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Archiv der Kategorie: Reisen

Reisetagebuch Sizilien (8): Palermo!

Freitag, 14. Oktober 2017, Cefalù

Das B&B „Villa Rosa“ in Cefalù liegt auf einem Felsen, an dessem Fuß eine stark frequentierte Bahnstrecke und eine vielbefahrenen Straße vorbeiführen. Davon bekomme ich in der Nacht aber nichts mit und wache erst auf, als Dario seinen altersschwachen Citroen anlässt um zum Bäcker zu fahren.

Wenig später hustet sich der Citroen zurück den Berg hinauf, und als ich gerade aus der Dusche komme klappert Dario auf der Terrasse vor meinem Zimmer mit Tellern. Der Ausblick vom Frühstückstisch auf der Veranda ist fantastisch: Über eine Jasminhecke (und eine Fernsehantenne) blicke ich auf´s offene Meer hinaus, während eine frische, aber warme Brise weht.

Ein kleines Buffet bietet nicht nur Käse, Wurst und Konfitüre, sondern auch Feigen, Tomaten und Kaktusfrüchte aus dem eigenen Garten. Während ich Kaktus kaue, bringt Dario eine Macchina, einen Espressozubereiter, an den Tisch. Ein ganzes Kännchen Espresso, nur für mich! Fantastisch!

Das Wiesel verpennt das Frühstück.

Erst als ich schon die Sachen gepackt habe, blickt es träge um die Ecke.

Ich werfe den Rucksack ins Auto und verabschiede mich von Dario und von Cefalù. Heute geht es zurück auf Start, zurück zu dem Punkt, von dem aus ich meine Sizilienerkundung begonnen habe: Nach Palermo. Aber nicht auf direktem Weg. Weit in der Peripherie der größten Stadt auf der Insel beginnt eine Ringstraße, die ich nutze um zu einem Viertel um die Stadt herum zu fahren.
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Verfasst von - 25. März 2017 in Reisen, Wiesel

 

Reisetagebuch Sizilien (7): FahrenFahrenFahren

13. Oktober 2016, Taormina

„Darf ich jetzt bezahlen?“, frage ich. Prompt kommt von hinter dem Tresen der Rezeption ein „No.“ Valentina guckt mit demonstrativ gespitzen Lippen in ihren Computer und muss dann schließlich selbst lachen.

Es ist ein grauer und bedeckter Morgen in der Bucht von Taormina, und es fallen sogar einige Tropfen. Das ist aber vollkommen OK. Bisher habe ich mit dem Wetter ein Riesenglück gehabt. So trocken und wüstengleich heiß die Sommer aus Sizilien auch sind, im Oktober fällt normalerweise sehr viel Regen und gibt dem ausgedörrten Land das Leben wieder. Meist ist die Regenzeit Mitte bis Ende Oktober, also ziemlich genau jetzt. Aber in diesem Jahr hat es schon im September monsunartig geregnet, was die ganzen gesperrten Straßen und Erdrutsche erklärt. Das ich bislang jeden Tag strahlenden Sonnenschein hatte ist wirklich pures Glück.

Bedecktes Wetter, aber als Aussicht beim Frühstück immer noch zu gebrauchen.

Noch mehr Glück habe ich, dass das Tetrisspiel des Einparkmeisters meinen Twingo ganz nach vorn ans Tor befördert hat. Er steht sogar mit der Schnauze zur Ausfahrt, so dass ich gar nicht lange rangieren muss, sondern einfach einsteigen und vorsichtig aus der winzigen Auafahrt rollen kann. Es ist nicht zu glauben, aber auf der Fläche von vielleicht vier Behindertenparkplätzen sind gerade neun Autos und ein Motorrad untergebracht!

Durch den morgendlichen Rushhourverkehr geht es ein wenig an der Küste lang, dann ins Inland. Nach knapp 40 Minuten erreiche ich die Alcantara-Schlucht. Die ist bekannt für ihre seltsamen Gesteinsformationen und den Fluss, der durch sie durchrauscht. Früher was das Ganze ein Geheimtipp, jetzt steht hier ein riesiges Touristenzentrum, in dem man jede Art von Vergnügung buchen kann. Von Nordic Walking über Steilwandklettern bis hin zum Bodyrafting mit GoPro auf dem Kopf ist hier alles möglich. Sogar ein Maskottchen gibt es: ZazzaMike, ein Lurch-Ding, dass aussieht als stünde es unter Drogen.

Die Alcantara-Schlucht.

Es nieselt, und ich habe keine Lust darauf durch die Schlucht zu klettern oder sonstigen, von ZazzaMike empfohlenen, Aktivitäten nachzugehen. Also setze ich mich wieder in den Twingo und fahre weiter. Fahren, dass ist es, was ich heute will. Nur fahren, ein Mal quer durchs Land, ohne Route, und dabei die Insel auf mich wirken lassen. Und genau das mache ich dann auch.

Meist nicht schneller als 50, 60 km/h tuckert der Twingo über die SS120, die der Reiseführer als eine der schönsten Straßen Siziliens beschreibt. Recht hat er, die Straße schlängelt sich durch die Berge und an ihnen entlang, und dabei eröffnen sich immer wieder großartige Ausblicke.

Das Land ist zunächst Grün und hügelig und voller Wälder. Als ich die Region des Ätna hinter mir lasse, bleiben auch die Wälder zurück. Die Hügel sind jetzt grasbewachsen, und Schafe weiden darauf herum.


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Verfasst von - 18. März 2017 in Reisen, Wiesel

 

Reisetagebuch Sizilien (6): Des Atems beraubt

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Mittwoch, 12. Oktober 2016, auf dem Ätna

Um das Refugio Sapienza tobt der Sturm. Nicht einfach nur ein starker Wind, sondern die Art von Sturm, wie man ihn nur hoch oben in den Bergen findet. Die Art von Sturm, der in mehreren Kilometern Höhe entstanden ist und dort als Luftströmung mit Turbo dahinsauste. Und nun steht ihm ein Berg im Weg. Das ist erste Mal in seinem Leben, das er mit einem Hindernis konfrontiert ist. Kannte er vorher gar nicht. Plötzlich steht da was im Weg, und das macht den Sturm wütend. Deshalb tobt er nun um den Berg, heult um das massive Hotel und rüttelt an allem was nicht niet- und nagelfest ist.

In meinem Inneren tobt es auch, aber ganz anders. Irgendwas an der Pizza Pistacchio gestern Abend habe ich nicht vertragen. Die ganze Nacht bin ich vom Bauchgrummeln immer wieder aufgewacht, und jetzt komme ich vor lauter Durchfall von der Schüssel gar nicht mehr runter. Es sind nicht mal Bauchschmerzen, es rumort einfach in meinen Eingeweiden, und weiter als ein paar Meter sollte ich mich nicht von deiner Toilette aufhalten.

Ich überlege kurz und wäge sehr sorgfältig ab, dann wühle ich aus dem Rucksack die Reiseapotheke hervor. Die ist in den letzten Jahren ganz ordentlich gewachsen und enthält nur sehr wirksames Zeug. Wirksam heißt leider auch meistens: Es gibt Nebenwirkungen. Bevor ich die Kapseln mit dem Loperamid schlucke, halte ich nochmal kurz inne. Das Zeug wirkt sofort, aber der Preis dafür ist nicht ohne. Eine Alternative sehe ich aber gerade nicht, also runter damit!

Blick aus meinem Zimmerfenster. Ich schaue direkt auf die Flanke des Vulkanbergs!

Blick aus meinem Zimmerfenster. Ich schaue direkt auf die Flanke des Vulkanbergs!

Die Seilbahn und Schneeschiebezubehör.

Die Seilbahn und Schneeschiebezubehör.

Zehn Minuten später ist das Rumoren in meinem Inneren weg, und Flüssigkeit läuft nicht mehr schneller aus mir raus als ich trinken kann. Dafür habe ich das Gefühl leicht neben mir zu stehen. Als ich die Rechnung an der Rezeption begleiche und den Rucksack in den Twingo bringen will, verfehle ich den Treppenabsatz und stolpere gegen einen Pfosten. Gut, dass ich jetzt nicht Auto fahren muss, sondern erstmal was anderes vorhabe!

Das Refugio Sapienzo.

Das Refugio Sapienzo.


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Verfasst von - 11. März 2017 in Reisen, Wiesel

 

Reisetagebuch Sizilien (5): Der Einschlag

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Dienstag, 11. Oktober 2016, Avola

Als ich um kurz nach Sieben wach werde ist es ganz still in der Villa Maris. Gastgeberin Cinzia ist schon aus dem Haus und geht ihrer echten Arbeit nach. Der Gasthausbetrieb ist, bei aller Professionalität, nur ein Nebenjob von ihr und ihrem Mann.

Ich packe meine Sachen und werfe sie in den Twingo, dann fahre ich ein Mal um die Ecke. Dort liegt das Meer, und, eingekeilt zwischen mehreren Betrieben zur Fischverarbeitung, eine Strandbar.

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„Moin. Ich komme von der Villa Maris“, sage ich und lege dem Mann hinter der Theke einen Zettel mit Cinzias Unterschrift hin. „Ah, klar, such Dir was aus!“, sagt er.

Ich habe noch nie gesehen das jemand so eine "eins" schreibt.

Ich habe noch nie gesehen das jemand so eine „eins“ schreibt.

Wenig später steht ein doppelter Espresso vor mir, und während ich den Ausblick auf das Meer in der Morgensonne genieße, mümmele ich ein Cornetto, das mit dickem, sämigen Vanillepudding gefüllt ist. Auf Sizilien versteht man zu Essen, und gerade Süßspeisen können die wirklich.

Frühstück mit Aussicht.

Frühstück mit Aussicht.


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Verfasst von - 4. März 2017 in Reisen, Wiesel

 

Reisetagebuch Sizilien (4): Barock

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Montag, 10. Oktober 2016, Casale San Basilio, 10 km südlich von Caltagirone

Die ehemaligen Keltereihalle des Weinguts ist riesig. Sie ist bestimmt 10 Meter hoch, die mächtigen Wände mit den kleinen Fenstern sind aus grauem Naturstein gebaut und bestimmt ein paar hundert Jahre alt. Banner hängen von der Decke, was den Eindruck noch mehr verstärkt, dass das hier eigentlich eine alte Burg ist. Früher sind hier die Leute in Bottichen rumgesprungen um die Trauben zu zerstampfen. Heute dient die Keltereihalle als Frühstückssaal. Ich sitze mit einem Frühstückscaffé auf einer Holzgalerie, die sich gut 5 Meter über dem Boden an der Außenwand der Halle langzieht. Von hier oben kann ich die ganze Halle überblicken. Ich bin alleine hier. Irgendwo eine Etage tiefer murkelt Salvo an einer Espressomaschine herum und pfeift ein Lied. Ein seltsamer und ruhiger Moment der Ruhe.

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Wenig später brummt der kleine Twingo übers Land, weiter nach Osten. Wieder fällt mir auf, wie anders das Reisen mit dem Auto im Gegensatz zum Motorrad doch ist. Im Auto kann ich schnell mal nach der Wasserflasche greifen und was trinken, die Temperatur so einstellen wie ich mag, ich kann nebenbei Podcasts hören und die Landschaft angucken. All das geht auf dem Motorrad nicht oder nur umständlich. Damit hört sich Autofahren zwar besser an, aber der Preis für die Bequemlichkeit ist die Entkoppelung von der Straße und den Elementen. Ein Beispiel: Das Auto hat eine Klimanlage – damit wird meinem Erleben die Erfahrung der Gluthitze genommen, die außerhalb des Wagens herrscht. Das Reisen per Auto reduziert die sinnliche Er-fahrung des Landes. Autofahren ist vielleicht komfortabler – aber was man dadurch an Eindrücken mitnimmt ist gedämpfter, nicht so stark und eindeutig.

Die Fahrt dauert heute Morgen auch nicht lang, nur knapp eine Stunde. Dann umrunde ich auf einer Straße, die sich am Rande einer Schlucht entlangzieht, einen großen Felsen in der Talmitte, auf dem eine Stadt thront: Ragusa, bzw. die Altstadt von Ragusa, die passenderweise „Ibla“, Insel, heisst. Und tatsächlich thront die Ibla wie eine Insel über dem Grün des Tals.

Man sollte nicht am Fuß der Ibla parken und und dann hinauf laufen, obwohl das sicher auch ginge. Der Aufstieg ist lang und beschwerlich, und ich bin froh, dass ich das nicht machen muss. Google Streetview ist mir bei der Vorbereitung auf solche Orte ein unverzichtbares Werkzeug. Damit gucke ich vorher nach Parkplätzen, denn der Urlaub ist zu kurz um ihn mit nerviger Sucherei zu verbringen.

Ich fahre ein Mal um die Stadt rum und kurve auf der Rückseite eine kleine, supersteile Bergstraße hinauf, und da ist auch schon der perfekte, gebührenfreie Parkplatz unter schattenspendenden Bäumen. Genau dort, wo ich ihn bei Streetview gefunden hatte.

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Hinter dem Parkplatz wird wild gezeltet.

Hinter dem Parkplatz wird wild gezeltet.

Ragusa ist eine beschauliche, kleine Barockstadt. Genau wie einige andere Städte hier im Umkreis wurde sie beim großen Erbdbeben im Jahr 1693 komplett zerstört und danach im Barockstil wieder aufgebaut. Ragusa ist nicht die einzige Stadt, mit der das passiert ist. Es gibt noch weitere Orte im Val di Noto, die um 1700 rum vernichtet und als barocke Idealstädte neu gebaut wurden. Sie stehen bis heute und sind ziemlich einzigartige Zeugnisse einer Epoche, wie sie sich auf dem eruopäischen Festland nicht mehr finden lassen.

Der Marktplatz ist heute morgen noch leer, es ist auch gerade erst halb zehn.

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Verfasst von - 25. Februar 2017 in Reisen, Wiesel

 

Reisetagebuch Sizilien (3): Stock & Stein

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Sonntag, 09. Oktober 2016

Ich gähne mein Spiegelbild an, das aus dem Badezimmerspiegel zurückgähnt und dann übernächtigt glotzt. Die Nacht war unruhig, die Feier im Gastraum unter dem Gästezimmer war so laut, dass es mir vorkam als ob die Liveband direkt und in voller Lautstärke vor meinem Bett spielte. Stundenlang ging das so, bis um Schlag 00.45 plötzlich die Musik aus war.
Und das Licht auch.
Ein Stromausfall.

Der währte nicht lange, aber danach fing die Band gnädigerweise nicht wieder an zu spielen. Dennoch war an Schlaf nicht mehr wirklich zu denken, zu aufgeputscht und wütend war ich.

Wütend auf die Gastwirte, die bei eine „Eventi“ im Haus nicht nur Zimmer an die Gäste der Feier vermieten, sondern auch an solche, die damit nichts zu tun haben und vielleicht schlafen wollen. Wenn die Feiern im Haus haben, dann sollten sie keine Zimmer an Fremde vermieten. Beschweren werde ich mich aber trotzdem nicht, denn um ehrlich zu sein: Ich habe vor so langer Zeit dieses Zimmer gebucht, da stand die Feier vermutlich noch gar nicht auf dem Programm. Dennoch ist die Kiste hier sowieso hellhörig wie sonstwas. Das Haus ist superschön, aber im Nebenzimmer höre ich jetzt schon eine Frau rumstöckeln, und im Erdgeschoss toben schon um kurz nach sieben Uhr Kinder herum.

Ausblick von meinem Zimmer. Der Twingo hat die Nacht in einem Unterstand verbracht.

Ausblick von meinem Zimmer. Der Twingo hat die Nacht in einem Unterstand verbracht.

Als ich ins Restaurant im Erdgeschoss komme ist niemand zu sehen außer einem älteren Ehepaar, die anscheinend zur feierenden Familie gehören, aber gleichzeitig auch Gäste sind. Dann taucht unvermittelt jemand auf, der ohne einen Anflug von Freundlichkeit einen Kuchenteller vor mir abstellt. „Pflaume mit Mandeln“, sagt er.

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Ich bestelle einen Caffé Doppio, der dann fast 10 Minuten auf sich warten lässt. Das es dazu keinen Zucker gibt, ignoriere ich, sondern haue das Ding vor den Augen des Gastwirts in einem Zug weg und sage schroff „Zahlen. Jetzt.“

Danach schultere ich den Rucksack und marschiere ohne ein Wort des Abschieds und ohne einen Blick zurück zur Vordertür raus. Die Gastgeber machen auch keine Anstalten was zu sagen. Die Gastwirtin guckt zwar lieb, zu einem Wort der Verabschiedung kann aber auch sie sich nicht durchringen. Komisches Volk hier. Das Haus und die Ausstattung ist zwar toll, die Preise niedrig, aber wenn jemand sich so gar nicht wie ein Gastgeber verhält und sich um seine Gäste praktisch nicht schert, wenn sie nicht zu Familie gehören, dann komme ich nicht wieder. Und auf die Karte der „Empfehlungen für wohlfeiles Nächtigen“ schaffen die es mal gleich gar nicht.

Kurze Zeit später brummt der Twingo über Bergstraßen nach Westen. Da es Sonntag und früh am Morgen ist, sind außer mir sind nur ein paar Radrennfahrer und einige Bauern unterwegs. Letztere tuckern entweder auf Treckern durch die Gegend oder stehen am Straßenrand und checken an den geöffneten Kofferräumen ihre Autos Langwaffen, legen Tarnkleidung an und hängen sich Patronengurte um. Sonntags wird im sizilianischen Hinterland auf die Jagd gegangen.

Der Miettwingo ist hoffnungslos untermotorisiert und liegt viel zu hoch, was Kurvenfahren… nun, interessant macht. Ich bin ja meistens mit dem Kleine Gelben AutoTM unterwegs, dass mit Turbomotor und Sportfahrwerk verwöhnt. Im Gegensatz dazu ist der feuerrote Twingo eine Kasperkiste. Auch das klavierlackbezogene Cockpit ist eine Spielerei. Aber immerhin ist er handlich und klein und hat einen superkleinen Wendekreis, und DAS zählt in Italien. Ist kein Zufall, dass die meisten Italiener auf dem Land kleine Fiats fahren. Damit kommt man überall durch, denn auch wenn die Kisten ansonsten unverschämte Fehlkonstruktionen sind: Das Fahrwerk hält einiges aus. Muss es auch, gerade hier auf Sizilien.

Die Straße, die ich gerade fahre, ist auch nicht die beste. Immer wieder ist sie regelrecht zerbrochen, hat riesige Absätze mitten in der Fahrbahn oder wird von Erdrutschen blockiert. Dann hört sie plötzlich einfach auf. Eben war da noch eine gut asphaltierte Strada Statale, plötzlich ist da nur noch ein unbefestigster Weg aus faustgroßen Steinen. Wasser hat in diesem Feldweg tiefe Gräben hinterlassen, und links und rechts des knapp des zwei Meter breiten Weges drohen wahlweise spitze Dornengewächse oder ein Abhang.

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Ich fluche lauthals – das erinnert mich alles an die schlimmste Fahrt, die ich bislang hatte – damals musste ich so einen Weg mit ordentlich Steigung dazu mit dem Sportmotorrad hoch, bis es nicht mehr weiterging. Damals war ich an einem Punkt, dass ich ich wirklich versucht hatte die Bergrettung zu kontaktieren, weil es einfach zu gefährlich war weiterzufahren. Wäre ich mit dem Motorrad hier, ich würde jetzt sofort umdrehen. Aber mit dem Auto… hinter der nächsten Kurve wird es bestimmt besser, rede ich mir ein. Wird es aber nicht. Im Gegenteil. Aber zurück kann ich nun nicht mehr, mehre hundert Meter über Stock und Stein rückwärts fahren, nee, das will ich nicht. Also weiter. Für den Twingo, der ein Stadtauto ist, ist das hier nichts. Für einen Geländewagen wäre das was. Oder eine Enduro. Aber nicht für einen Twingo.

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Verfasst von - 18. Februar 2017 in Reisen, Wiesel

 

Reisetagebuch Sizilien (2): Kreuz & Quer

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Samstag, 08. Oktober 2016, Agri Gessi, Calatafimi

„Die Iris“, sagt Pietro, „ist eine Spezialität, die es nur hier gibt. Willst Du was Besonderes, probier´ die Iris.“

Pietro ist der Gastwirt des Agri Gessi, des Hofs im Kreideland. Er hat meinen Frühstückstisch so aufgebaut, dass ich durch die offene Tür der Gaststube über die Felslandschaft blicken kann. Draußen spielen die beiden Hunde von gestern Abend mit einigen Katzen, die erst wenige Wochen alt sein dürften. Die Sonne scheint und der Himmel strahlt blau, aber dennoch ist es kühl hier oben. Auf einem entfernten Hügel, direkt auf Augenhöhe, steht ein griechischer Tempel. Frühstück mit Aussicht auf Tempel!

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Vor mir auf dem Frühstückstisch steht ein Tablett mit frischen Croissants, Plunderstückchen, Puddingschnecken – und einer Iris. Ich folge Pietros Tipp und nehme die und beiße beherzt hinein. Die Iris, so stellt sich heraus, ist ein dicker Batzen Ricotta, in dem vereinzelte Schokostückchen flottieren und der frittiert und dick eingezuckert ist. Schmeckt irre gut, aber den Rest des Tages brauche ich nichts mehr zu essen, mein Kalorienbedarf ist gedeckt.

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Nach dem Frühstück mache ich mit Pietro einen kurzen Gang um das Haupthaus. Er ist noch nicht lange im Gastgewerbe, erst seit wenigen Wochen hat der Anbau mit den Fremdenzimmern geöffnet. Sizilianer sind für ihren unverständlichen Akzent bekannt, aber Pietros Italienisch verstehe ich ausgezeichnet. Wir stehen auf einem Bergkamm hinter dem Hof, und unser Atem kondensiert in der kalten Morgenluft, während Pietro in verscheidene Richtungen deutet.

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Er zeigt mir, dass sein Hof auf allen Seiten von Sehenswürdigkeiten umgeben ist. Da ist der griechische Tempel und dort ist Calatafimi. Der Ort ist winzig, und doch kennt ihn in Italien jedes Schulkind, denn DORT auf dem Hügel hat Garibaldi das erste Mal die 1.000 versammelt, das legendäre Regiment, mit dem er Italien vereint hat. Dieser Gelegeneheit zu Ehren steht ein Denkmal mit einem Obelisken auf dem Berg. Hier wurde Geschichte geschrieben!

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Pietro ist ein guter Erzähler, und ich bedauere es fast, das ich hier weg muss. Aber nur fast, denn 1. ist die Straße zum Agri Gessi eine ECHTE Zumutung, und ich will die endlich hinter mir haben und 2. wartet an deren Ende noch der ganze Rest Siziliens auf mich.

Auch das Wiesel mag die Aussicht.

Auch das Wiesel mag die Aussicht.

Ich mache den Twingo startfertig und stecke diverse, leichte Halterungen und Kabel zusammen. Schon dient das iPhone als Navi, das mit einer kleinen Halterung in die Lüftungsschlitze geklemmt ist, und an der Frontscheibe pappt die VIRB-Kamera, die normalerweise am Motorrad hängt.

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Als ich vom Berg herunterfahre, rennen die Hofhunde mit Irrsinnsgeschwindigkeit neben dem Wagen her und springen immer wieder vor die Räder. Ich muss Schmunzeln, denn dieses Verhalten kenne ich noch von Nicki, dem Hund, mit dem ich aufgewachsen bin. Nicki jagte auf diese Weise auch immer Autos und Traktoren. Es war ein Spiel, eine Mutprobe – als Autofahrer darf man nicht langsamer werden, wenn Hunde sowas machen. Über nichts freuen sie sich mehr, als wenn man voll in die Eisen steigt. Dann hat man verloren, und sie gewonnen, und das wissen die Viecher. Also fahre ich einfach weiter und vertraue darauf, dass Pietros Hofhunde genauso geschickt sind wie Nicki.

Am Ende des Weges beginnt das Abenteuer!

Am Ende des Weges beginnt das Abenteuer!


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Verfasst von - 11. Februar 2017 in Reisen, Wiesel

 

Reisetagebuch Sizilien (1): Sorry for the Upgrade

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7. Oktober 2016, ICE 876, Wagen 22, Platz 62

Hildesheim. Wie spannend, denke ich, und widme mich wieder meinem Buch. Die Hipsterfrau eine Reihe schräg vor mir hat ihr Frühstück beendet und die Verpackungsreste weiträumig um ihren Sitz herumverteilt. Nun regt sie sich am Telefon laut darüber auf, dass es in der zweiten Bahnklasse am Platz keine Sojamilch für einen veganen Latte Macchiato gibt, während sie mit hochgelegten Füßen Körperpflege mittels Feuchttüchern betreibt.
Ich. Hasse. Sie.
Inbrünstig.
Ich kann es überhaupt nicht ab wenn sich Leute in der Bahn benehmen, als wären sie allein und der Wagen eine Müllkippe. Insbesondere die Hipstertanten, die mit den 30er-Jahre-Dreiteileranzügen und dem Monokel im Auge, verwechseln zu gerne ihre schlechte Kinderstube mit Coolness.
Der Zug rumpelt ohne Stop an Wolfsburg vorbei und Richtung Berlin.

Kein Witz, die betreibt da Körperpflege!

Kein Witz, die betreibt da Körperpflege!

Zurückgelassen: Müllhalde. Selbstoptimierende Menschen achten halt nicht auf ihre Umgebung. Das dürfen andere machen.

Zurückgelassen: Müllhalde. Selbstoptimierende Menschen achten halt nicht auf ihre Umgebung. Das dürfen andere machen.

Zehn Reisetage liegen vor mir. In Stimmung bin ich dafür aber nicht. Ich habe den Kopf noch voller Arbeit, die letzten Wochen waren heftig und Abschlaten geht nicht so auf Kommando. Außerdem ist Anfang Oktober, und in Deutschland ist das Wetter grau und nass und mit 8 Grad schon ziemlich kalt. Alles Gründe für miese Laune. Und dann ist da noch Berlin. Zum Glück ist die Stadt nicht das Reiseziel.

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Jedes große Abenteuer sollte mit einem kleinen Kaffee beginnen!

Jedes große Abenteuer sollte mit einem kleinen Kaffee beginnen!

Nein, Berlin ist nur Mittel zum Zweck. Der Regionalexpress von Berlin Ostbahnhof nach Flughafen Schönefeld fährt nicht. Warum auch? Immerhin „Fährt der schon seit drei Monaten nicht, wa? Strecke ist kaputt, wa?“, wie das Personal am Bahnsteig erklärt. Gut, Infrastrukturapokalypse erwartet man von Berlin. Ist ja auch der Grund, weshalb ich um kurz nach 6 schon aufgebrochen bin, obwohl ich erst um 12.00 Uhr am Flughafen sein muss und die Fahrt nur zwei Stunden dauert: Ich traue der Bahn nicht. Ich bin so früh los, dass nicht nur dieser, sondern auch noch der nächste Zug ausfallen könnte, und ich wäre immer noch pünktlich. Ich habe keine Flugangst, ich habe nur Angst, Flüge zu verpassen.

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Verfasst von - 4. Februar 2017 in Reisen, Wiesel

 

Motorradtour 2016 (15): Irrfahrt nach Hause

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Sommerreise mit der Renaissance.

Sonntag, 26. Juni 2016, in der Nähe von Graz

Kalesco zaubert ein wunderbares Frühstück, das wir auf der Terrasse genießen. Die Sonne scheint, hinter dem Haus rauscht der kleine Bach, und die Landschaft scheint vor Grün zu bersten. Die Steiermark ist ein wundervolles Stück Welt, und das nicht nur weil Kalesco hier wohnt.

Zwei Herzen schlagen heute morgen, ach, in meiner Brust.
Es fällt mir schwer Abschied zu nehmen, zu gerne würde ich noch ein wenig länger hier bleiben. Andererseits will ich aber auch das lädierte Motorrad endlich zu Hause und damit den unangenehmen Teil der Reise hinter mir haben. Ich habe mich entschieden die Koffer nicht per Post gen Heimat zu schicken. Die Bruchstelle am Gepäckträger scheint zu halten, zumindest ist das Knetmetall nicht weggebröckelt. Wenn ich jetzt vorsichtig und nicht schneller als 100 km/h fahre und keine fiesen Schlaglöcher in den Weg kommen, dürfte das halten.

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Ich verabschiede mich von meiner Gastgeberin, die sich anschickt den sonnigen Sonntag lesend in der Hängematte zu verbringen. Ganz kurz beneide ich sie ein Bisschen, aber dann fällt mir ein, dass MEIN Tag ja aus Motorradfahren durch Österreich besteht. Das wird auch toll. Aber NICHT nochmal über die Bröckelstrecke von der Herfahrt, denke ich, als das Navi am Ende von Kalescos Einfahrt nach rechts will. Folgerichtig fahre ich nach links und dann nochmal ganz komisch und plötzlich merke ich, dass ich in der völlig verkehrten Richtung unterwegs bin. Das Navi will hartnäckig zurück. Mumpitz, denke ich mir. Wir fahren jetzt erstmal nach Graz, von da aus geht es irgendwie nach Norden.

Geht es natürlich nicht, und jetzt werde ich leicht ungehalten. Hilft aber nix, zu sehr habe ich mich jetzt schon verfranzt.Noch nichtmal die Gegend ist schön, es geht durch viel Wald mit wenig Aussicht, und die Staßen sind oft nicht die besten. Das auch noch die ganzen Sonntagsfahrer unterwegs sind, um u.a. ihre Kids zu einem der zahlreich stattfindenden Sportfesten zu bringen, macht die Sache nicht besser. Nein, das macht alles keinen Spaß, das kostet nur Zeit.

Am Ende bin ich eine riesige Schleife einmal um Graz herumgefahren, um dann 80 Kilometer von meinem Startpunkt wieder eine Straße nach Norden zu finden. Nur: Bis hierher habe ich keine 80, sondern schon satte 240 Kilometer gefahren und dafür 4 Stunden gebraucht. Eine rechte Irrfahrt. Super gemacht, Herr Silencer.

240 Kilometer gefahren, nun bin ich gerade mal wieder 80 Km vom Startpunkt entfernt. Ein Umweg von 160 Kilometern, das muss man auch erstmal hinkriegen >:-/

240 Kilometer gefahren, nun bin ich gerade mal wieder 80 Km vom Startpunkt entfernt. Ein Umweg von 160 Kilometern, das muss man auch erstmal hinkriegen >:-/


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Verfasst von - 28. Januar 2017 in Motorrad, Reisen

 

Motorradreise 2016 (14): Die Nebelhöhle

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Sommerreise mit der Renaissance.
Freitag, 24. Juni 2016, San Biagio di Callalta

Ein letztes Mal setze ich mich zum Frühstücken an den kleinen Einzeltisch im Restaurant der „Villa Maria Luigia“. Sara lächelt, als sie mich sieht, verschwindet kurz und kommt dann mit einem doppelten Espresso wieder. Der ist auch das einzige, was ich heute Morgen runter bekomme. Der Grund: Die Nachrichten kennen heute Morgen nur ein Thema. England hat dafür gestimmt aus der Europäischen Union auszutreten.

Der Brexit wird Wirklichkeit. Mich trifft diese Schlagzeile wie ein Eimer kaltes Wasser. David Cameron hat hoch gepokert, als er die Bevölkerung über den EU-Austritt abstimmen ließ, in dem sicheren Glauben, dass die Menschen nicht so dumm sein würden ihre eigene Zukunft zu vernichten. Der Schuß ging nach hinten los. Menschen sind dumm, deshalb hat sich ja die Politik rausgemendelt um sie zu vertreten. Ich bin wie benommen. Hier, in diesem Moment, beginnt es. An diesem Tisch in diesem Haus wird in den Nachrichten gesagt, dass die EU zerbricht.

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Sara erkundigt sich nach dem Motorrad, ob jetzt alles OK sei und wie weit ich wohl noch unterwegs sein werde? Ich verziehe das Gesicht bei dem Thema, denn die ZZR ist alles andere als OK. Der gebrochene Gepäckrahmen ist kein Spaß, und eigentlich es ist zu gefährlich damit weiter zu fahren. Das sage ich ihr aber nicht, sie soll sich keine Sorgen machen. Stattdessen nuschele ich was von einer Werkstatt in Udine. Sara guckt erschrocken. Stimmt, Udine ist ja auch fast 100 Kilometer entfernt, eine Weltreise.

„Alles gut“, sage ich. „Das liegt auf dem Weg“. Das stimmt auch. Was nicht stimmt: Ich werde mir nicht den Stress geben, dort eine Werkstatt zu suchen, die mir den Träger schweißt. Ich habe keine Ahnung ob das überhaupt geht und wenn, dann wird es Stunden dauern. Nein, ich werde stattdessen die nächste Etappe sehr vorsichtig fahren, und morgen die Motorradkoffer verpacken und von Österreich aus per Post nach Hause schicken. Für die heutige, letzte Etappe muss der Träger noch halten. Die Bruchstelle ist mit Knetmetall ummantelt, und für zusätzliche Entlastung habe ich die seitlichen Träger mit Gurten umwickelt. Ob das halten wird? Keine Ahnung. Zumindest werden die Koffer so nicht einfach abfallen, ich werde merken, wenn was nicht stimmt.

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Eine warme Brise aus Richtung Meer lässt die leichten Vorhänge durch die Bar im Vorraum des Restaurants wehen. Ich versuche ein wenig von der Ruhe aufzusaugen, die Sara ausstrahlt und die das ganze Haus zu umfassen scheint. Die alte Offizieresvilla scheint Ruhe und Entspannung zu atmen, und davon möchte ich ein Stück in meinem Herzen mitnehmen. Sara scheint meine Gedanken zu erraten. Zum Abschied nimmt sie meine Hand in ihre und sagt „Wir werden uns wiedersehen. Du bist nicht nur ein Gast, Du bist unser Freund, also pass auf Dich auf.“

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„Tu sei nostro amico“, dieser Satz macht mich ein wenig stolz und bringt mich zum Lächeln, als ich die Renaissance aus ihrem Luxusparkplatz herausbugsiere und vorsichtig durch den Gartenweg und aus dem Haupttor der Villa steuere. Ein letzter Blick zurück zum Haus, ein letztes Winken, dann fädele ich das Motorrad in den Verkehr ein und bin verschwunden.

Im nächsten Ort halte ich an und entsorge an einem öffentlichen Parkplatz eine prall gefüllte Tüte. Darin sind Dinge, die ich nicht unbedingt brauche. Eine Flasche Sonnenspray. Der Rest Waschmittel. Eine halbe Tüte Äpfel. Eine Flasche Wein, die ich eigentlich als Andenken mit nach Hause bringen wollte. Ein paar Sandalen, die ich in San Vincenzo gekauft hatte. Zur großen Empörung des Wiesels geht auch der Sternchenkeksvorrat über Bord. Der Koffer auf der Seite, wo der Träger gebrochen ist, muss so leicht wie möglich werden. Es hilft ja nichts. Gute drei Kilogramm an Ballast habe ich gerade verklappt. Jedes eingesparte Gramm hilft, denn das kann darüber entscheiden, ob das Heck des Motorrads auseinanderbricht oder nicht.

Dann geht es weiter. Die Fahrt durch das Veneto ist langweilig. Die Gegend besteht praktisch nur aus plattem Land und Feldern. Fast 100 Kilometer geht es nur schnurgerade aus nach Westen, vorbei an Orten mit lustigen Namen wie Piramidi, das ägyptisch klingt, oder Muscletto, was sich sportlich anhört, oder Malafesta, was eine ansteckede Krankheit vermuten lässt.

Bei Udine halte ich nicht an, obwohl ich die Stadt gerne mal kennenlernen würde. Das lasse ich aber heute lieber sein, da bin ich nicht in der Stimmung zu und außerdem werde ich nicht schneller als maximal hundert fahren, da kann ich mehr Zeit gut brauchen. Vor der Stadt biege ich nach Norden ab und steuere auf die Bergkette der Alpen zu, die sich blau schimmernd am Horizont abzeichnet.

Es geht erst Richtung Tarcento, dann nach Gemona. Ich tanke noch einmal, dann schwenkt die SS13 in eine tiefe Kluft in den Bergen ein, und schon ändert sich die Strecke von langweilig und doof in eine der launigsten, die man sich wünschen kann. Ich kenne diese Durchfahrt schon. Die Straße schwingt sich in weiten Kurven in dem engen Tal entlang, an dessen Seiten steil Felswände aufragen. Die Berghänge sehen aus, als wären sie mit Urwald bedeckt. Ich stelle mir vor, dass es in Südamerika stellenweise ähnlich aussieht. Ein schmaler Fluss ringelt sich durch das, mit Felsbrocken übersäte, Talbett. Der Wind rauscht mir um die Nase, als das Motorrad über die Landstraße fliegt, und ich hole tief Luft und bin ganz ergriffen ob der Schönheit dieser Landschaft.

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Verfasst von - 21. Januar 2017 in Motorrad, Reisen

 

Motorradreise 2016 (13): Nackt in Venedig

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Sommerreise mit der Renaissance.
Mittwoch, 22. Juni 2016, San Biagio di Callalta

Auch das platte Land kennt Rushhour. Das Veneto, dass muss man sich so vorstellen: Plattes Land und weite Felder, auf denen neben Getreide und Salat auch Reis und Nüsse angebaut werden. Dazwischen: Straßen, bestens ausgebaut, von der Güte unserer Bundesstraßen. NIcht dem Schrabbelkram aus den alten Bundesländern, sondern den WIRKLICH guten Bundesstraßen, in den neuen Ländern.

Über all diese vielen schönen Straßen schiebt sich eine Blechlawine über das platte Land. Man stelle sich zur verdeutlichung Ostfriesland vor, eine spiegelglatte Fläche voller grünem Nichts, endlose Weiten, und mittendrin eine Karawane von Auto an Auto, die mit wenigen Zentimetern Abstand und im Schritttempo hintereinander her zuckeln. Ein leicht albernes Bild. Folgerichtig ziehe ich mit dem Motorrad an dem Stau vorbei. Italienisch fahren? Kann ich.

Plattes Land: Veneto. Hier von San Biagio nach Punt a Sabbioni.

Plattes Land: Veneto. Hier von San Biagio nach Punta Sabbioni.

Von der Villa Maria Luigia aus geht es rund 60 Kilometer nach Sünden, bis nach Punta Sabbioni. Der Name bedeutet übersetzt „Sandspitze“, und besser kann man den Ort nicht beschreiben. Punta Sabbioni ist eine kleine Landzunge, die in die Lagune von Venedig hineinragt und praktisch nur aus staubigen Parkplätzen besteht. Die Renaissance bekommt von einem freundlichen Parkopa einen überdachten Platz zugewiesen, und einen Unterleger für den Seitenständer gibt es noch dazu.

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Der Helm kommt ins Topcase, und dann bleibt das Motorrad für den Rest des Tages hier. Das kostet 5 Euro, und DAS ist es mir wert. Die Alternative wäre unvorstellbar: Mit dem Motorrad nach Venedig? NIEEE!

Stattdessen besteige ich die Linie 14 der Vaporetti von Vendig, nachdem ich mir vorher eine Tourikarte für die Nutzung des ACTV gekauft habe. 20 Euro für eine 24-Stunden Karte sind ein stolzer Preis, aber auch das ist alternativlos.

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Verfasst von - 14. Januar 2017 in Motorrad, Reisen

 

Motorradreise 2016 (12): Der Hund vom Cima Grappa

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Die Sommerreise mit der Renaissance.
Mittwoch, 22. Juni 2016, San Biagio di Callalta

„Und, wo geht es heute hin?“, fragt Sara. Ich habe gerade einen Keks im Mund und nuschele „Treviso“. Sara lächelt und sagt „Das taugt aber nicht für lange. Treviso ist nicht groß. Hast Du noch ein anderes Ziel?. Die Worte klingen sanft wie Musik. Sara könnte das Telefonbuch vorlesen, und es würde mir wohlige Schauer über den Rücken jagen, allein wegen ihrer angenehmen Stimme. Ich liebe die italienische Sprache ja ohnehin für ihren melodischen Klang, aber so wie Sara es spricht, trifft es mich direkt ins Herz.

„Bassano del Grappa“, sage ich, inzwischen ohne Keks im Mund. „Gut, die Brücke ist schön“, sagt Sara. „Aber wenn Du wirklich was erleben willst, gibst Du im Internet mal Cima Grappa ein“. Ich fummele das iPhone raus und tue wie mir geheißen. Ein kurzer Blick auf die Bildersuche und ich weiß: Da muss ich hin.

Alles, was Sara tut, macht sie mit Stil und Eleganz. Selbst aus trockenen Kekse und Fertigcroissants macht sie mit etwas Liebe und Puderzucker was Besonderes.

Alles, was Sara tut, macht sie mit Stil und Eleganz. Selbst aus trockenen Kekse und Fertigcroissants macht sie mit etwas Liebe und Puderzucker was Besonderes.

Ich mache die ZZR startfertig und manöveriere sie rückwärts aus ihrem Luxuspavillion, in dem sie die Nacht verbracht hat.

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Dann drücke ich auf den Startknopf und es passiert – nichts. Der Starter klackt, aber dreht nicht. Die Batterie ist leer. Ich verfalle in einen Schockzustand, mit ungläubig aufgerissenen Augen und runterhängender Kinnlade. Instinktiv prüfe ich ob der Seitenständer unten ist. Ist er nicht. Ist der Killswitch aus? Ist er. Ich schalte die Zündung aus, warte kurz und schalte sie wieder ein. Startknopf. Nichts.

Ich will es nicht wahrhaben und drücke nochmal auf den Startknopf.
Nichts.
Nochmal.
Nichts.
Nochmal.
Der Starter dreht mit voller Kraft, und der Motor springt mit einem Brüllen an.

Ich manövriere über den Prachtweg der Villa auf die Landstraße und beiße mir dabei vor Wut auf die Unterlippe. Anscheinend hing der Starter, oder das Mopped wollte mich einfach nur ärgern.

Als die Maschine auf der Straße vor sich hinsurrt brülle ich so laut ich kann „UND WAS WAR DAS JETZT FÜR EINE VERFICKTE SCHEISSE?“ , dann hole ich tief Luft und schreie „EIGENTLICH WOLLTE ICH DICH ZU HAUSE ÜBERHOLEN LASSEN,ABER WENN DU WEITER SO EINEN DRECK HIER ABZIEHST, VERHÖKERE ICH DICH AN EINEN ERSATZTEILHÄNDLER UND KAUFE MIR EINE VESPA!!“ Am Straßenrand gucken ein paar Arbeiter hoch, deren Motorsensen ich mit meinem Gebrülle im Vorbeifahren wohl übertönt habe. Die ZZR surrt als würde sie kichern.

Eine Stunde später quält sich das Motorrad durch den Landverkehr des Venetos. Hier ist DAS der Wirtschaftszentrum Italiens, und das merkt man nicht nur an den Unabhängikeitsflausen hiesiger Politiker. Riesige und brandneue Firmengebäude stehen in der Landsschaft rum, darunter viele Factoryaoutlets. Viele Outdoormarken wie Salewa oder North Face produzieren hier, aber auch Motorradausrüster wie Alpine Stars.

Das hohe Aufkommen an Firmen macht sich natürlich im Verkehr bemerkbar. LKW an LKW schieben sich die Kolonnen über die Straßen, schneller als 70 ist nirgendwo erlaubt. Es ist heiss, der Verkehr die Hölle, und dann verfahre ich mich auch noch.

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Cima, das klingt so ähnlich wie Cimitero, und also muss das wohl eine Abkürzung sein, denke ich mir. Ich hatte nur Bilder von einem seltsamen Bauwerk gesehen, aber nicht nachgeschaut wozu das gebaut wurde oder WO das Ding zu finden ist. Diese Arbeit soll mal schön das Navi machen. Das verfährt sich aber prompt erstmal und lotst mich einen steilen Berg hoch, um dann vor einer kleinen Kirche stolz zu verkünden „Sie haben ihr Ziel erreicht“. Nee, habe ich nicht.

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Im Schatten des Glockenturms suche ich im Internet und Navi nach neuen Koordinaten. Das dauert erstaunlich lange, dieses Cima-Ding ist nicht leicht zu finden. Als ich weiterfahre, befallen mich sofort Zweifel, ob das hier alles so richtig ist. Wo baut man einen Friedhof hin? Genau, in die Nähe eines Ortes. Die Straße, die ich gerade fahre, führt aber immer höher und höher die Berge hinauf. Runde 20 Kehren und 1.000 Meter Höhenunterschied in kurzer Zeit sind erst der Anfang. Es ist brennend heiß, über 30 Grad, und bei langsamer Fahrt den Berg hinauf läuft der große Kühlerlüfter der Renaissance fast dauernd.

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Aus 1.500 Metern Höhe blicke ich auf das Veneto hinab. Ein toller Anblick, auch wenn die Landschaft im blau-weiß des Himmels verschwimmt. Hier oben ist die Fahrerei nur noch Qual. Die Straße ist eng, und windet sich in irren Steigungen an Felswänden entlang. Die Baumgrenze haben wir bei 1.300 Metern schon lange hinter uns gelassen. Hier oben ist nicht mehr als vereinzelte Nadelhölzer und Steine und Gras und Hitze. Aber bin ich hier überhaupt richtig? Wegweiser gibt es nicht.

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Verfasst von - 7. Januar 2017 in Motorrad, Reisen

 

Motorradreise 2016 (11): Zerbrochen

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Sommerreise mit der Renaissance.

Dienstag, 21. Juni 2016, Grisciano

Die Gaststube des Kuhhof-Agriturismo ist noch leer, als ich sie an diesem Morgen um kurz vor Acht betrete. Vermutlich liegt die unsympathische Lehrerbande noch mit einem Weinschädel im Bett. Ist mir sehr recht.

Das Frühstück besteht aus einem Espresso und einem Cornetto mit hausgemachtem Honig, dann belade ich das Motorrad und mache mich abreisefertig. Die Pre-Start-Routinen habe ich in Fleisch und Blut, die geht der Körper einfach durch ohne das ich mich darauf konzentrieren muss. Navi in Betrieb nehmen – Tagesroute aufrufen – Helm aufsetzen – Helm einschalten – Bluetooth-Verbindung zwischen Reifen, Navi und Helm prüfen – Jacke zu – Handschuhe an – nochmal gucken ob alle Koffer wirklich fest sind – checken ob Portemonnaie und Handy in den richtigen Taschen sind – Motorrad starten – Choke einpegeln – Seitenständer hoch – und los!

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Ist ist noch kühl, als ich den steilen Bergweg vom Kuhhof hinab auf die Strada Statale steuere.

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Der Weg ist buckelig, und auch wenn das Motorrad gut läuft, höre ich doch bei jedem Huckel wieder das laute Klingeln irgendwo aus dem Inneren der Maschine. Das macht mich noch irre! Jede Schelle, jede Schraubverbindung habe ich nachgeprüft, so gut das eben durch die Verkleidung geht, und trotzdem ertönt bei jedem Schlagloch ein helles Klingeln von irgend etwas Losem.

Der Weg führt wieder in Richtung Norcia. Skurril: Eben fahre ich noch im Sonnenschein, als plötzlich eine weiße Wand auftaucht. Das ist kein Nebel; Das sind Wolken, die wie ein Band über dem Tal liegen. Für einen Moment fährt das Motorrad über den Wolken, dann ist die Decke von unten zu sehen.
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Verfasst von - 31. Dezember 2016 in Motorrad, Reisen

 

Motorradreise 2016 (10): Seepferde, Schweine und jede Menge Kühe

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Die Sommerreise mit der Renaissance.
Montag, 20. Juni 2016, Siena

Der Nachteil, wenn man eine Reise tut und Unterbringungen im Vorfeld bucht: Man muss am nächsten Tag auch wirklich an dem vorher festgelegten Ort sein. Auch dann, wenn schon klar ist, dass das Wetter dort eine Katastrophe sein wird. Spontanes Umdisponieren ist nicht mehr drin.

Dummerweise ist heute so ein Tag. Eigentlich würde ich gerne nach Süden fahren und einen weiten Schlenker über die Berge in den Abbruzzen machen, aber dort tobt eine Regenfront mit Gewittern. Die Pässe auf der Strecke sind auch unter idealen Bedingungen nicht ganz einfach, aber bei Unwetter will ich nicht allein durch die am dünnsten besiedelte Region Europas fahren.

Also wähle ich eine einfachere Route, aber auch die führt durch eine Regenfront. Einen Weg drum rum gibt es nicht. Von Siena aus geht es nach Südwesten, durch die Bergkette hinter Asciano und dann um den Trasimenischen See herum. Am Horizont ballen sich schwarze Wolken zusammen.

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Kurz vor der Grenze zu Umbrien halte ich an einer Tankstelle und ziehe ich Regenhose und -Jacke über den Fahreranzug. Die weitere Schicht ist aus dünnem, aber wasserundurchlässigem und atmungsaktivem Material und hält Regen und Wind fern. Wasser findet immer einen Weg, aber diese Kleidung hält es sehr lange davon ab.

Tatsächlich beginnt es bei Perugia zu regnen und hört nicht mehr auf. Im Gegenteil, schlimmer und schlimmer wird es. Der Regen wirft Blasen in den Pfützen auf der Straße, und anders als im Roman „Herr Lehmann“ behauptet, bedeutet das nicht, dass es bald aufhört zu regnen.

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Es geht in die Berge zwischen Umbrien und den Marken. Hier gibt es viele, tiefe Täler, in denen die dunklen Regenwolken hängen. Die Täler sind mit Tunneln verbunden, und immer wenn ich in einen hineinfahre, hoffe ich darauf, dass an seinem Ende das Wetter besser ist. Was leider nicht passiert.

Bei Norcia halte ich an. Ich brauche eine Pause, und Glückes Geschick: An dem Parkplatz, den ich hier kenne, liegt das Gebäude eines Restaurants. Vor zwei Jahren war das noch nicht eröffnet, nun steht es schon wieder leer. Was allerdings noch vorhanden ist: Ein großes, gebogenes Vordach, das wohl als Wetterschutz dienen sollte.

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Ich lenke die Renaissance zwischen Betonkübeln mit vertrockneten Blumenresten hindurch und in den offenen Blechtunnel.

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Ein trockenens Plätzchen zum Verschnaufen. Der Regen prasselt auf´s Blech, während ich mir einen Müsliriegel und einen Schluck Wasser aus dem Vorrat des Motorrads gönne.

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Verfasst von - 24. Dezember 2016 in Motorrad, Reisen

 

Motorradreise 2016 (9): Der Riese am Teich und der Zug der toten Ritter

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Sommerreise mit der Renaissance.

Sonntag, 19. Juni 2016

Florenz liegt direkt vor einer Bergkette. Von den kleinen Orten, die sich in die Bergflanken schmiegen, hat man einen tollen Blick über die Stadt: Ein, gar nicht mal so großes, Meer von braunen Dächern, aus deren Mitte sich die Kuppel des Domes erhebt wie ein Fels aus einer Brandung.

Florenz, von Fiesole aus gesehen.

Florenz, von Fiesole aus gesehen.

Von Pratolino aus bleibt einem diese Aussicht verwehrt, dafür ist der winzige Ort schon zu weit von der Stadt entfernt. Interessant ist er aber trotzdem, denn hier liegt die Villa Demidoff, und um sie herum ein weitläufiger Park mit einigen Kuriositäten.

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Kurios ist schon der Eintritt. Der ist nämlich frei, aber dennoch stehen gleich zwei Männer und eine Frau vom Heimatschutz am Eingang und springen auf mich zu. Einer reisst ein Ticket von einem Block und sagt: „Hier, ihr Ticket! kost nix!“

Ingresso Ridotto steht darauf, ermäßigter Eintritt. Keine Ahnung, was dieses Theater soll. Vermutlich steuerliche Gründe.

Der Park ist groß, zum Teil gepflegt, aber auch mit wilden Ecken. Gleich am Eingang steht der „Diamant“.

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Verfasst von - 17. Dezember 2016 in Motorrad, Reisen

 
 
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