Download Storyteller for Contour Roam

Was habe ich mir mit diesen Suchbegriffen die letzten Tage die Finger blutig gesucht.

Hintergrund: Die Contour Roam ist eine Actioncam. Ein wirklich gelungenes Teil – leicht, schlanke Bauform, mit cleveren Details wie einer drehbaren Optik und Laserlinie zum Einmessen.

Und: Super easy zu bedienen. Weil: Keine Knöppe.
Aber: Man braucht für Einstellungen eine Software. Weil: Keine Knöppe.

Ernsthaft, um die Auflösung oder die Framerate zu ändern, muss man die Kamera an einen Rechner anschließen, der auch noch am Internet hängen muss, um dann eine proprietäre Software zu starten. Wer denkt sich so einen Scheiß aus?

Ich wusste das nicht, als ich mir eine gebrauchte ROAM2 über Ebay zugelegt habe. Nun war ich in der Verlegenheit die Software, „Storyteller“, zu brauchen, eben um Einstellungen vorzunehmen.

Nur: Die Software gibt es praktisch nicht mehr. Hersteller Contour ist zwischenzeitlich Pleite gegangen, gescheitert an den eigenen Ansprüchen und der Übermacht von GoPro.

Zwar gibt es noch eine bunte Werbewebsite, aber die Software lässt sich nicht mehr runterladen. Und nirgends im frei zugänglichen Internet gibt es einen Spiegel mit der Software. Selbst die üblichen „Softwarearchive“ hatten nix und wollten nicht mal Viren installieren.

Mit wenig Hoffnung habe ich dann eine Nachricht an die Supportadresse von Contour geschickt. Wenig Hoffnung, weil: Hersteller pleite, letzter Eintrag in den Support-FAQ vier Jahre alt, da dürfte klar sein: Da passiert nichts mehr.

Dann die Überraschung: Da passierte doch was! Keine sechs Stunden später kam eine Antwort mit alternativen Downloadlinks. Die teile ich hier gerne. Zwar liegen die Dateien in einer Dropbox, aber immerhin: Irgendwo, in irgendeinem Keller, sitzt noch ein letzter Supporter im Schein einer Kerze und hilft Kunden. Vorbildlich!

Download Contour Roam Storyteller 3.5.1 for PC: Download
Download Contour Roam Storyteller 3.5.1 for Mac: Download
Additional Download: Quicktime for Windows (required)

Stellt sich nur raus: Bringt nix, Storyteller auf einem Windows-PC oder einem Mac erkennt die Kamera nicht – was mutmaßlich daran liegt, dass die Registrierung über einen Cloudserver erfolgt, der auch schon weggebrochen ist. Was uns lehrt: Die beste Hardware der Welt wird sofort unbrauchbar, wenn sie zum Internet of Things gehört und dem irgendwer, warum auch immer, den Saft abdreht. Da erscheint es eine besonders tolle Idee, das deutsche Autohersteller in ihrer Verzweieflung jetzt auch ihre Diesel ins „Netz der Dinge“ hängen wollen. Aber das ist eine andere Geschichte. [Update] Läuft doch unter Windows 10. Was die geschriebenen Dinge über die Cloud nicht unwahrer machen.

Es gibt noch eine Alternative zu Storyteller. Die Kamera speichert auf einer max. 32 GB großen MicroSD ein verstecktes Configfile. Die Datei kann man mit einem Texteditor bearbeiten, die Cam liest die beim nächsten Start ein und ändert die Einstellungen.

Wer sich sowas ausdenkt, kann ich mir vorstellen: Ingenieure, denen was an dem Produkt lag. Zwar konnten sie sich gegen die Marketingfuzzis mit ihrem Cloud-Wahn nicht durchsetzen, aber sie haben quasi eine Hintertür eingebaut.

Bevor die Supportwebsite auch weg ist, kopiere ich die Anleitung für die manuellen Settings mal hier. Vielleicht hilft es ja dem ein oder anderen Suchenden. Von Contour kann mich ja keiner mehr wegen Copyrightverletzungen verklagen. Leider, möchte man sagen, denn deren Produkte waren ECHT gut.

Anleitung nach dem Klick.

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Top 3 Roaming-Fallen in Europa

Wenn mal wieder jemand fragt, was die EU für uns getan hat, dann weise man diese Person bitte (als eines von VIELEN Beispielen) auf die Regelungen zum Roaming hin.

Bis vor wenigen Jahren konnte man sich in heftige Schulden katapultieren, wenn man sein Telefon zum Telefonieren oder für die Datennutzung im Ausland verwendete. War man damit zu sorglos, standen bei der Rückkehr schlimmstenfalls hunderte oder gar tausende Euro auf der Telefonrechnung. Die EU führte dann erst den „Kostenairbag“ ein, eine Obergrenze von ca. 60 Euro, bei deren Erreichen man deutlich informiert wurde. So wusste man wenigstens, dass man für das Abrufen von Mails und einmal Wetter-App öffnen gerade den Gegenwert eines luxuriösen Abendessens verbrannt hatte.

Seit Juni 2017 gibt es Obergrenzen für einzelne Leistungen und es gilt das RLAH-Prinzip, Roam-like-at-Home. Das besagt im Wesentlichen: Was man zu Hause an Vertragsleistungen inklusive hat, soll (mit wenigen Ausnahmen) auch im EU-Ausland gelten. Das heißt, man kann eigentlich in den Einstellungen von Smartphone und Tablet den „Roaming“-Knopf immer auf „an“ lassen, oder?

Leider nicht, denn es gibt immer noch Fallen. Bei einer Fahrt durch Europa kommt man durchaus in Ecken, die nicht Europa sind. Denkt man aber meist nicht dran, weil man sich ja so an eine Welt ohne Grenzen gewöhnt hatte. Ich persönlich kenne drei fiese Fallen, in die ich selbst, Freunde oder Bekannt getappt sind. Hier sind sie, geordnet nach Grad der Perfidität:

Platz 3: Die Schweiz
Die Schweiz ist nicht Europa. Ist eigentlich klar, denkt man vielleicht sogar noch dran. Aber: Schon im Dreiländereck bei Basel versagt die deutsche Telekom, und mein Telefon switchte auf Schweizer Mobilfunkbetreiber um. Vorher aber auf Französische. Mehrfach. Über jeden Switch gab es Info-SMS. Bei EU-Betreibern steht dann nur drin: Alles gut, kostet jetzt nicht so viel. Und zwischen all den „Alles gut“-SMS steckt dann eine von einem Schweizer Unternehmen. Übersieht man die, wird es Übel: 50 KB Daten kosten in der Schweiz 0,49 Euro. Das bedeutet: Ein Mal Spiegel Online aufrufen kostet 12 Euro. Halleluja! Hey Schweiz, die 90er haben angerufen, die wollen ihre Preise wiederhaben. Odr.

Platz 2: Fähren
Fährste auf ner Fähre von einem EU-Land ins andere, hast die ganze Zeit tollen Mobilfunkempfang eines Mobilfunkbetreibers aus der EU, kann gar nichts passieren, oder?
Denkste. Sobald sich das Schiff außerhalb der Sieben-Meilen-Zone bewegt, ist es in internationalen Gewässern und nicht mehr in der EU. Der gute Handyempfang kommt daher, dass das Schiff selbst einen GSM-/LTE-Mast mit sich rumfährt. Der hängt aber an einer Satellitenverbindung, und kann die Sache teuer machen. Ein Mal Wetterkarte geguckt, zack, 40 Euro weg. Man sieht das nicht mal, denn der Mobilfunkbetreiber des Mastens am Schiffs ist der gleiche wie auf dem Festland. Wer also auf einem Schiff ohne kostenloses WLAN auf dem Meer unterwegs ist, der sollte am Besten den Flugmodus von Telefon und Tablet nutzen.

Platz 1: Monaco
Ehrlich gesagt habe ich nie einen Gedanken daran verschwendet, dass die Stadtstaaten in Südeuropa eben nicht zu Europa gehören. Warum auch? San Marino, Seborga, der Vatikan und Monaco sind zu klein um relevant zu sein. Dementsprechend haben sie auch keine eigene Währung und keine eigene Infrastruktur. Sie nutzen die Infrastruktur der sie umgebenden Länder, dazu gehört auch der Mobilfunk. Im Fall von Monaco muss man allerdings die Vergangenheitsform verwenden, denn das pissige Mini-Herzogtum hat sein eigenes Mobilfunknetz hochgezogen. Schon 2016, was an mir völlig vorbeigegangen ist. Früher konnte man in dem zähflüssigen Verkehr aus Nobelkarossen, der den Felsen der Reichen und Adligen umschwappt wie Teer, einfach an Monaco vorbeieiern. Heute empfiehlt sich ein kurzer Stopp weit vor dem Felsen, um das Roaming abzuschalten. Ansonsten wird es schnell teuer: 1 MB GPRS-Verbindung kosten 10 Euro, und da jeder von uns in seinem Bekanntenkreis Spezialisten hat, die per Mail oder Whatsapp unkomprimierte, 5 Megabytegroße Bilder ihres Mittagessens oder HD-Videos ihrer brabbelnden Kinder versenden, wird eine Vorbeifahrt am Fürstentum recht schnell sehr teuer. Das Perfide: Man merkt den Landeswechsel ja nicht mal, denn Grenzen, die gibt es zumindest zu Monaco nicht mehr.

Kennt ihr weitere Roamingfallen? Ich bin gespannt auf Kommentare!

Das Alpine Stars Tech Air-System in der Praxis: 7.500 Kilometer Update

Wie fühlt es sich eigentlich an, auf einem Motorrad mit einer Jacke zu fahren, die rund herum einen Airbag eingearbeitet hat? Wie ist es, auf dem Rücken Gaskartuschen und einen Computer durch die Gegend zu tragen? Irritiert es, das am Unterarm Status-LEDs leuchten? Und am wichtigsten: Ist das alltagstauglich? Ich habe in den vergangenen zwei Monaten rund 7.500 Kilometer Erfahrung mit dem Tech Air-System von Alpine Stars gesammelt, im Alltag, auf Kurzstrecken und während einer Fernreise nach Südeuropa. Jetzt bin ich von der Reise zurück, aber das Tech Air hat es nicht mit mir zusammen nach Hause geschafft. Das kam so.

Disclaimer: Ich habe den Tech-Air-Kram selbst und ganz regulär zum Ladenpreis gekauft. Ich habe keine Geschäftsbeziehungen zu Alpine Stars, und dies ist auch kein Kooperations- oder Werbartikel. Sowas verpöne ich.

Seit Mitte Mai bin ich Besitzer eines Tech-Air-Systems. Das besteht aus zwei Teilen: Einer Tourenjacke und einer Airbagweste. Die Jacke ist ein fast ganz normales Kleidungsstück aus Polyamid und Leder, mit einem herausnehmbaren Membran- und einem Thermofutter.

Ganz genauso wie fast alle anderen Tourenjacken auch. Die Unterschiede zu normalen Kleidungsstücken sind kaum sichtbar: Die Jacke hat im Rückenteil zwei Datenkabel, am Frontreissverschluss einen Magnetschalter und linken Unterarm drei Status-LEDs.

Das eigentlich aufregende ist das „Chassis“, wie Alpine Stars die Weste mit dem Airbag nennt. Die wird in die Jacke eingeknöpft und mit den Kabeln verbunden und fühlt sich erstmal an wie eine normale Protektorenweste. Der Rückenprotektor trägt ein wenig auf, genau wie die bekannten „Schildkröten“, die umschnallbaren Schaum- oder Hartschalenprotektoren.

Im Chassis steckt rund herum der eigentliche Airbag, der Brust, Bauch, Nieren, Seiten, Rücken und Oberarme schützt. Im Rückenpanzer stecken zwei Gaskartuschen und der Rechner samt Steuergeräten sowie ein Gyroskop, an jeder Schulter der Weste sitzt ein Beschleunigungssensor.

Wenn man die Jacke schließt, wird damit auch der Magnetsensor am vorderen Reißverschluss aktiviert. Jetzt beginnen die LEDs am Jackenärmel zu blinken und zeigen nacheinander Funktionsbereitschaft und Ladestand der Batterie. Dann beginnt das System mit einem Startcheck und einer Kalibrierung. Während der Kalibrierung sollte man nicht still stehen, aber auch keine Treppe runterspringen, denn der Computer prüft nun die Sensoren und ermittelt so Lage und „Normalzustand“ des Systems.

Nach 20 bis 60 Sekunden ist alles eingepegelt und das System ist einsatzbereit. Ist der Magnetschalter am Frontreissverschluss nicht geschlossen oder die Kalibrierung schlägt fehl oder einer der Sensoren meldet Merkwürdigkeiten, ist der Airbag nicht aktiv. Es kann also nicht passieren, dass man unversehens zum Michelinmännchen wird, weil das System versehentlich auslöst.

Bei Trockenübungen im heimischen Wohnzimmer dauerte die Kalibration oft sehr lange und klappte nur in 80 Prozent der Fälle, weshalb ich schon argwöhnte, dass das ein Nervfaktor sein könnte. Deshalb war ich gespannt, wie sich das Tech Air in der Praxis macht.

Ich habe Jacke und Chassis nun in unterschiedlichsten Situationen und auf zwei verschiedenen Motorrädern getragen. Zum einen auf einer sportlichen ZZR 600, mit der ich 1.000 km kurze Strecken in der Stadt und auf dem Land und Tagestouren gefahren bin, zum anderen auf einer Reiseenduro, mit der ich 1.000 km so rumgekurvt bin und mit der es dann auf eine wochenlange Fernreise in den Süden ging. Da hieß es: Jeden Tag ein Dutzend mal Jacke auf, Jacke zu. Über eine Fahrstrecke von 5.500 Kilometern. Mit Regenkombi. Ohne Regenkombi. Bei Temperaturen von fünf Grad in Regen und Nebel bis hin zu 40 Grad in sengender Sonne. In sehr trockene Luft genauso wie bei Luftfeuchtigkeiten von 100 Prozent, dazu Höhenwechsel von zweitausend Metern binnen kurzer Zeit, und und und.

Ich bin in der Jacke unter allen Bedingungen gefahren, dazu damit gewandert, auf Stadtmauern rumgerannt und durch Höhlen geklettert. Drei Wochen lang habe ich das Tech Air jeden Tag fünf bis 10 Stunden getragen. Ein echter Härtetest, und bei Dauernutzung würde sich selbst die kleinste Kleinigkeit, die nicht hundert Pro passt, zum handfesten Ärgernis auswachsen. Ich hatte im Vorfeld ein wenig bedenken, dass ich über irgend was stolpere, das mich ärgert oder Aufwand verursacht. Als bequemer Mensch wäre ich dann vermutlich sehr schnell wieder bei normalen Protektoren gelandet. Aber:

Good News, everyone!

Die gute Nachricht: Die Elektronik in der Jacke nervt in der Praxis nicht.

Überhaupt kein Problem ist die Akkulaufzeit. Der Akku hält mit einer Ladung sogar länger als die von Alpine Stars angegebenen 25 Stunden. Ich bin einmal über 30 Stunden gefahren und hätte noch Reserve für mindesten 4 Stunden gehabt. Selbst wenn man pro Tag 8 bis 10 Stunden fährt, muss man damit nur alle 3 Tage ans Aufladen denken.

Auch die Status-LEDs, die mir durch vermeindlich übertriebene Helligkeit unangenehm aufgefallen waren, stellten sich als praktisch heraus. Die hohe Leuchtstärke sorgt dafür, dass selbst bei direkter Sonneneinstrahlung oder durch die Regenkombi hindurch der Status des Systems ablesbar ist.

Das vermeintliche Sorgenkind, der Kalibrationsvorgang, funktioniert im Alltag zuverlässig. Sehr schnell hat sich bei mir ein Automatismus eingeschliffen, dass ich lediglich beim Schließen der Jacke ein mal auf den Ärmel gucke ob die LEDs aufleuchten, ansonsten kann man das System weitgehend ignorieren.

Das Aufblinken der LEDS ist das ist das Zeichen, dass der Magnetschalter in der Reißverschlussleiste richtig geschlossen ist – meine Jacke hat noch nicht, wie bei den späteren Modellen, einen gelben Klettverschluss an dieser Stelle. Mit Klettverschluss entfällt vermutlich sogar dieser Prüfblick. Ist die Jacke zu, startet die Kalibrierung. Ist die erfolgreich, leuchtet ein grünes Licht und alles ist gut. Im Alltag klappt die Kalibrierung in nahezu hundert Prozent aller Fälle.

Hell wie eine Taschenlampe.

Nur selten funktioniert die Kalibrierung nicht auf Anhieb. Dann muss man sie noch einmal neu starten, indem man die Jacke öffnet und wieder schließt. Mit der Zeit merkt man schon, was man in der Kalibrierungsphase machen darf und was nicht. Typische Fälle, in denen die Kalibration ziemlich sicher nicht klappt: Situationen, in denen man sich um mehrere Achsen bewegt. Beispiel: Wenn man auf dem Bike sitzend die Jacke aktiviert und sofort eine sehr kurvige Straße mit schnellen Richtungswechseln fährt. Oder wenn man während der Kalibrierung eine Wendeltreppe runter läuft. Oder sich währenddessen bückt, um noch mal schnell den Zustand der Kette zu prüfen. Das sind so Bewegungen, wo man nach einiger Zeit schon ahnt, dass das jetzt nicht geklappt haben kann.

Ich hatte damit aber keine Probleme. Mein Standardablauf ist: Jacke schließen, prüfender Blick auf die LEDs, dann Helm aufsetzen, Handschuhe anziehen. Meist ist die Kalibrierung jetzt schon erfolgreich abgeschlossen. Falls nicht, egal – ich setze mich auf´s Motorrad und fahre los (wenn die Straße nicht gerade superkurvig ist). Spätestens nach ein paar hundert Metern ist das System dann fertig kalibriert und läuft. Anfangs habe ich immer nochmal in den Rückspiegel geschaut, ob an meinem Unterarm die grüne LED leuchtet. Da sie das nahezu immer tut, habe ich diesen zweiten Kontrollblick immer öfter vergessen.

Ein Blick beim Anziehen, mehr Aufmerksamkeit erfordert das Tech Air nicht.

Die Kalibrierung nervt also nicht, und die Jacke ist bequem. Ich musste mich erst daran gewöhnen, dass sie im Vergleich zu meiner alten Jacke sehr eng sitzt, aber das muss so und ist Konzept.

Die vielen Taschen sind für Reisen ideal, und die wasserdichten Reißverschlusstaschen sind auch WIRKLICH wasserdicht (für Sie getestet, bitte gerne).

Wasserdichte Innentasche. Zwei der „WP Compartments“ gibt es auch Außen.

Dank der wirklich guten Belüftung schwitzte ich während der Fahrt auch bei hohen Temperaturen nicht mal richtig. Es gibt aber auch keinen spürbaren Luftzug in der Jacke, da das Chassis wie eine zusätzliche Weste wirkt – Jacke und Airbagweste sind sehr gut aufeinander abgestimmt.

Belüftung auf der Brust.
Armlüftung.

Bei sportlicher, nach vorne geneigter Sitzhaltung, wie auf der ZZR, funktioniert die Lüftung übrigens einen Tucken besser, weil mehr Luft in die Armöffnungen einströmen kann. Das geht bei der aufrechteren Sitzhaltung und dem besseren Windschutz auf der V-Strom nur in geringerem Umfang, reicht aber immer noch aus. Ich könnte mir aber vorstellen, dass die Entsorgung der Abwärme problematisch werden kann, wenn das Motorrad ein so großes Windschild hat, das dahinter gar kein Fahrtwind mehr zu spüren ist. Aber wer so eine rollende Schrankwand fährt, will das auch so.

In der Summe ist das Zusammenspiel und der Sitz von Jacke und Chassis so gut und angenehm, dass ich nach kurzer Zeit vergessen hatte, dass ich einen Airbag am Körper habe. Prüfblick beim Anziehen, dann Vergessen das ich es trage.

Das ist, glaube ich, das Beste, was man über das Tech Air-System sagen kann: Man vergisst, das man es trägt. Es macht keinen Aufwand, es stört nicht, aber es ist da, wenn es gebraucht wird.

The good, the bad and the stinky

Nun gehöre zu den Tourenfahrern, die sich auf Reisen gerne Dinge angucken. Ich strolche in Museen und Burgen rum, ich gehe in meinen Motorradklamotten spazieren, gucke mir Städte an, manchmal klettere ich damit sogar auf Berge. Zugegeben, sehr kleine Berge, aber immerhin. Bei solchen Aktivitäten macht sich das Tech Air dann unangenehm bemerkbar. Zum einen ist da das Gewicht. Die Valparaiso-Jacke wiegt ohne Chassis und ohne Thermo- und Membranfutter, aber mit Protektoren, nur rund 1.800 Gramm. Das ist sehr leicht.

Das Chassis dagegen wiegt rund 2 Kilogramm. Noch hier ein Bißchen Geraffel in den Jackentaschen und dort einen Schlüsselbund und das Handy und zack, trägt man viereinhalb bis fünf Kilo Jacke am Körper. Ich kann Gewicht durchaus ab, was mich aber richtig stört ist die Hitze im Inneren der Jacke. Sicher war die Situation auf der gerade absolvierten Reise extrem, denn wir reden hier von Außentemperaturen von über 30 Grad, bei denen ich in der prallen Sonne rumgelaufen bin. Das ist mit dem Tech Air eine Tortur. Das Chassis enthält halt rundum einen Airbag aus Polyamid und hat damit die Atmungsaktivität einer Plastiktüte.

Auch wenn rundum Mesh ist, nach kurzer Zeit kocht man im eigenen Saft, wenn die Belüftung durch den Fahrtwind fehlt. Anziehen kann man die Jacke bei solchen Temperaturen und bei körperlichen Aktivitäten eigentlich nicht. Sie zu tragen ist aber auch nicht einfach, denn durch das hohe Gewicht und den breiten Rückenprotektor lässt sie sich auch nicht einfach über die Schulter hängen oder über dem Arm tragen. Man schleppt sich im wahrsten Sinne daran kaputt. In ein Topcase passt sie wegen des festen Rückenteils aber auch nicht, und ich bin nicht jemand, der seine Jacke auf dem Motorrad lässt – auch dann nicht, wenn sie mit einem Stahlkabelschloss gesichert ist. Zumal Jacke und Chassis zusammen rund 1.900 Euro kosten, sowas lässt man nicht einfach rumliegen.

Separat aufgehängt: Oben Jacke, unten Chassis.

Ich habe mir also täglich einen abgeschleppt und wirklich literweise Schweiß in das Chassis geschwitzt, das nach wenigen Tagen anfing zu riechen wie ein Berg alter Socken. Nach zwei Wochen, in denen ich es jeden Tag 5-10 Stunden und bei hohen Temperaturen trug, roch es wie ein ganzer Schweinestall, in dem die Güllepumpe explodiert ist. Wirklich, der Geruch war abartig. Ich habe am Ende das Chassis abends aus der Jacke ausgebaut und auf den Balkon zum Auslüften gehängt, aber das brachte irgendwann auch nur noch bedingt was. Das Mesh und die Innenpolsterung sind aus Polyester, und das hält den Schweißgeruch zuverlässig mehrere Tage. Das hat mich etwas erstaunt, bei dem Preis hätte ich Material mit Anti-Müffel-Ionen oder sowas erwartet.

Ich möchte aber betonen: Bei normaler Nutzung auf dem Motorrad und in unseren Breitengraden hatte ich mit Schweißgeruch keinerlei Probleme. Das Chassis fing erst an zu müffeln, als ich bei sehr hohen Außentemperaturen Dinge darin anstellte, für die es nicht gemacht ist.

Fehlfunktionen

Mein Tech Air ist tatsächlich kaputt gegangen. Es sich begann nach zweieinhalb Wochen auf Reisen, dass plötzlich dauernd die rote LED ansprang und damit zeigte, dass sich das System abgeschaltet hatte. Entweder direkt nach Beginn der Kalibrierung oder während der Fahrt wechselte das System von Grün auf Rot. Plötzlich merkte ich sehr deutlich, wie angenehm und unkompliziert die Handhabung vorher war, denn nun musste ich ständig nachschauen, ob das Ding wirklich noch lief oder schon wieder rumzickte. Das nervte tierisch, aber dass das nicht normal war, war mir schnell klar.

Nun hat das Chassis am Rücken einen Mikro-USB-Port, der nicht nur zum Aufladen dient, sondern auch zur Diagnose.

Jedes TechAir-Chassis wird auf seinen Besitzer registriert. Als Kunde habe ich Zugriff auf ein Serviceportal, in dem mir auch eine Diagnosesoftware (nur Windows) zur Verfügung gestellt wird. Die hatte ich auf meinem Netbook.

Also Rechner an das Chassis angeschlossen und die Daten ausgelesen. Im Ernst, im Jahr 2018 schließe ich einen Computer an meine Kleidung an, um deren Fehlerspeicher auszulesen.

Neben Infos zu meiner Person, bei welchem Händler ich das Chassis gekauft habe und aktuellen Messwerten gibt es auch ein Errorlog, in dem das TechAir-System Fehler speichert. Hier war dann sehr deutlich zu sehen, dass der Sensor in der linken Schulter Fehler produzierte. Das tat er einmal recht am Anfang, als das Chassis fast neu war, ab Betriebsstunde 82 kamen die Fehler dann aber massiv und gehäuft.

„Bei Alpine Stars bist Du jetzt Premiumkunde“, hatte mir der Händler beim Kauf erklärt, und ich hatte das als dummes Gelaber abgetan. Dennoch wollte ich jetzt mal wissen, wie gut der Support für das TechAir wirklich ist.

Tech Air Support

Ich schickte an einem Sonntag Abend um 22:00 Uhr eine Mail an die, im Serviceportal angegebene, Adresse. In der beschrieb ich den Fehler und hängte das Errorlog an. Montag Morgen um 07:30 Uhr, also quasi unmittelbar und sofort, hatte ich eine Antwort: Ich möge bitte das Chassis einschicken, Alpine Stars wolle gerne eine Inspektion machen. Nun sitzt Alpine Stars in Norditalien, und da ich eh gerade für zwei Tage in der Region war, fragte ich an, ob ich nicht vorbeikommen könnte. Innerhalb von Minuten kam die Antwort vom Support: Man habe keine Vor-Ort-annahme für Endkunden, aber ich könne gerne vorbeikommen und man würde versuchen, innerhalb der zwei Tage, die ich in der Region wäre, das Chassis zu prüfen und zu reparieren.

Gesagt, getan. Also in den heiligen Hallen der Alpine Stars-Zentrale vorbeigefahren, die erstaunlicherweise – obwohl es sich mittlerweile um ein Weltunternehmen handelt – relativ klein wirken.

Der Umgang in der Firmenzentrale ist familiär, aber auch hoch professionell. Ich traf mich mit einem Supportmitarbeiter, der das Chassis entgegennahm und mir für die Zwischenzeit einen normalen Rückenprotektor lieh – dadurch, dass die keinen Endkundenservice in der Zentrale haben, war kein Austausch-Chassis verfügbar.

Verbesserungsvorschläge

Im Gespräch konnte ich dann gleich noch ein paar Anregungen loswerden, basierend auf den Erfahrungen der vergangenen Wochen. Zuvorderst: MACHT VERSION 2 AUS MATERIAL, DAS NICHT NACH EINIGEN TAGEN ANFÄNGT ZU STINKEN WIE EIN PFERD AUS DEM HINTERN.

Und: Der Ladeport muss definitiv anders platziert werden, so dass er besser erreichbar ist. Oder das Ladesystem muss generell anders, denn der Mikro-USB-Anschluss ist zu fummelig. Der sitzt nämlich versenkt zwischen den beiden Datenkabeln zur Jacke. Damit ist er schwer zu erreichen, und man läuft Gefahr in den fragilen Datenkabeln hängen zu bleiben und sie aus den Stecker zu reißen.

Ich habe mir, nach Anregung von Kalesco, ein Magsafe-System da dran gebastelt.

Es gibt mittlerweile Magneteinsätze für Mikro-USB-Ports. Ein Teil kommt in die Buchse und bleibt dort, auf den USB-Stecker kommt ein Magnetaufsatz. Ab dem Moment braucht man das Ladekabel nur noch in die ungefähre Nähe des Ports bringen, dann klickt das von alleine ein, wie rum ist egal. Zum Aufladen reicht das, für Datenübertragung aber leider nicht – zumindest mein Rechner erkennt kein USB-Gerät, wenn der Magsafe-Anschluss an einem zwei Meter langen Kabel sitzt.

Mit dem Support vereinbarte ich dann, dass sie sich Zeit lassen sollten für Prüfung und Reparatur des Chassis und es mir dann nach Hause schicken. Ich bin dann mit dem geliehenen Rückenprotektor nach Deutschland zurückgekehrt. Über das Kundenportal konnte ich sehen, das unmittelbar am Tag nach meinem Besuch schon mit der Reparatur begonnen wurde, und sogar, welcher Techniker welches Teil ausgetauscht hat. Alpine Stars macht dabei keine Gefangenen, im Sinne von: Die doktorn daran irgendwie rum und tauschen nur ein Teil aus. Nein, nicht nur der defekte Beschleunigungsmesser wurde ausgetauscht, sondern gleich alle Schultersensoren, und das Steuergerät gleich noch dazu. Und wo man schon mal dabei war, wurde auch gleich noch die neue Firmware aufgespielt und das Ganze 24 Stunden getestet.

Eine Woche später wurde mir das Chassis per UPS geliefert.

Auch hier ist nochmal dokumentiert was gemacht wurde. Gereinigt wurde es leider nicht, es müffelt immer noch ein wenig, aber das man muss schon sehr genau hinriechen um das zu merken. Der Schweißgeruch verfliegt also nach einer Zeit.

Über den Hardwaredefekt habe ich mich gar nicht groß geärgert, gab er mir doch die Gelegenheit den Service von Alpine Stars auszuprobieren. Für einen Praxistest war das fast ein Glücksfall. Technik kann immer mal kaputt gehen, und wie das Log deutlich zeigt, hatte der Sensor von Anfang an einen weg. Daraus würde ich nicht generell auf die Qualität der verbauten Komponenten schließen wollen. Technik kann kaputt gehen, und die Qualität eines Dings macht sich heute auch daran fest, wie der Hersteller dann mit dem Defekt umgeht.

Alpine Stars geht damit vorbildlich um, besser kann man es eigentlich nicht machen. Die Responsezeiten des Tech Air-Supports sind erstklassig, ich bekam keine Textbausteine und kein Geschwafel zurück, die Kommunikation ist direkt und persönlich und am anderen Ende sitzt Fachpersonal, das sich wirklich auskennt. Die Reparatur ging superfix, und da es innerhalb der zweijährigen Garantie war, war das auch alles kostenlos.

Die Garantie verlängert sich übrigens um 24 Monate, wenn man einen Inspektionsservice bei Alpine Stars durchführen lässt. Bei dem werden alle Komponenten gecheckt und das Chassis gereinigt. Kostet 99 Euro, dafür hat man dann die Gewissheit, dass alles OK ist und jegliches Problem auf Kosten von Alpine Stars behoben wird. Bis zu fünf mal lässt sich die Garantie verlängern, damit kommt man in Summe auf 10 Jahre Herstellergarantie. Alpine Stars begreift Tech Air als eine Kombination aus Hardware und Dienstleistung, und die Dienstleistung hat ordentlich durchdefinierte Prozesse.

Erkenntnisse

Meine Meinung nach zwei Monaten und insgesamt 7.500 Kilometern mit dem Tech Air: Das Ding ist praxistauglich, ohne Frage. Es sitzt bequem, es nervt nicht, man vergisst nach einiger Zeit, dass man es trägt. Beim Motorradfahren spürt man es nicht mal. Das ist super, besser geht es eigentlich kaum.

In unseren Breitengraden, bei normalen Außentemperaturen und für kurze und mittlere Fahrten sehe ich überhaupt keine Einschränkungen oder Probleme.

Man erkauft sich mit dem Tech Air ein Mehr an Sicherheit, das mit wenig zusätzlichem Aufwand verbunden ist. Den prüfenden Blick beim Schließen der Jacke, ansonsten ab und zu aufladen, das war es. Das der Ladeanschluss fummelig ist, lässt sich mit einem Magnetconnector für 5 Euro ausgleichen.

Das Tech Air ist absolut geeignet für fast alles, was mit Motorradfahren zusammenhängt. Kurztourer, Schön-Wetter-Biker, Brot&Butter-Fahrer und Leute, die gelegentlich die Rennstrecke besuchen, werden damit sehr glücklich. Langstreckentourer mit Hang zu südlichen Ländern und einer Affinität zu Aktivitäten ohne Motorrad sollten sich vorher sehr gut überlegen, ob sie mit dem hohen Gewicht, ggf. starker Wärme klarkommen. Für die meisten Motorradreisenden wird das eher nichts sein.

Nicht oder nur eingeschränkt geeignet sind die Klamotten, um am Ziel einer Fahrt kilometerweit darin zu wandern oder in den Bergen rumzuklettern, schon gar nicht bei Temperaturen jenseits der 30 Grad Marke. Tut man das trotzdem, schwitzt man sich darin kaputt oder schleppt sich einen Wolf. Vermutlich ist das aber ein Randgruppenproblem. Gibt ja nicht viele Bescheuerte, die in Motorradklamotten so bewegungsintensiven Quatsch machen, und bei normaler Nutzung fängt das Chassis nicht an unangenehm zu riechen.

Von daher: Ich kann für mich sagen, dass das Tech Air absolut OK für mich ist. Es gibt während der Fahrt nichts, was mich stören oder Aufwand verursachen würde, weshalb die alte Jacke mit den Standardprotektoren im Schrank bleibt. ABER: Wenn ich aber nochmal vorhabe in den Bergen rumzuwandern, werde ich aber zusehen, dass ich vorher eine Möglichkeit finde die Jacke nicht mitschleppen zu müssen.

New Gear: Ausrüstung 2018

So, der letzte Teil über Klamotten, dann haben wir´s hinter uns. Material altert und leidet, auch wenn man es ihm nicht ansieht. In diesem Jahr habe ich den Austausch aller wichtigen Klamotten beendet. Das war Pain in the Ass, aber vermutlich sinnvoll. Das hier ist, womit ich 2018 fahre.

Helm: Nolan N104 B5 NCOM mit ESS

Tourenhelm vom italienischen Hersteller Nolan. Ein Klapphelm, bei dem die ganze Frontpartie nach oben schwenkt. In der Liga gibt es sonst nur noch Schuberth, aber die passen mir nicht. Der 104 hat ein riesiges Gesichtsfeld, eine Sonnenblende, ein nie beschlagendes Pinlock-Visier, eine Multi-Bluetooth-Anbindung an Helm und Motorrad und eine Notbremsleuchte, die anspringt, wenn ich eine Vollbremsung mache. Ach ja, Radio hat er auch, aber wer will sowas. Mehr lesen…

Der Helm ist laut, besonders bei hohen Geschwindigkeiten. Ist mir aber egal, ich habe fast immer einen Alpine Moto Gehörschutz in den Ohren, und zwar die Race-Variante. Die Ohrstöpsel filtern die tiefen Frequenzen des Windrauschens weg, aber den Motor, Naviansagen und den ganzen Rest vom Straßenverkehr höre ich nahezu ungedämpft.

Jacke: Alpine Stars Valparaiso Tech Air

Bild: Louis.de

Tourenjacke mit Lederbesatz an den sturzgefährdeten Stellen und Level II-Protektoren. Membran- und Thermo-Innenjacke, enthält außerdem ein Airbagsystem. Super Verarbeitung, tolle Lüftung, durch die verbaute Technik aber auch schwer. Mehr lesen…

Hose: Held Matata II

Bild: Held

Leicht, viele Lüftungsöffnungen, Level II-Protektoren an Steißbein, Knien und Hüfte. Passform und Verarbeitung gehen so. Mehr lesen…

Stiefel: Alpine Stars Web Gore Tex

Die Füße stecken in Alpinestars Web-Stiefeln mit Goretex-Membran. Die sind absolut wasserdicht und so sicher, dass sie sogar als Schutzausrüstung für die Rennstrecke zugelassen, dabei aber nicht so klobig wie andere Stiefel. Die passen auch mal unter Jeans und gehen dann als gedeckte Schuhe durch. Außerdem sind sie so leicht, dass man auf Reisen damit auch mal durch Städte laufen oder wandern kann. Ist schon das zweite Paar, weil ich die Sohlen abgelaufen hatte. Mehr lesen…

Handschuhe: Vanucci VTEC und Reusch Summer
Der eine wasserdicht, warm, mit Keramikbesatz und gut gepolstert, der andere aus Leder und für den Sommer gemacht. Gibt es so nicht mehr zu kaufen, deshalb keine weitere Beschreibung. Aber zwei Paar Handschuhe müssen immer mit auf Tour, es gibt keinen Handschuh, der alles kann.

Regenklamotten: FLM Stromchaser

Bild: polo-motorrad.de

Es gibt m.W. keine besseren Regensachen am Markt als die Stormchaser von Polo. Das Zeug ist aus Membrankram, absolut wasserdicht, aber man schwitzt sich darin nicht tot. Gibt es auch als Einteiler, ich fahre aber mit separater Jacke und Hose. Weite Hosenbeine erleichtern den Einstieg, Feststeller sorgen dafür, das wenig flattert, Gummibesatz am Hosenboden für sicheren Sitz. Darin ist man absolut geschützt und super sichtbar, auch wenn ich mir wünschen würde, dass es die Kombi statt in elegantem Schwarz-Weiß auch mal in Neongelb gäbe. Aber nun. Ist schon meine zweite, die erste war nach sieben Jahren zwar noch dicht, aber leicht angegilbt.

Und, wie eingangs beschrieben: Material altert. Aktuell verkauft Polo die Kombi nicht unter dem griffigen Namen „Stormchaser“ sondern unter der sperrigen Bezeichnung „FLM Sports Membran Regenjacke 1.0 Weiss“. Aha.

Unterwäsche: Rukka Moody

Bild: Louis.de

Lange Unterwäsche unter einem Fahreranzug ist Pflicht. Das Merinokram scheint zwar arg teuer, ABER: Es wärmt bei Kälte, es kühlt im Sommer und dank der bakterientötenden Eigenschaften der Merinowolle fängt das Zeug nicht an zu riechen! In Funktionswäsche aus Polyester müffelt man nach einem Tag wie das Wiesel, aber Merinozeug lüftet man kurz aus, und es riecht nach nichts. Einmal Merinozeugs gekauft spart 5 Sätze Funktionsklamotten aus Erdöl. Das Rukka Moody.Kram ist zudem noch günstiger als ähnliches aus dem Outdoor-Segment.

Socken: Pharaoh & Coolmax

Bild: Polo-Motorrad.de

Kniestrümpfe, bedecken den ganzen Unterschenkel, ideal zum Fahren. Die Trekkingsocken haben Silberfäden eingearbeitet, die kann man auch etliche Male tragen, bevor die anfangen zu müffeln. Gibt es schon ewig bei Polo, sehr gutes Material.

So, damit wäre die Ausrüstung einmal durchgetauscht. Vor zwei Jahren neue Stiefel und neuer Helm, dieses Jahr neue Jacke, neue Hose und neue Regenkombi. Damit sollte jetzt erstmal Ruhe sein, und ich hoffe, dass die neuen Klamotten lange halten – und ich ihre aktiven und passiven Sicherheitssysteme nie auf die Probe stellen muss.

KlopfaufHolz

Neue Beamerlampe – Ruby No. 3

„Du hast noch ne´Röhre?“, fragen manche Besucher ungläubig und können es gar nicht fassen, dass in meinem Wohnzimmer tatsächlich noch ein 20 Jahre alter, 30 kg schwerer Röhrenfernseher im 4:3 Format steht. Der Trick ist: Der uralt-TV wird praktisch nicht mehr benutzt und steht da nur noch, damit der WLAN-Router ein gutes Plätzchen hat.

Die Flimmerkiste steht aber neben an einer ansonsten leeren Wand, und DIE ist der eigentliche Bildschirm, denn darauf projiziert ein alter Sanyo Z700-Beamer ein FullHD-Bild mit einer Diagonale von drei Metern siebzig. Ja, 55 Zoll Fernseher mögen groß scheinen, aber DAS sind rund 140 Zoll.

So ein Beamer ist, unter den richtigen Umständen, ein tolles Ding. Ich nutze den praktisch jeden Tag, zum Anschauen von Filmen und Serien, aber auch für die Spielkonsolen. Ein Spiel, das auf einer ganzen Wohnzimmerwand läuft, ist oft so richtig immersiv. Die Betriebsgeräusche stören mich dabei gar nicht, der Sanyo hat zwar schon 7 Jahre auf dem Buckel, aber in Punkto Lautstärke und Bildeinstellung ist er besser als das meiste, was man heute kaufen kann.

Allerdings braucht so ein Beamer auch alle paar Jahre eine neue Lampe. Das Leuchtmittel verliert im Laufe seines Lebens kontinuierlich an Leuchtkraft, das Bild wird immer dunkler. Insgesamt hält die Lampe zwischen zwei- und dreitausend Stunden, dann wird eine neue fällig. Und da fangen die Probleme an, denn der Markt für Ersatzlampen ist bestenfalls unübersichtlich. Originallampen sind mit 300 Euro sehr teuer, auf der anderen Seite der Preisskala gibt es chinesische Billigangebote ab 50 Euro. Was soll man nun kaufen?

Antwort: Keines von beiden. Bei den Originalen bezahlt man den Namen, die Billiglampen sind in der Regel ihr Geld nicht wert und können auch schon mal gesundheitsgefährdend sein. Ich habe mich vor einigen Jahren da mal durchgetestet: Die Billigteile bis 130 Euro hatten oft nicht die richtige Lichtstärke, manche stanken beim Betrieb, andere gaben das Licht ungleichmäßig ab oder produzierten Fehlfarben. In einem Fall ist mir die Lampe sogar im Gerät explodiert, und alles war voller Glassplitter (und das Wohnzimmer vermutlich voller Quecksilbernebel).

Die wirklich gute Alternative sind Ruby-Lampen. Das sind Lampen aus den Werken der drei großen Hersteller Philips, Osram und Ushio, die auch die Erstausrüster für alle Beamer aller Marken sind. Die „Ruby“ ist quasi eine Eigenmarke, um Originallampen günstiger zu verkaufen. Das Lampenmodul entspricht aber in Qualität und Passform exakt den Originallampen. Die Dinger sind so gut, dass der deutsche Vertrieb sogar 5 Monate Garantie gewährt.

Der Vertrieb, das ist in Deutschland u.a. Andy Hess mit seiner Firma HCinema. Die Website sieht zwar immer noch so aus, als sei sie durch ein Zeitloch aus den Neunzigern gefallen, aber die Inhalte sind hochprofessionell, die Preise fair und die Lieferung superfix.

Lange Rede, kurzer Sinn: Dieser Blogeintrag ist eigentlich eine Erinnerung an mich selbst, dass ich heute die Lampe gewechselt habe. Ist jetzt die 4. Lampe seit 2011 und die dritte Ruby. Die Vorgängerin hätte mir gerade 1.892 Stunden auf der Uhr seit April 2016 noch mindestens 500 Stunden Lebensdauer gehabt, aber das Bild war schon leicht, aber merklich dunkler geworden. Seit heute strahlt die Wohnzimmerwand wieder in voller Helligkeit und Farbtreue. Da kann der alte Röhrenfernseher nur noch neidisch gucken.

Kein Matratzenkasper

Matratzen sind seltsame Dinger, das wusste schon Douglas Adams. Neben Globbern ist die bemerkenswerteste Eigenschaft von Matratzen ihre enorme Gewinnmarge. Die Dinger sind in der Herstellung meist supergünstig, im Geschäft aber sauteuer. Wer sich schon mal gefragt hat wie sich die verranzten „Concord“-Läden an jeder Ecke halten können: Das ist das Geheimnis.

Niedrige Herstellungskosten, hoher Verkaufspreis, damit ist das Matratzengeschäft wie gemacht für Start-Ups, die auf Disruption gebürstet sind. Eine amerikanische Firma geht dabei besonders aggressiv zu Werke. Der Name der Firma klingt für deutsche Ohren nach Puppentheater, dabei meinen die es bitter ernst. Anders ist es nicht zu erklären, das man der Werbung praktisch nicht entkommen kann. Jeder Influencer, von Podcastmachern bis zum Youtuber, durfte schon mal über die vermeintliche Revolution in der Matratzentechnologie berichten, und wenn das Review nicht so ausfiel wie gewünscht, gab es Gegenmaßnahmen – aber das ist eine andere Geschichte.

Beim Produkt des Start-Ups handelt es sich um eine Matratze aus unterschiedlichen Schaumlagen, der Werbung nach nicht zu kalt und nicht zu warm, nicht zu weich und nicht zu hart und dabei total günstig ist. Der disruptive Dienst: Man bestellt die Matratze per Internet, bekommt die sehr schnell per Paketbote, kann sie dann bis zu hundert Tagen ausprobieren und bei Nichtgefallen wird das Ding wieder abgeholt. Risikofreier, bequemer Kauf ohne einen verranzten Laden betreten zu müssen. Klar, dass das Erfolg hat.

Neu ist dabei allerdings wirklich nur die Bestellung übers Netz und der 100-Tage-Rückgabeservice. Ansonsten ist das Produkt der Amerikaner keineswegs revolutionär, denn Kaltschaummatratzen gibt es schon lange. Im Gegensatz zu den früher üblichen Federkernmatrazen sind sie leiser, haltbarer und stützen den Rücken besser. Auch meine letzte Matratze war eine Schaummatratze, für nen Hunni bei Aldi gekauft und gut drauf geschlafen. Jetzt, nach fast 10 Jahren, hat sie aber eine merkliche Kuhle und war deshalb reif für den Austausch.

Ich hatte auch schon mit der Internetmatratze geliebäugelt, denn um ehrlich zu sein: Ich finde das Konzept einer geringen Auswahl recht reizvoll. Eine Matratze fits all, keine Gedanken verschwenden ob man jetzt doch besser die Boxspring oder die 7-Zonen-Klima-Komfort-Latexkernversion nimmt. Allerdings war mir das Geschäftsgebahren der Amerikaner zuwider. Aber mittlerweile gibt es viele Nachahmer, die mit ähnlichem Service locken. Einer davon, stellte ich überrascht fest, sitzt hier bei mir um die Ecke. „Matrazzo“ ist in Duderstadt angesiedelt und unterhält dort ein Ladengeschäft, bietet aber ansonsten auch Bestellung übers Internet, 100 Tage Testen und kostenfreie Abholung bei Nichtgefallen.

Ein Besuch bei Matrazzo war der Hauptgrund, warum ich letzten Samstag in Dudeltown war.

Ladengeschäft in Duderstadt. Bild: Matrazzo.de

Der nett gemachte Laden bietet Testflächen, auf denen man die Matrazzo-Matratze probeliegen kann. Es gibt nämlich nur eine Bauform, die aber in hart, mittel und weich und jeweils in zwei Höhen, 18 und 22 cm. Die Matratze besteht aus zwei Schaumlagen, einem Stützschaum und einem Komfortschaum. In letzteren sinkt der Körper ein wenig ein, so werden Rücken und Hüften gestützt. Der Höhenunterschied in den Versionen 18 und 22 cm liegt in der Dicke der obersten Schaumschicht, in die hohe Variante sinkt man etwas tiefer. Die amerikanische Matratze wirbt mit vier Schaumschichten, aber das, so die Matrazzo-Leute, sei Schaumschlägerei. Je weniger Schichten, desto besser, denn dadurch wird weniger Kleber benötigt und die Matratze besser belüftet.

Bei Matrazzo muss man davon ausgehen dass sie wissen, wovon die sprechen, denn das Unternehmen ist eine hundertprozentige Tochterfirma der Otto-Bock-Kunststoff GmbH. Die machen seit über 60 Jahren erstklassige Matratzen aus Kaltschaum, haben die aber in der Vergangenheit nur als Zulieferer für Firmen wie Dunlopillo produziert. Halb Duderstadt schläft auf Otto-Bock-Matratzen, weil man bis vor Kurzem jemanden kennen musste der bei Otto Bock arbeitet, um eine kaufen zu können. Der Erfolg der Amerikaner hat den Konzern jetzt bewogen ebenfalls die Zwischenhändler auszuschalten und seine Matratzen direkt übers Netz zu verticken. Und guck an, auch ein Traditionskonzern kann eine ordentliche Website mit frischem Start-Up-Gefühl. Auf der Seite findet sich u.a. auch ein Härtegradrechner und launige Erklärvideos.

Aber welche Matratze ist nun die richtige für mich?

Generell, so erklärte mir das wirklich freundliche Fachpersonal, schlafen die Deutschen eigentlich auf zu harten Matratzen. Das ist mir in der Tat auch schon aufgefallen, und mit weicheren Matratzen im Ausland hatte ich auch schon gute Erfahrungen gemacht. Die benötigte Härte lässt sich zum Teil anhand des BMI berechnen, aber natürlich spielen auch Vorlieben und Alter eine Rolle. Ich lag in der Ausstellung intensiv Probe, und war beeindruckt: Bezugqualität, aber auch die Stützkraft der Matratze und der Liegekomfort sind in allen Varianten sehr gut. Am Ende wählte ich die die mittelharte Version, aber mit der hohen Komfortschaumvariante. In der normalen Höhe merkt man schneller die feste Stützschicht, und gerade wenn man Seitenschläfer ist kann es angenehmer sein, wenn Schulter und Becken etwas tiefer einsinken.

Mitnahme, genau wie Versand, ist denkbar einfach. Die Matratze kommt vakuumverpackt in einem handlichen Paket, das so hoch ist wie die Matratze breit. Passt selbst in der größten Variante, 140×200, bequem in den Kofferraum eines PKW. Schneidet man das vakuumierte Dings auf, saugt die Matratze schlagartig die Luft aus dem Schlafzimmer und rollt sich aus.

Kauft man im Ladengeschäft, zahlt man übrigens 10 Euro weniger und bekommt als frischgebackener Matrazzobesitzer wahlweise eine Flasche Sekt oder eine Tafel Schokolade dazu. An der Kasse stellt sich dann übrigens auch raus, dass die amerikanische Konkurrenz, anders als sie vehement behaupten, NICHT besonders günstig ist. Matrazzo unterbietet die Preise um rund ein Drittel.

Letztlich habe ich es mir jetzt also einfach gemacht und sehr schnell eine Matratze gekauft. Weil sich das Ding gut anfühlte, und weil ich die Kombination aus geringer Auswahl und einem vertrauenswürdigen Unternehmen, das sagt: „Wir haben 60 Jahre Erfahrung, dass ist unser bestes Produkt“ unwiderstehlich fand.

Auf der Matrazzo schlafe ich jetzt die fünfte Nacht, und es ist… seltsam. Zunächst: Sie ist saubequem. Der Komfortschaum umschmiegt die Körperkonturen, die Stützschicht gibt nur wenig nach. Egal in welcher Lage: Ich schlafe supergut ein. Doof nur: Beim Aufwachen habe ich diffuse Rückenschmerzen. Also, eigentlich nicht richtig Schmerzen, aber mein Rücken fühlt sich anders an.

Das ist mir noch nie passiert. Ich kann normalerweise auf jeder x-beliebigen Hotelmatratze gut und ohne Nebeneffekte schlafen. Nun heißt es in der Matratzenliteratur, man müsse sich vielleicht erst dran gewöhnen, so zwei Wochen könne das schon dauern. Ich bin nun ein wenig ratlos, denn meine Rückenschmerzen können zwei Ursachen haben: Entweder, die Matratze ist nicht die richtige für mich, ich sinke zu weit ein und habe im Schlaf ein Hohlkreuz. Oder: Mein Rücken (der ohnehin wegen meiner ungesunden Körperhaltung belastet ist) wird zum allerersten Mal ordentlich gestützt und muss sich erst dran gewöhnen, weil er sowas Gesundes gar nicht kennt. Das halte ich nicht für unwahrscheinlich, denn ich habe wirklich das Gefühl mich tagsüber gerader zu halten, und mein Rücken fühlt sich etwas kräftiger an.

Man merkt mir vielleicht meine momentane Irritation an. Einerseits ist die Matratze super, andererseits schlafe ich darauf anders, und ich kann noch nicht sagen ob das gut ist. Wie auch immer es weitergeht: Es ist beruhigend zu wissen, dass in den nächsten 95 Tagen eine Mail reicht, und schon wird die Matrazzo wieder abgeholt und ich bekomme mein Geld wieder. Was ich auf jeden Fall behalte ist das zugehörige Kissen, denn das ist wirklich uneingeschränkt und ohne Gewöhnung super.

Ich werde weiter berichten.

Saisonnachsorge: Motorradbekleidung richtig reinigen

Für die meisten neigt sich das Motorradjahr so langsam dem Ende zu. Saisonkennzeichen (Buahaha!) laufen ab, die Maschinen werden nochmal sorgfältig geputzt und dann eingewintert. 

Auch die Bekleidung will und braucht jetzt Pflege. Wer eine Lederkombi trägt, weiß das in der Regel. Nutzer von Textilkombinationen dagegen hängen meist ihre Klamotten im Herbst in den Schrank und tragen sie genauso im nächsten Frühling weiter. Dabei sind es gerade diese Kleidungsstücke, die mit ein wenig Pflege wesentlich länger halten.

Fahreranzüge aus Cordura und ähnlichen Materialien haben eine Membran. Ganz egal ob die aus Goretex, Sympatex, Polotex oder sonstwas ist, die Funktionsweise ist immer gleich: Die Klimambran soll Regen von Außen abhalten, Feuchtigkeit vom Körper aber nach Außen abgeben.

Was ist Körperfeuchtigkeit? Schweiß. Was ist in Schweiß enthalten? Salz. Dieses Salz setzt sich in die Poren der Klimamembran, und Salz hat die Eigenschaft alles anzugreifen. Das Ergebnis: Nach ein paar Jahren wird die ist die Membran so porös, dass sie auseinanderbröckelt. Und zwar wörtlich. Erst wird sie undicht, dann zerfällt sie einfach. Bekommt man meist nicht mit, weil die Membran halt in anderen Stoff einlaminiert ist, aber es ist so.

Daher sind Mebranklamotten sehr dankbar für eine ordentliche Wäsche am Ende der Saison, die das Salz rausspült und die Atmungsaktivität erhält. Auch um Handschuhe, Stiefel und Unterwäsche kann man sich bei der Gelegenheit mal kümmern. Dabei sind aber ein paar Dinge zu beachten.

Textilkombis
Kleidung aus Cordura oder ähnlichen Stoffen kann man einfach in der Waschmaschine waschen. Auch Materialmixe aus Textil und Leder, wie bei meiner Mohawk, können das problemlos ab.

Wichtig dabei:

  • Vor dem Waschen alle Protektoren entfernen (was der leichte Teil ist, die Dinger wieder einzubauen ist dagegen die Härte)
  • Alle Reißverschlüsse und Klettriegel schließen.
  • Keinen Weichspüler verwenden! Weichspüler macht die Mebran sofort kaputt. Darauf achten, dass auch das Waschmittel keinen Weichspüleranteil und keine Bleiche enthält. Wer auf Nummer sicher gehen will: Von Dr. Wack gibt es S100 Waschmittel (bei Louis oder Polo für ca. 11 Euro/Flasche) für Motorradbekleidung. Das Zeug ist spitze und enthält garantiert nichts, was die Klamotten angreift.

  • Waschanleitung beachten! Ich stelle die Waschmaschine auf einen Schonwaschgang, Handwäsche, 30 Grad.
  • Nur minimal Schleudern! Maximal 400 Umdrehungen, dann nass aufhängen. Aber bitte nicht direkt an der Heizung.
  • Nach dem Trocknen baue ich meine Textilkombi gleich wieder zusammen. Bis alle Protektoren wieder richtig sitzen dauert es ein wenig. Dann imprägniere ich den Kram gleich wieder, meist mit S100. Ich mache zwei Durchläufe: Zuerst wird alles eingesprüht, dann trocknen gelassen. Dann gehe ich mit einem Föhn drüber und erwärme alles ganz leicht, dadurch verbinden sich die getrockneten Imprägniermitteltropfen zu einer dichten Oberfläche. Der zweite Durchlauf erfolgt genauso.

Regenkombis
Klassische Regenkombis aus dickem Polyamid brauchen keine spezielle Reinigung. Sind sie dreckig, einfach mit Seifenwasser drüberwischen, fertig. Moderne Regenklamotten wie meine Stormchaser haben aber auch eine Membran, weshalb ich die auch mit S100 im Handwaschgang wasche, bei 400 Umdrehungen schleudere und dann nass aufhänge.

Unterwäsche
Klar, Moppedunterwäsche wäscht man, versteht sich von selbst. Hier zwei kleine Tips:

1. Funktionsunterwäsche ist meist aus Polyester. Das ist nicht schlimm, stinkt aber sehr schnell. Spätestens am Saisonende sollte man deshalb der Wäsche einen guten Schuß Hygienespüler zusetzen. Der eliminiert alles was riechen kann.

2. Unterwäsche aus Merinowolle ist so ziemlich das geilste was es gibt. Das Zeug ist sowas wie die Funktionsfaser der Natur: Sehr leicht, trocknet in Nullkommanix, hält bei Kühle warm, hält bei Hitze trocken. Und: Es riecht nicht! auch nach tagelangem Tragen in großer Hitze reicht es meist, die Klamotten über Nacht auszulüften. Das liegt u.a. an Eiweißmolekülen in der Wolle, die den Bakterien, die das Müffeln verursachen, das Leben schwer machen. Merinounterwäsche mag es, so wenig wie möglich gewaschen zu werden. Wenn dann aber doch, dann entweder ganz ohne oder mit einem sehr milden Waschmittel, Schonwaschgang, Schleudern bei max. 1.000 Umdrehungen, NICHT in einen Trockner stecken.

Handschuhe
Handschuhe aus Leder lassen sich gut mit Lederseife schamponieren. Textil/Lederkombinationen und Handschuhe mit Membran lassen sich genauso in der Maschine waschen wie Textilkombis s.o.)

Stiefel
Meine Alpine Stars Web sind aus Leder. Die werden ordentlich feucht abgewischt, dann dick mit „Floral“-Paste eingeschmiert. Sobald das getrocket ist, wird der alles, was nicht eingezogen ist, mit einem weichen Lappen abgewischt. Danach sehen die Stiefel wie neu aus und sind imprägniert, ohne das die Atmung des Leders beeinträchtigt wäre.

Helm
Der Helm wird von außen ordentlich mit Seifenwasser abgewaschen, tote Insekten aus den Lüftungsöffnungen gepuhlt. Anschließen gehe ich mit NIGRIN Politur/Wachs über die Helmschale. Dadurch strahlt der Metalliklack nicht nur, sondern Dreck setzt sich wesentlich langsamer daran ab. Wenn im nächsten Frühjar alles voller Selbstmordinsekten ist, reicht meist ein drüberwischen und alles ist wieder sauber.

Bei meinen NOLAN-Helmen nehme ich das Visier ab und mache die Dichtungen sauber, anschließen gehe ich mit einem Gummipflegemittel darüber. Verkratzte Visiere werden ersetzt.

Wenn das Jahr so richtig heftig war, mit Reisen in den Süden, ist meist das Innenutter mit mehreren Litern Schweiß getränkt, dazu gelb von Sonnencreme und Insektenschutzmittel. Beim NOLAN N90 baue ich das Innenfutter einfach aus und schmeiße es in den Handwaschgang der Waschmaschine, mit S100 Membranwaschmittel. Wichtig: Es darf NICHT geschleudert werden. Das Innenfutter tropfnass entnehmen und bei Raumtemperatur trocknen. Beim N104 geht das wegen des Notbremslichts so einfach nicht mehr, da beschränke ich mich in diesem Jahr auf ordentlich einschamponieren und abwischen – den Horror DAS Ding auseinanderzubauen spare ich mir für nächstes Jahr auf.

Wer keine Rettungsgasse bildet, hat einen extrem kleinen Pimmel

„Die haben mich gefragt, was ich mir einbilden würde, wer ich überhaupt sei, und ich soll nicht so einen Zirkus machen.“

Der Satz ist nicht an der Theke eines Schnellrestaurants gefallen, sondern wurde genau so einem Stadtbrandinspektor ins Gesicht gesagt – WÄHREND er auf dem Weg zur Rettung eines Schwerverletzten war.

Was war passiert? Unfall auf der Autobahn, Stau, Rettungskräfte kommen nicht durch, weil irgendwelche Bematschten die Rettungsgasse verstopfen. Passiert in Deutschland leider dauernd.

Jetzt könnte man natürlich sagen: Was soll man denn bitte erwarten? Die Deutschen sind zu doof sich ans Rechtsfahrgebot zu halten, begreifen nicht wie das Reißverschlusssystem funktioniert und sind sogar von Kreiseln überfordert, wen wundert es da, dass sie Rettungsgasse nicht können?

In obigen Fall haben Idioten tatsächlich vorsätzlich eine vorhandene Rettungsgasse verstopft und dann die Retter angepöbelt. Dafür werden sie jetzt hoffentlich derbe zur Rechenschaft gezogen. Aber viele Autofahrer WISSEN gar nicht wie Rettunggasse geht, weil sie es nicht in der Fahrschule gelernt oder nicht mehr präsent haben. Rettungsgasse? Wo bildet man die bei mehrspurigen Straßen? Zwischen der Linken und mittleren Spur? Oder zwischen der rechten und mittleren? Oder ist der Standstreifen die Rettungsspur?

Um sich das ganz einfach zu merken, gibt es seit Anfang des Jahres die „Rechte-Hand-Regel“. Der Daumen ist die linke Spur, die Finger alle anderen, und ZWISCHEN Daumen und Fingern wird die Rettungsgasse freigehalten. Das sieht dann so aus:

Die Regel gilt übrigens auch in Österreich und der Schweiz.
Ach, nochwas: Wer keine Rettungsgasse bildet UND DANN auch noch die RETTUNGSKRÄFTE DUMM ANMACHT hat einen einen extrem kleinen Pimmel. Und wählt in 94% aller Fälle auch noch AFD.

KFZ zulassen

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Was genau muss ich eigentlich alles mitbringen und tun um ein Auto oder Mopped an- oder umzumelden? Ich schreibe das mal auf, weil ich es jedesmal wieder vergesse. Gut, mache ich halt auch nicht so häufig. Hier der Workflow im März 2017:

Gebraucht wird:

  • Kraftfahrzeugbrief und, falls vorhanden, Kraftfahrzeugschein (in Neusprech: Zulassung Teil II und I)
  • TÜV-Bescheinigung (aka HU-Bescheinigung)
  • Versicherungsnummer (eVB-Nummer, ersetzt die Doppelkarte)
  • Personalausweis
  • Einzugsermächtigung für KFZ-Steuer
  • Ggf. Wunschkennzeichenbescheingung
  • Ggf. Terminnummer

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1. Vorbereitung

  • Kraftfahrzeugbrief, Schein, TÜV-Bescheinigung: Bekommt man in der Regel vom Vorbesitzer oder Händler. Falls nicht, würde ich mir Gedanken machen.
  • Einzugsermächtigung KFZ-Steuer: Formular dem Internet holen, ausdrucken und ausfüllen, ansonsten liegt es aber auch im Warteraum aus. Wichtig: Man muss seine IBAN zur Hand haben, Bankleitzahl und Kontonummer werden nicht mehr akzeptiert.
  • Versicherungsnummer: Ersetzt die Doppelkarte von früher. Kann man nahezu ad-hoc von den Versicherern bekommen, neuerdings sogar per SMS auf´s Handy. Bei meinem Versicherer war es so: Auf die Website gehen, Daten zu Leistung, Hubraum, Kilometer pro Jahr, Erst/Zweitfahrzeug, Übernahme von Schadenfreiheitsklassen, Nutzerkreis und Versicherungsbeginn angeben, auf „Vertrag abschliessen“ klicken, schon fällt eine eVB Nummer raus. Die ausdrucken oder notieren. Der Versicherer schickt dann in den nächsten Tagen Vertragsunterlagen, die braucht man aber zum Anmelden nicht.
  • Wunschkennzeichen: Für nahezu alle Zulassungsstellen kann man vorab im Netz schauen, ob eine gewünschte Buchstaben/Zahlenkombination frei ist und sich die gegen ca. 13 Euro für 7 Kalendertage reservieren. Einfach nach „Wunschkennzeichen“ in Kombination mit dem eigenen Wohnort googeln.
  • Termin: Bei vielen Stellen des Öffentlichen Dienstes ist es möglich vorab online einen Termin zu buchen. Das geht mit zwei Klicks, danach erhält man eine Terminnummer. Die Funktion findet man, so sie denn angeboten wird, auf der Website der KFZ-Zulassungstelle des Wohnortes.

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2. Durchführung
– Begib Dich zur KFZ-Zulassungsstelle. Bei uns ist die im Rathaus. Hast Du bereits vorab einen Termin gebucht und eine Terminnummer erhalten, sei kurz vor der Terminzeit dort und nimm im Warteraum Platz. Hast Du keine Terminnummer, zieh eine vom Automaten an der Wand. Der ist mittlerweile mit einem Touchscreen ausgerüstet und fragt, was man möchte. Führerscheinangelegenheit? Fahrzeug anmelden? Wähle die geeignete Option aus. Einfach die Hand auf das ganze Display pressen geht auch (habe ich in der Tat beobachtet).
– Der Automat druckt einen Schnibbel mit der Wartenummer.
– Das Display über der Tür macht „BingBong“ und zeigt die aktuell aufgerufene Warte- oder Terminnummer und dahinter einen Platz. Keine Bange, wenn Deine Terminnummer nicht zur vereinbarten Zeit aufgerufen wird. Termine sind unverbindlich und können plus 30 Minuten liegen.

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– Wenn Deine Nummer angezeigt wird, in den Raum und zum angezeigten Platzgehen und der netten Sachbearbeiterin die vorbereiteten Unterlagen in die Hand drücken. Nicht aufregen, wenn sie zwischendruch mit anderen Kolleginnen schackt, telefoniert und dabei Sachen sagt „Ich muss hier gerade noch nen Kunden fertig machen“. Immer im Hinterkopf behalten: Du bist Gast in ihrem Wohnzimmer, was man an den vielen privaten Bildern, den Diddl-Postkarten, der stattlichen Sammlung Ü-Ei-Figuren und der Pflanzensammlung erkennen kann.

– Die Sachbearbeiterin gibt eine Plastikkarte aus. Damit gehst Du zur Kasse oder dem Zahlautomaten. Denk dran Bargeld mitzunehmen, denn der EC-Kartenleser des Automaten ist IMMER kaputt. Karte in den Aotumaten, Bargeld einfüttern. Schon kommt eine Quittung raus, auf der auch das vergebene Kennzeichen steht. DIE QUITTUNG IST WICHTIG. Mit der gehst Du jetzt zum Schildermacher.

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– Betritt den Laden des Schildermachers. Warte, bis die Toilettenspülung ertönt und er um die Ecke kommt. Gib ihm nicht die Hand. Gib ihm die Quittung und sage ggf. dazu das es ein Motorrad-/Saison-/Sonstwasspezialkennzeichen ist.
– Warte, bis der Schildermacher das Schild gemacht hat. Vergiß die Quittung aus dem Automaten nicht, die er Dir wiedergibt, die ist IMMER NOCH WICHTIG.

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– Geh zurück in die KFZ-Zulassung, aber nicht zurück zur Sachbearbeiterin. Geh stattdessen zu dem Fenster AUSGABE. Grüße die mit dem Rücken zu Dir sitzende Verwaltungsfachangestellte und warte. Irgendwann hat sie mit den Kollegen fertig erzählt und dreht sich um. Gib ihr das Kennzeichen und die Quittung aus dem Automaten.

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– Sie siegelt jetzt das Kennzeichen, d.h. klebt TÜV- und Kommunalplakette auf. Dann musst Du den Empfang quittieren, danach bekommst Du Kennzeichen und einen Haufen Unterlagen.

– Entferne Dich vorsichtig rückwärts vom Ausgabeschalter, damit Du nicht länger die Aura der dahinter lebenden Angestellten störst, dann guck Dir Unterlagen an. Es sollten jetzt da sein: Fahrzeugbrief und -schein mit neuem Kennzeichen und Dir als Halter und Deine TÜV-Unterlagen. Kontrolliere das Kennzeichen, ob die TÜV-Plakette richtig klebt (Jahreszahl in der Mitte, Kontrollmonat auf 12 Uhr).

Glückwunsch, Dein Fahrzeug ist nun auf Dich zugelassen!

Podcasttip: Schöne Ecken auf Silencers Spuren

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Der Podcast „Schöne Ecken“ dreht sich um, äh.

Tja.

Nach Eigensauskunft ist „Stadtkultur aus urbaner, ästhetischer und lukullischer Sicht“ Gegenstand des Podcasts, eine verkürzte Beschreibung für „Die Macher laufen irgendwo rum und erzählen was sie sehen oder essen“. Dabei kommt oft eine gelungene und manchmal auch lehrreiche Mischung aus Podcast und Hörspiel raus.

In den letzten Wochen haben sich Cornelis und Sven durch Italien bewegt. Quasi auf den Spuren dieses Blogs wagen sie sich auf eine Rennstrecke hoch über den Straßen Turins, bestaunen das Reich des irren Architekten, stolpern über Staglieno, verlaufen sich in Genua und besuchen am Ende Venedig. Das Konzept war der Überraschungsreise hier im Blog im vergangenen Jahr nicht unähnlich: Cornelis hat die Italienrundfahrt geplant, Sven wusste aber nie, wo es als nächstes hingeht. Das die beiden dabei gelegentlich unter Wortfindungstörungen leiden, weil sie schlicht überwältigt sind, sei ihnen nachgesehen.

In den Folgen des Podcasts kann man nun die Orte, über die ich schreibe, auch akustisch erleben. Wer jetzt zwischen den Jahren also gerade Langeweile hat und was auf die Ohren braucht: Anhörempfehlung! „Schöne Ecken“ gibt es kostenlos im iTunes-Store und auf der Webseite http://www.schoene-ecken.de zum Abspielen oder als MP3-Download, jeweils mit einer Fotogalerie:

SE 141, Mailand, Expogeländer und Bahnhof Rho Fiera
SE 142: Turin, Lingotto
SE 143: Turin, Mole Antonelliana
SE 144: Genua, Staglieno
SE 145: Genua, Hafen
SE 146: Staglieno

Gelegentlich stellen die Beiden Mutmaßungen an (und liegen manchmal mit ihrem „Ich könnte mir vorstellen…“ meilenweit daneben). Wer wissen möchte, wie es sich wirklich verhält, finden hier im Blog Kontext und die wirklich wahre Faktenlage 😉

Bild oben: http://www.schoene-ecken.de

Fernsehhinweise

JotBee schrieb: DingDong! Darf ich hier darauf hinweisen, dass der NDR ab heute (14.12.16) und nächste Woche (21.12.16) wieder drei neue Folgen der Serie „Tatortreiniger“ versendet?
http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/der_tatortreiniger/index.html

Vielen Dank für den Hinweis! Und nicht nur der Tatortreiniger ist zurück, auch SHERLOCK lässt sich nach drei Jahren Pause(!!) wieder mit einer neuen Staffel blicken (Das Neujahrs-Special im vergangenen Jahr zählt nicht als Staffel). Im Dezember darf man ruhig mal wieder den Fernseher entstauben, bei so viel Qualitätsware. Hier die Termine, wann die Flimmerkiste einzuschalten ist:


Der Tatortreiniger, Staffel 6

NDR

Episode 1: „Sind Sie sicher?“, Mittwoch, 14. Dezember 2016 (Folge in der Mediathek ansehen)
Episode 2: „Özgür“, Mittwoch, 21. Dezember 2016, 22.00 Uhr
Episode 3: „Schluss mit Lustig“, Mittwoch, 21. Dezember 2016, 22.30 Uhr
Wiederholungstermine


Sherlock, Staffel 4

BBC One

Episode 1: „The Six Thatchers“, Sonntag, 01. Januar 2017, 21.00 Uhr UTC
Episode 2: „The Lying Detective“, Sonntag, 08. Januar 2017, 21.00 Uhr UTC
Episode 3: „The Final Problem“, Sonntag, 15. Januar 2017, 21.00 Uhr UTC

Euronotruf: Eine Nummer für Alles.

Und dann biste im Ausland und plötzlich passiert was. Du brauchst die Polizei. Oder einen Krankenwagen. Oder die Feuerwehr. Und nun? Wie lautet die nationale Notrufnummer? Und wenn Du dann jemanden erreichst: Kannst Du Dich mit dem verständigen? Was, wenn Du einen Dorfpolizisten am anderen Ende hast, der kein Wort englisch spricht? Was dann?

Bislang hatte ich mir vor jeder Reise die landesspezifischen Notrufnummern notiert. Gegen potentielle Sprachprobleme kann man sich nicht vorbereiten, dachte ich. Tatsächlich, und das war mir neu, gibt es einen einheitlichen, europäischen Notruf.

Was hat die EU je für uns getan? Nun, zum Beispiel hat sie dafür gesorgt, dass dieser Quatsch mit den national unterschiedlichen Notrufnummern aufhört, der Notruf vereinheitlicht wird und kompetentes Personal die Anrufe entgegennimmt.

Über die 112 kommt man IN JEDEM EUROPÄISCHEN LAND in der nächsten Leitstelle raus. Das Personal dort MUSS englisch sprechen können und ist zuständig für ALLE Arten von Notfällen. Je nach Bedarf schicken die dann Feuerwehr, Rettungsdienst oder Polizei los.

Die 112 hat aber noch weitere, ziemlich coole Features:

  • Sie lässt sich von jedem Telefon aus wählen, und zwar IMMER. In Telefonzellen ohne Einwurf von Münzen, bei Handys ohne eingelegte SIM-Karte.
  • Hat ein Handy keinen Empfang im eigenen Netz, benutzt es andere Netze, falls verfügbar.
  • 112-Notrufe haben im Handynetz Priorität, notfalls schaltet das Netz andere Verbindungen ab, um Notrufe weiterzuleiten. Deshalb funktioniert selbst an Silvester die 112, während andere Anrufe im überlasteten Netz nicht durchkommen.
  • Die Leitstelle bekommt IMMER die Telefonnummer des Anrufers gezeigt, auch wenn der sie auf „Anonym“ gestellt hat und verbergen will.
  • Die Leitstelle kann eine GSM-Ortung auslösen und so den Standort bestimmen, das funktioniert in manchen Ländern allerdings nicht so super.
  • In den USA funktioniert die 112 auch, dort wird sie auf die 911 weitergeleitet. Umgekehrt wird für Amerikaner in Europa die 911 auf die 112 geleitet.

Cool, oder? Und der Hammer ist: Das ist schon seit 2007 so. Mit meinem Nichtwissen bin ich nicht allein. Nur ca. 20 Prozent wissen, dass die 112 so funktioniert. Um den einheitlichen Euronotruf bekannter zu machen, gibt es seit 2009 den „Tag des europäischen Notrufs“. Es ist der 11. Februar.

Kartenzahlungsverfahren im Überblick

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Eigentlich wollte ich einfach durch die Absperrung rauschen. So wie immer. Durch das schnelle Personenvereinzelungssytem in der Londoner U-Bahn kann man nämlich einfach so durch zu laufen, ohne den Schritt verlangsamen zu müssen. Man muss nur seine Plastikkarte in einer fließenden Bewegung vor das Lesegerät halten, Zack, die Absperrung schwuppt zur Seite, und schon ist man in der Tube.


An diesem Morgen klappte das nicht, ich lief mit vollem Schwung gegen das Gitter. Meine Oystercard wollte nicht. Eine freundliche Angestellte von Transport for London war sofort zur Stelle und fand auch gleich die Ursache: Das Guthaben auf der Karte war aufgebraucht. Am Abend zuvor waren noch über 20 Pfund darauf gewesen. Die waren nun weg. Aber warum?

Aktuelle EC- und Kreditkarten sind kein dummes Stück Plastik mehr. Im Chip sitzt ein kleiner Computer, und in die Karte eingebacken ist eine Kupferantenne. Außerdem gibt es immer noch den Magnetstreifen und die Kartennummern, mit denen bezahlt werden kann.

Ein Zahlungskarte der Gattung der Kredit- oder Debitkarten angehören hat heute nicht nur eine, sondern gleich mehrere Bezahlfunktionen. Was die eigene Karte kann, erkennt man auf den darauf abgebildeten Symbolen. Und ja, es lohnt sich, die mal genauer anzugucken, wie meine London geschichte verrät.

Kreditkarte: Gibt es seit 1894, und so sicher sind sie auch. Insbesondere die Kreditkartenfunktionen, bei denen der Magnetstreifen ausgelesen wird oder mit einem Imprinter ein Abdruck(!) der erhabenen Kreditkartennummern genommen wird sind hoffnungslos unsicher, werden aber nur noch sehr selten verwendet. Bei Kreditkarten wird meist per Nummer plus Unterschrift oder PIN oder mit der Nummer plus Sicherheitsnummer bezahlt. Abrechnung erfolgt monatlich, vierteljährlich oder jährlich. Das Verfahren ist bei deutschen Händlern unbeliebt, weil die Teilnahme am Kreditkartennetzwerk und die Gebühren höher sind als bei nationalen Debitkarten. Die EU hat zwar das Interbankenentgeld auf 0,3% des Preises gedeckelt, aber das macht leider nur einen Teil der Kosten für den Händler aus.

Girocard/Electronic Cash: Nationale Debitkarte der Deutschen Kreditwirtschaft. Bis 2007 hieß die EC-Karte, jetzt Girocard. Debitkarten belasten, anders als Kreditkarten, zeitnah das eigene Konto. Identifikation erfolgt mittels PIN und Onlineabfrage der Bankensperrdatei im Hintergrund. Ist recht sicher und für den Einzelhandel günstiger als Kreditkarten. Giropay hat damit nichts zu tun, dass ist das Überweisungsverfahren im Internet.


Prepaid-Kreditkarte:
Sieht aus wie eine Kreditkarte, steht auch Mastercard oder Visa drauf, ist aber eine Debitkarte. Allerdings kann man damit nur ausgeben, was man auf dem Konto hat, man bekommt also keinen Kredit im eigentlichen Sinne. Das macht bei 95% aller Zahlungen keinen Unterschied und ermöglicht Kostenkontrolle, weil man sich nicht in Schulden stürzen kann. Allerdings akzeptieren Mietwagenfirmen diese Karten in der Regel nicht um Kautionen zu hinterlegen. Mitarbeiter solcher Firmen werden regelmäßig darauf trainiert Prepaid-Karten zu erkenne, um sie dann abzuweisen.

Electronic Cash Chip: Genau wie Giropay, aber normalerweise offline. Hier wird im Chip der Karte ein monatlicher Kreditrahmen definiert. Der Chip sagt der Kasse, für wie viel Kredit er noch gut ist. Ist ds Limt noch nicht erreicht, entfallen die Kosten für Onlineabfrage. Die erfolgt nur, wenn das Limit im Chip erreicht ist oder über einen definierten Zeitraum keine Verbindung zwischen Bank und mehr aktiv war.

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Maestro oder V PAY: Debitfunktion von Mastercard (Maestro) oder VISA (V Pay). Verhält sich genauso wie Electronic Cash. Unterschied: Maestro wird weltweit nahezu überall akzeptiert, speichert aber wichtige Infos im Magnetstreifen und ist deshalb anfällig für Skimming, dem Datenklau am Lesegerät. V PAY speichert die Infos im Chip der Karte und ist deshalb Skimmingsicher, wird aber nur in Europa, und hier auch nicht in allen Ländern, akzeptiert. Bei beiden Verfahren ID mittels PIN.

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Elektronische Lastschrift: Weil die Einzelhändler sich gerne die Gebühren für die Banken sparen wollen, verwenden sie das Lastschriftverfahren mit Unterschrift als Identifikation. Hierbei wird über den Magnetstreifen die Kartennummer gelesen und dann die Unterschrift aus dem Kassenbon mit der auf der Karte verglichen. Oder auch nicht. Nachteil: Unsicher, auch für Händler, denn Lastschriften können ins Leere laufen und der Händler auf den Kosten sitzen bleiben. Für Kunden ist es auch unsicher, denn die Unterschriftprüfung ist ungefähr so sicher wie Homöopathie eine Wissenschaft. Mit dem ELV können auch geklaute Karten belastet werden.

Elektronische Lastschrift Online:
Für den Kunden ändert sich nichts, auch hier wird lediglich mit der Unterschrift identifiziert. Im Hintergrund wird abgefragt, ob die Karte gesperrt ist. Allerdings nicht bei den Banken, sondern bei der Firma Ingenico, was das Ganze für den Einzelhandel billiger als die Abfrage der Sperrdatei bei den Banken macht.

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Geldkarte: Hier wird ein Betrag der eigenen Wahl vom Bankkonto in den Chip der Karte übertragen und von da aus quasi abtelefoniert. Nennt sich auch elektronische Geldbörse. Hat bei meiner Volksbankkarte nie funktioniert, mittlerweile nutzt außer Rauchern am Zigarettenautomaten und Herrn S. aus G. an der L. niemand mehr diese Funktion.

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NFC: Die Near Field Communication erlaubt kontaktloses bezahlen. Karten werden nur noch oder an ein Lesegerät gehalten und nicht hineingesteckt. Man braucht sie nicht mal aus dem Geldbeutel zu holen, sondern hält den einfach ans Gerät. Auch manche Handys können bereits NFC-Bezahlung. Vorteil: Der Bezahlvorgang geht schneller. Nachteil: Keine Identifikation oder Bestätigung. Eine PIN wird erst bei Beträgen über 25 Euro verlangt. VISA nennt NFC „PayWave“, Mastercard „Pay Pass“ und die Deutschen Banken „GiroGo“. Apple hat eine NFC-Bezahlung über seine Geräte entwickelt, die den Fingerabdruckleser einbezieht. ApplePay gibt es in Deutschland aber noch nicht (Stand: 08/16).

So, und wo sind nun meine 20 Pfund in der Londoner U-Bahn hin verschwunden?

Ganz einfach. Die U-Bahn-Karte verwendet die gleiche NFC-Technologie wie meine Kreditkarte, und die Tube akzeptiert inzwischen beides als Fahrschein. Man kann also entweder die Oystercard oder die Kreditkarte verwenden, um durch die Absperrung zu kommen.

Ich habe beide Karten im selben Portemonnaie, und nun war Folgendes passiert: Am Vorabend hatte die Tube die Oystercard eingelesen, als ich eine Fahrt begann. Beim Verlassen der U-Bahn hatte die Auslassschranke aber nicht die Osyster-, sondern die dahintersteckende Kreditkarte angefunkt. Die war nicht eingestempelt, also wurde von der gleich mal der Maximalbetrag für 24 Stunden wildes Fahren abgebucht. Als am nächsten Morgen die Oystercard zum Einchecken verwendet wurde, stellte das U-Bahnsystem fest, dass der Checkout vom Vorabend fehlte – und nahm an, ich sei die ganze Nacht über alle Zonen Londons umhergefahren. Dafür wurden dann 20 Pfund abgebucht.

Was lehrt uns das? Zahlungsmethoden sind vielfältig und werden immer bequemer und schneller. Aber damit steigt leider auch das Fehler- und Mißbrauchspotential. Als Endnutzer kann man außer Totalverweigerung dagegen nicht viel machen, denn zugunsten der Bequemlichkeit entfallen Möglichkeiten der Kontrolle.

Girocard oder VPay oder Maestro?!?

Und dann stand ich da wie Max-inne-Möhren, glotzte auf das PIN-Pad an der Kasse und versuchte zu enträtseln, was es von mir wollte. Als ich es verstanden hatte, kam ich aus dem Fazialpalmation nicht mehr raus, denn ich hätte NIE gedacht, dass die EU diesen Quatsch durchsetzt.

Ich bin ja glühender Europafan, aber manchmal geht mir die EU auf den Saque. Nämlich immer dann, wenn die Kommission Dinge auf den Weg bringt, von denen von vornherein klar ist, dass sie nicht nur Rohrkrepierer sind, sondern ein fetter Blattschuss ins eigene Knie.

Die Cookieregelung auf Webseiten ist so ein Beispiel. Die nervigen „Wir verwenden Cookies“-Meldungen waren zum Schutz und der Sensibilisierung der Besucher gedacht, haben aber exakt das Gegenteil erreicht: Man hat sich einfach dran gewöhnt, beim erstbesten Popup auf einer Webseite stumpf „OK“ zu klicken ohne es zu lesen. Da könnte auch „wollen sie wirklich ihre Festplatte löschen“, ich würde es nicht sehen und gleich bestätigen.

Das gleiche Kaliber falsch verstandener Transparenz sorgt jetzt für maximale Verwirrung bei Kartenzahlungen. Moderne Karten tragen nämlich etliche Zahlungsmöglichkeiten mit sich rum. Welche an der Kasse verwendet wird, entschied bis vor Kurzem der Händler. Seit Juni gibt es eine Vorschrift, dass der Kunde die Zahlungsmethode auswählen soll, denn „Der Kunde soll Entscheidungsfreiheit haben“. Das ist einigermaßen sinnfrei, denn die meisten Kunden wissen nich mal, das ihre Karte mehr als ein Zahlungssystem hat, geschweige denn was die Unterschiede sind.

Für die meisten Deutschen ist ihre Zahlungskarte „Die Eurocheque-Karte“. Punkt.

Was grandioser Quatsch ist, denn die Eurocheque-Karte gibt es seit 2001 nicht mehr. Ab diesem Zeitpunkt stand EC für Electronic Cash, wobei das seit 2007 Girocard heißt*. Ausgegeben und betrieben wird das Girocard Netz von der Deutschen Kreditwirtschaft, es handelt sich also um eine nationale Debitkarte.

Die ist den international agierenden Finanzkonzernen ein Dorn im Auge, weshalb Mastercard und VISA eigene Debitsysteme geschaffen haben. Die heißen „Maestro“ (Mastercard) und „V Pay“ (VISA). Da diese beiden Konzerne die größten Ausgeber von Karten sind, ist ihre eigene Funktion meist zusätzlich zu Giropay enthalten.

Je nachdem mit welchem Unternehmen die eigene Bank kooperiert, hat die eigene Bankkarte also mindestens zwei Zahlungsfunktionen: Giropay oder Maestro/V Pay. Bei den Zahlungsarten Giropay/Maestro/V Pay entschied bis vor Kurzem der Händler was genutzt wurd. Nun soll man als Kunde selbst entscheiden, welches Zahlungsverfahren man verwenden möchte. Was einigermaßen sinnfrei ist, denn für den Kunden entstehen keine Zusatzkosten, egal für welches Verfahren er sich entscheidet.

Für die Händler gibt es aber sehr wohl einen Unterschied, denn je nach Verfahren sind die Gebühren für ihn bis zu doppelt so hoch. Bei Giropay bezahlt der Händler 0,2 Prozent des Umsatzes an die Bank, bei VPAY/Maestro sind es 0,3 bis 0,4 Prozent. Will man seinem Einzelhändler was Gutes tun, sollte man also die Giropay-Funktion verwenden. Will man ihn ärgern, V Pay/Maestro.

Bis sich rumgesprochen hat, dass dieser ganze Auwahlquatsch völlig Mumpe ist, dürfte das zu Verwirrung, Erkläraufwand und damit längeren Wartezeiten an den Kassen führen. Danke, EU! (Ich habe Dich aber trotzdem lieb)

In Teil II: Alle Verfahren, die eine Karte so können kann.

*(Die Deutsche Kreditwirtschaft hatte nämlich schlicht vergessen sich den Markenterm „EC“ zu sichern und musste die Karten deshalb umbenennen.)

Die richtige Handschuhgröße

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Menschen neigen dazu, unangenehme Erfahrungen zu verdrängen. Herr Silencer schreibt deshalb seine Erkenntnisse und Tips zum Thema Motorradhandschuhkauf hier auf. In erster Linie für sich selbst, bevor sich das Drama in ein paar Jahren wiederholt.

Es gibt nur eine Sache, die ich noch weniger leiden kann als Schuhe kaufen: Neue HANDschuhe anschaffen. Ganz besonders: Motorradhandschuhe. Das die meisten Hersteller irre sind oder einem die Hucke vollügen, macht die Sache nicht einfacher.

Eine der beliebtesten Lügen ist, dass es sowas wie Allroundhandschuhe gäbe. Das stimmt einfach nicht. Auch Handschuhe wollen je nach Wetter, Temperatur und Einsatzzweck ausgesucht werden. Mit einem Tourenhandschuh fährt man nicht Motocross, und mit einem leicht gefütterten Handschuh hat man im Herbst oder in den Bergen schlechte Karten.

Wenn ich mit dem Motorrad verreise, hatte ich bislang zwei Paar Handschuhe dabei. Ein dick gefüttertes Paar, das dank Goretex-Membran absolut wasserdicht ist und für Temperaturen bis 15 Grad taugt. Dazu ein ungefüttertes Paar für heiße Tage, durch dessen überlappende Leder- und Carbonschichten der Wind zieht.

In letzten Jahr kam ich ein paar mal in Situationen, in denen es sehr warm und gleichzeitig nass war, weshalb ich mich jetzt mal nach ungefütterten und wasserdichten Handschuhen umgesehen habe. Bis der richtige Handschuh mit einer guten Passform gefunden war, hat mich das so einiges an Zeit und Nerven gekostet.

Meine erste Wahl war ein Handschuh von Held. Der renommierte Hersteller fertigt exzellente Handschuhe aus hochwertigen Materialien. Auf den ersten Blick passten die in Größe M: Sie waren lang genug für die Finger und saßen auch ansonsten OK. So kaufte ich die im vergangenen Herbst, konnte sie aber wegen einer Fuß-OP nicht gleich auf dem Motorrad ausprobieren. Als ich das 8 Wochen später nachholte, stellte sich heraus: Die passten exakt GAR NICHT. Dass der Daumen eher für Außerirdische Kreaturen als für Menschen gemacht ist, wußte ich vorher. Bei der Probefahrt mit dem Motorrad stellte sich dann aber raus, dass alle Finger zwar die richtige Länge hatten, rundrum aber jede Menge Raum war. Es war überall so viel Spiel, das ich die Finger in den Handschuhen bewegen konnte. Dadurch hatte ich keinen festen Griff, was natürlich gar nicht geht.

Die rote Linie zeigt, wo mein Daumen im Handschuh  "Louis75 xTraFit" von HELD endet. Der Handschuhdaumen ist rund 30 Prozent länger als bei einem normalen Menschen. Sind die vielleicht für Außerirdische vom Planeten Knäcke IV gemacht?
Die rote Linie zeigt, wo mein Daumen im Handschuh „Louis75 xTraFit“ von HELD endet. Der Handschuhdaumen ist rund 30 Prozent länger als bei einem normalen Menschen. Sind die vielleicht für Außerirdische vom Planeten Knäcke IV gemacht?

Zum Glück liess sich das Elend umtauschen. Eine Nummer kleiner umschlossen die Handschuhe meine Finger fester und der Griff war gut, aber zu einem hohen Preis. Wie sich auf dem Motorrad rausstellte, sind die Finger des Handschuhs nun zu kurz: Meine Fingerkuppen stoßen vorne an. Das kann dazu führen, dass die Finger einschlafen.

Der nächste Versuch: Vanucci Summer Dry II-Handschuhe. Saßen in Größe M im Geschäft ebenfalls super. Finger lang genug und vorne noch ein wenig Raum, aber rundrum sicher sitzend.

Trotzdem schlief mir bei der ersten Probefahrt praktisch sofort die rechte Hand ein. Der Grund: An genau einer, ganz kleinen Stelle auf dem Handrücken sind die Handschuhe zu eng. Genau dort laufen aber zwei wichtige Adern entlang. Die Druckstelle war winzig und kaum zu spüren, der Effekt aber riesig.

Saßen richtig gut, nur an der rot umrandeten Stelle drückten sie ein ganz klein wenig: Vanucci Summer Dry II.
Saßen richtig gut, nur an der rot umrandeten Stelle drückten sie ein ganz klein wenig: Vanucci Summer Dry II.
Dummerweise laufen an der Stelle die Hauptadern für Zeige- und Mittelfinger entlang, wie man hier gut sieht.
Dummerweise laufen an der Stelle die Hauptadern für Zeige- und Mittelfinger entlang, wie man hier gut sieht.

Vielleicht hätte sich der Handschuh noch geweitet, riskieren wollte ich das aber nicht. Also wieder umtauschen. Eine Nummer größer ist jetzt alles gut, ich habe meine perfekten Handschuhe für nasse Sommertage gefunden.

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Damit der Kauf der nächsten Handschuhe nicht wieder so ein Drama inkl. Fehlkauf wird, notiere ich hier mal für mich die wichtigsten Erkenntnisse:

1. „Fits like a glove“, sagt der Engländer, und meint damit: Sitzt eng, wie eine zweite Haut. Genau DAS dürfen Motorradhandschuhe aber nicht. Motorradhandschuhe müssen wesentlich größer sein und dürfen nicht wie eine zweite Haut sitzen oder drücken. Nirgendwo.

2. Keine zwei Hände sind gleich, auch dann nicht, wenn sie am gleichen Körper sitzen. Meine rechte Hand ist größer als die linke, und auch die Finger sind länger. Ein Handschuh der links perfekt passt, ist u.U. rechts zu klein. Die rechte Hand ist die wichtigere, trotzdem sollte ein Handschuh an beiden Händen sitzen.

3. Handschuhe dehnen sich vielleicht in der Breite, aber nie in der Länge. Zu kurze Finger bleiben zu kurz. Noch schlimmer: Wenn das Leder an den Fingergelenken Falten wirft, wird der Handschuh dadurch sogar noch kürzer.

4. In guten Fachgeschäften gibt es einen Griff-Dummie, dass ist ein Stock, mit dem der Lenker simuliert wird.

Den Dummie so umgreifen. Jetzt dürfen die Fingerkuppen vorne nicht anstoßen und in den Fingerzwischenräumen nichts ziepen.
Den Dummie so umgreifen. Jetzt dürfen die Fingerkuppen vorne nicht anstoßen und in den Fingerzwischenräumen nichts ziepen.

Wenn man den fest umgreift, sollten die Handschuhe 1. Nicht zwischen den Fingern kneifen, 2. an den Fingerkuppen noch ca. 0,5-1 cm Platz sein, 3. Die Oberhand nicht vom Knöchelschutz gequetscht werden, 4. An der Außenseite des Handtellers beim zusammendrücken des Leders gut 2-3 cm Raum sein. Oder anders: Wenn man die Hand ausgestreckt vor sich hat, sollten beim Zusammendrücken an der Seite und an den Fingerkuppen ein Fingerbreit Raum sein:

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Der Handschuh ist zu klein, wenn die Fingerkuppen vorne anstoßen oder der Handteller oder die Oberhand irgendwo gequetscht wird, auch, wenn es nur wenig ist. Der Handschuh ist zu groß, wenn die Finger mehr als 2-3 cm zu lang sind.

5. Wenn auch unterschiedliche Größen nicht passen und entweder zu groß oder gleich wieder zu klein sind, dann ist das entsprechende Modell nichts für einen. Oder der Hersteller, denn jeder Produzent verwendet sein eigenes Modell einer Durchschnittshand und seinen eigenen Standardschnitt. Ich habe z.B. REUSCH- oder Vanucci-Hände, deren Schnitt passt mir in Größe L/9. Modelle von HELD und FLM dagegen sind eher für Menschen mit dickeren, kürzeren Fingern als meine.

6. Nach dem Kauf sollte man am besten sofort auf dem eigenen Motorrad Probefahren, mindestens 50 Kilometer. Dabei darauf achten ob die Finger einschlafen. Nach 50 Kilometern Handschuhe ausziehen und die eigenen Hände betrachten. Sind irgendwo deutliche, rote Druckstellen zu sehen? Haben die Innenähte Abdrücke in der Haut hinterlassen? Dann ist der Handschuh zu klein.

7. Polo und Louis stellen sich erfahrungsgemäß nicht an, wenn man Handschuhe kurz nach dem Kauf umtauschen will. Dennoch gilt: 1. Sich vor dem Kauf vergewissern, dass auch nach einer Probefahrt auf dem eigenen Mopped ein Umtausch möglich ist. Und 2.: Bis man wirklich zu 100 Prozent sicher ist, dass die Handschuhe perfekt sind: Pfleglich damit umgehen. Auch der kulanteste Händler guckt komisch, wenn die erste Probefahrt durch den Regen ging, der Knöchelschutz Abrieb aufweist oder das Mesh voller toter Fliegen hängt. Regel des gesunden Menschenverstands: Wenn etwas in einem Zustand ist, den Du selbst nicht mehr kaufen würdest, trägst Du es nicht ins Geschäft zurück!