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Archiv der Kategorie: Reisen

Impressionen eines Wochenendes (15): Affenwald

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Spätsommer in Thüringen: Die Felder sind abgeerntet, die Bäume hängen voller Lemuren.
Wait. What?!

Ja, wirklich. In Straußberg, südlich von Nordhausen, am Harzrand, gibt es ein eingezäuntes Stück Wald. Darin leben Berberaffen, verschiedene Lemurenarten und sogar Kängurus. Letztere sind hinter Draht und verstecken sich auch schon mal, aber die Affen bewegen sich vollkommen frei im Wald, durch den man als Besucher wandert. War ein Ausflugtip der schönen Nachbarin, die vor zwei Wochen da war und lustige Bilder davon mitgebracht hat, wie ihr ein paar schwarzweiße Varis die Füße ablecken.

Der Tag in Bildern.

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Ein Kommentar

Verfasst von - 28. August 2016 in Reisen

 

Der kleine Kuhhof

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Und dann war da noch der kleine Agriturismo. Mit war kar, dass ich noch eine Zwischenstation auf dem Weg von den Marken ins Veneto brauchen würde, also hatte ich gezielt nach einer Übernachtungsmöglichkeit am Rand des Monte Sibellini gesucht und den Hof mit den Kühen gefunden.

Der Weg von der Landstraße zum Agriturismo war sogar noch steiler als es auf Streetview ausgesehen hatte. Vorsichtig steuerte ich das, zu dem Zeitpunkt schon stark angeschlagene, Motorrad um die Schlaglöcher herum, und irgendwann hatten wir das Ziel erreicht: Einen kleinen Bauernhof mit angeschlossenem Gasthaus, einen Agriturismo.

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Die Begrüßung war herzlich, und die Atmosphäre entspannt. Mein Zimmer war schlicht, aber völlig ausreichend, und auf der Wiese vor dem Fenster spielten Schweine.

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Beim Abendessen in der Gaststube kam ich ein wenig mit dem Ehepaar ins Gespräch, das den Hof führte. Der Region ginge es mies, erzählten die beiden. Junge Leute gehen aus der ohnehin dünn besiedelten Region weg. Die, die blieben, können von der Landwirtschaft kaum Leben. Die beiden versuchten wirklich alles, um über die Runden zu kommen. Gastwirtschaft, Landwirtschaft, Kooperationen mit umliegenden Höfen, gemeinsame Vermarktung von ökologischen Produkten wie Fleisch und Wurst auf Märkten.

Überhaupt, Fleisch und Milchviehwirtschaft: Stellte sich raus, dass die Dame des Hauses eine Vorliebe für Kühe hatte, jedweder Art. Überall lagen, standen, saßen und hingen Kühe. Natürlich war auch das Logo des Betriebs eine Comickuh mit dick rotem Lippenstift, und jede Zimmertür trug einen Kuhaufkleber.

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Sogar die Klobürste im Bad stand in einer Kuh.

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Rührend, irgendwie, dass eine ältere Dame und knallharte Bäuerin ausgerechnet Comickühe liebte.

Nach einem langen Abend bei einfachem, aber sehr gutem Essen und noch besserem Hauswein machte ich mich am nächsten Morgen wieder auf den Weg, runter von dem steilen Berg und weg von Accumoli, mit dem Gedanken im Kopf hier unbedingt wieder hinzukommen, würde es mich noch einmal in diese Gegend verschlagen. Das war vor 8 Wochen.

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Seit gestern gibt es Accumoli nicht mehr. Der Ort lag im Epizentrum eines Erdbebens der Stärke 6,2, und wenn es stimmt, was die Nachrichten sagen, dann ist das Dorf völlig zerstört worden. Mein Hirn hat gerade Probleme zu begreifen, dass ein ganzer Ort weg sein soll.

Ich weiß nicht, ob und wie schlimm es den Bauernhof getroffen hat. Auf Mails und Whatsapps kommt keine Antwort. Das bedrückt mich gerade, und ich hoffe, dass es der Familie gut geht. Und den Kühen natürlich auch.

 

[Update 27.08.:] Es gibt Nachrichten aus Accumoli. Der Hof hat es überstanden, alle dort haben überlebt. Puh.

 
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Verfasst von - 24. August 2016 in Reisen

 

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Verfasst von - 7. August 2016 in Motorrad, Reisen

 

Erste Hilfe

35 Prozent aller Unfälle passieren im Haushalt,
30 Prozent in der Freizeit,
25 Prozent bei der Arbeit und nur
10 Prozent im Straßenverkehr.

Das bedeutet: Wenn etwas passiert, dann trifft es mit 90 prozentiger Wahrscheinlichkeit jemanden, den man kennt und der einem nahe steht. Weniger oft muss man unvermittelt jemandem helfen, den man gar nicht kennt.

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Neulich, in Venedig.
Es ist Juni und fast unerträglich heiß. Ich stehe auf einem Balkon in einem Bereich des Dogenpalastes, der für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist. Nur in Begleitung von Adriana darf man hier her.

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Außer Adriana und mir sind noch 5 weitere Personen dabei, ein ca. 50jähriger Franzose mit seinem Sohn und drei Amerikanerinnen, eine Oma samt Tochter und Enkeltochter. Letztere ist ca. 18, dünn und sehr blass um die Nase. Auf den ersten Blick dachte ich, sie täte nur demonstrativ zu Tode gelangweilt, aber nun sehe ich, dass sie mit den Augen rollt weil sie die nicht aufhalten kann.

Wir stehen in der prallen Sonne, es sind über dreißig Grad, und Adriana beeilt sich nicht gerade damit, die Geschichte der Dogen zu erzählen. Das blasse Mädchen schwankt, der Kopf ruckt zur Seite. Achje, warum das denn ausgerechnet jetzt? Ihre Mutter umfasst die schmalen Schultern und führt sie ein paar Schritte von der Gruppe weg, das knickt dem Mädchen schon ein Knie ein. Ich weiß, was als Nächstes passieren wird. Bevor es soweit ist, ziehe ich die schwere Motorradjacke aus und nehme noch einen Schluck aus der Wasserflasche. Wer weiß, wann ich das nächste Mal dazu komme. Ich blicke hinab auf den Markusplatz, wo Tausende von Menschen herumwuseln. Fremde Menschen. Schon erstaunlich, wie manchmal die Welt implodiert und sich Fremde plötzlich nahe sind. Genau das wird gleich passieren.

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Hinter mir höre ich einen lauten Hilferuf. Es ist soweit. Ich stecke die Wasserflasche weg, Adriana unterbricht ihre Erklärungen, alle Köpfe rucken herum. Das blonde Mädchen sackt in sich zusammen, ihre Mutter versucht sie aufrecht zu halten und sorgt damit zumindest für ein kontrolliertes Zusammenbrechen, bis die Tochter auf dem Boden sitzt. Der Kopf hängt auf der Brust, die Arme schlaff herunter. Außer unserer kleinen Gruppe ist niemand hier, der helfen könnte.

Die Franzosen und die Oma starren nur, tun aber nichts. Adriana eilt zu dem Mädchen und spricht sie direkt an. Keine Reaktion. Die Italienerin fasst das Mädchen an den Schultern und schüttelt sie und ruft dabei laut. Der Kopf der Blonden ruckt hoch, die Augenlider flattern. Sie stösst ein paar unverständliche Worte aus, dann kann ich sie verstehen. „Mir geht es nicht gut“, sagt sie auf englisch. Ja, DAS sieht man, Mädel. Aber wenigstens ist sie ansprechbar.

Ihre Mutter wird dagegen gerade hysterisch und brüllt „HILFE! HILFE! WARUM TUT DENN KEINER WAS?!“, nicht realisierend, das 1. außer uns niemand hier ist und 2. die erste Hilfe bereits läuft: Adriana hat sich wie im Lehrbuch verhalten und das Mädchen erst angesprochen, dann berührt und so geprüft, ob sie bei Bewusstsein ist.

„Holen sie Hilfe“, sage ich zu Adriana und wende mich an die Mutter. „Legen Sie sie auf den Rücken. Langsam Vorsichtig. Passen sie auf, dass sie sich den Kopf nicht stösst!“. Die Mutter tut wie ihr geheißen und hält den Kopf ihrer Tochter in den Händen. Ich umfasse die Beine der Blonden an den Fesseln und hebe sie hoch. Dabei stehe ich, etwas ungeschickt, direkt vor ihr. Nicht, dass das schlimm wäre – das Mädchen trägt eine Hose, hätte sie einen kurzen Rock an, wäre das jetzt – akward. Trotzdem denkt die Mutter in ihrer Panik, ich hätte schlechte Absichten. „Fassen Sie meine Tochter nicht an!“, giftet sie. Und nochmal lauter „DO NOT TOUCH MY DAUGHTER!!!“

Von dem Geschrei schlägt das Mädchen die Augen auf und blickt verwirrt zu mir hoch. Ich hocke mich hin und bette ihre Füße auf meine Knie. „Wie heisst Du?“, will ich wissen, das geifernde Muttertier ignorierend. „Josie“, sagt das Mädchen schwach. „Ok Josie, hör zu“, sage ich. „Dein Kreislauf hat schlapp gemacht. Das passiert. Das muss Dir nicht peinlich sein. In Vendig ist das vollkommen normal, ok? Auch wenn Du jetzt natürlich die ganze Aufmerksamkeit hast. Kreislauf ist nichts Schlimmes und passiert einfach mal. Vielleicht wegen der Hitze. Woher kommst Du?“ Herrje, ihre Lippen haben die gleich Farbe wie der Rest von ihr, kalkweiss. „California“, haucht Josi. Im Hintergrund spricht Adriana mit dem Besuchercenter. Aus dem Handfunkgerät krächzt auf italienisch die Bestätigung, dass ein Sanitäter unterwegs ist.

Ich verziehe das Gesicht. „Ein California Girl, das Hitze nicht abkann? Erzähl mir doch nix!“, sage ich. Josie lächelt matt. Ihre Mutter hat das Keifen eingestellt und guckt ein wenig fassungslos. Ich reiche ihr die Wasserflasche und nicke. Vorsichtig versucht sie Josie ein wenig Wasser zu geben, das Mädchen kann den Kopf anheben.

„Wann seid ihr in Venedig angekommen?“, will ich wissen. „Gestern“, sagt die Mutter. „Dann musst Du einen Höllenjetlag haben, richtig?“ Josie und Mutter nicken unisono. Das erklärt die Kreislaufprobleme.

Als drei Minuten später eine ältere Dame in der Uniform einer Museumsbediensteten mit einem Notfallrucksack auftaucht, ist Josie schon wieder in der Aufrechten. Die Schocklage hat es gebracht, das Mädchen macht sogar schon wieder Scherze. Ja, das war alles nicht besonders kritisch. Aber dennoch war es eine Situation, und es kam zu erster Hilfe. Und drei Minuten können bei ernsteren Sachen über Leben und Tod entscheiden.

Geht schon wieder: Als Hilfe eintrifft, geht es Josie schon wieder besser.

Geht schon wieder: Als Hilfe eintrifft, geht es Josie schon wieder besser.

Was ich an mir schätze: Ich bin jemand, der in Notsituationen einen klaren Kopf behält. Ich gerate nicht in Panik, kann Dinge klar artikulieren, scheue nicht davor zurück Anweisungen zu geben und ich weiß meistens relativ genau was als nächstes zu tun ist. Dieses „Tun“ muss aber geübt werden, denn zum einen vergisst man Handgriffe, zum anderen ändern sich auch Praktiken. Was man vor 10 oder 20 Jahren bei der Führerscheinprüfung gelernt hat, gilt heute eventuell gar nicht mehr.

Schon aus dem Grund mache ich gerne alle paar Jahre mal wieder einen Erste-Hilfe-Kurs. Handgriffe üben, altes Wissen auffrischen, neues Wissen erwerben. Mein letzter Kurs ist 8 Jahre her, auch schon wieder viel zu lang. Das war mir auch bewusst, und schon im vergangenen Jahr hatte ich das diffuse Bedürfnis, mal wieder einen Kurs zu machen. Die Begegnung mit Josie hat mir gezeigt, dass es höchste Zeit ist. Schocklage habe ich noch hinbekommen, aber wie war das nochmal mit der stabilen Seitenlage? Und weiß ich wirklich noch genau, wo die Herzmassage platziert werden muss? Oder wie lange man zwischen zwei Atemspenden pumpen muss?

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Ein Erste-Hilfe-Kurs dauert 8 x 45 Minuten und ist nicht teuer. Ca. 40 Euro kostet es, wenn man keinen kostenlosen ergattern kann. Es besteht aber auch die Möglichkeit den Arbeitgeber zu fragen, ob man den Kurs als betrieblicher Ersthelfer machen kann. Gibt der Chef sein OK, kostet ihn das keinen Pfennig – die Lehrgangskosten übernimmt die Berufsgenossenschaft. Dafür kann der Betrieb sich mit einem zertifiziertem Ersthelfer schmücken.

Der heutige Kurs hat mich wirklich überrascht. 12 Personen haben den Samstag mit Übungen verbracht, davon 9 Führerscheinanfänger, 1 Führerscheinverlängerer und inkl. mir 2 Personen die freiwillig Wissen auffrischen wollten. Und es hat sich gelohnt. Nicht nur, dass Handgriffe heute anders gemacht werden als noch vor ein paar Jahren, auch die Inhalte haben sich deutlich von früheren Kursen unterschieden. Was bei Sonnenstich zu tun ist, wie das Heimlich-Manöver funktioniert oder wie man bei Asthma helfen kann, das hatte ich so noch nie gelernt. Highlight des Tages war das Üben mit einem dieser modernen Defibrillatoren. Die Dinger hängen ja immer öfter an öffentlichen Plätzen rum, und ich weiß jetzt, wie ich die benutze.

Denn die Frage ist ja nicht, OB man mal helfen muss, sondern nur WANN. Und wenn die Hilfe benötigt wird, dann, siehe oben, mit 90 prozentiger Wahrscheinlichkeit von Personen, die einem nahestehen.

In diesem Sinne: Wie lange ist euer letzter Kurs her?

 
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Verfasst von - 30. Juli 2016 in Ganz Kurz, Motorrad, Reisen

 

Istanbul bei Nacht

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Istanbul im November 2015, fotografiert mit der winzigen Lumix Tz41.

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Verfasst von - 2. Juli 2016 in Reisen

 

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So, ich wäre dann auch mal wieder da. Sechstausendsechshundertundfünf Kilometer habe ich in den letzten drei Wochen auf den Straßen Europas zurückgelegt. Mir geht´s gut, dem Motorrad… nicht so.

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Einen Unfall gab es zum Glück nicht, aber dafür auf allen anderen Frequenzbändern Scheiße am laufenden Meter. Nach vier Jahren ohne Panne kam es dieses Jahr ganz geballt: Probleme mit der Elektrik und strukturelles Versagen tragender Teile am Motorrad waren Grund für Sorge und Anspannung. Die Schlaglochorgien, die man in Umbrien „Straßen“ nennt, haben der 600er dann den Rest gegeben.

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Jetzt muss die Renaissance erst mal ins Trockendock. Bis sie wieder tauglich für längere Fahrten ist, wird viel Arbeit und Geld nötig sein: Der Motor muss neu eingestellt werden, ein neues Rad- oder Lenkkopflager ist fällig, neue Reifen und ein neuer Kettensatz sind nötig, Öl und Zündkerzen ebenso. Und wenn ich jemals wieder mit ihr auf Reisen will, dann muss sie auch rundherum komplett neue Kofferträger bekommen müssen. 

Das hier wird vermutlich nicht die letzte lange Fahrt der Renaissance gewesen sein, aber ich werde jetzt dennoch mal die ein oder andere Probefahrt mit Reiseenduros machen. Deren Konzept ergibt auf den Strecken, auf denen ich zuletzt unterwegs war, durchaus einen Sinn. Aber erstmal bin ich froh, dass die ZZR und ich es überhaupt zurück nach Hause geschafft haben.
Fahrten durch Starkregen und Gewitterstürmen in den Bergen sorgten ebenfalls für gedämpfte Laune und den ein oder anderen Wutausbruch unterm Helm. Aber es gab auch schöne Momente, Treffen mit tollen Leuten und Augenblicke voller Glück in großartigen Landschaften und an sehr speziellen Orten.

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Schön zu sehen, dass das Blog noch steht. Hatte ich aber auch nicht anders erwartet, war ja nix los hier.

Huhu döst gerade auf dem Balkon vor sich hin, vermutlich hat er in meiner Abwesenheit die ganze Zeit Langeweile geschoben. Nunja, dass ist nun vorbei, es geht wieder los. Was ich auf dieser sehr abenteuerlichen Fahrt alles erlebt habe, gibt es dann in einiger Zeit hier zu lesen, im Reisetagebuch: Motorradtour 2016.

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Verfasst von - 28. Juni 2016 in Meta, Motorrad, Reisen

 

Reisetagebuch (14): Istanbul/Paris

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Im November 2015 begeben sich Modnerd und Silencer auf Reisen. Das Besondere: Modnerd hat keinen blassen Schimmer wohin es geht oder was ihn erwartet. Kontrollverlust und Überraschungen sind das Konzept dieser Reise. Am 14. Tag geht es an die Uni und in den Palast, und dann neigt sich die Reise dem Ende zu.

Freitag, 13. November 2015, Istanbul
Dolmabahce, zweiter Versuch, und diesmal klappt es. Sogar doppelt, erst klappt das Betreten des Palastes, dann klappen unsere Kinnladen runter.

Der Dolmabahçe Sarayı ist der letzte Sultanspalast und war bis 1924 in Betrieb. Man darf ihn nur mit einer geführten Tour und in Schutzschuhen betreten, die Zahl der Besucher pro Tag ist begrenzt und die Schlangen sind lang. Aber wenn man erst einmal drin ist, kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus. Mitte des 19. Jahrhunderts, als das Osmanische Reich bereits als „kranker Mann am Bosporus“ galt, wollte sich der Sultan Abdülmecid I. dem Westen gegenüber beweisen. Dazu gehörte auch, dass er aus dem mittelalterlichen Topkapi-Palast auszog und in eine Residenz umsiedelte, die er sich eigens hatte bauen lassen um den Westen zu beeindrucken. Und das ist ihm gelungen.

Das Tor zum Bosporus.

Das Tor zum Bosporus.

Bild: Modnerd.

Bild: Modnerd.

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Die armenischen Architekten, die eine europäische Ausbildung genossen hatten, übernahmen die prägendsten und protzigsten Stilelemente aus allen europäischen Epochen. Herausgekommen ist ein Gebäude, das klassizistisch-wuchtig daherkommt, barock überzuckert ist und dabei der Ästhetik der Renaissance gehorcht. Das hinterlässt ein Gefühl der Überforderung im verwirrten Auge des Betrachters. Vollends kippt der Verstand beim Betreten des Palasts vom Stuhl. Die Pracht und der Reichtum sind überbordend.

CC by Gryffindor SA

CC by Gryffindor SA

CC by Gryffindor SA

CC by Gryffindor SA

Der größte Kronleuchter der Welt, die breiteste Treppe, gigantische Säle voller erlesener Teppiche und Möbeln… sogar die Feuerlöscher und Heizkörper sind silbern und mit Ornamenten versehen.

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Der Harem mit modernen Wohnräumen ist wieder riesig.

Der Harem mit modernen Wohnräumen ist wieder riesig.

Dieser Palast war so unsagbar teuer, dass das Reich noch schneller unterging als ohnehin schon. Auch, wenn der Finanzminister seinerzeit lachend mitteilte, dass der ganze Dolmabahçe Sarayı in all seiner Pracht lediglich 32 Pfund Sterling gekostet habe. Das waren die Materialkosten für das Papiergeld, dass er einfach hatte drucken lassen, um damit den Bau zu finanzieren.

Im Inneren darf man leider nicht fotografierern, aber hier, ein Katzenfoto:

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In Fatih sehen wir und die Süleyman und die Fatih-Moschee an.

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Modnerd: Drei Moscheen hintereinander. Ich gebe zu, ich kann mir die Namen nicht merken. Ein Nachteil, wenn man in der Planung weitestgehend passiv ist. Aber schön sind sie dennoch. Moscheen sind hier sehr gemütlich, gepflegt und machen einen einladenden Eindruck. Anders als Kirchen, finde ich. Kirchen wollen scheinbar oftmals dem kleinen Gläubigen durch düstere Pracht von der Macht der Kirche/eines Gottes überwältigen und ihn als noch kleineren Menschen zurücklassen, der dann eine Kirche/einen Gott braucht, um mit seiner Bedeutungslosigkeit wieder klar zu kommen. Moscheen hingegen scheinen Orte zu sein, an denen man sich gerne und ohne schlechtes Gewissen aufhalten mag und freiwillig wiederkommt…

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Silencer: Festes Programm gibt es nicht mehr, und so lassen Modnerd und ich uns durch die Stadt treiben. Istanbul zeigt uns heute wieder seine Vielfalt. Hochmoderne Verkehrswege auf der einen Seite, alte osmanische Holzhäuser direkt daneben. Das wirre Treiben der Basare neben der Ruhe auf dem britisch wirkenden Campus der Universität.

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Ist es ein Vogel? Ist es ein Flugzeug? Nein, es ist Super-Sultan auf seinem fliegenden Pferd!

Ist es ein Vogel? Ist es ein Flugzeug? Nein, es ist Super-Sultan auf seinem fliegenden Pferd!

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Wir schlendern durch belebte Einkaufsstraßen und den großen Basar. Wer Schmuck, Tücher, Antiquitäten oder ähnliches kaufen möchte, ist hier richtig. Was mich erstaunt: Alles ist von hoher Qualität, das hier ist alles andere als ein Flohmarkt. Das hier ist ein Hier-gibts-alles-Kaufhaus mit vielen hochspezialisierten und oft redundanten Abteilungen.

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Ähnlich geht es auf dem nahegelegenen ägyptischen Basar zu. Hier gibt es Gewürze, Honig, Käse, Weinblätter, die auf ihre Füllung warten, und natürlich jede Menge Süßigkeiten.

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Wir treiben durch die Basare, durch die Stadt, an den Händlern vorbei. Die Stadt umfängt, umschmeichelt, schreckt auf, schubst voran. Istanbul gibt viel, es ist eine Stadt voller Energie, und gleichzeitig ist sie ein Vampir, der den Besuchern den Akku leersaugt. Nach einem frühen Abendessen (um 17 Uhr!) verabschiedet sich Modnerd mit leerem Akku ins Hotel.

Am letzten Abend in Istanbul wird noch mal schick essen gegangen.

Am letzten Abend in Istanbul wird noch mal schick essen gegangen.

Ich gehe noch auf eigene Faust los und gönne mir ein osmanisches Eis. Das ist in zweifacher Hinsicht was besonderes. Erstens ist die Konsistenz ganz anders als das Eis, das ich kenne, denn es zieht Fäden und ist ganz zähflüssig. Zweitens ist die Art, wie es verkauft wird, sehr besonders. Wenn der Eismann gut Laune hat, albert er rum. So wie der Mann im folgenden Video werde auch ich bespaßt:

In dieser Nacht erfahre ich tolle Dinge über handgewebte Seidentücher und die Zisterne der 1001 Säulen und übe mit einem Türken am Kiosk zählen.

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Man muss aufpassen, das man nicht in Hundehaufen tritt.

Man muss aufpassen, das man nicht in Hundehaufen tritt.

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Ich bin mit einem Schlag wach. „Anschläge in Paris“, schlagzeilt das Internet. Es ist kurz nach 6 Uhr, ich liege noch in Istanbul im Bett und habe nur mal kurz das Smartphone angemacht um die Nachrichten zu überfliegen. Und nun das, ein zweites 9/11.

Der Frühstücksraum des Hürriyet geht in eine Dachterasse über, die einen schönen Blick über den Bosporus bietet. Aber heute morgen haben wir da kein Auge für.

Der Frühstücksraum des Hürriyet geht in eine Dachterasse über, die einen schönen Blick über den Bosporus bietet. Aber heute morgen haben wir da kein Auge für.

Beim Frühstück ist die Stimmung entsprechend gedrückt, nicht nur bei Modnerd und mir – alle, die die Nachrichten mitbekommen haben, sind schockiert. Die anwesenden Russinnen genauso wie die Araber in der Ecke und die Türken am Tisch nebenan.

Die gedrückte Stimmung passt zum Abschied von Istanbul. Die Tram bringt uns in 55 Minuten zum Flughafen Istanbul/Atatürk. Wir fliegen mit Turkish Airlines zurück nach Deutschland. Der Checkin über die App ist bereits am Vorabend erledigt, ein Automat scannt den Reisepass und druckt die Boardingpässe aus.

An solchen Automaten scannt man seinen Reisepass, dann druckt er die Bordkarte.

An solchen Automaten scannt man seinen Reisepass, dann druckt er die Bordkarte.

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Modnerd: Zurück geht es Problemlos im edelsten Flugzeug, das ich je benutzt habe. Turkish Airlines hat einen ziemlich neuen Airbus im Einsatz, der an jedem Sitzplatz ein kleines Tablet installiert hat, auf dem man sich aus hunderten (ja, wirklich!) an Filmen und Serienfolgen bedienen kann. Das ganze funktioniert fast perfekt, nur die monströs lauten Zwangsdurchsagen der Crew sind hier gesundheitsgefährdend für die Ohren.

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Zu Essen gibt tatsächlich leckeres und hübsch eingepacktes Bordessen, dass ein Koch, oder zumindest jemand mit Kochmütze, serviert. Hier stimmt – für Flugzeugverhältnisse – wirklich alles und der Flug geht schnell vorüber.

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Silencer: In Frankfurt regnet es und ist fast 10 Grad kälter als in Istanbul. Die Auswirkungen der Attentate von Paris sind schon zu spüren. Die Polizei umstellt das Flugzeug sofort nach der Landung, beim Checkout werden alle irgendwie arabisch aussehenden Personen in eine Ecke getrieben und am Verlassen des Flughafens gehindert. Der Deutsche Reisepass ist ein Dokument des Privilegs. Ich muss den nur hochhalten und darf sofort passieren, nicht mal meine Schritte muss ich verlangsamen.

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Knapp erwischen wir noch den geplanten ICE, und ehe ich es mich versehe stehe ich wieder in Mumpfelhausen auf der Dorfstraße und bin zu Hause. Die Welt hat mich wieder.

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Ich war nur zwei Wochen unterwegs, aber es fühlt sich an, als wäre ich einen Monat weg gewesen. Was habe ich in den vergangenen 14 Tagen aber auch nicht alles erlebt und gesehen!

Lamezia, in Italien, in einer sturmumtosten Nacht. Craco, die Geisterstadt. Matera, das einstige Armenhaus Europas. Eine Überfahrt per Schiff von Italien nach Griechenland. Patras. Die Berge Mittelitaliens. Die prächtigste Höhle ever. Athen. Und schließlich die Wunder von Istanbul.

Was mich am meisten freut: Es hat alles geklappt wie geplant. Alles griff ineinander, es sind keine Pannen oder unangenehme Zwischenfälle passiert, wir mussten keine Nächte auf der Straße verbringen oder sind irgendwo gestrandet.

Das ist, zumal bei so vielen Wechseln der Transportmittel, nicht selbstverständlich. Ein wenig Glück gehörte auch dazu – ohne Rosas Geistesgegenwart und Schnelligkeit hätten wir keine Fähre nach Griechenland gehabt, und das wir aus Athen rausgekommen sind, war gutes Timing – ein oder zwei Tage später gab es dort einen Generalstreik und gewalttätige Auseinandersetzungen genau dort, wo Modnerd und ich gerade noch waren, und weder Busse noch Taxen noch Flüge gingen aus der Stadt. Und in Ionannina in Nordgriechenland sind wir nur um zwei Tage an einem – glücklicherweise harmlosen – Erdbeben vorbeigeschrammt.

Nein, alles ist gut gegangen. Und das hat, bei aller Professionalität, auch mich überrascht.

Modnerd: Was bleibt zurück? Überraschungsreisen sind toll, wenn man sich als zu Überraschender darauf einlassen kann oder als Planender Spaß dran hat, jemanden zu überraschen.

Die Reise hat sich angefühlt, wie ein kleine Weltreise. Dreimal Flugzeug, zwei Mietwagen, einmal Fähre waren unsere Verkehrsmittel. Die Dramaturgie, sich von Italien über Griechenland nach Istanbul zu bewegen und jeden Ort nur als Vorspiel für den nächsten zu setzen, war beeindruckend und ich kann Herrn S. nicht genug danken für seine Aufwände.

Klar wird mir aber auch, dass diese Art von Reise wohl nur einmal funktioniert. Ob ich mich nochmal so überraschen lassen kann? Die Regionen oder Länder, in denen das noch so ginge (also wie wir beide nicht kennen) werden weniger. Man wird mal schauen müssen, ob sich da noch mal etwas auftut. Derzeit sind wir erstmal satt und zufrieden mit dem Erlebten.
Meine persönlichen Höhepunkte waren Matera gleich zu Beginn (weil ich noch nie etwas über den Ort gehört habe und Fan von „dreidimensionalen“ Orten bin), Athen (weil es so liebenswürdig und unerwartet war) und natürlich Istanbul (weil es einfach unerwartet daher kam und ich seit 20 Jahren die Stadt besuchen wollte).

Silencer: Das hier war übrigens die gesamte Reiseroute, rund 7.000 Kilometer.

By Any Means

Damit schliesst sich das Reisetagebuch. Danke an alle, die hier im Blog mitgereist sind!

 
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Verfasst von - 25. Juni 2016 in Reisen

 

Reisetagebuch (13): Hodjapasha am Katzentag

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Im November 2015 begeben sich Modnerd und Silencer auf Reisen. Das Besondere: Modnerd hat keinen blassen Schimmer wohin es geht oder was ihn erwartet. Kontrollverlust und Überraschungen sind das Konzept dieser Reise. Dies sind die Tagebücher der beiden. Der dreizehnte Tag ist kaputt.

Donnerstag, 12. November 2015, Istanbul

Zu einer Reise gehören auch so Tage, an denen gar nichts funktioniert. Kannste nix gegen machen, ist halt so, kommt man selten drum rum, und heute ist so ein Tag. Der Unsinn beginnt, als Modnerd und ich am Dolmahbahce-Palast vor verschlossenen Türen stehen. Donnerstags ist der nämlich geschlossen. Wußten wir nicht. Ergebnis oberflächlicher Recherche und schlechter Website.

Zu. Pech.

Zu. Pech.

Statt tollen Aufnahmen aus dem Palast gibt es ein Foto einer Katze. Wir sind ja hier im Internetz, Katzenbilder gehen immer.

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Dann halt ins Eisenbahnmuseum! Das ist geöffnet!

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Leider umfasst das Museum nur einen Raum von der Größe meines Wohnzimmers und zeigt relativ willkürlich durcheinandergewürfelte Fundstücke aus 200 Jahren Bahngeschichte, mit denen man nach sieben Minuten durch ist.

Immerhin erfahren wir, dass vom Bahnhof Sirkeci, neben dem wir wohnen und in dem sich das Museum befindet, 1961 die ersten Gastarbeiter nach Deutschland gereist sind.

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Da wir einen Museumspass haben und noch dazu viel Zeit, besuchen wir das „Museum für Wissenschaft im Islam“.

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Dort kann man sich erklären lassen, dass quasi jede Erfindung von islamischen Wissenschaftlern gemacht wurde, von der Mathematik über Teleskope bis hin zum Dönerspieß. Die Griechen der Antike und der Rest des Westens haben die lediglich geklaut und die Quellenangabe vergessen.

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Das Museum ist hervorragend ausgestattet. Alle Errungenschaften, von astronomischen Instrumenten über Kriegswaffen bis hin zu Wasserpumpen, Sternwarten und medizinischen Instrumenten, werden in Nachbauten ausgestellt.

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Direkt um die Ecke, am Topkapi-Palast, liegt das archäologische Museum. Leider wird hier gerade viel gebaut, nicht alle Räume sind zugänglich, und die besuchbaren Säle enthalten vor allem kaputte Steine.

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Dieses Muster macht verrückt, wenn man länger darauf guckt.

Dieses Muster macht verrückt, wenn man länger darauf guckt.

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Im Hof des archäologischen Museums gibt es ein Café. Das müsste eigentlich den Beinamen Katzencafé tragen. Lässt man sich an einem der Tische nieder, hat man sofort ein volles Dutzend gierig guckender Katzen um sich herum.

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Eine ist sogar so dreist und springt auf den Tisch um unsere Kuchenteller einer genaueren Inspektion zu unterziehen. Das Tier ist nicht vom Kuchen abzubringen. Ein Mal trägt sie der Kellner weg, ein anderes Mal hebe ich sie am Nacken vom Tisch, aber die Katze gibt nicht auf. Vielleicht ist sie von Tauben aufgezogen worden? Benehmen tut sie sich zumindest so.

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Die Katze mag Kuchen.

Die Katze mag Kuchen.

Wir schlagen ein wenig Zeit tot, denn etwas später steht noch was ganz besonderes auf dem Programm: Eine Kreuzfahrt den Bosporus hinauf, Richtung schwarzes Meer! Freue ich mich schon die ganze Zeit drauf. Als es soweit sein soll, mache ich allerdings ein dummes Gesicht: In der Nebensaison fährt das Schiff nur Samstags und Sonntags, was zufällig beides heute nicht ist. Meh.

Modnerd kommt auf die Idee, die alte Stadtmauer zu suchen. Von der wusste ich bislang gar nichts, tatsächlich ist sie aber UNESCO-Weltkulturerbe.

Modnerd: Statt Meer gäbe es jedoch noch die äußere Stadtmauer, die ich zufällig entdeckt habe. Nun gut, statt Meer also Mauer, zudem gibt es in der gleichen Richtung noch das Chora-Museum. Ich wäre gern mit dem Schiff gefahren und es braucht einen kleinen Moment mich umzustimmen, auch wenn die Idee für Mauer von mir kam. Es ist eben Donnerstag der 12. Und der dreizehnte Tag der Reise. Aber ich bin nicht abergläubisch!

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Silencer: Mit der Straßenbahn fahren wir weit ins Stadtviertel Fatih raus und finden tatsächlich die Mauer. Oder besser: Mauern, denn es gab immer mindestens drei Lagen Verteidigungsmauer hintereinander. Um Istanbul von der See her zu sichern, gab es ebenfalls Mauern und eine große Kette, die vor dem Goldenen Horn hochgezogen werden konnte und so die Durchfahrt für Schiffe abriegelte.

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Modnerd: Die Mauer ist zwar recht zerfallen, dafür aber doch ziemlich lang. Wir laufen nur einen Teil ab und der Blick auf die Altstadt von hier draussen ist noch einmal ein ganz anderer.
Schließlich kommen wir am Chora-Museum an, doch auch hier ist Donnerstag der 12., denn ein großer Teil des Museums (eine ehemalige Kirche/Moschee) ist Baustelle und das ganze Gebäude steht unter einem riesigen provisorischen Dach. Nur ein kleiner Teil, die Vorräume, sind zu sehen.

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Silencer: Vor wir schon mal so weit westlich sind, besuchen wir gleich noch die Chora-Kirche – aber ach, auch die wird umgebaut, und wesentliche Teile sind nicht zugänglich. Aber hey, es gibt Katzen.

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Statuen im Park.

Statuen im Park.

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Ein nicht zu unterschätzender Nervfaktor sind die Ausrufer an den Ständen und Restaurants. Deren Aufgabe ist es, Leute für die eigenen Produkte/Waren/Dienstleistungen zu begeistern, und das tun sie, indem sie JEDEN auf der Straße anquatschen. Dabei legen sie erstaunliches Sprachtalent an den Tag. Nicht selten sprechen sie zig Sprachen und raten sogar, in welcher sie potentielle Interessenten (ich schreibe bewusst nicht Opfer, denn es handelt sich hier nicht um Abzocker) ansprechen müssen. Dennoch: Bei einem einfachen Gang durch die Stadt wird man bis zu hundert Mal angesprochen – die Filter um DAS auszublenden oder die Geisteshaltung, das als Service zu akzeptieren, bringen wir Deutschen einfach nicht mit. Aber ich will hier gar nicht mit tiefen Refelexionen langweilen. Hier, noch ein Katzenbild.

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Wenigstens eine Sache klappt. Wenn ich auf Städtereisen bin, besuche ich total gerne Theater-, Musik- oder Musicalveranstaltungen. Theater fällt aufgrund der Sprachbarriere aus, aber…

Modnerd: Am Abend besuchen wir… ein Tanztheater, die tanzenden Derwische, direkt um die Ecke von unserem Hotel und einem ehemaligen Hammām untergebracht!
Auch wenn Tanzvorstellungen sonst nicht zu meinem primären Interessensbereich gehören (und es vielleicht die erste dieser Art ist, die ich überhaupt besuche) ist das eine tolle Sache. Insgesamt 16 Tänzer (davon 4 Solokünstler) zeigen in einer etwa 90minütigen Show unterschiedliche Motive aus lokaler und nicht ganz so lokaler Kultur.

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Erster!

Erster!

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Bild: Modnerd.

Bild: Modnerd.


Bild: Modnerd.

Bild: Modnerd.

Normalerweise treten im Hammām meistens tanzende Derwische auf. Allerdings sind es keine echten Mönche, die sich durch immer schnelleres Kreisen um die eigene Achse in religiöse Verzückung küseln, sondern lediglich Schauspieler des Hodjapasha-Theaters, die das Ganze für Touristen nachstellen.

Heute findet eine Show mit dem Namen „Rythm of the Dance“ statt, ein bunt gemischtes und stellenweise laienhaftes Tanztheater. Mal Solo, mal im Gruppentanz werden alle möglichen Tanzarten vorgeführt, traditionelle genauso wie Stücke aus Lord of the Dance und Bauchtanz, auch männlichem. Wusste gar nicht, dass es sowas gibt, möchte ich auch nie wieder sehen.

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Authentisch ist an dem ganzen natürlich gar nichts, in der Türkei galt Bauchtanz sogar lange als anrüchig und gehört dadurch nicht zur Folklore. Schön anzusehen und zu -hören ist es aber allemal.

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Der heutige Tag in der Übersicht:

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Verfasst von - 18. Juni 2016 in Reisen

 

Reisetagebuch (12): Vom Harem in den Hammām

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Im November 2015 begeben sich Modnerd und Silencer auf Reisen. Das Besondere: Modnerd hat keinen blassen Schimmer wohin es geht oder was ihn erwartet. Kontrollverlust und Überraschungen sind das Konzept dieser Reise. Dies sind die Tagebücher der beiden. Am zwölften Tag der Reise dreht sich alles um halbnackte Frauen im Harem und halbnackte Männer im Hammām. Und Modnerd bekommt eine Kopfnuss.

Mittwoch, 11. November 2015, Istanbul

So sauber bin ich noch NIE gewesen! Meine Haut fühlt sich nicht nur rein, sondern PORENtief rein an. Und das ist sie auch. Der Dreck von Istanbul, von Athen, von den vergangenen Wochen, vermutlich alles seit den 90er Jahren ist aus jeder Pore rausgeschrubbt und rausgeseift und rausgespült worden.

Dabei hatte der Tag dreckig angefangen. Zeitsprung, einige Stunden zurück: Modnernd und ich besuchen den Topkapı-Palast (Sprich: Topp-kaphe). Die große Palastanlage liegt auf einem Berg am Westzipfel der europäischen Halbinsel und überblickt das goldene Horn und den Gülhane-Park. Es sind fast 20 Grad bei strahlendem Sonnenschein.

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Mit unseren Museumspässen können wir einfach so durch die Sicherheitsschleusen am Eingang rauschen. Das Gelände ist noch angenehm leer, darum suchen wir zuerst den Harem (gesprochen: Ha-Remm) auf, der später von Touristen überlaufen sein wird. Der Harem ist eine eigene Stadt innerhalb des Palastes. Seine Größe wird auf den Luftbildern deutlich:

So ist die Lage: Der Topkapi-Palast liegt auf einem Bergrücken. Westlich davon der Gülhane-Park, im Süden die Hagia Sophia. Gut zu sehen: Die ehemalige Kirche ist so groß wie ein ganzer Häuserblock.

So ist die Lage: Der Topkapi-Palast liegt auf einem Bergrücken. Westlich davon der Gülhane-Park, im Süden die Hagia Sophia. Gut zu sehen: Die ehemalige Kirche ist so groß wie ein ganzer Häuserblock.


Der Harem ist eine in sich abgeschlossene Welt innerhalb des Palastes. Allein die Größe im Verhältnis zum Rest der Anlage zeigt, dass hier ein Machtzentrum lag - im Reich der Valide, der Königinmutter.

Der Harem ist eine in sich abgeschlossene Welt innerhalb des Palastes. Allein die Größe im Verhältnis zum Rest der Anlage zeigt, dass hier ein Machtzentrum lag – im Reich der Valide, der Königinmutter.

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Harem? Na klar, der Ort der Begierden, in dem halbnackte Lustsklavinnen, bewacht von Eunuchen, auf den Sultan warteten um im dann sexuell auf allen erdenklichen Arten zu Diensten zu sein. Es ist kein Wunder, dass solche Geschichten entstanden sind. „Harem“ heißt nichts anderes als „verboten“, was sich auf Besucher bezieht. Viele Frauen hinter verschlossenen Türen, in einem für Männer verbotenen Bereich – das heizt die männliche Fantasie an, und so entstanden Geschichten.

Dabei stimmt an den Legenden einiges. Es gab tatsächlich Eunuchen, die den Harem bewachten. Männer waren dort wirklich nur erlaubt, wenn sie zur königlichen Familie gehörten, und tatsächlich gab es im Harem Frauen. Die waren oft als Geschenke anderer Fürstenhäuser und Länder dorthin gekommen. Allerdings waren die wenigsten von ihnen halbnackte Lustsklavinnen*, und sündige Orgien gab es auch nicht.

Den erotischen Aspekt überzeichnen die Legenden. Beim Harem handelte es sich in erster Linie um eine geschützte Zone, in der sich die Frauen und ihre Kinder sicher und geschützt bewegen konnten. Außerdem ging es hier knallhart um Politik. Im Harem herrschte die Valide Sultan, die Mutter des Sultans. Es gab eine strenge Hierarchie im Harem: Nach der Valide kamen die Sultanas, die osmanischen Prinzessinnen. Erst an Platz 3 der wichtigen Frauen kam die Hauptfrau des Sultans, die Kadınlar. Sobald die Hauptfrau ein männliches Kind gebar, wurde eine neue Kadınlar ausgesucht – natürlich von der Valide, die diese Entscheidungen traf und darauf achtete, dass bloß keine Monogamie stattfand – schon, damit keine Frau mehr Einfluss auf den Sultan nehmen konnte als sie selbst.

Die männlichen Nachkommen des Sultans wurden im Harem aufgezogen. Jede Prinzenmutter hoffte, selbst zur nächsten Valide zu werden, und sicher halfen viele der hohen Kindersterblichkeit noch ein wenig nach, um dem eigenen Sohn den Weg zu ebnen. Es lässt sich leicht ausmalen, dass die Sultane ziemlich unter der Fuchtel ihrer Mütter standen. Die Frauen im Harem waren die wahren Herrscherinnen über das Reich. Die Prinzen, die später zum Sultan wurden, wuchsen völlig von der Aussenwelt isoliert im Harem auf. Kaum verwunderlich, dass die osmanischen Herrscher immer weltfremder und entrückter und ihre Politik immer erratischer wurde – schlicht, weil die das Reich nicht verstanden, das sie regieren sollten. Letztlich war das ein ausschlaggebender Faktor, der zum Untergang des osmanischen Reiches führte. 1908 wurde der Palast während der Revolution gestürmt, der Haupteunuch an der Galatabrücke aufgeknüpft und die Haremsdamen befreit. Viele von ihnen wussten nicht, was sie danach tun sollten. Einige endeten als Attraktion in westlichen Zirkussen.


* Zumal man sich das mal praktisch vorstellen muss: Man wird als junge Frau dem Sultan als Geschenk überreicht und kommt in einen Teil des Palastes, den man nicht mehr verlassen darf. Dort gibt es nicht viel zu tun, außer rumsitzen und sticken, rumsitzen und Musikinstrumente lernen und rumsitzen und essen. Das beste und reichhaltigste Essen, dass man sich vorstellen kann, mindestens vier Mahlzeiten am Tag. Und dazu null Bewegung. Wie sahen wohl die Frauen nach einigen Jahren im Harem aus?

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Die Räumlichkeiten sind prächtig. Farbenfrohe Fliesen mit komplizierten Mustern, Intarsien aus Perlmutt, Gold wohin man blickt. Ich glaube, so etwas überbordend Prächtiges habe ich noch nie gesehen. Die Räume sind aneinandergeschachtelt. Jeder scheint ein Durchgangszimmer zu sein, und zusammen bilden sie ein Labyrinth. In seiner Blütezeit, im siebzehnten Jahrhundert, lebten in den fast 300 Räumen fast 800 Frauen. Heute ist nur ein Teil davon zu besichtigen. Also von den Räumen.

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Verfasst von - 11. Juni 2016 in Reisen, Wiesel

 

Reisetagebuch (11): Istanbul!

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Im November 2015 begeben sich Modnerd und Silencer auf Reisen. Das Besondere: Modnerd hat keinen blassen Schimmer wohin es geht oder was ihn erwartet. Kontrollverlust und Überraschungen sind das Konzept dieser Reise. Dies sind die Tagebücher der beiden. Am elften Tag der Reise wird Silencer ehrfürchtig, Modnerd genervt und ein Kellner eigensinnig. Außerdem gibt es Geschichten über einstürzende Kirchbauten, Architekten in der Klemme und Fische im Keller. Und Trickbetrügern. Ja, Trickbetrüger gibt es auch. Die sind bestimmt der Grund, warum dieser Beitrag zu lang geworden ist.

Dienstag, 10. November 2015, Istanbul

Istanbul ist so reich an Sehenswürdigkeiten, dass es schwer fällt einen Anfang zu finden. Die Stadt ist riesig, dehnt sich mehr als 50 Kilometer aus und hat so viele Einwohner wie New York, Paris, Rom und Madrid zusammen. Zum Glück ist die Altstadt im historischen Stadtzentrum, Eminönü, überschaubar. Dieser Stadteil ist auf der Halbinsel, die in den Bosporus ragt. Ihr gegenüber, getrennt durch die Bucht „Das goldene Horn“, liegt der Stadtteil Beyoglu. Der ist neuer und quasi das Shoppingviertel.

Istabul Stadtviertel

Am ersten, richtigen Tag in Istanbul beschließen Modnerd und ich, es geographisch anzugehen: Wir wählen einfach das, von unserer Unterkunft aus gesehen, am wenigsten weit entfernte Ziel. Das ist die Hagia Sofia, und auf dem Weg zu ihr machen wir kurz Station am archäologischen Museum. Dort ist selten etwas los, es gibt keine Schlangen, und dort bekommen wir ohne Wartezeit den Museumspass, der uns in Folge bei fast allen wichtigen Sehenswürdigkeiten ein Skip the Line und freien Eintritt ermöglicht.

Sehr hybsch: Müzecard.

Sehr hybsch: Müzecard.

Hinter der Ayasofia verläuft die Soğukçeşme Sokağı, eine kleine Straße mit Holzhäusern aus ottomanischer Zeit.

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Am Ende der Holzhäuschenstraße liegen prächtige Kioske, überdachte Brunnen und der Eingang zum Teppichmuseum.

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Aber alte Flokatis interessieren Modnerd und mich nicht, wir wollen ja in die Hagia Sophia.

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Verfasst von - 4. Juni 2016 in Reisen, Wiesel

 

Athen bei Nacht

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Athen bei Nacht im November 2015, fotografiert mit der winzig kleinen Lumix TZ41. Ein weiterer Teil der grandiosen Reihe „Städte bei Nacht“ hier im Blog.

Turin bei Nacht
Genua bei Nacht
Mailand bei Nacht
Paris bei Nacht
Rom bei Nacht
Florenz bei Nacht
Venedig bei Nacht
London bei Nacht
Prag bei Nacht
Würzburg bei Nacht
Bremen bei Nacht

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Verfasst von - 1. Juni 2016 in Reisen

 

PS.Speicher in Einbeck

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Was tun, wenn man so viel Geld hat, dass man nicht mehr weiß wohin damit?Dieses Problem hat Karl-Heinz Rehkopf, der Gründer der Teppich Domäne Harste, gelöst indem er anfing alte Motorräder und Autos zu sammeln. Irgendwann sprengte die Sammlung aber jeden Rahmen: Rehkopf besaß die weltweit größte Sammlung deutscher Motorräder und beschäftigte mehrere Mechaniker, die sich nur um den Erhalt der alten Schätzchen kümmerten. Irgendwann entstand die Idee, ein Museum dafür einzurichten.

In meiner Geburtsstadt Einbeck, direkt hinter meiner alten Schule, steht ein Kornspeicher aus dem Jahr 1898. Der wurde 2012, vermutlich mit ordentlich Fördermitteln, saniert und in ein Museum ausgebaut.

Vor dem Speicher: Wie Spielzeugautos stehen hier echte Wagen in Containern.

Vor dem Speicher: Wie Spielzeugautos stehen hier echte Wagen in Containern.

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Querschnitt des alten Kornspeichers.

Querschnitt des alten Kornspeichers.

Eine Stiftung übernahm den Betrieb und bekam von Rehkopf seine Sammlung geschenkt. Und so kommt es, dass man nun in der Stadt, ohne die es kein Bockbier gäbe, Oldtimer angucken kann.

Das hier ist der Fahrstuhl(!), mit dem man in den 6. Stock fährt, um danach von oben nach unten durch das Gebäude zu schlendern.

Das hier ist der Fahrstuhl(!), mit dem man in den 6. Stock fährt, um danach von oben nach unten durch das Gebäude zu schlendern.

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Allerdings längst nicht nur Motorräder. Auch Autos sind zu sehen. Eine Sonderhalle widmet sich nur dem Rennpsort, eine Sonderausstellungsfläche zeigt historische Kleinstwagen wie das „Moppetta“. In Kürze wird zudem eine Nutzfahrzeugausstellung eröffnet. Der PS-Speicher macht seinem Namen alle Ehre, er hat kleinere Museen übernommen und zeigt deren Sammlungen auch unter seinem Dach.

Das ist OK – der PS-Speicher ist ein schönes Haus und die Ausstellung ist toll gemacht. Die Räume sind ganz unterschiedlich und passend zum Thema ausgestattet. Mal kommt man sich vor wie in einem Raumschiff, dann steht man unvermittelt in einem Wald. Schöner kann man solche Exponate kaum in Szene setzen.

Die 50er: Motorroller sind in Mode, Familien können sich ein Auto meist nicht leisten.

Die 50er: Motorroller sind in Mode, Familien können sich ein Auto meist nicht leisten.


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Verfasst von - 30. Mai 2016 in Motorrad, Reisen

 

Reisetagebuch (10): Kalt erwischt

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Im November 2015 begeben sich Modnerd und Silencer auf Reisen. Das Besondere: Modnerd hat keinen blassen Schimmer wohin es geht oder was ihn erwartet. Kontrollverlust und Überraschungen sind das Konzept dieser Reise. Dies sind die Tagebücher der beiden. Am zehnten Tag der Reise geht es weiter nach Osten.

Montag, 09. November 2015, Athen

Theoretisch könnten Modnerd und ich ausschlafen, praktisch sind wir jedoch schon um kurz vor 8 Uhr wach und auf den Beinen. Wir packen zusammen, denn heute geht es weiter. Wir werden Athen verlassen. Der Idee dieser Reise folgend weiß Modnerd selbstverständlich nicht wohin es gehen wird.

Dachgartenpenthouse über Athen.

Dachgartenpenthouse über Athen.

Nachdem wir unsere Penthousewohnung im Dachgarten des Hotel Carolina geräumt haben gehen wir erst einmal nett frühstücken, in einem Café um die Ecke. Englisches Roast enpuppt sich als knuspriger Toast mit Putenfleisch und Barbecuesauce und ist wirklich ausgesprochen lecker.

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Ich bin fasziniert davon, wie sich die Straße schon wieder verändert hat. Bei unserer Ankunft am Freitag Abend sah sie einsam und runtergekommen aus, mit den runterglassenen Rollläden voller Grafitti. Am Wochenende war sie Partymeile, auf der die Nachtschwärmer von Lokal zu Lokal torkelten. Heute Morgen hat sie sich in eine geschäftige Einkaufsstraße verwandelt, mit vielen kleinen Läden für Haushaltswaren und Wäsche.

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Etwas ziellos laufen wir durch die Innenstadt, aber das frisst auch nicht wirklich Zeit. Ich hatte Modnerd gesagt, dass wir um kurz vor 12 am Flughafen sein sollten, um das nächste Vehikel zu nehmen. Modnerd springt gerne zu Schlussfolgerungen, und wie erwartet hatte er ganz automatisch geschlussfolgert, dass wir einen neuen Mietwagen holen und weiter durch Griechenland gurken.
Dem ist aber nicht so. Würde Modnerd genau zuhören, könnte er mitrauisch werden. Aber immer wenn ich etwas kryptisch „Vehikel“ oder „Transportmittel“ sage, scheint das in seinem Kopf augenblicklich in „Auto“ umgewandelt zu werden.

Aus der Metro...

Aus der Metro…

...in den Flughafen.

…in den Flughafen.

Modnerd: Herr S. hatte schon angekündigt, dass wir in Athen nur zwei Tage bleiben würden. Dass wir zurück zum Flughafen fahren würden, um dort wieder in ein Auto umzusteigen. Am heutigen Tag ist es dann so weit: Nach einem außerordentlich leckeren Frühstück fahren wir zurück zum Flughafen. Ein bisschen neugierig bin ich ja schon, da mir nun überhaupt nichts mehr einfällt, wohin wir unsere Reise fortsetzen könnten. Das Festland haben wir irgendwie durch, die Peloponnes schon besucht – sollte es nochmal hoch in den Norden gehen? Gut, für das gesamte Griechenlanderlebnis fehlt eigentlich noch ein Inselbesuch. Leider sind die eigentlich alle sehr touristisch und ich will da ungern hin.

Flughafendach.

Flughafendach.

Silencer: Als wir am Flughafen von Athen ankommen, sage ich es sehr deutlich: Wir sind nicht hier um ein Fahrzeug zu nehmen, sondern ein Flugzeug. Das leuchtet Modnerd auch ein, weil er gleich zur nächsten Schlussfolgerung springt. Er glaubt, wir blieben in Griechenland, aber würden auf eine der Insel fliegen. Oder vielleicht in den Norden, in Thessaloniki, für sowas bietet sich ein Kurzstreckenflug an.

Nur ein Füllfoto, damit der Text von irgendwas unterbrochen wird.

Nur ein Füllfoto, damit der Text von irgendwas unterbrochen wird.

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Verfasst von - 28. Mai 2016 in Reisen

 

Reisetagebuch (9): No Posing!

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Im November 2015 begeben sich Modnerd und Silencer auf Reisen. Das Besondere: Modnerd hat keinen blassen Schimmer wohin es geht oder was ihn erwartet. Kontrollverlust und Überraschungen sind das Konzept dieser Reise. Dies sind die Tagebücher der beiden. Am neunten Tag der Reise wird Athen erkundet.

Sonntag, 08. November 2015, Athen

Athen hat bis 5 Uhr morgens Party gemacht, und das merkt man auch. Als Modnerd und ich auf der Suche nach einem Kaffee durch Monastiraki stolpern, sehen wir die Reste der Nacht: Die Straßen sind von Müll übersät, und in den Gossen vor den Bars liegen Berge von Eiswürfeln und schmelzen langsam in der Morgensonne.

In einer kleinen Bäckerei gibt es Frühstück. Direkt daneben: Diese putzige Minikirche.

In einer kleinen Bäckerei gibt es Frühstück. Direkt daneben: Diese putzige Minikirche.

Von unserem Stadtteil aus ist es nicht weit bis zur Akropolis, und obwohl der Berg erstaunlich hoch ist, ist der Weg dahin angenehm unanstrengend. Anstrengender sind die ganzen Touristengruppen, die bereits um kurz nach 9 Uhr hier unterwegs sind: 15 Busladungen zählen wir, darunter Deutsche, Italiener und jede Menge Japaner.

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Die Akropolis liegt auf der Spitze des Bergs und blickt auf Athen und das Umland hinab. Ist auch logisch. Der Begriff „Akropolis“ bezeichnet ganz allgemein eine Wehranlage auf einem Berg, nicht nur hier in Athen. Hier in Athen ist allerdings die bekannteste Akropolis, weil die Gebäude und Tempel noch so gut in Ordnung waren. Zumindest bis die Engländer kamen, aber dazu später mehr.

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Verfasst von - 21. Mai 2016 in Reisen, Wiesel

 

Alles neu…

Teurer Monat, der Mai. Aber gut, ich wusste das Anschaffungen anstanden und konnte lange drauf sparen.

In die Kategorie „unsexy, weil es nur der Erhaltung des Status Quo dient“ fällt dabei die Wartung des Motorrads. Neue Reifen und neue Bremsen kosteten viel Geld, aber an diesen Punkten KANN man einfach nicht sparen. Für sowas Geld auszugeben ist aber ungefähr so befriedigend wie Gemüse im Supermarkt kaufen.

Ebenfalls ausgetauscht: Der Tachomitnehmer, den es im vergangenen komplett zerfickt hatte und der von einem italienischen Mechaniker vorsichtig wieder in Form gedengelt wurde.

Ebenfalls ausgetauscht: Der Tachomitnehmer, den es im vergangenen komplett zerfickt hatte und der von einem italienischen Mechaniker vorsichtig wieder in Form gedengelt wurde.

More Sexy ist da schon die neue Reisekamera. Wieder eine Lumix, denn deren Fotomodus „Hand Held Nightshot“ ist für mich unverzichtbar. Sowas hat die Konkurrenz meines Wissens nach nicht.

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Es handelt sich um eine TZ61 von 2013, gebraucht gekauft. Die neueren Modelle von 2015 und 2016 haben kein GPS und machen schlechtere(!) Bilder, so dass ich bei der „alten“ hängengeblieben bin. Die ist ein ordentliches Stück größer als die TZ41, die mich bislang begleitete, und passt nicht mehr einfach so in die Hosentasche. Aber in die Jackentasche geht sie noch, immerhin.

Wenn man schon mal beim Kamera kaufen ist, warum nach einer aufhören? Die kleine Rollei Actioncam, die bislang am Motorrad saß, ist deutlich in die Jahre gekommen. Ersetzt wurde sie jetzt durch eine Garmin VIRB XE.

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Die macht nicht nur feine und besser stabilisierte Bilder, sie ist auch eine mobile Sensorphalanx, hat eine ordentliche und funktionierende Fernbedienung und vernetzt sich mit dem Garmin Navi. Das Beste: Sie ist ohne Zusatzgehäuse wasserdicht. Die Rollei musste bei jedem Regenschauer abmontiert werden, der Garmin macht das nichts aus.

Hört sich doof an, aber es stimmt: Wenn ich mit dem Motorrad unterwegs bin, laufe ich viel. Das motorisierte Zweirad bringt mich an Orte, die ich dann zu Fuß erkunde. Meist laufe ich dann in den Motorradklamotten durch Städte oder klettere damit auf Berge. Dabei kommen viele Kilometer zusammen, und das sieht man den Sohlen der Motorradstiefel an. Am Vorderfuß ist praktisch kein Profil mehr vorhanden, es bilden sich erste Löcher und Risse.

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Ansonsten sind die Stiefel noch tadellos, aber mit solchen Sohlen kann man nicht mehr fahren. Zu groß ist die Gefahr, damit schon beim Anhalten auf feuchter Straße weg zu rutschen.

Moppedstiefel sind extrem wichtig. Daran zu sparen bringt einem nur Ärger. Die Stiefel retten einem im Notfall die Extremitäten, und billige Stiefel, die nicht wasserdicht sind oder in denen man schwitzt oder friert, sind das Grauen. Leider kann man Motorradstiefel nicht einfach so neu besohlen. Also mussten die ansonsten tadellosen Alpinestars ersetzt werden.

Im Geschäft habe ich mich spontan in ein Paar Daytonas verliebt. Das sind praktisch die Apples unter den Stiefeln: Teuer, aber jeden Cent wert. Die passten auch gut, nur an einer Stelle drückten sie – und zwar ausgerechnet an dem Zehengelenk, dass im vergangenen Jahr kaputt war.

Das hat die Entscheidungsfindung stark vereinfacht, und so sind es sind es wieder Alpinestars Web Goretex geworden, das Nachfolgemodell meiner bisherigen Stiefel.

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Klobiger im Aussehen, dafür aber leichter als die alten. Ganz glücklich bin ich damit nicht, denn auch wenn die immer noch die höchste Schutzklasse haben und damit in der Sicherheitsoberklasse spielen, haben sie doch deutlich dünnere Protektoren als das Vorgändermodell.

Neu vs. Alt: Die Neuen links) haben auf der Rückseite Dehnungelemente.

Neu vs. Alt: Die Neuen links) haben auf der Rückseite Dehnungelemente.

Früher war der Reflektor in eine Lederdoppelung eingelassen...

Früher war der Reflektor in eine Lederdoppelung eingelassen…

...während er beim Nachfolgemodell auf einer Naht sitzt. Das sieht unschön und weniger wertig aus, dafür fängt er mehr Licht ein.

…während er beim Nachfolgemodell auf einer Naht sitzt. Das sieht unschön und weniger wertig aus, dafür fängt er mehr Licht ein.

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Die alten Stiefel werfe ich ungern weg. Mit denen habe ich 40.000 Km zurückgelegt, bin damit auf Berge und den schiefen Turm von Pisa geklettert, über die Expo in Mailand gelaufen und ungezählte Kilometer in Städten unterwegs gewesen. Macht´s gut, ihr treuen Begleiter…

Schließlich musste ein neuer Nierengurt her, denn der Klettverschluss des 5 Jahre alten Billig-FLMs klettete nicht mehr. Eigentlich sollte es wieder ein Billigschutz werden, denn ohne gute Jacke fahre ich ohnehin nie, da muss der Nierengurt nicht viel können. Er sollte lediglich steif sein und den Rücken ein wenig stützen.

Leider gibt es sowas momentan gar nicht mehr. Die jetzigen Nierengurte sind alle aus dünnem Neopren, manchmal mit labberigen Plastikstützen „verstärkt“. Die Alternative wäre eine Lordosenstütze, die über einen Knubbel auf der Wirbelsäule die Wirbel stützt (Das ist noch ein Zugeständnis an die Tatsache, dass Moppedfahrer immer älter werden: Es gibt orthopädisches Motorradzubehör). Auf langen Fahrten ist so eine Stütze sicherlich bequem. Ich bin bloß nicht ganz sicher, ob das im Falle eines Sturzes wirklich der Weisheit letzter Schluß ist, ausgerechnet auf der Wirbelsäule einen Knubbel zu tragen.

Zum Glück gibt es gerade etwas neues von Rukka. Der finnische Qualitätshersteller hat seit einigen Wochen einen Steißbeinprotektor im Programm. Das Ding ist ein dünner Nierengurt aus Outlast-Material, das Wärme speichert und bei Kälte wieder abgeben kann.

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In einer Netztasche auf der Rückseite steckt ein Protektor, der die untere Wirbelsäule schützt.

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Der Protektor ist aus D30 Material. Das Zeug fühlt sich an wie Knete und ist so elastisch, dass man es nicht am Körper spürt. Im Falle eines Aufpralls wird es schlagartig fest und schützt dadurch. Die orange Knete erreicht nicht so gute Dämpfungswerte wie die Schaum- und Gelprotektoren im Rest des Motorradanzugs, aber als zusätzlicher Schutz ist das ok.

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So, und was will uns der Herr Silencer mit dem ganzen Sermon sagen? Ganz einfach: In einigen Wochen geht es wieder auf die Straße. Wieder fast einen Monat lang auf dem Motorrad durch Europa. Das sind die Vorbereitungen darauf, und man, bin ich schon vorfreudig.

 
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Verfasst von - 15. Mai 2016 in Motorrad, Reisen

 
 
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