Reisen

Reisetagebuch Sardinien (1): Motivationsbildkitsch

Herbstreise nach Sardinien. Die Insel im Mittelmeer ist die letzte Region Italiens, die Herr Silencer noch nicht bereist hat. Das muss sich ändern.

Donnerstag, 18. Oktober 2018, irgendwo im Hunsrück
Ich schrecke hoch. Eben war ich noch so müde, dass ich fast eingenickt wäre. Jetzt bin ich plötzlich wieder hellwach. Der Reisebus schaukelt durch die Nacht. Die Fahrt nimmt und nimmt kein Ende. Ich versuche in dem unbequemen Bussitz eine halbwegs erträgliche Position zu finden, was sich als gar nicht so leicht rausstellt. Ich bin sowieso kaputt und verspannt, seit Wochen schon.

Die Sommerreise mit dem Motorrad liegt schon wieder Ewigkeiten zurück. Vier Monate ist es her, dass ich von der Sechsländerreise zurück kam. In diesen vergangenen vier Monaten gab es quasi non-stop viel Arbeit. Der Herbst ist traditionell eine Phase mit hoher Arbeitslast, aber dieses Mal war es heftiger als sonst.

Lange Arbeitstage, nach denen ich kaum zur Ruhe gekommen bin, was Nächte voller wirrer Träume zur Folge hatte. Das geht mal, phasenweise. Aber diese Hochlastphase hält jetzt schon ein Jahr an, mal mehr, mal weniger intensiv. Ungesund ist das schon lange. Ich kriege den Kopf nicht mehr frei, und wenn ich nicht arbeite, bin ich müde und habe keine Lust was zu machen. Sport, Hobbies,… ne, lass mal, keine Energie für.

Der heutige Tag bildet da keine Ausnahme. Früh aufgestanden, drei Stunden Autobahnfahrt, dann fünf Stunden konzentrierte Arbeitsbesprechung. Am späten Nachmittag aus dem Kundentermin raus. Eine Kollegin hat meine Tasche mit Arbeitsunterlagen dankenswerterweise mit zurück nach Hause genommen, ich bin mit meinem Reiserucksack in einen Zug nach Frankfurt gesprungen. Nun sitze ich in diesem Bus.

Neben mit beginnt ein Mann laut zu telefonieren, während ein Sitzreihe vor mir eine Frau mit eingeschalteten Tastentönen „Candy Crush“ oder ähnlichen Unfug spielt und hinter mit jemand in ein stinkendes Wurstbrot beisst. Ich hasse meine Mitreisenden. So ist das, wenn ich zu lange unter Dampf stand. Dann werde ich dünnhäutig und übellaunig. Dann ärgert mich die Fliege an der Wand. Dieser Zustand ist nicht mit einem langen Wochenende im Bett wieder behoben, sowas sitzt tiefer. Die ganze Welt soll mich in Ruhe lassen, das ist alles, was ich jetzt will.

Ich sehe auf die Uhr. Noch zwei Stunden bis zum Flughafen Frankfurt Hahn. „Frankfurt“, dass ich nicht lache. Wird sich mir nie erschließen, wieso man diesen Flughafen im Dorf Lautzenhausen, das kurz vor Trier liegt, „Frankfurt“ genannt hat. Grimmig starre ich aus dem Seitenfenster.

Viel mehr als vorbeiziehende Leitplanken sind im Dunkel nicht zu sehen. Der Bus kurvt von Frankfurt aus nach Mainz und Wiesbaden und schaukelt dann durch den Hunsrück. Jetzt weiß ich auch, warum die Fahrt so lange dauert… der hält an jeder Milchkanne an.

Der Flughafen „Frankfurt Hahn“ liegt in Lautzenhausen. Das ist näher an Trier als an Frankfurt.
Bild: Google Earth 2018

Es ist schon lange dunkel, als der Bus endlich in Lautzenhausen ankommt.

Bogenlampen werfen gelbes Licht in nebelige Herbstluft. Zuletzt war ich vor 17 Jahren hier, seitdem ist der Flughafen gewuchert.
Meine Güte ist das jetzt riesig hier.

Ich bin leider zu spät dran. Die Schnellrestaurants schließen gerade, zu essen gibt es nichts mehr. Das ist ein wenig doof, denn wegen des langen Arbeitstages bin ich schon nicht zum Mittagessen gekommen. Egal, gibt es heute Abend eben eine Müsliriegelration aus dem Rucksack.

Ich trotte zum BB-Hotel, das direkt vor dem Flughafenterminal steht.

Am Tresen stehen wild gestikulierende Franzosen, die offensichtlich ihren Checkin erst noch ausdiskutieren müssen. Ich schleiche um die Gruppe herum in den Fahrstuhl und fahre in den fünften Stock. Ich brauche keinen Checkin. Der Hotelcomputer hat mir einen Code geschickt, der die Tür zu Zimmer 511 öffnet.

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Teaser

Ab dem 23.03. jeden Samstag:

Frühere Meisterwerke der Videokunst:
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Reisetagebuch 2018 (15): Der Weg nach Hause

Mit der Barocca auf Sommertour. Die Reise ist fast vorbei, aber vor der Frage, auf welchem Weg es nach Hause geht, gibt es noch einen Abstecher nach Venedig. Dann geht die Welt unter.

Donnerstag, 05.Juli 2018
Die Villa Maria Luigia liegt kurz hinter Treviso. Von hier ist man in 30 Minuten in Mestre oder in 60 Minuten in Punta Sabbioni. Von beiden Orten aus ist man ratzfatz in Venedig. Ich entscheide mich für Punta Sabbioni, schon weil ich die Überfahrt mit dem Wasserbus so gerne mag.

Bild: Google Earth 2018

Ohne die monströse Airbagweste passt meine Jacke sogar in einen Seitenkoffer des Motorrads, so dass ich mich ohne Gefahr eines Hitzekollers in der Stadt frei bewegen kann.

Wobei „bewegen“ relativ ist. Das Boot ist selbst morgens um kurz vor Neun schon randvoll voll mit Menschen, und die Stadt ist an den beliebten Plätzen völlig verstopft mit Tagestouristen.

Amerikanerinnen erkennt man übrigens daran, dass sie sich alle zwei Minuten gegenseitig dran erinnern, auch ja genug zu trinken. „Stay hydrated“, sagen sie zwischen zwei Schlucken aus monströsen Wasserflaschen, die sie überall mit herumschleppen.

Auch aus einer Gruppe Frauen am Bahnhof Santa Lucia klingt ein lautes „Girls, stay hydrated!!“, und auf dieses Kommando hin heben alle gleichzeitig die Wasserflaschen an den Hals und trinken hektisch. Synchronsaufende Prachtexemplare von Wasserbüffeln! Das ist ja fast olympisch! Ich hole den Fotoapparat raus, in der Hoffnung, dass sie das nochmal machen. Aber dann kann ich vor Lachen nicht mehr an mich halten, was die Damen nicht lustig finden.

Spot the Americans!

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Reisetagebuch 2018 (14): In heiligen Hallen

Mit der Barocca auf Sommertour. Heute geht es in die Suppe, weit übers Land und schließlich in heilige Hallen.

04. Juli 2018, Bohinji Bistrica, Slowenien

Ich bin mit dem ersten Hahnenschrei wach. Der ist zum Glück erst um 05:00 Uhr. Dieser Hahn ist zivilisiert, anders als das Kackvieh, das bei mir zu Hause um 01:30 Uhr unter meinem Schlafzimmerfenster anfängt auf voller Lautstärke loszulegen.

Draußen klatscht Regen auf die Dächer der Holzhäuser. Ich drehe mich noch einmal um, kann aber nicht mehr einschlafen. In Gedanken bin ich schon auf der Straße. Heute habe ich eine große Tour vor mir.

Irgendwann halte ich es nicht mehr aus, klettere aus dem Bett, spritze mir kaltes Wasser ins Gesicht und mache mich abreisefertig. Für Frühstück ist es noch zu früh, das Hotel schläft noch. Um kurz vor sechs trage ich die Koffer zum Motorrad. Es regnet nicht mehr, aber dunkle Wolken hängen über dem Ort. Das sieht alles nach schwerem Wetter aus.

Wie komme ich jetzt hier weg?, überlege ich, während ich den Sattel und die Spiegel der Barocca trocken wische. Zwischen meinem Ziel und mir liegt das Gebirge des Triglav-Nationalparks, das den Ort hier wie ein Halbkreis nach Westen abschirmt. Soll ich auf Nummer sicher gehen und die breite, gut ausgebaute Straße durchs Tal nehmen, und um die Berge herum fahren? Dieser Weg wäre unspektakulär, aber sicher.

Oder soll ich es wagen mitten durch die Berge zu fahren, über winzigste Straßen und mehrere Pässe? Ich entscheide mich für die Bergausläufer. Wenn schon, denn schon. Anna meldet sich im Helm und bestätigt die Route. OK, Klamotten an und los geht´s.

Als ich die Jacke schließe, bin ich irritiert. Die LED-Anzeige am Ärmel springt nach kurzer Zeit auf Grün. Das Airbagsystem ist aktiviert. Was soll das denn jetzt? Vor zwei Tagen war das wegen eines Sensorfehlers nicht benutzbar, und nun, kurz vor dem Werkstatttermin, funktioniert es wieder?

Das Ding mit Wetter im Gebirge ist ja, dass es selten überall gleich ist. Wolken bleiben an den Bergen hängen und sorgen für schlechte Sicht, im einem Tal regnet´s, im nächsten nicht. Und: Berge sind hoch. Manchmal höher als die Reisehöhe der Wolken, die dann in ihnen hängenbleiben. So auch jetzt.

Ich fahre plötzlich in eine weiße Wattewand, und sofort wird es kalt und klamm und Wassertropfen benetzen Motorrad und Fahrer.

Ich verziehe das Gesicht und grummele vor mich hin, aber dann passiert etwas wunderbares: Die Straße geht noch höher, und plötzlich bin ich oberhalb der Wolkendecke und sehe auf sie hinab! Die Morgensonne scheint hier oben, und die Wolken wirken wie ein Meer, das in den Tälern herumschwappt. Hier und da erheben sich Bergspitzen aus dem weißen Weich, wie Inseln.

Mit besser Laune fahre ich weiter. Die hält aber nur so lange, bis ich wieder runter ins Tal und damit mitten in die Suppe muss. Darin ist es dunkel und kalt.

Ich brettere mit der V-Strom über die kaputten und bröckeligen Straßen. Es ist kurz nach sechs, und ich bin ganz alleine hier unterwegs. Naja, fast. Lediglich ein Kleinlaster mit Milchkannen dreht seine Runde in der Nebelsuppe und mäht mich fast um. Alles ländlich hier. Vorsichtig taste ich mich weiter.

Gegen 09:00 Uhr bin ich bei Tolmin, eine halbe Stunde später quere ich die Grenze nach Italien, die hier wirklich abgebaut und unbemannt ist. Halt, doch nicht: Hinter einem Busch versteckt sich ein slowenischer Streifenwagen, aber der Polizist bohrt mit einem Finger in der Nase und hat nur Augen für sein Smartphone.

Bild: Google Earth 2018

Der Frühnebel ist in den Bergen zurückgeblieben, und jetzt wird auch langsam das Wetter wach. In einem Tal halte ich kurz an und trinke einen Schluck Wasser aus der Feldflasche, dazu gibt es einen Apfel als Frühstück. Das Grün der umliegenden Wiesen und Wälder leuchtet in Technicolor. So übersättigt sind die Farben, dass sie fast unwirklich wirken.

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Reisetagebuch 2018 (13): Unterirdisches Disneyland

Mit dem Motorrad auf Sommertour. Heute wird es unterirdisch, in der zweitgrößten Schauhöhle der Welt und unter einer Höhlenburg.

Dienstag, 03.07.2018, irgendwo im Wald, Slowenien
Ich wache auf und bin für einen Moment ohne Orientierung. Ein holzgetäfelter Raum mit einem Tisch in der Mitte ? Das ist doch kein Hotelzimmer, wo bin ich denn hier?! Dann fällt es mir wieder ein: Ich bin in einer kleinen Hütte, mitten im Wald, in Slowenien.

Schnell springe ich aus dem Bett und packe meine Sachen. Vor dem Cottage steht die V-Strom.

Etwas oberhalb führt der Weg aus dem Wald heraus. Schilder machen darauf aufmerksam, dass der Campingplatz über eine eigene Höhle verfügt, die man nach Absprache besichtigen kann. Ich muss Schmunzeln. Höhlen hat HIER wohl jeder in seinem Hinterhof.

Auf einem asphaltierten Platz stehen mehrere Häuschen. Eines beherbergt einen winzigen Supermarkt, eines die Anmeldung des Campingplatzes und ein größeres ein Restaurant, in dem nun Frühstück für die Gäste bereit steht. Dort stürze ich einen Kaffee hinunter.

Der Campingplatz schläft noch, als ich zurück zum Motorrad marschiere. Neben der Maschine steht schon ein Wagen voller Putzmittel, und im Cottage klötert es. Die Reinigung des Häuschen hat schon begonnen.

Warum ich hier, mitten im Wald überachtet habe? Nun, in der Nähe einer Touristenattraktion übernachten und morgens gleich als Erster da sein, das hat ja gestern an den Plitvicer Seen schon gut geklappt. Also mache ich das heute doch gleich noch einmal. Ich schwinge mich in den Sattel der Barocca und steuere sie aus dem Wald heraus und den Berg hinab.

Dann fahre ich einmal links rum, und ZACK stehe ich vor DER Sehenswürdigkeit Sloweniens: Der Postojna-Höhle.

Das unterirdische Höhlensystem, das auch als Adelsberger Grotte bekannt ist, ist die zweitgrößte Besuchshöhle der Welt, nach einer in den USA.

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Reisetagebuch (12): Cabin in the Woods

Mit dem Motorrad auf Sommertour. Heute geht von Kroatien nach Slowenien und erst an den See, dann in den Wald.

Sonntag, 01. Juli 2018, Kaštel Lukšić, Kroatien
Ich wache von meinem eigenen Bauchgeräuschen auf. Schon den zweiten Tag. Durchfall. Hätte besser doch nichts von dem Leitungswasser auf dem Schiff trinken sollen. Aber was wäre die Alternative gewesen? Verdursten?

Ich blicke aus meinem Zimmer in der „Villa Cezar“ über die Dächer des kleinen Orts. Das Wetter gleicht meiner Stimmung. Es ist grau und bewölkt und es regnet.

Würstchen, Rührei, gutes Brot, verschiedene Konfitüren, fetter Käse – das Frühstück ist sehr gut, und das sage ich auch. Das zaubert der grummeligen Oma, die im Familienbetrieb offensichtlich für das leibliche Wohl der Gäste zuständig ist, ein Lächeln ins Gesicht.

Es regnet, und deshalb steige ich gleich vor der Abfahrt in die Regenkombi und steuere die V-Strom erst vom Hof, als ich wasserdicht in die StormChaser-Kombi eingepackt bin. Es ist Sonntag, und die Landstraße noch wie ausgestorben. Es geht die Küstenstraße entlang, erst Richtung Westen, dann nach Norden. Das ist nur so mittelspannend, auch wenn die Straße spektakulär gut und toll zu fahren ist. Sie ist halt auch ein wenig langweilig.

Bild: Google Earth 2018

Es gibt immer wieder stärkere Regenschauer, dazwischen Trockenphasen. Heute stehen 6 Stunden Fahrt an, das gefällt mir. Nur fahren, fahren, fahren, mehr will ich auch gar nicht. Die V-Strom rollt durch kleine Orte, duckt sich durch weite Kurven und schrubbt über leere Graden. Zwischendurch gibt es immer wieder stellen mit tollen Ausblicken, wie diesen spektakulären Brücken.

Im Laufe des Tages wird die Straße interessanter. Je weiter ich nach Norden komme, desto mehr Kurven gibt es und desto spektakulärer werden die Ausblicke auf die Felsenküste und die vorgelagerten Inseln.

Auf Höhe des Ortes Zengg biege ich ab ins Landesinnere. Es geht über die Berge, die hinter dem Küstenstreifen beginnen, und dann in das Hinterland. Das ist lauschig grün und sieht eher aus wie das Alpenvorland.

Bild: Google Earth 2018


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Reisetagebuch (11): Split

Mit dem Motorrad auf Sommertour. Heute geht es von Dubrovnik nach Split und dabei ganz kurz durch Bosnien-Herzegowina.

Samstag, 30.06.2018, Dubrovnik
Die „Villa Dubrovnik Gardens“ heißt nicht umsonst so. Das Steinhaus liegt in einem großen Garten, der mit seinen Bäumen und hohen Büschen das Äußere zuverlässig abschirmt. Ein kleiner, grüner Urwald, bevölkert von Gartenzwergen und Katzen, direkt über der Altstadt von Dubrovnik.

Was den Garten noch besser macht: Hier servieren Anita und Marjana, die beiden Haushälterinnen, das Frühstück. Ein „Alles, was man sich wünschen kann“-Frühstück. Es gibt Rührei, gebratene Würstchen und Pilze, dazu Toast, eine Aufschnittbuffet, und am Platz wartet ein warmes Schokocroissant. Garten Eden? Dicht dran!

Eine kleine Katze guckt mir beim Frühstück zu und versucht zwischendurch mit einem gezielten Sprung in den Joghurtteller etwas davon zu erhaschen.

Danach schleppe ich die Koffer zum Motorrad und stelle dabei erstaunt fest, dass die Frühstückskatz noch eine Schwester hat. Auf dem Rückweg sind es schon drei. Diese Katzen vermehren sich schneller als Tribbles!

Ich verabschiede mich von Anita und Marjana, dann stürze ich mich in den Stadtverkehr von Dubrovnik.

Geht nicht anders. Eigentlich will ich ja nur raus aus der Stadt, und die Ausfallstraße liegt nur eine Straße und damit 50 Meter über der, in der ich mich gerade befinde… aber leider hat Dubrovnik ein superkomplexes System aus Einbahnstraßen.

So muss ich erst einmal ganz hinunter in die Stadt und um die Festung herum, durch den Busbahnhof, über den LKW-Zubringer zum Hafen und bin dann FAST wieder da wo ich vorher war – nur, dass ich jetzt auf die Küstenstraße stadtauswärts einbiegen kann.

Bild: Google Earth 2018

Der Verkehr auf der Küstenstraße ist recht dicht, aber das gibt sich bald. Je weiter ich nach Norden komme, desto weniger wird der Verkehr.

Ich kann der V-Strom die Sporen geben, und auf dieser Straße ist das Fahren die wahre Wonne. Tief duckt sich die Maschine in die Kurven, während sie auf den wenigen geraden Abschnitten geradezu dahingleitet. Schneller als 80 ist zwar nicht erlaubt, aber das ist auch gut so – ab und an sind hier Wohnmobile unterwegs, die tauchen auch gerne mal unvermittelt hinter Kurven auf. Es ist ein sportliches, aber entspanntes Fahren. Herrlich!


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Tips für London 2019


Wissenswerte Dinge für den Besuch der britischen Hauptstadt:

1. Gute Tage, schlechte Tage
Anders als in anderen Ländern ist Montags nicht generell Ruhetag, auch die meisten Museen haben dann geöffnet. An Wochenenden und Feiertagen ist es in Central London ruhiger als unter der Woche – im Zentrum wohnt halt niemand mehr, da arbeitet man nur noch. Illusionen muss man sich freilich nicht machen. In London ist immer Touristensaison (wir befinden uns noch vor dem Brexit), so dass die touristischen Sehenswürdigkeiten ab ca. 11:00 Uhr zu jeder Jahreszeit recht voll sind. Am besten früher hingehen.

2. Essen und Trinken
Man geht im Restaurant auf das Personal zu und lässt sich platzieren, einfach irgendwo hinsetzen ist nicht üblich.
Trinkgeld gibt man in Pubs nicht. In Restaurant muss man genau hingucken. Manchmal schon ein vorgeschlagenes Trinkgeld auf der Rechnung hinzuaddiert, manchmal ist „Bediengeld“ speziell ausgewiesen. Ist beides nicht der Fall, packt man 10 Prozent drauf, aber nur wenn der Service wirklich gut war.

3. Anreise

  • Anreise per Flugzeug geht, allerdings sind die Flughäfen weit draußen. Bis man dann mit Bus oder Bahn in der Stadt ist, dauert das seine Zeit. Von Heathrow gibt es den „Heathrow Express Zug“ nach Paddington.
  • Anreise per Bahn ist aus Deutschland eine gute Alternative, in 8 Stunden kann man in London sein. Von Deutschland aus nach Brüssel oder Paris, von dort mit dem Eurostar durch den Tunnel und zum Bahnhof St. Pancras. Karten kosten als „Europaticket“ 79,00 Euro
  • Mit dem eigenen Auto nach London zu fahren ist Quatsch. Parkplätze gibt es nicht, dafür eine Citymaut und wild gewordene Taxifahrer.
  • Tube: Die U-Bahn ist das Verkehrsmittel der Wahl. Das Liniensystem ist farb- und nummerncodiert, die Richtungen sind nach den Endstationen benannt. Einfacher geht es nicht. Unbedingt einen Plan besorgen (gibt es an den Infohäusschen gratis), der ist der wichtigste Ausrüstungsgegenstand bei einer Londonreise.

4. Tips für die U-Bahn

  • Tageskarten gibt es in verschiedenen Formen. Stressfrei ist die Travelcard, das ist ein Papierticket mit einer Gültigkeit von 1 oder 7 Tagen, die Zahl der gültigen Zonen legt man selbst fest. Als normaler Besucher benötigt man nur Zone 1-2, mit einer Gültigkeit von 7 Tagen kostet das 41,50 Euro/36 Pfund.
  • Alternativ: Die Visitor Oystercard. Das ist eine Plastikkarte, die mit einem Geldbetrag von 15, 20, 30, 40 oder 50 Pfund aufgeladen wird und die heftigen Rabatt auslöst. Einzelfahrten kosten statt 4,80 Pfund nur noch 2,40. Maximal zahlt man pro Tag so viel wie mit einer Travelcard, alles darüber hinaus ist kostenlos. Mit anderen Worten: Man zahlt nie mehr als 7,00 Pfund pro Tag, egal wieviel man fährt. Von Montag bis Sonntag wird auf maximal 36 Pfund beschränkt, d.h. man bekommt zwei Tage umsonst und in exakt diesem Zeitraum kostet die Oyster soviel wie eine 7-Tage-Travelcard. Hat man allerdings mehr als einen Tag Versatz drin (Aufenthalt von Dienstag bis Montag o.ä.) ist es sinnvoll eine elektronische Travelcard auf die Oyster zu laden. Mit der fährt man sieben Tage, unabhängig von der Kalenderwoche, für 36 Pfund. Zum Geldbetrag, den man auf die Oysterkarte bucht, kommen 5 Pfund als Pfand für die Plastikkarte selbst, sowie 3 Pfund Aktivierungsgebühr. Diese RFID-Karte lässt sich immer wieder an Automaten oder einem von 3.700 Oystershops (erkennbar an dem Schild „Transport for London“, TfL) aufladen oder nach Gebrauch zurückgeben, dann wird der Pfand erstattet.
  • Die TFL Oyster-App ist ein Goldstück, mit der kann man (bei hinterlegter Kreditkarte) ad hoc Geld auf seine Oystercard laden. Aber Achtung: Man muss den Aufladungsbetrag „einsammeln“, in dem man binnen 3 Tagen die Karte in der U-Bahn oder einem Bus vor Ort nutzt. Ansonsten wird das Guthaben wieder auf die Kreditkarte zurückgebucht.
  • Travelcards aus Papier gibt es in Oystershops und an Automaten, Oystercards aus Plastik nur in den Ticketshops an Bahnhöfen.
  • Eine Kreditkarte mit kontaktloser Bezahlfunktion (zu erkennen an dem NFC-Symbol auf der Karte) oder Applepay funktionieren wie eine Oystercard. Einfach beim Betreten und Verlassen von U-Bahnen, Bussen oder Stadtbahnen Karte oder Gerät an ein Lesegerät halten, fertig. Vorteil: Man braucht nichts aufzuladen oder sich Gedanken um Tarife machen, man braucht keine Registierung und das „Daily Cap“, die Kappungsgrenze von 7,00 Pfund pro Tag, zählt auch hier. Aber Achtung: Bei Kreditkarten aus Deutschland kommt dann noch eine Auslandseinsatzgebühr von der Bank oben drauf, je nach Geldinstitut 1,75 bis 4 Prozent. Das macht die Fahrt teurer als mit einer Oyster. Wichtig: Immer mit derselben Karte auschecken, mit der man eingecheckt hat, sonst kostet das 8,20 Pfund Strafe.
  • Über Streiks und baubedingte Ausfälle informiert man sich auf den Seiten der Transport for London.
  • London ist in 6 Zonen aufgeteilt. Die ganze Innenstadt ist in Zone 1 und 2 (mehr braucht man als Tourist nicht), Zone 6 ist Heathrow.
  • Greenwich ist Zone 3. Um mit einem Zone 2 Ticket trotzdem dorthin zu gelangen fährt man mit der Tube bis Canarys Wharf, von dort aus dann mit dem Zug (DLR, District Light Railway) nach Süden bis Island Gardens. Von dort nimmt man den alten Fußgängertunnel, der direkt vor dem Bahnhof ist, unter der Themse hindurch und ist 10 Minuten später in Greenwich.
  • Der Kauf von Einzelfahrscheinen ist nicht empfehlenswert, die sind sehr teuer (eine Fahrt 4,80 Pfund)

5. Rabatte und Touristenkarten
Es gibt einen „Londonpass“, der freien oder reduzierten Eintritt ermöglicht. Gültigkeitsdauer 1 bis 6 Tage, kostet zwischen 88,00 und 186,50 Euro. Eintrittspreise in London sind sehr hoch, auch für Kirchen. Daher KANN sich der Londonpass rechnen, muss aber nicht. Man sollte sich vorab die Mühe machen und sich überlegen was man besichtigen möchte, und dann auf dieser Seite schauen, ob sich ein Londonpass wirklich lohnt. In der Regel tut er das eher nicht, zumal er nicht mit Onlinebuchungen zusammen funktioniert (siehe 6.).

6. Hotels
Sind in London sehr teuer. Zur Hauptsaison zahlt man in der Innenstadt 120 Euro und mehr pro Nacht. Ein gutes und günstiges Viertel habe ich um den Bahnhof Paddington herum gefunden, nördlich der Kensington Gardens. Dort gibt es in der London Street und im Norfolk Square schöne und günstige Hotels. Von dort ist man zu Fuß in 30 Minuten und mit der Tube in 15 Minuten an der Themse, Zimmerpreise gehen bei 54 Euro los. Mehr auf der Karte.

7. Online buchen
Generell ist es immer eine gute Empfehlung vor der Reise online Tickets zu kaufen. Gerade in London sind die Warteschlangen oft SEHR lang. Onlinetickets sind günstiger und ermöglichen das Überspringen der normalen Warteschlangen, allerdings muss man sich oft auf eine Zeit festlegen. Die erste Adresse für alle möglichen Buchungen, Infos und Karten ist http://www.visitlondon.com

8. Handy und Internet
Hotel-WLANs sind vielerorts Glückssache. EU-Roaming ist in der Theorie ja kein Problem mehr, in der Praxis drosseln die großen Netzbetreiber, allen voran O2-UK, roamende Festlandeuorpäer auf 3G-Schneckentempo runter. Es empfiehlt sich daher eine SIM-Karte von Three oder EE, die haben eine gute Abdeckung und ein schnelles Netz, dass sie für ihre eigenen Karten auch nicht drosseln. Die Karten kann man in Kiosken vor Ort für wenig Geld kaufen oder schon vor der Reise ab 1 Cent bei Amazon bestellen. Eine Registrierung ist nicht nötig. Vor Ort muss die Karte dann noch aufgeladen werden. Das macht man in Kiosken mit einem „Top Up“-Symbol. Hier zieht man entweder die Top-Up-Karte, die der SIM beiliegt, durch ein Lesegerät oder man bekommt einen Voucher mit einem Code, den man per SMS einlöst. ODER man nutzt die Apps der Hersteller, um per Kreditkarte eine Aufladung vorzunehmen. Sehr komfortable. Nach einem halben Jahr der Nicht-Nutzung deaktiviert sich die Karte.

9. Reisezeit
Im Oktober und November sowie Januar und Februar sind selbst die Touristenattraktionen nicht all zu sehr überlaufen.

10. Briefmarken kaufen
Briefmarken kauft man in Postfilialen, es gibt sie aber auch in „Corner Shops“ (haben dann einen Aufkleber mit einem stilisierten Briefmarkenheftchen im Schaufenster oder an der Tür) oder beim Zeitschriftenhändler „WHSmith“ (der überall Filialen hat, insb. in Bahnhöfen). Postkarten und Briefe (maximale Maße 24×16,50×0,5 cm, bis 20 Gramm) nach Deutschland kosten Anfang 2019 1,25 Pfund im Tarif „International Standard“ (Zustellung in 3-5 Tagen). Es gibt noch „International Economy“, das kostet 81P, dauert aber bis zu mehreren Wochen bis es ankommt. Aktuelle Preisauskünfte gib es mit dem Online-Pricefinder der Royal Mail: http://www.royalmail.com/price-finder
Theoretisch gibt es die Möglichkeit vorab das Porto selbst zu drucken, ausprobiert habe ich das aber nicht: https://www.royalmail.com/discounts-payment/online-postage/home

Die Briefkästen in London sind knallrot und tragen das Wappen ER II (Für Elisabeth die II. Ist ja immerhin die ROYAL Mail).

11. Museen, Kirchen, Sehenswürdigkeiten
Auf der Insel ist alles anders als im Rest der Welt. Generell ist der Besuch der staatlichen Museen kostenlos, lediglich die privaten Sammlungen verlangen ein (niedriges) Eintrittsgeld. Dafür kostet der Besuch von Kirchen etwas, und das nicht zu knapp: Um einen Blick in Westminster Abbey werfen zu dürfen, werden 20 Pfund fällig. Noch krasser sind die Besuche von Sehenswürdigkeiten wie The Eye oder The Shard – hier ist mit Preisen zwischen 25 und 30 Pfund zu rechnen. Auch hier kann man etwas Rabatt durch Onlinebuchung bei Festlegung auf eine Besuchszeit bekommen.

12. Tips für Besichtigungstouren
…finden sich im Reisetagebuch London:

04.-12. Februar 2017

06.-13. Februar 2016

Februar 2014

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Reisetagebuch (10): Game of Schweiß

Mit dem Motorrad auf Sommertour. Heute betrete ich ein neues Land, treffe einen alten Freund und merke, wie meine Zeit sehr schnell abläuft.

Freitag, 29.06.2018, adriatische See
Das tiefe Dröhnen der Schiffsdiesel wirkt sich positiv auf meine Nachtruhe aus. Ich schlafe ausgezeichnet, bis gegen 5:30 Uhr die Morgensonne durch das Bullauge meiner Kabine an Bord der DubrovniK scheint.

Ich dämmere noch ein wenig im Halbschlaf vor mich hin, aber kurz nach 6 stehe ich doch auf, kleide mich an und gehe an Deck. Zu meiner großen Überraschung ist das Schiff schon kurz vor der Küste.

Ist das schon Kroatien? Muss es sein, oder? Aber wir sollten doch erst um 8 Uhr hier sein, das ist doch noch zwei Stunden hin!

Von Bari nach Dubrovnik in einer Nacht.
Bild: Google Earth 2018

Kein Irrtum möglich – die Dubrovnik läuft tatsächlich schon in Dubrovnik ein! Vor einer großen Brücke dreht das Schiff und legt dann Rückwärts am Hafen an.

Bild: Google Earth 2018


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Kategorien: Motorrad, Reisen | 12 Kommentare

Reisetagebuch (9): Die Hölle vor Tor 3

Mit dem Motorrad auf Sommertour. Heute gibt es Furbo, es geht es unter die Erde und am Ende wird es sehr kalt.

Donnerstag, 28.06.2018, Grotta Castelana, Apulien

Oh, wie sie mir auf die Nerven gehen! Die Hölle, das sind die anderen.

Diese anderen und ich, wir warten vor Tor 3. Tor 3 ist der Einlass für alle, die an der nächsten Führung auf italienisch durch die Grotta Castellana, eine der größten Höhlen Italiens, teilnehmen wollen. Tor 2 ist für englischsprachige Besucher, Tor 1 für Gruppen aus Reisebussen. Vor den Toren ist ein kleiner Platz, auf dem schon mehr als 50 Menschen dicht gedrängt stehen, hauptsächlich Familien mit Kindern.

Neben mit steht ein Typ im besten Midlife-Crisis-Alter. Er hat einen blauen Lacoste-Pulli um die Schultern geknotet und hält von hinten eine überschminkte Blondine in den Armen, die er geradezu agressiv hin- und herwiegt. Freundin? Sekretärin? rätsele ich noch, da haut mir der Schunkler schon einen Ellenbogen in die Seite. Ich gehe ich ein Stück weg, er schunkelt hinterher und haut mir wieder den Arm in die Seite. Was stimmt mit dem nicht, denke ich noch, da rammt mir von vorne eine Frau ihren Rucksack in den Bauch. Von hinten hustet mir ein älterer Herr in den Nacken.

Von links schrammelt ein Opa auf einer Gitarre undefinierbares Zeug. Vermutlich bildet er sich ein, dass er ein Musik macht und dazu singt, aber aus dem Gitarrengequietsche lässt sich ein Lied nur erahnen, während der „Gesang“ klingt, als ob er sporadisch Stichworte ruft und zwischendurch hustet.

Von rechts hält ein anderer Opa dagegen. Allerdings ist bei ihm nicht mal mehr rudimentär eine Melodie zu erkennen, er brüllt und schreit nur wild vor sich hin und schlägt dabei mit den Fäusten auf seine Gitarre ein. Alle irre hier.

Es geht den beiden Opas gar nicht darum die Gunst des Publikums zu erringen. Es geht nur darum lauter zu schreien, lauter zu klampfen und lauter zu husten als der Kontrahent auf der anderen Seite der wartenden Menschen, die ihrerseits wegen des Lärms immer lauter reden und immer gereizter werden.

Grotta Castellana. Der Ort heißt so wie die Höhle.
Karte: Wikimedia, Nutzer NordNordWest, CC BY-SA 3.0, Ort von mir.

Zur Gereiztheit trägt auch das Wetter bei. Es ist mit über 25 Grad sehr warm, gleichzeitig ist die Luftfeuchtigkeit sehr hoch. Urwaldklima. Außerdem kommen immer mehr Menschen auf den Platz, alles drängt sich zusammen und reibt sich aneinander und schubst und redet laut aufeinander ein und dazu brüllen und schreien die Opas von beiden Seite. Eine Kakophonie des Grauens.
ALLE IRRE HIER. Viele, laute Menschen, die sich benehmen wie eine Herde Affen auf einem Felsen. Meine persönliche Hölle.

Zum Glück öffnet sich jetzt Tor 3, noch viel länger hätte ich das nicht ausgehalten ohne dem Schunkler seinen Pulli über die Ohren zu ziehen und die „Musiker“ umzuschubsen.

Jetzt geht es also durch den Eingang, und der Schunkler erweist sich als das, was Italiener Furbo nennen, einen Schlaufuchs. Er umrundet einfach die Schlange der Eintretenden und mogelt sich an den Anfang der Gruppe. Das ist Furbo: Immer andere austricksen, immer Löcher im System finden. Italiener können Furbos nicht leiden, bewundern sie aber dennoch insgeheim. Seine Aktion bringt ihm zwar nichts, aber das ist Furbo egal.

Eine Gruppe von bestimmt 70 Personen steigt nun hinab in die Grotta Castellana. Furbo und seine Freundin stehen ganz vorn und labern die Höhlenführerin zu, was den Start der Tour verzögert. Die Tour sei den beiden irgendwie zu lang, ob die Führerin das mal abkürzen könnte. So eine halbe Stunde würde ihnen gut passen. Die Nerven von dem Typen! Es gibt so Menschen, die denken, dass sich die ganze Welt nur um sie dreht. Ich hasse den Furbo inbrünstig. Zum Glück winkt die Höhlenführerin ab und meint, sie wird hier nach Stunden bezahlt.

Nach ewigem, umständlichen Rumgeeumele geht sie dann doch los, die schlechteste Tour, die ich je erlebt habe. Leider führt diese schlechteste aller Touren durch die zweitschönste aller Höhlen, die ich je gesehen habe. Fotografieren darf man leider nur in der Vorhöhle, nicht in der eigentlichen Höhle. Aber schon der Vorraum ist beeindruckend: Ein hoher Felsendom, dessen Decke eingestürzt ist. Durch das Loch scheint Licht hinab. Funfact: Die Leute hier in der Region kennen das Loch schon seit Ewigkeiten, und verwendeten es als Müllhalde. Erst 1938 kam jemand auf die Idee mal nachzugucken, ob darunter vielleicht noch eine Höhle ist.


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Reisetagebuch (8): Wenn der Regen Blasen wirft

Silencer ist mit dem Motorrad auf Sommertour. Heute geht es nach Lecce, eine Frau wird hysterisch und ich erfinde die komplizierteste Methode der Welt um den den Ölstand zu messen.

27.06.2018
„Wenn der Regen Blasen wirft, ist er bald vorbei“, wird mehrfach in dem Buch „Herr Lehmann“ behauptet. Das fällt mir in dem Moment ein, wo die Fahrbahn nur noch aus Blasen zu bestehen scheint. Der Regen fällt mit solcher Heftigkeit in das Wasser, dass es aussieht, als ob die ganze Fahrbahn kocht und brodelt. Dann geht die Welt richtig unter, und die Sintflut schwappt über mir zusammen.

Tricase in Apulien.
Karte: Wikimedia, Nutzer NordNordWest, CC BY-SA 3.0, Ort von mir.


„Schon 10 Tage schlechtes Wetter hier“, hatte am Vorabend Salvatore, der Kellner im „Grotta Matrona“ gesagt. „Aber morgen wird es besser, glaube ich.“

Nun, das Glauben hat nicht viel gebracht. Das denke ich schon am Morgen, als ich auf der Terrasse des Lavaturi frühstücke. Adelheid macht Omelette und zeigt mir dann, wie man es auf italienisch isst: Um eine Scheibe Brot gewickelt. Dazu gibt es frisches Obst aus dem Garten. Ich bin als erster am Frühstückstisch und zum Glück schon fast fertig, als die anderen Gäste eintreffen.

Die anderen, das sind zwei ältere Damen und ein Mann in den Siebzigern mit einem riesigen Schnäuzer im Gesicht. Offensichtlich wohlsituiert, aber anstrengend. Die Frauen sehen verhärmt aus und machen aus allem eine Wissenschaft und ein Drama. Schon als sie die winzige Knuddelkatz von Adelaide sehen, fängt eine der beiden an zu kreischen und zu zucken, die andere möchte über jedes Stück Obst diskutieren und genau wissen, wie Adelaide ihr Omelett macht.

Der Schnäuzermann ist dagegen ruhig und abgestumpft bis an den Rand der Debilität. Der kriegt nix mit. Das weiß ich, weil er gestern Abend plötzlich bei mir im Zimmer stand, während ich mich gerade umzog. Hat er halt nicht mitgekriegt, dass das nicht seins war. Und auch meine lauten Rufe „Signore! DAS HIER IST NICHT IHR ZIMMER“, nahm er lange nicht zur Kenntnis und war dann regelrecht erstaunt, als ich ihn am Arm packte und kurzerhand rauswarf.

Egal, die drei Vollpfosten bin ich ja gleich los. Ich verabschiede mich von Adelaide und trage die Koffer zur V-Strom, die die Nacht unter einem Pflaumenbaum verbracht hat. Dabei spüre ich erste Regentropfen auf dem Kopf. Nicht schon wieder. Egal. Los jetzt. 


Da ich die Grotta Zinzulusa, die einzige große Sehenswürdigkeit in dieser Gegend, gestern schon gemacht habe, fahre ich heute morgen einfach die Küstenstraße entlang nach Norden und um den Hacken Italiens herum. Die Straße ist schön geschwungen und bietet einige tolle Ausblicke.

Bild: Google Earth 2018

Was traumhaft sein könnte, artet schnell in Arbeit aus, denn es stürmt wie irre, und ich muss mich sehr auf´s Fahren konzentrieren. Meine Kopf-Jukebox spielt „Riders of the Storm“. Wie passend.

Bei Otranto halte ich an und mache einen kleinen Spaziergang an der Küste entlang. Der Wind peitscht das Meer gegen die Klippen, Gischt nebelt bis weit in die Landzunge hinein. Ich stehe kurz am Wasser und lasse mich vom Wind durchschütteln, dann gehe ich zurück zum Motorrad.

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Reisetagebuch (7): StormChaser

Mit dem Motorrad auf Sommertour. Heute fällt der Tag ins Wasser.

Dienstag, 26.06.2018, Pomarico, Basilikata
Ein Fauchen und Rauschen weckt mich aus dem Schlaf. Uh, das hört sich aber gar nicht gut an. Ein Blick aus dem Fenster bestätigt die Befürchtung: Es regnet, und die Bäume vor dem Haus werden von einem heftigen Sturm hin- und hergepeitscht.

Ein schnelles Frühstück später trage ich die Koffer zur V-Strom und mache dann die Vakuumrolle mit den Regensachen auf. Ist das erste Mal, das ich die auf dieser Fahrt brauche. Immerhin. Ein schlechter Tag kann gerne mal dabei sein.

Sorgfältig lege ich die „StormChaser“-Regenkombi an und ziehe die Riemen fest, dann streife ich die wasserdichten Handschuhe über. Jetzt kann es losgehen. Die V-Strom röhrt aus dem Unterstand, in dem sie die Nacht verbracht hat, und schlittert über den unbefestigten Hinterhof, der sich über Nacht in ein Schlammfeld verwandelt hat. Außerdem ist er übersät von Maschinenteilen: Alte Quads, Kühlmaschinen aus der Gastronomie und landwirtschaftliches Zeug in verschiedenen Stadien der Zerlegung stehen und liegen hier rum. Sieht mehr wie eine Müllhalde aus hier als wie ein Hotelbetrieb. Egal, das Colle di Siesto ist eine tolle Unterkunft, lass es doch unterm Sofa wie bei Hempels aussehen.

Dann geht es hinaus auf die Bergstraßen und runter von dem Felsmassiv, auf dem Pomarico liegt.


Bild: Google Earth 2018

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Von weiter unten kann ich den Berg sehen, auf dem der Gasthof liegt.

Der Himmel ist dunkel und der Regen wird immer stärker. Ich lasse das Garmin die Wettervorhersage für die geplante Route anzeigen. Die sieht so gemischt aus, leichte und schwere Schauer sollen sich abwechseln. Ich fahre erstmal weiter, ein Auge immer am Horizont. Der sieht dunkel aus.

Dann meldet sich meine virtuelle Copilotin im Helm. „Es wurden Meldungen für die aktuelle Route gefunden“, verkündet Anna und fängt an vorzulesen, was sie an Infos aus dem Netz gezogen hat. „Straßensperrung auf E90. Stau auf 5 Kilometern Länge auf Strada Statale 57. Unsicherer Fahrbahnzustand auf Strada Statale 57. Unfall auf Strada Provinziale 359. Der Verkehr wird einseitig umgeleitet, Staulänge 7 Kilometer. Unsicherer Fahrbahnzustand auf Strada Provinziale 359. Unfall auf…“ Ich breche die Tirade ab. Mittlerweile regnet es stark, und es ist so dunkel als wäre späte Dämmerung.

Ich lasse Anna das Wetterradar starten. Der Bildschirm im Cockpit der V-Strom springt von der Navigationsansicht auf eine Karte der Region um, über die sich langsam Wetterdaten legen, die die rudimentäre KI des Geräts aus dem aus dem Netz holt. Je nach Stärke des Niederschlags färbt sich die Karte ein. Blaue Einfärbungen sind Nieselregen, grüne und gelbe leichter bis mittlerer Regen, und so weiter. Die Umgebung auf der Karte glüht tiefrot, teilweise sogar lila! Offensichtlich ein Starkregengebiet, das über Tarent dreht – ausgerechnet der Stadt, in die ich jetzt eigentlich wollte.

Starkregen erklärt auch die etwas kryptische Meldung des „unsicheren Fahrbahnzustands“, die Anna so gehäuft gefunden hat. Die Straßen, die ich geplant hatte, sind nicht groß und vermutlich stark von LKW frequentiert. Das bedeutet: Spurrinnen und Gummiabrieb, dazu der Staub des süditalienischen Sommers. Das ergibt in Kombination mit Regen eine glitschige Mischung. Wenn dann die Fahrbahn noch mit Bitumen geflickt wird, hat sie ähnliche Reibwerte wie Glatteis. Die zahlreichen Unfälle auf der Strecke legen nahe, dass ich mit diesen Überlegungen nicht ganz falsch liege.

Nein, so ein Abenteuer brauche ich nicht. Ich lasse Anna alternative Wege zur heutigen Unterkunft suchen, und unter den drei Routen, die sie rechnet, ist auch eine, die über die großen und gut ausgebauten Strada Statales führt. Langweilig zu fahren, aber wenigstens sicher. Bei dem Wetter will ich nicht durch Orte und über kurvige und kaputte Regionalstraßen gurken. Bei so einem Wetter will ich mir auch nichts ansehen. Lieber liege ich den Rest des Tages in der Unterkunft auf dem Bett und lese, als das ich mir hier weiter den Regen um die Ohren klatschen lasse. Ich gebe Gas und steuere die Barocca zügig in das Regengebiet. Der Wind frischt weiter auf. “ So muss es sich anfühlen, durch einen Tropensturm zu fahren“, denke ich, während das Motorrad ordentlich durchgeschüttelt wird.
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Reisetagebuch Motorradtour (6): Mach Deine Hausaufgaben

Silencer ist mit dem Motorrad auf Sommertour. Heute geht es durch die Basilicata, die V-Strom sprüht Funke, eine Straße geht steil und nebenbei werden die Lieblingswerkzeuge zu Reisevorbereitung vorgestellt.

Gott, bin ich müde! Beim Schreiben dieser Zeilen fallen mir die Augen zu. War aber auch ein langer Tag und vorher schon klar. Ich plane ja sowas. Intensiv. Always do your resarch, mach Deine Hausaufgaben! Je mehr Zeit man in die Vorbereitung investiert, desto weniger Stress hat man später, und umso mehr hat man von der Reise. Ich nehme mir damit keine Spontanität, ich steigere mit Planung die Intensität. Bis zur Erschöpfung.

25.06.2018, Monte Sant´Angelo, Apulien
Zwölf Stunden früher: Im Zimmer ramentert es, was mich aus dem Schlaf reisst. Ich bin nicht ganz sicher, ob mich das Ehepaar im Zimmer nebenan geweckt hat, das sich anscheinend über das Fernsehprogramm streitt, oder ob es das Wiesel ist, das seine verfilzte Nase in die Morgenluft über dem Golf von Manfredonia hält.

Zu meiner Überraschung hat sich die Geburtstagsgesellschaft, die bis spät in die Nacht vor meinem Hotelzimmer gefeiert hat, komplett aufgelöst und ist verschwunden. Im Frühstückssaal bin ich nämlich allein. Interessant, die die haben gefeiert bis in die Puppen, aber übernachtet hat hier anscheinend keiner der Partygäste.

Sind die etwa alle letzte Nacht noch besoffen nach Hause gefahren? Ich lasse die Kuchengabel fallen und renne vor´s Haus. Puh, die V-Strom steht noch in der Zufahrt des Parkplatzes, ohne einen Kratzer. Hätte mir noch gefehlt, das ein Partygast die Karre umfährt.

Zwischen Monte Sant´Angelo und meinem ersten Ziel an diesem Tag liegen nur 30 Kilometer. Es ist warm, und die V-Strom summt in einem Tal im Bergmassiv des Gargano entlang und zum nächsten größeren Ort. Die Gegend hier ist ziemlich verlassen, nur ein paar Schafe gucken dem Motorrad hinterher.

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Bei dem Ort, zu dem ich nun will, handelt sich um San Giovanni Rotondo. Das ist eine kleine Stadt, aber einer der bekanntesten Orte Italiens. Kennt aber außerhalb des Landes kaum jemand. Solche Orte findet man, wenn man seine Hausaufgaben macht. So nenne ich die Vorbereitung einer Reise.

Von Monte Sant´Angelo im Osten nach San Giovanni Rotunda, rund 30 Kilometer.
Bild: Google Maps

Unter „Hausaufgaben machen“ gehört die Beschäftigung mit Land oder Region und den jeweiligen Eigenarten. Dabei helfen mir oft klassische Reiseführer, also gedruckte Bücher auf Papier(!). In den vergangenen Jahren haben sich aber auch Bild- und Fotobände bewährt, um Ziele zu finden, wo ich dann spontan sage: Da möchte ich hin!

Bei den elektronischen Medien nutze ich das bekannte Trip Advisor witzigerweise so gut wie gar nicht. Zu verschieden sind meine Vorlieben und die Empfehlungen der Masse, die Trip Advisor abbildet, darum finde ich nur selten Orte und Aktivitäten darin, die mich ansprechen.

Sehr cool und von mir gerne benutzt ist hingegen der Atlas Obscura, eine Sammlung von Orten, die von ungewöhnlich über skurril bis hin zu eklig reichen. Mein allerwichtigstes Planungstool ist Google Maps. Damit berechne ich nicht nur Etappen, damit suche ich auch, in der Satelitenansicht, nach interessanten Orten. Spätestens damit wäre mir San Giovanni Rotondo aufgefallen, denn mitten in dem Dorf steht das hier:

Bild: Google Maps 2018

Das will ich mir jetzt ansehen!

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Reisetagebuch Motorradtour (5): Das platte Land

Silencer ist mit dem Motorrad auf Sommertour. Heute geht es in den Mezzogiorno und in den Umbrawald, wo die Umbrahexen wohnen.

Sonntag, 24.06.2018, Hotel Tremonti, Popoli
Es ist kurz nach sechs, und die beiden alten Männer im Nebenraum ratschen wie die Waschweiber. Kaum sind sie wach, was leider sehr früh ist, quatschen sich die beiden eine Naht zusammen. Durch die Verbindungstür zwischen unseren Zimmern klingt es, als ob die beiden links und rechts an meinem Bett stehen und sich über mir unterhalten. An Schlaf ist nicht mehr zu denken, das Gesabbel geht selbst durch die Ohrenstöpsel. Ich seufze, setze mich auf und blicke auf die Uhr. Scheiße. Ich wollte zwar früh los, aber doch nicht SO früh.

Als ich in den Frühstücksraum komme, wartet die nächste unangenehme Überraschung. Trotz der frühen Uhrzeit ist das Buffet schon leergefressen. Die Buslandung Rentner, die gestern Abend eingetroffen ist, hat sich wie ein Schwarm Heuschrecken darüber hergemacht und in Rekordzeit alles vertilgt. Jetzt stehen überall widerlich gutgelaunte, sportlich aktive und in Membranklamotten eingeschweißte Senioren herum und schnattern. Mißmutig ignoriere ich die letzten Kuchenkrümel, die wie die Überbleibsel eines Schlachtfelds auf verwüsteten Tellern herumliegen, nehme mir einen Espresso, stürze den runter und trage dann die Koffer zum Motorrad.

Sofort steht eine Traube Senioren um das Motorrad und inspiziert meine Startvorbereitungen. Ich lasse mich davon nicht aus der Ruhe bringen und gehe meine Pre-Start Checkliste durch.

Koffer fest in Halterung und gesichert? – Check.
Topcase verschlossen und fest in Halterung? – Check.
Bremsscheibenschloss ab? – Check.
Navi fest in Halterung? – Check.
Helm eingeschaltet? – Check.
Jacke geschlossen und Kalibrierung läuft? – Check.
Handy, Portemonnaie, Schlüssel und Tracker sind alle da und stecken in den richtigen Taschen? – Check.

Jeder Handgriff sitzt, kein prüfender Blick ist überflüssig. Ich brauche dieses bewusste Durchgehen, nur für mich selbst. Wenn ich jetzt nicht bewusst diese Sachen prüfe, werde ich spätestens nach einem Kilometer auf der Straße denken „Sitzt das Topcase WIRKLICH fest?“ oder „Habe ich den Schlüssel wirklich dabei?“ – und dann werde ich wieder anhalten, absteigen und nachgucken. Besser jetzt all dieser Sachen versichern und beruhigt losfahren.

Ich lasse den Motor an und hebe das Motorrad vom Ständer.

Seitenständer weg? – Check.
Navi läuft und Route für heute ist geladen? – Check.
Bluetoothverbindungen zwischen Motorrad, Navi und Helm stehen? – Check.
Jacke ist kalibriert und Airbagsystem läuft? -Check.
Reifendruck OK? – Meeep, nein.

Anna meldet sich in meinem Helm. Der Reifendruck ist zu niedrig, signalisiert sie. Ich ignoriere das und fahre los, steuere um die Absperrung der Hoteleinfahrt und lasse die Aktivsenioren hinter mit zurück.

Das mit dem Reifendruck ist OK so. Ich habe den eingestellt als draußen 25 Grad waren. Diese Temperaturen werden ich in den kommenden Tagen auch wieder erleben. Aber heute Morgen, hier oben in den Bergen, haben wir gerade 10 Grad. Da darf der Druck etwas zu niedrig sein. Sobald ich aus den Bergen raus bin und es wieder wärmer wird, passt alles wieder.

Popoli liegt zwar nur 250 Meter über dem Meeresspiegel, aber in den Ausläufern der Abbruzzen, des großen Gebirges in der Mitte Italiens. Karte: Wikimedia, Nutzer NordNordWest, CC BY-SA 3.0

Ich gebe Gas und fahre die Staatsstraße Richtung Pescara. Das Navi besteht darauf, auf die Autobahn zu wollen, aber ich bleibe stur auf der SS05. Das beschert uns schöne Anblicke von Weinbergen und eine nette Kurverei. „Sie befinden sich nicht auf der schnellsten Route. Bitte wenden sie“, nörgelt mir die virtuelle Copilotin ins Ohr. „Anna, sie haben eindeutig zu wenig Sinn für Romantik“, erwidere ich und ziehe die V-Strom der Morgensonne entgegen.

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Immer neben der Autobahn her: Kurvige und schöne Staatsstraße. Bild: Google Earth 2018.

Vor Pescara biege ich ab. Jetzt geht es nach Süden, die Küste hinunter.

Bild: Google Earth 2018.

Das macht so mittelviel Freude, wie fast überall in Italien ist auch hier die Küste so eng bebaut, das man vom Meer nur selten etwas sieht. Dafür fährt man an endlosen Reihen von Restaurants und Fertighäusern vorbei. Aber manchmal blitzt doch das Meer zwischen ihnen durch, und dann fühlt sich das hier auch an wie eine Küstenstraße.

Bei Marina di San Vito halte ich an und stelle die Barocca an der Strandpromenade ab.


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Reisetagebuch Motorradtour (4): Ich war im Himmel, dort ist es sehr kalt

Silencer ist mit dem Motorrad auf Sommertour. Nach einer Woche Pause geht es heute weiter, in einer Gewalttour von der nördlichen Toskana bis hinter die Abbruzzen.

Samstag, 23.06.2018
Und dann ist die Woche auf I Papaveri schon wieder vorbei. Sieben Tage lang „Alls kann, nichts muss“. Sieben Tage, in denen ich hauptsächlich am Strand rumlag, ein wenig Motorradfahren geübt und ansonsten nichts getan habe, aber das bei strahlendem Wetter. Jetzt packe ich meine Sachen zusammen und verstaue sie sorgfältig in den Seitenkoffern. Die Koffer werden in die Kofferhalter am Motorrad eingeklickt, und dann mit Rok Straps gesichert. Die Gurte sind neu, eine Last Minute Ergänzung vor der Abreise.

Givi Koffer, hatte ich immer gedacht, können schon aufgrund ihrer genialen, selbstsicherenden Konstruktion gar nicht währen der Fahrt abhanden kommen. Bis X-Fish mich eines bessern belehrte, anscheinend ist es unter gewissen Umständen doch möglich, Givis zu verlieren.

Ob das nun stimmt oder nicht spielt keine Rolle: Die neuen Gurte geben mir mehr Sicherheit. Ich muss nun auf Rumpelstrecken nicht dauernd in die Rückspiegel gucken, ob das Gepäck noch da ist. Und da die Gurte am Motorrad bleiben, macht die zusätzliche Sicherung wenig Aufwand, und ich kann sie sogar verwenden, um damit Dinge auf der Sitzbank festzuzurren.

Es ist Samstag, und schon um kurz vor Sieben steht die Barocca fertig beladen vor dem Tor.

Ein kurzer Blick zurück, dann geht es los. Von Franca und Licio habe ich mich gestern schon verabschiedet. Die alten Herrschaften sind zwar Frühaufsteher, aber so früh dann doch nicht. Freiwillig wäre ich auch nicht um 6 Uhr aufgestanden, aber nach einer Woche Stillstand liegt heute eine lange Reiseetappe vor mir. Die ist selbst nach meinen Maßstäben ordentlich.

Das frühe Unterwegs sein hat noch einen anderen Nebeneffekt: Um diese Zeit ist es noch nicht so brütend heiß, dass macht es einfacher, die fast leere SS01 zu fahren. Parallel zu Küste geht es nach Süden, 130 Kilometer, an Grossetto vorbei und auf der Höhe von Capalbio von der Schnellstraße runter und ins Landesinnere.

Es ist sehr stürmisch, und die Fahrt dementsprechend unruhig. Immer wieder wird die Barocca von Windböen gepackt und durchgeschüttelt. Die große Maschine bietet dem Sturm ordentliche Angriffsflächen, bleibt aber immer beherrschbar. Dunkle Wolkenbänder ziehen über den Himmel, aber regnen tut es zum Glück nicht.

Sonnig, aber stürmisch.

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Kategorien: Motorrad, Reisen | 5 Kommentare

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