intelligenter und gut riechender Mensch verkündet den Religionsführern der Welt, dass er in einem Monat irgendwas veröffentlichen wird, das sämtliche Glaubenssysteme auf der Welt zerstören kann. Folgerichtig ist er eine Woche später tot. Nur gut das Tom Hanks, der 1,80 große, Tweedsakko tragende Symbololologe mit dem fotografischen Gedächtnis, der Mentor des toten Typen war. Zusammen mit einer superschönen Spanierin und einer britischen KI macht sich Hanks daran rauszufinden, was denn jetzt eigentlich so wichtig war.

Ich gebe es zu: Ich war mal ein Riesen Fan von Dan-Brown-Romanen, mittlerweile ertrage ich die nur noch unter Schmerzen. Woran das liegt? Ganz einfach: Brown ist kein guter Autor. Seine Bücher sind immer nach dem gleichen Muster zusammengeklebt: Die gleichen, mit der Kettensäge aus Holz geschnitzten Figuren tauchen in jedem Werk auf: Das große Geheimnis. Ein Mord. Langdons unwahrscheinliche Verbindung dazu. Die Schnitzeljagd rund um die Welt. Grützedoofe Nebencharaktere. Der (religiös motivierte) Killer auf seiner Fährte. Die hübsche Doofe, die nur mit Langdon flüchtet, damit er ihr die ganze Zeit die Handlung mansplainen kann. Letztlich bleibt immer nur die – zugegebenermaßen stets gut geklaute – Grundidee, die auf den letzten Seiten als Storytwist daherkommt, aber in einem Haufen zusammenhangloser Episoden ohne Bezug zueinander untergeht. Seit dem Erfolg von „Sakrileg“ traut sich anscheinend auch kein Lektor mehr an sein Geschreibsel, anders sind die nachgerade albernen Charaktere und die adjektivüberladenen Beschreibungen nicht zu erklären. Ob der obligatorische Twist am Ende die Qual der Brown´schen Prosa wert ist, kann ich aktuell noch nicht sagen – ich komme mit dem Dinge einfach nicht zu Ende.

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Hören:

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Sehen:

Frau Müller muss weg [Theater im OP]
Helikopter-Eltern fordern eine Grundschullehrerin auf ihre Klasse abzugeben. Sie würde die Kinder überfordern, und dabei stehen doch die Zeugnisse für weiterführende Schulen bevor.

Selten so viel gelacht im Theater. Eltern, die allen anderen und nur nicht sich selbst Schuld an ihren missratenen Gören geben und sich im Verlauf eines Abends gegenseitig zerfleischen. Tolles Ausgangsmaterial, super gespielt.

Justice League [Kino]
Superman ist tot, die Welt hat alle Hoffnung verloren. Außerdem sind Aliens hinter drei Lootboxen her, die irgendwo auf der Erde rumgammeln. Irgendwie riecht Batman das und kommt auf die abwegige Idee ein Team zu gründen, um die Welt gegen einen CGI-Aushilfsteufel zu verteidigen. Doof nur, das ihm dafür nur so Ottos wie Wasserman, Blitzjunge, ein Zombie und ein depressiver Cyborg zur Seite stehen.

Ach, es ist wie meistens bei DC-Comicverfilmungen. „Justice League“ ist der übliche, schlechte Zak Snyder-Unfug, der sich damit nahtlos in den Lattendoofen und nicht mal unterhaltsamen Quatsch wie „Man of Steel“ und „Batman v. Superman“ einreiht. Anders als bei Konkurrent Marvel gibt es bei DC keine Vision, keinen Plan, keine Aussage, keine Charaktere, kein Gefühl. Eben ein typischer Zac Snyder-Film. Allerdings stieg der Nazieulenfilmmann kurz vor Ende aus, und Joss „Avengers“ Whedon sollte es richten.

Das hat nicht so richtig geklappt. Snyder-typisch ist der ganze Film ist eine einzige, zusammenhanglose Aneinanderreihung von dummen Szenen. Die sind stellenweise nett gefilmt, manchmal aber auch einfach schlecht getrickst, Sinn ergibt das Ganze aber nicht.

An manchen Stellen merkt man, dass Whedon versucht hat durch Nachdrehs sinnvolle Dialoge unterzubringen – aber das ändert nichts am Resultat. DC schafft es nicht, die Figuren aus den 1940er Jahren spannend und sinnvoll in die Gegenwart zu bringen. „Supermann“ mag vor 80 Jahren gerockt haben, heute ist die Figur so charakterlos und langweilig, dass man sie hätte im Grab lassen sollen. „Batman“ in der Snyderversion ist nachgerade albern, kein Vergleich zu Nolans düsteren „Dark Knight“. Die einzig coole und funktionierende Figur ist ausgerechnet Gal Gadots „Wonderwoman“, die Szenen voller Wucht hat und ausnahmslos immr rockt, wenn sie auf der Leinwand ist. Aber der Charakter wurde auch von Patti Jenkins transponiert – einer Regisseurin mit einer Vision, die über Nazieulen hinausgeht.

Transformers – The Last Knight [PSN]
Warum kommen die Transformers immer wieder? Anthony Hopkins weiß es: Weil irgendso ein Dings auf der Erde versteckt ist, das voll wichtig ist. Die Jagd auf das Dings ist diesmal schwerer, weil eine Metalische Optimus Prime umgepolt hat.

Ich würde ja sagen: Die Transformers kommen immer wieder, weil das Krachbumm-Spektakel an den Kinokassen so viel Kohle macht. „The Last knight“ ist inhaltlich und wirtschaftlich zwar der schwächste Film der Reihe, war aber in China so beliebt, dass eine weitere Fortsetzung bestimmt kommt. Und warum auch nicht? Riesenroboter, schöne Menschen, hektische Krawallaction und dazu Michael Bays pompöse Bildkreationen funktionieren fast immer. Worum es am Ende ging? Egal. Das einzige was hängenbleiben wird, sind Transformers, die im zweiten Weltkrieg Nazis umbringen.

Despicable Me 3 [PSN]
Der ehemalige Superschurke Gru arbeitet mittlerweile als Geheimagent für die guten und kann damit sein Bösewicht-Reihenhaus halten und seine drei Adoptivtöchter versorgen. Das ändert sich, als er nach einem verpatzten Auftrag gefeuert wird. Es fügt sich, das kriminelle Verwandschaft auftaucht und auch die Minions endlich wieder richtig böse sein wollen. Gru gerät in Versuchung.

Ah, herrlich. Wirklich, ganz, ganz große Kunst. Dieser Film dreht erzählerisch und grafisch alle Regler auf 11. Allein die Animationen sind so fein beobachtet und umgesetzt, dass selbst kleinste Nuancen der Charaktere in Körpersprache rüberkommen. Auch storytechnisch bleibt einem ständig der Mund offen stehen. Besonders als Kind der 80er wird man immer wieder rufen: „Ja! Genau so war das damals!“

Thor: Ragnarok [Kino]
Hela, die Göttin des Todes, wird aus ihrem Gefängnis befreit. Ihr Ziel: Alles unterjochen. Und das sie mächtiger ist als Thor und Hulk zusammen, kann sie auch keiner aufhalten.

Wow. Ein Marvelfilm mit Humor und cooler Geschichte. Cate Blanchett als superböser Catsuit-Göttin könnte ich stundenlang zusehen, und Jeff Goldblums Schauspiel ist die beste Performance, die ich je von ihm gesehen habe. Genervt hat mich nur das quietschige Weltdesign auf dem Schrottplaneten, ein kleiner Hänger im Mittelteil und das echt schlechte CGI in manchen Szenen, insbesondere den von New York nach Norwegen exportierten. Dennoch großer Spaß und definitiv der beste Marvel Film in diesem Jahr.

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Spielen:

Wolfenstein: The new Colossus
Das Jahr 1960: Die Nazis haben den Krieg gewonnen. In den USA hat sich der weiße Mittelstand mit der Ideologie der Besatz schnell arrangieren können, nennenswerten Widerstand gibt es nicht. Den versucht nun BJ Blaskowicz zu organisieren. Problem dabei: Nach der finalen Konfrontation mit General Strasse ist Blaskowiczs Körper hinüber, er kann nicht mehr laufen, die Organe versagen. Lediglich ein Da´at Ychud-Anzug hält ihn noch am Leben. In der wenigen Zeit die ihm bleibt, versucht er die Welt zu verbessern und findet verbündete in jenen, die vom Naziregime gejagt und unterdrückt werden: Farbige, Behinderte, Frauen. Am meisten macht ihm dabei zu schaffen, dass er die Geburt seiner Kinder nicht mehr erleben wird.

Woah, viel Stoff für einen Shooter. Und tatsächlich ist „Wolfenstein II“ viel mehr als ein Ballergame. Das liegt an der überbordenden Story, die kohärent und in zusammengenommen sicher zwei Stunden langen Zwischensequenzen toll verfilmt und mit Over-the-Top-Charakteren erzählt wird, inkl. Beziehungsdramen und Tarantino-haften Einschüben. Das liegt an dem gruseligen Szenario, in dem Nazisoldaten in den Straßen amerikanischer Kleinstädte die Geschichtskenntnisse von Klu-Klux-Klan-Anhängern abfragen. Das liegt auch am gnadenlosen Antifaschismus des Spiels: Nazis werde hier nie glorifiziert, und das Statement des Spiels ist beunruhigend: So lange es die weiße Mittelschicht nicht selber trifft, arrangiert sie sich mit allem.

Wolfenstein entfaltet seine Wucht auch über die Schauplätze: Planet Venus! Fliegende Flugzeugträger! Ein verstrahltes New York! Roswell!. Was leider nur so mittel funktioniert ist das Gameplay. Wolfenstein II ist schon auf der mittleren Stufe viel zu schwer, selbst beim vorsichtigen Schleichen wird man ständig entdeckt und stirbt tausend Tode. Auf der einfachsten Stufe ist es dann aber gleich zu leicht und bietet gar keine Herausforderung mehr. Irgendwas stimmt da mit der Balance nicht. Ist aber egal, weil: Sehr gutes Spiel, viel Spaß dran gehabt.

Assassins Creed: Origins
Ägypten, 49 vor Christus: Bayek ist ein Medjay, eine Art Sheriff. Als solcher soll er eigentlich auf seinem Kamel von Oase zu Oase reiten und Leuten helfen, aber Bayek hat anderes im Sinn. Seitdem maskierte Nobelmänner seinen Sohn getötet haben, spürt er einer Verschwörung hinterher, in der auch der Kindpharaoh Ptolemäus verstrickt zu sein scheint. Zum Glück unterstützt Ptolemäus´ Schwester und Gemahlin (!) Kleopatra den Medjay bei seinem Feldzug. Das Bayeks Frau Aya für Kleopatra Geheimaufträge im Ausland erledigt, passt sich das ganz gut.

Uh. Was. Ist. Das. Denn.
Einerseits ist AC:O ein wunderschönes Spiel: Das komplette Ägypten ist simuliert, mit Wüsten, Pyramiden, Oasen und dem fruchtbaren Nilufer. Große Städte wie Memphis und Alexandria sind nachgebaut, es gibt einen Tag-/Nachtwechsel, Wasser-, Tier- und Pflanzenwelt ist wundervoll und wirklich fotoralistisch gestaltet. Wüsten, Berge, Oasen…. darin kann man sich verlieren, das ist ausnahmslos toll. Kein Wunder, das Spiel ist von den gleichen Leuten, die auch schon das hübsche „Black Flag“ gemacht haben. Hier ist die Schönheit gut zu sehen:

In dieser schönen und lebendigen Welt stehen NPC rum die allesamt aussehen als hätten sie schlimme Autounfälle gehabt. Pottehässliche und leblose Gesichter, Animationen aus dem Holzbaukasten. Apropos Baukasten: Aus dem sind auch die Nebenmissionen, die man jetzt absolvieren MUSS, denn AC:O nutzt ein RPG-System. Das ist nett und fühlt sich in den besten Momenten sehr nach „Witcher III“ an, erreicht aber nie die Tiefe des Vorbilds.

Die Nebenmissionen sind allesamt uninteressant und werden von den jammerlappigen, hässlichen NPCs overacted vorgetragen – das war das erste Mal, dass ich Dialoge beständig einfach abgebrochen habe, weil sie nervig und dumm waren, und mir einfach nur auf der Karte das Missionsziel anzeigen ließ. Was folgt, ist immer das gleiche: Geh dahin, untersuch den Tatort, verhaue Römer oder Krokodile. Letztlich bleibt nur ein Gefühl von repetitiven Grind – der sich „dank“ Mikrotransaktionen abkürzen lässt: Durch das Einwerfen von Echtgeld lässt sich Spielfortschritt erkaufen, und auch eine dieser verdammenswerten Lootboxmechaniken ist vorhanden. Die stört zwar im Spiel nicht, aber trotzdem: Das ist Glücksspiel und damit verdammenswert und bäh.

Das Design der Hauptmissionen ist besser, aber sie sind zu selten um eine zusammenhängende Narration zu ergeben. Da die Charaktere, inklusive Bayek, flach gezeichnet sind und sich inkonsistent verhalten, ist die Geschichte bis zum letzten Drittel der Laufzeit egal. Dann dreht die Story etwas auf, ist unlogisch und dann ratzfatz vorbei. Das Finale spielt man nicht mal mit der Figur, die man so mühsam hochgelevelt hat – WTF?! Immerhin wird die Gründung der Assasinen befriedigend und mit einem netten Twist erklärt. Das lässt einen durchaus zufrieden aus dem Spiel gehen, täuscht aber nicht darüber hinweg, dass „Origins“ das gleiche Problem hat wie „Black Flag“.

Das war auch toll anzusehen, aber weil alles andere letztlich egal war, war es es kein besonders Gutes Spiel – und ein echt schlechtes Assassins Creed. Was ebenfalls gelitten hat sind die Gamemechaniken. Assassins Creed setzte immer auf schleichen, klettern und kämpfen, wobei schleichen nie gut funktionierte. In „Origins“ funktioniert schleichen sehr gut, dafür sind Parcours und Kampf kaputt. Statt auf ein „Arkham“-Kampfsystem setzt man auf das von Dark Souls, minus dessen Agilität. Die Folge: In Kämpfen lässt sich die Figur nicht kontrolliert und direkt steuern, ständig macht sie was sie will. Damit verkommen Kämpfe zu dummem Buttonmashing. Und weil es allen Ernstes Bossgegner gibt, geht der Spielspaß in den Keller.

„Origins“ ist die Kardashian unter den Assassins Creeds: Hübsch anzusehen, aber unter der Oberfläche rotzdumm.

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Machen:
Konferenzen! König der Löwen! Wischmeyer!

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Neues Spielzeug:
Ein NAS, ein Synology DS 218+

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 30. November 2017 in Momentaufnahme

 

Momentaufnahme: Oktober 2017

Herr Silencer im Oktober 2017
„Ist da gerade ein Huhn am Fenster vorbeigeweht?!“

Wetter: Am Monatsanfang einstellig kalt und Orkan, aber dann steigen die Temperaturen wieder in Nicht-Heizungsbereich um die 15 Grad. Das zweite Wochenende ist sommerlich, mit 4 Tagen Sonne und Temperaturen um die 24 Grad. Nach diesem letzten Aufbäumen des Spätsommers schleicht das gute Wetter langsam davon in einstellige Temperaturbereiche und Nebel. Am Monatsende gibt es den zweiten, ordentlichen Herbstorkan, dann wird’s niedrig einstellig.

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Lesen:

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Hören:

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Sehen:

Kong: Skull Island [PS Network]
In den 70ern entdeckt die brandneue Satellitentechnologie „Landsat“ eine Insel, die vollkommen abgeschieden von der Außenwelt liegt. Eine Expedition macht sich auf nach „Skull Island“.

King Kong? Echt jetzt? Dazu genervtes Augenrollen. – So ungefähr war meine Reaktion auf diese Neuverfilmung des Stoffes. Zum Glück setzten die Macher auf Style over Substance: Die Geschichte ist gar nicht so wichtig, der titelgebende Affe wird zum Glück schon nach 2 Minuten eingeführt. Wichtig sind die markigen Bilder und tollen Effekte, durch die teure Schauspieler toben. Tom Hiddleston hat merklich Spaß an der Rolle des Actionhelden, und auch die anderen sind gut aufgelegt. Unerwartet unterhaltsam.

Kingsman: The golden Circle [Kino]
Kingsman wird attackiert. Eben noch ein unabhängiger Geheimdienst in der Tarnung eines britischen Schneidergeschäfts, nun ein rauchendes Loch in der Erde. Einzige Überlebendes: Der junge, aber mittlerweile sein Potential ausschöpfende Agent Galahad und Merlin, der Techniker. Gemeinsam entdecken sie eine bis dahin unbekannte Schwesterorganisation: Statesman, ein Kingsman-Pendant in den USA. Zusammen mit den Cowboys versuchen sie raus zu bekommen wer hinter dem Anschlag auf Kingsman steckt – und treffen neben einem neuen Feind auch mit alten Bekannten zu tun.

„Kingsman“ kam vor drei Jahren aus dem Nichts und überraschte mit großartigen Schauspielern, Over-the-Top-Bondstory, völlig abgefahrenen Figuren und ebenso innovativen wie irren Actionszenen. „Golden Circle“ ist die konsequente Fortführung all dieser Aspekte, ein gigantischer Spaß, den man auch Colin Firth, Jeff Bridges, Channing Tatum, Halle Berry, Mark Strong und Julianne Moore ansieht.

Bent [ThOP – Theater im OP]
Max kostet das Leben in der Großstadt richtig aus: Wechselnde Liebhaber, Drogen, Alkohol. Aus Problemen quatscht er sich mit „Deals“ heraus. Das ändert sich abrupt, als Schwule vom Naziregime zu Volksfeinden erklärt werden. Max kommt ins KZ, wo er Erfahrungen macht, aus denen ihn kein Deal der Welt mehr befreit.

„Bent“ wurde erstmals 1979 mit Ian McKellen in der Hauptrolle aufgeführt. Die Inszenierung am Theater im OP ist die Deutsche Uraufführung. Das Stück beeindruckt mit einem faszinierenden Bühnenbild: Anfangs ist alles mit bunten Laken verhüllt, deren Farben auch in den „Winkeln“ vorkommen, die KZ-Insassen tragen mussten. Rosa stand für Schwul, ein gelber Doppelwinkel für Jude, grün für Wiederholungstäter, braun für Sinti usw. Jede Szene spielt in einer Farbecke, danach wird das Laken weggeräumt. Stück für Stück wird so eine Bahnstrecke aufgedeckt, die am Ende als Steinbruch dient.

In diesem schleppen die Darsteller stundenlang Steine – das ist eine ebenso beeindruckende Leistung wie ermüdend für das Publikum, etwas Straffung hätte hier gut getan, ohne das die Wirkung verloren gegangen wäre. Auf jeden Fall Respekt an Bühnenbau, Regie und Darsteller!
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Spielen:

Nur altes Kram – als Vorbereitung auf „New Colossus“ noch einmal „Wolfenstein“ und „The Old Blood“.
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Machen:
Den Oktober genießen. Dann wird die V-Strom durchgewartet und die Renaissance durchgepustet, und dann alles eingewintert.

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Neues Spielzeug:
Neues Telefon von der Firma bekommen. Das iPhone 8 ist boring as hell, aber total zuverlässig – auf das iPhone X mit seiner experimentellen Gesichtserkennung und dem Bildschirm mit unbekannter Qualität wollte ich nicht warten.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 30. Oktober 2017 in Momentaufnahme

 

Hier kommt der Herbst! – Saisonende 2017

Also höret und lobet das Herbstwiesel, das Euch wissen lässt, dass nun die Zeit für lange Abende bei Netflix und guten Büchern und Heißgetränken der eigenen Wahl angebrochen ist! Auf das alles kuschelig sein möge und gemütliches Einmuckeln zelebriert werde! Auf der Couch rumliegen und Videospiele spielen ist nun keine Sünde mehr, denn die Zeit des Motorrads ist für dieses Jahr vorbei! Preiset das Herbstwiesel, das die Blätter bunt anmalt und alles gemütlich werden lässt!

Die Motorradsaison 2017 ist damit offiziell beendet. Wer jetzt nicht mehr fährt, muss kein schlechtes Gewissen haben. Für mich war es die längste und aufregendste Saison seit langem, aber auch die frustrierendste. Es ist viel passiert, fassen wir mal zusammen.

Im Januar kam ich auf die Idee, unbedingt die Tremola fahren zu wollen. Und erstaunlicherweise sah ich mich da nicht auf meiner treuen Kawasaki ZZR 600, der Renaissance, sondern auf einer Reiseenduro.

Folgerichtig verliebte ich mich im Februar spontan in eine fünf Jahre alte V-Strom, die hier in der Gegend bei einem Händler rumstand.

Den ganzen Februar hindurch hibbelte ich rum, wann ich die große Schwarze mit den 36.000 Kilometern auf der Uhr endlich probefahren dürfte. Als die Temperaturen über den Nullpunkt kletterten und der Schnee weg war, erlaubte es der Händler endlich.

Am Tag des Kaufs.

Noch am gleichen Tag unterzeichnete ich den Kaufvertrag, und eine Woche später, am 03. März, stand die V-Strom bei mir vor der Tür. Wenige Tage später war sie schon in der Werkstatt meines Vertrauens und wurde umgebaut: Tieferlegung, automatisches Ölsystem, anderer Sturzbügel, Erweiterung des Gepäcksystem usw. usf.

Im April dann eine unerwartete Überraschung und DIE Freude des Jahres: Ich konnte ganz unverhofft eine ganze Garage unter dem Haus übernehmen. Garagen sind hier auf dem Dorf Mangelware, und dann auch noch direkt unter meinem Wohnzimmer eine zu bekommen, da wurde ein Traum wahr. Seitdem stehen ZZR und V-Strom nicht mehr an der Straße, sondern schön im Trockenen.

Netter Nebenffekt: Ich habe einen Rückzugsort, an dem ich einfach ungestört und geschützt vor den Blicken der Nachbarn rumbasteln kann. Wenn man an der Straße stehend schraubt, kommt alle fünf Minuten ein Otto vorbei und versucht einem ein Gespräch aufzuzwingen. Die Garage erlaubt Zen-artige Ruhe.

Der Juni war hart. Zu Beginn der ersten, großen Reise wurde die V-Strom von einem Auto umgefahren. Der Trottel von Unfallgegner meldete den Vorfall nicht seiner Versicherung, und so zog sich die Reparatur. Den Großteil des Sommers stand die V-Strom in der Werkstatt, erst Mitte Juli kam sie wieder raus. Immerhin war sie reparabel, und immerhin war es nur Blechschaden. Das war mein erster, echter Unfall mit einem Auto, und ich bin froh, dass mir nichts passiert ist.

Im Juli war das Wetter mies und ich hatte nicht viel zu tun. Ein Regennasser Nachmittag in der Garage bescherte der Renaissance schwarze Leuchten.

Die Maschine hat jetzt kein farbiges Teil mehr an sich und wirkt, als sei sie aus einem Schwarz-Weiß-Film gefallen. Wenn man drauf guckt, hat man das Gefühl, dass die Augen nicht richtig funktionieren, weil in den Grenzen eines ZZR-förmigen Umrisses alles nur grau ist.

Später im Monat kam die V-Strom wieder aus der Werkstatt, und die erste Tour führte nach Bad Orb und von da aus gemeinsam mit Freunden durch den Spessart.

Im August machte ich einen kleinen Ausflug mit der ZZR, der zu einer 1.400 Kilometer langen Tour durchs Saarland, Frankreich und Belgien ausartete. Highlight war der Besuch von Verdun und die dortigen Geschichtslektionen.

Im September ging es dann endlich mit der V-Strom auf Tour, über Österreich nach Italien und Retour. Das war toll, fühlte sich aber eher wie eine erweiterte Probefahrt an. An deren Ende wusste ich genau was alles noch an der Maschine geändert werden musste bis wirklich alles passte – aber The Real Thing war es bis dahin noch nicht. Das die Kette völlig fertig war minderte den Fahrspaß erheblich – am Ende wollte ich nur noch nach Hause.

Im Oktober ging die V-Strom wieder in die Werkstatt und bekam einmal alle Verschleißteile neu. Reifen, Kette, Bremsbeläge, Öl, Zündkerzen, Luftfilter, Bremsflüssigkeit, Ventilspiel eingstellt, usw.

Seit vorgestern ist sie wieder zurück, heute wurde sie geputzt und für die Einwinterung fertig gemacht. Die ZZR steht bereits abgedeckt und mit abgelassenen Vergasern daneben.

Die beiden dürfen jetzt vom Sommer träumen. In fünf Monaten wecke ich sie dann aus dem Winterschlaf und präsentiere ihnen neue Pläne für gemeinsame Touren, die ich über den Winter aushecke.

In der Summe: Neues Mopped, Garage, Unfall, Reise mit angezogener Handbremse – die Saison 2017 war teuer und unbefriedigend, aber kein Komplettausfall.

Zeit, mal die Daten der Maschinen auszulesen und auszuwerten. Das war die Motorradsaison 2017 in Zahlen:
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Verfasst von - 23. Oktober 2017 in Momentaufnahme, Motorrad

 

Momentaufnahme: September 2017

Herr Silencer im September 2017
„Ich werde mir den Urlaub sowas von verdient haben, aber SOWAS von!“

Wort des Monats:
„Verlikung“

Wetter: Schon zum Monatsanfang reden alle davon, dass der Herbst kommt. Mich nervt das an, ich will nicht, dass der Sommer schon vorbei ist. Tatsächlich schwankt das Wetter zwischen Sonnenschein und 8 Grad, Regen und 17 Grad, und allem dazwischen. Dann wird es kühler.

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Lesen:

Eoin Colfer: And another Thing [Kindle]
Der sechste Teil der Trilogie „Per Anhalter durch die Galaxis“, ca. 30 Jahre später: Trillian besteht nur noch aus kybernetischen Ersatzteilen, Arthur Dent lebt wie ein Einsiedler auf einer einsamen Insel und freut sich, dass ihn keiner anschreit, ihre gemeinsame Tochter Random Dent ist Präsidentin der Galaxis und verliebt in ein Wiesel, und Ford Prefect malträtiert seine Leber. Also alles gut? Mitnichten, denn der bösartige Hitchhikers Guide Mark 2 spielt mit Zeit und Raum herum, um ein für alle Mal die Erde auszulöschen – in ALLEN Paralleluniversen.

Vor sieben Jahren zuletzt gelesen, aber auch heute noch finde ich die Fortsetzung großartig. Anders als der, nach eigenem Bekunden schlampige und faule, Douglas Adams hat sich der von den Erben engagierte Eoin Colfer wirklich Gedanken um eine ordentliche Story gemacht, und dann exakt die Tonalität der frühen Bücher getroffen. Das ist erwachsen, witzig und gut gemacht. Schade, dass Colfer dafür einen Shitstorm der Fanboys abbekommen hat, der ihm die Lust an weiteren Fortsetzungen gründlich verleidet hat.

Jason Schreier: Blood, Sweat and Pixels [Kindle]
„Hier ist eine andere Theorie: JEDES Videspiel wird unter Ausnahmebedingungen produziert. Wie auch sonst? In Videospielen kommt Kunst und Technik zusammen, und beides ändert sich zu schnell um planbar zu sein. Es ist, als ob man jedes Mal, bevor man einen Film dreht, eine neue Kamera erfinden muss. Und während man filmt, wird jeden Tag das Drehbuch umgeschrieben.“

„Kotaku“-Autor Jason Schreier erzählt aus der Games Industrie und wirft einen Blick hinter die Kulissen. In 13 Kapiteln erzählt er Anekdoten aus der Entstehung von 13 Spielen, darunter „Pillars of Eternity“, „Uncharted 4“, berichtet von den Katastrophen in der Entwicklung von „Mass Effect: Andromeda“ oder „Dragon Age Inquisition“ und beleuchtet, warum „Star Wars 1313“ nie erschienen ist. Unmenschliche Crunchtimes, Eitelkeiten, durchdrehende Produzenten und fremdgehende Autoren inklusive. Wer schon immer mal wissen wollte was geschah nachdem Amy Henning Naughty Dog verließ, wo die Ballsaal-Szene mit Nathan und Elena in „Uncharted 4“ hin ist, warum „Shovel Knight“ immer noch nicht fertig ist und wie es zu „Witcher III“ kam, der wird dieses Buch nicht aus der Hand legen können. Nebenbei lernt man was über Softwareprojektmanagement.

Marc-Uwe Kling: Quality Land [Kindle]
In der Zukunft: Das Leben der Menschen wird von Algorithmen bestimmt. Peter nimmt an, dass es Systemfehler gibt. Aber wer glaubt ihm das?

Marc-Uwe Kling wirft einfach mal alles auf einen Haufen: Gesellschaftskritik, Kapitalismuskritik, Superintelligenztheorie, Plattformkritik, Filterbubblephänomene und Schirrmachersche Algorithmenangst. Nichts bahnbrechend neues, alles woanders schon tiefer und besser dargestellt worden, aber so nett und gesammelt erklärt hat man Netztheorien selten gelesen. Leider kommt keine gute Geschichte dabei raus. Die Charaktere sind erratisch-egal, die Handlung belanglos und unspannend – und unkomisch. das überrascht nicht wirklich, abseits des Kängurus ist Klings schaffen dann doch eher so meh.

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Hören:

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Sehen:

Fast & Furious 8 [PS Network]
Dominik Touretto fährt Auto, dann Bumm, dann Charlize Theron, dann The Rock, dann irgendwas mit U-Booten im Schnee.

Hä? Ach, egal. Unterhaltsam, wie immer, aber fragen Sie mich nicht worum es da ging. Irgendwas mit Autos, vermutlich.

The Founder [PS Network]
Ray Croc ist Vertreter. Mit einem Kofferraum voller fünfarmiger Multimixer fährt er durch die USA und hält sich gerade so über Wasser, denn kein Schnellrestaurant der Welt will fünf Milchshakes gleichzeitig herstellen. Dann bestellt ein Kunde aber gleich ein halbes Dutzend Mixer. Und dann nochmal. Neugierig, wer so viele Shakes verkauft, besucht Croc das Restaurant der Brüder McDonald und lässt sich ihr „Speedy System“ zeigen. Begeistert von der Idee einer neuen Art von Fast Food macht Croc aus „McDonald´s“ ein Franchise und wird dabei immer skrupelloser – bis er sogar die Brüder ausbootet.

Die Geschichte von Croc und McDonalds ist eine der großen Legenden der Businesswelt und wird hier wunderbar ausgspielt. Weder wird Croc als Bösewicht gezeichnet, noch die Brüder McDonald als die Hinterwäldler, als die sie oft dargestellt werden. Ein interessanter und spannender Film über die Gründung des größten Franchises der Welt. Für ehemalige „McD“-Mitarbeiter (wie mich) ist es spannend zu sehen, wie alles begonnen hat und was sich seit Restaurant Nr. 1 getan hat. Alle anderen lernen nebenbei die Grundprinzipien kennen und woher die „Standards“ kommen.

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Spielen:

Uncharted: The Lost Legacy [PS4]

Chloe Frazer ist eine Diebin, und jetzt hat sie sich entschieden, etwas sehr wertvolles zu stehlen: Den Stoßzahn der indischen Gottheit Ganesha. Hinter der Reliquie ist auch eine Rebellengruppe her, die ausgerüstet ist wie eine Armee. Zum Glück ist Chloe bei der Schnitzeljagd durch indische Großstädte und den Dschungel nicht allein: Sie hat die Söldnerin Nadine Ross engagiert. Das Muskelpaket, das zuletzt den Drake-Brüdern ordentlich einheizte, soll der Diebin den Rücken frei halten. Das tut sie auch – bis Chloe, ganz ihrer Natur entsprechend, alle verrät.

Ursprünglich als DLC zu „Uncharted 4“ konzipiert, ist „The Lost Legacy“ nun in ein Standalone-Spiel mutiert. Und das hat es in sich: Mit Frazer und Ross sind die beiden interessantesten Nebencharaktere aus allen Uncharted-Teilen am Start. Die beiden stellen nicht nur geballte Frauenpower dar, sondern unterhalten vor allem durch ihre unterschiedlichen Sichten auf die Welt.

Die kleinen Gespräche und Wortgeplänkel während Kletter- und Entdeckungspassagen machen die Figuren lebendig. Der dritte Star im Bund ist die Umwelt. Selbst Uncharted 4 kann nicht mit so lebendiger Flora und Fauna und so spektakulären Schauplätzen aufwarten. dazu sehen die Hauptfiguren nahezu lebensecht aus:

Dazu kommt die spannende Geschichte, der interessante Widersacher und ein perfekt balanciertes Gameplay. Dass die Spielzeit kürzer ist als bei den großen Uncharteds ist verkraftbar, dafür gibt es keine Hänger. In der Summe: Ein in jeder Hinsicht großartiges Actionadventure, dass stolz neben den „großen“ „Uncharteds“ und den letzten „Tomb Raiders“ stehen kann.

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Machen:
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Verfasst von - 29. September 2017 in Momentaufnahme