Gnadenloses Leben

Momentaufnahme: Januar 2023

Herr Silencer im Januar 2023

Worte des Monats: Das ist der zweitlängste Januar, den ich je erlebt habe

Wetter: Anfang des Monats die heftigste Hitzewelle seit Beginn der Wetteraufzeichunngen, was um diese Jahreszeit Temperaturen von 13-18 Grad bedeutet. Mitte des Monats scharfe Minustemperaturen um die -8 Grad, auch mal mit ergiebigem Schneefall. Monatsende um den Gefrierpunkt. Ab der zweiten Woche viel Regen, keine Sonne. Trotz des Mistwetters immer noch außergewöhnliche Dürre im Boden.


Lesen:


Hören:


Sehen:

Predestination [2014, Prime]
Jane wird bei einem One-Night-Stand schwanger. Bei der Geburt stellt sich heraus, dass sie ein Hermaphrodit ist. Dann kommt es zu Komplikationen, durch die eine Geschlechtsanpassung vorgenommen werden muss. Aus Jane wird John, und der ist nur von einem Gedanken beseelt: Rache an dem Unbekannten, der zur Hälfte für die Schwangerschaft verantwortlich war. Eines Tages trifft John einen Barkeeper, der sich als Zeitreisender Agent entpuppt, und fragt, ob John bereit ist, in die Vergangenheit zu reisen und den unbekannten Schwängerer zu töten. Zurück im Jahr 1963 verliebt sich John aber in sein jüngeres und weibliches selbst und es kommt zu einem One-Night-Stand – und das ist nur ein Teil des Predestinations-Paradoxes.

Sehr spannender und interessanter Film, der auf der Kurzgeschichte „All You Zombies“ von Robert A. Heinlein basiert. Der Plot ist hirnverknotend komplex – so komplex, das sich Leute die Mühe gemacht haben ihn zu visualisieren:

Wikimedia Johnstoo CC BY SA 4.0

Am Ende ergibt alles einen Sinn – man muss nur akzeptieren, dass eine Person sich selbst gezeugt, ausgetrickst und schließlich getötet hat. Ja, Zeitreisen sind so. „Predestination“ ist ein Sci-Fi Kleinod und mit Ethan Hawk und Sarah Snook toll besetzt.

Der Untergang [2004, Bluray]
April 1945. Die rote Armee steht bereits bei Marzahn, in Berlin Mitte hockt die Führung des 3. Reichs in einem Bunker. Alle wissen, das es vorbei ist und der Krieg verloren, und jeder sucht die Schuld bei anderen. Hitler befiehlt Truppen zu verlegen, die es gar nicht mehr gibt, und ergeht sich dann in Tiraden über Befehlsverweigerung, Karrieregeneräle sind orientierungslos, Göring bereitet einen Putsch vor, Himmler versucht zu den Amerikanern überzulaufen und Göbbels ergeht sich in Wahn und gibt „dem Volk“ die Schuld, das ja immerhin durch Wahl der Nationalsozialisten diesen Weg wollte und nun halt mit den Konsequenzen leben muss.

Ein Bernd-Eichinger-Film, mit 13,5 Millionen der drittteuerste und einer der erfolgreichsten deutsche Filme. Kannte ich bisher nur als Ausschnitt auf Youtube, das berühmte „Hitler rants about…“, wissen schon:

Der Film basiert auf den Arbeiten des Historikers Joachim Fest und den Erinnerungen der Hitler-Sekretärin Traudl Junge, die auch in einem Vorwort und Nachwort zu, äh, Wort kommt. Man habe sich bemüht, möglichst exakt die belegbaren Hergänge zu rekonstruieren und darzustellen und nichts aus dramaturgischen Gründen hinzu zu erfinden. Das mag man ob der teils absurden Situationen kaum glauben, aber Experten (wie Joachim Fest) bescheinigen dem ganzen eine hohe Authentizität. Lediglich kleine Fehler seien im Film , wie die falsche Todesart von Magda Goebels.

Ein düsterer und sehr gelungener Film. Besonders gut: Die Darstellung der historischen Figuren. Bruno Ganz als Hitler leistet ganze Arbeit, Heino Ferch gibt einen sehr guten Albert Speer und Ulrich Matthes hat als Goebbels so einen irrlichternden Wahn im Blick, dass man Angst bekommt. es wird sehr schön herausgearbeitet, das jede dieser Figuren eigene Motivationen und Pläne für ihr Handeln hat, und wie sie damit umgehen, dass das Ende naht.

Was kann man aus dem Film mitnehmen? Faschismus ist kopflos, wenn die zentrale Figur des Kults abhanden kommt. Und: Charaktere wie Goebbels übernehmen nie, auf keinen Fall, Verantwortung für ihr Tun – im Zweifel sind die schuld, die ihn gewählt haben. Krasse Erkenntnisse.

Midsommar [2019, Prime Video]
Eine Gruppe egaler Ami-Studis begleitet ihren Kumpel Pelle Wurstgesicht in seine Heimat Schweden. Warum? Um an einer Sonnenwendfeier in der Kommune, in der er aufgewachsen ist, teilzunehmen. Was als putziges „ach guck, die tragen Blümchen in den Haaren“ beginnt, wird bald zunehmend schräg. Die freundliche Kommune hat nämlich so ihre ganz eigenen Regeln und nutzt die Sonnenwendfeier u.a. dazu, um Inzest zu vermeiden und frisches Blut in die kleine Gemeinschaft zu bekommen.

Alter Schwede (SIC!). Hätte fast nach fünfzehn Minuten ausgemacht, weil langweilig und nervig. Der Anfang besteht wirklich nur aus übersteuertem Rumgeplärre einer endnervigen Else, die man als Zuschauer nicht kennt und ihr folgerichtig keine Empathie entgegenbringen kann.

Nach 30 Minuten findet der Film aber seinen Ton, und ab da wird es interessant. Die ganze Studi-Truppe bleibt ein Sammelsurium von Arschgeigen, für die man keine Sympathie empfindet. Umso schöner, wenn diesen Leuten dann schräge Dinge passieren und man, die sind in „Midsommar“ WIRKLICH schräg. Von drogengetränkten Sexritualen bis hin zu Soylent-Green-artigen Zelebrierungen von altersbedingten Freitoden ist hier alles mit dabei.

Neben dem offensichtlichen und expliziten Grusel fühlt man sich als Zuschauer ab der zweiten Filmhälfte zunehmend Unwohl, weil in der Peripherie kleine Dinge oder Verfremdungen passieren, die man erst unbewusst wahrnimmt und sich dann fragt, ob man das wirklich gerade gesehen hat.

Sehr gruseliger Film, mit schnarchigem Anfang und einem gezogenen Mittelteil, der aber so sein muss, um den Punch am Ende vorzubereiten – und der hinterlässt bleibenden Eindruck. Der Film funktioniert auf vielen, vielen Ebenen und lädt dazu ein, über ihn nachzugrübeln.

Ich bin ein Star, holt mich hier raus! [2023, Staffel 16, RTL]
Sehr feine Staffel mit starken Charakteren. Ausfälle waren Claudia Effenberger, dieser „Ich geb Gas ich will Spaß“-Markus und irgendeine blonde Verena, ziemlich egal auch Dressman Papis Loveday und Cecilia Dingens.

Spaß gemacht haben „Madoooona“-Cosimo und Plakativ-Esoterikerin Jana Pallaske sowie Borderline-Persönlichkeit und Veganerin-Karikatur Tessa Bergmeier.

Überraschend:
1. Lucas Cordalis besitzt keinerlei Humor und keine Persönlichkeit, sondern besteht nur aus Fassade. Frei von Entwicklung oder Spaß spulte er seine Rolle ab, zu der das mantrahaft wiederholte „ich will meinen Vater stolz machen“ gehörte. Von Beruf Sohn zu sein ist schon schlimm genug, Lucas Cordalis ist aber von Beruf Ehemann der Katzenberger und von der Persönlichkeit her Sohn und Schwiegersohn, Aszendent Eigenlobler. Auf´s unsympathischste machte er ständig klar, das er der beste sei und quasi Erbanspruch auf die Krone hätte. Mein Sparkassenvertreter ist unterhaltsamer. Trotzdem kam er ins Finale – gewählt mutmaßlich von der Katzenberger-Armee, ZDF-Zuschauerinnen und, so wird geraunt, von angemieteten Callcentern.
2. Die Entwicklung von Krass-Proll Gigi, ungebildet, dabei aber nicht bösartig und messerscharf analytisch, vom unsympathischen Slacker hin zum groben, aber herzlichen Charakter.

Am Ende gewann Djamila Rowe verdient die Krone. Gestartet als Ersatzkandidatin für Martin Semmelrogge, der Vorstrafenbedingt nicht nach Australien einreisen durfte, überraschte sie ab Tag eins mit einer erstaunlich bescheidenen und ehrlichen Persönlichkeit. Der Satz „Ich fühle mich hier wohl, weil ich mal nicht einsam bin“, war schon ein Schlag in die Magengrube. So etwas hätte man unter dem, von zahllosen Schönheits-OPs völlig verunstaltetem, Äußeren nicht erwartet.

Meine persönliche Favoritin war aber Jolina Mennen. Selten eine so clevere, faire und analytische Person im Dschungelcamp gesehen, ihr hätte ich die Krone auch gegönnt. In Summe hat die 16. Staffel wieder mal bewiesen, dass es einzig von den Charakteren abhängt, ob das „Dschungelcamp“ interessant ist. Die 2023er-Ausgabe war das definitiv, und das über weite Strecken ohne Krawall und Toxizität, sondern geradezu harmonisch. Krawall gab es dafür in der Show danach.

Verwanzt [Theater im OP]
Agnes schlägt sich nach mehreren Schicksalsschlägen als Kellnerin durch und versucht ihren Schmerz mit Drogen zu benebeln. Dann taucht Peter auf, ein obdachloser Veteran. Agnes lässt ihn bei sich wohnen. Die beiden teilen Bett, Drogen und – wie sich bald herausstellt – eine Psychose, die sie in den dunklen und letztlich tödlichen Kaninchenbau von Verschwörungsideologien treibt.

Ein Stück, das im wahrsten Sinne des Wortes unter die Haut geht. Spätestens, wenn die Protagonisten anfangen sich die Haut vom Körper zu schneiden, kommt man aus dem Schaudern nicht mehr raus. Straff inszeniert, nicht zu lang. Besonders beindruckend: Das Spiel von Lisa Tyroller als Agnes. Wahnsinn.


Spielen:

Return to Monkey Island [2022, Switch]
Irgendwo, tief in der Karibik: Guybrush Threepwood ist mittlerweile Pirat, das Geheimnis von Monkey Island versucht er aber immer noch zu finden. Hinter dem ist auch Geister-Zombiepirat LeChuck her.

Awwwww, Monkey Island! Habe ich, wie so viele, eine lange Geschichte mit. Das erste Spiel, „The Secret of Monkey Island“ habe ich 1990 noch auf dem Amiga gespielt. „Return to Monkey Island“ knüpft unmittelbar an „The Curse of Monkey Island“ an, den zweiten Teil von 1991 (11 Disketten auf dem Amiga!) an, dessen seltsames Ende nun 30 Jahre in der Luft hing. Hat sich das Warten gelohnt? Geht so.

Der Grafikstil ist seltsam, geht aber in Ordnung. Die Musik und die Sprecher sind toll. Die Geschichte ist Monkey-Island-typisch schräg und der Humor definitiv lustig. Die Rätsel sind klassisch Point&Click und schon recht schwer, aber nie unfair oder absurd, und falls man wirklich gar nicht mehr weiter weiß, kann man in dem eingebauten und sehr guten Hint-Book nachschauen. Ich muss zugeben, dass ich das zum Ende hin recht häufig nutzen musste, weil ich zwar die richtige Idee hatte, das Spiel die aber leicht anders umgesetzt haben wollte.

Die Steuerung wurde für Konsolen gemacht und geht sehr gut von der Hand, und Quality-of-Life-Verbesserungen wie eine automatische Anzeige nicht-kombinierbarer Elemente machen das Leben schöner.

Warum dann nur „geht so“? Weil SPOILER
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Weil Ron Gilbert zwar wirklich das Geheimnis von Monkey Island lüftet, dabei aber genau den Move pulled, den man schon aus dem Ende von Teil 2 kennt. Im Endeffekt macht er hier das Bobby-Ewing-„Es-war-alles-nur-ein-Traum“-Trope, angereichert um ein laues „Such Dir selbst aus, was das Geheimnis für DICH war“.

Mir war schon auch klar, dass das Geheimnis nach all der Zeit und Legendenbildung nicht befriedigend gelöst werden kann, aber genau diese Umsetzung hier lässt mich leicht wütend zurück: Der ganze Plot des Spiels steuert auf einen Höhepunkt zu, der dann schlicht nicht kommt! Stattdessen wird kurz vor Schluss ALLES an Narration weggeworfen und das Game einfach beendet.

Nicht nur, dass der Schluss damit abrupt und unbefriedigend ist – ganze Handlungsstränge werden nicht zu einem Ende geführt. Das ist schade, denn es gibt spannende Nebenplots – wie der, das Elaine entdeckt, das Guybrush auf der Suche nach dem Geheimnis immer mehr auf Methoden von LeChuck zurückgreift und skrupelloser wird. Das wird sehr deutlich thematisiert, dann aber nicht aufgelöst werden. Dieses Meta-Meta-Ende ist schlicht verschenktes Potential.
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Sei´s drum. Bis man zu dem Ende kommt, dauert es rund 10 Stunden, und die sind mit unterhaltsamen und sehr lustigem Kram gefüllt. Die Dialoge haben mich mehr als einmal kichern lassen und ich hatte wirklich Spaß mit dem Spiel.


Gris [2018, Switch]
Eine junge Frau fällt und fällt und fällt. Als sie zu sich kommt, findet sie sich in einer schwarz-weißen Schneellandschaft voller zersplitterter Statuen und Bauwerke wieder.

Kraftlos und müde kämpft sie sich Schritt für Schritt vorwärts, immer wieder vor Erschöpfung auf die Knie sinkend. Aber dann macht sie Entdeckungen, die Dinge zusammenfügen, und die Welt beginnt Farben zurückzugewinnen. Mit jeder Farbe schöpft die Spielfigur mehr Kraft, wird agiler und findet am Schluss sogar ihre Stimme wieder.

„Gris“ thematisiert Trauma, Verlust und Depression. Die Art und Weise, wie das getan wird, ist alles andere als subtil. Für die Gefühle in einer Depression findet „Gris“ eine plakative Bildsprache, die in ihrer Wortwörtlichkeit manchmal nicht besonders originell wirkt. Beispiel: Das Gefühl, von der Schwärze einer Depression verschluckt zu werden, wird dann halt genau so dargestellt:

Das mag etwas unoriginell erscheinen, aber es ist konsequent umgesetzt. Es gilt, Dinge aus der Vergangenheit zu überwinden, alte Stärken wieder zu finden, selbst zu heilen, wieder ganz zu werden und am Ende zu lernen, sich selbst wieder zu mögen. Das ist stringent erzählt und vor allem eines: Wunderschön gestaltet!

Sowohl die Hintergründe als auch die wenigen Figuren und die fein animierten Zwischensequenzen wirken allesamt wie Aquarelle, und die einzelnen Level sehen an vielen Stellen wie Gemälde aus. Wirklich, Screenshots von „Gris“ könnte man sich genau so auch an die Wand hängen.

Die Wirkung der Bilder wird durch einen passenden, atmosphärischen Soundtrack unterstützt. Ähnlich elegant wie die Präsentation ist das Gameplay, was eine Mischung aus Erkundung, Hüpfen und dem Lösen von kleinen Rätseln ist. Es kommt fast in Gänze ohne Erläuterungen aus, in der Regel muss man experimentieren, um herauszufinden wie Dinge funktionieren und wie man mit ihnen interagieren kann. Sowohl Rätsel als auch Hüpfpassagen sind immer fair und machbar, lediglich an einer komplexen Hüpfstelle bin ich fast verzweifelt.

„Gris“ ist schon ein paar Jahre alt und findet sich daher für ein Paar Mark Fuffzich in Sales. Wer schöne Bilder mag, findet in „Gris“ ein Spiel, was einen über die Spieldauer von ca. 4 Stunden fast magisch in den Bann zieht. Lebenshilfe sollte man sich davon aber nicht erwarten.

Limbo [2010, Switch]
Ein namenloser junge wacht allein in einem dunklen Wald auf und sucht einen Weg hinaus.

Hat jetzt auch nur 12 Jahre gedauert, bis ich mir „Limbo“ endlich mal angeschaut habe – die Switch bringt mich zu Indie-Titeln. Der kleine Puzzleplattformer „Limbo“ erschien initial 2010 für die XBOX 360 und ist seitdem für nahezu jedes System umgesetzt worden. Das hat einen Grund: Das Spiel ist sehr, sehr eigen.

Die Optik ist ganz auch schwarz und grautöne reduziert, es gibt nur wenige Umgebungsgeräusch und keine Musik.

Vor allem ist Limbo aber: Böse. Die Spielfigur des namenlosen Jungen befindet sich wirklich in einer Art Zwischenhölle, in der er zahlreiche, grausame Tode stirbt. Beim allerkleinsten Fehler wird er aufgespießt, zerdrückt, überrollt, ertränkt, zerstückelt usw., und nicht selten sind andere Kinder für seinen Tod verantwortlich. Creepy und schwierig, umso schöner ist es aber, wenn man dann doch wieder eines der komplexen Umgebungsrätsel gelöst hat und der Junge ein Stückchen weiter gekommen ist. Seltsames Game für zwischendurch, bleibt aber halt auch in Erinnerung.


Machen:
Sorgen, um Gesundheitszustand von Freunden, Kolleginnen und Familie.

Kompensationshandlung: Zu Ikea gefahren und Ivars gekauft. Merke: Bis zu 4 x 226 cm-Seitenteile passen problemlos ins Kleine Gelbe Auto, Holz schrauben macht glücklich und Kiefernduft im Wohnzimmer ist was feines.


Neues Spielzeug:


Ding des Monats: Badwäsche
Jahrelang habe ich mich über schlechte Qualität der Handtücher geärgert, die ich mal hier, mal da im Sonderangebot gekauft habe. Die waren dünn, fühlten sich manchmal nicht gut an, saugten erst nach der hundertsten Wäsche und sahen kurz darauf aus, als hätten sie die Räude.

Dann die Idee: Warum nicht Kram kaufen, wie es in Hotels verwendet wird? Das muss doch gut und langlebig sein! Stellt sich raus: Frotteeware des großen Hotelausstatters Zollner gibt es für wenig Geld. Die Qualität ist, abgesehen von ein Paar Nahtfäden, ausgezeichnet und auf Langlebigkeit ausgelegt, dabei aber echt weich und kuschelig.

Die Dusch- und Handtücher in der Grammatur 520g/m2 sind flauschig, aber nicht ZU dick, sofort saugfähig und insgesamt eine echte Wohltat. Weil´s so schön und echt günstig ist, gab es gleich noch eine Großpackung Waschlappen (Stückpreis 95 Cent) und ein Paar Duschvorleger dazu. Hätte es alles auch in anderen Farben gegeben, aber gerade gefällt mir weiß.


Archiv Momentaufnahmen ab 2008

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Das war das Jahr, das war (2022)

Jahresende. Zeit für die Rückschau. Was bleibt von 2022? Plus: Beste Bilder.

Lage der Welt:
Es war das Jahr III der COVID-Pandemie, Jahr I des Russland-Kriegs in der Ukraine sowie ein weiteres und sehr heftiges Dürrejahr.

Krieg in Europa – wer hätte gedacht, dass wir das noch einmal erleben müssen. Im Februar überfiel Russland die Ukraine, laut Propaganda um das Land „in einer Spezialoperation“ von „Nazis zu befreien und zu demilitarisieren“. Der schnelle Fall des Landes schien ausgemacht, alle Experten und Politiker nahmen an, dass die Ukraine binnen weniger Tage annektiert sei. Dann die Überraschung: Der Regierungschef, ein ehemaliger TV-Komiker, floh nicht, die Ukrainer wehrten sich und die russischen Truppen erwiesen sich als schlecht ausgerüstet, nicht vorbereitet und unfähig. Es gelang den Angriff zu stoppen und, nach Waffenlieferungen aus dem Westen, im zweiten Halbjahr sogar eine Gegenoffensive zu starten.

Der Preis für die Ukraine ist hoch: Millionen Menschen sind auf der Flucht, die verbliebenen harren oft ohne Strom und Wasser aus. Russland bombt das Land in Grund und Boden, verschleißt dabei aber eigenes Material, verliert viele Soldaten und muss eine Generalmobilmachung ausrufen. Putin verkauft das als Vorwärtsverteidigung gegen die Nato, die angeblich einen Stellvertreter- und Angriffskrieg über die Ukraine führen würde.

In den USA erodiert die Demokratie weiter. Auf Ebene der Einzelstaaten und Countys installieren die Republikaner weiterhin Personen und Mechanismen, die es ihnen erlauben, sich auch dann zu Gewinnern zu erklären, wenn sie nicht die Mehrheit der Stimmen bekommen. Nach wie vor ist die ganze Partei auf faschistischer Linie und Trump hörig, der wie „der Pate“ in Florida hockt und Entscheidungen im Hinterzimmer trifft.

Immerhin werden die Midterm-Wahlen keine Vollkatastrophe für die Demokratie. Zwar geht der Kongress an die Republikaner, der Senat ist aber kurz in der Hand der Demokraten – bis eine demokratische Senatorin, die schon zuvor durch Arbeitsverweigerung auffiel, stiften geht. Nun steht es wieder 50:50.

Getrieben von seinem Ego und anhängigen Gerichtsverfahren will Trump 2024 noch einmal Präsident werden. Soll er mal antreten, mit ihm besteht eine reelle Chance, das die Republikaner verlieren. Die Alternative wäre fürchterlich: Ron de Santis, Gouverneur von Florida, ist ein rechtsextremer selbsternannter „Gotteskrieger“ und kopiert Trumps Methoden, seine Rhetorik und sogar seine Körpersprache, hat dabei aber ein funktionierendes und sehr bösartiges Hirn.

In Brasilien wird Bolsonaro knapp abgewählt, und protestiert dagegen nur verhalten. Der neue Präsident verspricht, die Abholzung der Regenwälder zu stoppen.

Taiwan fühlt sich von China bedroht, das an den Grenzen und in staatlichen Medien einen Krieg vorbereitet.

Aserbaidschan überfällt Armenien, weil die dort stationierten russischen Friedenstruppen gerade anderes zu tun haben.
Ungarn werden endlich EU-Mittel gekürzt, nachdem Orban die Gemeinschaft monatelang mit einem Veto zu Ukraine-Hilfslieferungen(!) erpresste.

Die Türkei wirft ein Veto gegen die Aufnahme von Finland und Schweden in die Nato, um geflüchtete Dissidenten ausgeliefert zu bekommen. Das ist so unwürdig, kleingeistig und rachsüchtig wie es klingt.

Zum Ausgleich sorgt das Unvereinigte Königreich für Amüsement, das bei mir sämtliche strategische Popcornreserven aufgebraucht hat. Erst mach Boris Johnson ein weiteres halbes Jahr groben Unfug, dann wird er von seiner eigenen Partei abgesägt.

Nachfolgerin wird Liz Truss, die eine so offensichtliche Ausgeburt an Inkompetenz und Unwissenheit darstellt, das Börsen abstürzen und Unternehmen das Land noch schneller verlassen als zuvor. Sie bleibt quälend lange 47 Tage im Amt und hält sich damit kürzer als ein Salatkopf, der von der Zeitung The Sun vor eine Webcam gestellt wurde.

Weil UK so lange mit sich selbst beschäftigt war, blieb keine Zeit, das Land auf den Winter vorzubereiten. Energie- und Lebenshaltungskosten explodieren noch schlimmer als in der EU, eine Armutswelle steht bevor, im Dezember laufen die Tafeln des Landes über.

Die hohen Lebensmittelpreise kommen nicht nur durch den Brexit. Überall gibt es Lieferprobleme und explodierende Kosten. Ganze Lieferketten sanieren sich durch, weil jedes Glied Preisaufschläge nimmt. Bei Lebensmitteln kommt hinzu, das mit Russland und der Ukraine die größten Weizen- und Düngerexporteure wegfallen bzw. weniger liefern. Die Inflation galoppiert.

Außerdem war da natürlich noch die Dürre. Rund um den Globus war es den Großteil des Jahres viel zu trocken und sehr, sehr heiß. In Italien fielen 70% der Reisproduktion aus, Flüsse trockneten weg und Meerwasser floss in das Landesinnere. Ähnlich war es in Deutschland, selbst der Rhein lag stellenweise trocken und den Juli konnte man eigentlich nur im kühlen Keller hockend verbringen. Der Backlash kam später, in Form von Stürmen, Eiseskälte und Flutregen. Das ist mindestens das dritte Dürrejahr in den letzten fünf Jahren. Schon krass, wie schnell sich das Klima ändert.


Lage der Nation:
Russland wird mit Sanktionen belegt, mindestens die dortige Tech- und Automobilindustrie brechen daraufhin zusammen. Im Gegenzug liefert Russland unter fadenscheinigen Gründen (Turbine kaputt, Wetter schlecht) massiv weniger Gas, was insbesondere Deutschland trifft.

Spätestens jetzt rächt sich, das in den vergangenen 10 Jahren der Ausbau erneuerbarer Energien nicht verschlafen, sondern von der Regierung aus CDU und SPD massiv beschnitten wurde und eine starke Abhängigkeit von russischen Rohstoffen bestand. Stellt sich raus: Die krassen Guys von der GroKo haben sogar die Gasspeicher auf deutschem Boden an Russland verscherbelt, und Gasprom hat die in Vorbereitung auf den Ukraineüberfall leer laufen lassen. Dementsprechend schwer tut sich Kanzler Scholz auch klare Kante zu zeigen, und immer wieder fordern konservative Politiker aller Parteien die Inbetriebnahme der neuen Nordstream2-Pipeline. Die Entscheidung treffen letztlich aber andere: Die Pipeline wird unterseeisch gesprengt und ist dauerhaft zerstört. Nächste Idee der Liberal-Konservativen: Atomkraftwerke neu bauen. Aber das will außer den Knallchargen CDU und FDP niemand, am Wenigsten die Energiekonzerne.

Ebenjene Energiekonzerne haben sich in diesem Jahr die Penisse vergolden lassen, weil sie nicht mehr wussten wohin mit ihrem Geld, besonders in Deutschland. Wo es in anderen Ländern eine Übergewinnsteuer gab, faselt die FDP was davon, das man Unternehmen so etwas nicht aufbürden dürfte, weil sonst deren Innovationskraft… blabla, da hört dann schon keiner mehr zu, so lächerlich ist das. Am Ende gibt es eine Übergewinnsteuer, die darf bloß nicht so heißen.

Überhaupt, die FDP. Macht Opposition, obwohl sie an der Regierung ist, demütigt Koalitionspartner und verhindert mit Symbol- und Klientelpolitik echtes Vorankommen. Kalkül der Parteispitze: Sie wollen als „konservative Stimme der Vernunft“ wahrgenommen werden. Klappt nur nicht, das ständige Stehen auf der Bremse fällt auch den Wähler:innen auf, was in den Landtagswahlen grottenschlechte Ergebnisse bringt. Vielleicht sollte Parteichef Lindner weniger auf Saufnase Kubicki hören und mehr auf seine Parteibasis. Die wollen nämlich eine moderne Partei, die Veränderungen bringt, die bezahlbare erneuerbare Energie und einen Verkehrswandel und Digitalisierung vorantreibt, und nicht so einen Friedrich-Merz-gefällt-das-90er-Jahre Müll mit „mehr Autobahnen und freie Fahrt für freie Bürger“. Liebe FDP, das Problem eurer schlechten Wahlergebnisse liegt NICHT an den bösen Grünen oder eurer gefühlt zu linken Ampel. Das Problem seid ihr, mit euren erkennbaren Luftnummern und dem destruktiven Verhalten.

In der SPD lief es nicht besser. Kanzler Scholz ist so gut wie unsichtbar in der Tagespolitik, und wenn er dann mal auftaucht, redet er von „Wumms“ und „Doppelwumms“. Klingt wie ein Dreijähriger, passt aber zu der farblosen Knallcharge, die er ist.

Nicht mit Ruhm bekleckert hat sich auch Karl Lauterbach. In der Pandemie fiel er durch kluge Analysen und Vorschläge auf Twitter auf, und man dachte immer: Dieser Mann, wenn der doch nur Gesundheitsminister wäre! Nun ist er es, und er agiert… glücklos, bestenfalls. Seine klugen Vorschläge twittert er weiter, aber in der Politik kann er sich nicht gegen die FDP und besonders Justizmurkel Marco Buschmann durchsetzen. am Ende macht der Gesundheitsminister Lauterbach immer das Gegenteil von dem, was der Twitterer Lauterbach für richtig hält. Schizophrenie, dein Vorname sei Karl.

Ist aber eh´ egal, Corona wurde im April von der FDP für beendet erklärt und die Pandemie im Dezember von Christian Drosten. Das Virus ist jetzt endemisch, das werden wir nicht mehr los. Immerhin sind dank Impfung und doppeltem Booster (insgesamt 4 Injektionen) die akuten Folgen meist nicht mehr dramatisch, über die Langzeitschäden im Körper kann aber noch niemand was sagen. Was die Pandemie auf jeden Fall sichtbar gemacht hat, sind die Risse in der Gesellschaft. Ein guter Teil der Bevölkerung wähnt sich in einer unrechten Diktatur, ergeht sich in Umsturzphantasien und ist komplett Wissenschaftsfern. Es sollte unbedingt eine gesamtgesellschaftliche Diskussion angestoßen werden, wie damit umzugehen und wie dem zu begegnen ist (Hint: Investitionen in Bildung wären ein guter Anfang).

In der CDU hat Friedrich Merz das Ruder übernommen. Er wollte ja schon immer Kalif anstelle der Kalifin werden, nun ist er am Ziel seiner Träume – und verwaltet nur noch Ruinen. Merkel hat nicht nur das Land sediert und Politik als Verwaltungsakt dargestellt, auch die Partei ist nicht mehr leistungsfähig und hat kein kluges Personal. Merz versucht das mit markigen Sprüchen zu übertünchen und Kampagnen aus den 90ern wiederzubeleben („Das Boot ist voll“), erntet dafür aber nur müdes Gähnen von den Wähler:innen und den demokratischen Parteien – und Beifall von der AfD, gegen die er noch im Frühjahr versprach eine Brandmauer errichten zu wollen.

Positiv überrascht haben lediglich Kanzlerin-der-Herzen Annalena Bärbock, die nicht nur die Probleme mit Nordstream und Russland exakt vorhergesagt hat, sonder die auch als Außenministerin weitsichtige und feministische Politik vertritt und selbst schwergewichtigen Außenpolitik-Schlachtrössern wie Sergey Lavrov die Meinung geigt. Ebenfalls gut: Robert Habeck, der als Wirtschaftsminister absolut pragmatisch handelt. Dazu gehört leider, dass er den Weiterbetrieb von Atomkraftwerken und Braunkohlekraftwerken in seiner Partei durchsetzt, aber auch die recht rabiaten Maßnahmen um Gasfirmen in Deutschland zu verstaatlichen. Mit Erfolg, zu Beginn des Winters sind die Gasspeicher zu über 100% gefüllt und Deutschland erzeugt sogar genug Strom für Frankreich, dessen AKWs zur Hälfte vom Netz sind, weil baufällig. Das die FDP Habeck trotz allem „Ideologiegetriebene Politik“ vorwirft, zeigt deutlich den Realitätsverlust des Porschefahrerclubs.

Es ist einfach unfair. Immer, wenn eine progressive Regierung an´s Ruder kommt, fallen alle möglichen Krisen zusammen und die sind gezwungen, gegen ihre Überzeugungen zu agieren. So wie die SPD die Agenda 2010 einführen musste, um das Land wieder aus der Kohl´schen Krise zu bekommen, so müssen die Grünen nun Energie aus AKWs und Kohlekraftwerken zustimmen. Ich hätte ja gerne mal gesehen was mit so einer Ampelregierung möglich ist, wenn nicht gerade die Welt zusammenbricht.

Unter all den schlimmen Meldungen gab es in diesem Jahr noch eine gute Tendenz und eine, deren Richtung noch nicht ganz klar ist. Die gute: Die Welt hat sich auf weitreichende und tiefgreifende Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen verständigt. Es ist noch ein weiter Weg, bis das auch umgesetzt wird, aber erstmal ein guter Start.

Die unklare Tendenz: Künstliche Intelligenz ist da, und verändert sichtbar Dinge. Werkelten vorher nur kleine KIs in Geräten und Services herum, ist die Firma OpenAI nun mit ChatGPT am Start, und das Ding frisst Turing-Tests zum Frühstück und ist kreativer als die meisten Autoren. Prompt nutzen es die ersten Schüler und Studenten, um ihre Hausarbeiten davon schreiben zu lassen. Ob zum Besseren oder schlechteren: Es wird die Menschheit verändern.

Ich Ich Ich
Beruflich weniger Stress. Sommerhitze gut überstanden. Tour durch UK und Wohnen auf Sardinien. Belastend: Familiäre Situation. Älter werden ist manchmal kein Spaß, und wenn eine anverwandte Person schon immer ein sehr schwieriger Mensch war, wird das durch Demenz nicht besser. Immerhin, Dinge sind angestoßen und werden sich im kommenden Jahr klären. Ein wenig irre macht mich, weil ich nicht weiß, was da auf mich zu kommt.


Und sonst noch?

Worte des Jahres: „London wurde vom Geld verwüstet“ (Annette Dittert)

Zugenommen oder abgenommen: Gleich geblieben. Aber auf zu hohem Niveau.

Die teuerste Anschaffung: Am meisten Geld ausgegeben für die Wartung der Motorräder, aber nun. Teuerste Einzelanschaffung sicherlich das Notebook für rund 690 Euro.

Luxus des Jahres: Drei Bücher, gekauft für zusammen mehr als 350 Euro. Bildbände, um genau zu sein. Ich liebe den Taschen-Verlag. Außerdem: Spontankauf einer Switch + Games.

Mehr bewegt oder weniger: Mehr.

Die hirnrissigste Unternehmung: Zum Mont-Saint-Michel zu Fuß wandern zu wollen. In Motorradstiefeln. In der Hauptsaison. Im Hochsommer. Das gab Blasen!

Ort des Jahres: La Ciaccia.

Zufallspromi des Jahres: Jenna Ortega.

Nervende Person des Jahres: Den Titel teilen sich Friedrich Merz und Elon Musk. Der eine hatte 1992 einen Unfall mit einer Cryo-Maschine und wurde erst jetzt wieder aufgetaut, der andere hat sich radikalisiert. Beiden gemein ist, das sie vielleicht wissen wie Unternehmen funktionieren, aber keine Ahnung vom Funktionieren einer Gesellschaft haben, überaus miese Kommunikatoren sind und dabei denken, dass sie alles könnten und auf alles eine Antwort hätten. Das sind Anzeichen für Soziopathie. Ernsthaft, das Musk sich rechts radikalisiert, während die Käuferschicht seiner Autos zum mittelinks-Milieu gehören und nun bei jedem Tesla, den sie sehen, denken: „Scheiße, wenn ich den Wagen kaufen würde, unterstütze ich einen rechtsradikalen Verschwörungstheoretiker“ – so dumm muss man erstmal sein.

Das beste Essen: Pizza Ogliastrina + Ichnusa im Restaurant von La Pineta, Bari Sardo. Das es das beste Essen war, mag auch an der Gesellschaft gelegen haben.

Das seltsamste Essen: Der Doppel-Steak-Teller, der ohne einen Bissen Fleisch auskam, im „Crown Inn“ in Frampton-Mansell.

2022 zum ersten Mal getan: Darmspiegelung. Dank Propofol kein Problem. Hicks.

2022 das erste mal seit langer Zeit wieder getan: Waschlappen gekauft und benutzt, letzteres habe ich seit ca. 1983 nicht mehr getan. Und: Actionfilme aus den 90ern geguckt, weil die sich noch „echt“ anfühlen und nicht nur aus schlechtem CGI bestehen oder ein Schnittmassaker sind.

Gesundheit: Geht so. Magenprobleme und, auch das erste mal, Ischias. It´s not the years, honey, it´s the mileage.

Ein Ding, auf das ich gut hätte verzichten mögen: Zu merken, das mein Vater Anzeichen von Demenz aufweist und eine Betreuung durch das Amtsgericht bekommen muss.

Gereist? Jahaa! Motorradtour durch das Unvereinigte Königreich und nach Sardinien.

Film des Jahres: „Everything, everywhere, all at once“ ist völlig verquer und überraschend, „Ghostbusters Legacy“ ist ein toller wie würdiger Nachfolger der 80er-Jahre-Filme, „Nobody“ überrascht mit einem superbrutalen Bob „Better Call Saul“-Odenkirk. „Maverick“ kam auch endlich raus und war gut.

Theaterstück des Jahres: „Harry Potter und das verfluchte Kind“ in Hamburg – auf Deutsch fast genauso gut wie im Original.

Musical des Jahres: „Monty Pythons Ritter der Kokosnuss“ bei den Gandersheimer Domfestspielen.

Spiel des Jahres: War in Summe ein schwaches Spielejahr, es gab aber einige Highlights. Meine persönlichen GOTYs: „Horizon: Forbidden West“, das mit toller Protagonistin, Grafik und einer spannenden Story zu begeistern wusste. Außerdem: Das grafisch wie atmosphärisch überwältigende und sehr traurige „A Plague Tale: Requiem“. 30 Jahre nach Erscheinen von Teil eins kam dann noch „Return to Monkey Island“ raus und wäre schon aufgrund des Humors ein heißer Anwärter auf das Spiel des Jahres gewesen, aber das habe ich bis Redaktionsschluss nicht durchgespielt.

Entertainment-Doku des Jahres: „Trainwreck 99“ über die Woodstock-Neuauflage auf Netflix.

Serie des Jahres: „The Sandman“ auf Netflix. Endlich eine angemessene Umsetzung der Vorlage. „Westworld“, Staffel 4 war auch spitze, „Wednesday“ kam überraschend aus dem Nichts und machte die Addams-Family cool.

Buch des Jahres: „Lost Girls“ von Alan Moore und Melinda Gebbie. Ist schon von 1992, habe ich aber jetzt erst entdeckt. Kranker Scheiß, ein Buch wie eine Orgie auf Drogen.

Ding des Jahres: Gleich mehre Sachen machten mich sehr glücklich: Das neue Reisenotebook Asus UM425UAZ-KI023T ist der absolute Hammer, blitzkrank schnell und nach Militärstandard robust. Das Ding lässt die meisten MacBooks und Lenovos im Office-Betrieb alt aussehen, kein Witz. Die Patagonia Micropuff-Jacke hat ausgezeichnete Dienste geleistet, und das Anker 735 GaNprime USB-Ladegerät ist ein Powerhouse und taugt auch als Netzteil für das Asus und ist täglich im Einsatz.

Spielzeug des Jahres: Die PS-Vita. Ich besitze die schon länger, aber in diesem Jahr habe ich gemerkt, wie sehr ich die liebe. Die kleine Konsole ist von 2013. In heißen Sommernächten nachts auf dem Balkon sitzen und Persona 4 spielen oder Games von der PS4 streamen – super.

Originellstes Spiel: Die „Ring Fit Adventures“ auf der Switch. Wahnsinn, was man aus so einem Plastikring an Übungen rausholen kann.

Enttäuschungen des Jahres: Disney. Egal ob Serien wie „Moon Knight“ oder „She-Hulk“ oder Filme wie „Eternals“, „Dr. Strange 2“ oder „Thor 3“ – früher habe ich alles von Marvel gerne geguckt, aber in 2023 war nichts dabei, was ich auch nur ein Bißchen gut fand. „Book of Boba Fett“ war im Bereich Star Wars auch ein Totalausfall. Sonderpreise gehen an „The Brits are Coming“, der ein dampfender Haufen Scheiße von ungekanntem Ausmaß ist, und an „Cyberpunk 2077“. Dessen Nextgen-Update ist, 18 Monate nach Release von Version 1.0, immer noch buggy und unbelebt. Damit holt das selbe Spiel diese Auszeichnung das zweite Mal, nach 2020! Ach ja, und der Doppel-Steak-Teller ohne einen Bissen Fleisch im „Crown Inn“ in Frampton-Mansell, der war auch eine große Enttäuschung.

Unbeachtetes Event des Jahres: Die Fußballweltmeisterschaft in Katar. Habe ich kein Spiel von geguckt. Aber gut, ich gucke auch sonst keine Spiele von Fußballweltmeisterschaften.

Die schönste Zeit verbracht mit: Auf dem Balkon eines verranzten Appartements auf Sardinien „Westworld“ zu gucken und dabei warme Sommernächte zu genießen.

Anzahl Fiat 500s (seit 2016): 2.364

Vorherrschendes Gefühl 2022: Alles zerfällt.

Erkenntnis(se) des Jahres: Die Welt wie sie war, gibt es nicht mehr. Und: WD40 ist gar kein Schmieröl.

In diesem Sinne: Ich wünsche einen guten Start in ein hoffentlich weniger schlimmes 2023. Sprengt Euch beim Jahreswechsel keine Körperteile weg.

Nekrolog:
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Momentaufnahme: Dezember 2022

Herr Silencer im Dezember 2022

Worte des Monats:

Wetter: Ab Monatsanfang sofort bitterkalt und 15 Zentimeter Schnee. Bis Monatsmitte wird es immer kälter, eine Woche lang Tiefsttemperaturen von nachts -13 und tagsüber -5 Grad. Kurz vor Weihnachten beginnt es zu regnen. Erst gibt es Eisregen auf dem tiefgefrorenen Boden, dann steigen die Temperaturen wieder, an Weihnachten sind es 8 bis 15 Grad mit häufigen und starken Regenfällen, die bis Jahresende anhalten.

Lesen:

Reiseführer.


Hören:


Sehen:


Die Känguru Verschwörung [2022, Amazon Video Kauf]
Marc-Uwe und sein Mitbewohner, das mild-kommunistische Känguru, begeben sich auf einen Road-Trip nach Bielefeld. Grund: Die Mutter der angebeteten Maria hat sich in Verschwörungstheorien verstrickt und leugnet den Klimawandel, und die beiden haben gewettet, dass sie die Mudder wieder in die Realität bekommen.

Der erste „Känguru“-Film war der letzte Film, den ich im Kino sah. Das war am am 06.03.2019, in Frankfurt an der Oder. Während der Pandemie wurde wohl der zweite Film gedreht, und der ist um Klassen besser als der Erstling. Statt einem Best-of-Remix bekannter Gags aus den Büchern gibt es hier eine eigenständige und aktuelle Geschichte.

Reichsbürger, Flat-Earther, Klimaleugner, Impfgegner – der Umgang damit im Film ist herrlich, endlich bekommt die usselige und rechte Baggage mal ihr Fett weg. Dabei funktionieren manche Dinge in der Tiefe tatsächlich nur jetzt. Wenn Marc-Uwe in Ulf-Poschhard-Tonfall „Bidde nich!“ sagt, kann man diesen popkulturellen Gag aktuell entschlüsseln und darüber kichern – in kurzer Zeit wird aber niemand mehr wissen, dass das mal witzig war und warum. Seltsam zahm bleibt ausgerechnet das Känguru selbst, das mit deutlich angezogener Philosphie/Brutalitäts-Handbremse fährt.

Handwerklich ist die Kameraführung meist bieder, das animierte Känguru und die Schauspieler OK. Nerven tut lediglich Marc-Uwe Kling selbst, als Stimme des Kängurus. Ich LIEBE die Stimme in den Hörbüchern, aber hier im Film ist sie zu übertrieben gesprochen und/oder so seltsam gemischt, dass ich davon Ohrenschmerzen bekomme.

Ist aber Wurst, die „Känguru-Verschwörung“ ist ein sehr launiger Film, der an keiner Stelle in flachen oder Pipi-Kacka-Humor abgleitet. Besonders viel Freude werden diejenigen haben, die schon immer mal diese ganzen Verschwörungs-Heinis als die Deppen dargestellt sehen wollten, die sie sind. Empfehlenswert.

Ach ja, das Retro-8Bit-Spiel, das im Film kurz vorkommt, das gibt es wirklich: https://www.kaenguru-game.de/

Blade Trilogy [1998, 2002, 2004 Bluray ]
Wesley Snipes ist der „Daywalker“, ein Mensch/Vampir Hybrid, der zusammen mit Kris Kristofferson Jagd auf echte Vampire macht. Mal bekommt er es mit durchgenknallten Yuppi-Vampiren zu tun, mal mit Mutationen, mal mit Udo Kier, mal mit Dracula persönlich.

Die drei Filme, die um die Jahrtausendwende entstanden sind, erzählen eine lose zusammenhängende Geschichte, sind aber qualitativ stark unterschiedlich. Teil 1 kommt stylisch und überraschend, aber mit grottenschlechtem CGI daher. In Teil 3 ist das CGI besser, aber die Story Banane und die neuen Darsteller (Ryan Reynolds, Jessica Biel, Dominic Purcell) völlig fehl am Platz. Die Spannbreite reicht von Randgruppenperle bis zu Trash.

The Rock [1996, BluRay]
Ein General der US-Armee klaut Raketen mit VX-Gas, stellt die auf der Gefängnisinsel Alcatraz auf und erpresst die Regierung: Entweder, die Familien von im Ausland bei Geheimoperationen gefallenen Soldaten werden über den Verbleib informiert und finanziell entschädigt, oder San Francisco wird mit tödlichem Nervengas beschossen. Auf Verhandlung hat niemand Bock, und so schickt die Regierung den Giftgasexperten Nicolas Cage und den einzigen Mann, der jemals aus Alcatraz ausgebrochen ist und daher den Weg hinein finden kann: Ex-SAS-Agent Sean Connery.

„The Rock“ ist einer der besten Actionfilme aller Zeiten, Punkt. Wenn man mich fragt, welche Actionfilme in den 90ern die besten waren, werde ich immer sagen: „The Crow“, „Armageddon“ und eben „The Rock“. Egal ob die spannenden Expositionsszenen am Anfang, die „Bullit“-mäßige Verfolgungsjagd in San Francisco oder der fesselnde Einsatz auf Alcatraz selbst, der Film ist wirklich keine Minute langweilig. Dabei ist es nicht allein die Action, die trägt.

Einen Großteil der Wirkung wird über das ausgezeichnete Zusammenspiel der Darsteller erzielt. Nicolas Cages Overacting ist ein wunderbarer Kontrast zu Connerys verschmitzt-reduziertem Spiel, mit dem er hier den James-Bond-in-Rente gibt. Ed Harris ist ein großartiger Bösewicht, gerade weil er eigentlich hehre Motive hat, und gibt diese Figur mit großem Fokus und kalter Beherrschung, was ein krasser Gegensatz zu dem Haufen an Hotshots um ihn herum ist. Die Nebenrollen sind ebenfalls großartig besetzt: „Dr. Cox“ John C. McGinley, „Terminator“ Michael Biehn, „Candyman“ Tony Todd, „Green Mile“ David Morse, dazu die göttliche Claire Forlani. Hach.

Technisch ist hier wenig Kritik möglich. Michael Bays Stil der dramatischen Inszenierung und der sich ständig bewegenden Parallax-Kamera hatte sich noch nicht so abgenutzt und wird nicht so rührselig eingesetzt wie in späteren Filmen. Der Soundtrack von Hans Zimmer ist mit seinem Main Theme in die Geschichte eingegangen und wird bis heute für Trailer genutzt. Das Bild und der Ton ist auf BlueRay wirklich exzellent. Ja, „The Rock“ ist wirklich Peak-90er-Action, so wie ich sie mag – und der wahrscheinlich beste Film, den die Produzenten-Legenden Bruckheimer/Simpson und Regisseur Bay je gemacht haben.


Spielen:

God of War: Ragnarök [2022, PS5]
Kratos, der Schlächter aller Götter des Olymp, hat sich zur Ruhe gesetzt – ausgerechnet in Midgard, einer der Welten der nordischen Götter. Dort gerät er mit dem Schicksal aneinander, das detailliert voraussagt, das Kratos Ragnarök auslösen wird. Der alte Mann mit dem Rauschebart hat auf das Ende der Welt aber gar keine Lust, Kriegsgott will er auch nicht mehr sein, und überhaupt will er am liebsten in einer Höhle sitzen und Grummeln. Auch Allvater Odin möchte keinen Konflikt und keinen Weltuntergang. Aber es herrscht bereits Fimbulwinter, der Vorbote von Ragnarök, und je mehr Kratos es versucht zu vermeiden, desto unausweichlicher wird eine Konfrontation mit Odin, Thor, Heimdall und Konsorten. Helfen könnte vielleicht Tyr, der alte nordische Gott des Krieges, aber der ist tot. Und dann hält sich auch noch Kratos pubertierender Sohn Atreus für etwas Besonderes, denn sein nordischer Name ist – Loki.

Ach, fein! Die 2018 im Vorgänger begonnene Geschichte von Kratos-und-seinem-Sohn-im-Norden wird in diesem Spiel komplett zu Ende erzählt, und das, obwohl sich der Stoff von der Menge her für eine Trilogie angeboten hätte. So ist man 35 bis 40 Stunden unterwegs, bis die Story zu einem befriedigendem Ende kommt.

Gameplaytechnisch wechseln sich ruhige Erkundungspassagen, Dialoge mit anderen Figuren und wuchtige Hack-and-Slay Kämpfe ab. Die Kämpfe kommen mit einem ordentlichen Schwierigkeitsgrad daher. Im Vergleich zum Vorgänger teilt Kratos weniger aus, kann aber auch weniger einstecken. Heil-Items sind seltener, und die Zahl der Encounter mit 08/15 Gegnern sind so hoch, dass es immer wieder die Erzählung stört.

Die Grafik auf der PS5 ist schön, aber nicht deutlich besser als beim Vorgänger auf der PS4. Am Vorgängerspiel mochte ich das Perk-System nicht. Es gab viel zu viele Möglichkeiten abseits der Skill-Trees Waffen und Rüstungen zu verzaubern, Runen einzusetzen oder sonstwas damit anzustellen und dadurch irgendeinen Wert um 0,0034 Prozent zu steigern.

Das ist in „Ragnarök“ noch viel schlimmer geworden, die Systeme sind nun um das doppelte überladen. Wer Spaß daran hat, unter Zuhilfenahme von Excel auszurechnen, welche Rune in Kombination mit welcher Rüstung basierend auf den Glücks-Werten des Charakterlevels die Abklingzeit der Axt-Zauber um 1,3 Sekunden senken lässt – nur zu. Ich habe da keinen Spaß dran und fand es stets zum Kotzen, wenn das Spiel mich zwang, mich damit zu beschäftigen.

Das ist aber nicht so wichtig. Der Kern und das Beeindruckendste von „Ragnarök“ ist die Interaktion der Charaktere miteinander und ihre verwobenen Geschichten. Die Dialoge sind toll geschrieben, und die die Story steckt voller Wendungen. Die passieren aber nicht aus Selbstzweck, sondern sind immer den klaren Motivationen der Figuren zuzuordnen.

Die Charaktere selbst sind hervorragend ausgearbeitet. Egal ob der knurrige Kratos, der das Loslassen lernen muss, der Götterchef Odin, der manchmal wirkt wie ein leicht tüddeliger Konzernmanager und wirklich undurchschaubar ist, oder Schmierlappen Heimdall, den man wirklich hassen lernt: Das zu erleben ist spannend, und ich wollte immer wissen, wie es weitergeht.

Star des Spiels ist aber die Stimme von Kratos. Christopher Judge, der Teal´c aus „Star Gate“ spricht den alten Kriegsgott mit einem unnachahmlich rauen Grummeln, und jeder Satz von ihm ist ein Erdbeben. Was für eine Performance!

Kena – Bridge of Spirits [2021, PS5]
Die junge Kena ist eine Geisterführerin. Sie hilft verstorbenen Seelen dabei, vom Diesseits loszulassen. Als sie in einer abgelegenen Region ein entvölkertes Bergdorf findet, bekommt sie eine Menge zu tun. Zum Glück hat sie Verstärkung in Form der Rott, knuffeligen kleinen Geistwesen. In drei unzusammenhängenden Episoden muss Kena Geister ins Jenseits geleiten und am Ende das Rätsel um das Dorf und die Rott lösen. Das tut sie in der klassischen Action-Adventure-Mischung aus Erkundung, dem Lösen von Rätseln und Geschicklichkeitspassagen.

So knuffelig, und gleichzeitig SO SCHEISSEND SCHWER. Ember Labs, das Studio, dessen Erstlingswerk „Kena“ ist, kommt aus der Filmanimation, und das ist deutlich zu merken. Alles ist detailverliebt und sieht aus wie ein Animationsfilm. Was leider nicht gut klappt ist das Gameplay. Kena springt und klettert teils sehr ungenau oder hält sich nicht an Kanten fest, was insbesondere in den (viel zu zahlreichen) Hüpfpassagen mit knackigem Zeitlimit fatal ist.

Nicht viel besser ist es in den Hack&Slay-Kämpfen. Die sind ohnehin superschwer und werden noch schwerer durch die Steuerung, die einfach für das geforderte zu träge ist – Ausweichen oder Blocken erfolgt häufig mit spürbarer Verzögerung, und das bei sehr kleinen Zeitfenstern für erfolgreiches Parieren. Ich habe nach der Hälfte der gut zehn Stunden Spielzeit entnervt den Schwierigkeitsgrad auf die einfachste von fünf Stufen gestellt und hatte immer noch genug zu tun.

Die teils traurigen Geschichten und die putzigen Rott haben mich aber dennoch dazu gebracht, die Zähne zusammen zu beißen und das durch zu spielen. Ich hoffe, es gibt einen Nachfolger, der die Macken beim Gameplay und Balancing ausbügelt und der Figur der Kena etwas Tiefe gibt. Die Welt ist auf jeden Fall zauberhaft.


Machen: Nüscht. Auch mal schön.


Neues Spielzeug:

Eine Xbox. Aber keine aktuelle XBOX Series X (die heißt wirklich so, kein Witz), sondern eine XBOX 360, Modell E, Baujahr 2015, gebraucht gekauft. Eine der letzten 360er, die je gebaut wurden.

Warum lege ich mir so ein Uralt-ding zu? Ganz einfach: Ich habe für die 360 eine umfangreiche Spielesammlung, und einige meiner liebsten Games („The Saboteur“, „Sleeping Dogs“) gibt es nicht auf anderen Plattformen und auch nicht im Backwarts-Compatibiility-Programm von MicroSoft. Vor allem aber: Musikspiele! Sowas wie „Guitar Hero“, „Lips“ und „Rock Band“. Diese Spiele waren von 2008 bis 2011 aktuell (Wir nannten es Plastik Rock) und brachten eigene Hardware mit (dieses Blog wurde sogar berühmt wegen der Kompatibilitätslisten), in meinem Fall brauche ich aber zwingend eine 360 zum Spielen.

Nun fiel aber meine alte Xbox 360 von 2009 langsam auseinander, der HDMI-Ausgang ist wackelig, Audio gab es gar nicht in digital und WLAN hatte die auch noch nicht. Das bringt das E-Modell alles mit, inkl. einer 500 GB Festplatte, auf der die ganzen Musikspiele auf einmal Platz haben.


Ding des Monats:
Viele schöne und nützliche Dinge zu Weihnachten geschenkt bekommen. Danke an Alle Schenker:innen!


Archiv Momentaufnahmen ab 2008

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Momentaufnahme: November 2022

Herr Silencer im November 2022

Worte des Monats: „London wurde vom Geld verwüstet“ – Annette Dittert

Wetter: Anfang des Monats nachts wie Tags bei 8 Grad, trocken, heiter bis wolkig. Mitte des Monats Kälteeinbruch mit 15 Zentimeter Schnee und Temperaturen zwischen -8 und -3 Grad. Das Monatsende dümpelt bei feucht-klammen 3 bis 7 Grad. Regen gibt es selten, aber wenn, dann heftig.


Lesen:

Jasper Fforde: One of our Thursdays is missing
Die fiktionale Thursday Next hat es zwar nicht zur Jurisfiction, der Ordnungsbehörde der Buchwelt, geschafft, aber immerhin spielt sie nun die Hauptrolle in den Thursday-Next-Bücher. Doch dann geschehen seltsame Dinge, Bücher lösen sich auf und die Romanfigur beschleicht ein übler Verdacht – ist ihrer Vorlage in der realen Welt etwas Schlimmes passiert?

Band fünf der vierbändigen Trilogie um Thursday Next. Dieses Mal mit starkem Fokus auf die Buchwelt, und insbesondere deren technischen Aspekte. Leider überspannt Fforde den Bogen etwas. Was in den Vorgängerbänden immer wieder für Staunen und Schmunzeln sorgte, steht hier im ersten Drittel des Buches so im Fokus und wird in dermaßen kleine Details seziert, dass es nicht mehr nett zu lesen ist. Dafür schleppt sich der Plot qäualend langsam dahin. Liest sich wie eine Auftragsarbeit oder ein Money Grab.


Hören:


Sehen:

Wednesday [Netflix]
Wednesday Addams ist Teil einer makabren Familie. Als die Teenagerin Piranhas im Becken der Schwimmmannnschaft aussetzt, fliegt sie von ihrer Highschool. Ihre Eltern melden sie daraufhin in „Nevermore“ an, einer speziellen Schule für Werwölfe, Vampire und Sirenen. Plötzlich ist Wednesday, die ewige Außenseiterin, die Normalste – eine Rolle, mit der sie nicht ganz klarkommt. Dann sterben Mitschüler.

Ich konnte mit der „Addams Family“ nie viel anfangen. Vom verrückten Onkel Fester bis zum eiskalten Händchen war das immer bestenfalls lauwarmer Grusel mit flachem Humor. Wirkte alles aus der Zeit gefallen, und das ist kein Wunder: Die „Addams Family“ entstand 1938 als Comic und hatte seine Hoch-Zeit in den 50ern und 60ern mit einer piefigen TV-Serie. Die beiden Kinofilme von Anfang der 90er waren auch nur leidlich unterhaltsam, und „Wednesday“ habe ich eigentlich nur eingeschaltet, damit ich was habe, zu dem ich einschlafen kann.

Dazu kam es dann nicht, denn „Wednesday“ ist etwas ziemlich besonderes. Tim Burton, der auch Regie führt, fährt hier eine spannende Who-Dunnit-Geschichte mit Monstereinschlag auf, vermixt mir Coming-of-Age Story in einem Bizarro-Hogwarts, in dem schon mal „Paint it Black“ von den Stones vom Dach eines Schulgebäudes und auf einem Cello intoniert wird:

Und dann diese Besetzung! Catherine Zeta-Jones als Morticia Addams, Gwendoline Christie als Schulleiterin und die 90er-Jahre-Wednesday Christina Ricci sind einzeln schon eine Schau, aber zusammen ein fantastisches Ensemble. Allein schon wenn die 1,52m große Ricci neben der 1,91m-Frau Christie steht, ist das faszinierend. Den Vogel schießt Jenna Ortega als Wednesday ab. Ihr nimmt man den Teen, der erfahren im Umgang mit Skalpellen und Leichen, aber unerfahren in Sachen zwischenmenschlicher Kommunikation ist, in jeder Szene ab. Ganz großes Guckvergnügen, das in keiner Sekunde altbacken oder bieder ist.

Top Gun: Maverick [2022, Bluray]
Die US Navy steht vor einem absurden Bedrohungszenario, das sich nur lösen lässt, wenn ein uralter Jet von einem durchgeknallten Scientologen geflogen wird. Ein Job für Tom Cruise und seine alte F-18!

Braucht es 37 Jahre nach dem ersten „Top Gun“ eine Fortsetzung? Natürlich nicht, und ich hielt die Idee für bescheuert. „Top Gun“ war ein Kind seiner Zeit, mit Flieger-Porn, Machismo und 80er-Jahre-Drama. Ich habe den Film damals geliebt und x-Mal gesehen, aber hey, ich war erst 10 Jahre alt und habe die Kriegsverherrlichenden Aspekte schlicht nicht geblickt.

Nun also „Maverick“, der von Kritikern wie Fans als „perfektes Sequel“ bejubelt wird. Tatsächlich zupft der Film heftig an den Nostalgienerven. Musik, Bilder, Farben, Storybeats – vieles ist praktisch so eins zu eins vom Vorgänger übernommen, dass man wohlig seufzt und gleichzeitig denkt: „Wie dreist kann man bei sich selbst klauen?“

Darauf ruht man sich aber nicht aus. Neu hinzu gekommen sind Figuren wie Jennifer Connellys Barkeeperin, die arg konstruierte Mission, die letztlich dem Kampf um den Todesstern nachempfunden wurde, und echte Flugszenen. Gerade die Flugszenen kommen wuchtig rüber, und ich kann schon verstehen, dass es einen in den Sitz drückt. „Maverick“ funktioniert über die bewährte Mischung aus Rogue-Action, Fliegerporn und spannende Inszenierung. Das ist auch wirklich gut gelungen und überdeckt für die Länge des Filmes, wie absurd die Geschichte ist. Oder anders: Top Gun 2 ist ein Beispiel dafür, wie unterhaltsam ein guter Plot sein kann, selbst wenn die Story banal bis nahezu nicht vorhanden ist.


Neues Spielzeug:

Eine Nintendo Switch, das neue OLED-Modell in schickem Weiß.

Seltsames Ding. Die Ergonomie ist eine Frechheit, als Handheld ist sie zu groß und arg schwer, die Joycons um der Symetrie willen so gestaltet, das der Bedienkomfort meilenweit von der eines Dualsense oder XBOX-Controller entfernt ist. Das Display ist trotz OLED nicht besonders gut, das kann jedes höherpreisige Handy besser.

Als stationäre Konsole ist sie arg spartanisch. Die Rechenleistung ist läppisch, die maximale Ausgabe ist 1080P, die meisten Games sehen aus wie auf der Playstation 3 von 2006. Apps gibt es so gut wie keine, nicht mal Streamingsender kann die Switch. Vor allem aber: Was ist mit den Buttons los?

Egal ob XBOX oder Playstation, das Buttonlayout ist bei diesen Konsolen immer Y-B-A-X – warum zum Geier macht Nintendo daraus X-A-B-Y? Diese Belegung ist genau umgekehrt, statt Dinge zu bestätigen, breche ich auf der Switch ständig Vorgänge ab. Warum, Nintendo, warum???

Ich bin allerdings nicht Zielgruppe der Switch. Ich spiele unterwegs nicht, und die ganzen Mario-, Yoshi und andere Süßkramspielchen sind nichts für mich. Warum ich sie dennoch gekauft habe? Mangelnde Impulskontrolle: Beim Neffen in der Hand gehalten und haben gewollt, nachdem ich schon einige Zeit mit einer gebrauchten Switch geliebäugelt habe, denn immerhin ist sie das einzige System, auf dem es „Ringfit“ und „Bayonetta“ gibt.

Mal gucken, ob ich abseits davon noch weitere Games finde, die ich darauf spielen möchte. Falls nicht, wird die wieder verkauft und ich kehre ich zur Playstation Vita zurück: Die ist zwar schon 10 Jahre alt, hat aber ein feines Portfolio, übertrumpft in Sachen OLED-Brillanz locker die Switch und hat auch ansonsten technisch wesentlich mehr auf dem Kasten (AR, zwei Kameras, Rückseitiges Touchpad, ordentliche Sticks, ergonomisches D-Pad!) als das Nintendo-Handheld.

Spielen:

Ring Fit Adventures [Switch]
Spieler findet in einem Wald einen magischen Ring, aus dem versehentlich ein böser Drache entweicht. Der ist Bodybuilder und terrorisiert fortan ganze Landstriche. Um dem ein Ende zu bereiten, muss der Spieler zusammen mit dem Ring die Schergen des Drachen besiegen – mittels Sportübungen.

Ich hätte es ja nicht gedacht, aber ich vertraue Kradblatt-Marcus. Der schwört auf „Ring Fit Adventures“, und das zu recht: Es ist großer Spaß. Man schnallt sich einen der beiden Controller der Switch ans Bein, der andere kommt in einen stabilen Kunststoffring, der dem Game beiliegt. Und dann heißt es: Bewegung!

Schon um die Spielfigur auf dem Bildschirm durch die Landschaft zu bewegen, muss man als Spieler auf der Stelle joggen. Begegnet man Monsterchen des bösen Drachen, gilt es die mittels Armpressen, Situps oder Yogaübungen zu besiegen. Das ist ebenso witzig wie motivierend – und durchaus anstrengend.

„Ringfit“ ist nun nichts, was echtes Training ersetzen kann – aber es ist eine nette Ergänzung und für Schreibtischtäter für mich die Motivation, sich wenigstens mal 15 Minuten am Tag zu bewegen – so lange dauert in etwa ein Level. Ich langweile mich ja beim Sport superschnell, deshalb ist die Gamification hier genau das richtige für mich. Das Game ist wirklich, wirklich gut gemacht, lediglich die vielen Einblendungen mit Gesundheitstips nerven. Trotzdem: Danke an Marcus für den Tip!

Bayonetta 2 [Switch]
Bayonetta ist eine Umbra-Hexe, steht mit Dämonen im Bunde und gehört damit einer Fraktion an, die gebraucht wird, um das Universum im Gleichgewicht zu halten. Das ist mal wieder in Gefahr, weshalb sie erst Reihenweise Engel verhauen, dann in die Hölle hinabsteigen muss muss.

Der erste „Bayonetta“-Teil erschien 2009 auf der XBOX 360. Dort fand er eine treue Fangemeinde und heimste begeisterte Kritiken in der Presse ein, ein großer kommerzieller Erfolg war das Prügelspiel aber nicht und wurde folgerichtig nicht fortgesetzt.

Bis 2014 Nintendo ein Exclusive für Erwachsene für die WiiU wollte und das Studio Platinum Games so lange mit Geld bewarf, bis die einen zweiten Teil entwickelten.

Eine Gewaltorgie rund um eine hypersexualisierte Figur, die sogar nackt wird, sobald sie einen Zauber wirkt, ausgerechnet auf der Familien-Knuddel-Konsole? Das ging wieder wirtschaftlich komplett schief, denn Bayonetta hat CoreGamer als Zielgruppe, und die wurden von der WiiU genau nicht abgeholt.

Abseits des verfehlten „Kenne Deine Zielgruppe“ der Nintendo-Manager ist B2 auch als Spiel leider eine Enttäuschung und in allen Bereichen schlechter als der Vorgänger. Das Kampfystem ist überladen, die Kämpfe hektisch und so unübersichtlich, dass man die Hälfte der Zeit vor lauter Wuselei und Spezialattacken einfach nicht sieht, was auf dem Bildschirm passiert. Es gibt auch keinerlei Hinführung an das Kampfsystem, was bei ungeübten Leuten wie mir schnell zu hektischem Button-Mashing führt, was nichts bringt und zusammen mit dem hohen Schwierigkeitsgrad schnell in Frust mündet.

Vermutlich kann man mit sehr, sehr, sehr viel Übung das Ganze irgendwann so beherrschen, dass man die Kämpfe nicht nur überlebt, sondern auch Spaß dran hat – aber ich habe da keine Zeit oder Muße für. Immerhin gibt es einen Anfängermodus. Der ist dann aber gleich so einfach, das er überhaupt keinen Spaß macht.

Storytechnisch ist hier teilweise etwas mehr Stringenz als in Teil 1 drin, dafür nerven ausnahmslos alle Nebencharaktere. Immerhin: Die Downloadversion von B2 für die Switch hat den ersten Teil von Bayonetta kostenlos mit an Bord – und der lohnt sich.

Mafia Definitive Edition [2019, PS4]
New york in den 1930er Jahren: Tommi di Angelo ist einfacher Taxifahrer. Eines Nachts springen zwei Gangster in seinen Wagen, die auf der Flucht vor einer verfeindeten Gang sind. Di Angelo gerät zwischen die Fronten und schließt sich einer Gang um den „Restaurantbesitzer“ Don Salieri an. Fortan gehören Autodiebstahl, Schutzgelderpressung und schließlich sogar Auftragsmorde zu Tommis Job – bis er beim Don selbst in Ungnade fällt.

„Mafia“ ist die Art von Open-World, die ich liebe. Es gibt eine komplette Stadt, aber die ist nicht vollgestopft mit Nebenaufgaben und Gedöns, in das man 100 Stunden Lebenszeit investieren muss. Nein, hier ist die offene Welt lediglich eine Kulisse, in der ganz stringent von einem Storykapital zum nächsten gesprungen wird. Die Geschichte steht im Vordergrund, und wird sehr clever und in verschachtelten Rückblenden erzählt, wie ein 10 Stunden langer Mafiafilm.

Das Spiel selbst ist schon 20 Jahre alt, aber dieses Remake aus 2020 hat außer der Geschichte wenig mit der PS2-Version gemein. Die Grafikengine und das Beleuchtungsmodell sind auf ziemlich neuem Niveau, die Zwischensequenzen wurden mit Motion Capturing neu gedreht und die Sprachausgabe komplett neu eingesprochen.

Lediglich der Schwierigkeitsgrad, im Original als legendär schwer berüchtigt, ist nach wie vor auf 90er-Jahre-Niveau. Aber das lässt sich zum Glück runterregeln. Es ist keine Schande, „Mafia“ auf „Easy“ zu spielen. Auf normalem Schwierigkeitsgrad sind die Gegner nämlich Bulletsponges und halten bis zu drei Kopfschüssen aus, und Zeitlimits für Missionen sind viel zu eng.

Apropos Zeitlimits: Neben denen gibt es noch weitere Missionsdesigns aus der Spieledesignhölle, u.a. müssen Autorennen gegen fiese Computergegner mit dem ersten Platz absolviert oder verwundbare Ziele eskortiert werden. Kotz im Strahl!

Trotzdem ist „Mafia“ ein tolles Spielerlebnis, wegen der sehr guten Geschichte – und weil es nicht lang genug ist, um zu nerven.

Mafia II [XBOX 360, 2009]
1945: Vito Scarletta kommt aus dem zweiten Weltkrieg zurück und findet seine Familie in New York hoch verschuldet vor. Um die Schulden begleichen zu können, arbeitet er für die örtliche Mafia – und wird prompt geschnappt und wandert für 10 Jahre in den Bau. Als er wieder herauskommt, ist die Welt eine andere. Die Kriegswirtschaft ist vorbei, jetzt geht es um Rock´n Roll und Petticoats.

Auch hier wieder: Die Stadt ist Kulisse für einen relativ gradlinigen Shooter, der als Besonderheit eine filmische Inszenierung mitbringt. Leider ist die Geschichte arg in unzusammenhängende Episoden zerstückelt und geht nie in die Tiefe, weshalb die Charaktere blass bleiben und schnell vergessen sind. Besonders unbefriedigend ist das offene und abrupte Ende.

Gänzlich sparen kann man sich die DLCs „Jimmys Vendetta“ und „Joes Adventures“, die patchen quasi nur Open-World-Krempel ins Hauptspiel oder bringen Missionsdesigns aus der Hölle zurück (Verfolgungsjagden unter Zeitdruck und so Unfug)


Machen:

  • Rücken haben

Ding des Monats:


Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Kategorien: Momentaufnahme | 7 Kommentare

Momentaufnahme: Oktober 2022

Herr Silencer im September 2022

Wetter: Anfang bis Mitte des Monats tagsüber um die 15 Grad und sonnig, nachts 4 bis 1 Grad. Dann kommt der Sommer zurück. Zweite Monatshälfte auch Nachts meist zweistellig warm, tagsüber noch bis 20 Grad. Heizung bleibt aus!


Lesen:

Jasper Fforde: First Among Sequels
Thursday Next hat mal wieder Herausforderungen. Zwar arbeitet sie offiziell nicht mehr für die Literaturpolizei, aber hinter dem Rücken ihrer Familie unternimmt sie doch noch Reisen ins Innere von Büchern. Dort findet sie Sonden, die der (wieder) böse Goliath-Konzern dort hingeschickt hat. Außerdem drohen fleissige Multiversumsersionen ihres Sohnes Friday die ranzfaule Version umzubringen, die bei ihr zu Hause den Tag verschläft, weil sonst nächsten Samstag die Welt endet. Alles wie immer!

Nicht mehr ganz so unterhaltsam wie die ersten drei Bände, aber immer noch skurril und voller toller Einfälle. Kurzweilig.

Jeremy Clarkson: ´Til the Cows Come Home
Das zweite „Diddly Squat“-Buch, gesammelte Kolumnen aus Clarksons Jahren zwei und drei als Farmer. Zeigt wortgewaltig und witzig die Probleme eines Bauern in England, der von der Politik im Stich gelassen wird: Die britische Regierung kompensiert die weggefallenen EU-Förderungen nicht, schließt dafür aber Freihandelsabkommen mit Australien. Die Folge: Der Brexit-Markt nun mit Billigfleisch überschwemmt, britische Landwirte sind nicht mehr konkurrenzfähig. Dem lapidaren Rat der Tory-Regierung, dass die Bauern sich halt breiter aufstellen müssten, wirken in der Realität die (Tory)-Stadträte entgegen, die jegliche Veränderung – und sei es nur ein Café auf dem Bauernhof – verhindern.

Wenn man Clarksons Kolumnen schon länger verfolgt, stellt man in diesem Buch zwei bemerkenswerte Dinge fest. Erstens: Der erzkonservativ-liberale Autor verliert den Glauben an seine Tories und bemerkt, dass erstarrter Konservatismus toxisch ist. Zweitens: Clarkson macht sich jetzt ernsthaft Sorgen um den Zustand und die Zukunft der Welt. Beängstigend, denn Clarkson hat in der Vergangenheit nie etwas ernst genommen.


Hören:


Sehen:
Nostalgiemonat bei Herrn Silencer.

The Expendables 1-3 [2010, 2012, 2014, BluRay]
Sylvester Stallone ist Chef einer Söldnergruppe. Die besteht u.a. aus Arnold Schwarzenegger, Chuck Norris, Jason Statham, Jet Li, Dolph Lundgren, Bruce Willis, Terry Crews und anderen, die in völlig egalen Stories gegen Mel Gibson, Eric Roberts oder Jean Claude Van Damme antreten.

Resteverwertung von allem, was im Actionkino der 1980 bis 2000er-Jahre Rang und Namen hatte, das ist das Konzept. Die alten Haudegen werden in möglichst absurden over-the-Top-Actionszenen noch einmal auf die Leinwand zu gezerrt und mit selbstironischem Humor garniert. Natürlich ist das alles völlig Banane – Story gibt es hier nicht, und in der Summe ist das alles einfach Quatsch – aber wenn Chuck Norris als wandelnder Chuck-Norris-Witz auftritt und alles einfach Bumm macht, dann ist das schon sehr spaßig.


The Transporter 1-3 [2002, 2005, 2008, BluRay]
Jason Statham fährt Dinge von A nach B, meist ohne Umweg über C. Die Dinge sind oft illegal, und um damit klar zu kommen hält er sich streng an seine selbst gesetzten Regeln, außer in den Fällen, wo er es nicht tut. Dann gibt es meist Ärger, der sich nur durch Autofahren beheben lässt.

Storytechnisch absurd bis dumm, Autostunts auf „Alarm für Cobra 11“-Niveau, das ist Luc Bessons „Action made in Europe“. Ich mag die Filme trotzdem, wegen der Schauplätze (Südfrankreich!) und der Schauspieler. Der ehemalige Kunstturmspringer(!) Statham macht sich gut als grimmer Actionheld, und die weiblichen Hauptrollen sind auch nicht aus der Beliebigkeitsmaschine gefallen.

Taxi 1-5 [1998, 2000, 2003, 2007, 2018, BluRay]
Daniel weiß alles über Autos und wäre gerne Rennfahrer, seiner Maman zu liebe ist er aber Taxifahrer in Marseille. Immerhin hat er es sich nicht nehmen lassen, sein Taxi zum Rennwagen zu pimpen. Aufgrund seiner Skills muss er aber immer wieder dem Polizisten Emilien helfen. Der ist zwar clever, kann aber gar nicht Autofahren.

Ach ja, das waren unschuldige Zeiten, in denen dieser harmlose Frankreich-Spaß entstanden ist. „Taxi“ ist wieder mal Luc Besson, der eine seiner zwei Storyideen (Mann fährt Dinge von A nach B ODER knochiges Model wird Geheimagentin) verwurstet. Wieder mal gibt es Cobra-11-Niveau und hahnebüchenen Storyunsinn mit albernen Gags („Ninja!“ -„Dingsda!“).

Aber: Es gibt auch wieder coole und liebenswerte Charaktere und gute Schauspieler (Samy Naceri! Emma Sjöberg! Marion Cotillard!). Heimliche Hauptdarsteller sind das Taxi und die Stadt Marseille. Die Filme sind auch nach 25 Jahren noch kurzweilig und unterhaltsam, ohne peinlicher zu sein als damals, und das ist mehr, als man über viele Filme aus der Zeit sagen kann.

Ausnahme ist der 5. Teil, das Reboot von 2018 ist so schlecht, das es körperlich weh tut. Von der alten Besetzung ist nur noch das Taxi und Marseille übrig, statt Charme gibt es hier Pipikaka-Humor garniert mit Bodyshaming, Rassismus und Mobbing. Das ist nicht lustig, kommt aber dabei raus, wenn man ein Vin Diesel-Lookalike das Drehbuch schreiben, Regie führen und die Hauptrolle spielen lässt. Das wirkt in Summe, als hätte man den lieblosen Quatsch nur gemacht, um die Namensrechte nicht zu verlieren.


Spielen:

Stray [2022, PS5]
Eine kleine Katze fällt bei einem Streifzug durch eine menschenleere Welt in ein Rohr und findet sich unversehens in einer unterirdischen Stadt wieder. Die wird von Robotern bewohnt, die menschliche Verhaltensweisen imitieren, und das das anscheinend schon seit Jahrhunderten. Die Katze versucht wieder aus der Stadt herauszukommen, und schließt dabei Freundschaft mit einigen der Maschinenwesen und einer kleinen KI, die auf der Suche nach ihren Erinnungen ist.

Ach, das ist nett. „Stray“ ist kein „Spiel mit Katze“, sondern ein echtes Katzenspiel. Will meinen: Hier hat man nicht einfach bloß einen Katzen-Avatar in ein beliebiges Spiel gesteckt, sondern wirklich die Welt und das Gameplay rund um eine Katze und ihre Fähigkeiten designt. Zumindest zum größten Teil, einige Elemente, wie das Inventar, werden mit SciFi wegerklärt, aber ansonsten ist hier alles sehr katzig. Es gibt eine Taste zum Miauen, man kann sich auf Personen und Kissen zusammenrollen und einschlafen, sich in Kartons verstecken, Gegenstände von Tischplatten pföteln oder die Krallen an Türen und Sofas wetzen.

Die Animationen sind super, und auch wenn Entdeckung oder Rätseln hier nicht an erster Stelle stehen und alles recht linear ist, macht es Spaß, als Katze durch die Gegend zu stromern. Die Grafik ist hübsch, und sehr cool ist das haptische Feedback. Keine Ahnung wie das genau gemacht wird, aber die Zurg, kleine, sind mit ihren wuseligen, weichen Eigenschaften im Controller spürbar.

Das gameplaytechnisch alles sehr simpel gehalten ist, macht dabei nicht viel aus, denn das Spiel ist mit rund 6 Stunden zu kurz, um repetitiv oder nervig zu werden.

A Plague Tale: Requiem [2022, PS5]
Mittelalter: Pestratten überfallen ganze Städte und scheinen dabei einem kleinen Jungen zu folgen, der schwarze Male am Körper trägt. Seine 14jährige Schwester Amicia versucht ihn schützen – vor den Ratten, der Inquisition und einem seltsamen Geheimorden, und ein Heilmittel für die Male zu finden. Die beiden fliehen nach Südfrankreich. In Arles scheint die Welt noch in Ordnung, aber das bleibt leider nicht so.

Ich mochte den ersten Teil, das 2019 erschienene „A Plague Tale: Innocence“, sehr – das war sogar mein Spiel des Jahres. Die Geschichte um Amicia, die erst langsam ihren entfremdeten, kleinen Bruder kennenlernt und ihn schließlich beschützt, war gut geschrieben und schön umgesetzt – zumal für eine Double-A-Produktion, die damals das erste, eigenständige Werk eines französischen Studios war, das vorher quasi niemand kannte.

Den Vorgänger sollte man auch zwingend gespielt haben, denn „Requiem“ setzt die Geschichte der Geschwister nahtlos fort, ohne viel zu erklären. Das ist schade, denn der Einstieg ist zwar rasant, das erste Drittel des Spiels dann aber doch etwas träge und nur eine Variation der aus „Innocence“ bekannten Themen und Mechaniken. In Schleichpassagen gilt es, Soldaten aus dem Weg zu gehen, während Unmengen von bissigen Ratten für Rätseleinlagen herhalten müssen. Das ist manchmal etwas langatmig und hätte m.E. ohne Verlust stark gekürzt werden können.

Erst ab der Hälfte der rund 18 Stunden Spielzeit gibt es neue Elemente und signifikante Charakterentwicklungen, und dann dreht auch die Geschichte auf und wird spannend und gut und ebenso rührend wie brutal – manche Rezensionen vergleichen „Requiem“ mit „The Last of Us, Part II“ und dem „Tomb Raider“-Reboot.

Das ist natürlich im Detail Quatsch, aber ich kann verstehen, wie man zu dem Vergleich kommt. Alle Spiele haben weibliche Hauptfiguren, die keine Power-Fantasy ausagieren, sondern durch ihre (erkennbar falschen) Entscheidungen in großes Leid gezwungen werden und dadurch eine Charakterentwicklung durchmachen. Zudem sind Tonalität und emotionale Investition bei allen Spielen ähnlich.

Abseits davon hat mich immer wieder die Grafik erstaunt. Egal ob die Klippen der Mittelmeerküste, das belebte Arles oder eine bunte Mittelmeerküste – alles ist wunderschön in Szene gesetzt, die mit Photogrammetrie erstellten Texturen sehen fantastisch aus, und die Details und die Beleuchtung sowie die Effekte in der proprietären Engine kommen fast auf das Niveau des Decima-Frameworks von „Horizon“. Noch besser wird es in den Zwischensequenzen, die einfach nur fantastisch inszeniert sind und noch besser aussehen.

Lediglich während der Gamepassagen sind die Gesichter der Figuren sind unbeweglich und tot. Dafür gibt es mehr Ratten: Waren im Vorgänger bis zu 50.000 Viecher gleichzeitig am Start, fluten nun regelrechte Tsunamis aus angeblich bis zu 300.000 Rattenleibern die Sets, mit ganz eigener Physik und Dynamik. Auch wenn diese Massenszenen auf der PS5 manchmal zu Framerateinbrüchen führen, ist das ebenso faszinierend wie widerlich anzusehen.

Apropos PS5: Auch „Requiem“ nutzt das haptische Feedback des Dualsense Controllers. Man spürt Anstrengungen der Protagonisten – und die Ratten. Das ist schon sehr eklig. Aber Cool. Aber eklig.

In der Summe ein sehr gutes Spiel und das beste Action-Adventure, das ich in diesem Jahr bislang gespielt habe. Offen bleibt lediglich die Frage, warum Amicia jetzt plötzlich wie Natalie Portmann aussieht, aber meine Güte, es gibt sehr viel Schlimmeres.


Machen:

Tour mit der Barocca, um den Sommer verlängern. Spart Heizkosten.


Neues Spielzeug:

Auto und Motorrad in der Werkstatt, da bleibt kein Geld für Spielzeug 😦


Ding des Monats:

Ein TP-Link TL-WR902AC750 Nano-Router. Die Streichholzschachtelgroße Kiste ist Router, Accesspoint und Client für WLAN. Hängt jetzt am LAN-Port des neue Rechners, der nur begrenzt mit WLAN-Stricks arbeiten wollte.


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Momentaufnahme: September 2022

Herr Silencer im September 2022

Wetter: In der ersten Woche noch sommerlich, aber ab der zweiten ist der Herbst deutlich zu merken: Es wird kühler. Nachts noch neun Grad, tagsüber noch um die 20. Ein paar Tage Regen. Ende des Monats schon Temperaturen um die null Grad.


Lesen:

Jasper Fforde: Lost in a Good Book und The Well of Lost Plots und Something Rotten [2002, 2003, 2004 Kindle]

Die Polizistin Thursday Next hat viele Probleme: Jemand versucht sie mittels unglaubwürdiger Zufälle umzubringen, ihr Ehemann wurde aus rein geschäftlichen Gründen aus der Zeitlinie entfernt und ihr Dodo hat ein Ei gelegt. Zum Glück kann Thursday in Bücher hineinspringen und mit den fiktionalen Charakteren interagieren. So versteckt sie sich in einem Groschenroman, arbeitet für Jurisfictom, die Polizei in der Buchwelt und bereitet dort eine Strategie vor, um mit Superschurken, Megakonzernen und Mutterschaft fertig zu werden.

Das hier ist Peak-Fforde: Eine fantastische Welt und viele tolle Einfälle, locker von einer Rahmenhandlung zusammengehalten. Allein schon die Idee, dass Bücher ein eigenes Betriebssystem haben und untereinander verbunden sein können ist großartig, vollends super wird es dann, wenn eine Superschurkin mittels verminderter Entropie Morde begeht oder die Charaktere der fiktionalen Welt über das „Footnoterphone“ kommunizieren und das tatsächlich in den Fußnoten des Buches tun. „Lost in a good Book“, „Well of Lost Plots“ und „Something Rotten“ erzählen eine durchgehende, wendungsreiche und spannende Geschichte. Plock.


Hören:


Sehen:

Auf der Jagd [1998, Bluray]

Wesley Snipes ist ausgebüchst, Tommy Lee Jones versucht ihn wieder einzufangen. Ihm zur Seite: Robert Downey Jr.

Ah, diesen Film gucke ich immer wieder gerne. Es ist eine Fortsetzung zu „Auf der Flucht“, nur das hier nicht Dr. Kimble durch die Szenerie stolpert. Tommy Lee Jones gibt hier wieder Sam Gerard, den unbarmherzigen Deputy des US-Marshall-Service, der schon Harrison Ford das Leben schwer machte und der sich wie ein Bluthund an die Fährte der Flüchtigen heftet.

Was ich an dem Film so mag ist die Tatsache, dass in dem nicht überkomplexen Plot ausnahmslos alle Figuren schnell, clever und überaus kompetent agieren. Niemand ist hier unfähig oder ein wenig dumm. Der Flüchtige, die Verfolger, die Bösewichte – alle haben nachvollziehbare Motive und handeln intelligent, und es ist ein Genuss, den bis in die Nebenrollen hinein wirklich guten Schauspielern bei der Arbeit zuzusehen. Der Film ist hervorragend gealtert und immer noch spannend.

Fun Fact: Die Figur des Sam Gerard war tatsächlich lange Zeit mein Role-Model was Führung angeht.


Spielen:

The Last of Us, Part I [2022, PS5]
Ausführliche Rezension des Originals HIER.

Die 2022er Neuauflage für die PS5 ergänzt diesen Meilenstein der Videospielgeschichte um bessere Grafiken. Den Charakteren kann man die Emotionen jetzt an den Auge ablesen, was die emotionale Wucht dieser sehr fordernden Geschichte unterstreicht. „The Last of US“ ist auch in der PS5-Variante und mit dem Zusatz „Part I“ ein verdammtes und sehr mitnehmendes Meisterwerk.


Machen:

Tour mit der Barocca, um den Sommer verlängern. Spart Heizkosten.


Neues Spielzeug:


Ding des Monats:


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Momentaufnahme: August 2022

Herr Silencer im August 2022

Wetter: Anfang des Monats leichte Abkühlung und danach nur noch angenehm warm, aber schon in der zweiten Woche kommt die nächste Hitzewelle. Die letzten Tage wird es merklich kühler, mit 9 bis 24 Grad, regnen tut es aber die ganze Zeit über nicht.

Der schlimmste Dürresommer seit 500 Jahren, sagt man. Selbst große Flüsse führen kaum noch Wasser, Hungersteine – die ich bis dato gar nicht kannte – kommen zum Vorschein. Atomraftwerke können nicht mehr gekühlt werden, zu Kohlekraftwerken fahren keine Schiffe mit Kohle, und Wasserkraft – naja, man kann es sich denken.


Lesen:


Hören:


Sehen:

The Sandman [2022, Netflix]
England, 1916: Roderick Burgess ist ein selbsterklärter „Magus“, der – ähnlich wie Aleister Crowley – okkulte Rituale durchführt. Sein Ziel: Er will den Tod gefangen setzen. Durch Zufall gerät er in den Besitz eines echten Bannspruchs, und nach einer theatralischen Beschwörung materialisiert sich eine hagere, bleiche Gestalt im Bannkreis – aber es ist nicht Tod, sondern ihr jüngerer Bruder: Traum.

105 Jahre bleibt Morpheus, der Herr des Traumreiches, im Keller des Burgess´schen Herrenhauses gefangen. Seine Abwesenheit hat schlimme Folgen für die Welt: Eine „Schlafkrankheit“ breitet sich aus, Menschen können nicht mehr richtig träumen oder verlieren sich ihnen.

Als der Herr der Träume im Jahr 2022 endlich freikommt, hat er viel zu tun. Er muss wieder zu Kräften kommen, die Schäden im Traumland reparieren und entflohene Albträume einfangen. Und dann gibt es noch ein weiteres Problem: Ein junges Mädchen wird zu einem Vortex, einer Entität, die die Grenzen zwischen Träumenden einreißen und so das Universum vernichten wird. Es ist Traums Pflicht, das Mädchen zu töten.

„Every Frame a Picture“ hat selten so gestimmt wie bei dieser Serie. Beinahe jede Szene könnte man als Standbild ausdrucken und als Gemälde an die Wand hängen. Noch schöner: Die Geschichte zwischen den Standbildern ergibt einen Sinn! Dabei galt die Vorlage, die zwischen 1989 und 1996 entstandene Comicreihe, eigentlich als unverfilmbar. Viele, viel komplexe Geschichten werden darin auf über 2.000 Seiten erzählt, und oft ist Traum – der ernste, stoische, immer schlecht gelaunt wirkende Herr der Träume, nur ein stiller Beobachter, eine Nebenfigur oder ein Katalysator der Ereignisse.

Das greift die Serie wunderbar auf. Nachdem die erzählerischen Fundamente in den ersten vier Folgen gelegt sind, wagt man sich schon ab der fünften Episode an Nebengeschichten wie die von Hob Gadling, der sich über die Jahrhunderte alle 100 Jahre mit Traum in einem Pub in London trifft. Ab Folge sieben gibt es dann einen neuen Story-Arc, und ich hoffe, dass „Sandman“-Neulinge davon nicht überfordert sind – für mich als Kenner der Bücher ergibt das alles einen Sinn.

Die Erzählung der Serie ist dem Quellmaterial wunderbar nachempfunden. Die Macher:innen haben eines verstanden: Auch wenn die Vorlage als Graphic Novel schon ein stark visuell ist, so reicht es nicht, einfach exakt deren Bilder und Dialoge in das Medium Film zu übertragen. Zac Snyder hat das nie verstanden, und das ist der Grund warum sich seine Comicverfilmungen, von „300“ über „Watchmen“ bis hin zu „Batman v. Superman“ so seelenlos und schlecht anfühlen.

Nein, „Sandman“ ist eine Interpretation der Essenz der Comics, und Neil Gaiman selbst hat darauf geachtet, dass die Drehbuchautor:innen den Geist der Vorlage transportieren, ohne eine (zwangsläufig schlechtere) 1:1-Kopie zu sein.

Dazu kommt ein fantastischer Production Value. Echte Sets, dazu ein großartiger Cast – allein Stephen Frey als „Gilbert“ oder Mark Hamill als Kürbis sind eine Schau, aber Tom Sturridge als Traum, Boyd Holbrook als Corinthian und Vanesu Samunyai als Rose Walker rocken alles weg. Und bei der Performance von Kirby Howell-Baptiste als Tod, die in „The Sound of her Wings“ Menschen voller Mitgefühl und Liebe ins Jenseits geleitet, hatte ich ernsthaft Tränen in den Augen.

Dass der Cast divers, und das Geschlecht mancher Figuren ein anderes ist als in der Vorlage stört kein Bißchen, denn wie geschrieben: Der Geist der Vorlage findet sich wieder, überall, und was spricht dagegen die Rollen weißer Männer mit starken, farbigen Frauen zu besetzen? Lediglich die Besetzung von Lucifer ist ein Griff ins Klo. Ich liebe Gwendoline Christie, aber in dieser Rolle funktioniert die 1,91 große „Game of Thrones“-Ritterin leider gar nicht.

Was bei der ganzen Kunst ein wenig auf der Strecke bleibt ist das Pacing. Die Serie nimmt sich am Anfang wesentlich mehr Zeit, als sie tatsächlich für die Einführung in die komplexe „Sandman“-Welt bräuchte. Gerade die ersten vier Episoden verlassen sich ein wenig zu sehr auf ihre Bilder und erzählerische Dramatik missen.

Comicverfilmungen sind meistens eines von zwei Extremen: Marvel-Popcorn oder schlecht. Die hier ist keines von beiden. „The Sandman“ erzählt ernste, erwachsene Geschichten. Oft sehr unfantastisch, abgründig und geerdet, manchmal mit so fantastischen Bildern, das man sich wirklich in einem Traum wähnt.

Große Kunst – aber nicht perfekt. Manche Dinge sind zu glattgeschliffen, wie die 11. Episode um Kalliope, wo eine starke Geschichte um Mißbrauch und Vergewaltigung zu einem bloßen Gefangenendrama wird. Andere sind holprig – ab Episode 6 geht die Qualität der Effekte manchmal sehr merklich runter.

Trotzdem: Ein starker Start. Man kann hoffen, das erzählerisch in den (hoffentlich kommenden) nächsten Staffeln das Tempo etwas anzieht und man noch mutiger wird. Denn der gedruckte „Sandman“ war immer dann besonders stark, wenn es um Abgründe ging oder um Themen wir Trauer, Verlust und Suizid. Ich hoffe stark, das wird nicht des Mainstreams wegen ausgespart.

Trainwreck: Woodstock 99 [Netflix]
Dreißig Jahre nach dem Original Woodstock-Festival soll eine Neuauflage für die Massen her, optimiert auf maximalen Profit. 250.000 Menschen kommen auf eine abgelegene, ehemalige Luftwaffenbasis, aber schon am Einlass geht das Drama los: Es ist heiß, und die Besucher sollen am Eingang ihre Wasserflaschen abgeben und auf dem Festivalgelände etwas kaufen – für bis zu 12 Dollar die Flasche! Die meisten Festivalbesucher sind im Nu pleite, aber das ist nur der Anfang. Zu wenige Toiletten, schlechte Organisation und Hitze sorgen für eine aggressive Stimmung, die dann auf Wutmetal und die Partydrogen der 90er trifft. Am Ende trinken die Leute Fäkalien, reißen Bühnen ein und setzen die Anlage in Brand.

HBO-Doku, die unaufgeregt, aber eindrücklich anhand von Zeugenaussagen rekonstruiert, wie durch schlechte Planung und schlechtere Entscheidungen die Neuauflage des „Festivals der Liebe“ zu einem Albtraum wird, gegen den Sodom und Gomorrha harmlos wirken. Die Bilder von Tag drei sind wirklich apokalyptisch – die Menschen gebärden sich wie Tiere.

Everything, everywhere, all at once [2022, Bluray]
Evelyn und Waymond betreiben einen Waschsalon, was mehr schlecht als recht zum Überleben reicht. Sorgen macht sich aber nur Evelyn, ihr Mann hat Quatsch im Kopf und albert sich durchs Leben – bis er plötzlich sehr ernst und sichtbar verändert davon spricht, dass es viele Versionen von uns gibt, dieses Multiversum aber gerade in Gefahr ist und nur eine Evelyn es retten kann. Aber vielleicht nicht diese Evelyn.

Ein irrer Film, der einem ab Minute 1 hohe Konzentration abverlangt. Das Multiversum, springen zwischen Persönlichkeitssplittern, Fähigkeitentransfer dank falsch angezogener Schuhe – das hier ist ein High-Concept Film, aber anders als die Nolan-Streifen nimmt dieser hier sich nicht ernst und liefert zwischendurch auch schon mal grandiosen Quatsch.

Grandios liefern tut auch Michelle Yeoh. Die 60jähige brilliert hier in zig unterschiedlichen Rollen und springt irgendwann so schnell zwischen den Persönlichkeiten, das einem schwindelig wird. Dazu kommen wahnwitzige Actionszenen und eine Jamie Lee Curtis als übergewichtige, alte, verbitterte Finanzbeamtin/Wrestlerin.

Dagegen ist das Marvel-Multiversum ein Witz, und „Evyerthing, Everywhere, all at once“ schon jetzt mein Film des Jahres. Mit der Meinung bin ich nicht allein: Das Comdey-Drama erreicht auf Rotten Tomatoes einen Tomato-Score von 95% bei den Kritikern und 89% beim Publikum. Unbedingte Guckempfehlung.

Monty Pythons Ritter der Kokosnuss [Gandersheimer Domfestspiele]
931 nach Christus, England: Artus macht sich auf den Weg, Ritter für seine Tafelrunde zu rekturtieren und den heiligen Gral zu finden.

Sehr geile Umsetzung des bekannten Films „Die Ritter der Kokosnuss“ – Wortwitz und Situationskomik kommen auch in der Theaterfassung rüber, die zudem tolle Musicalelemente enthält. Durch eine Erweiterung ergibt die ganze Geschichte sogar deutlich mehr Sinn als die Filmvorlage. Das Ensemble spielt und singt hervorragend, besonder Miriam Schwan als Fee aus dem See ist eine Schau.

Das Bühnenbild ist leider wieder grottig. Minimalismus ist ja OK, aber kann man nicht wenigstens die gute Baumarktfarbe benutzen, damit nicht überall das Sperrholz durchscheint? Egal, „Spamalot“ ist großer, cooler Spaß.

Der kleine Horrorladen [Gandersheimer Domfestspiele]
Ein heruntergekommener Stadtteil New Yorks, in den 60ern: Der Blumenladen von Mr. Mushnik läuft schlecht. Das ändert sich, als eines Tages der leicht tolpatschige Gehilfe Seymour eine seltsame Pflanze ins Schaufenster stellt. Ab diesem Moment rennen die Kunden den Laden ein. Aber die Pflanze hat ein Geheimnis: Sie ernährt sich von Menschenfleich, und davon will sie viel.

Sehr launiges Musical. Bühnenbild ist unpraktisch, aber okay. Cast ist sehr toll und passt auf den Punkt, Highlights sind hier klar Lina Gerlitz als liebenswert-naive Audrey und Guido Kleineidam als Mr. Mushnik.

Miriam Schwan muss schon deshlab den Roswitha-Ring bekommen, weil sie hier in zig Rollen, unter anderem als lachgassüchtiger Schläger-Zahnarzt, zeigt, wie wandlungsfähig sie ist. Das Ganze ist zum Glück so straff inszeniert, das es keine Hänger gibt – 90 Minuten füllt der Stoff halt, bei mehr würde es langweilig. Und: Es ist die Fassung ohne Happy End, was sich der 1986er Film mit Rick Moranis ja nicht getraut hat.


Final Destination 1-5 [2000-2011, DVD/BluRay]
Arschloch-Teenager entkommen zunächst knapp dem Tod, aber der schmiedet neue Pläne und holt sich einen nach dem anderen.

Lebt von den absurden Todesarten, die fast an Rube-Goldberg-Maschinen erinnern. Platter und goofy Spaß. Der fünfte Teil macht einen netten Zirkelschluss zu Teil 1.

Young Sherlock Holmes – Das Geheimnis des verborgenen Tempels [1985, DVD]
London, 1890: Mehrere angesehene Männer sterben. Der Schüler Sherlock Holmes geht dem nach und findet einen ägyptischen Tempel unter London.

Ich habe diesen Film als Kind geliebt, und nach dem Anschauen weiß ich wieder warum: Er sprüht vor tollen Einfällen und fantastischen Ideen, er hat großen Respekt vor dem Quellmaterial und er nimmt seine Figuren ernst. Ja, das hier ist ein Film für Kinder, aber das hat 1985 niemanden davon abgehalten, auch gruselige oder traurige Szenen einzubauen. Die verfehlen ihre Wirkung nicht, denn ein junges Publikum merkt, wenn man es ernst nimmt und es begeistern will.

Das tut dieser Film, auch heute noch. Spannend und gruselig wird er vor allem wegen der Todesarten: Die Opfer halluzinieren, dass sie von Truthähnen, Kleidergarderoben, Kirchenfenstern(!) oder Sahnetörtchen(!!) angegriffen werden. Viele der Effekte sind praktisch und taugen deshlab auch heute noch (die Törtchen!) andere, wie der CGI-Ritter aus Glas, waren damals technologisches Neuland, was vorsichtig betreten wurde – und deshalb auch heute noch gut aussieht. Toller Streifen.


Spielen:

Resident Evil 3 [PS5]
Jill Valentine findet sich in einer von Zombies überlaufenden Stadt wieder, die in wenigen Stunden durch einen Atomschlag ausradiert werden soll. Verzweifelt sucht sie einen Ausweg und ein Heilmittel, wird dabei aber von einem unerbittlichen und unbesiegbaren Gegner verfolgt.

Wieder eine Kombination aus rätseln, gruseln und kämpfen, während ständig „Nemesis“ hinter einem her ist.
Atmosphärisch nicht ganz so stark wie der Vorgänger, aber mit mehr und größeren Schauplätzen und dramatischeren Geschehnissen. Das komplett neu gebaute Remake des im Jahr 2000 erschienenen Spiels für die PS4 bringt im PS5-Modus Raytracing mit – das sieht toll aus, ruckelt aber an einigen Stellen. Spielt aber keine Rolle: Das Gameplay entwickelt einen mächtigen Sog, und ich wollte immer wissen wie die Geschichte weitergeht. Sehr tolles Game.

Außerdem: Titanfall 2. Rezension davon hier.


Machen: Probefahrten mit V-Stroms.


Neues Spielzeug:

 

Ding des Monats:
 

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Momentaufnahme: Juli 2022

Herr Silencer im Juli 2022

Wetter: Mitte des Monats rollt eine Hitzwelle über Europa, mit Temperaturen an oder über 40 Grad. Überall Waldbrände, kein Regen. Das ist kein Spaß mehr. Letzte Woche wieder erträgliche 20 Grad.


Lesen:

Jeremy Clarkson: Can You Make This Thing Go Faster? [Kindle]
Gesammelte Zeitungskolumnen von Ex-Top Gear, Ex-Grand Tour, jetzt Farmer Jeremy Clarkson aus 2018-2020. Scharfsinnig, meist sehr lustig. So erfährt man, wie es war für „Grand Tour“ in Rohöl zu baden oder warum Fischen ein Hobby für Menschen ist, die ihre Kinder hassen. Zudem enthält das Buch eine erstaunlich präzise Vorhersage aus 2019 über das Schicksal von Boris Johnson: „Brexit wie die Tories ihn versprechen ist nicht machbar, und wenn irgendwann die Nummer des lustigen Clowns als Ablenkung nicht mehr zieht, wirst du abgesägt werden. Genieß die Zeit bis dahin, lange wird das nicht dauern.“

Was mich am meisten erstaunt hat: Clarkson hält sich selbst für eine Konservativen, der in jedem zweiten Text Jeremy Corbyn, den damaligen Labour-Chef, als Wahnsinnigen darstellt, der in Kürze den Kommunismus in UK ausrufen wird. Dabei ist Clarkson, und das schimmert immer wieder durch, im Kern ein Grüner. Interessant.


Hören:


Sehen:

Der Name der Rose [1986, BluRay]
Mittelalter: In einem Kloster sterben reihenweise Mönche. Sean Connery ermittelt.

Internationale CoProduktion! Bernd Eichinger! Sean Connery! Christian Slater! Teuerster europäischer Film aller Zeiten!

1986 bekam man sich gar nicht mehr ein, der Film löste bei Erscheinen einen wahren Mittelalter-Boom aus, in dessen Fahrtwasser die Leute wie bekloppt Mittelalterromane („Die Nebel von Avalon“ und Konsorten) und Schallplatten mit Mönchschorälen („Gregoriansche Gesänge“) kauften.

Aus heutiger Sicht ist das Werk überschätzt. Ich habe den Roman nie gelesen, weil mich Umberto Ecos all zu bemühte in-Your-Face-Parallelen (Adson = Watson, demnach William von Baskerville = Sherlock Holmes) gleich zu Beginn nervten. Viel davon wird im Film weggelassen. Ja, Setbauten und Ausstattung sind nach wie vor größtenteils toll, aber schon bei Regie und Schauspiel fängt es an auseinander zu fallen, und über mangelnde Dramaturgie, schlimmes Pacing und falsche Schwerpunkte wollen wir gar nicht erst reden. Definitiv kein Meisterwerk, aber damals zog´s halt.

Der Name der Rose [Gandersheimer Domfestspiele]
„Der Name der Rose“ ist robuster Stoff, dem kann nicht mal diese Inszenierung nachhaltig schaden – obwohl sie es wirklich versucht. Das Stück ist über weite Teile unterlegt mit dem Quäken einer einzelnen Jazzposaune, was meist mehr unpassend und nervig ist als das es das Spiel unterstreicht.

Die modernen Kostüme (eine Art Arztkittel als Mönchskutten, dazu Baseballcaps ohne Schirm) und das bis zur Unwirksamkeit reduzierte und scheddrig gebaute Bühnenbild ist leider auch keine Glanzleistung.

Es wirkt, als hätte die Inszenierung verschiedene Ideen und Ansätze gehabt, um dem Stück einen frischen Drall zu geben – und am Ende alle umgesetzt, aber jeweils nur zur Hälfte und irgendwie so lieblos, dass keiner wirklich originell ist oder funktioniert. Durch dieses sitzen zwischen Baum und Borke fallen die Längen im Stoff umso mehr auf. Das dann im Ensemble noch ein Schauspieler ist, der wie der junge Christian Slater aussieht, dessen Rolle er aber nicht spielt, weil Frauenquote – geschenkt. „Der Name der Rose“ in dieser Bühnenfassung ist eine recht lieb- und freutlose Angelegenheit, aber genau darum geht es ja im Kern der Geschichte: Der Mensch soll keine sinnlose Freude haben, und schon gar nicht lachen.

The Sadness [Prime]
Ein Virus bricht aus und verwandelt alle Menschen in blutrünstige Bestien. So weit, so Zombie. Aber hier ist es anders: Die Menschen werden nicht zu herumschlurfenden, hirnlosen Kreaturen. Sie behalten ihre höheren Hirnfunktionen, allerdings werden die neurologischen Zentren für Befriedigung und Gewalt direkt miteinander vertüddelt. Die Folge: Infizierte laben sich mit sadistischer Wolllust daran, ihre Mitmenschen auf möglichst grausame Weise zu verstümmeln, zu foltern und zu zerstückeln.

Gilt als filmisches Meisterwerk, dieser taiwanesische Bodyhorrorfilm, deshalb musste ich den leider gucken. Tatsächlich passiert hier aber nicht viel interessantes – die Seuche bricht aus, und dann sieht man einfach 100 Minuten wie Menschen böse zu anderen Menschen sind. Das kann man genauso gut im Baumarkt oder auf Facebook angucken, da gibt es nur nicht literweise Kunstblut.

Naja, im Ernst: Handlungstechnisch ist der Film Banane, und die völlig ausufernden und sehr, sehr grausamen Gewaltdarstellungen finde ich abstoßend. Für das Genre sicher sehr konsequent, von mir aber ein großes BÄH.


Phantastische Tierwesen: Dumbledores Geheimnisse [BluRay]
Dumbledore bringt ein recht großes Ensemble in Stellung, um den faschistischen Vormarsch seines alten Lovers Gellert Grindelwald zu stoppen.

Ich mag den ersten „Tierwesen“-Film supergerne, wegen seiner fantasiereichen Geschichte und den tollen Charakteren. Der zweite glänzte durch tolle Ausstattung, war erzählerisch aber eher meh und die Charakter machten dauernd Dinge, die kein normaler Muggle nachvollziehen kann. Nun also der dritte Teil, und der wirkt seltsam verstolpert.

Zwar sind auch hier Schauspieler und Design ganz toll, aber die Zahl der Hauptcharaktere ist viel zu groß, und irgendwie kommt die Geschichte so abrupt zu einem Halt, als ob jemand kurz vor Ende der Produktion gesagt hätte: „Übrigens, wir machen doch nicht 5 Filme, sondern nur drei, also kommt zu Potte“. Das Ergebnis ist eine Triple-A-Produktion, die am Ende so lieblos zusammengebunden wirkt, als hätte man kein Budget mehr gehabt um was Anständiges zu filmen.


Spielen:

Resident Evil 2 [PS5]
Leo und Claire begegnen sich eines Nachts zufällig an einer Tankstelle. Kurze Zeit später stellen sie fest, das die Stadt, die sie aufsuchen wollten, von Zombies überrannt wurde. Sie suchen Unterschlupf im örtlichen Polizeihauptquartier. Dort trennen sich ihre Wege, und die Suche nach einem Ausweg beginnt – denn das verwinkelte Gebäude ist nicht nur voller Untoter, es war früher mal ein Museum, und es ist immer noch voller geheimer Gänge und Rätsel.

Was für ein Meisterwerk! Das Original ist von 1999 und war für die Playstation 1, das wäre mit seinen statischen Kameras heute unspielbar. Die Version, die ich hier gespielt habe, ist ein von Grund auf neu gebautes Remake für die PS4, das nun noch ein kostenlose PS5-Upgrade bekommen hat. Ich wusste nicht was mich erwartet und hatte mit einem Shooter gerechnet, aber RE2 ist tatsächlich ein eher langsames und bedächtiges Rätselspiel mit gelegentlichen Grusel- und Schießeinlagen.

Absolut beeindruckend ist die Narration, die fast komplett im Gameplay und im environmental Storytelling stattfindet. Hier wird viel mehr gezeigt als erzählt, und der Effekt ist umwerfend. Es stellt sich wirklich ein Gefühl von Erkundung und Abenteuer ein, aber auch die Beklemmung, das jederzeit schlimme Dinge gestehen können. Spätestens wenn nach der Hälfte der Spielzeit eine unheimliche Figur auftaucht, die den eigenen Charakter unaufhaltsam verfolgt, steigt das Stresslevel enorm an. Allein die schweren Schritte des Verfolgers, den man nie los wird, lösen hohe Anspannung aus.

Erzählerisch ist RE2 wirklich Kunst. Man kann sich entscheiden, ob man mit Leon oder Claire spielen möchte. Mit diesem Charakter erlebt man dann die komplette Geschichte. Ist man damit am Ende, wird ein zweiter Run freigeschaltet, den man mit der anderen Spielfigur absolvieren kann, und in dem manche Passagen angenehm abkürzt werden, der aber die Lücken in der Hauptgeschichte füllt oder deren Erzählung erweitert. Für die vollständige Spielerfahrung braucht es daher mindestens zwei Durchläufe, will man alles erleben sogar deren vier. So ein Niveau an verschachtelter Erzählung und perfekt passender Erzählung habe ich echt noch nie gesehen.


Machen: Esel streicheln in Sidmouth auf einer kleinen Tour durch Frankreich, England, Wals und Schottland.


Neues Spielzeug:

Ein Steckerladegerät, ein Anker 735 „GaNPRIME“. Zeitgemäß mit zwei USB-C- und einem USB-A-Anschluss. Das kleine Teil hat 65 Watt Leistung und eine vernünftige Ladeelektronik. Damit kann es aktuelle Smartphones schnellladen, aber auch das komplette USB-C-Netzteil vom Notebook ersetzen. Das und ein anderes Ladegerät können dadurch zu Hause bleiben – was mir ordentlich Platz und Gewicht im Reisegepäck spart. Mit der leichten Gummierung hat es außerdem eine wertige Haptik.

Passend dazu: Ein USB-C-Kabel mit einem winzigen Display im Stecker, auf dem der aktuelle Stromdurchfluss angezeigt wird. Spielkram, aber ich find´s cool.

 

 

Ding des Monats:
Eine Steppjacke mit dem schrägen Namen Patagonia Micropuff. Mit 200 Gramm superleicht und bis auf die Größe von zwei Tennisbällen zusammenpackbar, dabei aber mollig warm und winddicht. Geburtstagsgeschenk von Mudder Silencer (Danke!) und zum ersten Mal in Schottland getragen, dort aber dann jeden Abend. Bin völlig begeistert von dieser kleinen und sehr guten Reisejacke.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

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Momentaufnahme: Juni 2022

Herr Silencer im Juni 2022

Ding des Monats: Die PS-Vita

Wetter: Anfang bis des Monats wechselhaft: Sonne, aber auch mal kühlere Tage. Das schaukelt sich auf in einem Wechsel aus knalleheiß und richtig kühl, von Nachts 6 Grad bis tagsüber über 30. Am Monatsende dann Hitzewelle. Wenig bis gar kein Regen.


Lesen:


Hören:


Sehen:

Obi-Wan Kenobi [Disney+]
Geschichte knurk, Optik selten hui, McGregor holla, Vader staun!, restliche Schausteller hrmpf, Kinder nerv. Charaktere wackel und örgs, Pacing knack. Insgesamt: Ach.

 

The Batman [2022, BluRay]
Gotham City, Lederlappen, Schrecken der die Nacht durchflattert, usw.

Die Geschichte geht ungefähr so: Als alle noch dachten, das Zak Snyders DC-Universum ganz töfte würde, wollte Ben Affleck einen Batman-Film schreiben, produzieren, Regie führen und die Hauptrolle spielen. Als der Mann mit den Nazieulen dann aber den erwartbaren Müll ablieferte und das DC-Universe grandios gegen die Wand fuhr, fing Affleck vor Frust an zu saufen und das Studio bekam kalte Füße und wollte umfangreiche Änderungen. Mit jeder Drehbuchüberarbeitung hatte Affleck Dann weniger Bock – erst wollte er „seinen“ Batman nicht mehr verantworten, dann nicht mehr spielen, dann nicht mehr produzieren. Gut so, denn danach übernahm Matt Reeves, schmiss alles weg und konzipierte den hier vorliegenden Solo-Film.

Der möchte kein Action-, sondern ein Thriller und Detektiv-Film sein. Klingt nett, weil der Detektiv-Aspekt des „Mitternachtsdetektivs“ bislang in keinem Kinofilm beleuchtet wurde. In der Umsetzung beschränkt sich das aber darauf, dass Robert Pattison schlecht gelaunt an Tatorten rumsteht, sich irgendwas in den Bart brummelt und dann plötzlich die Lösung herausposaunt, ohne das man wirklich wüsste, wie er darauf gekommen ist – durch Detektivarbeit jedenfalls nicht. Actionsequenzen zur Auflockerung gibt es tatsächlich nur wenige, und die sind unspektakulär.

Reeves fokussiert auf Unterhaltungen zwischen den Charakteren. Da die Dialoge aber meist platt sind und die Figuren vornehmlich grimmig gucken und ihre Motive unklar sind und sich alle, allesamt, wie Arschgeigen benehmen, bleiben die Interaktionen sehr egal.

„Der Batman“ möchte kein Actionfilm sein, sondern ein Thriller im Stil von „Seven“ – das gelingt ihm aber nicht, zu unspannend und langatmig ist die Geschichte erzählt, und wenn man als Zuschauer über drei Viertel der Laufzeit von fast drei Stunden nicht mal weiß, um was es geht oder was auf dem Spiel steht, wird´s halt arg zäh.

Highlight ist Zoe Kravitz als Einbrecherin. Der Rest ist stylisch und düster, aber auch beliebig und letztlich Wurst. Eine düster dröhnende Wurst, aber eben Wurst und ganz sicher kein „Super-Noir-Thriller“ als den die Werbung den Streifen verkauft. Kann man angucken, ist kein Totalausfall, aber eben auch keine bleibende Erinnerung.

Nobody [BluRay, 2021]
Vorstadt, Frau, Kinder, immer der gleiche Alltag – Bob Odenkirk hat ein ruhiges Leben. Das ändert sich, als eines Nachts Einbrecher seine Familie bedrohen. In der konkreten Situation wirkt der Familienvater gefasst, aber hilflos. Kurz darauf stellt sich heraus, dass der Zwischenfall eine alte Sucht in ihm geweckt hat.

Holy Shit meine Güte WAS IST DAS?!

„Nobody“ ist mit Sicherheit einer der brutalsten Filme, die ich seit langer Zeit gesehen habe. Aber was will man erwarten, wenn der Drehbuchautor von „John Wick“ ein Drehbuch schreibt, das vom Regisseur von „Hardcore Henry“ umgesetzt wird?

So überraschend wie die handgemachte Action ist auch die Besetzung. Bob „Better Call Saul“ Odenkirk hätte man den Actionhelden nie zugetraut, aber hier prügelt, schnetzelt, schießt und blutet er sich hier durch gefühlt Dutzende von Situationen. Jede Actionsequenz ist übrigens so gefilmt, dass man immer weiß wer wo steht und was gerade passiert – Schnittmassaker mit 25 Schnitten in 10 Sekunden, wie in jüngsten Actionfilmen aufgrund von Unvermögen passieren oder, wie im Fall der Liam Neeson-Streifen, um zu kaschieren das der Protagonist schon weit im Rentenalter ist, passieren hier nicht. Auch, weil Odenkirk wirklich fit ist. Der Rest vom Cast ist ebenfalls überraschend – ich habe ein wenig Schnappatmung bekommen, als ein alter Bekannter aus „Zurück in die Zukunft“ auftauchte.

Storytechnisch gibt es durchaus interessante Einfälle. Das die Motivation des „Helden“ mal nicht von Außen kommt, sondern intrinsisch ist und nicht auf dem Wunsch nach Rache oder Schutz der Familie basiert, ist schon spannend, das hat man so noch nicht gesehen.

Wer gute Actionfilme á la „John Wick“ oder „The Hunt“ mag, der muss „Nobody“ gesehen haben.

 

Titane [Amazon Video, 2021]
Alexia hat als kleines Mädchen einen Autounfall und bekommt deswegen eine Titanplatte in den Schädel gesetzt, worauf sie sich sexuell zu Fahrzeugen hingezogen fühlt. Nach einer Nacht in/mit einem Auto wird sie schwanger und Motoröl läuft aus ihren Brustwarzen und ihr Bauch droht von einer Titankugel gesprengt zu werden. Doof, das es ausgerechnet jetzt mit ihrem Hauptjob als Mörderin auch nicht so doll läuft, und so verändert sie ihr aussehen und gibt sich als Mann aus.

Bodyhorror ist eigentlich ein tolles Genre, Filme wie „Die Fliege“ gruseln bis heute. Aber warum sind die Geschichten oft so verquast? „Titane“ anzugucken ist Zeitverschwendung, weil die teils interessanten Szenen ab einem gewissen Punkt keinen Sinn mehr ergeben und nicht mehr sind als eine verwürfelte Nummernrevue von Ekligkeiten.

Kunstkritiker sind natürlich begeistert darüber, das sich hier ein hormongeschwängerter Boomermann die Bauchmuskeln anzündet und jodeln darüber als „Entzieht sich Interpretationen“, „Feministische Freiheit im Umgang mit dem Körper“, „Dekonstruiert Geschlechterrollen“ und „Radikale Erfindung der eigenen Identität“ und ich sehe auch die Punkte – aber ich erkenne halt auch schlechtes Storytelling und Beliebigkeit, und das Verzeihe ich nicht, nur um mich an meinem eigenen Kunstwissen zu berauschen oder zu behaupten Titane“ sei der nächste „Parasite“. Ist er nicht. „Titane“ hat genau eine nette Idee, aber die Macherin hat zu viel Cronenberg geguckt und ist im Schnitt versumpft.

Dr. Strange in the Multiverse of Madness [Disney+]
Sumthing sumthing Dr. Strange und irgendwas mit der Scarlett Witch.

Tja, ach. Nett gemacht, aber etwas ohne Vorwissen und Kontext unverständlich. Nett: Das hier zur Hälfte ist ein Sam Raimi-Film, inkl. „Army of Darkness“-Referenzen und Bruce Campbell. Das macht Spaß. Die andere Hälfte ist zu lange gekauter Kaugummi.


Matrix Ressurections [BluRay]
Neo und Trinity sind wieder da, aber niemand hat eine Erinnerung an die vorhergehenden Ereignisse und überhaupt: Warum sind sie wieder da?

Ja, „warum nur“ habe ich mich ohnehin gefragt. Muss man „Matrix“ 25 Jahre nach dem ersten Film fortsetzen? Und falls ja: Wie setzt man eine Geschichte fort, die sich ins popkulturelle Gedächtnis bis auf Meme-Ebene eingebrannt hat? Dinge wie „Bullett Time“ oder „Agenten“ oder „ach guck zwei schwarze Katzen, das ist ein Fehler in der Matrix“ kennt jeder, und der Glauben, in einer Simulation zu leben wird ja selbst von Querdenkern oder Elon Musk vor sich hergetragen.

Dieser Film macht etwas Interessantes aus diesem Dilemme und reitet genau diese Memes und das Wissen um die Matrix auf einer Meta-Ebene, über die Keanu Reeves erstaunt guckend stolpert, während das Drehbuch die ganze Zeit den Zuschauern ein „Hier, kennste, kennste?“ zuzwinkert und sich wonnig in Selbstreferenzialität suhlt wie ein Schwein im Schlamm. Das wird viel zu lange gemacht – wenn es endlich losgeht und die Geschichte halbwegs an Fahrt gewinnt, ist bereits Minute 100 erreicht. Das Ende rettet diese unnötige Fortsetzung, insgesamt aber leider kein guter Film.

 

 


Rambo: First Blood [1982, Bluray]
Vietnamveteran John Rambo hat nach Ende des Kriegs kein Ziel mehr und streift durch die USA, um ehemalige Kollegen zu besuchen. In einer Kleinstadt wird er von der örtlichen Polizei erst drangsaliert, dann mißhandelt. Dadurch brechen bei Rambo alte Traumata aus der Kriegsgefangenschaft auf. Er flieht in die Wälder und liefert sich einen blutigen Kampf mit Polizei und Nationalgarde.

Ich kannte die Rambo-Filme nur als popkulturelles Bild, als Meme („blaues Licht“) und hatte immer gehört, das der erste Film gar nicht schlecht sei. Das stimmt tatsächlich: Handgemachte und oft für das Budget erstaunlich gute Action, und als unterliegendes Thema der Umgang der Zivilgesellschaft mit einer Generation von Männern, die alles für ihr Land gegeben haben, und nun nicht mehr gewollt sind.


Rambo: First Blood Part II [1985, Bluray]
Rambo soll Kriegsgefangene in Vietnam suchen, aber nicht befreien. Als er das doch tut und sich nebenbei mit Russen anlegt, sind die USA nicht erfreut.

Ganz, ganz schlimmer Scheiß, schlecht erzählt, mies gefilmt und geschnitten und Stallone spielt, als hätte er einen Schlaganfall gehabt. Jegliche tiefere Moral ist weg, hier geh es nur noch um Knall-Bumm.


Rambo III [1988, BluRay]
Irgendwas mit Afghanistan und blauem Licht.

Auch ganz, ganz schlimmer Scheiß, nicht ganz so handwerklich schlecht wie Teil 2, aber immer noch schlecht.


John Rambo [2008, BluRay]
Irgendwas mit Burma, und am Ende schießt Rambo alles weg.

Wirkt so als hätte jemand die Rambo-Parodie aus Hotshots nochmal in Ernst verfilmt. Nebenbei macht sich das Drehbuch über humanitäre Helfer lustig. Die unterliegende Botschaft des Films lautet: Wer an Frieden glaubt ist naiv, nur Waffengewalt ist eine Lösung. Schrecklich.

Rambo: Last Blood [2018, BluRay]
Rambo lebt auf der alten Farm seines Vaters in Arizona. In unterirdischen Tunnels sprengt er mexikanische Menschenhändler weg.

Dieser Film ist unnötig brutal, offen rassistisch und gefährlich dumm. Damit traf der Streifen vermutlich den Nerv der Trump-Jahre, und zwar so sehr, das einem als normaler Mensch schlecht wird. Mexikaner werden nahezu durchgehend als Diebe, Verräter und Verbrecher dargestellt, die amerikanische Frauen rauben.

Vom Story-Konstrukt fangen wir lieber nicht an. Allein die Idee, das Rambo unter seiner Farm ein kilometerlanges Tunnellabyrinth buddelt, weil er ja in Vietnam in Tunnels traumatisiert wurde, ist so dämlich, dass man sich jeglichen Kommentar sparen kann.


Spielen:

Persona 5 Golden [PS Vita]
Japan, ein kleiner Ort auf dem Land: TV-Geräte, die auf keinen Sender eingestellt sind, zeigen nur verrauschten Schnee. Aber in nebeligen Nächten, genau um Mitternacht, sind in diesem statischen Rauschen die schemenhaften Umrisse von Personen zu sehen. In den folgenden Nächten werden die Umrisse deutlicher erkennbar, und kurze Zeit später werden die Personen, die im „Mitternachtskanal“ aufgetaucht sind, tot aufgefunden.

Eine Gruppe Highschool-Kids entdeckt das sie die Fähigkeit haben, von der realen Welt durch Fernsehgeräte in die TV-Welt zu wechseln, in der sie über Zauberkräfte verfügen. Gemeinsam machen sie sich daran die Personen zu retten, deren Tod der Nebel ankündigt.

Bizarres Szenario, aber toll gemacht. „Persona“ ist ein rundenbasiertes Action-Rollenspiel, bei dem es nur sinnvoll weiter geht, wenn neben den Kampfeinlagen in der TV-Welt soziale Beziehungen in der realen Welt aufgebaut und gepflegt werden und der Schulalltag gemeistert wird. Zeit mit Freunden, Arbeit und Studium zu verbringen ist genauso wichtig wie Monster verhauen und Menschen retten, und beides in Kombination macht einen irren Spaß – zumal hier stets die Motivationen klar sind und (nie unfaire) Zeitlimits dafür sorgen, dass hier keine Beliebigkeit entsteht. Die Grafik ist selbst auf der PS Vita super und der Soundtrack einfach mitreissend.

Persona 4 kam 2008 für die Playstation 2 raus, die „Golden“-Version erschien 2012 für die Playstation Vita und 2021 für den PC. Sie glänzt durch mehr Charaktere, einen neuen Epilog und besseres Gameplay – und ja, das macht auch nach den über 110 Stunden noch Spaß, die ich in die spannende Story versenkt habe.


Machen:


Neues Spielzeug:

Ein ASUS Zenbook mit dem kryptischen Namen UM425UAZ-KI023T. Mit 14 Zoll und 1,2 Kilo ein wenig größer als es mir für ein Reisenetbook lieb ist, hier hatte das lüfterlose Asus X205 mit 11,6 Zoll und 900 Gramm Maßstäbe gesetzt. Das Zenbook löst in Teilen das Medion-Netbook ab, dessen Tastatur wegen zu kleiner, runder und rutschiger Tasten einfach nicht vernünftig nutzbar ist.

Die neue Kiste bringt eine ordentliche und beleuchtete Tastatur mit, dazu ein gutes Display, gute Lautsprecher, 16 GB RAM, 1 TB Speicher, Windows 11 und eine Laufzeit von 14 Stunden. Alles „nach Militärstandards zertifiziert“ in Hinblick auf Temperatur, Feuchtigkeit und Schlagfestigkeit. Nicht hundertprozentig ideal für Reisen, war aber gerade um 500 Euro runtergesetzt und ist gut für den Moment.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

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Impressionen eines Wochenendes (34): Die verrückte Kirche

Wenn man zum Sonnenaufgang um 05:00 Uhr aufsteht und gleich losfährt, dann kann man eine ausgedehnte Motorradtour machen und bereits wieder zu Hause sein, wenn die anderen Verkehrsteilnehmer erst so langsam mit Frühstücken fertig sind.

So früh am Morgen sind die Straßen noch leer. In der Nacht hat es ein wenig geregnet, und wo die Sonne hinscheint, beginnen Wiesen und Asphalt zu dampfen. Gegen die Sonne zu fahren macht keinen Spaß, manchmal gleicht es einem Blindflug. Aber ich kann ja so langsam fahren wie ich möchte, ich bin ja allein unterwegs.

Im Harz bietet sich immer noch das Bild der vergangenen Jahre. Ganze Täler voller toter Bäume, Ergebnis von Klimawandel und Borkenkäfer.

Das tote Holz bleibt auch so liegen, das ist das Konzept des Naturparks. Bislang zumindest, denn die Tourismusbranche protestiert heftig und möchte die toten Wälder am Liebsten vor den Besuchern verstecken.

Auch die Besitzer von Wäldern am Rande des Naturparks maulen. Argument ist hier immer: Das Totholz ist das Las Vegas für Borkenkäfer, und von dort aus fressen sie sich durchs Umland.

Die Naturparkleitung lässt sich davon bislang nicht unter Druck setzen und experimentiert sehr gelassen mit südeuropäischen Laubbäumen. Den Fehler, nochmal das ganze Mittelgebirge mit Fichten vollzustellen, den will man nicht nochmal begehen.

Es ist recht klar zu erkennen, woher die Namen der Orte im Harz kommen. Sorge. Elend. Tanne.
Mein Weg führt nach Stiege. Hier steht seit Neuestem eine Stabkirche am Ortsrand.

Hölzerne Kirchen dieser Art findet man viel in Skandinavien, und für die Region hier sind sie auch nicht außergewöhnlich. Aber diese Kirche hier ist wirklich interessant, denn auch wenn sie erst seit 4 Wochen hier steht, ist sie doch schon 115 Jahre alt.

Einige Kilometer von Stiege entfernt schlängelt sich eine Schmalspurbahn durch das Selketal.

Ich lasse die V-Strom stehen und folge einer alten Straße in den Wald hinein. Nach kurzer Zeit finden sich Zeichen, das es hier einmal Bauten gab.

Tatsächlich ist das hier das Gelände eines ehemaligen Lungensanatoriums, dem Albrechtshaus. Um das Jahr 1900 herum hatte jede gute Krankenkasse so ein Lufterholungsheim im Harz. In Wernigerode sind noch schmiedeeiserne Hallen erhalten, wo Mitglieder der AOK sich zum Atmen reinsetzten. DAs Albrechtshaus gehörte der Landesversicherungsanstalt Braunschweig, bis 1993 wurde es als Lungen- und Tuberkulose-Klinik genutzt. 2013 wurde es Opfer eines warmen Abrisses, seitdem verfällt der große Gebäudekomplex, hier das Pförtnerhaus.

Wo Gebäude verfallen gibt es Vandalismus, und der traf auch die Stabkirche, die auf dem Gelände des Sanatoriums stand. Genau hier:

Dass immer wieder die Buntglasfenster der kleinen Kirche eingeworfen und Graffiti hinterlassen wurde, missfiel den Einwohner:innen von Stiege. Gemeinsam sammelten sie für den Erhalt der Kirche, aber irgendwann wurde klar: An ihrer einsamen Position im Wald wird sich die Kirche nicht schützen lassen. Also sammelte man noch mehr Gelder, und nach 6 Jahren war es soweit: Die Kirche wurde transloziert, also an ihrer Stelle im Wald Stück für Stück abgebaut und am Rand von Stiege wieder neu errichtet.

Dort ist sie seit neuestem jeden Sonntag von 13:00 bis 16:00 Uhr für Besichtigungen geöffnet.

Dreizehn Uhr, da wird jede Straße hier im Harz von Motorengebrumm erfüllt und ich schon lange wieder zu Hause sein. Aber erst einmal genieße ich es, den Asphalt für mich allein zu haben und von den Bergen Sachsen-Anhalts über die Kornfelder Thüringens wieder zurück nach Niedersachsen zu fahren.

Tour des Tages: Rund 220 Kilometer.

Tour des Tages: Rund 220 Kilometer.

Frühere Wochenendeindrücke

Kategorien: Gnadenloses Leben, Impressionen | 2 Kommentare

Momentaufnahme: Mai 2022

Herr Silencer im Mai 2022

Verweigerung des Monats: „Ich mache hier nicht nochmal die Heizung an!“

Worte des Monats: „Was sollen das, mich hier Arschloch zu nennen?!“

Wetter: Anfang des Monats bedeckt und kühl bei 8-15 Grad, Mitte des Monas hochsommerlich sonnig und sehr heiß, Ende des Monats Regen, Sturm, nachts 4 und tagsüber 18 Grad.


Lesen:

Jeremy Clarkson: Diddly Squat: A Year on the Farm [Kindle]
Jeremy Clarkson, Motorjournalist und konservatives Urgestein, beschließt seine Farm in den Cotswolds selbst zu bewirtschaften – ohne eine Ahnung von Landwirtschaft zu haben. Was dann passiert, lässt sich in der Amazon-Serie „Clarksons Farm“ anschauen, die ich für das beste Stück Fernsehen seit sehr langer Zeit halte. Das Buch enthält nun die gesammelten Kolumnen von Clarkson, die er binnen eines Jahres auf der Farm für die „Sunday Times“ verfasst hat.

Weniger nah dran am tatsächlichen Farmleben als die Serie, dafür aber reich an Hintergründen und reflektierten Gedanken über Politik, Klimawandel, Ernährung und Umweltschutz – nach wie vor Themen, die man Clarkson so nie zugetraut hätte. Kurzes Buch, amüsant zu lesen.

 


William Gibson: Neuromancer [1984]
Cyberpunk, irgendeine Megastadt in Japan: Case ist ein Gelegenheitsverbrecher und Cyberkrimineller. Als solcher wird er für einen richtig ungut klingenden Job angeheuert. Schon dessen Vorbereitung läuft nicht nach Plan, und dann stellt sich auch noch heraus, dass die Auftraggeberin eine künstliche Intelligenz ist.

Die Story wirr, die Charaktere mit groben Strichen hingetuscht, die Zusammenhänge lose, die Sprache eigen. Schon Stunden nach Lesen des Buches kann ich kaum sagen, worum es darin ging. Nichtsdestotrotz ist es ein Meilenstein voller Ideen und eine der Grundlagen für das Genre des Cyberpunk, in dem Mensch und Maschinen immer weiter verschmelzen.

 


 

Hören:


 

Sehen:
Gruselfilme! Ich habe „Dark Castle Entertainment“ entdeckt und musste deren Werke angucken:

Ghost Ship [2002, BluRay]
Der Pilot eines Wetterflugzeugs entdeckt einen italienischen Luxusliner, der seit 1962 als verschollen galt. Das Schiff treibt abseits der üblichen Schiffsrouten in der Beringstraße. Ein Bergungsteam macht sich auf den Weg, um das Geisterschiff genauer unter die Lupe zu nehmen. Dabei entdeckt die Crew, was mit den fast 600 Passagieren geschehen ist.

„Dark Castle Entertainment“ ist eine gemeinsame Firma der Produktionslegenden Robert Zemeckis und Joel Silver. In den 90ern gegründet, sollte die Firma massentaugliche Gruselfilme mit einem anständigen Budget und B-Promis auf den Schirm bringen. Und ja, das gelang denen. Es war mir nicht klar, aber zwei meiner vier liebsten Gruselfilme stammen von Dark Castle.

Heute erinnert sich jeder an die Laser aus „Resident Evil“ als die Szene, in der zum ersten Mal zu sehen war, wie Menschen durchschnitten werden und dann in Zeitlupe auseinanderfallen. „Ghost Ship“ machte auch, sogar im gleichen Jahr, nur spielt die Eröffnungsszene diesen Effekt ungleich besser aus.

Der Rest des Films ist recht konventionell, aber mit Gabriel Byrne, Julianna Margulies, Karl Urban und Emily Browning fein besetzt. Vor allem atmet der Film Style, nach allen Seiten: Das Art Deco-Kreuzfahrtschiff, die verruchte Femme Fatale, das gesamte Produktionsdesign – das ist super gemacht. Da auf CGI weitgehend verzichtet wurde und die Sets wirklich toll sind, ist der Film praktisch nicht gealtert.

 

13 Geister [2001, DVD]
Mr. Monk und seine Kinder erben ein gar seltsam Haus. Das Anwesen besteht fast komplett aus Glas, und in jede Oberfläche sind lateinische Texte eingeätzt. Schon beim ersten Besuch wird klar: Das vermeintliche Luxusdomiziel ist in Wirklichkeit eine Maschine, die mit der Energie von 13 Geistern die Pforten zur Hölle öffnen soll.

„13 Geister“ ist eine weitere Dark Castle Produktion und wie diese fein besetzt. Mein persönliches Problem: Ich kann in Tony Shalhoub leider nie wieder einen anderen Charakter sehen als eben „Mr. Monk“. Abseits davon liefern aber Shannon Elizabeth und F. Murray Abraham gut ab, nur Matthew Lillard ist wie immer unerträglich.

Die Geschichte um das seltsame Haus und die 12 (Sic!) darin gefangenen Geister ist spannend, die Masken gruselig. Vor allem war der Film innovativ: in einem Labyrinth aus (echten) Glasscheiben zu drehen muss die Hölle sein, weil es ständig ungewollte Reflektionen und Spieglungen gibt, aber hier wird das durchgezogen und das Ergebnis ist immer noch sehenswert und gruselig.

 

House of Wax [Amazon Video, 2005]
Teenager haben Panne und landen in einem Dorf, in dem alle Bewohner aus Wachs sind.

Dark Castle Produktion, die ihrerzeit große Wellen schlug, weil: „Paris Hilton ist darin nackt!“- Spoiler: Ist sie nicht. Aber ihre Figur stirbt einen gruseligen Tod, genau wie die anderen unsympathischen Charaktere in diesem Remake eines Films von 1953. Bonus: Elisha „Jack Bauers Tochter“ Cuthbert.

 

The Reaping [2007, BluRay]
Hillary Swank ist Ex-Pastorin und Expertin im „Myth-Busting“, also der wissenschaftlichen Aufklärung scheinbar unerklärlicher Ereignisse. In dieser Funktion wird sie in die Südstaaten der USA gerufen, wo anscheinend gerade die biblischen Plagen ausbrechen. Die Einwohner eines kleinen Ortes machen dafür ein zwölfjähriges Mädchen verantwortlich.

Dark Castle-Film, der seiner Prämisse treu bleibt: Mit Hillary Swank und Idris Elba spielen hier zwei veritable Stars in einem gruseligen Doppel-A-Film. Die Story verfranst sich zwischendurch in den Sümpfen Louisianas, die Auflösung ist aber interessant. Kann man schauen.

 

Suburbicon [2018, BluRay]
USA, 1959: Suburbicon ist eine der typischen Boomer-Vorstadtsiedlungen. Im dreihundertsten Reihenhaus von links wohnt Matt Damon mit Frau und Kind. Die Pettycoat-Idylle wird gestört, als Einbrecher die Familie überfallen und die Ehefrau dabei mit Chloroform vergiften. Wenig später steht ein Versicherungsdetektiv auf der Matte. Währenddessen zieht nebenan eine schwarze Familie ein, der erst offener Rassismus entgegenschlägt, der dann zu einer Straßenschlacht eskaliert.

Eine aktuelle Dark Castle-Produktion unter der Regie von George Clooney und nach einem Buch der Coen-Brüder. Mit deren Ergüssen kann ich ohnehin nicht viel anfangen, aber „Suburbicon“ ist wirklich objektiv schlecht.

Der Film versucht gleichzeitig Rassismusdrama, Krimi und schwarzhumorige Komödie zu sein, aber Clooney schafft es nicht, das zu einem schlüssigen Ganzen zusammenzuführen. Stattdessen fühlt sich „Suburbicon“an wie zwei Filme, die man notdürftig mit den Rücken aneinandergeklebt hat. Beide Handlungsstränge laufen nebeneinander her und werden so unbefriedigend, sinnlos und blutig aufgelöst, dass das Anschauen reine Zeitverschwendung ist.

 

The Cell [2000, BluRay]
Ein Killer entführt Frauen, ertränkt sie und vergeht sich dann an ihnen. Die Polizei ist ihm auf den Fersen, aber bevor er gefasst wird, erleidet er einen Hirnschlag und fällt ins Koma. Das ist ein Problem, denn er hat bereits ein neues Opfer entführt und in einer unterirdischen Zelle versteckt, die sich nun langsam mit Wasser füllt. Gut, das es eine Technologie gibt, mit der sich Jennifer Lopez in das Unterbewusstsein des komatösen Killers beamen kann. Dort versucht sie Hinweise auf den Ort des Verstecks zu finden, gerät aber in eine ganz eigene Hölle.

Nicht Dark Castle, aber einer meiner Lieblingsgruselfilme mit „13 Ghosts“ und „Ghostship“: „The Cell“ verbindet Elemente von „Das Schweigen der Lämmer“, „Hellraiser“ und „Saw“, was mich thematisch schon sehr anspricht. Was den Film aber unvergesslich macht, sind die Bilder und die Kameraführung. Regisseur Tarsem Singh drehte vor „The Cell“ Musikvideos für REM (u.a. „Losing my Religion“) und übte dort, wie er das Gefühl zu Träumen in das Medium Film übersetzen kann.

„Cell“ bietet nun genau das, in Spielfilmlänge. Die Geisteswelten des Killers fühlen sich wirklich an wie Albträume. Wie in einem Traum verändern sich Gegenstände, Szenarien und Personen von Schnitt zu Schnitt – mal subtil, mal sprunghaft, so dass man sich als Zuschauer wirklich des öfteren fragt, ob man das jetzt gerade wirklich gesehen hat. Die Sado-Maso-Ästethik mal beiseite gelassen, sieht der Film ob der vielen praktischen Effekte und dem sehr wenigen, aber dann guten CGI bis heute fantastisch aus. Das die Schauspieler nicht viel zu tun haben und die Story letztlich bestenfalls zweckdienlich ist, ist da Nebensache.

 

Moonknight [2022, Disney+]
Oscar Isaac hat eine gespaltene Persönlichkeit und sieht ägyptische Götter. Durch die Kulissen schluffen: Ethan Hawke und sprechende Nilpferde.

Tja, ach. Darstellung von multiplen Persönlichkeiten macht Schauspielern offensichtlich viel Spaß. James McAvoy grimassierte sich ja schon unerträglich prätentiös durch „Split“, und on „Moon Knight“ hat Oscar Isaac sichtlich Spaß an der Rolle. Worum es geht und vor allem, warum hier Dinge passieren ist lange Zeit Nebensache und am Ende auch irgendwie egal. Was von der Serie in Erinnerung bleibt ist untererklärter Ägypten-Mumbojumbo, verwirrter Quark und schlechte CGI-Kostüme.

 


Spielen:

Doki Doki Literature Club [PS5]
An einer japanischen Highschool tritt der Spieler auf Wunsch einer Freundin einem Literaturclub bei. Nach dem Unterricht liest er dort gemeinsam mit vier Mädchen Bücher, übt sich im Verfassen von Gedichten und kocht Tee. Aber dann.

Seltsames Ding. Kommt zunächst zuckersüß als laaaaangsam erzählte visual Novel mit Dating-Sim-Einschlag daher, und tatsächlich macht man die ersten zwei Spielstunden nichts anderes, als zu kariesverursachender Düdelmusik mit den Manga-Mädchen im Literaturclub zu flirten. Der niedliche Eindruck täuscht aber. Die Warnungen, dass das Spiel erst ab 18 ist und Menschen mit Despressionen keinen Spaß daran haben werden, sollte man besser ernst nehmen.

Wer sich noch an den Gag mit der glitchenden Grafik und dem Durchbrechen der vierten Wand in „Arkham Asylum“ erinnert: Doki-Doki macht genau das, aber viel heftiger. In der zweiten Hälfte der, mit 4 Stunden angenehm kurzen, Spieldauer verwirrt es des Spielers Hirn so sehr, dass man irgendwann nicht mehr weiß, ob hier gerade etwas kaputt ist oder alles in richtigen Psychohorror abkippt. Langsamer Einstieg, dann sehr überraschend. Gilt als ein Meisterwerk des Gamedesigns. So weit würde ich nicht gehen, verblüffend ist es allemal.

 

Ghost of Tsushima: Iki Island [2021, PS5 DLC]
1274 überfallen die Mongolen die japanische Insel Tsushima. Die Invasoren bringen Hightech-Waffen mit: Mechanische Maschinen die Flammenpfeile verschießen, brennendes Öl, Nervengifte.

Die Samurai, die sich der Invasionsflotte entgegenstellen, sind von diesem ehrlosen Kampfverhalten so irritiert, dass sie allesamt niedergemetzelt werden. Der einzige Überlebende pfeift auf dem Code der Samurai und greift zu Guerilla-Taktiken um die Mongolen zurückzuschlagen. Für den japanischen Shogun wird er damit zum  Vogelfreien ohne Ehre, für die einfache Bevölkerung zum Helden: Dem Geist von Tsushima. Auf Iki wird es für den Geist brenzlig. Nicht nur, das er dort vergiftet wird, die Einwohner der kleinen Insel haben auch  etwas gegen Ex-Samurai. Zudem wird es persönlich, kam doch hier sein Vater zu Tode.

Interessanter DLC, der das ohnehin sehr gute Hauptspiel von 2020 sanft erweitert und eine interessante Reise in die Vergangenheit bietet. Iki ist ähnlich schön gestaltet wie die bekannten Areale, Gamemechanisch kommen eine Handvoll kleine Änderungen hinzu. Im Prinzip also nur more of the same, aber das geht ok. Denn auch wenn der DLC mit maximal 8 Stunden recht kurz und mit 20 Euro sehr teuer ist, so ist die filmische Inszenierung von Jin Sakais Kindheitstraumata aufwendig umgesetzt und gelungen. „Ghost of Tsushima“ ist „Assassins Creed: Japan“, aber besser als die letzten drei originalen Assassins Creed Spiele. Davon spiele ich gerne mehr.


Machen:

  • Hamburg Wochenende mit Mudder Silencer und Frau Zimt und dem Verwunschenen Kind
  • Eine britische „Drone Flyer & Operator“-Lizenz. Gleiche Regeln wie in der EU, gleiche Fragen, gleiche Tests, aber: „EU-Lizenzen werden nicht anerkannt“ – weil sie es können.
  • Windows 11 mißtrauisch beäugen.
  • Meine erste Darmspiegelung!

Neues Spielzeug:

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Kategorien: Momentaufnahme | Ein Kommentar

Momentaufnahme: April 2022

Herr Silencer im April 2022

Trööt des Monats:

Wetter: Anfang des Monats bitterkalt mit Temperaturen nachts bis zu -9 Grad und tagsüber um den Gefrierpunkt. In der zweiten Monatswoche Sturm, Schnee und Regen bei einstelligen Temperaturen. Monatsmitte Sonne, bei Nachts um Null Grad, tagsüber um die 17. In der letzten Woche regnet es das erste Mal seit Anfang März. Die Äcker sind schon wieder trocken wie sonstwas. Letzte Monatswoche wieder trocken und 5 bis 15 Grad.


Lesen:

Stephen King: Billy Summers [2021]
Der Auftragskiller. Der berühmte letzte Job. Das Mädchen.

Diese Geschichte gab es schon in einigen Variationen. Stephen King findet hier aber einen ganz eigenen Dreh, um eine Geschichte von zwei Menschen zu erzählen, die unter seltsamsten Umständen zusammenfinden und eine merkwürdige Beziehung aufbauen.

Dieser Dreh ist aber kein wirklich guter. Zum einen braucht das Buch ewig um in Fahrt zu kommen: Ein Drittel der rund 650 Seiten sind Vorspiel. Dann nimmt die Geschichte Fahrt auf, wirkt aber hingebogen und konstruiert, um zu einem bestimmten Ergebnis zu kommen. Das dann die Story noch dauernd eine Vollbremsung bis zum Stillstand macht, um in einem Buch-im-Buch die Vergangenheit des Auftragskillers im Irakkrieg zu zeigen, macht die Sache nicht besser.

Das klingt jetzt kritischer als es gemeint ist. Trotz der anfänglichen Länge und den Einschüben ist die Geschichte von Billy Summers spannend genug, um stets wissen zu wollen wie es weiter geht. Schön auch zu sehen, das King auf seine alten Tage hier noch mit Genres, Perspektiven und Erzählstilen jongliert und ganz viel ausprobiert. Er schmeißt viel an die Wand, nicht alles davon bleibt kleben, aber es reicht noch für ein spannendes und innovatives Buch.


Hören:


Sehen:

The Brits are Coming! [BluRay]
Uma Thurman verzockt Geld einer Freundin und nötigt Tim Roth dazu Drogen für Stephen Fry zu schmuggeln.

„Weißte was? Die Thurman, die fand ich schon immer geil! Die muss im Film sein, und ihr sexy Ding machen. Und diese Dings aus Star Trek, Alice Eve, die auch! Und diese Sängerin, wo ich immer so gern höre, diese Sophia Vergara, die soll auch mitspielen! Oh, oh, oh! Und Maggie Q!“
„Und für die männlichen Rollen?“ – „Brauchen wir die wirklich? Na… da nehmen wir diesen unheimlichen da, diesen Crispin Clover. Oh, und Tim Roth, den finde ich witzig, der sieht so fertig aus. Und Stephen Fry finde ich lustig, den besetzen wir als schwulen, pädophilen Priester. Weil er selbst schwul ist, das ist lustig, kennste, kennste?!“

„Und wie soll die Handlung sein?“
„Handlung? Wieso braucht es eine Handlung? Na gut. Also: Stehen Fry will immer Leuten Sachen in den Arsch schieben, Tim Roth soll komisch gucken und dauernd bedröhnt sein, und die Ladies tragen sexy Swag und baggern sich gegenseitig an. Mehr Handlung brauchen wir nicht!“

…So oder so ähnlich muss es abgelaufen sein, als einige zugekokste Millionäre zusammen saßen und beschlossen, diesen Film zu machen. Die Darstellerriege ist beeindruckend, mit denen einen völligen Totalausfall zu produzieren muss man auch erstmal hinbekommen. „Brits are Coming“ schafft das aber – das Drehbuch ist so wirr, dass ich am Ende nicht mal verstanden habe, was da passiert.

All is lost [2014, BluRay]
1.700 Seemeilen vom nächsten bewohnten Festland bummst ein Boot in einen verlorenen Seecontainer und bekommt ein Loch. Robert Redford versucht so gut es geht alles zu flicken, aber dann kommt ein Sturm.

Interessanter Film. Praktisch keine Musik, keine Dialoge, nur ein Darsteller. Von dem wissen und erfahren wir: Nichts. Was macht der alte Mann da allein auf dem Meer? Wie heißt er? Warum ist er allein? Das bleibt der Fantasie überlassen, denn außer „MistMistMist“ und „Komm schon!“ sagt Redford den ganzen Film über kein Wort und spielt sehr reduziert. So guckt man ihm 105 Minuten dabei zu, wie er an seinem Boot rumfrickelt und sich immer neuen Problemen stellen muss.

Die Inszenierung ist zwar stellenweise sehr behäbig, und weder Kameraführung noch Schnitt werden in manchen Szenen der Dramatik der Ereignisse gerecht, trotzdem ist der Film spannend. Das liegt auch am Sound, der ziemlich gewaltig daherkommt. Wenn ein Sturm gegen das Glasfaserboot donnert und Wellen gegen den Rumpf klatschen, dann hat das Wucht.

Reduziert, spannend und dabei ruhig – eine seltsame Mischung. Nicht funktioniert hat für mich das Ende, das dem Ton des Films und der Setzung, die gleich in den ersten Minuten (immerhin per Voiceover) geschieht, nicht gerecht wird. Vermutlich wurde das nach Fokusgruppentests nachgedreht und rangepfriemelt.

Léon, der Profi [1994, BluRay]
Léon stammt aus einer der ärmsten Provinzen Italiens. Er ist ungebildet, kann nicht lesen und ist im Umgang mit Menschen so unerfahren, dass er fast zurückgeblieben wirkt. Aber in einer Sache ist er ungeschlagen geschickt: Als Profikiller. Als solcher arbeitet er im New Yorker Viertel Little Italy. Dort treiben sich auch korrupte Polizisten herum, die die Familie von Léons Nachbarin Mathilde abschlachten. Die Zwölfjährige überlebt, findet bei Léon Unterschlupf und bittet ihn, sie sein blutiges Handwerk zu lehren.

Ein Film, wie er heute nicht mehr gedreht werden könnte. Eine Zwölfjährige, die sich in einen Erwachsenen verliebt? Damals provokant, heute undenkbar. Dabei ist der Gegensatz des emotional erwachsenen, aber instabilen Kindes und des kindlichen Erwachsenen durchaus interessant – er wird hier nur etwas naiv angegangenen, ergeht sich zwischendurch in seltsamen Lolita-Szenen und versandet am Ende, ohne das der Konflikt wirklich thematisiert würde.

Abseits dieser Problematik ist „Léon“ ein sehr besonderer Film, weil er so viele Ausnahmetalente vereint. Zwar ist ausgerechnet Jean Reno als Protagonist ein ziemlicher Ausfall und ergeht sich in seinem üblichen Mondkalb-Blick, aber meine Güte, was sind Nathalie Portman und Danny Aiello hier gut.

An die Wand gespielt werden alle von Gary Oldman, der als drogensüchtiger und völlig durchgeknallter Cop hier so dermaßen abliefert, das man Angst bekommt. Oldman war die Inspiration für Heath Ledgers „Joker“, da bin ich mir sicher – Gesichtsausdrücke und Körpersprache findet man an vielen Stellen in „Dark Knight“ wieder.

Dazu kommen die visuellen Experimente eines noch nicht völlig in Selbstreferenzialität versunkenden Luc Besson in Kombination mit der tollen Kameraarbeit von Ausnahmefilmer Thierry Arbogast und der fantastische Production Value, der sich in der Ausstattung widerspiegelt: Man kann das Bohnerwachs der Altbaudielen geradezu durch die Leinwand riechen. Alles atmet Style und das Wollen, das Innenleben der Protagonisten zu visualisieren.

Ein alter Film, aber immer noch mehr als sehenswert, weil ein Ausnahmewerk.


Spielen:

Cyberpunkt 2077 [PS5]
V. ist Söldnerin auf den Straßen der dystopischen Megastadt Night City. Bei einem schiefgelaufenen Einsatz als Diebin gegen einen Megakonzern bekommt sie das KI-Abbild von Keanu Reeves in den Kopf gepflanzt. Der erscheint ihr fortan als Halluzination – und bringt sie langsam um. V.´s Persönlichkeit wird langsam, aber sicher von dem KI-Konstrukt überschrieben, das sich auch noch verhält wie das letzte Arschloch.

„Cyberpunk 2077″ ist ein dampfender Haufen und wird das auch bleiben.“ sollte hier eigentlich stehen. Tatsächlich ist auch 18 Monate nach Release, gefühlt 100 Patches und dem Wechsel auf neue Hardware (PS5 statt PS4) längst nicht alles gut.

Beispiele: NPCs glitschen, zucken und fallen durch Wände. Ab einer gewissen Geschwindigkeit verschwinden alle Autos von den Straßen. Meine Spielfigur stolpert in eine Badewanne und kommt da nie wieder raus. Ein Motorrad fährt gegen einen Müllsack, überschlägt sich und explodiert. Mein eigenes Auto spawned über meiner Spielfigur und erschlägt sie. Animationen werden nicht abgespielt. Audio hängt oder kommt in falscher Lautstärke aus der verkehrten Richtung. Keanu Reeves Tonspur ist deutlich leiser und anders aufgenommen als alle anderen. Wenn meine Spielfigur heimlich späht, beginnt sie zu schweben, bis sie meterhoch über der Deckung hovert und alle sie sehen.

Zwar stürzt „Cyberpunk“ nicht mehr alle drei Minuten ab, aber gut laufen tut es immer noch nicht. Die proprietäre und hauseigene RED-Engine kommt einfach hinten und vorne nicht klar, und in „Cyberpunk“ sind sogar Dinge kaputt, die in „Witcher 3“ noch funktionierten.

Aber selbst wenn technisch alles rund laufen würde: Dieses Spiel ist auch inhaltlich an vielen Stellen kaputt. Vieles wirkt wie auf Koks designt und nicht zu Ende gedacht. Allein die Bedienung ist auf Konsolen eine Frechheit. Menüs sind superwinzig, kaum lesbar und völlig überladen, das Perksystem überkomplex und untererklärt, das Inventar eine Müllhalde und das Craftingsystem habe ich bis zum Ende nicht verstanden und nicht benutzt.

Ich hatte ja schon ein schlechtes Gefühl, als CD Projekt Red 2014 ankündigte, „Cyberpunk 2077“ wäre ein First-Person-Adventure. Es gab noch NIE ein gutes Action-Adventure aus der Egoperspektive, und das hat Gründe. Springen und Klettern sind kaum möglich, das Customizing der eigenen Spielfigur ist völlig für die Katz (weil man sie nie sieht), und eine starke Erzählung oder Charakterzeichung kann mit einer Figur, die man nicht sehen kann, nicht wirklich gelingen.

Storytechnisch ist CP77 interessant, hat aber Open-World-typische Pacing-Probleme. Das Spiel baut viel Zeitdruck auf und drängt darauf der Hauptgeschichte zu folgen. Tut man das aber und konzentriert sich auf die story, plätschert die vor sich hin, nur um einem dann ohne Vorwarnung einen Bossgegner vor die Nase zu setzen, den man ohne ein bestimmtes Level nicht mehr besiegen kann – Zack, Storystopper. Unmittelbar nach dem Boss kommt schon der Point of no Return – wer hier weiterspielt, sieht schon nach 20 Stunden das Ende der Geschichte.

Die Nebenmissionen sollte man also unbedingt machen. Nur: Zu kaum einem Zeitpunkt weiß man, warum und wieso man welche machen sollte oder ob das alles nicht völlig egal ist. Die Nebengigs sind von der Qualität her ein ziemlicher Pralinenkasten. Ignoriert man den üblichen Open-World-Füllstoff, also die dummen Fetchquests, Autorennen und Faustkampfturniere, bleiben größtenteils nur Baukastenmissionen (gehe zu Punkt A und hau alle um) übrig.

Dabei gibt es durchaus drei, vier schön geschriebenen Nebenquestketten mit gelungenen Charakteren. Die sind aber oft so schludrig inszeniert, das sie antiklimaktisch enden. So zum Beispiel die Questkette um einen Polizisten, der Hilfe bei einem Serienmörder braucht. Der liegt im Koma, aber die entführten Opfer sind noch irgendwo in der Stadt und haben nicht mehr lange Zeit. V. muss in die Gedankenwelt des Killers einsteigen und herausfinden, wo er die Menschen verssteckt hat. Was superspannend geschrieben ist und in ein „The Cell“-Szenario führen könnte, verpufft hier einfach. Man untersucht eine Akte, fährt zu einem Ort und drückt einen Knopf – das war´s. Die durchgehende Egoperspektive verhindert, dass Zwischensequenzen filmisch inszeniert werden könnten – damit verschenkt Cyberpunk so viel.

Dieses verschenkte Potential aufgrund irriger Designentscheidungen ist überall zu spüren. So ist die Atmosphäre und Architektur von Night City und die grafische Erscheinung des Megasprawls faszinierend gut geworden. Irre Gebäude, Neonlichter… Das sieht toll aus, wirkt aufgrund des spärlichen Straßenverkehrs und weniger NPCS (die Engine!) aber auch oft leblos. Die Schwächen bei Technik, Story und Inszenierung arbeiten aber gegen die Atmosphäre, und das Spieldesign versteckt auch noch viele Möglichkeiten und Einzigartigkeiten vor einem.

Ich hatte am Ende aber doch Spaß an dem Game. Ich habe einfach alles ignoriert was ich nicht verstanden habe (wozu neben dem Crafting auch das Perksystem gehört, also vermutlich den ganzen Rollenspielanteil) und habe mich einfach über Hirn-aus-Simpelmissionen in der tollen Stadt und Missionen mit den wenigen Charakteren gefreut, die gut geschrieben sind. Auch die verschiedenen Enden sind allesamt berührend, kommen aber etwas abrupt und willkürlich um die Ecke.

„Cyberpunk 2077“ ist also kein dampfender Haufen, aber es ist auch kein supertolles Spiel. Abseits der netten Grafikassets ist sehr viel irreparabel verkehrt designt, technisch schlecht umgesetzt und die Narration erreicht an keinem Punkt „Witcher“-Niveau. An der Erwartungshaltung und den Versprechen im Vorfeld gemessen, ist es entäuschendste Spiel der letzten Jahre. Nach genügend Zeit in dieser Ruine findet sich dann aber doch eine gewissen Faszination des Morbiden – vielleicht das ist ja auch fast Punk.

The Kaito Files [PS5, 2022]
Tokio: Kaito Masaharu ist ein Ex-Yakuza und der Sidekick von Privatdetektiv Yagami. Als der aus der Stadt ist, wird ein neuer Klient bei Kaito vorstellig. Er soll eine Frau suchen, die eigentlich schon seit Jahren tot sein sollte. Zufällig ist diese Frau früher einmal Kaitos große Liebe gewesen.

Schöner DLC zu „Lost Judgment“. Keine Nebenaufgaben, kein Füllstoff, nur gut geschriebene und sehr spannende Thrillerstory. Deshalb schon nach rund 8 Stunden vorbei, aber da es in denen keiner Hänger und keinen Grind gibt, ist das mehr als verzeihlich. Ist im Season Pass zu Lost Judgment enthalten, auch wenn Sony Deutschland auch nach mehrfachem Hinweis zu dumm ist das auf die Website zu schreiben.


Machen:

ADAC-Training in Gründau,
Mastodon ausprobieren.


Neues Spielzeug:

Neue Tourenkombi. FLM Touren Leder-/Textil 4.0, der Nach-Nach-Nachfolger meiner Mohawk von 2012. Wieder Cordura/Ledermix mit Sympatex-Membran, Protektoren sind gegen bessere ausgetauscht.

Ist ordentlich verarbeitet, lediglich die Anordnung der Innentasche und die Reißverschlüsse an den Ärmeln sind Banane. Qualitativ gibt es deutlich besseres, aber diese Kombi passt mir perfekt, und darauf – und die schnelle Verfügbarkeit – kam es jetzt an. Ich kann gar nicht sagen, wie froh und glücklich ich bin, die Matata von Held endlich wegpacken zu können und stattdessen wieder eine Hose zu tragen, die mir nicht nach dem dritten Schritt vom Hintern rutscht (eine Nummer kleiner schnürte bei de Held dagegen die Extremitäten ab). Irgendwann mache ich mich dran mal eine gute Revvit Kombi zu finden, aber dieses Jahr habe ich von Hosenanprobieren die Nase voll.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

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Momentaufnahme: März 2022

Herr Silencer im März 2022

Schock des Monats: Krieg in Europa?!

Wetter: Nachts stets bitterkalt bei bis zu -4 Grad, tagsüber strahlender Sonnenschein bei 10 bis 18 Grad. Den ganzen Monat keinen Tropfen Regen, die Dürre im Boden steigt wieder an.


Lesen:

Alan Moore, Melinda Gebbie: Lost Girls [Graphic Novel, 1992]
Zu Beginn des ersten Weltkriegs sitzen die Gäste eines Luxus-Hotel in Österreich fest. Darunter drei Frauen: Eine ältere Dame, eine Amerikanerin und eine Hausfrau aus London. Sie lernen sich kennen, freunden sich an, beginnen eine Art von Beziehung und erzählen sich zum Zeitvertreib ihre sexuellen Geheimnisse.

So wurde die ältere Dame in ihrer Jugend von einem kaninchenhaft nervösen Mann betäubt und missbraucht und fühlt sich seitdem, als sei ihr wahres Ich in einem Land hinter den Spiegeln gefangen. Die Amerikanerin hat ihre erste sexuelle Erfahrung als einen Tornado der Lust in Erinnerung. Und die Londonerin beschreibt, wie ein Unbekannter ihr und ihren Brüdern zu einem Erlebnis verhalf, das sich anfühlte, als würden sie fliegen können.

Alan Moore ist verrückt wie ein Sack Katzen, aber er ist auch der Großmeister der Graphic Novels. Aus seiner Feder stammen u.a. die „Watchmen“, „V for Vendetta“ oder das schwer erträgliche „From Hell“. Das er in dieser Geschichte ausgerechnet Alice (die mit dem Wunderland), Dorothy (aus dem „Zauberer von Oz“) und Wendy (aus „Peter Pan“) als gealterte Frauen aufeinandertreffen lässt und ihnen eine erotische Beziehung andichtet, ist einer seiner besonders absurden Einfälle.

Die Geschichte der Beziehung der drei Frauen ist voller Wendungen und schockierender Enthüllungen, die oft von den Protagonistinnen so banal nebenbei erzählt werden, dass dadurch die Schwere ihrer Traumata deutlich zu Tage tritt. Das ist große Erzählkunst.

Die Zeichnungen von Melinda Gebbie tun das ihrige, um die Geschichte der „Lost Girls“ zu etwas Besonderem zu machen. Sie variieren stark, je nach Erzählerin, Perspektive und Thema wechselt der Stil zwischen naturalistischen Bleistiftzeichnungen oder ineinander verlaufenden Aquarellen. Der Fantasie wird dabei wenig überlassen; die Geschichte ist ein gezeichneter Porno, der zum Ende in stete Orgien abgleitet und kaum eine Spielart menschlicher Sexualität auslässt.

Das Buch selbst ist eine Freude: Extrem schweres Papier, Prägungen und perfekte Farben überall. Man hat das Gefühl, einen Schatz in Händen zu halten.

Christie Golden: Assassins Creed Heresy [2016]
Abstergo-Forscher springt in die genetischen Erinnerungen eines seiner Vorfahren und begleitet Jeanne d´Arc. Die hatte nicht nur einen erstaunlichen Count an Precursor-DNA, sondern kam im Laufe ihre kurzen Lebens auch mit einem Isu-Schwert in Kontakt, auf das die Templer der Gegenwart scharf sind.

Die Zusammenfassung klingt verwirrend? Das Buch steigt aber genau so ein. Viel erklärt wird hier nichts, und wer die umfangreiche Lore von „Assassins Creed“ nicht zumindest in Grundzügen kennt, versteht hier nur Bahnhof. Wer das „Creed“-Universum aber kennt und mag, schätzt den raschen Einstieg. Das Buch macht aus seiner Prämisse, das die historische Figur Jeanne d´Arc deshalb so rätselhaft war, weil sie unter Precursor-Einfluss stand, einen ordentlichen Bogen auf und füllt Lücken und Fragezeichen in der echten Geschichte mit Assassins Creed-Erzählungen.

Trotz der guten Idee: Erzählerisch ist dieses kleine Buch keine Leistung. Die historische Geschichte ist farblos hingemeiert, die Gegenwartsstory bemüht und krampfig erzählt, alle Figuren völlig beliebig. Immerhin habe ich etwas über das Leben der seltsamen Jungfrau von Orleans gelernt.


Hören:


Sehen:

Bild: Arte

Diener des Volkes [Arte Mediathek]
In der Ukraine: Der kleine Gymnasiallehrer Wolodymyr Selenskyj denkt er sei allein, als er seine Wut über „die da oben“ herausbrüllt und mit Leib und Seele darüber schimpft, dass es ja völlig egal ist, wenn man zum Präsidenten wählt – „die“ seien ja doch alle gleich und plünderten die Menschen der Ukraine hemmungslos aus.

Der leidenschaftliche Ausbruch wird von einem Schüler gefilmt, das Video geht Viral, und durch eine Reihe von Zufällen wird Slenskyj zum Präsidenten der Ukraine gewählt. Dort rutscht er schnell in die Maschinerie von „denen“, die ihn zu einem der ihren machen wollen. Während er sich dagegen noch wehrt und von Demokratie, Freiheit und Europa träumt, genießt seine Familie, das sie mit Aufmerksamkeit und Geschenken überhäuft wird.

Sehr unterhaltsam, diese Geschichte über den kleinen Mann, der über Nacht zum Präsidenten wird und dann in die Mühlen von Oligarchen und „Beratern“ gerät. Ständig am Rand der Überforderung träumt sich der Geschichtslehrer Hilfe historischer Figuren herbei. Das ist schon wirklich lustig, wenn er dann – befeuert von Che Guevara – das gesamte Kabinett als Bande von Dieben zusammenzuschreit, oder wenn er von Plato bedauert wird, das er an Demokratie glaubt. Und das, während seine Familie den neuen Status genießt und sein Vater sich gegen das Versprechen von Gefallen die schäbige Plattenbauwohnung zu einem „Versailles“ umbauen lässt.

Historischen Wert hat sie Serie ja schon deshalb, weil der echte Selenskyj auf dieser Basis wirklich unvermittelt Präsident wurde. Sie bietet aber auch anhand vieler Kleinigkeiten Einblicke in das Leben und die Denke der Ukraine vor dem Krieg, vom Alltag bis zum Verhältnis zu Belarus („Herr Präsident, das ist nur Lukaschenka, wegen dem müssen sie sich nicht erheben“). Aus heutiger Sicht guckt man die ganze Zeit mit einem weinenden und einem bewunderndem Auge.

23 Folgen OMU in der Arte Mediathek

The King´s Man [BluRay]
Um die Jahrhundertwende: Ralph Fiennes ist der Duke of Oxford. Der Pazifist und Philanthrop muss miterleben, wie seine Frau im Jahr 1902 in den Burenkriegen stirbt, dann kommt auch noch sein sein Sohn in den Schützengräben des ersten Weltkriegs um. Durch Zufall stösst Fiennes darauf, das ein mysteriöser Unbekannter europäische Staatsoberhäupter mittels sinistrer Charaktere wie Rasputin, Mata Hari oder Eric Jan Hanussen manipuliert. Diese Ereignisse führen zur Gründung eines unabhängigen Nachrichtendienstes: Kings Man.

Ich mag ja fiktionale Stories, die sich im Schatten realer Ereignisse abspielen. Das war es, was ich an „Assassins Creed“ faszinierend fand, bevor die Serie den Bach runterging.

Das nun die Form der „Alternate History“ genutzt wird um ein Prequel zu den von mir heiß geliebten „Kings Man“-Filmen zu machen, fand ich daher grundsympathisch – und war zunächst doch enttäuscht, wie übrigens auch die Kritiker und ein guter Teil des Publikums.

Das liegt zum guten Teil daran, dass die Vorgängerfilme, besonders „Golden Circle“, völlig überdrehte und fantastische Spionage-Comedy-Action-Derivate um einen Club außergewöhnlicher Gentlemen waren. Das Prequel „The King´s Man“ verbreitet nun dagegen erst einmal die graue Aura von staatstragendem Ernst und bleierner Trauer. Ralph Fiennes gibt sich erkennbar Mühe die Traumata seiner Figur deutlich zu machen, und Krieg und Tod des ersten Weltkriegs taugen als Hintergrund für eine Geschichte nun mal nicht für gute Laune.

Gelegentlich gibt es campy Elemente, wie die Infografik für Dreijährige, die die komplexen Hintergründe europäischer Politik auf vier Pfeile und drei Figuren reduziert, oder dass die rivalisierenden Charaktere Kaiser Wilhelm II, Zar Nikolai und King George V alle vom selben Darsteller gespielt werden. Dieser Unfug ist aber fehl am Platz und bringt den Film tonal ins Schlingern, zumal er nie in Richtung Komödie abbiegt. Auch große Actionsequenzen sucht man hier vergebens – und das ist genau, was die Erwartungshaltung der Fans bricht.

Aber: Der Film hat etwas ganz Eigenes, stelle ich nach dem zweiten Ansehen fest. Das hier ist kein schlichter Popcorn-Blockbuster, sondern die Geschichten von einzelnen Personen und ihren Motivationen. Die sind sorgfältigst geschrieben und hergeleitet, wie überhaupt die ganze Story mit großer Kunstfertigkeit gebaut wurde und viele, kleine Überraschungen bietet – das fängt bei einem völlig lautlosen Faustkampf im Niemandsland der Westfront an, führt über den Charakterbogen einer Ziege(!) und endet bei der Tatsache, dass hinter der „Kings Man Agency“ eigentlich eine Frau steht.

Die Motivationen des Duke of Oxford und seine Entwicklung sind sorgfältig herausgearbeitet, und alle Handlungen und Ereignisse passieren nicht einfach so, sondern sind immer begründet und haben Folgen (die Ziege!).

Die Besetzung ist erstklassig, bis in die Nebenrollen hinein. Gemma Arterton als Koordinatorin, Charles Dance als alter General und Daniel Brühl als Hanussen sind schon super, aber Rhys Ifans (Spike aus „Notting Hill“) deklassiert alle anderen, hat er doch als dämonischer Rasputin, der Gegner in Grund und Boden tanzt(!) sichtbar Spaß an der Rolle.

Blass bleibt lediglich der Antagonist. Mir gefällt die Idee, dass ein dunkler Strippenzieher für die tatsächlich manchmal unglaublichen Entwicklungen im ersten Weltkrieg verantwortlich sein soll, aber genau dieser Charakter ist klischeehaft gezeichnet und funktioniert nicht gut. Das ist schade, denn dadurch werden auch die Heldenfiguren in Mitleidenschaft gezogen.

Was bleibt? Nun, „The King´s Man“ ist ein sehr guter Film mit hervorragenden Schauspielern und einer tollen Geschichte. Für sich allein leidet er lediglich unter tonalen Inkonsistenzen und einem schwachen Antagonisten. Als Prequel kann er aber die Hypothek der Reihe nicht einlösen. Das tut dann evtl. ein echter „Kings Man 3“.

Jojo Rabbit [Netflix]
Kleiner Junge ist begeisterter Nationalsozialist und hat Hitler als imaginären Freund.

Unerträglicher Quatsch, prätentiöse Taika Waikiki Selbstdarstellung, völlig überdreht und dem Thema völlig angemessen, nach 20 Minuten ausgemacht. Dann auf Twitter überredet worden doch weiter zu schauen. Stellt sich raus: Scarlett Johannson. Aber der Rest bleibt trotzdem unerträglich überdrehter Müll, stellenweise „Hitler – Das Musical“. Schlimm.


Spielen:

Horizon: Forbidden West [PS5]
Unsere Zivilsation ist vor 1.000 Jahren untergegangen. Jetzt leben die Menschen in steinzeitlichen Stämmen, beschützt von tierähnlichen Maschinen. Die werden eines Tages aggressiv und wenden sich gegen die Menschen. Schlüsselfigur gegen diese Bedrohung ist Aloy, eine junge Jägerin vom Stamm der Nora. Stück für Stück entdeckte sie, was in der Vergangenheit mit der Welt passierte und wer sie selbst eigentlich ist.

Soweit die Zusammenfassung von „Horizon: Zero Dawn“, dem 2017 erschienenen Vorgänger, dessen Story ich für eine der besten SciFi-Geschichten halte, die je geschrieben wurden.

Der Nachfolger „Forbidden West“ schließt nun direkt an die Ereignisse von „Zero Dawn“ an: Das Terraformingsystem der Erde spielt verrückt, Unwetter und Hungersnöte sind die Folge. Aloy macht sich auf, um den Grund dafür herauszufinden und zu ergründen, warum die Maschinen im ersten Teil überhaupt aggressiv wurden.

Natürlich kann Teil 2 nicht auf die gleiche Weise wie „Zero Dawn“ funktionieren. Viel der Faszination von Teil 1 kam durch den Wissensunterschied und die unterschiedlichen Intentionen von Spielfigur und Spieler: Aloy wollte nur wissen wer sie ist und woher sie kommt, als Spieler wollte man wissen warum die Erde untergegangen ist und wieso Roboterdinosaurier(!) auf ihr unterwegs sind. Das führte zu charmanten Situationen, etwa wenn Aloy sich freute wenn sie ein „Armband der Vorfahren“ fand oder „ein Windspiel der Altvorderen“ und man als Spieler wusste: Das ist eine Casio-Uhr und ein Schlüsselbund, was sie da gerade ausgebuddelt hatte. Trotzdem fand man am Ende gemeinsam raus, warum unsere Zivilisation unterging. Dieser erzählerische Kniff lässt sich nicht beliebig wiederholen.

Dennoch geben sich die Autoren große Mühe, auch in „Forbidden West“ zu überraschen – und meine Güte, das gelingt ihnen! Sicher, mittlerweile weiß man um die Geheimnisse von Projekt Zero Dawn und kennt Aloy, aber dennoch blieb mir beim Spielen der Hauptstory mehr als einmal der Mund offen stehen.

Das hier ist die ganz, ganz hohe Kunst guten Geschichtenerzählens. Alles wird gut vorbereitet, ergibt im Kontext der Welt Sinn und hat eine ordentliche Auflösung. Dazu macht die Heldin eine ganz eigene Entwicklung durch: Trägt sie zu Beginn noch die Last der Welt auf ihren Schultern, begreift sie im Verlauf, dass andere Menschen durchaus wichtig sein können.

Neben der tollen Hauptgeschichte gibt es wieder jede Menge Nebenmissionen, die mal dramatisch und mal herzbrechend sind, vor allen aber sind sie gut geschrieben. Die Nebenmissionen von „Forbidden West“ sind kein generischer Einheitsquatsch aus dem Baukasten, wie in „Assassins Creed“ und anderen Open Worlds seit Jahren üblich, das hier sind echte Kurzgeschichten, die toll vertont und geschauspielert sind und die vor allem einen Einfluss auf die Hauptgeschichte und Personen haben.

Dazu kommt die technische Umsetzung. Die Welt ist wunderschön und detailreich, und die Gesichter der wirklich guten Schauspielern (U.a. Carrie Anne „Trinity“ Moss, Angela Bassett oder Lance Reddick) sind fotorealistisch. Das wirkt alles lebendig, und weil auch die Charaktere bis in die Nebenrollen hinein gut geschrieben sind, ist „Forbidden West“ wieder eine herausragende Erfahrung.

Gameplaytechnisch hat das Amsterdamer Studio Guerilla Games überall noch etwas draufgesattelt, was aber nicht an jeder Stelle gut ist. Zwar funktioniert das Klettersystem jetzt besser, aber Dinge wie Fallenstellen und Tränke brauen sind jetzt völlig überladen. Es gib so dermaßen viele Optionen, dass man sich immer wieder in den Menus verfuddelt. Alle Optionen nutzen kann man eh nicht, man muss sich hier wirklich heraussuchen, was zum eigenen Spielstil passt. Das schlanke System des Vorgängers hat mir da besser gefallen.

Ist aber Jammern auf höchstem Niveau, „Horizon: Forbidden West“ lässt sich trotzdem gut spielen, hat eine Hammergeschichte und ist dazu noch eines der schönsten Games für die aktuelle und letzte Konsolengeneration.
Wer storygetriebene Actionadventures mag, findet hier eines der besten die es bislang gab.


Machen:

Moppedsaisonstart 2022


Neues Spielzeug:

Ein Schnappdreieck.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Kategorien: Momentaufnahme | 4 Kommentare

Momentaufnahme: Februar 2022

Herr Silencer im Februar 2022

Worte des Monats:

Wetter: Monatsanfang um den Gefrierpunkt und Dauerbedeckt, Monatsmitte um die 7 Grad und einige Tage Sonne, Monatsende noch einmal Frost mit Minustemperaturen um die -4.


Lesen:

WIP


Hören:


Sehen:

The Book of Boba Fett [2022, Disney+]
Boba Fett klettert aus dem Sarlacc und beschließt, er müsste jetzt mal der neue Verbrecherboss von Tatooine werden. Er heuert die Bande von Griff Tannen aus „Zurück in die Zukunft 2“ an und beleidigt Fischköppe. Es folgt: Ein ebenso absurdes wie langweiliges auf-der-Stelle-treten.

Argh, was war das denn? Da fällt Boba Fett als knallharter, wortkarger Kopfgeldjäger 1983 in die Grube des Sarlacc, und als er 2021 wieder daraus emporkrabbelt, ist er ein 60jähriger Opa mit Harmoniebedürfnis, der die Bevölkerung von Tatooine als Jabba-Nachfolger schützen will? Hä?

Seltsame Rückblenden, eine ziellos mäandernde Geschichte und Figuren, bei denen zu keiner Zeit die Motivation klar ist, machen „Book of Fett“ leider zu einer handwerklich schlechten Serie. Dazu kommen teils wirklich nicht gute Schauspieler, und das sich von den sieben Folgen zwischendurch auch noch zwei mit was ganz anderem beschäftigen legt den Witz nahe, dass selbst die Serienmacher keinen Bock auf dem Boba Fett sein Buch hatten.

Sehr seltsam, dass von den Schöpfern eines solchen Knallers wie „Mandalorian“ so ein Totalausfall kommt.

Ghostbusters: Afterlife [2021, BluRay]
Alleinerziehende Mutter zieht mit ihren Kindern auf´s Land, auf die heruntergekommene Farm des lang verschwundenen und jüngst verstorbenen Vaters. Schnell wird den Kids klar, das im gottverlassenen mittleren Westen irgend etwas nicht stimmt, und Opa absichtlich hier her gezogen ist, weil er 1984 ein Geisterjäger war und hier ein Epizentrum des Übersinnlichen liegt.

Oh wow! „Afterlife“ ist eine direkte Fortsetzung der Ghostbusterfilme aus den 80ern, und eine ganz wunderbare noch dazu. Im Kern ist das hier „Goonies meets Ghostbusters“ sowie die Geschichte von Egon Spengler. Der Figur des zwischenzeitlich verstorbenen Harold Ramis, an den dieser Film eine großartige Hommage ist. Was Jason Reitmann, der Sohn des gerade verstorbenen Ivan Reitmann, hier gemacht hat, funktioniert für eine neue Generation Zuschauer, zupft aber auch den Nostalgienerven der Altfans.

Super gemacht, und die Ereignisse der Filme von ´84 und ´89 sowie des dritten Teils (das Spiel von 2010!) passen genau zu dieser tollen Übergabe des Staffelstabs an eine junge Generation. Die ist übrigens so toll besetzt, dass ich gerne mehr von denen sehen würde.


Spielen:

Warten auf Aloy, deshalb zwischendurch erstmal ein paar kurze Remaster und eine angespielte Altlast:

Alan Wake Remastered [PS5, 2010, 2021]
Alan Wake ist ein Bestsellerschriftsteller und nach Veröffentlichung seines letzten Buchs kreativ völlig am Ende. Um den Kopf frei zu bekommen, fährt er mit seiner Frau nach Twin Peaks. Hier verschwindet das Ehegespons, es passieren Dinge, und am Ende stolpert Wake immer wieder Nachts durch dunkle Wälder.

„Alan Wake“ ist ein spielbarer Stephen-King-Roman im Twin-Peaks Setting – so kann man das Spiel vielleicht am einfachsten beschreiben. Der Ort der Handlung und die skurrilen Charaktere erinnern an jeder Ecke an die alte David-Lynch-Serie.

Das alles passt perfekt zu einer verwickelten und sehr dramatischen Geschichte, die hier in Episodenform erzählt wird. Wie bei einer Fernsehserie gibt es Unterbrechungen und Rückblicke. Diese Unterbrechungen passen perfekt auf die einzelnen Storybeats, wobei die einzelnen Episoden auch in sich ein sehr gutes Pacing mitbringen. Ruhige Dialog- und Erkundungsphasen wechseln sich ab mit Actionpassagen, in denen Alan Wake durch finstere Wälder stolpert und mit einer Taschenlampe die Dunkelheit bekämpft.

Licht als Waffe einzusetzen ist originell und funktioniert meist sehr gut, weniger gelungen ist die Steuerung, die etwas indirekt und schwammig ist. Die Hauptfigur ist so unsportlich, dass sie mehr stolpert als läuft, nicht mehr als 20 Metern sprinten und nicht mehr als zwei Mal ausweichen kann. Neben diesen (gamedesigntechnisch gewollten) Restriktionen gibt es auch Limitationen bei der Spielengine, die Animationen nicht unterbrechen kann. So stirbt Alan Wake ein ums andere Mal, weil ihn während der langen „ich hebe einen Gegenstand auf“-Animation die Dunkelheit von hinten erwischt.

„Alan Wake“ ist gameplaytechnisch kein Meisterwerk, nie gewesen. Den Status des Klassikers hat sich das Game auf der vorletzten Konsolengeneration erworben, weil es ein atmosphärischer Hammer ist. Wenn Wake im Licht des Mondes seinen Weg durch die nebelverhangenen Wälder sucht, dazu düstere Bässe und unheilvolle Geigen aufspielen – dann stellen sich einem die Nackenhaare auf.

Das Remaster, das es nun für PS4/5 und die diversen Xboxen gibt, bringt neben allen DLCs auch hohe Auflösungen, bessere Texturen und neue Effekte mit, die „Alan Wake“ auf ein zeitgemäßes Niveau hieven. Lediglich bei den groben Gesichtsanimationen und der Charakterbeleuchtung merkt man, dass man es hier mit einem XBOX360-Game zu tun hat.

Ist aber egal: „Alan Wake“ ist ein Meilenstein der Spielegeschichte und ein Lehrstück, wie Geschichten im Medium Videospiele erzählt werden können, das sollte jede halbwegs interessierte Gamerin mal gesehen haben.

Alan Wake´s American Nightmare [XBOX 360]
Nach den Ereignissen des Hauptspiels wacht Alan Wake in einer Episode der TV-Serie „Twilight Zone“ auf. Schnell wird klar, das er immer noch in der Gewalt der dunklen Entität ist und nur ausbrechen kann, wenn er die Handlung der Folge zu Ende führen kann. Das ist aber gar nicht so einfach, denn stets kurz vor dem Ende wird die Handlung wieder an den Anfang zurück geskippt.

Kleine Weiterführung der Alan Wake-Reihe. Sollte wohl mal ein zweiter Teil werden, wurde dann aber zu Gunsten des nächsten Projekts beim Publisher eingestellt und die fertigen drei Levels durch den Kniff mit den Zeitschleifen zu einem eigenen Spiel hochgepumpt. Immer wieder die gleichen Szenen zu spielen nervt erstaunlich wenig, zumal sich Wake und die anderen Figuren den Wiederholungnen bewusst sind und versuchen, durch Variationen den Ausgang zu ändern. Da zudem nach knappen fünf Stunden alles vorbei ist, kann man das mal mitnehmen. Ist sogar im Microsoft Gamepass kostenlos enthalten.

Uncharted: A Thieves End [Remaster PS5 2016, 2021]
Wo sind eigentlich all die Piraten hin, als das goldene Zeitalter der Freibeuter endete? Die Geschichte lehrt uns, dass sie alle gejagt und letztlich gefangen und getötet wurden. Aber was, wenn die großen Piratenkapitäne ihren Tod nur vorgetäuscht und sich in Wahrheit gemeinsam und mit ihren Schätzen in einen versteckten Winkel der Welt zurückgezogen hätten? Nathan Drake und Victor Sullivan gehen der Sache nach.

Aaaaah, Uncharted 4.
Das perfekte Action-Adventure. Man stelle sich seinen Lieblingsabenteuerfilm vor, addiere das Lieblingsadventure dazu und nehme das mal zwei.

„A Thieves End“ ist so unfassbar gut geschrieben und umgesetzt, dass mir jedes Mal die Worte fehlen. Hier herrscht kein Leerlauf, die Charaktere fühlen sich wie echte Menschen an, alles strotzt vor Cleverness. Das zeigt sich besonders im environmental storytelling; die Umgebung selbst erzählt eine Geschichte, und es ist toll sich daraus zusammen zu reimen, was hier passiert ist.

So liebe ich bspw. die Szene, in der Drake das Bild eines Piratenkapitäns findet, dessen Flagge – einen Affen – er nicht erkennt (s.o.) – das ist natürlich eine Hommage an „Monkey Island“, und allein die IDEE, das Uncharted hier die Geschichte von Guybrush Threepwood zu Ende erzählt, der es am Ende wirklich geschafft hat ein mächtiger Pirat zu werden, lässt mein kleines Nerdherz vor Freude hüpfen.

Das Remaster für die Current Gen Konsole sieht genauso aus wie die PS4-Fassung, läuft aber flüssiger und bringt die Konsole vor lauter Grafikpracht nicht zum Glühen. Besitzer der PS4-Fassung von „Thieves End“ oder „Lost Legacy“ bekommen die „Legacy of Thieves“-Edition für die PS5 für 10 Euro.

Uncharted: The Lost Legacy [Remaster PS5 2017, 2021]
Chloe Frazer ist eine Diebin, und jetzt hat sie sich entschieden etwas sehr Wertvolles zu stehlen: Den Stoßzahn der indischen Gottheit Ganesha. Hinter der Reliquie ist auch eine indischer Nationalist her, und dooferweise hat der eine Armee im Gepäck. Zum Glück ist Chloe bei der Schnitzeljagd durch indische Großstädte und den Dschungel nicht allein: Sie hat die Söldnerin Nadine Ross engagiert. Das Muskelpaket, das zuletzt den Drake-Brüdern ordentlich einheizte, soll der Diebin den Rücken frei halten. Das tut sie auch – bis Chloe, ganz ihrer Natur entsprechend, alle verrät.

Zuletzt 2017 gespielt, aber immer noch gut, dieser kleine Ableger der Uncharted-Reihe. In knapp 8 Stunden ist man durch die (größtenteils vorhersehbare) Geschichte durch, aber die kommt ohne Hänger daher und ist spannend. Der charismatische Widersacher, das knackige Gameplay und das unglaubliche Polish machen diesen Titel zu einem Juwel. Dem konnte auch das PS5-„Remaster“ nichts hinzufügen. Läuft jetzt wohl auf 120 FPS bei 4K, was ich nicht prüfen kann, sieht aber ansonsten genauso brillant aus wie auf der PS4.

Cyberpunk 2077 1.5 [PS5, 2022]
Als „Cyberpunk 2077“ im Dezember 2020 erschien, war es ein verbuggter, glitchiger Haufen Müll. Das erste Dutzend Patches half diesem Wrack soweit auf die Füße das es einigermaßen spielbar war, allerdings fehlten weiterhin essentielle Features, es strotze weiterhin vor Fehlern und auf den Lastgen-Konsolen bekam man Augenkrebs ob der schlechten Grafik. Zudem wurden die NPCs in der Spielewelt so zurückgefahren, das sie tot und leblos wirkte, und die PS4-Fassung stürzte alle 30 Minuten ab. Ich brach deshalb meinen Spieldurchlauf nach wenigen Stunden ab und packte das Ding zur Seite.

Nun, nach 15 Monaten, also der große Patch. Aber der macht nicht alles gut, obwohl er sich auf PC, PS5 und XBOX Series konzentriert. Ich habe nur kurz reingespielt und praktisch sofort auf der PS5 Pop-Ins (zu spät ladende und urplötzlich ins Bild springende Objekte), Clippingprobleme und verrückte Physik gefunden. NPCs laufen mit unsichtbaren Gegenständen und in seltsamen Haltungen durch die Gegend und durch Wände, die Spielwelt ist nach wie vor ziemlich leblos und die Straßen leer. Die Grafik sieht jetzt besser aus und läuft flüssig, so lange man sich nicht zu schnell bewegt.

Was nach wie vor das Grauen: Das Nutzerinterface. Das Inventar ist zugeschissen mit Tausend Funktionen und Angaben, das HUD überfrachtet mit hunderten Infos in Winzigschrift und die Bedienung ist fummelig, überfrachtet und so wenig intuitiv, dass das Spiel ohne mehrjähriges Studium und Mausbedienung kaum handhabbar ist.

Was auch immer da in Zukunft noch kommt: Man sollte die Hoffnung aufgeben, das aus Cyberpunk2077 jemals ein gutes Spiel wird. Und die Fassung für die LastGen-Konsolen sollte man gänzlich abschreiben, die laufen immer noch schlecht, und da machen CD Projekt Red keinen Handschlag mehr.


Machen:


Neues Spielzeug:
Neue Handschuhe!

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

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Momentaufnahme: Januar 2022

Herr Silencer im Januar 2022

Worte des Monats: Ist der Januar endlich vorbei? Bitte?

Wetter: Um Null, meistens nass. Gelegentlich Schnee, der aber nie lange liegen bleibt. Einfach nass und kalt und bah. Erst am 27.01. sehe ich um 11:30 Uhr für einen Augenblick einen Sonnenstrahl. Ehrlich, ich habe noch nie bewusst einen so langen und dunklen Januar wahrgenommen.


Lesen:

WIP


Hören:


Sehen:

Penny Dreadful [2021, BluRay]
Timothy Dalton und Eva Green treffen im viktorianischen London auf Mina Harker, Dr. Van Helsing, Dr. Frankenstein, Werwölfe, Jack the Ripper, Dorian Grey und andere seltsame Zeitgenossen. Das Green von der Dunkelheit verehrt wird und Dalton seine Tochter ausgerechnet an Dracula verloren hat, macht die Sache nicht einfacher.

„Penny Dreadful“ waren im England des 19. Jahrhunderts massenproduzierte und billige Bilderheftchen mit Gruselgeschichten. Gruselig möchte auch diese Serie sein, billig gemacht ist sie aber nicht. Die Besetzung ist bis in die Nebenrollen hinein einfach nur fantastisch, aber geradezu magisch ist das Zusammenspiel aus Timothy „007“ Dalton und Eva Green. Dazu kommt der sichtbar hohe Production Value, das ist alles edel gemacht und auch so gefilmt.

Über alle 27 Folgen hat die Serie Probleme mit dem Pacing. In der zweiten Staffel verliert sie etwas ihren Fokus und tritt lange auf der Stelle, was dazu führt, dass sie sich in der finalen dritten Staffel sehr beeilen muss, um alle Handlungsfänden zusammenführen. Das wirkt etwas unzusammenhängend, kommt aber zu einem okayen Ende.

Jede der drei Staffeln der 2014er Serie besteht nur aus 9 Folgen, was sich angenehm wegschauen lässt.

Eternals [2020, Disney+]
Salma Hayek, Angelina Jolie, die Stark-Brüder aus Game of Thrones und generische Schauspieler 1 bis 8 halten sich seit x-tausend Jahren auf der Erde versteckt und werden erst aktiv, als der Planet von schlechtem CGI und hanebüchenen Drehbüchern bedroht wird.

Lassen wir mal die doofe Prämisse außer acht, hat „Eternals“ immer noch 99 Probleme, und alle davon sind hausgemacht. Der Film möchte gerne anders sein als andere Marvel-Filme und auf den Beziehungen der Charaktere zueinander aufbauen, macht sich aber nicht die Mühe, die Figuren einzuführen und Beziehungen wirklich zu etablieren. Ginge auch gar nicht, denn dafür ist der Cast viel zu groß.

Von der schieren Menge an Hintergrund, der hier erst einmal aufgebaut werden müsste, hätte ein Serienformat mit vier Staffeln besser gepasst als ein Film. Vergleicht man „Eternals“ mit dem bisherigen Marvel-Universum, ist es so, als hätte man versucht alle Filme der Phasen 1 bis 3, also vom ersten „Iron Man“-Film bis zu „Endgame“, in einen Film zu stopfen. Eternals schafft dabei ein erstaunliches Kunststück: Trotz der Menge an Erzählung ist der Film gähnend langweilig und so belanglos, dass man bereits während des Anschauens vergisst, worum es eigentlich geht.

Ist halt immer schon ein schlechtes Zeichen, wenn man nach der Hälfte des Films nicht mal die Namen der Protagonisten kennt. Im Fall von „Eternals“ hat man schon Probleme, sich deren Gesichter zu merken.


Spielen:

Scarlet Nexus [PS5, 2020]
Japanische Städte werden von Chimären aus menschlichen Körperteilen und Blumenvasen angegriffen. Ein Gruppe Psi-begabter Kids stellt sich dem entgegen. Am Ende retten alle die Welt durch das Aufsagen von Kalendersprüchen.

Action-Rollenspiel im Anime-Look, mit einer Mischung au Dialogen und Kämpfen mit Waffen und Macht-Kräften. Das macht eine zeitlang Spaß, dann wird es repetitiv und nervig.

„Ein Anwärter auf Game of the Year“ und „Eine tolle neue IP“ jubelten die Kritiker und fantasierten von „wuchtigen Kämpfen“, „tollen Charakteren“ und „epischer Story“ – und ich sitze hier vor uns frage mich, ob diese „Journalisten“ dieses Machwerk eigentlich länger als die drei Stunden, die der Publisher als Preview erlaubt hat, gespielt haben. „Scarlett Nexus“ ist nämlich ein Ausflug in die Hölle des Gamedesigns. Ab dem zweiten Level wiederholen sich die leeren Landschaften und die teils ausgesprochen hässlichen Assets, der Plot ist völlig vorhersehbar, die Charaktere sind die üblichen Abziehbildchen. Spielmechanisch sind die PSI-Fähigkeiten nett, sind aber direkt ab Start verfügbar und erfahren keine Entwicklung. Genau wie die Gegner, die allen Ernstes mitleveln, D.h. über den Spielverlauf hat man nie das Gefühl, dass die eigene Spielfigur stärker wird, sondern eher immer wirkungsloser: Hat man ein Krokodil mit Blumen als Kopf (fragen sie nicht) zu Spielbeginn noch binnen 20 Sekunden umgehauen, braucht man dazu am Ende rund 3 Minuten – sowas steht nicht nur der Power-Fantasie entgegen, sowas nervt einfach nur kolossal, zumal wenn im letzten Drittel die Gamedesigner mangels kreativer Einfälle einfach die gleichen Gegner im Dutzend auftauchen lassen.

Dazu kommen Menüstrukturen aus den 90ern, nervige und bei jeder Gelegenheit aufpoppende Dialoge sowie bis zum Ende „Tips“-Einblendungen, die einem den Bildschirm zukleistern.

Ganz schlimm ist das Pacing, das wirklich völlig kaputt ist. Zwischen Segmenten, in denen man auf „Missionen“ unterwegs ist, die auch gelegentlich mal die Story vorantrieben, macht das Spiel immer wieder eine Vollbremsung bis zum absoluten Stillstand. Dann hocken alle Charaktere in einem pottenhässlichen Appartement rum und wollen einem entweder stundenlang ein Wurstbrot ans Ohr jammern oder erwarten Geschenke, die es zu besorgen gilt.

Auch übergreifend entwickelt das Spiel keinen Flow. Satte 10 Stunden passiert faktisch nichts außer wehleidigen und ausufernden Dialogen, dann erfolgt ein Exposition-Dump, dann folgen 7 Stunden Füllmaterial, in dem die designer sich nicht mal mehr die Mühe gemacht haben Levelassets zu bauen, sondern einfach die vorhandenen wild durcheinanderschmeissen. Dann kommen Bosskämpfe – gegen immer den gleichen Boss, aber immer dreimal hintereinander, und dann ist eine Kampagne endlich vorbei – und DANN soll man den ganzen Käse nochmal von vorne spielen, mit einem anderen Charakter, um die Lücken in der wirren Geschichte zu füllen.

Nein, Danke. Einmal ist weit mehr als genug. Zumal auch die Präsentation keine Augenweide ist. Die umfangreichen Dialogszenen sind nicht mal animiert, sondern werden nur mit Standbildern unterlegt. Die Umgebungen sind aus dem Baukasten zusammengefügt und meist hässlich. Das Gegnerdesign ist interessant, aber mehr als ein Dutzend Gegnertypen gibt es halt nicht, und die werden bis zum Erbrechen recycled.

Ich konnte schon mit dem ähnlich umjubelten „Nier: Automata“ nichts anfangen, und „Scarlet Nexus“ ist eine ähnlicher Fall: Von der Kritik gehyped, aber nachweisbar und objektiv ein schlechtes Spiel, das schlicht keinen Spaß macht.

Chorus [PS5, 2020]
Der Weltraum: Nara ist Jetpilotin im Dienst von Schmugglern. Sie hat ein Geheimnis: Als PSI-Medium und war sie früher eine lebende Waffe im Dienste eines radikalen Kults, vor dem sie sich nun versteckt. Als der Kult sich anschickt Naras Schmugglerfreunde zu versklaven, macht sie sich auf die Suche – nach ihren vergessenen Kräften und nach ihrem alten Jet, einem mächtigen Schiff mit einer sehr eigenen Persönlichkeit.

Nettes AA-Spiel des Hamburger Studios Fishlab. Toll vertont, nette Grafik, Spielprinzip ist irgendwo zwischen Wing Commander und Afterburner, also arkadige Dogfights mit handlungstransportierenden Zwischensequenzen. Nara ist eine interessante Protagonistin, und das ihr Schiff eine schmerzerfüllte Fusion aus einer Maschine und einem lebenden Bewusstsein darstellt, führt zu spannenden Konflikten. Ich mag sogar die ASMR-mäßig hingehauchte Vertonung von Naras inneren Monologen, das ist ein eigenständiges und cooles Element.

Leider kommen auf jede gute Idee zwei schlechte, „Chorus“ steht sich selbst permanent auf den Füßen. Die Gamemechaniken funktionieren gut und machen Spaß, aber das Missionsdesign ist aus der Grabbelkiste der Spielesünden. Hier werden permanent Aufgaben aufgefahren, die schon zu Zeiten von Wing Commander keinen Spaß machten, und die Gamesdesigner heute aus gutem Grund nicht mehr einsetzen – Eskortmissionen etwa, oder Aufgaben unter Zeitlimit. Wenn man als Casual-Gamer auch beim Dutzendsten Versuch an solchen Missionen scheitert und das Spiel keine Möglichkeit bietet das zu umgehen, dann ist das einfach schlechtes Gamedesign.

Es gibt immer wieder tolle Ideen, die aber teils nicht berauschend oder eben mit zu hohem Schwierigkeitsgrad umgesetzt sind. Ein driftendes Schiff? Super Idee! Den Spieler mit kompliziertesten und nicht überspringbaren Driftparkours nerven, die man – mit viel Glück! – im 58. Versuch besteht – nicht super.

„Chorus“ ist tatsächlich ein Spiel, wo ich beinahe nicht über die Tutorialmissionen hinausgekommen wäre – und ich fürchte, ich werde die an sich interessante Story nicht bis zum Ende erleben, weil das Game schlicht zu schwer ist.

Sakura Wars [2020, PS4]
Steampunk-Tokio in den 1920ern: Ein junger Marineoffizier wird abkommandiert, um ein altes Theater wieder auf Vordermann zu bringen. Was niemand weiß: Wenn die Darstellerinnen der „Tokyo Combat Revue“ nicht gerade auf der Bühne stehen, verteidigen sie die Stadt in Kampfrobotern gegen Dämonen.
Hä? Was?

Völlig abgedreht: Als Hauptfigur muss man tatsächlich dafür sorgen, dass das Theater stückchenweise renoviert wird, man eine Weltmeisterschaft gewinnt, alle Protagonistinnen Vertrauen fassen und zwischendurch Monster verhauen. Das spielt sich teils wie ein Adventure, teils wie eine Dating-Sim und teils wie ein Actionspiel.

Skurril. Leider oft etwas langatmig, aber die interessanten Charaktere und die letztlich doch interessante Story in Kombination mit dem tollen Zeichentrick-Look haben mich damit viel Spaß haben lassen. Auch die Musik ist der Hammer, selten einen so tollen, orchestralen und dabei irgendwie anders klingenden Score gehört.

Bayonetta [2010, PS4]
Hauptfigur ist eine Hexe, die mit ihren Haaren Dämonen beschwört, mit Handfeuerwaffen an Händen und Füßen Jagd auf Engel macht und bei Finishingmoves nackt ist. Noch Fragen?

Bayonettas Story ist einfach völlig over-the-top bonkers. Im Kontext der Welt ergibt das alles einen Sinn, aber erstmal wirkt alles völlig verrückt. Ist aber egal, denn die Brawler Gamemechanik knallt und das Design der Charaktere ist der Hammer. Selbst beim hundertsten Mal ist es noch befriedigend, die monströsen Engelsgestalten mit Schlägen, Tritten und Waffenkombos kaputt zu hauen. „Bayonetta“ ist ein orgiastisches Vergnügen.

Spielerisch hat sich in der 2020er „Jubiläumsedition“ nichts geändert im Vergleich zum 2010er Original, lediglich die Auflösung ist zeitgemäß.

Vanquish [2007, PS4]
Böse Russen greifen die Erde an, Wissenschaftler im Raketenanzug wird auf einer Raumstation abgesetzt um mit einer Horde Marines von A nach B zu rennen.

„Vanquish“ ist auch von Platinum Games, genau wie Bayonetta, und war ein ziemlich offensichtlicher Versuch, 2008 ein eigenes „Gears of War“ mit Einsprengseln von „Halo“ auf der Playstation zu etablieren.

Story ist Banane, das Design ist so lala, aber die Shooter-Gamemechanik funktioniert ordentlich. Manches ist nett gelöst und eigenständig, wie die Bullettime-Mechanik oder der Raketenanzug, anderes seltsam, wie das grau-in-grau Design, wieder anderes einfach nur ärgerlich, wie Munitionsknappheit oder der hohe Schwierigkeitsgrad. Muss man nicht gespielt haben, mit 6 Stunden ist die Kampagne aber auch nicht lang genug um wirklich zu nerven.

Psychonauts 2 [PS5]
„Psychonauten“ sind eine Elitegruppe übersinnlich begabter Personen. Denen möchte sich der junge Razputin gerne anschließen und ist überglücklich, als Auszubildender aufgenommen zu werden. Die Freude dauert aber nicht lange, denn Raz muss unversehens die Welt retten, als alte Sünden aus ihren Anfangstagen die Psychonauten einholen.

Der erste Teil war 2005 eines der innovativsten Spiele, das ich je gespielt habe – und an dem ich kurz vor Ende gescheitert bin, weil es zu schwer war. „Psychonauts 2“ gibt sich da fairer und bringt mehrere Schwierigkeitsgrade und Hilfen mit, ansonsten ist es aber nach wie vor eine Mischung von Spiel, die es nicht geben sollte: Ein Jump-and-Run-Puzzle-Plattform-Adventure-Dings, das in Kombination völlig abgedreht ist.

Diese Abgedrehtheit macht es großartig. So kann Raz in die Gedankenwelten anderer Leute springen und dort bspw. Schlüssel für „emotional Baggage“ finden – emotionale Altlasten, verdrängte Erinnerungen. Das diese Schlüssel dann wirklich zu Koffern passen, die sich herzallerliebst freuen, wenn jemand sie öffnet, ist nur eine von vielen, tollen Ideen.

Was schön ist: Mit P2 hat Writer/Director Tim Schaefer eine Hommage an seine bisherige Arbeit abgeliefert. So tauchen Motive aus „Monkey Island“ wieder auf, aber auch der Postraum oder das Gewächshaus aus „Grim Fandango“. Mich würde schon interessieren, was Schaefer da eigentlich für Ballast mit sich rumschleppt. Zusammengefasst: Eine Wundertüte an Spiel, tolle Handlung, sehr lustig, okaye Gamemechanik.


Machen:

Schlafen.


Neues Spielzeug:

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