Reisen

Reisetagebuch Griechenland 2021 (8): Metéora

Tagebuch einer Motorradtour durch Griechenland. Heute mit Klöstern, Papper und Schwaben. Ausgerechnet Schwaben.

Tag 8: Sonntag, 26. September 2021, Kalambaka
„My mother makes breakfast“, schnauft Nikos, „my mother is best“. Auch heute morgen hat er wieder das karierte Hemd mit den Wolfsapplikationen an und watschelt zwischen den Tischen im Frühstücksraum herum. Ich bin der erste Gast und er stellt mir einen Teller nach dem nächsten hin, mit Wurst, Käse und Joghurt. Ich habe überhaupt keinen Appetit, bin noch voll vom gestrigen Abendessen.

Ich stürze nur einen Kaffee herunter, dann gehe ich hinaus zum Motorrad. Das Gepäck bleibt im Gasthaus, ich werde hier noch eine weitere Nacht verbringen.

Die V-Strom steht in der Morgensonne. Über ihr, in zwei, drei Kilometern Entfernung, stemmt sich eine große Sandsteinklippe aus einem Bergausläufer. Auf ihrer äußersten Kante liegt ein großes Gebäude, das von hier aus wie eine Burg aussieht. Es ist ein Kloster, und das will ich mir ansehen.

Ein Druck auf den Anlasser und der V-Twin erwacht zum Leben. Die V-Strom giert nach Strecke, aber heute wird es nur kurze Hüpfer geben. Ich steuere die Barocca hinaus auf die Rundstraße, die einmal um die Meteora-Felsen herumführt.

Mir fällt wieder ein wie ich das erste Mal hier war, vor sechs Jahren. Damals mit Modnerd, als Beifahrer im Mietwagen, bestaunte ich den makellosen Asphalt und die perfekten Kurven dieser nagelneuen Straße und dachte: „Hier würde ich so gern mal mit einem Motorrad entlangfahren“ – und jetzt bin ich hier!

Die V-Strom brummt die Bergstraße hinauf. Das Bergmassiv bildet hier einen Halbkreis, in dem die Felssäulen aus dem Boden ragen und vor die sich der Ort Kalambaka kuschelt. Eine seltsame Gegend, die die Menschen schon immer fasziniert hat. Einsiedler, Hippies und anderes durchgeknalltes Volk – also genau das Material, aus denen Religionen gemacht sind – ziehen diese Naturmonumente magnetisch an, schon seit ewigen Zeiten. Kein Wunder das erst Einsiedler, dann religiöse Orden hier die Metéora-Klöster in die Felsen gebaut haben.

„Metéora“ kommt von metéōros, dem altgriechischen Wort für „In der Luft schwebend“. Mindestens seit dem 11. Jahrhundert gab es auf den Spitzen der bis zu 300 Meter hohen Felsen Einsiedeleien.

Ist fast eine Ironie: Da will man als Einsiedler seine Ruhe haben und sucht sich den abgelegensten und am schwersten zugänglichen Ort der Welt – und stellt DANN fest, dass eines morgens von der Felsnadel gegenüber jemand herüberwinkt, der da über Nacht eingezogen ist. Und zwei Felsen weiter wohnt plötzlich auch ein Einsiedler. Auf dem im Hinterhof auch! Und weiter unten am Berg wohnt auch ein Eremit! Quasi eine Siedlung von Einsiedlern!

„Die auf dem Felsen da hinten, ne? ALLES SPALTER!“ (Aufnahme aus Varlaám)

Die Felssäulen von Metéora waren bei Religionsvolk so beliebt, das hier ab dem 15. Jahrhundert im Akkord Klöster gebaut wurden. Insgesamt vierundzwanzig waren es zu der Zeit, als es gerade total Mode war ein Metéora-Kloster zu haben.

Heute sind die meisten verfallen und unbewohnt. Nur sechs Klosteranlagen sind noch in Funktion, zwei für Frauen, vier für Männer. 2015 lebten auf den Felsen 41 Nonnen und 15 Mönche, neuere offizielle Zahlen gibt es nicht. Die sechs Klöster lassen sich allesamt besichtigen und sind über die Rundstraße verbunden. Nikos hat mir eine Karte mitgegeben. Darauf sind alle Felsen, die Rundwege und die Klöster eingetragen.

Die Karte mit ihren bescheidenen zwei Dimensionen gibt natürlich nicht im Ansatz wieder, wie spektakulär die Klöster auf den Felsen thronen (Klick macht groß):


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Reisetagebuch Griechenland 2021 (7): The Best

Tagebuch einer Motorradtour durch Griechenland. Heute mit ähnlichem Mist wie gestern und einem vergessenen Prominenten.

Samstag, 25. September 2021, Sidirochoro
Die Sonne scheint durch´s Fenster und lässt das Holz der Zimmereinrichtung in einem warmen Ton leuchten. Sonne auf Holz. Der Inbegriff von Gemütlichkeit. Eigentlich will ich hier gar nicht mehr weg.

„My friend, all goode?“, poltert in der Gaststube Dimitrios mit seiner Dr. House-Reibeisenstimme und seinem russisch klingenden Englisch.
„Slept goode? Or dogs crying?“

„Barking. All. Night. Long.“, sage ich und reibe an den Schatten unter meinen Augen herum. Dank Ohrenstöpseln habe ich zumindest ein wenig Schlaf bekommen, aber die hysterische Nachbarstöle kläfft in einer so nervenzersägenden Frequenz, dass die sogar durch die guten Ohropax zu hören ist.

„Maaaany wolves and bears here“, grinst Dimitrios und stellt fest „You like white Mushroom, Yes“ um dann wieder so ein geiles Frühstück wie gestern zu machen – Omelett mit frischen Kräutern und Pilzen, gebackener Toast, dazu Brot und im Ort hergestellte Butter und Konfitüre. Im Duett schlürfen wir dazu griechischen Kaffee, ich an meinem Tisch, Dimitrios gedankenversunken am anderen Ende des Raumes hinter seiner Theke.

Als das Geschlürfe ein Ende gefunden hat, verabschiede ich mich. Im Rausgehen sage ich noch „Mir gefällt Dein Auto“.
Dimitrios guckt irritiert. „Aaaah, is nothing special. Is small and olde. Why you like?“.
„Ich mag die Farbe“, sage ich und ziehe die Tür zum Gasthaus zu.

Die Nacht war wieder kalt, so um die 3 Grad, und ich bin tatsächlich sogar irgendwann vor Kälte aufgewacht und habe mir eine zweite Decke aus dem Schrank geholt.

Auch jetzt ist die Luft noch kühl, vielleicht so sechs, sieben Grad, aber in der Sonne ist es schön und warm. Ich scheuche ein paar spielende Hunde aus dem Weg und beginne den Tag im Sattel des Motorrads.

Erst einmal geht es runter vom Berg, dann über die Ebene am See von Kastoria und durch die großen Apfelplantagen, wo gerade die Ernte in vollem Gang ist. Dahinter führt die Straße führt durch eine abwechslungsreiche Landschaft. Sie schlängelt sich zwischen den Bergen hindurch und führt immer wieder zwischen kleinen Feldern entlang.

Erneut stelle ich fest, wie herrlich es sich in Nordgriechenland fahren lässt. Die Straßen sind praktisch leer, vielleicht alle fünf bis zehn Minuten begegnet mir ein Fahrzeug. Eine so geringe Verkehrsdichte, das kennt man aus Deutschland nicht mal mehr aus den ländlichen Gebieten.


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Reisetagebuch Griechenland 2021 (6): Very Traditional!

Tagebuch einer Motorradtour durch Griechenland. Heute mit einem kleinen Ausflug in einen Nationalpark und in ein sehr besonderes Dorf. Außerdem wird etwas verbeult.

Freitag, 24. September 2021, Sidirochori
Um kurz nach 8 Uhr betrete ich den Gastraum. Ich bin froh den gefunden zu haben, denn die alte Taverna hat in ihrer bestimmt 150jährigen Geschichte so viele An- und Umbauten erfahren, dass ihr Inneres nun einem Labyrinth gleicht. Das aus Naturstein und Holz gebaute Gasthaus besteht aus einer Vielzahl kleiner Treppenhäuser, großer Vorräume und schmaler Gänge, die alle durch dicke Türen voneinander getrennt sind. Bei all den geschlossenen Türen und Abzweigungen verliert man dann schnell die Orientierung. Andererseits ist das natürlich gut so, dann hält sich die Wärme besser. Ist halt doch zu merken, dass das hier etwas höher in den Bergen liegt, auch letzte Nacht ist es einstellig kalt geworden.

Im Gastraum ist es heute morgen muckelig warm, hier läuft irgendwo ein Ofen. Das hier alles aus Holz und Naturstein gebaut ist, trägt zur inneren Wärme bei. Sonne filtert durch die Scheiben und taucht den Raum in warme Farben. Neben dem großen Bereich mit den Esstischen gibt es tatsächlich auch eine Leseecke rund um einen gemauerten Kamin, mit gemütlich wirkenden Sofas und Bücherregalen!

Das ich hier bin, geht übrigens auf Modnerd zurück. Der hat hier vor vielen Jahren mal Station gemacht, und ich hatte damals sdie Bilder dieses gemütlichen Natursteinhauses gesehen und gedacht: Da muss ich mal hin! Und jetzt bin ich hier, und es ist noch toller als ich es mir vorgestellt hatte.

Aus seiner Nische hinter der Bar lugt Dimitrios, der Gastwirt, hervor und ruft mit rauer und lauter Stimme „Ah my friend you are here, goode! goode!!”

Wegen seiner schlacksigen Statur hat Dimitrios mich gestern abend an James Cromwell erinnert, der u.a. den Farmer in „Schweinchen Babe“ gespielt hat. Aber nun fällt mir auf: Er spricht wie ein Russe, zumindest hört sich das abgehackte, harte Englisch für meine Ohren wie ein russischer Akzent an. In Kombination mit der rauen Reibeisenstimme, die wie „Dr. House“ klingt, und der Lautstärke wirkt Dimitrios nun eher wie Lev, der polterige russische Kosmonaut aus dem Film „Armageddon“, der seine Raumstation mit mit Klebeband zusammengehalten hat.

Bild: „Armageddon“ (1998). Lev Andropov wird gespielt von Peter Stormare.

Na danke, Hirn. Jetzt kriege ich das Bild nicht mehr aus dem Kopf, das Lev hier Gastwirt ist. Und da wir alle Mund-Nase-Masken tragen und ich von Dimitrios Gesicht nur die Augen sehe, hält sich diese Illusion auch standhaft.

Von hinter dem Tresen poltert es: “You want Coffee? I make Coffee. And I have Mushroom. White Mushroom. You like?“ – „Äh, ja“, sage ich. „Goode. Goode. Take seat. I make Breakfast“.

Das macht er dann und man, ist das mächtig und gut.

Es gibt griechischen Kaffee, dazu Omelett mit Pilzen und Kräutern, gebratenen Toast mit geschmolzenem Käse und Schinken, frisches Brot und dazu Butter vom Bauern nebenan und verschiedene, handgemachte Konfitüren. Großartig!

Ich haue rein und lasse es mir schmecken, während Dimitrios hinter seinem Tresen steht und einen Kaffee unter lautem Schlürfen und in kleinen Schlucken trinkt. Ich mache das nach und merke schnell: Dadurch schmeckt griechischer Kaffee gleich nochmal besser, und man trinkt keinen Kaffeesatz mit. So schlürfen wir in angenehmer Stille, an entgegengesetzten Enden des Raumes.

Der Kaffee vertreibt auch die Müdigkeit ein wenig. Die Nacht war unruhig, direkt unter meinem Zimmerfenster hat der Hund der Nachbarin die ganze Nacht gebellt. Dimitrios grinst. „You now, here we say: When the dogs are crying, wolves and bears are near. Many wolves in the woods. Big wolves.“ Aha. Ich persönlich glaube eher, dass die Töle nebenan neurotisch ist und alle anderen Hunde im Dorf gleich mit irre macht, aber gut.

„I show you where you go today“, sagt Dimitrios resolut und nimmt mir mein Smartphone aus der Hand, öffnet Google Maps und zoomt bis auf Feldwege hinunter.
„You are afraid of mountains?“, fragt er und fährt, ohne eine Antwort abzuwarten, fort: „You go up there. Broken road. Very good for motorbike. Then go there – you are afraid of mountains?“
„Äh, nee“, sage ich. Wieso sollte ich Angst vor Bergen haben, wir SIND hier auf einem Berg.
„Goode, goode. Lots of mountain up there, but okay. Ah, Word is not mountain… I need word. Many stones. On Road.“

“Gravel?”, schlage ich vor, Schotter.
“Right, Gravel.” Aha. Jetzt ergibt das mehr Sinn.
„Is gravel. Or mud. Depends. Sometimes road is washed, maybe some trees have fallen. You will see. Then you go there…” er zoomt auf einen Wald, “and then there. Little village. Very beautiful! Very traditional! Many bears! You go there. Understood?“

„Viele Bären?“, frage ich.
„Yes! Yes! Many bears. Wild bears, circus bears, from all country. Life there.“ Ah, ein Bärenschutzreservat.
“Anyway, you go there! Very traditional!“, sagt Dimitrios. „Okay“, sage ich und ergänze in Gedanken meine skizzierte Tagestour.

Kurze Zeit später zirkelt die V-Strom auf einer schmalen Bergstraße um riesige Schlaglöcher herum. Dimitrios Anweisungen bin ich nicht gefolgt, sonst wäre ich jetzt schnell Richtung Osten unterwegs gewesen. Ich möchte aber erst einmal nach Norden.

Nicht weit entfernt sind die Grenzen zu Mazedonien und Albanien, und in diesem Dreiländereck liegt der Prespes Nationalpark. Zu dem gehören auch mehrere Seen, und einer davon, der kleine Prespes-See, weist eine Insel auf, die ich mir angucken möchte.
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Reisetagebuch Griechenland 2021 (5): Cthulhus Kinder

Tagebuch einer Motorradreise durch Griechenland im Herbst 2021. Heute begegne ich Chtulhus Kindern, jeder Menge Ziegen und dem Farmer aus „Schweinchen Babe“

Donnerstag, 23. September 2021, Perama, Ioannina
Spiros sieht aus wie eine eingelaufene Version von Ernest Borgnine, als der den Dominic Santini in der alten TV-Serie „Airt Wolf“ gespielt hat. Nur das Spiros keinen Hubschrauber fliegt, sondern das Café im Erdgeschoss der Unterkunft betreibt. Und was für ein wunderbares Café das ist! Der Laden sieht aus wie aus einem Konditoreifilm mit Juliette Binoche gefallen, so hell und freundlich und neckisch ist er eingerichtet. Hier gibt es Kuchen, frisch gebackene Waffeln, Joghurt, selbstgebackenes Brot…. das duftet einfach himmlisch!

Spiros freut sich, als ich nur griechische Dinge bei ihm bestelle, und kurz darauf stellt er mir einen griechischen Joghurt und einen griechischen Kaffee auf den Tisch.

Neugierig beäuge ich beides. Der Kaffee wird in einer kleinen Messingkanne mit einem langen Griff serviert, daneben steht ein großes Glas Wasser, eine Tasse und ein Stück rotes Dings mit Puderzucker drauf. Und nun? Das Wasser mit dem Kaffee selber Mischen? Nee, das Glas hat keinen Ausgießer. Also trink man das dazu. Vermutlich um die Geschmacksknopsen zu öffnen, ähnlich wie man in guten Kaffeehäusern auch ein Wasser zum Espresso bekommt. Der Kaffee ist hervorragend und lehrt mich: Griechischer Kaffee hat Bodensatz, deshalb sollte man die Kanne nie ganz leeren. Wenn er in der Tasse serviert wird, sollte man die nie einfach runterstürzen.

Der süße Joghurt dick mit Honig überzogen und mit Erdnüssen bestreut ist. Was für ein Overload an Süß!

Das rote Glibberdings heißt übrigens Loukoumi und ist eine Süßigkeit aus Zucker und Stärke, die ein wenig wie mürbes Weingummi schmeckt. Loukoumi kommt ursprünglich aus der Türkei, ist aber in ganz Griechenland zu finden. Das Ioannina osmanische Wurzeln hat, weil es früher mal Handelsstadt des osmanischen Reiches war, spielt da keine Rolle. Wie auch immer: Loukoumi ist lecker, aber auch ein Overload an Süß und der dauerhafte Genuss ein schneller Weg in eine Diabetes.

Ach, was geht´s mir gut. Ich sitze hier im Schein der Morgensonne, allein in einem herrlichen Café und darf unbekannte Köstlichkeiten entdecken. Sogar die Aussicht ist schön: Vor der Tür steht die Barrocca.


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Reisetagebuch Griechenland 2021 (4): Elláda!

Tagebuch einer kleinen Motorradtour. Heute mit einem neuen Land unter den Reifen.

Mittwoch, 22. September 2021, Fähre Florencia, irgendwo auf der Adria
Um 08:00 Uhr bin ich wach. Der Schlaf war unruhig, denn die 17 Jahre alte Florencia knarzt und klappert um mich herum. Irgendwo in der Wand schwingen Stahlseile gegen eine Verkleidung. Das hört sich an, als sitze in der Wand ein sehr wütender Gnom, der mit seinem Hammer mit voller Kraft auf eine Stelle neben meinem Kopf eindrischt.

Ob das wohl ein Grund ist den „ALLARM BOTTON“ neben dem Bett zu drücken? Vermutlich nicht.

Wann muss ich wohl aus der Kabine raus und auschecken? Was ist draußen wohl zu sehen? Ich schlüpfe in Motorradhose und Stiefel, werfe die Fleecejacke über und verlasse die Kabine, wandere zu einer der Außentüren und trete in die frische Morgenluft.

Draußen scheint die Sonne, und rechts vom Schiff (Backbord? Steuerbord? Ich kann mir das nie merken) zieht in fünfzehn Kilometern Entfernung eine Küstenlinie vorbei, an der ich große Tanks und einen Turm ausmachen kann. Mein Hirn fahndet nach Informationen, die Rückschlüsse auf den Ort zulassen, und wird sofort fündig. Ich mag bloß nicht an den Fund glauben.

Ich rühme mich mittlerweile gerne damit, nach zehn Jahren Reisen durch Italien nahezu jeden Ort auf dem Stiefel schon mal durchfahren zu haben oder zu erkennen oder zumindest verorten zu können, und wenn ich jetzt nicht völlig unter Selbstüberschätzung leide, dann würde ich sagen: Das da ist das Raffineriegebiet südlich von Brindisi, der Stadt an der Ferse des italienischen Stiefels.

Brindisi?! Aber das kann doch eigentlich nicht sein! Wir sind schon gute 14 Stunden unterwegs, da müssen wir doch mehr geschafft haben als die lumpigen, was sind es, vielleicht 450 Kilometer, zwischen Ancona und Brindisi, oder?

Leider gibt es keinen Empfang, ich kann also nicht mal schnell im Smartphone nachgucken wo wir sind. Aber ich kann den kleinen GPS-Recorder einschalten und später die Aufzeichnung angucken.

Stellt sich im Nachgang raus: Das an der Küste ist wirklich Brindisi, und das Schiff ist tatsächlich nur mit sagenhaften 17 Knoten oder 32 Km/h unterwegs.

Ich setze mich mit einem Buch auf die linke Seite des Schiffs in die Morgensonne. Auf der Außenplattform. ein Deck unter mir, diskutieren griechische Lastwagenfahrer über Dinge, über die griechische Lastwagenfahrer halt so diskutieren.

Nach zwei Stunden in er salzigen Seeluft ist mir kühl, und ich ziehe mich in die Kabine zurück. Hier stelle ich erst einmal die Uhr um. Wir schippern gerade in eine andere Zeitzone, ab jetzt ist es eine Stunde später. Oh, schon 12 Uhr? Hm. Da das Frühstück ob der heftigen Preise an Bord ausgefallen ist, läute ich dann einfach mal das Mittagessen ein.

Aber nicht im Bordrestaurant, zum einen hat das noch nicht offen und zum anderen sind die Preise da unverschämt – drei Euro für einen Espresso, WTF. Wenn man Lastwagenfahrer ist, bekommt man wohl alles für die Hälfte, was dann in akzeptablen Preisregionen liegt, aber als Normalmensch wirste da arm. Nein, da bleibe ich lieber bei meinem mitgebrachten Dosenfutter. Pasta aus dem Beutel, fertiges Knäckebrot und einen Müsliriegel. Wer hätte gedacht, dass es fertig belegtes und einzeln verpacktes Knäckebrot gibt?

Dann lege ich mich auf das Bett und lese und warte, während die Florencia weiter durch die See schaukelt.


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Reisetagebuch Motorradherbst 2021 (3): PLF Florencia

Im Herbst 2021 bin ich unterwegs gen Süden. Heute mit mehrfachen Umwegen, Regen-aus-dem-Nichts, einer schönen Benzinaia und einem irritierenden Ausdruckstänzer. Ach ja, und vor mir geht ein Auto in Flammen auf.

Dienstag, 21. September 2021, San Biaggio di Callalta
Ein kurzes Frühstück im honigwarmen Frühstücksraum der Villa Maria Luigia, eine schnelle Verabschiedung von Sara und Francesco, und um kurz nach 8 Uhr rollt die Barocca durch den Ziergarten der Villa, zieht auf die Landstraße und pöttert durch das Veneto.

Der Himmel ist bedeckt und die Luft mit 15 Grad auch nicht besonders warm, aber immerhin: Es reicht für die Sommerhandschuhe und es regnet nicht. Man freut sich ja auch über Kleinigkeiten.

Dieser Landstrich ist so unsäglich langweilig, das mein Hirn fast sofort auf Autopilot schaltet. Gewerbegebiete reihen sich an Felder, auf denen vereinzelt Häuser rumstehen. Alles ist flächendeckend besiedelt, auch zerfranste Dörfer gehen ineinander über, und dazwischen stehen einzelne Wohnhäuser oder Mittelstandsunternehmen. Das Veneto und die im Westen angrenzende Lombardei sind das Mittelstands-Powerhouse Italiens. Hier sitzen viele der italienischen Weltmarken, die meist als Familienunternehmen angefangen haben oder es immer noch sind. Auch im Motorradbereich, Firmen wie Alpine Stars oder Nolan oder Dainese haben hier ihren Ursprung und meist noch ihre Firmenzentrale und, wenn auch nicht den Großteil der Fertigung (die wurde bei den Klamottenherstellern nach Vietnam ausgelagert, so doch mindestens ein Outlet, und auch viele Automobilzulieferer und so gut wie jede Outdoormarke hat hier ihre Verwaltung oder eine Verkaufsdependence.

Die dichte Besiedlung ist sogar aus dem Weltraum zu erkennen, diese Region leuchtet nachts heller als das Ruhrgebiet (Quelle: NASA).

Italien bei Nacht. Das hell leuchtende Dreieck im Norden ist im Osten das Veneto, im Westen die Lombardei.Ich bin gerade beim Pfeil.

Durch die Landschaft schneiden breite Straßen, die sich an unzähligen Kreiseln kreuzen. Anna hat ein Strecke Richtung Küste gerechnet, biegt aber kurz davor ab auf eine Staatsstraße. Nun geht es gen Westen, an der Lagune von Venedig entlang, deren Küste hier mit dem Flughafen Mestre und zahlreichen, ineinander verschmolzenen Industriegebieten zugebaut ist.

Mestre und Marghera, die beiden Petrochemie-Städte auf dem Festland, wo heute die meisten Venezianer leben, sind einfach nur Ausgeburten der Hässlichkeit. Geblendet von den Abscheulichkeiten am Wegesrand verfahre ich mich hier prompt – im Gewirr der Baustellen einmal falsch abgebogen, und schon bin ich plötzlich auf dem Weg über die Brücke, die in der Altstadt von Venedig, draußen in der Lagune, endet. Nein, das will ich heute nicht.

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Reisetagebuch Motorradherbst 2021 (2): Mit Gyros repariert*

Tagebuch einer kleinen Motorradtour. Heute: Gen Italien. Achtung: In dieser Episode geht weder etwas kaputt noch gibt es Gyros. Was sehr schade ist. Zumindest letzteres.

Montag, 20.September 2021
Kein Regen zu hören, stelle ich noch im Halbschlaf fest, und freue mich ein wenig. Dann fällt mir ein, dass das gar nichts bedeuten muss. Die Fenster des Zimmers im Burgblick sind fast 10 Zentimeter dick und isolieren ALLES. Ein kurzer Blick hinaus zeigt: Die Burg ist noch da, aber Wolken ziehen dicht und sehr schnell über ihr entlang, und das mit dem „regnet nicht“ war nichts. Seufz.

Kurzes Frühstück, dann trage ich die Koffer zum Motorrad. Es regnet zum Glück nicht in Strömen, wie es angesagt war. Es nieselt nur. Erhöhte Luftfeuchtigkeit, wie man in Oldenburg sagt. Dazu kommt eine steife Brise und eine Temperatur von knapp neun Grad. Alles aushaltbar, aber auch nicht besonders angenehm, deshalb zwänge ich mich noch im Hotelzimmer in die Regenklamotten.

Als ich damit fertig bin mich in die Stormchaser hineinzuwinden und zu -zwängen, läuft mir der Schweiß den Nacken hinab. Hier im Haus ist alles schon wintermäßig beheizt, und ich trage jetzt lange Merinounterwäsche, darüber einen leichten Merinopullover, darüber die Kombi aus Cordura und Leder und darüber die winddichten Regenklamotten. Wurst in Pelle, aber vermutlich bin ich gleich froh über die Wärme, die sich gerade im Inneren meiner Wursthaut staut.

Dicke Regenwolken hängen über dem Tal. Vorsichtig steuere ich die Barocca vom Hof des Gasthauses und den Berg hinab und dann auf die Landstraße nach Süden. Kurz gerate ich mit Anna in Streit darüber, ob „Straßen ohne Maut“ auch bedeutet, dass sie die A10 meiden soll, aber zum Glück fällt mir ihr Fehlgriff noch auf, bevor ich auf die Autobahn gerate. Dafür drehen wir eine launige Schleife durch kleine Dörfchen, um wieder auf die normale Straße zu kommen. Keine Autobahn heute, nur Landstraße und kleine Bummelwege, bitte. Berg hoch und Berg runter, das möchte ich gerne, keine Kilometerfresserei.

Als es den ersten richtigen Berg hoch geht, wird der Regen stärker. Es beginnt zu pladdern, Regentropfen klopfen auf´s Helmvisier, und schlagartig fällt die Temperatur auf nur noch vier Grad, sagen das Navi und das Motorrad in seltener Übereinstimmung.


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Reisetagebuch Motorradherbst 2021 (1): Irgendwie quaddelig

Samstag, 18. September 2021
Bloß raus, bloß weg. Ein Jahr alles gegeben, nun völlig leer, müde und kaputt.
Ausgelaugt. So fühle ich mich und so sehe ich auch aus: Blass, und irgendwie quaddelig.

Ich habe nicht einfach nur Fernweh. Oder Sehnsucht nach Ferne. Darüber bin ich lange weg, die Grenze zwischen „Ich würde gerne mal wegfahren“ und „ICH MUSS HIER RAUS SONST DREHE ICH DURCH“ ist schon länger überschritten, und nur eiserne Selbstbeherrschung hat dafür gesorgt, dass ich nicht so manches Mal in diesem Jahr einfach Sachen zusammengetreten habe.

Weg hier. Den Kopf frei bekommen, endlich wieder was anderes sehen als nur Monitore und die immer gleichen vier Wände zu Hause und die vier Wände im Büro. Seit eineinhalb Jahren Pandemie, seit eineinhalb Jahren fast alle Kolleginnen und Kollegen im Homeoffice, dazu deutlich mehr Arbeit als vorher.

Ja, schon in den vergangenen drei Jahren war ich irgendwann immer am Ende, kurz vor einer Reise. Aber dieses Jahr ist es heftiger. Der Stress macht jetzt Dinge mit mir, die allerhöchste Alarmzeichen sind. Ich kann gerade nicht mehr als vier, fünf Stunden schlafen, weil sich der Körper in permanenter Alarmbereitschaft befindet und das Hirn gleichzeitig ständig an drei Dingen herumdenkt und dabei gleichzeitig einen Ohrwurm dudelt. Meine Innereien rumpeln und pumpeln, seit mindestens zwei Monaten habe ich Probleme mit Magen und Darm. Und nicht zuletzt höre ich auf dem rechten Ohr seit einigen Wochen nicht mehr viel. Ohrenarzt sagt: Kein körperliches Problem, alle Tests sind supi. In der Theorie müsste ich perfekt hören, in der Praxis fühlt es sich an, als hätte ich Wasser im rechten Ohr.

Aber kann ich das überhaupt? Kann ich jetzt wirklich vier Wochen mit dem Motorrad auf Tour gehen? Das habe ich so lange nicht mehr gemacht. Bin ich fit genug? Schafft das Motorrad das? Was bildest du Dir ein, dass Du denkst, Du könntest das schaffen?, flüstert eine Stimme in mir.

Alles so Gedanken, die mir durch den Kopf kreisen. Deutliches Zeichen, dass ich in diesem Jahr motorradtrchnisch zu viel Theorie und zu wenig Praxis hatte. Dann baut langsam das Vertrauen in mich selbst ab. Ich muss hier weg. Nicht nur in der Theorie.

In der Praxis steht die Barocca (gesprochen: Barocka), die 2011er Suzuki DL650 „V-Strom“, in der Garage. Startbereit. Seit Wochen schon. Frisch gewartet. Die Reifen sind nicht mal richtig eingefahren.

Viel gefahren ist die große Schwarze mit dem Mördervorbau in diesem Jahr noch nicht. Wohin auch? Sie ist meine Reisemaschine, und reisen wollte und konnte ich ohne Impfung in der Pandemie nicht. Da erschien auch Urlaub machen irgendwie sinnlos. Also Arbeit Arbeit Arbeit… bis im Spätsommer endlich die erlösende Impfung kam. Das ist erst acht Wochen her, kommt mir aber vor wie eine Ewigkeit.

Ab dem Moment hatte ich wieder Lust und Traute weg zu fahren, am Besten Ende September. Aber wohin? Nach Rumänien möchte ich schon lange gerne, aber die haben ihre Pandemiezahlen überhaupt nicht im Griff. Oder UK? Nee, wettertechnisch schon zu spät im Jahr und wer weiß, in welchem Chaos die piefige Brexit-Insel versinken wird, vielleicht will ich da nicht mittendrin stecken.

Dann fiel der Beschluss, eine Reise nachzuholen, die ich vergangenes Jahr im Mai gerne gemacht hätte. Es soll nach Griechenland gehen. Einen ganzen Monat soll es auf dem Motorrad bis zur Südspitze des griechischen Festlands gehen. „Na, Mädchen, kriegen wir das hin?“, frage ich die V-Strom und streiche mit der hand über den Sattel. Natürlich kriegen wir das hin. 8.000 Kilometer werden es werden. Die Zahl wirkt groß, aber hey, ich fahre die ja nicht am Stück, sondern in kleinen Etappen, und für jede kann ich mir Zeit nehmen und sie so fahren, wie es für mich richtig ist. Denn natürlich bin ich wieder allein unterwegs.

Seitenkoffer und Topcase sind schon montiert und bereits seit einer Woche fertig gepackt. Hätte ich mich nicht früh darum gekümmert, hätte ich in den vergangenen Tagen keine Zeit zum Packen gefunden. Ein letztes Mal prüfe ich den Sitz des Gepäcks und checke die Maschine und das Garmin Zumo, Spitzname „Anna“, das drahtlos mit meinem Helm und den Reifen des Motorrads verbunden ist.

Alles ist in Ordnung, alles funktioniert wie erwartet. Morgen soll es also losgehen, und ich fühle mich körperlich schwach und erschöpft und geistig der Sache überhaupt nicht gewachsen. Aber ein Teil von mir ist gnadenlos optimistisch und weist darauf hin, dass mir das vor jeder weiten Reise so geht und das ich bislang noch alles geschafft habe, was ich wollte – und raus, einfach nur weg hier, das will ich wirklich, mit jeder Faser.

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Sonntag, 19. September 2021
Es ist 05:30 Uhr. Klamotten an, Schluck Instantkaffee, Sicherungen der Wohnung raus, los geht’s. Es sind 11 Grad, und die Luft hängt voller Niesel. Damit ist wenigstens die Entscheidung schon getroffen, ob ich die Regenkombi anziehe oder nicht. Schnell ist die Stormchaser übergestreift und der Gehörschutz reingepfriemelt, dann schiebe ich die DL 650 auf die Straße und knipse das Licht in der Garage aus.

Kurz darauf rollt die Barocca im Schein der Straßenlaternen aus dem Dorf heraus und auf den Autobahnzubringer.


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7.306

Pandemie, Pandemie, Pandemie. Das sind die drei Gründe, weshalb ich im Frühjahr und Sommer schön zu Hause geblieben bin. Im Spätsommer kam dann die erlösende Impfung, und ich begann wieder Pläne zu machen. Ich wollte raus, wollte weg, wollte etwas anderes sehen als nur die vier Wände im Büro und daheim. Aber wohin?

Geplant war Rumänien, aber weder dort noch in den Transitländern hat man gerade die Pandemie im Griff. UK wäre nett gewesen, aber das Brexitchaos zeichnete sich schon ab, und in Anbetracht der Tatsache, dass es dort jetzt vielerorts kein Benzin mehr zu kaufen gibt bin ich heilfroh, einen weiten Bogen um die Insel gemacht zu haben. Denn letztlich ging es genau in die andere Richtung, um eine Reise nachzuholen, die ich eigentlich im Mai 2020 hätte antreten wollen: Nach Griechenland! Schon seit meiner ersten, kurzen Begegnung mit den Land, während der Überraschungsreise 2015, wollte ich Land und Leute besser kennenlernen.

So kam es, dass ich Mitte September in den Sattel der Barocca stieg und mit ihr und unter Zuhilfenahme eines Schiffs nach Griechenland reiste. Dort drehten wir dann eine große Runde…

…und sind jetzt, nach insgesamt einem Monat und 7.306 gefahrenen Kilometern, wieder zuhause. Würde man die Schiffskilometer mitrechnen, wären es rund 8.800. Das ist die zweitlängste Tour, die ich je gefahren bin.

Die 650er V-Strom hat super durchgehalten, trotz widriger Umstände wie Regen und kalten Temperaturen. Und damit meine ich nicht „Nieselregen“ und „ein wenig kühl“ – denn das und windig war es, was Baden im Mittelmeer leider verunmöglichte – sondern ich rede hier von Gerölllawinen-Starkregen und Temperaturen unter Null.

Hat die Suzuki alles nicht interessiert, die macht einfach. Tolle Maschine. Dafür hat die sich jetzt eine gründliche Reinigung und eine Wartung verdient.

Zum Glück war alles unspektakulär im Sinne von „keine Pannen, keine Unfälle“. Die erste RICHTIG gefährliche Situation passierte erst, als ich gerade wieder 3 Kilometer in Deutschland war – kaum auf der German Autobahn, versuchte mich ein wütender Autofahrer abzudrängen. Aber bis dahin: Alles gut.

Es gibt also demnächst irgendwann wieder ein Reisetagbuch, aber ein paar Wochen wird das noch dauern – ich muss erstmal wieder ankommen, Socken waschen, mich um Geschichten kümmern und dann sage und schreibe 272GB Daten sichten.

2020: 5.575
2019: 8.124
2018: 6.737
2017: 5.908
2016: 6.605
2015: 5.479
2014: 7.187
2013: 6.853
2012: 4.557

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Kradtour Ost

Wer schon Entzugserscheinungen hat, weil das Reisetagbuch noch Pause macht: Das Kradblatt 10/21 bringt auf neun Seiten die Osttour ins Riesengebirge. Sehr schön layoutet und in fokussierterer Form als hier im Blog.

Das Kradblatt liegt kostenlos an über 500 Orten in Papier aus, man kann es aber auch online unter Kradblatt.de oder in der iOS- oder der Android-App lesen.

Wer gerne die Langfassung lesen möchte, inkl. einer Pre- und einer Posttour: Die gibt es unter den folgenden Einträgen.

Juni/Juli: Osttour mit dem Motorrad

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Vorbeugende Instandhaltung bei Reisemotorrädern

Seit meiner Zeit in der Systemgastronomie weiß ich um die Macht der vorbeugenden Instandhaltung. Ein prüfender Blick zur rechten Zeit, ein wenig Pflege hier, ein frühzeitiger Austausch von Teilen dort, das kann darüber entscheiden, ob es für alle ein guter Tag wird, oder man dutzenden weinenden Kindern und wütenden Eltern erklären muss, dass die Shakemaschine leider schon wieder im Arsch ist und nein, Eis gibt es auch keins.

Vorbeugende Instandhaltung ist auch bei Fahrzeugen sinnvoll und wichtig. Es hat einfach einen Grund, das Hersteller für gewisse Bauteile eine Lebensdauer angeben. Als ich beim Kleinen Gelben AutoTM dachte: „Bei 180.000 die Wasserpumpe austauschen? Soweit kommt´s noch, die ist noch gut!“ bekam ich bei 184.000 Kilometern die Quittung, als mitten auf der Autobahn die Pumpenflügel auseinanderbrachen und fast den Motor mit in den Abgrund rissen.

Nun kaufe ich keine Neufahrzeuge. Auch die V-Strom hatte schon satte 34.500 Kilometer auf der Uhr, als sie zu mir kam. Sie sollte aber als Reisemaschine herhalten, für Auslandstouren, die schon mal mehrere Wochen dauern. Da ist es doppelt wichtig, das unterwegs nichts passiert, was sich durch Vorsorge und Achtsamkeit im Vorfeld hätte vermeiden lassen. Zumal im Ausland die Ersatzteilversorgung nie so supi war wie in Deutschland, und nun kommt die Lieferkettenkrise noch dazu.

Auf ein paar ganz einfache Dinge lege ich deshalb in Sachen vorbeugender Instandhaltung großen Wert. Manches davon ist vielleicht trivial, ich schreibe es hier trotzdem mal auf:

Reifen
Ich fahre die Tourance Next von Metzler. Die halten einfach unfassbar lange. Wie lange? Weiß ich nicht. Zum Ende jeder Saison werden die gewechselt, obwohl das Profil meist noch gut ist. Aber: Nach einer Saison haben die im Mittel so 10-12.000 Kilometer runter, und im nächsten Jahr kommt die nächste große Reise mit 8-10.000 Kilometern am Stück. Will ich wirklich ausprobieren, ob so ein Reifen 20.000 bis 25.000 Kilometer mitmacht?

Eher nicht, zumal irgendwann die Haftfähigkeit auf nasser Straße nachlässt und sich zum Lebesende des Reifens hin die Abnutzung beschleunigen kann. Also: Vorbeugend wechseln. Egal ob da „das Gute noch nicht von“ ist.

Radlager
Wenn die Räder für den Reifenwechsel eh´ schon mal runter sind: Warum nicht gleich die Radlager tauschen? Radlager kosten nur ein paar Euro, aber wenn sie auf einer Tour kaputt gehen hat man ein echtes Problem. Die möchte man sich lieber ersparen, zumal im ungünstigsten Fall das Hinterrad blockieren kann, wenn das Lager unterwegs zerbricht. Radlager lasse ich so alle 40-50.000 Kilometer wechseln. Der Wert ist willkürlich gewählt.

Lenkkopflager
Das Lenkkopflager habe ich tatsächlich noch nie vorbeugend tauschen lassen, habe es aber ständig im Auge und prüfe es ab und an.

Lampen
Bei vielen Motorrädern muss zum Wechsel des Leuchtmittels die halbe Verkleidung oder das Cockpit demontiert oder kunstvolle Verrenkungen vollführt werden. Sowas möchte man nicht auf Reisen machen, sowas ist ein Projekt für Herbstabende oder die Wintermonate.

Fein raus sind Besitzer von Krädern mit LED-Scheinwerfern, die halten mit 15.000 Stunden praktisch ewig

Ältere Motorräder haben noch Halogenlampen, und die haben eine, vom Hersteller angegebene, Lebensdauer. Ich fahre mit Nightracer 110-Lampen. Die brennen heller als normale H4-Lampen, haben dafür aber eine kürzere Lebensdauer. Zwischen 160 und 400 Stunden gibt Hersteller Osram an. Nun hat die V-Strom zwei Scheinwerfer, da könnte ich es tatsächlich drauf ankommen lassen. Mache ich aber nicht. Ich weiß ja ungefähr wieviele Stunden pro Jahr ich unterwegs bin, und nach 300 Stunden oder zwei Jahren werden die Lampen einfach getauscht und gut ist.

Kette
Es gibt wenig, was einem eine Tour so vermiesen kann wie eine ausgenudelter Sekundärantrieb. Weiß ich aus eigener Erfahrung. Nach dem Kauf der V-Strom die alte Kette draufgelassen und losgefahren mit „Ach die sieht doch noch gut aus“. Quittung dafür: nach dem ersten Regen war die Kette voller Rost und nach einer Fahrt über die Alpen hatte sie sich ungleichmäßig gelängt.

Resultat: Das Motorrad hoppelte und ruckelte wie ein Känguru. Wirklich. Es war nicht mehr gleichmäßig zu fahren, sondern ruckelte nur stoßweise vor sich hin. Sowas ist der Horror.

Vermutlich hatte ich damals noch die erste Kette drauf, das Teil hatte demnach 34.000 Kilometer runter und war vom Händler nur poliert, aber nicht getauscht worden. Das hätte ich sofort vorbeugend machen sollen. Eine so alte Kette vermiest einem nicht nur jeglichen Fahrspaß, sie ist auch gefährlich. Reißt sie während der Fahrt, kann sie sich ins Hinterrad wickeln, oder sie wird zum Geschoss und durchschlägt den Motorblock oder fliegt in den nachfolgenden Verkehr.

Mein Güte, was habe ich damals Mantren gemurmelt auf der Autobahnfahrt zurück nach Hause und der V-Strom viel Liebe und Wartung versprochen, wenn uns nur die Kette nicht um die Ohren flöge. Zum Glück ging alles gut, aber sowas will ich nie wieder mitmachen müssen, deshalb: Kette wird ca. alle 20.000 bis 25.000 Kilometer gewechselt.

Kunststoffteile
Kunststoff altert, und am Motorrad sind viele wichtige Teile aus Kunststoff. Schläuche zum Beispiel. Auch Bremsschläuche. Manche Hersteller empfehlen die alle vier Jahre auszutauschen. Mache ich nicht, aber ich behalte die ganz genau im Auge und sobald ich irgendwo kleinste Risse entdecke, werden sie getauscht, und dann gegen Stahlflex. Denn wenn ein poröser Bremsschlauch platzt, tut er das in einem ungünstigen Moment – und wer will schon bei der Passabfahrt plötzlich ohne Vorderradbremse dastehen?

Gabel
Eine leckende oder nicht einwandfreie Gabel kann hochgefährlich werden. Deshalb auch hier: Ständig Sichtkontrolle und alle paar Jahre vorbeugend Gabelöl und Dichtringe erneuern.

Züge
Ein gerissener Seilzug ist kein Drama, auf Reisen aber trotzdem großer Mist. In älteren Motorrädern finden sich vor allem drei Züge, einer für die Kupplung und zwei für´s Gas. Den Kupplungszug lasse ich tatsächlich alle 5 Jahre austauschen, den meiner Erfahrung nach ist es IMMER der Kupplungszug der reißt, von Problemen mit Gaszügen habe ich noch nie gehört. Trotzdem natürlich auch hier: Ständige Kontrolle. Einfach mal drauf achten ob der Gasgriff oder auch die Kupplung an manchen stellen ein wenig hakt. Das kann darauf hindeuten, das sich einzelnen Drähte aus dem Stahlseil zu lösen beginnen. Sichtkontrolle beim Kuplungszug ist auch nicht verkehrt, einfach mal am Hebel auf das Stahlseil gucken. Wird das brüchig, raus damit!

So, das waren meine Dinge, die ich meinen Mopped angedeihen lasse, um Unterwegs weniger Stress zu haben. Habe ich was vergessen? Findet ihr Dinge übertrieben? Ich bin gespannt auf die Diskussion in den Kommentaren!

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Stabilitätsprobleme bei Motorrädern und wie sie beseitigt werden können

Bild: Continental

Drüben im V-Strom-Forum berichtet ein Fahrer davon, wie bei Tempo 160 der Lenker seiner 2019er DL 650 plötzlich zu schlagen anfing und das ganze Motorrad binnen Sekunden so stark zu pendeln begann, dass er sie nicht mehr halten konnte und beide den Abflug machten. Der Fahrer hat´s offensichtlich und zum Glück überlebt, statt Ursachenforschung zu betreiben möchte er sich aber einfach einen Lenkungsdämpfer ans Motorrad tackern.

Lenkungsdämpfer? Sowas haben die meisten Motorräder nicht. Mit Absicht, weil eine schwergängigere Lenkung in den allermeisten Fällen mehr behindert als nützt. Ausnahmen bilden sehr starke Maschinen, aber die haben dann serienmäßig eine gedämpfte Lenkung.

Aber woher kam nur diese Pendelbewegung? Ausgerechnet der Reifenkonzern Conti hat ein lesenswertes Paper dazu veröffentlicht. Darin wird neben dem Shimmy, dem leichten Lenkerflattern in bestimmten Geschwindigkeitsbereichen, das jeder Fahrer kennt, auch erklärt, was Kick Back und Hochgeschwindigkeitspendeln sind, was die Ursachen sein können und was man dagegen tun kann.

Ursachen für all diese Phänomene können verschlissene Reifen, falscher Reifendruck, kaputte oder falsch eingestellte Lager oder Dämpfer sein. Bei einer Reisemaschine neueren Datums würde ich das ausschließen, möglicherweise reichten für das Eingangs geschilderte Unglück aber tatsächlich die Dinge aus, vor deren Verlockung kein Tourenfahrer gefeit ist: Anbauteile!

Laut Conti kann nämlich die Fahrstabilität auch durch hohe Windschilder oder Gepäcksysteme beeinträchtigt werden. Für die meisten Fahrer von Reisemaschinen ein Schlag ins Kontor, denn Koffer brauchen wir nun mal, und viele von uns LIEBEN Topcases, in die eine Einbauküche passt, oder schrankwandgroße Scheiben. Vermutlich weil sie denken dahinter werden sie nicht nass oder sowas.

Ursache kann aber auch eine ungleichmäßige Beladung sein, und das habe ich bei meiner Maschine auch schon erlebt. Bedingt durch den Auspuff auf der rechten Seite der V-Strom stehen die Koffer ungleich weit von der Fahrzeugmitte ab, der rechte 10 Zentimeter weiter als der linke. Wenn ich den rechten Seitenkoffer nicht mit genau 1 Kilogramm weniger belade als den linken, beginnt auch die Barocca bei 140 das Pendeln. Als das zum ersten Mal auftrat, hat mich das wirklich erschreckt, aber zum Glück habe ich die Kiste wieder in den Griff bekommen bevor sie unkontrolliert zu keilen begann. Das ist der Grund, warum ich nun immer eine Gepäckwaage dabei habe und allen Ernstes vor jeder Fahrt die Seitenkoffer auswiege.

Das sehr lesenswerte und kurze Paper mit dem sperrigen Namen „Stabilitätsprobleme bei Motorrädern und wie sie beseitigt werden können“ findet sich HIER und ist Pflichtlektüre für alle Tourenfahrer:innen.

Der Fall und das Paper zeigen auch mal wieder sehr deutlich die Unterschiede zwischen Motorrad und Auto. An ein Mopped kann man nicht einfach alles dranschrauben was der Zubehörkatalog hergibt und fahren bis zur letzten Rille. Teile eines Motorrads müssen genau aufeinander und auf den Fahrer oder die Fahrerin abgestimmt sein, und der ganze Kram muss gut und vorbeugend gewartet sein. Sonst passieren… Dinge.

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Wahre Größe

Wie groß ist eigentlich… Griechenland? Dieses weitläufige, zerklüftete Sehnsuchtsland mit seinen endlosen Küsten?

Stellt sich raus: Lässt man mal die ganzen Inseln weg und zählt das Wasser zwischen denen nicht mit, ist die Festlandfläche von Griechenland mit 107.000 Quadratkilometern gerade mal so groß wie Niedersachsen (47.709), Mecklenburg-Vorpommern (23.295) und Nordrhein-Westfalen (34.112) zusammen.

Quelle: Truesizeof.com

Übertragen auf eine Deutschlandkarte wie oben ist eine Reise durch ganz Griechenland also nicht mehr als eine Fahrt von Nürtingen über Castrop-Rauxel nach Achim, von dort nach Rostock und zurück über Neustadt am Rübenberge nach Schwäbisch Hall. Ernüchternd.

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Reisetagebuch Motorradherbst (14): Beim Moto GP

Tagebuch einer kleinen Motorradtour im Pandemieherbst 2020. Die Barocca liegt mit einem platten Reifen in Florenz. Fortsetzung von dieser Misere hier.

Immer noch Mittwoch, der 7. Oktober 2020, Reifenwerkstatt Pecchioli, Via Petraca, Florenz

Die Via Petrarca führt genau an der Stadtmauer des alten Florenz entlang. Ein Stück die Straße hoch liegen die Boboli-Gärten, und auch der Ponte Vecchio ist nur einen Steinwurf entfernt.

Das hier ist nicht das Touristen-Florenz, das hier ist das Florenz auf der anderen Seite des Arno, südwestlich der Sehenswürdigkeiten, das den Florentiner:innen gehört. Grafittibesprühte Läden, große Stadthäuser mit kleinen Wohnungen, dichter Stadtverkehr, Abgase.

In einem der Wohnhäuser an der Via Petrarca ist ein Tor, gerade mal groß genug für einen PKW. Dahinter öffnet sich eine weite und verschachtelte Reifenwerkstatt. Sie nimmt das ganze Erdgeschoss des Hauses ein und wirkt wie eine Höhle.

Auf dem Gehweg vor der Werkstatt steht die Barocca mit plattem Hinterreifen. Im Eingang zur Reifenhöhle stehe ich mit einem schlaksigen Werkstattmechaniker in einem schwarzen Overall und sage „Ich bin auf Reisen und habe eine Reifenpanne. Können Sie mit helfen?“. Der Mann guckt ernst durch seine randlose Brille und sagt dann „Das ist ein Motorrad“.

Den Satz habe ich heute schon zu oft gehört, jedes mal gefolgt von einem „Motorräder machen wir nicht“. Wenn das hier jetzt auch so ist, dann weiß ich nicht mehr weiter.

Ich atme tief ein und zähle innerlich bis drei. Immerhin, direkt neben der Werkstatt gibt es ein B&B mit freien Zimmern. Wenn die Werkstatt nicht helfen will oder kann oder der Reifen nicht reparabel ist, dann übernachte ich einfach hier und mache mir eine schöne Zeit in Florenz.
Mit diesem Gedanken im Hinterkopf sage sehr ruhig: „Das ist korrekt.“

„Motorräder mache ich nicht“, sagt der Mann. Ich kann spüren, wie in diesem Moment mein Herz auf den Boden fällt.

„Die macht bei uns nur ein Kollege, aber der ist gerade nicht da. Wenn er kommt, sage ich Bescheid“, sagt der Mann, dreht sich auf dem Absatz um und marschiert davon. Okay, immerhin.

Ich gehe zurück nach draußen, lehne mich an die V-Strom und warte, innerlich auf weitere Stunden eingestellt. Zumindest hat der Mechaniker nicht einfach „Machen wir nicht“ gesagt. Aber trotzdem, an der schroffen Art sowohl von dem Typen hier, als auch von diesem Matteo von vorhin merkt man, dass das hier Großstadt ist.

Ein alter Mann tapst gebeugt den Gehweg entlang. Neugierig beäugt er die V-Strom, dann spricht er mich an.
„Du bist aber nicht von hier, oder?“, fragt er mit diesem florentinischen Akzent, den ich nur schwer verstehen kann.
„Hm“, murmele ich. Der Alte beugt sich vor und inspiziert das Kennzeichen der V-Strom.
„Aus Deutschland? Bist Du auf Reisen?“, fragt er neugierig, dann mustert er die Maschine rundrum.
„Gerade nicht so einfach, was? Dein Reifen ist ja ganz platt“, sagt das Männlein und keckert.

Ich besehe mir den Witzbold genauer. Er ist bestimmt fast 70, einen Kopf kleiner als ich klein und gebeugt. Die schütteren, weißen Haare sind zerzaust und so seltsam um seinem Kopf drapiert, als hätte ein Vogel versucht ein Nest zu bauen und nach kurzer Zeit aufgegeben. Er trägt eine OP-Maske schief im Gesicht, so das eine Hälfte von Mund und Nase bedeckt sind und aus der anderen eine selbstgedrehte Zigarette heraushängt. Irgendwie wirkt der Mann ein wenig wie Yoda.

„Na, hast ja Glück, das Du vor einer Reifenwerkstatt liegen geblieben bist, was?“, sagt der Mann und keckert noch ein wenig lauter über seinen eigenen Witz. Normalerweise würde ich spätestens jetzt wütend werden, aber irgendwie ist das Kerlchen so skurril, dass ich gar nicht dazu komme.

„Na, allerdings musste da jetzt mal reinfahren, sonst wird das nix“, sagt der Mann jetzt ernst.
„Gehören sie zur Werkstatt?“, sage ich. Das Männlein nickt und schnippt die Kippe weg.
„Können Sie mir helfen? Also, machen Sie Motorräder?“, frage ich.
Yoda mustert mich und sagt dann „Junge, ich war beim Moto GP, NATÜRLICH mache ich Motorräder!“
„Heute noch?!“ frage ich aufgeregt.
„Bring die Kiste rein, in 20 Minuten habe ich Dich wieder auf der Straße“, sagt der Mann.

Ich greife nach dem Lenker des Motorrads und kicke den Seitenständer weg.
„Nein! So kannst Du die doch keinen Zentimeter bewegen! Warte!“, sagt das Männlein und schlufft davon. Als er wiederkommt, trägt er einen schwarz-gelben Mechanikeroverall und hat einen batteriebetriebenen Kompressor dabei. Mit dem pumpt er den Hinterreifen der V-Strom auf, dann sagt er zufrieden „Vai!“ – los.

Ich starte den Motor und fahre die Barocca in die Tiefe der Reifenhöhle, nehme das Gepäck ab und bocke sie auf den Hauptständer. Yoda kommt hinter mir her getappst. Er macht sich am Heck zu schaffen, macht gefühlt drei Handbewegungen und hat schon das Hinterrad der V-Strom in der Hand.

Er bemerkt meinen verblüfften Blick und sagt „Ja nun, ich war beim Moto GP. Mein Name ist Alessandro“.
„Piacere“, sage ich automatisch, angenehm. So ohne Hinterrad sieht die V-Strom ziemlich traurig aus.


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Reisetagebuch Epilog: Motorradherbst 2020 in 3:28 Minuten

Die kleine Tour im Herbst 2020 ist vorbei. Im Schatten der Pandemie waren die vorherrschende Gefühle dieser Reise vor allem das Alleinsein, das Stehen im Abseits, weit ab von Menschen und Leben und Eindrücken, die zu Sammeln sich sonst angeboten hätte. Dazu mischte sich ein wenig Traurigkeit über den Zustand der Welt, den allgegenwärtigen Zerfall und die Frage, wie das Leben nach der Pandemie aussehen wird.

Wenn ich später mal gefragt werde, welche Erinnerungen und Eindrücke mir von dieser Tour geblieben sind (neben meiner ersten Reifenpanne), dann wäre das wie in diesem kleinen Filmchen: Eine weitgehend menschenleere Welt, nur ich und das Motorrad und die Straße – und ein diffuses Gefühl von Einsamkeit und Verlust und Trauer um eine Welt, die es so nicht mehr geben wird, trotz aller Anstrengungen.


Hier eine Übersicht über alle Einträge in diesem Kapitel des Reisetagebuchs:

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