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Archiv der Kategorie: Reisen

Reisetagebuch Städtetour 2018 (1): Die Lady Verona

Freitag, 09. Februar 2017
Der Wecker klingelt. Ich öffne ein Auge und schiele auf´s Display.
4:45 Uhr.
Unfair.
Aber ich habe es ja nicht anders gewollt.

Um 5:00 Uhr stehe ich auf, schiebe mir die Zahnbürste zwischen die Zähne und kleide mich an. Dann regele ich die Heizung der Wohnung runter und schalte alle Sicherungen aus. Das Wiesel hebt kurz den Kopf und guckt mich desinteressiert an, dann rollt es sich wieder zusammen und schnarcht weiter. Winterschlaf muss toll sein. Ich schultere den Reiserucksack, dann ziehe ich die Haustür ins Schloss und trete hinaus in die Kälte.

Als ich das Haus verlasse, schlage ich den Kragen der Jacke hoch und ziehe die Mütze über die Ohren. Es ist kalt. Schweinemäßig kalt, in den letzten Tagen hatten wir minus 10 Grad, und das tagsüber, nachts fielen die Temerperaturen noch viel tiefer. Jetzt sind es „nur“ minus sieben Grad. Autos, Gehwege und Bäume sind weiß übergefroren.

So geht das schon seit Wochen. Es ist alles kalt und dunkel. Ich neige nicht zu Winterdepressionen, schon gar nicht wenn ich ständig beschäftigt bin. Und in den letzten Monaten war wirklich viel zu tun. Jetzt ist mir nach Abwechselung. Statt Arbeit bitte Kultur, statt kalt und dunkel zumindest etwas Sonne und frische Luft. Was bietet sich da besseres an als eine kleine Städtereise?

Der Bus bringt mich direkt bis zum Bahnhof, und kurz darauf sitze ich im ICE nach München. Die Welt, die am Fenster vorbeizieht, ist wie erstarrt. Oder wie eingefroren. Auf den Feldern liegt Schnee, Bäume sind mit Rauhreif überzogen.

Bei Fulda wird es langsam hell, aber die blasse Wintersonne schafft es nicht durch die Wolkendecke. Das Licht bleibt fahl und die Welt farblos.

Ich dämmere ein. Müdigkeit ist ohnehin gerade mein ständiger Begleiter. In den letzten Tagen habe ich mich beim Aufstehen schon darauf gefreut wieder nach Hause zu kommen, um dann früh ins Bett gehen zu können. Eine Art von Wintermüdigkeit, so energielos wie die fahle Welt da draußen bin auch ich.

Erst kurz vor München werde ich wieder wach. Hier habe ich eine Stunde Aufenthalt. Ich wandere auf dem kalten Bahnsteig herum und versuche die Zeit rumzukriegen. Ein italienischer Markt steht in der Vorhalle und verkauft Spezialitäten aus Südtirol und dem Aostatal. Käse, Wurst, Schinken.

Eine Werbung fällt mir ins Auge. Ein Süßigkeitenhersteller wirbt mit einem muslimischen Model. Gefällt mir. In einer Zeit, in der die rechtsradikale AFD im Bundestag sitzt und Hetze gegen Muslime zur Normalität zu werden scheint, begrüße ich solche eindeutigen Zeichen. Und sei es nur von einer Süßwarenfirma.

Als der Eurocity endlich in den Bahnhof einfährt, bin ich froh. Endlich wieder sitzen und weiterdämmern. Gott, bin ich müde.

Der Eurocity über die Alpen wird mittlerweile von der ÖBB betrieben. Wie so viele Verbindungen, die die Deutsche Bahn nicht mehr wollte. Das Unternehmen hat sich in den vergangenen Jahren von allem möglichen getrennt: Autozüge, Nachtzüge, Eurocities… das alles gibt es nicht mehr, zumindest nicht von der Deutschen Bahn. Damit geht auch eine besondere Kultur des Reisens verloren. Früher stieg ich in München in den Nachtzug, legte mich ins Bett, und war am kommenden Morgen südlich der Alpen. HEUTE verfrachtet einen die Deutsche Bahn in einen DB-Fernbus, der einen sitzend über den Brenner fährt und viel länger braucht. Was soll sowas?

Immerhin: Einige Strecken hat die Österreichische Bundesbahn übernommen, und darüber bin ich gerade mal wieder sehr glücklich. Der Eurocity, in den ich nun einsteige, ist zwar alt, aber gut gewartet und bequem.

Die Fahrt geht zuerst nach Rosenheim, quasi einem Vorort von München. Dann geht es über Kufstein und Insbruck in die Alpen.

Skifahrer steigen ein und aus und haben Probleme ihr Sportgerät zu bugsieren, alle naselang fällt ein Bündel Skier um oder ein Rucksack aus der Gepäckablage. Ich sitze am Fenster, höre Podcasts und schaue dabei zu, wie vor dem Fenster eine aufregend bergige Landschaft vorbeizieht.

Gegen Mittag fährt der Zug über den Brenner. Ich mag die Strecke über den Brenner ja sehr, und das ist jetzt das erste Mal, dass ich sie mit dem Zug und bei Tageslicht fahre und wirklich Zeit habe mir die Landschaft anzusehen.

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Verfasst von - 21. April 2018 in Reisen

 

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Frühere Meisterwerke der Videokunst

 
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Verfasst von - 17. April 2018 in Reisen, Trailer

 

Reisetagebuch London (11): Goldbarren, Custard und das Rennen nach Hause

Die kleine Reise nach London ist fast vorbei. Heute gibt es nur noch einen Geburtstagsapfelkuchen, ich hantiere mit Goldbarren rum, laufe 30 Kilometer durch die Stadt und mache mich dann auf den Weg nach Hause – was sich aber unerwartet schwierig gestaltet und in ein Abenteuer mit einer Wanderdüne ausartet.

Samstag, 11. Februar 2017
Der Tag beginnt frustig – es ist Wochenende, und Transport for London, die Behörde, die für Busse und U-Bahn zuständig ist, hat die wichtige „Circle Line“ der U-Bahn für Wartungsarbeiten stillgelegt. Statt 10 Minuten brauche ich fast eine Stunde, bis ich endlich bei Speedys bin.

Wer Besitzer Chris kennt, weiß, dass Speedy sein Spitzname ist – und pure Ironie. Denn Chris ist vieles, der Schnellste ist er aber nicht. Er nimmt sich gerne viel Zeit, und hat mir schon mal die Vorzüge von langsam gebrauten Café auseinandergesetzt und für diese Erklärung gute drei Minuten gebraucht – länger als besagter Kaffee. Rasend schnell sind aber seine Angestellten, die einem in Rekordzeit Frühstück zaubern.

Heute gibt es den „Full Monty“, ein komplettes Frühstück inkl. „Black Pudding“, gebratenem Kartoffelpüree, Bohnen, Speck, Ei und einer sorgfältig getöteten Tomate, die als Alibi für Gemüse herhalten muss.

Black Pudding ist wohl sowas wie gebratene Blutwurst. Kannte ich beides nicht, weder den Schwarzen Pudding noch Blutwurst, deshalb musste ich das jetzt mal probieren, weil ich mich schon beim Gedanken an eingekochtes Blut ekele. Aber warum reist man? Um neue Dinge kennen zu lernen und sich Sachen zu stellen, die man normalerweise nicht machen würden. Um sich zu überwinden. Erstaunlicherweise schmeckt der Blutpudding dann aber nicht so schlimm wie erwartet. Nochmal brauche ich das aber auch nicht.

Danach gibt es noch einen Geburtstagsapfelkuchen mit Custard, und weil ich diesmal um die Gefährlichkeit der klebrigen Vanillepuddingsauce weiß, halte ich sie weit von meinem Telefon entfernt.

…to me!

Danach laufe ich durch südlich gelegene das Univiertel und bewundere mit mildem Interesse die alten Bauwerke.


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Verfasst von - 14. April 2018 in Reisen

 

Reisetagebuch London (10): Im Wohnzimmer der Windsors

Im Februar 2017 sind Silencer und das Wiesel in London unterwegs. Heute machen die beiden einen Ausflug nach Außerhalb.

Freitag, 10. Februar 2017
Nach einem schnellen Frühstück, dass die fleissigen Polinnen im Keller des Belvedere gezaubert haben, stehe ich um kurz vor Acht am Bahnsteig 3 vom Bahnhof Paddington.

Ein Zug der „First Grand Union“ rollt ein. Der Name ist irritierend, denn auch auf jeder Tür an den Wagen steht er mal dick „FIRST“ – was es schwer macht zu sehen, ob es sich jetzt um ein First-Class-Wagen oder um die zweite Klasse handelt. Das sich Bahngesellschaften heutzutage überhaupt noch die erste Klasse leisten und damit den Luxus, mehrere Wagen praktisch leer durch die Welt fahren zu lassen, will mir ohnehin nicht in den Kopf. Und in England schon mal gar nicht, denn hier sind die Ticketpreise ohnehin irre teuer. Auch das sind Folgen der Privatisierung: Teure Tickets, trotzdem kaputtes Bahnnetz.

Der Zug bringt mich ins 15 Minuten entfernte Slough.

Hier muss ich umsteigen, und nach weiteren 10 Minuten bin ich in der Grafschaft Berkshire, im Ort Windsor.

Der Bahnhof liegt in einer beeindruckenden, weil viktorianischen, Shoppingmall. Schon seltsam,in der schmiedeeisernen Konstruktion moderne Geschäfte zu sehen.

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Verfasst von - 7. April 2018 in Reisen

 

Reisetagebuch London (9): Der traurigste Teddy der Welt

„…seit 64 Jahren ist er ganz allein. Der Bär sitzt einsam in einer Glasvitrine, weil er einmal einem Genie gehörte. Ob er seinen menschlichen Begleiter vermisst? Natürlich nicht, er ist nur ein Stück Stoff und Holzwolle. Und trotzdem spüre ich wie mir jetzt, beim Aufschreiben seiner Geschichte, Tränen in die Augen steigen. Ich habe eine Schwäche für Teddybären, die beste Freunde für ihre menschlichen Begleiter waren.“

Unterwegs in London und Umgebung. Heute gibt es einen Ausflug nach Bletchley Park, ich bin erstaunt über die Rolle der Frauen und am Ende des Tages wird die Frage beantwortet: What could possibly go wrong? (Spoiler: Fucking everything)

Mittwoch, 8. Februar 2017

Was Engländer gut können: Schlange stehen. Wirklich, niemand beherrscht das so wie die. Es gibt meistens eine Schlange vor mehreren Kassen, und wenn eine Kasse frei wird, geht der erste in der Schlange da hin.

Sowas versucht in Deutschland zum Beispiel auch Saturn, scheitert aber zumindest in unserer lokalen Filiale daran, dass ausgerechnet das Personal das System nicht kapiert – sobald niemand an ihrer Kasse ansteht, drehen sich die Kassiererinnen weg, spielen an ihren Handys rum oder verstecken sich im Personalbereich. Kein Witz.

In Deutschland haben wir ja meist mehrere Kassen mit jeweils eigenen Schlangen. Wird eine zusätzliche Kasse geöffnet, dann setzt in Deutschland eine Stampede ein: Von allen anderen Kassen stürzen Leute nach vorne, für kurze Zeit herrscht das Recht der Stärkeren und Schnelleren, Hauen und Stechen, und wenn sich der Staub gelegt hat, triumphieren die Sieger über die Besiegten, dann müssen die Alten und Schwachen ihren Platz in der Rudelordnung anerkennen.

Nicht so in England, hier gehen ganz selbstverständlich die, die an den anderen Kassen weit vorne standen, auch als erstes an die neue Kasse, ohne Diskussion und ohne Kampf.

Was Engländer nicht können: Geradeaus laufen. Das scheitert in London schon daran, dass eigentlich auch Fußgänger sich an den Linksverkehr halten müssen, die Regel aber in sich aufgeweicht ist (auf der Rolltreppe wird recht gestanden und links überholt, wie bei uns) und dazu die rechtsorientierten Touris alles durcheinanderbringen.

Ich verdrehe die Augen, als vor mir eine die Rolltreppe zum Bahnhof entlangstolpert. Kurz darauf sitze ich in einem Zug nach Norden. Ich mache ja gerne Tagesausflüge in die Umgebung wenn ich auf Städtreisen bin.

Von Rom aus ist man mit dem Zug schnell in Neapel, von London aus ist man fix in Stonehenge oder… Bletchley Park. Muss man nicht kennen, ist aber ein sehr bedeutender Ort in der kleinen Stadt Milton Keynes, rund 70 Kilometer nordwestlich von London. Auf dem Weg dahin kommt man durch Watford Junction, wo ich im vergangenen Jahr die Leavsden Studios besucht habe.


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Verfasst von - 31. März 2018 in Reisen

 

Reisetagebuch London (8): Zwei Madames

Dienstag, 07.Februar 2017

Es ist kurz vor neun, und ich wandere die Straßen nach Marleybone entlang. Das Viertel ist null touristisch, hier passiert einfach das ganz normale Vormittagsleben einer Großstadt. Menschen kaufen ein, gehen ihren Geschäften nach, manche vertreiben sich die Zeit.

Wenig später komme ich an der Baker Street vorbei, deren bekanntester nicht existenter Bewohner auf einem Denkmal verewigt ist.

Er bewacht zudem einen unterirdischen Fußgängertunnel, der etwas anders aussieht als ein normaler Tunnel.

Auf der anderen Seite des Tunnels liegt ein großer Gebäudekomplex mit einer skurrilen, riesigen Kuppel.


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Verfasst von - 24. März 2018 in Reisen, Wiesel

 

Neun Dinge, ohne die ich nie verreise

Ich habe schon ewig nicht mehr bei Aktionen in der Blogcommunity mitgemacht. Heute ist es mal wieder soweit: Bei Marco von Blindschleiche.ch bin ich auf die Blogparade von 2ontheGo.de aufmerksam geworden. Thema: 9 Dinge, die nicht selbstverständlich sind (wie Reisepass o.ä.) und die mit auf jede Reise kommen.

Einige Dinge, die mir wichtig sind (Ersatzbrille! Zweitschlüssel! EBookreader!“) sind in der Blogparade schon häufig genannt worden und deshalb hier nicht vertreten, obwohl sie recht weit oben auf meiner Liste rangieren. Übrig bleiben diese neun Dinge, ohne die ich nicht aus dem Haus gehe. Zumindest nicht für mehrere Tage.

Bei mir sind das:

1. Smartphone mit Hülle

Hört sich trivial an, aber das ist mein allerwichtigstes Reiseutensil. Im Gerät selbst sind Landkarten, Reiseführer, Buchungen, Eintrittskarten, Zugriff auf den Heimserver, es ist Kommunikationsmittel usw.

Die Hülle ist keine spezielle Hülle, einfach eine ganz simple aus Leder, ohne Magnetverschluss. Darin ist mein Personalausweis, eine Kreditkarte, medizinische Kontaktdaten und ein Organspendeausweis. Hört sich doof an, aber: Man darf mir alles klauen, Gepäck, Motorrad, Portemonnaie… so lange ich noch das Smartphone, Kreditkarte und Ausweis habe, bin ich noch handlungsfähig.

2. Ohrenstöpsel

Niemals ohne! Brauche ich praktisch ständig, deshalb habe ich immer mehrere Paare Ohropax dabei. Ja, ich bin ein Ohrenbär. Mich nervt schon das Ticken einer Uhr im Zimmer. Zusammenrollen, in den Gehörgangstecken, warten,… Ruhe.

3. Müll- und Gefrierbeutel

Vergesst die teuren Kompressionsbeutel der Outdoorhersteller, Müllsäcke tun es genauso und sind viel leichter! Wäsche rein, Luft raus pressen, schon sind die Klamotten wasserdicht verpackt, nehmen weniger Platz ein und sorgen für Ordnung im Rucksack. Außerdem kann man die als alles mögliche verwenden, sogar um Müll rein zu tun! (vorher Wäsche entnehmen)

Die Gefrierbeutel haben einen Ziploc-Verschluss und sind perfekt geeignet für Kleinteile wie Speicherkarten, Kabelgedöns oder Hygieneartikel.

4. Mehrfachstecker

Es gibt nie genug Steckdosen. NIE. Dieser superkleine und -leichte Stecker von Kopp mit selbst abgeschliffenen Kanten macht aus einer Steckdose drei. Der landesspezifische Reiseadapter hinten drauf fällt gar nicht weiter auf.

5. Selbstaufrollende Multikabel

Für jedes Dingelchen muss man ein Ladegerät mitschleppen, und jedes Gerät will ein eigenes Kabel, die sich im Reisegepäck unentwirrbar verknoten. Mit den Multikabeln passiert das nicht. Sie bringen Mini-USB-Anschluss, Mikro-USB und Lightningstecker mit und ersetzen damit bis zu drei Kabel. Nach der Benutzung zupft man kurz dran, zack, rollen sie sich von selbst auf. Sehr cool.

6. Spork

Wenn ich unterwegs bin, halte ich mich oft nicht lange mit Essen auf. Das Schälchen Tabouleh oder kalte Fertigsuppe aus dem Supermarkt reicht mir, dafür brauche ich den Löffel-Gabel-Hybriden.

7. Reiseapotheke

Nie ohne Reiseapotheke. In dem kleinen Beutel sind sorgfältig ausgesuchte Zutaten für fast jede Situation, u.a. Blasenpflaster, Wundverschluss, Aspirin, Antikotz, Antidurchfall, und einiger exotischerer Kram wie ein Stichheiler. Damit kann ich vom Pickel über einen Sonnenstich bis hin zum Haifischbiss alles verarzten.

8. Schallzahnbürste

Ich lege sehr viel Wert auf Zahnhygiene. Allerdings neige dazu, mir mit normalen Handzahnbürsten das Zahnfleisch kaputt zu machen. Zu Hause habe ich daher eine elektrische Zahnbürste mit mechanischem Bürstenkopf, die ist für Reisen aber viel zu groß und zu schwer. Für unterwegs begeistert mich seit neuestem eine Schallzahnbürste von NewGenMedicals. Kaum größer als die manuelle Klappzahnbürste ich ich vorher hatte, nur 45 Gramm leicht, Aufladung per Mikro-USB-Anschluss. Eine Akkuladung hält über einen Monat(!).

Der Bürstenkopf vibriert 28.000 Mal in der Sekunde – die Zähne werden damit ordentlich sauber, und das Zahnfleisch bleibt heil. Und für 16 Euro ist das Ding praktisch geschenkt.

9. Nagelschere

Eine zusammenfaltbare Nagelschere von Coghlans, mit der man alles schneiden kann. Auch Klebeband, lose Fäden, den eigenen Bart, fremde Bärte, Verpackungen, you name it. Hat bislang auf Flügen keine Probleme bereitet, und selbst wenn: Für knapp 6 Euro wäre das ein lässlicher Verlust.

 

 
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Verfasst von - 20. März 2018 in Reisen

 

Reisetagebuch London 2017 (7): Verwunschenes Grün

Durch ein literarisches Stilmittel machten Silencer und das Wiesel einen Zeitsprung von London im Februar 2016 in den Februar 2017. Heute wird Klein-Venedig besucht, verwunschene Ecken entdeckt und Bridget Christie sagt über den Brexit: „Ihr habt das so gewollt“. Außerdem: Pinguine! Kängurus! Und Babyflußpferde!!!

Montag, 06. Februar 2017, London

Aua-Aua-Aua was ist DAS denn?
Meine Füße tun weh! Als ich sie aus dem Bett schwinge und in Kontakt mit dem Teppich komme, brennt es an den Fußsohlen – ich kann kaum auftreten. Ein Blick auf die Unterseite der Füße verrät was hier los ist: Ich habe an beiden Fußballen riesige Blasen. So riesig, das beide schon aufgegangen sind. Igitt.

Ich weiß auch woher das kommt. Ich habe gestern 8 Stunden in überheizten Zügen gesessen, die Füße die ganze Zeit in geschlossenen Schuhen. Sicherlich waren dann die Socken zumindest leicht feucht, und die Haut an den Füßen dadurch ganz weich.

Und was mache ich Depp? Anstatt bei meiner Ankunft im Hotel mal die Schuhe auszuziehen oder die Socken zu wechseln bin ich dann direkt fast 20 Kilometer durch das nächtliche London spaziert. Klar, dass ich mir dabei den Fußballen in Fetzen gelaufen habe.

So ein Mist. Ich krame im Rucksack nach der roten Tasche mit der Reiseapotheke. Darin sind Blasenpflaster. Habe ich bislang selten gebraucht, aber immer dabei. Ich puhle die Folie ab und lege sie über die offenen Stellen. Sofort verbindet sich das Pflaster mit der Haut und wird fast unsichtbar. Es versiegelt die Blase nicht nur, sondern wird auch die Heilung unterstützen.

Eigentlich ist es kein richtiges Pflaster, sondern eine dicke, labberige, klebrige Folie, die mit einem Gel gefüllt ist. Das Gel besteht zum Großteil aus Wasser, ist luftdurchlässig und fast unsichtbar:

Die Stellen mit den Blasen ist jetzt geschützt und belastbar. Nach ein paar Tagen wird das Pflaster weiß werden und abfallen, vielleicht wird dann schon alles verheilt sein.

Vorsichtig mache ich ein paar Schritte. Doch, das wird gehen.

Direkt hinter meinem Hotel am Norfolk Square liegt der Bahnhof Paddington. Der ist umgeben von einer Betonwüste. Das große St. Marys Hospital ist hier, aber auch Bürokomplexe und Hochstraßen. Der Bahnhof ist kaum zu sehen: Direkt vor die prächtige Brunel-Front des Bahnhofs hat man ein Hilton-Hotel gebaut und ihn so in die zweite Reihe zurückgedrängt. Wirklich, der Bahnhof ist praktisch nicht mehr zu sehen und nur über eine lange, hässliche Rampe an der Seite des Hotelgebäudes zu erreichen.

Das klotzige Hilton (links) verdrängt den Bahnhof.

In London wird halt jeder nutzbare Quadratmeter bebaut. So ist es fast ein Wunder, dass es bis heute das Paddington Basin gibt. Das ist ein schmaler Kanal an der Seite des Bahnhofs, an dem Hausboote liegen.

Es ist ein sonniger, kalter Morgen. Besser geht es im Februar kaum. Der Atem der Jogger, die am Kanal entlanglaufen, kondensiert in der Winterluft. Ich jogge nicht, ich spaziere nur den Kanal entlang und sauge die Atmosphäre ich mich auf. Alles hier ist groß und anders und ich bin neugierig, was mich hinter der nächsten Ecke wohl erwartet.

Nach einem guten Stück führt der Wassergraben unter einer den riesigen Stützpfeilern einer Hochstraße hindurch. Dahinter weitet er sich zu einem See, der aus der Kreuzung zweier Kanäle entstanden ist. Am Ufer recken Bäume ihre kahlen Zweig ein den blauen Himmel. Hier sieht es aus wie in einem Park. Die Wohnhäuser dahinter sind kleiner. Fast wirkt es wie ein ganz andere Stadtteil: Eben noch Betonmoloch, hier alte, englische Wasserstraßen und Stadthäuser aus der Gründerzeit.

An der Seekreuzung liegen weitere, bunte Hausboote, sorgfältig restauriert und liebevoll bemalt. An manchen stehen noch Dinge wie „Wasserbus London“. Die Schrift lässt vermuten, dass der Einsatz als Bus im 19. Jahrhundert stattgefunden haben muss. Was diese Boote in den vergangenen 150 Jahren alles gesehen haben müssen!

Das hier ist „Little Venice“, was sich nur jemand ausdenken konnte, der noch nie in Venedig war. Stattdessen hat das hier mehr von niederländischen Städten, in deren Grachten ja manchmal auch Boote liegen sollen.


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Verfasst von - 17. März 2018 in Reisen, Wiesel

 

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Reisetagebuch: Das Omaschaf und der vergessene Luxuszug

März 2018: Unterwegs in Frankfurt Oder/und Słubice. Dabei treffe ich auf Touristenmöwen, einen sprachlosen Stadtführer und finde das Denkmal der Wikipedia.

Neulich saß ich in einem Zug. Der hielt in Berlin. Zum Glück fahren da ganz viele Züge ganz schnell wieder weg.

Einen davon nahm ich und fuhr damit nach Frankfurt. Aber nicht das Frankfurt am Main, das jeder kennt, sondern das andere Frankfurt. Das an der Oder, wo niemand jemals hinkommt. Das liegt eine Bahnstunde östlich von Berlin. Das ist soweit im Osten, dass es schon fast Polen ist.

Frankfurt an der Oder ist nicht besonders groß. Eigentlich ist es sogar recht klein, es hat gerade mal knapp 60.000 Einwohnerinnen und Einwohner. Die Stadt ist recht jung, gerade mal 700 Jahre alt.

Backsteingothik und Plattenbau sind die vorherrschenden Baustile und mittendrin steht, wie ein gerade gelandetes UFO, eines dieser Standard-Einkaufszentren, die sich überall finden und die nirgendwo hinpassen. One Size fits none.

Die Straßen und Plätze in FF sind ausladend breit, tragen Namen wie „Karl-Marx-Straße“ und zeigen deutlich, dass dieses Frankfurt in der DDR aufgewachsen ist.


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Verfasst von - 13. März 2018 in Reisen

 

Reisetagebuch London 2016 (6): Das Herz des Empire ist eine Bruchbude

Im Februar 2016 sind Silencer und das Wiesel in London unterwegs. Heute geht es mit mir rapide bergab, das Empire zerfällt und der Quantensprungzeitbeschleuniger des Blogs wird für billige literarische Kniffe missbraucht.

Freitag, 12.02.2016
Die Erkältung hat mich jetzt voll erwischt. Ich bekomme die verquollenen Augen kaum auf, die Nase ist zu und die Stimme weg. In meinem Kopf ist eine Rotte Zwerge mit Presslufthämmern am Werk und meißelt mein Hirn in die Wandung des Schädels. Ich rolle mich aus dem Bett und muss mich am Schreibtisch abstützen. Gut, dass das Zimmer so klein ist, hier kann ich nicht umfallen.

Ich schleppe mich zum Rucksack und wühle den roten Stoffbeutel mit der kleinen Reiseapotheke heraus. Nasenspray stoppt den steten Schleimfluß und macht ein Durchatmen möglich, Aspirin wird gegen die Kopfschmerzen helfen, und Salbeibonbons wirken gegen den schlimmsten Hustenreiz.

So aufmedikamentiert mache ich mich auf dem Weg nach Westminster, genauer: Zum Palast von Westminster.

Den Uhrenturm des Palasts mit Big Ben, der berühmten Glocke mit dem markanten Klang, kennt jeder.

Sieht man aus der Entfernung kaum: Der Uhrenturm ist ein über und über verziertes, prächtiges und sehr teures Bauwerk.

Den Palast hinter dem Uhrenturm zu besuchen gelingt aber den wenigsten. Er ist eine Ansammlung von Hallen, Kammern, Gängen und Gebäudeflügeln, in die man als Normalsterblicher kaum reinkommt.

Selbst ich habe noch Probleme als ich durch die Sicherheitsschleuse am Cromwell Green, dem nördlichen Palasteingang, will. Zwar kann ich eine Eintrittserlaubnis vorweisen, aber den Beamten an den Metallscannern kommt es komisch vor, dass ihre Geräte nicht anschlagen als ich hindurchgehe. Ja, wieso auch? Jacke und Rucksack gehen separat durch eine Röntgenanlage, und alles, was ich dann noch am Leib habe, ist aus Kunststoff. Absichtlich.

Genau wegen dieser ganzen Securitychecks habe ich mir einen Gürtel und eine Uhr aus Kunststoff zugelegt, damit ich nicht dauernd… „Sir, bitte legen Sie Gürtel und Uhr ab und ziehen Sie die Schuhe aus“, sagt der Sicherheitsmann.

Ja, genau DESWEGEN trage ich den Kunststoffkram, damit genau das nicht passiert und ich mich dauernd an- und ausziehen muss. Angesäuert pfriemele ich den Gürtel aus der Hose und hüpfe auf Socken vor den Sicherheitsleuten rum. Unwürdig, dieses Theater.

Kurz darauf bin ich wieder angekleidet und betrete eine hohe, offene und sehr kalte Halle.

Cromwell Green und Westminster Hall.

Das ist Westminster Hall, die große Empfangshalle des Palastes. Die erinnert mich spontan eher an die Halle von Wikingern oder eine dieser großen Versammlungshallen aus „Game of Thrones“ als an einen Palast. Damit liege ich auch gar nicht so daneben, lese ich später. Westminster Hall ist der älteste Teil des Komplexes und fast 1.000 Jahre alt, sie datiert auf das Jahr 1.097. Das ist von den Wikingern nicht weit weg. Wahnsinn.


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Verfasst von - 10. März 2018 in Reisen

 

Reisetagebuch London 2016 (5): Custard. Geschüttelt, nicht gerührt.

Donnerstag, 11.02.2016
Uh, was ist das denn? Warum tut mein Gesicht weh? Bäh, und die Nase läuft. Mist, ich habe mir eine Erkältung gefangen.

Ich werde ja selten krank, deshalb kommt das jetzt etwas überraschend. Hätte ich auch nicht unbedingt gebraucht, so mitten im Urlaub. Etwas wackelig auf den Beinen tappe ich zum Frühstücksraum. Das der im Keller des Hotels liegt, mein Zimmer aber unter dem Dach, und dazwischen 152 schmale und schiefe Stufen liegen, macht die Sache nicht besser.

Ich stehe vor der Tür und schaue den fleißigen Polinnen zu, die darin Spiegelei mit Bohnen zubereiten. Das Frühstück im Hotel ist wenig, aber kostenlos. Ich überlege einen Moment, dann drehe ich um und laufe zum Bahnhof Paddington hinüber. Heute möchte ich mir was gönnen, deshalb setze ich mich in die U-Bahn und fahre bis zum Euston Square. Dort frühstücke ich bei Speedys. Ein echtes Full English Breakfast mit Würstchen, Speck, Bohnen, Ei und mit Kaffee, viel besser als im Hotel.

Aus irgendeinem Grund liegt auch eine gekochte und gehäutete Tomate auf dem Teller, aber das passt ins Bild. Engländer kochen alles, bis jeglicher Geschmack und alle Vitamine sorgfältig vernichtet sind.
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Verfasst von - 3. März 2018 in Reisen, Wiesel

 

Reisetagebuch London 2016 (4): Zauberhaft

Mittwoch, 10. Februar 2016, London
Wenn ich für eine Woche in einer Stadt bin, nehme ich mir gerne einen Ausflug nach Außerhalb vor. Von Florenz aus kommt man mit der Bahn gut nach Vinci, von Paris ist man schnell in Versailles, und von London aus ist man mit der Midland Bahn* vom Bahnhof Euston aus in 20 Minuten in Watford Junction.

Watford Watt? Gut, das muss man jetzt nicht kennen, lange bleiben die meisten Besucher dort eh´ nicht. Watford Junction hat viel Publikumsverkehr, aber die meisten Besucher sehen vom Ort gar nichts. Sie steigen aus dem Zug und direkt in einen der großen Busse auf dem Bahnhofsvorplatz, die von oben bis unten mit „Warner Bros.“-Motiven beklebt sind. Die bunten Busse fahren in das 10 Minuten entfernte Leavsden.

Leavsden? Das sagt Filmfreunden was! Hier steht schon lange ein Filmstudio. Das wurde in den 90ern so richtig groß, als George Lucas hier Teile der Star-Wars-Prequels drehen ließ. Dann siedelte sich die Produktion der Harry-Potter-Filme hier an. Für die wurden ganze Hallen neu gebaut, und als 2010 der letzte Harry-Potter-Film abgedreht war, ließ Warner Bros. die Gebäude stehen, dekorierte ein wenig um und machte sie dann der Öffentlichkeit zugänglich.

Die gesamten Filmstudios aus der Luft.

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Verfasst von - 24. Februar 2018 in Reisen, Wiesel

 

Reisetagebuch London 2016 (3): Die seltsame Begegnung mit der Frau in der Nacht

Im Februar 2016 sind Silencer und das Wiesel in London unterwegs. Heute geht es in den Park, das Wiesel boxt mit einem Schwan und lernt eine Bombe zu lieben und eine Frau will kein Eis von mir.

Dienstag, 09.02.2016
Wenn man vom Norfolk Square, wo ich gerade wohne, rechts um die Ecke geht, kommt man zum Bahnhof Paddington. Geht man links rum, landet man im Hydepark. Der ist riesig, zusammen mit dem anschließenden Kensington Garden ist die Grünfläche größer als Monaco.

Hyde Park. Ja, der ist ganz schön groß.

Hier wandere ich durch den Morgennebel und bin an allen Ecken überrascht von der Vielfalt der Flora und Fauna. Eichhörnchen hüppeln durch Gebüsch, überall hocken verschlafen aussehende Wasservögel. Das erklärt die Möwenschreie, die ich manchmal nachts höre. Das ist voll die Wildnis hier!

Berühmt ist der Hyde Park ja wegen der Speakers Corner. In der darf übrigens jeder zu jeder Zeit über FAST alles öffentlich reden. Was man hier nämlich nicht macht: Reden über die königliche Familie schwingen, die ist tabu.

Wildhund.

Hm, ja, mit dem Namen hat man es auch nicht leicht, oder?

Mitten im „Serpentine See“ baden alten Männer, bei Lufttemperaturen knapp über Null Grad. Das Wiesel versucht mit einem Schwan zu spielen, aber der ist nicht zu Scherzeken aufgelegt. Als ich weiter gehe, höre ich hinter mir die typischen Geräusche eines No-Nonsense Schwans, der zum Angriff übergeht.


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Verfasst von - 17. Februar 2018 in Reisen, Wiesel

 

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Reisetagebuch London 2016 (2): The Full Monty

Im Februar 2016 sind Silencer und das Wiesel in London unterwegs. Heute fällt Karneval aus, was aber niemand bemerkt, es gibt eine Tour durch Dungeons und Museen, und am Ende des Tages steht Nudelsalat.

Montag, 08. Februar 2016
Es stürmt das ganze Wochenende durch, und auch am Montag ist es windig. Aber nicht nur in London, auch auf dem kontinentalen Festland stürmt es. Die Natur verhindert damit in Deutschland eine von Menschenhand geschaffene Katastrophe: Den Karneval. Der fällt wegen des Wetters aus.

Aber das kümmert in London niemanden. London ist ohnehin Hauptstadt von Geh-mir-nicht-auf-den-Sack-Land. Bestes Beispiel: U-Bahn. Londoner unterhalten sich nicht in der Tube. Unterhalten tun sich nur Touristen. Der Londoner sitzt da und macht die Augen zu, liest Zeitung oder notiert handschriftlich Dinge in seinem, Leder gebundenen, Organizer. Mitreisende werden ignoriert und nicht mal angesehen.

Das macht sich auch in den U-Bahnhöfen bemerkbar: In keiner anderen Stadt kollidiere ich so oft mit Leuten. Der Trick ist nämlich, ganz deutlich in die Richtung zu gucken, in die man tatsächlich gehen will. Schaut man links oder rechts an ihnen vorbei, nehmen andere Menschen nehmen das unbewusst wahr und gehen aus dem Weg. Das ist ein ganz unbewusster Vorgang, eine zwischenmenschliche Kommunikation, die wir gar nicht bewusst mitbekommen- außer, wenn das System mal nicht funktioniert. Das ist z.B. dann der Fall, wenn wir uns versehentlich direkt angucken – zack, stehen wir plötzlich voreinander und trippeln anch links und rechts und sind verlegen. Das „Ich guck an Dir vorbei und du bemerkst das“ klappt eigentlich überall – nur in London nicht, weil die Leute hier einander nicht ins Gesicht sehen. Jeder ist ganz in seiner eigenen Welt. Es ist, als sei man von Geistern umgeben.

An der Haltestelle Embankment spuckt mich der Underground an die Oberfläche. Ein kurzer Spaziergang über die Golden Jubilee Brücke und vorbei am London Eye, dem Riesenrad, dann stehe ich vor der ehemaligen County Hall. Das riesige Gebäude direkt an der Westminster Bridge wird heute nicht mehr von der Verwaltung genutzt. Es beherbergt verschiedene Geschäfte, ein Aquarium und den London Dungeon.


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Verfasst von - 10. Februar 2018 in Reisen, Wiesel

 

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Reisetagebuch London 2016 (1): Strike!

Samstag, 06.02.2016

Der Februar ist in diesem Jahr zwar trocken, aber auch kalt und grau. Ich sitze am Schreibtisch, blicke raus in das winterliche Zwielicht und muffele vor mich hin. Bis sich der Frühling blicken lässt, wird es noch mindestens zwei Monate dauern. Ich will diese grauen Suppe da draußen nicht mehr. Ich brauche Abwechselung. Es muss ja nicht Sonne und Wärme sein, aber Winter in Deutschland, das ist wie ein halbes Jahr lang Rauhfasertapete anstarren. Das macht auf die Dauer dullig im Kopf. Ich will Input, was zum Ansehen, wenn es gar nicht anders geht würde ich mir jetzt sogar Kultur angucken!

Um den winterleeren Kopf wieder zu füllen bietet sich eine Städetreise an, zumal einer der großen Vorteile meines Wohnortes die Verkehrsanbindung ist. Hier kommt man schnell weg, was durchaus ein taktischer Vorteil ist. Ich brauche hier nur in den Bus zu steigen, der vor meiner Haustür abfährt, und nach maximal drei Mal umsteigen bin ich in Paris, Mailand oder… London.
Hm.
London.

Warum eigentlich nicht? Da war ich zwar schon mal, aber die Stadt ist groß. Und da ist es wärmer als hier UND es gibt mehr zum Ansehen. Geringfügig zumindest.

So kommt es, dass ich an einem Samstag Morgen das verschlafene Wiesel in den großen Rucksack setze, dann in den Bus steige und es mir dann in einen ICE gemütlich mache.

Es ist 2016, und am Frankfurter Bahnhof sind gerade Schilder zur Begrüßung von Flüchtlingen aufgestellt worden. Wird auch Zeit.

Kurzer Aufenthalt in Frankfurt bietet Gelegenheit für einen Kaffee. Beim Bäcker beugen sich Indiana Jones und eine Hexe über die Auslage. Klar, ist ja bald Karneval! Ganz vergessen. Kenne ich ja praktisch nicht, in Südniedersachsen bemerkt man Karneval nur daran, dass man im Rest der Republik niemanden erreicht.
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Verfasst von - 3. Februar 2018 in Reisen, Wiesel

 

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