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Archiv der Kategorie: Reisen

Reisetagebuch London (3): Die seltsame Begegnung mit der Frau in der Nacht

Im Februar 2016 sind Silencer und das Wiesel in London unterwegs. Heute geht es in den Park, das Wiesel boxt mit einem Schwan und lernt eine Bombe zu lieben und eine Frau will kein Eis von mir.

Dienstag, 09.02.2016
Wenn man vom Norfolk Square, wo ich gerade wohne, rechts um die Ecke geht, kommt man zum Bahnhof Paddington. Geht man links rum, landet man im Hydepark. Der ist riesig, zusammen mit dem anschließenden Kensington Garden ist die Grünfläche größer als Monaco.

Hyde Park. Ja, der ist ganz schön groß.

Hier wandere ich durch den Morgennebel und bin an allen Ecken überrascht von der Vielfalt der Flora und Fauna. Eichhörnchen hüppeln durch Gebüsch, überall hocken verschlafen aussehende Wasservögel. Das erklärt die Möwenschreie, die ich manchmal nachts höre. Das ist voll die Wildnis hier!

Berühmt ist der Hyde Park ja wegen der Speakers Corner. In der darf übrigens jeder zu jeder Zeit über FAST alles öffentlich reden. Was man hier nämlich nicht macht: Reden über die königliche Familie schwingen, die ist tabu.

Wildhund.

Hm, ja, mit dem Namen hat man es auch nicht leicht, oder?

Mitten im „Serpentine See“ baden alten Männer, bei Lufttemperaturen knapp über Null Grad. Das Wiesel versucht mit einem Schwan zu spielen, aber der ist nicht zu Scherzeken aufgelegt. Als ich weiter gehe, höre ich hinter mir die typischen Geräusche eines No-Nonsense Schwans, der zum Angriff übergeht.


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Verfasst von - 17. Februar 2018 in Reisen, Wiesel

 

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Reisetagebuch London (2): The Full Monty

Im Februar 2016 sind Silencer und das Wiesel in London unterwegs. Heute fällt Karneval aus, was aber niemand bemerkt, es gibt eine Tour durch Dungeons und Museen, und am Ende des Tages steht Nudelsalat.

Montag, 08. Februar 2016
Es stürmt das ganze Wochenende durch, und auch am Montag ist es windig. Aber nicht nur in London, auch auf dem kontinentalen Festland stürmt es. Die Natur verhindert damit in Deutschland eine von Menschenhand geschaffene Katastrophe: Den Karneval. Der fällt wegen des Wetters aus.

Aber das kümmert in London niemanden. London ist ohnehin Hauptstadt von Geh-mir-nicht-auf-den-Sack-Land. Bestes Beispiel: U-Bahn. Londoner unterhalten sich nicht in der Tube. Unterhalten tun sich nur Touristen. Der Londoner sitzt da und macht die Augen zu, liest Zeitung oder notiert handschriftlich Dinge in seinem, Leder gebundenen, Organizer. Mitreisende werden ignoriert und nicht mal angesehen.

Das macht sich auch in den U-Bahnhöfen bemerkbar: In keiner anderen Stadt kollidiere ich so oft mit Leuten. Der Trick ist nämlich, ganz deutlich in die Richtung zu gucken, in die man tatsächlich gehen will. Schaut man links oder rechts an ihnen vorbei, nehmen andere Menschen nehmen das unbewusst wahr und gehen aus dem Weg. Das ist ein ganz unbewusster Vorgang, eine zwischenmenschliche Kommunikation, die wir gar nicht bewusst mitbekommen- außer, wenn das System mal nicht funktioniert. Das ist z.B. dann der Fall, wenn wir uns versehentlich direkt angucken – zack, stehen wir plötzlich voreinander und trippeln anch links und rechts und sind verlegen. Das „Ich guck an Dir vorbei und du bemerkst das“ klappt eigentlich überall – nur in London nicht, weil die Leute hier einander nicht ins Gesicht sehen. Jeder ist ganz in seiner eigenen Welt. Es ist, als sei man von Geistern umgeben.

An der Haltestelle Embankment spuckt mich der Underground an die Oberfläche. Ein kurzer Spaziergang über die Golden Jubilee Brücke und vorbei am London Eye, dem Riesenrad, dann stehe ich vor der ehemaligen County Hall. Das riesige Gebäude direkt an der Westminster Bridge wird heute nicht mehr von der Verwaltung genutzt. Es beherbergt verschiedene Geschäfte, ein Aquarium und den London Dungeon.


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Verfasst von - 10. Februar 2018 in Reisen, Wiesel

 

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Reisetagebuch London (1): Strike!

Samstag, 06.02.2016

Der Februar ist in diesem Jahr zwar trocken, aber auch kalt und grau. Ich sitze am Schreibtisch, blicke raus in das winterliche Zwielicht und muffele vor mich hin. Bis sich der Frühling blicken lässt, wird es noch mindestens zwei Monate dauern. Ich will diese grauen Suppe da draußen nicht mehr. Ich brauche Abwechselung. Es muss ja nicht Sonne und Wärme sein, aber Winter in Deutschland, das ist wie ein halbes Jahr lang Rauhfasertapete anstarren. Das macht auf die Dauer dullig im Kopf. Ich will Input, was zum Ansehen, wenn es gar nicht anders geht würde ich mir jetzt sogar Kultur angucken!

Um den winterleeren Kopf wieder zu füllen bietet sich eine Städetreise an, zumal einer der großen Vorteile meines Wohnortes die Verkehrsanbindung ist. Hier kommt man schnell weg, was durchaus ein taktischer Vorteil ist. Ich brauche hier nur in den Bus zu steigen, der vor meiner Haustür abfährt, und nach maximal drei Mal umsteigen bin ich in Paris, Mailand oder… London.
Hm.
London.

Warum eigentlich nicht? Da war ich zwar schon mal, aber die Stadt ist groß. Und da ist es wärmer als hier UND es gibt mehr zum Ansehen. Geringfügig zumindest.

So kommt es, dass ich an einem Samstag Morgen das verschlafene Wiesel in den großen Rucksack setze, dann in den Bus steige und es mir dann in einen ICE gemütlich mache.

Es ist 2016, und am Frankfurter Bahnhof sind gerade Schilder zur Begrüßung von Flüchtlingen aufgestellt worden. Wird auch Zeit.

Kurzer Aufenthalt in Frankfurt bietet Gelegenheit für einen Kaffee. Beim Bäcker beugen sich Indiana Jones und eine Hexe über die Auslage. Klar, ist ja bald Karneval! Ganz vergessen. Kenne ich ja praktisch nicht, in Südniedersachsen bemerkt man Karneval nur daran, dass man im Rest der Republik niemanden erreicht.
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Verfasst von - 3. Februar 2018 in Reisen, Wiesel

 

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Teaser

Eigentlich sollte es ja dazu gar kein Blogserie dazu geben. Aber nachdem mehrfach Anfragen dazu kamen… warum eigentlich nicht? Es wird auch das erste Reisetagebuch sein, in dem der neue Quantensprungzeitbeschleuniger zum Einsatz kommt.

Hier finden sich frühere Teaser.

 
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Verfasst von - 30. Januar 2018 in Reisen, video

 

Reisetagebuch (13): Das Ende einer Reise

Im September 2017 ging es auf Tour, erstmals mit der V-Strom 650. Dies ist das Tagebuch der Reise. Heute geht es nach Hause, aber natürlich nicht ohne Hindernisse. Es treten auf: Nebelsuppe, ein Glühwürmchenwald, Berge – und ich mache Bekanstschaft mit einem gewissen Xavier.

Donnerstag, 5. Oktober, San Biagio di Callalta

Ich habe keine Lust mehr und will nur noch nach Hause.
Von diesem Plan hät mich auch das schlechte Wetter nicht ab. Es ist nebelig, und zwar auf die superheftige Art. Als ich die Treppe von den Gästezimmern herunterkomme, bleibe ich im Durchgang zum Frühstücksraum stehen und blicke durch das Eingangsportal der Offiziersvilla. Draußen ist es so nebelig, dass ich kaum bis zum Ende des Weges sehen kann. Nach wenigen Metern verliert die Welt alle Farben und löst sich in ein geisterhaft graues Nichts auf.

Das bleibt tatsächlich auch so während ich frühstücke und mich fertig mache. Kein Wind vertreibt den Nebel, keine Sonne brennt ihn weg. Nachdem ich mich von Sara und Francesco verabschiedet habe, steige ich auf die V-Strom und steuere in das weiße Nichts.

Die erste Herausforderung besteht schon darin, überhaupt als Linksabbieger auf die Regionalstraße zu kommen. Der Verkehr ist in beiden Richtungen dicht, der Nebel spuckt Auto um Auto aus, ein endloser Strom von Fahrzeugen, die aus dem Nebel auftauchen, an mir vorbeischießen und sofort wieder im Grau verschwunden sind. Ob eine Lücke im Strom wirklich eine Lücke ist oder sich gleich das nächste Auto materialisiert, lässt sich nur raten. Gefühlt warte ich minutenlang, dann wage ich es und gebe Gas.

Steine spritzen unter dem Hinterreifen weg, als die V-Strom aus der Einfahrt der Villa herausröhrt, auf die Straße schießt und hart am Mittelstreifen entlang weiter beschleunigt. Der Schnellstart war nötig, im Rückspiegel sehe ich schon wieder einen Fiat, der urplötzlich aus der Nebelwand aufgetaucht ist und mir jetzt auf zwei Zentimetern am Heck hängt. Zum Glück war er nicht superschnell unterwegs. Wäre er es gewesen, hätte er dadurch, dass ich hart an der Straßenmitte fahre, noch rechts an mir vorbeiziehen können.

Bah, in der Nebelsuppe sieht man echt gar nichts, nach vielleicht dreißig Metern ist alles nur noch weiß. Zwar reicht die Distanz gerade noch als Sicherheitsabstand, aber ich fahre gerne etwas vorausschauender als nur bis zu den Rücklichtern des Vordermanns.

Die nächste Herausforderung ist der Berufsverkehr im Veneto. Es geht erstmal über einige kleinere Orte, und obwohl die Pendler hier routiniert das Reissverschlussystem anwenden, steht der Verkehr an den Kreuzungen mehr als das er fließt. Ich bin froh, als Anna uns auf die Autobahn lotst. Der Nebel bleibt zwar, aber auf der Autobahn parallel zur Küste ist der Verkehr viel weniger dicht. Unangenehm ist es aber schon, denn die klamme Nässe kühlt den Körper im Fahrtwind ganz schön aus.

Nach einer Stunde geht es gen Norden. Das merke ich aber nur daran, weil sich der elektronische Kompass auf dem Display des Garmin dreht. In der Nebelsuppe habe ich überhaupt keine Ahnung wo ich bin und fahre nur nach Navi. Als ein Schild für die Abfahrt „Udine“ auftaucht, kann ich zumindest grob verorten wo ich bin. Bald müssen die Berge kommen, die zwischen Italien und Österreich liegen. Und tatsächlich, da sind sie schon.

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Verfasst von - 27. Januar 2018 in Motorrad, Reisen

 

Reisetagebuch (12): Alles neu

Im September 2017 ging es auf Tour, erstmals mit der V-Strom 650. Dies ist das Tagebuch der Reise. Heute geht es nach Norden, wo alles neu ist, und dann knackt es auch noch.

Dienstag, 03. Oktober 2017, Carpineto, Siena

Die vier Tage in Siena und Umgebung sind wie im Flug vergangen. Ich habe es genossen, die V-Strom auf Schotterwegen und Feldern auszuprobieren und sie in der Crete Senesi über die Straßen zu schicken, von denen ich mittlerweile als „meiner Hausstrecke“ denke. Das soll keine Angeberei sein. Die Gegend ist nur so dünn besiedelt und es gibt so wenige Straßen, dass ich mich hier wirklich schon gut auskenne und eine Lieblingsrunde habe.

Getrübt wurde die Er-Fahrung immer wieder durch die ruckelnde Kette, aber sei´s drum. Ich habe mich entschieden sie nicht tauschen lassen. Für den Weg nach Hause hält die noch, sagen alle Mechaniker. Sobald ich zurück in Deutschland bin kommt dann meine Wunschkette drauf. Bis dahin heißt es: Zähne zusammenbeißen und nicht dran denken, Ruckelei hin oder her. Ich halte das jetzt schon so lange aus, das geht jetzt auch noch drei Tage länger.

Ablenkung gab es genug. Das Wetter hat einigermaßen mitgespielt, es war bedeckt und kühl, aber richtig geregnet hat es nur wenig. Bei Abstechern nach Monteriggioni und Greve in Chianti bin ich in lustige Dorffeste geraten und habe mir Aufführungen von örtlichen Vereinen angeguckt, unter anderem dieses herzerwärmende Re-Enacting von Spielbergs „Unheimlicher Begegnung der dritten Art“. Man beachte die kleinen Wissenschaftler an der Orgel und das Pedalgetriebene UFO:

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Verfasst von - 20. Januar 2018 in Motorrad, Reisen

 

Reisetagebuch (11): Gefangen im Kloster

Im September 2017 ging es auf Tour, erstmals mit der V-Strom 650. Dies ist das Tagebuch der Reise. Dieses mal gibt es neue Entdeckungen in einem bekannten Gebiet, dann werde ich meiner Freiheit beraubt und HA-Chr-Chr-Chr.

Samstag, 30. September 2017, Carpineto, Siena

Schlaftrunken tappe ich in das Wohnzimmer des großen Appartements. Durch die große Glasfront kann man auf die dahinterliegenden Gärten schauen. Ich blinzele. Was ist das denn? Ist der Tisch auf der Terrasse ist gedeckt? Schnell ziehe ich mir was an, dann gehe ich nach draußen. Tatsächlich! Eine Kanne mit dampfend heißem Kaffee, Saft, Zwieback, Joghurt – ein komplettes Frühstück hat Cecilia mir hier hingestellt!

Es ist kühl, aber ich genieße das Frühstücken an der frischen Luft. Dann schmeiße ich eine Maschine Wäsche an und nutze die Zwischenzeit, um mal alle Daten und Videos, die das Motorrad in den letzten zwei Wochen gesammelt hat, auf eine kleine USB-Platte zu sichern. Nebenbei mümmele ich ortsansässiges Obst weg.

Traube mit einem Lebendgewicht von 3 Kilo.

Als die Hausarbeit erledig ist, packe ich die üblichen Sachen ins Topcase, werfe mich in die Motorradmontur und sattele die V-Strom. Wo wollen wir denn mal hin? Siena? Nein, nicht jetzt. Ah, hier, Anna hat noch eine Tour vom letzten Jahr im Speicher. „La Scarzuola“, ein altes Kloster in Umbrien, rund 80 Kilometer von hier. Das klingt doch gut!

Bevor es nach Süden geht, suche ich aber erst die Tankstelle von Fausto, dem alten Benzinaio, der mir was über italienische Sprache beigebracht hat, auf. Im vergangenen Jahr was sie geschlossen, und ich freue mich, dass sie nun wieder geöffnet ist.

Allerdings ist Fausto nicht da. Der Mann, der jetzt an den Zapfsäulen arbeitet, ist wesentlich jünger, vielleicht in den 40ern. Er hat die gleichen schiefen Zähne wie Fausto. Das muss Faustos Sohn sein, aber anders als sein Vater macht er seinen Job nicht mit Liebe, sondern hat offenkundig überhaupt keinen Bock.

Erst ignoriert er mich fast eine Minute lang und plaudert mit einer Kundin, dann kommt er rüber und haut die Zapfpistole so unsanft in den Tank der Suzuki, dass der Rüssel auf den Tankboden schlägt. Arschloch, denke ich.

Die Kunst eines Benzinaos ist es, ein Fahrzeug zuvorkommend und perfekt zu betanken, dass heißt: Möglichst voll, trotzdem auf einen runden Betrag. Hat Sohnemann wohl nicht verstanden, nach 17 Euro will er nicht mehr, obwohl der Tank nicht mal ansatzweise voll ist. „Ancora,“ sage ich, „pieno!“ – Volltanken, da geht noch was rein. „Nee, ist gut so“, sagt er, dreht sich um und geht einfach weg. Arschloch! Da hätten mindestens noch zwei Liter reingepasst, was 50 Kilometer mehr Reichweite bedeutet hätte. Erbost starte ich den Motor und fahre weiter. Diese Tankstelle hat mich das letzte Mal gesehen, so lange der Typ hier arbeitet.

Ich fahre nach Süden. Die Sonne scheint und er Himmel ist blau, aber es ist nicht das gleiche Licht wie im Sommer. Es ist fahler, weniger kraftvoll. Die Felder rechts und links der Strada Statale sind bereits alle umgepflügt und der Boden ist grau, was zu dem fahlen Eindruck der Landschaft beiträgt. Leichter Dunst liegt über allem, und die Toskana wirkt… ausgeblichen. Das ist ein Zeichen des Herbstes, der hier erst langsam beginnt. An den Pflanzen hätte ich das nicht gemerkt, die sind bis auf wenige Ausnahmen immer noch satt grün.

Am meisten gefällt mir an der Landschaft, wie weit man sie überblicken kann. Dieses Gefühl von Weite, bei dem ich zu spüren meine wie sich der eigene Geist wieder öffnet, nachdem er den Rest des Jahres in zu beengten Verhältnissen eingesperrt war.

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Verfasst von - 13. Januar 2018 in Motorrad, Reisen

 

Palermo bei Nacht

Oh, dieser Beitrag hatte sich in der letzten Ecke des Entwurfordners versteckt. Ist ja schon wieder 14 Monate her, dass ich auf Sizilien war.

Die Nächte in Palermo waren sehr warm. Mitte Oktober lagen die Temperaturen auch nach Sonnenuntergang noch um die 20 Grad. Die Luft stand in den Gassen der Altstadt. Restaurants und Bars waren die belebten Lichtinseln, in denen die Menschen sich nach Feierabend auf einen Aperitivo oder einen Snack trafen. Bei Nacht wirkten die barocken Gebäude gleich noch imposanter, und die Gassen gleich noch verwinkelter. Nur in einer Nacht war außer den Touristen niemand zu sehen. In der fegte der Scirocco durch die Straßen, der warme Wind aus Afrika, der den Sand der Sahara mit sich brachte. Der brannte in den Augen und setzte sich überall rein, weshalb in der Nacht keine Bilder entstanden.

Geknipst mit der Lumix TZ61.

Andere Teile aus der Reihe „Städte bei Nacht“:
Istanbul bei Nacht
Athen bei Nacht
Turin bei Nacht
Genua bei Nacht
Mailand bei Nacht
Paris bei Nacht
Rom bei Nacht
Florenz bei Nacht
Venedig bei Nacht
London bei Nacht
Prag bei Nacht
Würzburg bei Nacht
Bremen bei Nacht

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Verfasst von - 9. Januar 2018 in Reisen

 

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Reisetagebuch Motorradtour (10): Ab nach Hause

Im September 2017 ging es auf Tour, erstmals mit der V-Strom 650. Dies ist das Tagebuch der Reise. Heute habe ich eine kleine Sinnkrise, kämpfe ich mit einem langen Ständer und werde erkannt.

Freitag, 29. September 2017, Hotel Elisabeth Due, Fano, Marken

Ich muss einen Workshop oder eine Unterrichtstunde moderieren. Nicht freiwillig, sondern weil der Kollege Didaktiker meint sich zurücklehnen zu müssen. Nichtstun und alle anderen machen lassen, das sei sein didaktisches Konzept. Weil ich das dumm finde, nehme ich die Sache in die Hand und komme so zu Ergebnissen.

Ich wache ich auf, weil sich jemand neben meinem Hotelbett übergibt. Obwohl, nee, zum Glück nicht: Der Nachbar im Nebenzimmer übergibt sich in sein eigenes Klo, aber er tut das sehr geräuschvoll. Es ist kurz nach sechs, und als sich meine Gedanken anfangen um Kette & Co. zu drehen, ist an nochmaliges Einschlafen nicht mehr zu denken.

Ich mache mich fertig, dann trage ich die ersten Koffer zum Motorrad. Das hat die Nacht vor dem Elisabeth Due verbracht und ist noch naß vom Morgentau. Bevor es heute losgeht, löse ich einmal mehr die Hinterachse und lockere die Kette wieder etwas. Denn wenn etwas passieren kann, habe ich gestern gelesen, dann nur, wenn man eine verschlissene Kette zu fest anspannt. Oh, und apropos Anspannung: Gestern hatte ich auch noch die Federung der V-Strom härter eingestellt. Ich drehe die wieder auf weich zurück. Der Maschine bringt das exakt gar nichts, aber ICH bekomme damit vielleicht weniger von der Ruckelei mit, die die ungleichmäßig gelängte Kette veranstaltet.

Ein schnelles Frühstück im rosa-weißen Speisesaal, dann geht es in den Berufsverkehr von Fano und auf die Autobahn. Es gibt zwei Wege jetzt nach Norden zu kommen: Entweder die mautpflichtige Autobahn oder wieder Stop-and-Go durch endlose Orte. Dann doch lieber freie Fahrt, zumal bei Geschwindigkeiten ab 110 die Ruckelei auch nicht so auffällt.
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Verfasst von - 6. Januar 2018 in Motorrad, Reisen

 

Reisetagebuch Motorradtour (9): Nee, so nich´

Im September 2017 ging es auf Tour, erstmals mit der V-Strom 650. Dies ist das Tagebuch der Reise. Heute: Lügenbildchen, Wolkenhörner und Verkehrschaos.

Donnerstag, 28. September 2017, Agriturismo Lo Smeraldo, Castreccioni, Marken

Die Luft über dem Bergsee ist klar und kalt, als ich die Koffer an die V-Strom hänge und mich zur Abfahrt bereit mache.

Kurze Zeit später ruckelt die Maschine über die Brücke, die die Halbinsel im Norden mit dem Festland verbindet. Ja, die Suzuki ruckelt. Gerade im Rollen, also wenn sie nur die Geschwindigkeit gleichbleibend halten soll, dann merke ich wie sie schiebt und ruckelt. Die verschlissene Kette mindert den Fahrspaß jetzt ganz erheblich. Eigentlich macht das Fahren mittlerweile gar keinen Spaß mehr.

Die gestrige Bergetappe hat der Kette nicht gut getan, und das Nachspannen hat praktisch nichts gebracht, es allenfalls noch schlimmer gemacht. Wie groß ist wohl die Wahrscheinlichkeit, dass das alte Ding reißt? Komme ich damit noch nach Hause? Das Ruckeln schüttelt mich durch und erinnert mich auf jedem Meter daran, dass die Kette jetzt wohl vollkommen hin ist. Dabei könnte ich jetzt echte Freude am Fahren haben, denn die Landschaft der Marken ist wunderschön, an diesem frischen Morgen ganz besonders.

Nach 40 Minuten komme ich in Osimo an, einem kleinen Ort auf – natürlich – einem hohen Berg. Heute ist Markttag, was ich vorher nicht wusste, und alle Parkplätze außerhalb der hohen Stadtmauer sind ausnahmslos belegt. Da sehe ich schon mein Ziel, das Touristenbüro von Osimo, das in die Stadtmauer eingelassen ist. Und Glückes Geschick, direkt gegenüber ist eine kleine Fehlfläche, auf die ganz genau, aber auch GANZ genau die Barocca passt, und die sogar das nötige Gefälle hat, damit die Kiste mit ihrem zu langen Seitenständer nicht umkippt! Fein!


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Verfasst von - 30. Dezember 2017 in Motorrad, Reisen

 

Reisetagebuch Motorradtour (8): Campo Imperatore


Im September 2017 ging es auf Tour, erstmals mit der V-Strom 650. Dies ist das Tagebuch der Reise. Heute: Mopped mit Kängurubenzin und der Tag des Fieseler Storchs.

Mittwoch, 27. September 2017, Agriturismo Cupello, in der Nähe von L´Aquila

Über dem Ort liegt ein Schleier, eine Mischung aus Morgennebel und dem Rauch von Holzheizungen. Es ist kalt, und obwohl im Agriturismo Cupello die Heizungsanlage ordentlich bullert, bin ich doch froh über die leichte Fleecewäsche, die sich auch wunderbar als Schlafanzug tragen lässt.

Um kurz nach Acht trage ich den den ersten Koffer zum Motorrad, das die Nacht vor dem Haus verbracht hat.

Von Signora Patrizia, der Besitzerin des Hofs, ist noch nichts zu sehen. Im Speisesaal herrscht gähnende Leere.

Na gut, dann schlage ich halt die Haustür geräuschvoll zu und klötere lautstark im Treppenhaus rum, dann gehe ich wieder auf mein Zimmer. Als ich Geräusche im Haus höre warte ich noch zehn Minuten und lese in der Zeit Morgennachrichten. Es ist 2017, was bedeutet, dass man jeden Morgen nachgucken muss, ob nicht über Nacht der dritte Weltkrieg ausgebrochen ist oder ein Naziaufstand angefangen hat. Nein, heute scheint noch alles OK zu sein. Beruhigt trage ich die beiden anderen Koffer zur V-Strom, die in der Morgensonne schon abenteuerlustig auf mich wartet.

Im Frühstücksraum flitzt mittlerweile Signora Patricia herum. Sie ordnet sich gerade noch die Haare, hat aber schon den Kamin angeheizt und einen Caffé bereitgestellt. Wir plaudern ein wenig über dies und das während ich frühstücke. Brot, Butter und Konfitüre – alles hat sie selbst gemacht, und alles schmeckt hervorragend. Dann mache ich mich auf die Socken.

Zehn Minuten vom Agriturismo halte ich auf einem Parkplatz am Straßenrand an, nehme die Koffer von der Suzuki ab und sprühe dann sehr sorgfältig die Kette ein.

Perfekte Haltestelle.

Durch die ungleichmäßige Längung der Kette ruckelt und schiebt die Maschine mittlerweile während der Fahrt. Das ist mir erst gar nicht groß aufgefallen, aber seit gestern ist es deutlich spürbar. Als hätte die V-Strom Kängurubenzin getankt, wie mein alter Fahrlehrer immer zu sagen pflegte. Das ist zum einen sehr unangenehm, zum anderen beschäftigt mich das praktisch ununterbrochen. Den Großteil der Fahrzeit drehen sich meine Gedanken um Fragen wie: Wird die noch bis nach Hause durchhalten? Werden durch das ständige Geruckel noch andere Dinge kaputtgehen, Ruckdämpfer oder Getriebe?

Ach, es ist ein Elend. Ich gebe echt viel Geld für vorbeugende Instandhaltung aus, und das mir die Fahrt ausgerechnet dadurch vermiest wird, das ein Verschleißteil nicht rechtzeitig gewechselt wurde, das ist schon Ironie. Ich versuche den Gedanken zu verdrängen und stattdessen die Berglandschaft der Abruzzen zu genießen, aber das ist nicht leicht – ständiges Ruckeln erinnert mich daran, dass das Motorrad nicht in Form ist.

Über die Berge hinter L´Aquila kommt man schnell zum Campo Imperatore, der Hochebene mitten im Bergmassiv des Gran Sasso. Zumindest in der Theorie, denn in der Praxis stehe ich nach kurzer Zeit vor einer Straßensperre. Ich fluche laut, denn der Besuch dort oben war eigentlich das Herz dieser Reise.

Straßensperre wegen Erdrutsch.

Und nun? Anna findet keinen anderen Weg zum Campo Imperatore. Mist, muss ich mir das wohl abschminken. Nur einen Kurs um die Berge herum findet das Navi, und so steuere ich die V-Strom mehrere Stunden lang durch tiefe, felsige Täler.

Die Straße ist extrem kurvig, aber mit meiner ruckelnden Kette habe ich da nur wenig Spaß dran. Das hier ist kein flüssiges Fahren, kein Dahingleiten und eins werden mit Motorrad und Straße. Das hier ist unbequem und ätzend. Toll aussehen tut die Landschaft natürlich trotzdem:


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Verfasst von - 23. Dezember 2017 in Motorrad, Reisen

 

Reisetagebuch Motorradtour (7): Die Geisterburg


Im September 2017 ging es auf Tour, erstmals mit der V-Strom 650. Dies ist das Tagebuch der Reise. Heute: Glorreiche Eigenleistungen im Themenkomplex Scheißeparken und Verfahren auf Sperrgebiet.

Dienstag, 26. September 2017, Il Faggio Rosso, Pescasseroli

Der Tag ist schon länger angebrochen, aber im Tal von Pescasseroli herrscht ein seltsames, farbloses Zwielicht. Erst als sich gegen halb neun die Sonne über die Berggipfel schiebt wird es hell. Sie vertreibt auch in kürzester Zeit die Wolken, die in den Tälern hängen.

Seltsames Zwielicht: Es ist Tag, aber die Sonne ist noch nicht übern Berg.

Zehn Minuten später: Sonne ist da, Wolken verschwinden.

Draußen Bimmeln die Rinder in den Bergen rum. Der Frühstückssaal des Faggio Rosso, der roten Buche, könnte problemlos eine Hundertschaft aufnehmen, und vermutlich tut er das im Winter auch. Heute bin nur ich hier. Das Hotel hatte heute Nacht noch zwei andere Gäste, aber die schlafen noch.

Einen Caffé Doppio später bin ich abreisebereit. Als ich die Koffer zum Motorrad trage, macht sie das kleine Mädchen von gestern gerade für die Schule fertig. Sie trägt einen Schulranzen, der viel zu groß für sie ist, und nörgelt an dem Apfel rum, den ihre Mutter ihr noch zustecken will. Schulkinder sind überall gleich.

Die Rotte weißer Hunde beobachtet, wie ich die V-Strom startbereit mache. Welcher von denen ist wohl Clara? Ach, egal.

Zum Abschied sagt die Hotelierin „Einen Moment noch“, und verschwindet im Hinterzimmer der Rezeption. Dann kommt sie mit einer Flasche Wein wieder und will sie mir schenken. Mei, wie lieb! Ich habe echte Probleme ihr klarzumachen, dass ich die leider nicht mitnehmen kann – ich habe keinen Platz, sage ich und verschweige, dass ich heute einfach keine Glasflasche mit Flüssgkeit an Bord haben möchte, weil heute ein komischer Tag ist und alles mögliche passieren kann. „Ich dachte, wenn sie die vielleicht ein wenig irgendwie reinschieben“… ach, wie lieb die Frau ist! Aber nein, ich lehne ab und sage, dass ich die beim nächsten Mal gerne mitnehme.

Es geht die üble Zufahrtstraße vom Hotel den Berg runter, raus aus Pescasseroli und nach Süden, eine wundervolle Landstraße voller perfekter Kurven entlang.

Auf dem Weg liegt Barrea, von wo aus man einen tollen Ausblick auf den gleichnamigen See hat. Das Panaorama der Berge spiegelt sich im blauen Wasser, und ich verstehe, wieso das hier die „Perle der Abruzzen“ genannt wird.

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Verfasst von - 16. Dezember 2017 in Motorrad, Reisen

 

Reisetagebuch Motorradtour (6): Speed Kills Bears

Im September 2017 ging es auf Tour, erstmals mit der V-Strom 650. Dies ist das Tagebuch der Reise. Heute: Ein Ausflug in den siebten Kreis der Hölle.

Montag, 25. September 2017, San Vincenzo

Der Wecker soll um 7 Uhr klingeln, aber schon vorher wache ich aus einem erholsamen Schlaf auf. Sechs Tage habe ich auf I Papaveri verbracht, und in dieser Zeit kaum mehr gemacht als auf der Terrasse zu sitzen und zu lesen, kleine Ausfahrten in die Umgebung zu unternehmen und am Meer spazieren zu gehen. Die Auszeit hat mir gut getan, ich bin mit dem Kopf wieder im hier und jetzt, habe Energie und bin wieder neugierig auf Neues.

Das Neue beginnt direkt vor der Haustür, denn heute geht es nach weiter und in unbekanntes Territorium. Die „Principessa“, das große Appartment im Erdgeschoss von I Papaveri, habe ich gestern schon abreisefertig gemacht, und auch die Koffer sind auch schon so gut wie gepackt.

Ich brauche 20 Minuten, dann schiebe ich die Barocca durch das Tor von I Papaveri und hänge ich die Koffer ein. Abfahrtbereit steht die V-Strom in der Morgensonne.

Ich klingele noch bei Licio und Franca, um mich zu verabschieden und zum Dank für die Gastfreundschaft eine Flasche Wein zu überreichen. Die beiden sind niedlich, wie immer: Ich soll vorsichtig fahren. Und natürlich Merkel grüßen, zumindest ein Bißchen. Franca ist großer Fan von Merkel. Ja, ja.
Ich mag keine langen Abschiede, und deshalb schwinge ich mich wenige Minuten später schon auf das Motorrad und schiebe das Garmin in seinen Platz im Cockpit. Sofort bootet sich Anna in meinen Helm und verkündet, das die heutige Fahrt mindestens 7 Stunden dauern wird, aber verkehrstechnisch alles OK sei. Sogar das Wetter entlang der Strecke sei ideal, findet sie.

Anna sagt: Perfektes Reisewetter entlang der Route.

Ciao, I Papaveri!

Wenn es nur nicht so kalt wäre! Das notorisch ungenaue Thermometer am Mopped zeigt 15 Grad, aber Anna zieht eine wesentlich glaubwürdigere Lokaltemperatur von 9 Grad aus dem Netz. Meine Finger sind geneigt letzterem mehr Glauben zu schenken. Die Fahrt geht über die SS1, die sich durch die Berge entlang der Küste zieht. Olivenhaine säumen die Berghänge entlang der Strecke, und im Sonnenlicht ist ein feiner Morgennebel zu sehen. Denke ich zumindest, bis ich merke, dass das Rauch ist. Die Bauern verbrennen Olivenschnitt, und aufgrund der Wetterlage klebt der Rauch in in Tälern.

Morgensonne um kurz nach Acht.

Bis Grossetto ist es eine unspektakuläre Fahrt, weil die Strada Statale ausgebaut ist wie eine Autobahn. Dann wird sie zu einer Dorfstraße, auf der die erlaubte Geschwindigket ständig zwischen 50 und 70 wechselt – nervig. Das bleibt auch so, bis die Toskana aufhört und das Latium anfängt.


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Verfasst von - 9. Dezember 2017 in Motorrad, Reisen

 

Reisetagebuch Motorradtour (5): Quallenkuscheln

Drei Wochen auf Tour, erstmals mit der V-Strom 650. Dies ist das Tagebuch der Reise. Dieses Mal gibt es einen Strand mit Werbeunterbechungen, Touristen Tai-Chi und Schwänke aus der Jugend.

September 2017, San Vincenzo

Ich stehe am Strand und blicke auf´s Meer hinaus. Der Moment ist unheimlich friedlich, und ich fühle mich wohl. Sanfte Wellen rollen an den Strand. Nur ich bin hier, sonst sehe ich kilometerweit keine Seele.

Ich zucke zusammen, als sich plötzlich eine Hand auf meine Schulter legt und eine tiefe Stimme fragt „Haben Sie nicht was vergessen?“ Ich schließe die Augen und erwidere mit fester Stimme: „Nein, habe ich nicht“.

Ich wache kurz auf, drehe mich um und schlafe weiter. Immerhin, vor einer Woche noch wäre ich um 5 Uhr hellwach im Bett gesessen, mit dem kribbelnden Gefühl unter der Schädeldecke WIRKLICH etwas vergessen zu haben. Ich werde langsam ruhiger und merke, wie ich mich Stück für Stück entspannen kann.

Dazu tragen auch die kleinen Ausflüge mit der V-Strom bei. Nichts Spektakuläres – mal besuche ich ein Einkaufszentrum im Nachbarort, mal gehe ich am Hafen von San Vincenzo spazieren, mal schlendere ich über einen Wochenmarkt in den Bergen. Längere Ausflüge machen ich nicht. Ich rede mir selbst ein, dass ich die Kette der Suzuki schonen will, aber die Wahrheit ist: Ich habe keine Lust und keine Energie für weitere Fahrten oder Wanderungen in den umliegenden Bergen.

Gerade noch aufraffen kann ich mich zu einer kleinen Fahrt nach Pisa. Das ist nicht weit weg und die Stadt ist nicht anstrengend. Heute ist das Wetter mal nicht eisekalt und windig, im Gegenteil: Die Sonne scheint aus allen Knopflöchern über den Feldern rund um die Stadt.

Wie immer gibt es Stop&Go-Verkehr, der sich langsam durch die Stadt und über die Brücken über dem Arno schiebt. Ich parke im Univiertel und staune, wie stark die Stadt vor Leben summt. Eine vibrierende Geschäftigkeit liegt in der Luft. Das kann nur an einem liegen: Die Studierenden sind wieder da. Im Sommer ist Pisa wie ausgestorben, abseits der „Wunderwiese“ mit dem schiefen Turm sind die Gassen der Stadt leer, und alles macht den Eindruck in einem Dornröschenschlaf zu liegen. Aber sobald die Uni Mitte September wieder losgeht steppt hier der Bär.


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Verfasst von - 2. Dezember 2017 in Motorrad, Reisen

 

Reisetagebuch Motorradtour (4): Kettenhäftling

Im September 2017 ging es auf Tour, erstmals mit der V-Strom 650. Dies ist das Tagebuch der Reise. Heute: Piepsende Straßen, Probleme mit Catena und ein Wiedersehen mit dem Wundermechaniker.

Mittwoch, 20. September 2017, San Vincenzo

Ich schrecke aus einem unruhigen Schlaf auf. In einem wirren Traum haben mich Faschisten durch eine nächtliche Innenstadt verfolgt. Trump-Anhänger, mitten in Europa. Was für ein Albtraum… Wenigstens habe ich nicht von der Arbeit geträumt. Oder… Moment mal… doch, es kamen Arbeitskollegen darin vor, aber wenigsten nur in einer Rahmenhandlung und nicht als Faschos. Wäre ja auch noch schöner.

Zumindest weiß ich schon beim Aufwachen wo ich bin und denke nicht mehr, ich wäre noch zu Hause und müsste gleich zur Arbeit. Das verbuche ich mal als Fortschritt. Ich bin in San Vicenzo, und ich muss absolut NICHTS machen. Zufrieden lächelnd drehe ich mich um und schlafe nochmal 6 Stunden weiter.

Erst ganz spät stehe ich auf und beäuge mißtrauisch das wechselhafte Wetter. Es ist zum Heulen. Das ganze Jahr war das Wetter hier in San Vincenzo spitze und so warm, das selbst die Einheimischen von einem Rekordjahr sprachen. Eigentlich kann man hier problemlos auch im September Sommerurlaub machen. Aber nicht jetzt.

Jetzt bin ICH hier, und in meinem Schlepptau folgt eine Kaltfront aus Norden, die die warme Luft aus Afrika verdrängt und für Temperaturstürze. „Kältester September seit 40 Jahren“ schlagzeilt der Wetterdienst, und „völlig unnormales Wetter für diese Jahreszeit“

Mit 14 bis 18 Grad ist es wirklich nicht warm, außerdem ist es windig und es gibt Regenschauer. An Baden im Meer ist nicht zu denken. Das ist schade, ich hatte mich das ganze Jahr so auf die paar Tage am Strand gefreut.

So erkunde ich ein wenig die Gegend auf dem Motorrad. Ich stöpsele am Netbook eine Route durch die Berge östlich von San Vincenzo zusammen, schicke die an Anna und fahre los.

Die Straße ist eine winzige Kommunalstraße, alle paar Meter kommt eine Kurve – und ich bin fast allein hier. Zum ersten Mal seit ich sie habe kann ich mit der V-Strom wirklich ungestört Kurven fahren üben.


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14 Kommentare

Verfasst von - 25. November 2017 in Motorrad, Reisen

 
 
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