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Kategorie: Reisen

Reisetagebuch (15): Oj oj oj oj am Stelvio

Reisetagebuch (15): Oj oj oj oj am Stelvio

Sommertour mit der Morrigan. Heute gucken wir mal, ob auch wir am Stelvio umfallen und dabei jemand “ojo oj oj!” ruft.

Donnerstag, 19. Juni 2025, Bormio
Der gestrige Tag war nicht doll, und auch die Nacht war unruhig. Klappt also nicht ganz mit “Ruhe finden”, ist aber auch egal.
Ich wollte eh´ früh los.

Schon um 05:30 Uhr ist die V-Strom wieder fertig beladen. Bormio liegt auf 1.300 Metern. Hier sind nur 12 Grad, und gleich geht es noch 1.400 Meter höher, da wird es ungefähr zwei Grad haben. Zeit für die dicken Handschuhe.

Ich steuere die Suzuki auf die Straße hinaus. Am Straßenrand stehen “Stealthcamper” herum. Glauben die Würstchen eigentlich wirklich, dass niemand merkt, dass sie in ihren rollenden Fickelbuden pennen?

Egal. Ich ziehe die V-Strom in die Berge hinein, und gleich wird die Straße steil und kurvig.

Die Sonne geht gerade erst auf und küsst die ersten Berggipfel.


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Reisetagebuch (14): Unausgeglichen

Reisetagebuch (14): Unausgeglichen

Sommertour mit der V-Strom 800 Morrigan. Heute tanke ich Diesel und bin auch ansonsten leicht unkonzentriert.

Mittwoch, 18. Juni 2025
Ein letztes Mal sitze ich vor der Hütte und genieße Annamarias Kuchen. Ich kann mich nicht zwischen Choccolino und Arancia entscheiden, und nehme einfach beide.

Rosanna pinselt in der Nähe an der Holzfassade der Hütte herum.

“Cosa fate per l´annoversario?”, frage ich.
“Welches Jubiläum?”, fragt Rosanna?
“Naja, ihr habt den Gästebetrieb auf der Farm 2015 aufgemacht, und jetzt haben wir 2025…”, sage ich
“OMG wir haben 10jähriges! Ich muss das gleich La Giulietta sagen!”
“Kann ich auch”, sage ich.
“Es kann sogar dieser Monat sein! Ich muss Giulie fragen!”, ruft Rosanna, ganz aus dem Häuschen über diese unverhoffte Entdeckung, und rennt weg.

Nachdem der Kuchen amtlich vernichtet und die V-Strom gepackt ist, laufe ich den Weg zur Bar hinaus. Als ich dort ankomme, schreit jemand laut meinen Namen, während gleichzeitig Annamaria aus der Tür torkelt. Sie presst eine Hand an die Brust und ruft “Giulie! Non Spaventarmi! Mio cuore!” – Erschreck mich doch nicht so! Denk an mein Herz!

“Scusa, Scusa, Scusa”, sage ich und hebe die Hände, aber Annamaria deutet schon in Giulies Richtung und ruft
“Non tu! Ich meine SIE! Mi porterà alla tomba!” – die bringt mich noch ins Grab.

Giulie sieht heute Morgen aus wie eine Erscheinung. Sie trägt eine schwarze Bluse zu einer weiße Hose, was so elegant wirkt, als ob sie gleich ausgehen würde. Und sie strahlt – die schönste Frau der Welt.

“Ma lui Parte!!”, bringt Giulie als Entschuldigung vor, und Annamaria schaut erst überrascht, dann böse.
“Du reist schon wieder ab? Warum?! Du bist doch nicht mal eine Woche hier!”, sagt sie und macht die typische “Was soll das denn?” Geste.

Ich grinse Annamaria über Giulies Schulter an, die mich gerade an sich zieht und lange und fest umarmt. Dann hebt Sie den Kopf und flüstert “Mi raccomando stare attento. Mit deinem Moto und so. Du sollst wiederkommen. Irgendwann will ich da nochmal mitfahren”.

“Sei davvero unico”, erwidere ich, “Stammi Bene e… ci vediamo presto”. Du bist echt einzigartig. Pass auf Dich auf und… wir werden uns schon bald wiedersehen.

Giluie nickt und hat ein Grinsen im Gesicht, dass in Deutschland vermutlich nach § 183a StGB geahndet würde.

Es wird nicht wieder ein Jahr dauern, bis wir uns wiedersehen.
Das ist gut. Die letzten Abschiede haben mich immer emotional ein wenig mitgenommen. Aber heute nicht.


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Reisetagebuch (13): Hinterland

Reisetagebuch (13): Hinterland

Sommertour mit der Morrigan. Heute mit schlechter Bezahlung und seltsamen Dingen im Caffé.

Sonntag, 15. Juni 2025
“Karte nicht akzeptiert”, sagt der Automat an der Mautstelle. Hä? Die funktioniert immer. Stell Dich nicht so an.
Zweiter Versuch.
“Karte nicht akzeptiert”, sagt der Automat.
Dritter Versuch. Wenn der nicht klappt, zahle ich Bar.
“Karte nicht akzeptiert”, sagt der Automat.

Oh man.
Als ob die dumpfen Kopfschmerzen nicht reichen würden. Anscheinend hat es heute die ganze Welt darauf abgesehen mich zu nerven, auch dieser Automat.

Na gut, dann gibt es jetzt Münzgeld, denke ich und fange an in der Münzgeldhosentasche rumzuwühlen.
Aber denkste: Der Automat klappt bereits seinen Münzkorb ein, und das Licht am Kartenslot geht auch aus. Dafür geht die Schranke auf, und ein elendig langer Bon quillt aus einem Schlitz.

Geht doch, Arschloch, denke ich, stecke die Karte weg und will schon wieder die Handschuhe anziehen, als mir einfällt, dass diese Automaten normalerweise keine Bons ausspucken. Was ist das dann?

Der Bildschirm sagt, ich soll meinen “Scontrino Malpagato” nicht vergessen. Das Wort kenne ich nicht, aber es ist sprechend: “Scontrino” ist ein Kassenbeleg und “Male” etwas schlechtes und “Pagare” bedeutet bezahlen. Also soll ich meinen “Beleg der schlechten Bezahlung” nicht vergessen – das sagt eigentlich schon alles.

Ich nehme den langen Bonausdruck und fahre hinter der Mautstation rechts ran. Dort lese ich in Ruhe den ganzen Text. Die Infos sind gering, neben einer Unmenge Paragraphen und Gesetzesverweise und AGB steht da sinngemäß: Ich habe nicht bezahlt und soll das binnen zwei Wochen nachholen. Entweder per Überweisung oder in jedem mit einem Menschen besetzten Mauthäuschen oder auf einer Website.

Okay! Das ist ja mal was. Wenn mal jemand wirklich an so einer Mautschranke nicht zahlen kann, dann sorgt dieses System dafür, dass nicht der ganze Verkehr ewig aufgehalten wird und man später zahlen kann. Cool!

Ich will aber nichts überweisen. An einer anderen Mautschranke sitzt eine junge Frau. Sie hat nicht viel zu tun. An einem Sonntag hier, im Hinterland von Livorno, wollen nicht viele Autos von der Autobahn abfahren.

Die Autos, die sind alle auf der Landstraße. Das weiß ich, weil ich gerade zwei Stunden im Stau stand. Bzw. mich durch den durchgemogelt habe. Alle, alle wollen an diesem sonnigen und warmen Sonntag an die Strände von Marinella di Sarzana. Die 70 Kilometer von der Fischfarm bis Carrara dauerten deshalb schon grandiose drei Stunden. Nur wegen diesem Chaos und der ganzen Sonntagsfahrer bin ich überhaupt auf die Autobahn gefahren.

Ich laufe um die Mautstation herum und winke vom Seitenaus mit dem Kassenbon. “Kann ich das bei Ihnen bezahlen?”
“Ja sicher”, ruft die Frau, “aber nur bar”. Ich nicke, klettere über eine Abgrenzung und laufe zum Mautkabuff. Vorsichtig, um nicht überfahren oder von einer der Schranken erwischt zu werden und dann auf TikTok in den funnyVids zu landen, laufe ich zu der jungen blonden Frau und zahle dort 6,50.

Froh, das erledigt zu haben, will ich weiterfahren – und stehe an einer Straßensperre. Der Weg nach Süden über die Landstraße ist durch eine Baustelle versperrt, stattdessen rechnet Anna einen Zick-Zack-Weg durch die Felder und vorbei an echt runtergekommen Grundstücken voller Schrottautos. Würe mich nicht wundern, wenn gleich Hillbillys auftauchen. Das hier ist ECHT Hinterland!


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Reisetagebuch (12): P wie Piacenza, oder wie Pfau

Reisetagebuch (12): P wie Piacenza, oder wie Pfau

Sommertour mit der Morrigan. Heute verschlägt es mich nach Piacenza, und ich werde quasi Ehrenbürger im Dorf.

Samstag, 14. Juni 2025
“Wow, che meraviglia!” entfährt es mir, als ich das gigantische Tortenbuffet sehe, das Giuliettas Mamma wieder zusammengebacken hat. Der kleine Frühstücktresen biegt sich unter den verschiedensten Kuchen und Keksen und Törtchen und Gebäckstücken, nebenan stehen weitere Gläser mit Keksen und gegenüber unter einer Glasglocke steht Pizza und… Börek? Annamaria ist wirklich ein Backwunder.

Rosanna, die das Frühstück betreut, schaufelt mir ein Stück Kuchen auf den Teller und sagt “Musst Du probieren! Orange-Marzipan, ganz neu!”

Ich nicke anerkennend und verziehe mich mit dem Teller und einem Caffé Doppio vor die Hütte. Der zentrale Raum mit der Küche hat große Glastüren, die nun ganz aufgeschoben sind.
Freiluft-Frühstückszimmer, sozusagen.

Mitten im Grünen. Wunderschön.

Zu hören ist nur das Plätschern der Fischzuchtbecken und Rosannas “gutschi-gutschi-guuuuuuh”, als sie drinnen das Kleinkind eines Gastes bespasst. Ach, wir sind ja in Italien. Es muss natürlich “Gucci-Gucci-Guu” heißen.

Nach dem Frühstück gehe ich zur Bar und zu Giulietta. Auf dem Weg fällt mir eine neue Voliere auf mit… Pfauen?!

Nun sind Pfauen nicht die ungewöhnlichsten Haustiere auf italienischen Höfen, aber warum so viele?

Giulietta zuckt mit den Schultern.
“Non lo so. Sind die von Giovanni”, sagt sie, stellt mir ungefragt einen Caffé Doppio auf den Tresen und macht sich selbst auch einen.
“L’ha comprata a palate, non so perché” – Gab´s vielleicht im Dutzend billiger, keine Ahnung.
Ah. Giovanni ist der manchmal etwas grummelige Vorarbeiter der Farm.

“Nuovo orologio?”, fragt Giulietta, greift meine Hand und dreht das Handgelenk zu sich, um sich die Apple Watch anzusehen.
Ich nicke. Sie findet Smartwatches super und trägt die schon ewig. Ich erst seit diesem Jahr, und ich finde die ganz schön unpraktisch, klobig und hässlich…

“È elegante. Mi piace il braccialetto”, sagt Giulietta und streicht über das Leder des Armbands.

…aber andererseits gewöhnt man sich dran und eigentlich sieht sie auch ganz gut aus, mit dem breiten Cuffband.

Annamaria kommt aus der Küche gewackelt, grinst gutgelaunt und fragt “Oggi cosa fai, caro?” – Was machst Du heute?
“Non lo so, vedró”, sage ich. Keine Ahnung, mal schauen.

Giulie kommt ganz nah an mich heran, schaut mir aus kurzer Distanz tief in die Augen und sagt dann leise “Se ti annoi…”, falls Du Langeweile hast…

“Jaaa?” sage ich.

“…FINDEN WIR BESTIMMT ARBEIT FÜR DICH!”, ruft sie laut und fängt an zu lachen, “Qui, c’è sempre qualcosa da fare!” – Hier gibt es immer etwas zu tun.

“Rrrgh”, mache ich. Ich bin eigentlich nicht hier, um Holz zu hacken oder Pfauenkäfige auszumisten oder – Gott bewahre! – irgendwas mit Fischen zu machen.

Annamaria grinst fast im Kreis. Ich kann ihr ansehen, dass sie irgendeine Frechheit ausheckt. Um ihren komischen Ideen direkt einen Riegel vorzuschieben sage ich streng “Non aiuto in cucina!” – ich werde nicht in der Küche helfen, “Ma… posso provare nuovi dolci! E gusti di gelato!” – aber ich stelle mich als Tester für neue Kuchen und Eissorten zur Verfügung.

Annamaria schaut empört und gibt schnaubend einen Vortrag zum Besten, den ich nicht ganz verstehe. An einzelnen Worten und der Art wie sie es sagt und gestikuliert vermute ich, dass sie feurig erklärt, das Männer ohnehin nichts in der Küche verloren haben und dort nur Unheil anrichten. Die Frauen an den Tischen ringsum, und es sind alles Frauen, nicken zustimmend und ergehen sich dann in, so vermute ich, anekdotischer Beweisführung.

Giulie hört dem Geschnatter zu und lächelt versonnen, bis sie plötzlich irritiert schaut und meine Hand loslässt. “Deine Uhr will etwas”, sagt sie.

Stimmt, die Apple Watch vibriert gerade wie blöd, jetzt fällt es mir auch auf.
Ich blicke auf´s Display.

“Tutto a posto?”, alles in Ordnung?, fragt Giulie.
“Si, certo”, Ja, alles okay, sage ich und verdecke das Display.

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Reisetagebuch (11): Yogagleiter

Reisetagebuch (11): Yogagleiter

Reisetagebuch mit der Morrigan durch Italien. Heute mit mehr Text als Bildern, weil ich vor lauter Action vergesse Fotos zu machen.

Sonntag, 13. Juni 2025, Mondaino
Auch wenn er gerade alles in allem einen ziemlich frustrierten Eindruck macht, seinen Sinn für Humor hat Marco noch nicht verloren. “So kann sich jeder ein Stück in einer Größe nehmen die ihm zusagt” – er hat den Frühstücks-Karottenkuchen auf unnachahmliche Art geteilt.

Wenig später braust die V-Strom durch das neue Tor des Gasthofs und verschwindet in den Bergen westlich von Mondaino.

Es geht stramm nach Westen, auf den Appenin zu und in ihn hinein. Ich möchte heute einen Deutschen besuchen, der in der Nähe von Arezzo haust, im wahrsten Sinne des Wortes. “Jörg Yogagleiter” nennt er sich selbst, auch wenn ich bezweifele, dass das sein echter Nachname ist.

Jörg ist ein skurriler Typ. Wir haben zusammen einen italienischkurs an der Volkshochschule besucht. Der Italienischkurs wurde online abgehalten, von einer jungen Frau aus und in Palermo. Gerade in den Wintermonaten, wo in den überheizten Klassenräumen der Volkshochschulen gerne Grippe- und Corona-Infektionen ausgetauscht werden, schien ein Onlinekurs eine gute Idee zu sein.

Außer mir nahmen noch vier Frauen daran teil, und eben Jörg. Der meldete sich in Zoom immer mit dem Namen “Yogagleiter” an, denn er ist ein Yogalehrer-Lehrer. Also jemand, der andere Yogalehrer ausbildet und dazu auch Klangschalen streichelt, handauflegt und Tantrasachen und sowas macht, und dafür auch mal durchs Land fahren muss.

Das führte dazu, dass man im Hintergrund von Jörgs Webcam mal ungemachte Betten sah, mal kleine Hotelzimmer, und einmal saß er mit einer Stirnlampe auf dem Kopf in seinem VW-Bus an einer Autobahnraststätte und nahm so am Kurs teil. Häufig hockte er aber in einer Pension mitten im Wald hinter Arezzo, in der Nähe “seines” “Häuschens”.

Dieses “Häuschen” war der Grund, weshalb er den Kurs mit großer Disziplin durchzog, weil er unbedingt italienisch lernen MUSSTE, um mit Anwälten und Behörden klar zu kommen. Jörg hatte nämlich ein “altes Bauernhaus mit Grundstück in der Toskana” von einer Bekannten gekauft. Klingt wildromantisch, aber was er so nebenbei erzählte, klang nur noch wild.

Zum einen bestand das “Häuschen” wohl nur aus ein paar groben Steinmauern mit einem baufälligen Dach darüber.

Jörgs Liegenschaft.

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Reisetagebuch (10): Hundstag

Reisetagebuch (10): Hundstag

Samstag, 12. Juni 2025

“Mamma, ich habe Dir doch gesagt, er bleibt nur einen Tag. Ja, er fährt wirklich gleich wieder los!”, höre ich Mauro in der Küche.
“Aber warum macht er denn sowas!”, entrüstet sich Anna.

Ach, schon schön, wenn die Gastwirte traurig sind, wenn man abreist. Aber das war hier halt nur eine Zwischenstation auf dem Weg weiter in den Norden. Hmm, selbstgemachte Konfitüre. Und Kuchen!

Anna streckt den Kopf aus der Küche “Warum fährst Du heute schon wieder?”, fragt sie.
“Ich habe versprochen, einem Bekannten in Arezzo zu treffen”, nuschele ich mit Kuchen im Mund.

Sie schüttelt den Kopf und verschwindet wieder.

Draußen steht bereits die fertig bepackte V-Strom. Die wird heute morgen belagert. Von Gigi…

…Fioretta…

…und von Jack.

Jack ist mein Lieblingshund hier, und ich habe ihn schon ewig nicht mehr gesehen. Als ich mich Jack nähere, bekomme ich ein kurzes, aber sehr aggressives Bellen.

Ah, Okay, Message angekommen: Anders als Fioretta ist Jack definitiv kein Streicheltier. Er ist ein abruzzesischer Schäferhund. Als solcher patroulliert er die Grenzen der Farm, manchmal tagelang und immer auf eigene Faust. Die Abruzzeser sind extrem loyal, kräftig und unglaublich mutig – die nehmen es sogar mit Bären auf.

Ich winke dem Team der Vecchia Fontana zu, dann rollt die Morrigan zwischen den Hunden hindurch und den steilen und kaputten Weg hinab, um sich dann über die Bröckelstrecke zur Straße hochzukämpfen.


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Reisetagebuch (9): Tödliche Geschwindigkeit

Reisetagebuch (9): Tödliche Geschwindigkeit

Mit der V-Strom durch Italien. Heute vom Molise in die Abruzzen.

Mittwoch, 11. Juni 2025
Der Topfkuchen ist von allein und über Nacht schon wieder kleiner geworden. Egal. Für mich reicht´s noch, denke ich, als ich wieder allein, im Halbdunkeln von Nonna Vincenzas Wohnzimmer sitze, unter den Blicken von unzähligen Puppen und Keramikfiguren. Ich bin nicht unfroh, dass ich heute Nacht woanders verbringen werden – bei Freuden, die sich schon auf mein Kommen freuen.

Die Morrigan rauscht über perfekt ausgebaute Straßen durch das grüne Molise und überholt nur gelegentlich mal einen Lieferwagen oder vereinzelte Radfahrer.


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Reisetagebuch (8): Das Bielefeld von Italien

Reisetagebuch (8): Das Bielefeld von Italien

Montag, 09. Juni 2026, Tropea
Die Sonne knallt vom Himmel, und schon um 08:00 Uhr ist es bereits wieder über 25 Grad warm.

Nachdem ich die Koffer zum Motorrad getragen habe, bin ich schon das erste Mal schweißgebadet und froh, als ich endlich losfahren kann.

Natürlich sucht sich exakt diesen Moment ein Papa mit Kinderwagen aus, um in den Weg zu springen. Das Kind guckt scheel, als ob es sich nicht entscheiden kann, ob es das Motorrad vor seiner Nase nun cool oder unheimlich findet.

Nachdem ich einmal durch die neuen Vororte von Tropea und damit um das Felsplateau mit der Altstadt drauf herumgefahren bin, schwenke ich die Morrigan auf die Küstenstraße ein. Südlicher wird diese Tour nicht mehr, jetzt geht es gen Norden.


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Reisetagebuch (7): Tropea

Reisetagebuch (7): Tropea

Eine sommerliche Fahrt mit der Morrigan durch Süditalien. Heute mit Tartufo-Eis und Zwiebelkonfitüre.

Freitag, 07. Juni 2025
Das war leider bereits meine letzte Nacht im Colledisisto. Heute morgen hat Nadia wieder Frühschicht, und sie war schon beim Bäcker – es gibt eine Quarktasche mit FEIST Quark drin, da brauche ich heute den Rest des Tages nichts mehr zu essen.

Als Nadia nach dem Frühstück mit geübten Handgriffen die Rechnung zusammenschreibt, fragt sie nebenbei “Und, kommt Du wieder?”
“Auf jeden Fall!”, sage ich, “Aber ich weiß nicht wann – Pomarico ist nicht um die Ecke.”
“Dann sage ich jetzt “Bis zum nächsten Mal”, sagt sie.
“Bis zum nächsten Mal”, erwidere ich.

Draußen steht die V-Strom, schon fertig bepackt, im Schatten des Wirtshauses. Gott, ist es schon wieder heiß!

Als ich das Motorrad anlasse, meine ich ein seltsames Tickern aus dem Motor zu hören. Was ist das denn jetzt? Die Ventile? Doch zu viel Öl, das irgendwo rausdrückt? Ich verdrehe die Augen über mich selbst. Nein, ich WILL MIR JETZT KEINE SORGEN MACHEN, sage ich mir und schiebe das Problem, wenn es denn eines ist, in eine staubige und dunkle Ecke meines Hinterkopfs.

Kurz darauf kurvt die Morrigan die Strecke vom Bergrücken Pomaricos hinab und in den Glutofen der Basilikata. Auf einer Landstraße geht es nach Süden, auf´s Meer zu, und dann daran entlang und nach Westen. Das hier ist die Sohle des italienischen Stiefels.


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Reisetagebuch (6): No Time to Die

Reisetagebuch (6): No Time to Die

Donnerstag, 05. Juni 2025
Heute morgen wartet Nadia persönlich am Fuß der Treppe. Wir haben recht viel Kontakt über Instagram. Sie ist die älteste der Schwestern, die das Colledisisto führen, und geht begnadet mit Social Media um. Auf ihrem Instagram-Kanal kann man immer wieder sehen, wie in der Küche tolle Dinge zubereitet werden, oder wie der Gastraum und der Außenbereich des Restaurants für Feiern dekoriert ist.

Eine frische Iris liegt auf meinem Teller, das ist ein fluffiges Gebäck gefüllt mit sämiger Vanillecreme. Zuckerschock, aber geil!

Als ich vor das Gebäude trete, merke ich, wie heiß es schon wieder ist. 35 Grad sollen es heute werden, und weit weg davon können wir schon jetzt nicht mehr sein. Aber egal, heute oder nie – es geht nach Matera.

Ich gehe zurück ins Haus und ziehe meine Motorradsachen an. Das volle Programm, Jacke, Airbag, Stiefel, Hose. Das Bisschen Hitze ist keine Ausrede, um auf irgend etwas davon zu verzichten. Ich will nicht zu denen gehören, die man mit appem Fuß aus der Leitplanke puhlt und stammeln “Normalerweise trage ich IMMER Stiefel, nur heute war ich in Schlappen unterwegs”.

Es geht von Pomaricos Bergrücken hinunter und Richtung Nordosten, durch die verbrannten Felder und auf die inoffizielle Hauptstadt der Basilikata zu: Matera.

Schnell kommt man hier nicht voran, dazu sind zu viele Autos unterwegs. Viele mit ausländischem Kennzeichen, vermutlich Touristen. Matera ist schon seit Jahren eine Sehenswürdigkeit, aber seit dem der letzte Bondfilm dort spielte, ist die Stadt völlig überlaufen.

Die Fahrt zieht sich, und als die Blase drückt, suche ich mir einen Straßenrand mit einem schönen Busch.

Als ich nach der Erleichterung zum Motorrad zurückkomme, ist das von einer Wolke eingehüllt. Kriebelmücken! Tausende davon!

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